Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill


Seminararbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Biographie von Jeremy Bentham

3. Biographie von John Stuart Mill

4. Die Grundzüge Jeremy Benthams Utilitarismus
4.1 Das Prinzip der Nützlichkeit
4.2 Quantitativer Hedonismus
4.3 Benthams Sanktionsmodell

5. John Stuart Mills Utilitarismus im Vergleich zu dem Benthams
5.1 Das Nützlichkeitsprinzip nach Mill
5.2 Einführung des qualitativen Aspekts
5.3 Das Motiv einer Handlung
5.4 Die Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips und die Bedeutung der Erziehung
5.5 ‚Beweis’ für das Nützlichkeitsprinzip

6. Zusammenfassung

7. Schlussgedanke

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Der Utilitarismus ist, vor allem in der englischsprachigen Welt, eine der wichtigsten und meist diskutierten moralphilosophischen Theorien, die seit den Anfängen im 19. Jahrhundert auch von vielen Seiten kritisiert wurde. Die Vertreter dieser Ethik mussten sich stets gegen heftige Vorurteile verteidigen und auch heutzutage werden Debatten unter dem Gesichtspunkt des Utilitarismus geführt, ob beispielsweise Terroristen die Folter angedroht oder sogar gefoltert werden dürfen, wenn dadurch Menschenleben gerettet werden können.

Jeremy Bentham gilt mit seinem Werk ‚Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung’ als der Begründer des Utilitarismus. John Stuart Mill hat in seinem Essay ‚Der Utilitarismus’ die Theorien seines Vorgängers weiterentwickelt, gegen Vorwürfe verteidigt, indem er missverständliche Aspekte deutlicher formulierte und manches ein wenig veränderte. Die größte Veränderung ist die Einführung des qualitativen Aspekts bei der Bewertung von Freuden und Leiden bei Mill, während Bentham sich auf den quantitativen beschränkte. Darauf werde ich am Schluss meiner Arbeit eingehen, nachdem ich die Grundzüge der Theorien beider erläutert und miteinander verglichen habe.

2. Biographie von Jeremy Bentham

Der englische Philosoph und Jurist Jeremy Bentham gilt als Begründer des Utilitarismus. Er wurde 1748 in London geboren, wo er auch 1832 starb. Seit seinem Studium der Rechtswissenschaften in Oxford interessierte er sich vor allem für Fragen der Gesetzgebung und des Strafrechts. Sein Hauptwerk „An Introduction into the Principles of Morals and Legislation“, zu deutsch „Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung“ war ursprünglich als Einleitung zu rechtsphilosophischen Überlegungen gedacht, wurde aber dann zu einem eigenständigem moralphilosophischen Werk ausgearbeitet und erschien 1789. 1808 gründete er zusammen mit James Mill die ‚Radicals’, eine Bewegung , die sich für mehr Demokratie in England einsetzte durch Ausbreitung des Wahlrechts und geheime Wahlen und für die Reformierung des Strafrechts.[1]

3. Biographie von John Stuart Mill

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren. Sein Vater, James Mill, war ein bekannter Psychologe, Nationalökonom und Historiker und war zudem ein enger Freund und Anhänger Jeremy Benthams. Er hat dessen Lehre radikalisiert und popularisiert. Mit seinem Sohn hatte er ein Erziehungsexperiment vor; er wollte ihn zu einem Wunderkind erziehen. Deshalb lernte John Stuart Mill mit drei Jahren Griechisch, mit acht Jahren Latein und las in diesem jungen Alter bereits philosophische Werke, wie beispielsweise von David Hume. Er wuchs in völliger Isolation auf, wurde von seinem Vater unterrichtet und kannte auch ausschließlich dessen Freunde, natürlich alle Anhänger des Utilitarismus. Folglich wurde er selbst zum Utilitaristen, beschäftigte sich intensiv mit Benthams Schriften und gründete mit 16 Jahren die ‚Utilitarian Society’, wo man über Ethik, Politik und Recht diskutierte. In den darauf folgenden Jahren verfasste er radikale Briefe, Essays und hielt Reden. Nach dem Tod seines Vaters 1836 erlitt Mill eine schwere Krise. Er begann allmählich, die Lehre des Utilitarismus zu hinterfragen, wendete sich vom radikalen und doktrinären Typ ab und verfasste kritische Essays über Bentham. Seine Weiterentwicklung von Benthams Theorie erschien 1863 in der Verteidigungsschrift ‚Utilitarism’. John Stuart Mill starb am 7. Mai 1873 in Avignon. Im selben Jahr erschien seine Autobiographie.[2]

4. Die Grundzüge Jeremy Benthams Utilitarismus

Im Folgenden werden die drei Hauptpunkte aus Benthams Essay ‚Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung’ erläutert. Auf weitere Aspekte seiner Theorie, die von John Stuart Mill übernommen wurden, gehe ich, um Wiederholungen zu vermeiden, im zweiten Teil meiner Arbeit ein.

4.1 Das Prinzip der Nützlichkeit

„Die Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souveräner Gebieter – Leid und Freude – gestellt. Es ist an ihnen allein aufzuzeigen, was wir tun sollen, wie auch zu bestimmen, was wir tun werden.“[3] Dies ist der erste Satz von Benthams Hauptwerk ‚Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung’. Freude (pleasure) und Leid (pain) – im Folgenden auch Lust und Unlust benannt[4] – beherrschen also auf der einen Seite den Menschen in allem was er tut und stellen auf der anderen Seite den Maßstab dessen auf, was er tun soll. Pleasure wird bei Bentham mit Glück gleichgesetzt sowie mit Annehmlichkeit, Vorteil und Gewinn, als Synonyme für Leid nennt er Unglück, Unannehmlichkeit, Nachteil, Verlust und Unheil.[5] Glück und Nützlichkeit hängen bei Bentham auch eng zusammen, was allerdings aus seinem Werk nicht deutlich hervorging, bis er es 1822 in einer Fußnote hinzugefügte.[6] Unter Nützlichkeit ist die Eigenschaft eines Objekts zu verstehen, Glück zu befördern oder von Unglück zu bewahren. Eine Handlung entspricht daher der Nützlichkeit, wenn sie mehr Glück als Leid hervorruft.[7] Mit Nützlichkeitsprinzip meint Bentham „jenes Prinzip, das das größte Glück all derer festsetzt, deren Interesse als das richtige und angemessene, und zwar als das einzig richtige und angemessene und schlechthin wünschenswerte Ziel menschlichen Handelns in Frage stellt“[8]. Ein Anhänger dieses Prinzips beurteilt Handlungen also immer nach der Tendenz, Glück für alle Betroffenen dieser Handlung zu befördern. Dabei sind jegliche menschliche Handlungen gemeint, Bentham bezieht das aber vor allem auch auf Handlungen der Regierung, denn diese hat die Aufgabe, das Glück der Regierten zu befördern.[9]

[...]


[1] Prechtl, Peter: Bentham, Jeremy. In: Lutz, Bernd (Hg.): Metzler Philosophenlexikon. Stuttgart 2003, S. 79-80.

[2] Vgl. Gaulke, Jürgen: John Stuart Mill. Reinbek bei Hamburg, 1996.

[3] Bentham, Jeremy: Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung. In: Höffe, Otfried (Hg.): Einführung in die utilitaristische Ethik. München 1975, S. 35.

[4] In den deutschen Übersetzungen der Werke von Bentham und Mill wird pleasure sowohl mit Freude als auch mit Lust übersetzt, pain mit Leid oder Unlust.

[5] Vgl. Bentham, S. 51.

[6] Vgl. ebd., S 53.

[7] Vgl. ebd., S. 36.

[8] Ebd., S. 53.

[9] Vgl. ebd., S. 35-37.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Proseminar: Auf dem Weg zum Glück
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V92819
ISBN (eBook)
9783638062589
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Utilitarismus, Theorien, Jeremy, Bentham, John, Stuart, Mill, Proseminar, Glück
Arbeit zitieren
Sofie Sonnenstatter (Autor), 2006, Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92819

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden