In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, inwiefern es nachvollziehbar ist, dass die Stilrichtungen, die die Kunst (1) und die Musik im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert einschlugen, einheitlich mit dem Wort „Barock“ gekennzeichnet werden. Da die Musikgeschichte diesen Stilbegriff von der Kunstgeschichte übernahm (2), soll die Motivation hinter dieser Übertragung der Epochenbezeichnung aufgezeigt werden.
Hierzu werde ich zunächst eine allgemeine Einführung zum Begriff „Barock“ und zum Zeitalter der damit bezeichneten Epoche geben. Dies soll u.a. den Zeitgeist des Barock aufzeigen, da dieser maßgeblichen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung nahm (3). Anschließend lege ich nacheinander die kennzeichnendsten Charakteristika barocker Kunst und Musik dar, die selbst von Kritikern des Konzeptes der Stilgeschichte (4) nicht abgestritten werden (5). Hierzu gehe ich beispielhaft auf Werke, Gebäude und Menschen ein, die den Stil des Barock einleiteten und an denen die weitere Entwicklung ausgerichtet wurde. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in dem Vergleich der Merkmale unter Berücksichtigung des Zeitgeistes und den Aufgaben, die die Künste von ihren Auftraggebern gestellt bekamen. Der Schlussteil dient der zusammenfassenden Darstellung der Ergebnisse, die sich aus dem Vergleich schließen lassen. Es wird aufgezeigt, dass die Übertragung des Stilbegriffes durchaus seine Berechtigung hat und in Kunst und Musik mit ähnlichen Mitteln die gleichen Wirkungen erzielt werden sollten.
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(1) In dieser Arbeit ist „Kunst“ grundsätzlich als Oberbegriff für Architektur und Bildende Kunst
aufzufassen, während der Plural als Oberbegriff für Kunst und Musik zu verstehen ist.
(2) Werner-Jensen 2001: S. 87.
(3) Finscher 1994: Sp. 1242.
(4) Die Stilgeschichte bemüht sich, die kulturellen Entwicklungen einzelner Zeiten und Künstler
übergeordnet zu einheitlichen Stilen zusammengefasst werden. Kritiker sprechen sich gegen diese
Konzeption von Geschichtsschreibung aus, da sie sie als zu verallgemeinert betrachten und der
Auffassung sind, dass die Werke alleine eines Künstlers zu unterschiedlich sind, um sie verallgemeiner
bestimmten Tendenzen zuzuschreiben. Nichtsdestotrotz streiten sie nicht generell Ähnlichkeiten ab.
(5) Finscher 1994: Sp. 1235/1236.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Barock
2.1 Begriffserläuterung
2.2 Zeitalter des Barock
3. Stilmerkmale des Barock
3.1 Stilmerkmale Kunst
3.1.1 Architektur
3.1.2 Bildende Kunst
3.2 Stilmerkmale Musik
4. Vergleich der barocken Kunst und Musik: Merkmale und Aufgaben
4.1 Merkmale barocker Kunst und Musik
4.1.1 Kontrast und Gesamtharmonie
4.1.2 Ausschmückung, Übersichtlichkeit und Verständlichkeit
4.1.3 Gesamtkunstwerk
4.2 Aufgaben barocker Musik und Kunst
4.3 Unterschiede barocker Kunst und Musik
5. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berechtigung, die Stilrichtungen der Kunst und Musik im 17. und frühen 18. Jahrhundert einheitlich unter dem Begriff „Barock“ zu subsummieren, und analysiert die Motivation hinter dieser kunstgeschichtlichen Übertragung auf die Musik.
- Historische Einordnung und Zeitgeist des Barock
- Analyse stilistischer Charakteristika in Architektur, Bildender Kunst und Musik
- Vergleich der künstlerischen Ausdrucksmittel wie Kontrast, Dramatik und Ornamentik
- Untersuchung der gesellschaftlichen und religiösen Aufgaben der Künste
- Das Konzept des Gesamtkunstwerks als verbindendes Element
Auszug aus dem Buch
3.1 Stilmerkmale Kunst
Erste Züge barocker Kunst finden sich in Italien um 1575, namentlich in Rom. Sie kann als Gegenbewegung zum Manierismus verstanden werde: Im Gegensatz zum Manierismus strebte der Barock nach Verständlichkeit, Übersichtlichkeit und Gesamtharmonie, wenn er auch gleichzeitig geprägt ist durch vielfältige Ausschmückung, Kontraste und Dramatik. Es verwundert also nicht, dass barocke Künstler sich wieder dem Antiken- und Renaissancestudium zuwandten. In der Kunst wurden bewusst klassische Prinzipien wiedereingesetzt, wenn sie auch in neuer Weise verwendet wurden, um den Ansprüchen nach Einfallsreichtum, kühnen Effekten und Bewegtheit gerecht zu werden.
Diese typisch barocken Ausprägungen der Kunst beschränken sich hauptsächlich auf die katholischen Gebiete. Die protestantische Kunst blieb demgegenüber deutlich nüchterner. Aus diesem Grund wird das Hauptaugenmerk der Betrachtungen auf der Kunst des katholischen Europas liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob die stilistische Zusammenfassung von Kunst und Musik unter dem Barockbegriff gerechtfertigt ist, und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Barock: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft des Begriffs und definiert den Zeitrahmen sowie die prägenden gesellschaftlichen und religiösen Spannungen des Zeitalters.
3. Stilmerkmale des Barock: Hier werden die spezifischen Charakteristika von Architektur, Bildender Kunst und Musik dargelegt, wobei der Fokus auf italienischen Einflüssen und dem Aufkommen neuer Stilmittel liegt.
4. Vergleich der barocken Kunst und Musik: Merkmale und Aufgaben: In diesem Hauptteil werden die Künste vergleichend betrachtet, wobei das Augenmerk auf gemeinsamen Wirkungsabsichten, dem Gesamtkunstwerk und den Anforderungen der Auftraggeber liegt.
5. Schlussteil: Das Fazit bestätigt die Einheitlichkeit des Barockstils über beide Gattungen hinweg, bei gleichzeitigem Verweis auf den singulären Aspekt des Naturalismus in der bildenden Kunst.
Schlüsselwörter
Barock, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Gesamtkunstwerk, Affektenlehre, Architektur, Gegenreformation, Absolutismus, Generalbass, Stilmerkmale, Dramatik, Kontrast, Naturalismus, Epochenbezeichnung, Italienische Kunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, inwiefern es begründet ist, die künstlerischen und musikalischen Entwicklungen des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts einheitlich unter dem Epochenbegriff „Barock“ zu führen.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Im Zentrum stehen die stilistischen Gemeinsamkeiten von Architektur, Bildender Kunst und Musik, die historische Einbettung sowie der Einfluss der jeweiligen Auftraggeber auf die Gestaltung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die Motivation aufzuzeigen, warum die Musikwissenschaft den ursprünglich aus der Kunstgeschichte stammenden Begriff „Barock“ übernommen hat und welche Parallelen dabei zwischen den Künsten bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse der Merkmale und Funktionen von Kunst und Musik unter Berücksichtigung des historischen Zeitgeistes und zeitgenössischer Quellen.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Stilelemente des Barock, die Rolle der Affektenlehre in der Musik, den architektonischen Wandel sowie die Funktion der Künste als Mittel zur Machtrepräsentation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch die Begriffe Affektenlehre, Gesamtkunstwerk, Generalbass, Gegenreformation und den Vergleich von Kunst und Musik beschreiben.
Was bedeutet der Begriff „Gesamtkunstwerk“ im barocken Kontext?
Es beschreibt das Bestreben, verschiedene Kunstgattungen wie Musik, Architektur und Bildende Kunst miteinander verschmelzen zu lassen, um eine übergeordnete, atmosphärische Wirkung auf den Betrachter oder Zuhörer auszuüben.
Warum spielt die Religion eine so große Rolle im Barock?
Die Religion, insbesondere im Kontext der Gegenreformation, fungierte als treibende Kraft für Auftraggeber. Die Künste wurden genutzt, um Gläubige zu beeindrucken und durch prunkvolle Darstellungen eine „Vision himmlischer Herrlichkeit“ zu vermitteln.
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- Katharina Fee Volling (Author), 2008, Kunst und Musik im Zeitalter des Barock - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92791