Die Entwicklung der Menschheit von einer Urgesellschaft bis zur Zivilisation, vor allem die Ausbildung der modernen monogamen Familie im Zusammenhang mit der Entstehung des Patriarchats scheint kommunistische Denker beschäftigt zu haben. Bereits Karl Marx hat mit sich Lewis Henry Morgan, einem amerikanischen Ethnologen, befasst und dessen Ergebnisse mit denen seiner materialistischen Geschichtsuntersuchung in Zusammenhang gebracht. Nach Marx’ Tod 1883 vollendete Friedrich Engels dessen begonnenes Werk unter Verwendung seiner Notizen und schreibt „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“. Auch der sozialistische Denker August Bebel beschreibt in seinem Werk „Die Frau und der Sozialismus“ die Veränderung der Stellung der Frau und dadurch der Familie in der Geschichte durch die Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat. In diesem Essay sollen die Ausführungen beider Denker differenziert und kritisch betrachtet werden, unter Einbeziehung moderner Matriarchatsforschung. Ferner sollen Überlegungen angestellt werden, welche Absicht genannte Autoren verfolgen könnten, wenn sie sich einer solchen Thematik widmen.
Auffallend ist, dass sich sowohl Engels als auch Bebel auf die Ergebnisse von Lewis Henry Morgan und Johann Jakob Bachofen berufen. Darum erscheit es sinnvoll, zu Beginn auf diese Quellen einzugehen.
Der US-amerikanische Anthropologe Morgan gilt als einer der Begründer der Ethnologie. Er hat Feldforschung bei Irokesenvölkern betrieben und aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen seine Theorie der evolutionistischen Entwicklung der gesamten Menschheit entwickelt. Demnach durchlaufen alle menschlichen Kulturen die Entwicklungsstufen Wildheit und Barbarei, die wiederum jeweils in drei Phasen unterteilt werden, bis sie schließlich die höchste Stufe, die Zivilisation, erreichen. Die alles andere als wissenschaftlich neutralen Begriffe Wildheit und Barbarei lassen bereits eine Abwertung vermuten. So sind sie bei Morgan durchaus zu verstehen, die lineare Entwicklung zur Zivilisation sieht er als Fortschritt und Ziel der Menschheit, was schon im Untertitel seines Hauptwerks „Die Urgesellschaft, oder: Untersuchung über den Fortschritt der Menschheit aus der Wildheit durch die Barbarei zur Zivilisation“ zu erkennen ist.
Inhaltsverzeichnis
- Marxismus und Matriarchat
- Matriarchatsforschung
- Lewis Henry Morgan
- Johann Jakob Bachofen
- Heide Göttner-Abendroth
- Friedrich Engels
- August Bebel
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay beleuchtet die Konzepte des Marxismus und des Matriarchats, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Familie und der Stellung der Frau in der Geschichte. Er analysiert die Ansichten von Karl Marx, Friedrich Engels und August Bebel, die sich mit der Entstehung des Patriarchats und dem Übergang von matriarchalischen zu patriarchalischen Gesellschaftsformen auseinandersetzten. Der Essay betrachtet auch die Kritik an diesen Ansichten im Licht moderner Matriarchatsforschung.
- Entwicklung der Familie und Stellung der Frau
- Entstehung des Patriarchats
- Matriarchalische Gesellschaftsformen
- Kritische Analyse von Marx, Engels und Bebel
- Moderne Matriarchatsforschung
Zusammenfassung der Kapitel
- Das Matriarchat: Eine Einleitung: Der Essay führt in die Thematik des Matriarchats ein und stellt die zentralen Fragen und Ansätze der Diskussion dar.
- Matriarchatsforschung: Dieser Abschnitt betrachtet die Beiträge von Lewis Henry Morgan und Johann Jakob Bachofen zur Matriarchatsforschung, wobei ihre Methoden und Ansichten erläutert werden.
- Heide Göttner-Abendroth: Die Arbeit beleuchtet die Definition des Matriarchats durch Heide Göttner-Abendroth und erklärt ihre Kritik an den traditionellen Ansätzen, die Matriarchat als Herrschaftssystem verstehen.
- Friedrich Engels: Die Ausführungen von Friedrich Engels in "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" werden analysiert. Dabei wird insbesondere auf seine Darstellung der Entwicklungsstufen der menschlichen Gesellschaft, die Entstehung der Monogamie und die veränderte Stellung der Frau im Patriarchat eingegangen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit zentralen Begriffen wie Matriarchat, Patriarchat, Familie, Geschlechterrollen, Marxismus, Sozialismus, Lewis Henry Morgan, Johann Jakob Bachofen, Heide Göttner-Abendroth, Friedrich Engels, August Bebel, evolutionistische Entwicklung, Gruppenehe, Monogamie, Privateigentum, Arbeitsteilung.
Häufig gestellte Fragen
Wie definieren Marxismus und Sozialismus die Entstehung des Patriarchats?
Denker wie Engels und Bebel sahen die Entstehung des Patriarchats eng verknüpft mit der Einführung von Privateigentum und der Ablösung gemeinschaftlicher Urgesellschaften durch die monogame Kleinfamilie.
Welche Rolle spielte Lewis Henry Morgan für die Theorie von Engels?
Morgan lieferte mit seinen Studien zu Irokesenvölkern die ethnologische Basis für Engels' Werk „Der Ursprung der Familie“, insbesondere durch die Beschreibung von Stufen wie „Wildheit“ und „Barbarei“.
Was versteht man unter moderner Matriarchatsforschung?
Moderne Forschung, etwa von Heide Göttner-Abendroth, definiert Matriarchate nicht als „Frauenherrschaft“, sondern als egalitäre Gesellschaftsformen mit mütterlichen Werten und spezifischen sozialen Strukturen.
Wie veränderte sich die Stellung der Frau laut August Bebel?
Bebel argumentierte in „Die Frau und der Sozialismus“, dass die Frau durch die Entwicklung des Privateigentums und des Staates in eine Abhängigkeit geriet, die erst durch den Sozialismus überwunden werden könne.
Was ist der Zusammenhang zwischen Monogamie und Privateigentum?
Nach marxistischer Theorie diente die Monogamie dazu, die Vaterschaft sicherzustellen, damit das Privateigentum gezielt an die eigenen leiblichen Erben weitergegeben werden konnte.
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- Sofie Sonnenstatter (Author), 2007, Marxismus und Matriarchat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92814