Die Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Sep Ruf, 1952/54) durch Hascher Jehle Architektur (2013)


Akademische Arbeit, 2015

42 Seiten, Note: 1,0


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Leseprobe

Sep Rufs Pavillon-Ensemble für die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg gilt als Architekturikone der Nachkriegsmoderne. Der Bau, der bisweilen sogar auf eine Stufe mit Gropius' Bauhaus in Dessau gestellt wird, wurde im Jahr 2013 durch das Büro Hascher Jehle Architektur erweitert. Obwohl der Neubau für sich betrachtet im Großen und Ganzen annehmbar ist, hat man der Bestandsarchitektur keinen Gefallen getan. Eine folgenreiche Neukonzeption der Erschließung des Campus einerseits und der unfreiwillige Ausdruck maximaler Verschlossenheit der Baukörper zum umgebenden Landschaftsraum andererseits lassen die Erweiterung zu einer Karikatur des denkmalgeschützten Bestands geraten. Hier wurde nicht nur die Chance auf eine Entwicklung dieses architekturgeschichtlich bedeutungsvollen Ortes verpasst – man hat dem Ruf-Bau nachträglich einen Teil seiner Qualitäten genommen.

GLIEDERUNG

1. EINLEITUNG

2. BESTANDSARCHITEKTUR VON SEP RUF
2.1. Städtebauliches Konzept
2.2. Erschliessung
2.3. Grundrissstruktur
2.4. Integration in die Landschaft
2.5. Transparenz und Leichtigkeit
2.6. Einfachheit

3. WETTBEWERB
3.1. Auslobung
3.2. Ergebnis

4. BAUBESCHREIBUNG
4.1. Entree
4.2. Bauteil B - „Kommunikationspavillon"
4.2.1. Raumprogramm
4.3. Bauteil A - „Atelierpavillon"
4.3.1. Raumprogramm
4.4. Bauteil C - „Theoriepavillon"
4.4.1. Raumprogramm

5. ANALYSE
5.1. Städtebauliches Konzept
5.2. Erschliessung
5.2.1. Eingang
5.2.2. Innere Erschliessung
5.2.3. Vernetzung mit dem Bestand
5.3. Grundrissstruktur
5.4. Gestaltprägende Elemente und Konstruktion
5.4.1. Wände und Öffnungen
5.4.2. Dächer und Stützen
5.4.3. Materialien und Farben
5.4.4. Detailbehandlung

6. ZUSAMMENSCHAU

LITERATUR

1. EINLEITUNG

In den frühen Fünfzigerjahren bezog die Akademie der Bildenden Künste ein neues Gebäude am Stadtrand von Nürnberg, errichtet von ihrem Professor für Archi­tektur und Stadtplanung, Sep Ruf. Zuvor hatte die Lehre kriegsbedingt im Schloss von Ellingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen stattgefunden. Sechzig Jahre spä­ter, 2013, konnte auf dem Gelände abermals ein Neubau bezogen werden - diesmal vom Lehrstuhl für Kunstpädagogik, der seit seiner Gründung in Außenstellen unter­gebracht war, zuletzt ebenfalls in den alten Gemäuern einer Burg im 20 Kilometer entfernten Städtchen Lauf. Der Erweiterungsbau wurde nach Plänen des Berliner Bü­ros Hascher Jehle Architektur realisiert.

Das Gebäude der Nachkriegsmoderne gilt auch über Fachkreise hinaus längst als Architekturikone und wird bisweilen sogar auf eine Stufe mit dem Bauhaus in Dessau gestellt.1 Im Vergleich zu Gropius' Meisterwerk ist der Bau von Sep Ruf von kunsthistorischer Seite bisher jedoch weniger umfassend bearbeitet worden. 1985 fand in München eine Ausstellung unter dem Titel „In Memoriam Sep Ruf" statt, zu der Hans Wichmann ein Begleitbuch mit Werkverzeichnis herausgab. Der darin ver­öffentlichte Aufsatz von Kurt Schneider leistet erstmalig eine Beschreibung und Ein­ordnung des Objekts. Erst nach der Jahrtausendwende folgten neue Forschungen für eine Magisterarbeit an der FU Berlin und für eine weitere Ausstellung in München, diesmal anlässlich des 100. Geburtstages von Sep Ruf. Den Begleitkatalog „Sep Ruf 1908-1982" veröffentlichten Winfried Nerdinger und Irene Meissner. 2013 legte die Herausgeberin unter dem selben Titel noch einmal nach und publizierte die erste umfassende Monografie über den Architekten Sep Ruf.

Der zwei Jahre junge Neubau von Hascher Jehle Architektur ist naturgemäß noch nicht Gegenstand architekturhistorischer Forschung geworden. Eine Broschüre über den Realisierungswettbewerb wurde vom Staatlichen Bauamts Erlangen-Nürn­berg herausgegeben. Aus der Berichterstattung über das Bauprojekt sind zwei streit­bare Beiträge von Doris Kleinlein und Anja Bramkamp in der Zeitschrift Bauwelt her­vorzuheben.

Die vorliegende Arbeit hat vor allem den Erweiterungsbau zum Gegenstand. Um ihm gerecht zu werden, muss jedoch auch der Altbestand gewürdigt werden, mit dem der Neubau einen gemeinsamen Campus bildet. In der Gegenüberstellung las­sen sich die entwurfsprägenden Merkmale der Erweiterung verdeutlichen. Dennoch ist, bevor sich Identität und Differenz der zwei Bauwerke gewidmet werden kann, eine nahsichtige Beschreibung unerlässlich. Die anschließende Untersuchung geht auf die städtebauliche Konzeption, das Erschließungssystem, die Grundrissstruktur und all jene Elemente ein, die darüber hinaus für die architektonische Gestalt und einige funktionale Aspekte von Bedeutung sind.

Es liegt in der Natur einer solchen Gegenüberstellung, dass der Neubau an den Qualitäten des Bestands gemessen wird, der Bestand also maßstabsetzend ist. Dies ist allerdings auch in der Bauaufgabe begründet, der die Erweiterung - zumal eines Baudenkmals - sich zu stellen hat. Schon Karl Friedrich Schinkel forderte hier die schöpferische Weiterentwicklung und Verbesserung des bisher Erreichten.2 Selbstredend ist nicht jeder Unterschied zum Bestand gleich ein Mangel des Neu­baus. Zum einen, weil eben auch die hochgeschätzten Eigenheiten des Bestehenden noch weiterentwickelt werden können; zum anderen, weil es seit der Charta von Ve­nedig 1964 ein Leitgedanke aller Denkmalschutzbemühungen ist, dass sich neue Maßnahmen und Ergänzungsbauten vom Baudenkmal auch deutlich unterscheiden und absetzen sollen.3 Die Wertschätzung der authentischen Substanz begründet umgekehrt die Ablehnung der Kopie und der Nachahmung.4

Damit ist das Spannungsfeld umrissen, in dem sich die Architekten bei dem Entwurf eines Erweiterungsbaus für dieses einmalige Ensemble bewegten: Den be­sonderen Charakter der Anlage und ihren genius loci zu bewahren und zu entwickeln, gleichzeitig aber auch eine eigenständige Position im Kontrast zum Bestand zu fin­den. Zwischen den Extremen „Anpassung" und „Kontrastierung" liegt ein weites Feld - die Frage, wie sich das Neue zum Alten verhält, bildet den Kern aller Diskussionen über Architektur im Bestand.5 Die vorliegende Arbeit versucht, der Diskussion über den Erweiterungsbau von Hascher Jehle einen fundierten Begriff sowohl des bau­künstlerischen Kontexts wie auch der Architektur selbst beizusteuern. Zugleich be­ziehe ich Stellung in dieser Debatte. Es bleibt dem Leser überlassen, zu prüfen, ob die Kritik dem Anspruch einer stichhaltigen Begründung am Objekt gerecht wird.

Da meine Analyse die baukünstlerische Reaktion von Hascher Jehle auf das Meisterwerk Sep Rufs zum Thema hat, werden die von Dritten geplanten Gebäude des Ensembles in der Betrachtung ausgeblendet.

2. BESTANDSARCHITEKTUR VON SEP RUF

Sep Ruf (1908-1982) gilt als einer der bedeutendsten Architekten der deut­schen Nachkriegsmoderne.6 Die Akademie der Bildenden Künste, die in zwei Bauab­schnitten 1952 und 1954 gebaut wurde, blieb als sein erstes großes Projekt lange nahezu unbekannt. Es sollte jedoch prägend für den mit Egon Eiermann realisierten deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel werden, der Ruf neben dem Bonner Kanzlerbungalow von 1964 schließlich größere Bekanntheit verschaffte.7 Der Bedeutung des Akademiebaus wurde nachträglich Rechnung ge­tragen, als die Anlage 1988 unter Denkmalschutz gestellt wurde.8

2.1. STÄDTEBAULICHES KONZEPT

Schon mit der Wahl des Bauplatzes, eines Waldstücks am östlichen Stadtrand, wollte man einen Neuanfang für die Akademie markieren, „weit weg von der [...] braun konnotierten Altstadt Nürnbergs, im Grünen"9. Das fast 44 Hektar große, leicht abschüssige Gelände erstreckt sich südlich der Bingstraße, die den benachbar­ten Tiergarten an den Stadtteil Zerzabelshof anbindet. Hier baut Sep Ruf einen Ge­genentwurf zur Architektur der Nazizeit mit ihren massigen, axialen Repräsentati­onsbauten. Die asymmetrische Anlage aus zwei Hauptachsen versetzt er weit in den Wald hinein. Ohne Hauptansicht und repräsentative Fassade sind die mehrheitlich eingeschossigen Baukörper entlang dieser Achsen locker über das Gelände verteilt.

2.2. ERSCHLIESSUNG

Den zurückhaltend formulierten Haupteingang legt Ruf an das der Stadt ab­gewandte Ende des Areals.10 Hier beginnt die Erschließungsachse des Verwaltungs­traktes in Nord-Süd-Ausrichtung, an der sich etwas abgesetzt auch ein Gebäude mit Dienstwohnungen befindet. Die Ateliers und Werkstätten sind an der zweiten, länge­ren Achse aufgereiht, die senkrecht zur ersten steht und vier Pavillonbauten zusam­menfasst. Ein offener, überdachter Laubengang verbindet die Baukörper und endet im Westen in einer Freifläche, die von zwei solitären Werkstattgebäuden begrenzt wird.

Die Funktionen sind entsprechend ihrer Bedeutung den jeweiligen Bauteilen zugeordnet. Verwaltungs- und Gemeinschaftsräume, sowie ein Ausstellungsgang und die Aula, in der öffentliche Veranstaltungen stattfinden, gruppieren sich nah an den Haupteingang am höher liegenden Ende des abfallenden Geländes. Dahinter reihen sich die halböffentlichen Ateliers mit ihrer konzentrierten Arbeitsatmosphäre. Das reine Werkstattgebäude liegt am weitesten vom Eingang entfernt und am tiefs­ten.

2.3. GRUNDRISSSTRUKTUR

Mit dem Pavillonsystem wählt Ruf für die Akademie einen Grundrisstypus, der seit den 1920er-Jahren im Schulbau häufiger vorkommt,11 und interpretiert ihn im Sinne der Aufgabe und der Umgebung. Die rechteckigen Baukörper schließen je ein Atrium ein, zu dem sich die separaten Eingangsbereiche der Klassenateliers öffnen. Dass in dieser Grundrissstruktur die Arbeitsräume zu kleinen Einheiten zusammen­gefasst sind, entspricht der besonderen Lehrsituation einer Akademie mit Meister­klassensystem.

Als einziger Bauteil der Anlage besitzt die Aula keinen rechteckigen Grundriss. Sie hat die Form eines Trapez mit gebogenen Stirnseiten und ist außerhalb der zwei Hauptachsen positioniert. So kennzeichnet der Architekt ihre besondere Bedeutung als Versammlungsort für die ganze Hochschule.

2.4. INTEGRATION IN DIE LANDSCHAFT

Rufs Entwurf wurde von den Preisrichtern des Realisierungswettbewerbs als „dem Gelände hervorragend angepasste Lösung"12 gelobt. Seine Leitidee des „natur­verbindenden Bauens"13 setzt er an der Akademie um, indem er flache Baukörper sockellos zwischen die weit aufragenden Kiefernstämme verteilt. Ein Bodenbelag aus ortsüblichem Sandstein stellt die Verbindung zum Waldboden her. Ruf öffnet die Grundrisse durch Atrien und holt so den Wald auch in die Gebäude hinein. Weil die Erschließungswege weitgehend außen liegen, beginnt der Landschaftsraum sich fließend mit dem Innenraum zu verbinden. Natur und Architektur stehen „in einer sich ergänzenden Spannung. [...] Bewegung steht gegen Ruhe, Wechsel gegenüber Stetigkeit, sich durchdringend, steigernd."14

2.5. TRANSPARENZ UND LEICHTIGKEIT

Das Wechselspiel zwischen Landschaft und gebautem Raum wird durch die transparente Fassadengestaltung noch verstärkt, die sich als zentrales architektoni­sches Thema des Baus erweist: Jeder Raum ist an einer Seite maximal zum Wald hin geöffnet. Geschosshohe Glaswände reichen oft von der Dachkante bis zum Boden, nur in den Ateliers zeigen sie niedrige Brüstungen. Die Scheiben werden in dünnen, weiß lackierten Stahlprofilen gehalten. Die innere Gliederung der Fenster kommt mit Ausnahme der Kippfenster ganz ohne Quersprossen aus.15

Die großflächigen Öffnungen werden möglich durch filigrane Stahlstützen, die weiß lackiert und immer auf das konstruktiv notwendige Minimum reduziert sind. In regelmäßiger Anordnung stehen sie innen vor den Glaswänden, an manchen Stellen auch außen, um das weit auskragende Flachdach zu stützen. Dieses Dach erscheint mit seiner äußerst knappen Kante als weiße Linie, die sich in gleichmäßigem Ab­stand um die Baukörper zieht und sie miteinander verbindet. Die radikal minimierte Konstruktion sorgt für die beispiellose Leichtigkeit des Bauwerks und macht es zum „Musterbeispiel für den Wunsch nach ,Entmaterialisierung' in der Architektur der 50er Jahre"16.

2.6. EINFACHHEIT

Zu Glasflächen, Rundstützen und Flachdach treten als viertes Element der Raumbildung glatt verputzte, weiße Mauerscheiben hinzu. Die große Klarheit der Ruf'schen Entwurfsidee wird an den strengen Prinzipien der Fassadengliederung be­sonders deutlich: Alle Öffnungen reichen stets vom Boden bis unter die Dachkante. Wo es sich nicht wie bei den verglasten Eingangsräumen der Klassenateliers um re­präsentative Zugänge handelt, sind die niedrigeren Türen mit Holzlamellen verklei­det, die sich nach oben fortsetzen. Höher liegende Fenster von Versorgungsräumen sind hinter gitter- oder lochartigen Aussparungen verborgen, sodass nichts die ho­mogenen Wandflächen stört. Weil alle Zugänge am Laubengang und um die Atrien gruppiert sind, können die ungegliederten, weißen Mauerscheiben und die großzügi­gen Glaswände jeweils ganze Gebäudebreiten einnehmen. Während in der großen Form das weit auskragende Flachdach die Horizontale betont, dominiert bei der Fas­sadengestaltung die Vertikale.

Im Inneren sorgen eigens für den Bau entworfene Verblendungen dafür, dass die Gebäudetechnik komplett aus dem Blick des Benutzers gerät. Weiße Räume ohne überflüssige Nebensächlichkeiten bieten immer wieder eine Tabula rasa für das, was in ihnen stattfindet. Mit großem Feingefühl ergänzt Ruf die Einfachheit je­doch auch mit spielerischen Elementen wie dem Treppengeländer aus einer durch­laufenden Welle oder der minimalistisch-dekorativen Beleuchtung im Ausstellungs­gang. Die klare architektonische Konzeption ist an der Akademie der Bildenden Künste auf jeder Stufe der Durcharbeitung bis ins Detail ablesbar.

3. WETTBEWERB

Das Ensemble an der Bingstraße war von Sep Ruf für nur 100-150 Studierende konzipiert worden und schon bald für den Bedarf der Akademie nicht mehr ausrei­chend. Der 1970 gegründete Lehrstuhl für Kunstpädagogik musste deshalb an exter­nen Standorten untergebracht werden.17 Der lang gehegte Wunsch nach einem Er­weiterungsbau auf dem Stammgelände der Akademie wurde im Jahr 2009 praktisch.

Am 29. Januar wurde im Amtsblatt der Europäischen Union ein „begrenzt of­fener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren"18 für den „Neubau eines Atelier- und Seminargebäudes"19 veröffentlicht. Aus insgesamt 258 eingegangenen Bewerbungen wurden 35 Architekturbüros zur Teilnahme am Wett­bewerb eingeladen.20

3.1. AUSLOBUNG

In der Auslobung benennt das Staatliche Baumt Erlangen-Nürnberg, das den Freistaat Bayern als Bauherrn vertritt, die Ausgangssituation für den Wettbewerb mit der „Problematik von getrennten Standorten und fehlendem Platzangebot im Be- stand"21. Der Lehrstuhl für Kunstpädagogik sollte von der Kaiserburg in Lauf - seit 1984 Außenstelle der Akademie - auf das Stammgelände geholt werden. Zusätzlich sollte das Raumangebot der Hochschule insgesamt erweitert werden, um eine Aus­weitung des Lehrangebots zu ermöglichen. Diese sei „für das Renommee der Aka­demie und ihre Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Kunstakademien unabdingbar"22.

Gegenstand des Wettbewerbs ist laut Auslobung „die Umsetzung des Raum­programms in einem Neubau einschließlich des räumlichen Umgriffes der Außenan­lagen"23. Für die Planungsaufgabe werden drei zentrale Herausforderungen formu­liert:

Ziel des Neubaus ist, dass

- mit ihm die Lehre, Ausbildung und Kommunikation in der Gesamtheit aller Fächer und Fachbereiche der Kunstakademie - auf einem gemeinsamen Cam­pus - bereichert, gefördert und intensiviert wird.
- die Akademie mit diesem Gebäude und seinem Raumangebot der breiten Öf­fentlichkeit - auch außerhalb der Kunstszene - signalisiert, dass sie willkom­men geheißen und zur Kommunikation eingeladen ist.
- seine städtebauliche Konzeption und architektonische Ausprägung in gelunge­nem Kontext mit den bestehenden Gebäuden von Sep Ruf steht, dass er sie respektiert und für das Ensemble eine baukünstlerische Ergänzung und Berei­cherung darstellt.24

Als Baufeld wird der gesamte Bereich nördlich der Bestandsbauten von Sep Ruf bestimmt. Eine Ausdehnung in den westlichen Teil des Grundstücks, der schon mit verschiedenen jüngeren Bestandsgebäuden ohne Denkmalschutz bebaut ist, wird als möglich angesehen.25

Die Denkmalschutzbehörde schreibt für einen Neubau, mit dem sie bei geeig­neter Planung grundsätzlich einverstanden ist, einen angemessenen Abstand zu den Sep-Ruf-Bauten vor.26 Da dieser zu wahrende Abstand „nicht in konkreten Meteran- gaben beziffert"27 werden kann, wird auf die oben formulierte Aufgabe verwiesen, „eine gelungene Verbindung von Alt und Neu auf dem Grundstück anzubieten, in der der Gebäudebestand gebührend respektiert wird."28 Explizit ausgeschlossen sind jedoch Anbauten an die geschützten Bestandsbauten und ihre Überbauung.29

Darüber hinaus wird verlangt, die Baumaßnahmen zum Schutze des Baumbe­standes auf dem Gelände „auf ein Mindestmaß zu reduzieren und die bauliche Kon­zeption [...] auf die zu erhaltenswerten (sic) Bäume bzw. Baumgruppen abzustim­men"30. Als besonders erhaltenswert werden etwa 70 Bäume mit einem Stammum­fang von über 80 cm in einem Baumbestandsplan verzeichnet.31

Das mit dem Erweiterungsbau bereitzustellende Raumprogramm umfasst 44 Räume, die zusammen eine Hauptnutzfläche von 1750 qm ergeben.32 Die Funktionen werden in vier Kategorien geordnet:

Das Raumprogramm untergliedert sich in Bereiche, deren Räumlichkeiten

a. als Lehr- und Arbeitsbereiche als Verbindungs- und Verknüpfungsbereich mit dem Bestand gesehen werden und der ganzen Akademie zur Verfügung stehen sollen
b. als Funktionsflächen sowohl den Neubau als auch den Gebäudebestand funktionell ergänzen
c. der Kommunikationsförderung dienen, sowohl an der Akademie selber, als auch im Austausch mit der Öffentlichkeit.
d. spezifische Lehr- und Arbeitsräume für die Ausbildung der Kunstpädagogik darstellen33

Daneben werden in den Auslobungsunterlagen Funktionen, die in räumlichem Bezug zueinander stehen sollen, zu Gruppen zusammengefasst: Sie definieren die Bereiche Theorie und Kunstgeschichte, Fach-Didaktik, Medienpädagogik, zwei Klas­senateliers, erweiterte Lehre sowie Funktionsräume.34 Ein großer Malsaal, ein Bilder­lager und ein Multifunktionsraum werden ohne Zuordnung zu einer Raumgruppe aufgeführt.

3.2. ERGEBNIS

Von den 35 eingeladenen Architekturbüros lieferten 32 einen Wettbewerbs­beitrag ab.35 Ende Juli schließlich vergab die Jury unter Vorsitz von Fritz Auer zwei erste Preise, die mit je 22.500 Euro dotiert waren, an Gernot Schulz aus Köln und das Berliner Büro Hascher Jehle Architektur.36 Ein dritter Preis ging an Volker Staab, Ber­lin. Daneben gab es noch einen Sonderpreis und drei Ankäufe. Die Wettbewerbssie­ger wurden dazu aufgefordert, ihre Entwürfe im Sinne der Preisgerichtsbeurteilung zu überarbeiten. Als die Jury am 18.9.2009 erneut zusammenkam, empfahl sie ein­stimmig den Entwurf von Hascher Jehle zu realisieren.37

Die Bürogemeinschaft wurde 1992 von Sebastian Jehle und Rainer Hascher in Berlin gegründet.38 Seitdem sind sie mehrmals mit großen, auch öffentlichen Baupro­jekten in Erscheinung getreten: darunter das Terminal West des Flughafens Berlin- Schönefeld (1992), das Universitätsklinikum Halle-Kröllwitz (1998) und das Kunst­museum Stuttgart (1999).39 Die Arbeitsweise ihres Büros sehen die Architekten we­sentlich durch Teamarbeit gekennzeichnet, wobei sie sich als „Koordinatoren und kreative Köpfe"40 dieser Teams verstehen, die sich je nach Bauaufgabe neu zusam­mensetzen. Der Wettbewerbsbeitrag für die Akademie-Erweiterung wurde von Mi­chael Meier verfasst, der seit 2003 an verschiedenen Wettbewerbsentwürfen des Büros beteiligt war.41 Im oblag im Folgenden auch die Projektleitung.

4. BAUBESCHREIBUNG

Der Erweiterungsbau erstreckt sich entlang der Bingstraße im Norden des Akademiegeländes. Er besteht aus drei unterschiedlich dimensionierten Baukörpern, die sich entlang eines teilweise offenen Verbindungsgangs aufreihen und über eine Dachscheibe miteinander verbunden sind. Das Gesamtensemble wird damit um eine zweite Ost-West-Achse ergänzt, die ungefähr in der Linie der Aula parallel zum Klas- sentrakt des Altbestandes verläuft. Dazwischen entsteht ein Grünraum, der mit aus­gedünntem Baumbestand einen zentralen Campuspark für die Akademie bildet.

Die eingeschossigen Pavillons sind in einem orthogonalen System locker um die Längsachse des Erschließungswegs positioniert. Auf der Straßenseite schieben sich die Baukörper stufenartig in den öffentlichen Raum hinein. Sie werden zusam­mengefasst von der auskragenden Dachscheibe, die hier die orthogonale Ordnung durchbricht und den im Verhältnis zur Akademie-Achse leicht gegen den Uhrzeiger­sinn gedrehten Verlauf der Bingstraße nachvollzieht. Campusseitig ragen die Pavil­lons als flach lagernde Betonkuben in unterschiedlichem Maß aus der Flucht der Dachkante hervor und treten dadurch stärker als eigenständige Einheiten in Erschei­nung.

Die äußeren Pavillons schließen je ein Atrium ein. Der mittlere ist ein kompak­ter Baukörper und überragt mit markanten Sheddächern als einziger die Dachland­schaft. Zwischen den Einheiten entstehen zweiseitig umschlossene Höfe, wobei der westliche als Entree ausgebildet ist. Wegverbindungen überqueren senkrecht zur Hauptachse den Campus und erschließen den Neubau vom Laubengang des Altbe­standes her.

Da das Gelände von Ost nach West abschüssig ist, ergeben sich bei gemein­samem oberen Abschluss durch die Dachscheibe zwischen den einzelnen Bauteilen Höhendifferenzen. Darüber hinaus wird jeder Baukörper für sich durch die Erschlie­ßungsachse in einen höheren Teil im Norden und einen niedrigeren im Süden geteilt.

Die Differenz, um die die nördliche die südliche Einheit überragt, wird von ei­nem direkt unter der Dachscheibe umlaufenden Fensterband aufgenommen. In der Ansicht ergibt sich damit ein gemeinsamer oberer Abschluss der Sichtbetonfassa­den beider Pavillonteile. Die Dachscheibe ist über das Fensterband, das zwischen 20 cm und 65 cm zurückspringt, vom massiven Teil des Baukörpers abgesetzt und scheint über der Anlage zu schweben. Die Fassaden sind durch horizontale Wandfel­der gegliedert, die etwas zurückspringen, mit anthrazitfarbenem Blech gerahmt und ausgekleidet sind und die darin liegenden Fensterlöcher optisch zusammenfassen. Im Süden gibt es bewegliche Schiebeläden aus Streckmetall. Eine schmale, zurück­springende Sockelzone löst die Baukörper vom Boden.

Die Funktionen des Erweiterungsbaus wurden in Gruppen organisiert, die den drei Bauteilen zugeordnet sind. Bauteil A, mit dem die Reihe im Westen beginnt, ist als Atelier- und Werkstattpavillon konzipiert. Der mittlere Bauteil vereint mit großem Malsaal und Multifunktionsraum zentrale Funktionen der gesamten Akademie und soll der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dienen. Bauteil C stellt als Theoriepa­villon Seminarräume bereit.

4.1. ENTREE

Dem neuen Zugang zum Campus zwischen den Bauteilen A und B ist ein mit anthrazitfarbenen Betonplatten belegter Hof vorgelagert. Er ist durch eine Baum­scheibe in der Mitte und eine Sitzbank aus Beton auf der Westseite gegliedert. Das Flachdach ist in diesem Bereich zu schmalen Streifen im Norden, über der Sitzbank und über dem Verbindungsgang im Süden zurückgenommen. Hinter einem mit senk­rechten Eisenstreben vergitterten Tor leitet die offene Haupterschließung nach links und rechts in den Neubau, in der Achse des Eingangs besteht ein Anschluss an den Ateliertrakt des Altbestandes. An der Kreuzung der Wege befindet sich ein Schau­kasten mit Lageplan.

4.2. BAUTEIL B - „KOMMUNIKATIONSPAVILLON"

Der mittlere Bauteil ist deutlich als Hauptgebäude der Anlage erkennbar. Während die übrigen Pavillons unter der Dachscheibe verschwinden, wird dieser von ihr nur eingefasst. Ein markantes Sheddach überragt die Dachlandschaft um 3,80 m. Die der Bingstraße zugewandte, nahezu ungegliederte Nordmauer trägt im Sichtbe­ton den Schriftzug „AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE"42. Die Gebäudeecke ist großflächig verglast, sodass der dort liegende „Kommunikationsraum" sich wie ein Schaufenster zur Straße und zum Hof hin öffnet.

Der annähernd quadratische Baukörper mit einer Seitenlänge von 28 qm wird durch die zentrale Achse des Verbindungsgangs geteilt. Der größere, der Bingstraße zugewandte Teil hat eine Raumhöhe von 4,50 m und wird über das Sheddach gleichmäßig von Norden belichtet. Der dem Campus zugewandte Teil hat mit 3,25 m geringere Deckenhöhe und ein begrüntes Flachdach.

Der sonst 2,5 m breite Verbindungsgang verläuft in Bauteil B innen und ist um 1 m verbreitert. Wo er in den Pavillon stößt, hat dieser Glaswände mit zweiflügeligen Türen. An der Decke wird die normale Breite der Überdachung des Laubengangs op­tisch fortgeführt, indem in ihrer Flucht ein Oberlichtband den Blick zum Himmel öff­net. Es wird unterbrochen von massiven Betonstegen, die die Verbindung zwischen dem höheren Bauteil und der Dachscheibe herstellen und für ein eindrucksvolles Schattenspiel auf der Nordwand des Flures sorgen.43 Obwohl innenliegend sind die Wände hier in Sichtbeton ausgeführt.

4.2.1. RAUMPROGRAMM

Im nördlichen Teil des Pavillons, der größere Raumhöhe hat und von den Sheddächern belichtet wird, sind neben dem 70 qm großen Kommunikationsraum ein Malsaal mit knapp 200 qm, ein Bilderlager mit 100 qm und ein 110 qm großer Multifunktionsraum untergebracht. Im südlichen, niedrigeren Teil reihen sich entlang des Verbindungsgangs kleine Büro- und Versorgungsräume.

Bauteil B ist als einziger unterkellert. Das Treppenhaus zu Heizungs-, Lager-, EDV- und Lüftungsräumen befindet sich an einem kurzen Flur, der die Hauptachse mit dem Kommunikationsraum verbindet.

Dieser Raum, der wegen seiner zweiseitigen Verglasung im Akademie-Alltag „Aquarium" genannt wird, ist durch eine zweiflügelige Glastür auch vom Hof aus zu­gänglich. Er ist mit einer Küchenzeile, Massivholz-Tafeln und Formsperrholzstühlen von Arne Jacobsen möbliert. An der Wand hängt ein Präsentationsbildschirm.

Die nördliche Glasfassade des Kommunikationsraumes ist knapp 4 m in den angrenzenden Malsaal verlängert, der so ebenfalls durch eine Glastür direkt von au­ßen erschlossen wird. Ansonsten ist der Saal fensterlos und bietet reichlich Wand­fläche zum Arbeiten und für Ausstellungen. An der Ostwand besteht eine Verbin­dung zum Bilderlager. Auch hier sind die Wände ungegliedert bis auf einen weiteren Zugang vom östlich angrenzenden Hof.

Der Verbindungsgang erschließt außer den großen Malsaal nur noch den Multifunktionsraum. Dieser ist für Vorträge und Filmpräsentationen mit einer Tele­skoptribüne, Stehpult und zwei Projektoren ausgestattet. Die Fensterbänder der Sheddächer sind hier verdunkelbar. Wie beim Bilderlager gibt es einen direkten Zu­gang zum Hof.

Die Reihe der zehn kleineren Räume im Südteil des Pavillons beginnt mit ei­nem Besprechungszimmer der Studierendenvertretung. Der 30 qm große Raum ist mit einem 4 m breiten Fenster zum Campus hin geöffnet. Die darauf folgenden drei Büros mit je 10 qm Grundfläche haben jeweils 1,3 m breite Öffnungen. Des weiteren sind hier Toiletten, ein Automatenraum, ein Ruheraum und ein Raum für die Gebäu­detechnik eingerichtet. Diese Nebenräume haben, mit Ausnahme des Ruheraums, hochliegende Fenster, denen außen Lamellenelemente aus Blech vorgeblendet sind.

4.3. BAUTEIL A - „ATELIERPAVILLON

Westlich des Kommunikationspavillons liegt der Atelier- und Werkstattpavil­lon. Der rechteckige Bauteil erstreckt sich über 47 m entlang der Bingstraße und ragt 28 m in den Campus hinein. Er wird durch den offenen Verbindungsgang geteilt in einen länglichen kubischen Baukörper im Süden und einen größeren und höheren im Norden, der den rechteckigen Innenhof dreiseitig umschließt. Dieser ist zum größten Teil mit Basalschotter belegt. Die Schotterflächen werden durch zwei Betonbänke, die senkrecht zur Hauptachse stehen, gegliedert und sind mit drei Felsenbirnen­Sträuchern bepflanzt. Um das Atrium führt ein 2 m breiter Wandelgang, der nur zur Hälfte von der Auskragung des Daches geschützt ist. Im Süden fällt er zusammen mit dem 2,5 m breiten Verbindungsgang. Dessen Überdachung wird hier von vier schlanken Stahlstützen getragen.

Die Wegachse endet in einem Lagerplatz im Freien, der von der Dachscheibe noch überspannt wird. Hier zweigt über eine Rampe die Wegverbindung zum Altbe­stand ab.

4.3.1. RAUMPROGRAMM

Die Pavilloneinheit bietet in ihrem nördlichen, größeren Bauteil für zwei Klas­sen Atelierräume mit gespiegeltem Grundriss. Sie sind über separate, großflächig bis unter das Dach verglaste Eingangsbereiche vom Atrium her erschlossen. Das Raum­programm ist nach dem Muster der Bestandsbauten in Lehreratelier (36 qm), Meis­terschüleratelier (27 qm) und Klassenatelier (97 qm) gegliedert. Hinzu kommt ein 13 qm großer Büroraum.44

Die lichte Höhe beträgt in diesem Gebäudeteil 4,50 m, die Räume werden durch Oberlichter natürlich belichtet. Das Fensterband, das unter der Decke umläuft, ist 45 cm hoch und ohne Regelmäßigkeit in Abschnitte zwischen 2 m und 2,7 m un­terteilt. Wo Innenräume angrenzen, ist diese Fläche mit kunststoffbeschichtetem Plattenmaterial gefüllt. Die Wände sind fensterlos bis auf die Nordseite. Während das Büro über seine ganze Breite geöffnet ist, nehmen die Fenster in den Ateliers je­weils nur rund ein Viertel der Nordwand ein: 1,3 m im Lehrer- und Meisterschülerate­lier und 2,8 m im Klassenatelier. Alle Fenster haben mit 50 cm relativ niedrige Brüs­tungen und sind 2,7 m hoch.

Im Gebäudeteil südlich des Verbindungsgangs beträgt die lichte Raumhöhe nur 3,25 m. Er umfasst Werkstatt-, Seminar- und Büroräume, die um zwei Zugänge gruppiert sind. Diese verglasten Eingangsbereiche liegen denen der Ateliereinheit gegenüber, sind hier aber nicht bis unter das Dach geführt, sondern schließen mit einem Mauerstreifen ab. Anders als bei den Ateliers, wo der Flur über die ganze Brei­te der Verglasung reicht, ist er hier circa 90 cm kürzer, sodass noch Einblick in die Arbeitsräume gegeben wird.

Die westliche Raumgruppe ist der Medienpädagogik gewidmet und umfasst einen 80 qm großen Schulungsraum, einen 22 qm großen Raum mit Intensivarbeits­plätzen sowie ein Büro und ein Lager. Die Raumgruppe im Osten nimmt mit einem 62 qm großen Seminarraum, zwei Büros und einer 80 qm großen Werkstatt den größeren Teil des riegelförmigen Baukörpers ein. Die Werkstatt, die für Kurse im dreidimensionalen Gestalten genutzt wird, besitzt neben dem Zugang über den ver­glasten Flur eine weitere Tür, die sich direkt auf den Verbindungsgang öffnet.

Die drei großen Lehr- und Arbeitsräume sind jeweils mit einem 5,4 m breiten Fensterband zum Campus hin geöffnet. Dagegen haben die Büros und der Intensiv­arbeitsplatz 1,3 m oder 2,6 m breite Fenster.

4.4. BAUTEIL C - „THEORIEPAVILLON"

Östlich des zentralen „Kommunikationspavillons" führt der Verbindungsgang - wieder im Freien - zum dritten Bauteil. Er überquert den mit Betonplatten belegten „Werkhof". Die Freifläche ist zur Bingstraße mit einem Stahlzaun abgeschlossen, bleibt unbegrünt und ungegliedert bis auf eine Betonbank, die im Osten an den Pavil­lon schmiegt. Über dem Hof schwebt die Dachscheibe, die sich hier vierteilig öffnet, sodass ihn nur noch schmale Streben überspannen.

Um die Höhendifferenz von 60 cm zwischen Bauteil B und C zu überwinden, steigt der Verbindungsgang über eine außenliegende und eine im Pavillon liegende Rampe an.

Der rechteckige Pavillon misst entlang der Hauptachse 28 m und schiebt sich mit einer Länge von 35 m an die Bingstraße vor sowie in den Campuspark hinein. Im Unterschied zum Atelierpavillon liegt der Wandelgang um das Atrium hier nicht au­ßen, sondern ist durch geschosshohe Glasfassaden in den Pavillon integriert. Auch der Verbindungsgang verläuft - wie schon beim Kommunikationspavillon - gesäumt von Sichtbetonmauern innerhalb des Gebäudes. Im Nordosten ergänzt ein Neben­eingang die Haupterschließungsachse, die auch an diesem Ende über den Pavillon hinaus weißt, um die Neubaugruppe mit offenen Wegen mit der Aula und dem Lau­bengang des Ateliertrakts zu verbinden.

Das Atrium dieses Pavillons ist kleiner als das von Bauteil A und besitzt neben dem innenliegenden einen zweiten, außenliegenden Umgang, der über zwei Glastü­ren von Norden und Süden her erschlossen wird. Die Auskragung der Dachscheibe beträgt hier 85 cm. Die zentrale Fläche ist mit Basaltschotter belegt, mit Felsenbir- nen-Sträuchern bepflanzt und wird von einer mittig positionierten Betonbank geglie­dert.

Obwohl aufgrund des abfallenden Geländes Bauteil C insgesamt niedriger als die anderen beiden Bauteile ist, greift auch hier das Prinzip der Zweiteilung des Pavil­lons entlang der Hauptachse: Die lichte Höhe der Räume im Norden beträgt 3,9 m, im Süden sind es 2,6 m.

4.4.1. RAUMPROGRAMM

Im niedrigeren Gebäudeteil reihen sich vier Büros für Professoren und Assis­tenten der Theorielehrstühle an den Flur. Den Abschluss machen das Büro für Öf­fentlichkeitsarbeit und das Büro des Präsidenten, die über eine Schiebetür miteinan­der verbunden sind.

Im höheren Gebäudeteil gruppieren sich rund um den Innenhof vier große Seminarräume für Kunstgeschichte, Fachdidaktik und zweidimensionales Gestalten. Dazwischen wurden zwei kleinere Prüfungs- und Besprechungszimmer sowie ein Kopierraum eingerichtet. Auf der Westseite des Atriums reihen sich Versorgungs­räume Tür an Tür mit kleinen Büros für Lehrbeauftragte und der Bibliothek der Fach­didaktik. Letztere haben eine Grundfläche von 15 qm. Über ein Fensterband sind sie zum Werkhof hin geöffnet. Die schlauchartigen Versorgungsräume, zu denen neben Toiletten und Lagerräumen auch eine Teeküche mit einer Grundfläche von 1,6 m auf 5,8 m gehört, werden nur über das direkt unter der Decke verlaufende, schmale Fens­terband belichtet.

5. ANALYSE

5.1. STÄDTEBAULICHES KONZEPT

Die Architekten schaffen mit einer zweiten linearen Bebauung, die sie parallel anordnen, ein „städtebauliches Pendant"45 zum bestehenden Ateliertrakt. Nicht nur, dass der Laubengang als Haupterschließung gedoppelt wird, auch die daran aufge­reihten Baukörper entsprechen in ihren Abmessungen annäherungsweise ihrem je­weiligen Gegenüber. Durch seine erdgeschossige Bauweise reagiert der Neubau maßstabsgerecht auf den Bestand. Was die Positionierung der zweiten Achse an der nördlichen Grundstücksgrenze anbelangt, so bleibt damit erstens der geforderte Re­spektabstand zu den Ruf-Bauten gewahrt. Zweitens wird so die Nutzung des Grün­raums zwischen den beiden Pavillonketten als Campuspark möglich. Drittens schließlich präsentiert sich der Neubau damit im öffentlichen Stadtraum und gibt der Akademie zur Straße hin ein (neues) Gesicht. Die parallele Anordnung entlang der Bingstraße positioniert den Erweiterungsbau jedoch auch in einer Linie mit der Aula - einem Bauteil, der durch seine Höhe, die Grundrissform und nicht zuletzt durch seine Anordnung außerhalb der zwei Hauptachsen des Altbestandes von Sep Ruf besonders hervorgehoben wurde. Das Preisgericht hatte deshalb, nachdem es das Spektrum der Einreichungen zur Kenntnis genommen hatte, die Forderung aufge­stellt, „die Freistellung [der Aula] durch gebührenden Abstand [zu] respektieren. Eine mehr oder weniger axiale Ausrichtung auf dieses Bauteil (sic) sollte vermieden werden"46.

Zur Schaffung eines Campusparks, wurde der Wald, der bisher die Ateliers von der Straße abgeschirmt hatte, deutlich ausgedünnt. Es entsteht ein „zentrale[r], klar definierte[r] Grünraum"47, der Blickverbindungen zwischen den Gebäuden er­möglicht und zum Arbeiten im Freien genutzt werden kann. Die Architekten spre­chen von einem „Aufenhalts- und Aktionsort"48. Ob der so definierte Landschafts­raum „von Sep Ruf ursprünglich vorgesehen"49 war, wie sie schreiben, muss in Frage gestellt werden. Die Einbettung seiner Pavillonanlage in den Reichswald lebt wesent­lich von der Zurücknahme der Architektur vor dem Landschaftsraum, der als Wald­stück - auch in seiner abschirmenden Eigenschaft - erhalten bleiben sollte.50 Die nutzbaren Außenflächen beschränken sich in Sep Rufs ursprünglicher Konzeption auf den Bereich vor der Mensa, die Innenhöfe und die Freifläche vor dem Werkstatt­gebäude. Die Öffnung der Ateliers zum Wald hatte bei Ruf ausschließlich die Bedeu­tung, dass der künstlerische Prozess im Angesicht der Natur stattfinden sollte - die Möglichkeit, tatsächlich Hinauszutreten, wurde später von Anderen geschaffen.

Der bedeutendere Widerruf der städtebauliche Konzeption Sep Rufs findet jedoch nicht bei der Nutzung des Grünraums als Arbeits- und Aufenthaltsort statt, sondern dort, wo sich der Neubau „als Ausdruck einer selbstbewussten, modernen Akademie"51 im Stadtraum präsentiert. Während die alte Akademie die Abgeschie­denheit suchte - schon mit der Wahl des Bauplatzes, aber auch mit Rufs städtebauli­cher Leitidee von sich in den Wald duckenden Pavillons - setzt sich der Erweite­rungsbau heute über die ganze Länge direkt an die Straße. „Der einstige Wunsch nach Abgeschiedenheit ist dem Bedürfnis nach Repräsentation gewichen."52 Ein „durchaus heikle[r] Paradigmenwechsel"53, wie Bramkamp (2013) feststellt und mit differierenden Grundhaltungen erklärt, „die der jeweiligen Entstehungszeit geschul­det sind"54. Tatsächlich ist die neue städtebauliche Setzung schon in der Auslobung des Wettbewerbs angelegt gewesen: Das oben zitierte „Ziel" des Neubaus, die Öf­fentlichkeit zur Kommunikation einzuladen, wurde in Bezug auf den Kommunikati­onsraum folgendermaßen ausgeführt:

„Er soll deshalb auch zum öffentlichen Straßenraum hin ein eindeutiges Signal zur Einladung aussenden und auch in umgekehrter Richtung die Annäherung und den breiteren Austausch von Kunstschaffenden zur Öffentlichkeit hin för­dernd unterstützen.“55

Daran anknüpfend äußerten Vertreter der Akademie während der Tagung des Preisgerichts explizit den Wunsch nach einer besseren Wahrnehmung im Stadtraum, die der Neubau durch stärkere Adressbildung erreichen sollte.56

In gewissem Widerspruch dazu steht die am selben Tag aufgestellte Forde­rung, dass der stadtseitige Auftritt des Neubaus nicht zu einer „Gewichtsverlage­rung" gegenüber der denkmalgeschützten Architektur führen dürfe. Man wollte Sep Ruf nicht in die zweite Reihe gestellt sehen.57 Entsprechend stieß auf Kritik, dass mit der schlussendlichen Beauftragung von Hascher Jehle die Adressbildung gegenüber diesem Bedenken höher gewichtet wurde: „Die Entscheidung verwundert, denn der Entwurf macht genau das, was nicht gewollt war: Er schiebt sich vor das Ruf-Ensem- ble."58

In der Gesamtsicht besteht die städtebauliche Leitidee des Berliner Büros dar­in, einen allseitig gefassten Campus in der Mitte des Ensembles zu schaffen. Sep Rufs asymmetrische Anlage von zwei senkrecht zueinander stehenden Achsen wird in ein zentriertes, symmetrisches System eingebunden. Das hat Auswirkungen auch auf das Erschließungskonzept der Gesamtanlage, in dem die Positionierung des Haupteingangs eine entscheidende Rolle spielt.

5.2. ERSCHLIESSUNG

5.2.1. EINGANG

Der Erweiterungsbau verlagert faktisch den Haupteingang zum Campus in das Zentrum der Anlage und damit näher zur Stadt. In der Sprachregelung der Akademie ist der neue Zugang zwar ein Nebeneingang, doch stimmt dies nicht mit der tatsäch­lichen Wirkung des großzügigen Entrees überein. Die Architekten selbst sprechen von einem „neue[n] Hauptzugang zum Akademiegelände"59.

Die Verlagerung des Haupteingangs war in der Wettbewerbsaufgabe zunächst ausgeschlossen worden. In der Auslobung werden zwar weitere Zugänge zum Ge­lände als möglich angesehen, „als Hauptzugang bzw. Hauptzufahrt [sollte jedoch] auch zukünftig der Zugang zum Verwaltungstrakt / Bestand gelten"60. Mit dem wäh­rend der Tagung des Preisgerichts von der Akademie aufgestellten Kriterium der Adressbildung wurde die „deutliche Akzentuierung eines stadtnäheren Zugangs"61 schließlich zur Forderung erhoben: Ein „Pendant zum bestehenden Eingang"62 solle geschaffen werden, architektonisch ausformuliert als „angemessene[r] Auftakt zum Campus"63.

Die Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für das Erschließungssys­tem der Ruf'schen Pavillonanlage. Dieses differenziert klar zwischen verschiedenen Stufen von Zugänglichkeit. Ruf gruppiert die Öffentlichkeits- und Gemeinschafts­funktionen (Aula, Ausstellungsgang, Verwaltung, Bibliothek, Mensa) nah an den Hauptzugang, während die Ateliers und Werkstätten davon abgesetzt tiefer im Ge­lände liegen. Die Erschließungskonfiguration Vorhof - Ausstellungsgang - Gelenk - Laubengang ist als lineare Abfolge zu verstehen, die eng mit der inhaltlichen Be­stimmung der so erschlossenen Funktionen verknüpft ist. Mit dem zweiten Haupt­eingang wurde nun eine Doppelstruktur geschaffen. Der neue Zugang zum Campus schneidet die Öffentlichkeits- und Verwaltungsfunktionen des Kopfbaus ab, was die Orientierung erheblich erschwert. Tritt man mittig auf den Campus, sucht man das Sekreteriat (als Studieninteressent), die Hausmeisterpforte (als Lieferant) und die Aula (als Besucher öffentlicher Vorträge) im Neubau vergeblich. Der Weg zum Ver­waltungstrakt ist nicht ausgeschildert64 und führt über den schmalen Umgang der Aula und durch eine unscheinbare Glastür am Verbindungsstück zwischen Ein­gangsbereich und Aula.

Gleichzeitig werden neue Öffentlichkeits- und Gemeinschaftsfunktionen zwar räumlich zentral auf dem Campus angeordnet, damit jedoch weit entfernt von dem Teil des Areals, der in Sep Rufs Erschließungsstruktur dafür vorgesehen ist. Die von Hascher Jehle gewählte Anordnung ist nachvollziehbar, solange man den Erweite­rungsbau isoliert betrachtet. Im Kontext der Gesamtanlage schafft sie eine Unklar- heit bezüglich der Gesamterschließung, von der die räumliche Gliederung der Funk­tionen nicht zu trennen ist.65

In der Folge ist der zentrale Bauteil bislang von seinen Benutzern nicht in der Form als „Kommunikationspavillon" angenommen worden, wie es die Architekten im Auge haben, wenn sie schreiben: „Im Alltag wird das Café (d.h. der Kommunikati­onsraum, H.M.) zu einem Treffpunkt für die Kunststudierenden und die Anwohner."66 So trifft die Beobachtung von Bramkamp (2013) auch zwei Jahre später noch zu: „Hinter der verglasten Ecke, von den Architekten als Schaufenster und Kommunika­tionsort konzipiert, steht zurzeit noch etwas verloren eine Küche herum."67 Entspre­chend wird der vorgelagerte Hof auch nicht als Außenterrasse des „Cafés" benutzt.68 Zentraler Treffpunkt der Studierenden und Bediensteten, die verstreut über das weit­läufige Areal arbeiten, ist nach wie vor die Mensa, die sich am Gelenk zwischen dem öffentlichen Verwaltungstrakt und dem privateren Ateliertrakt befindet.

5.2.2. INNERE ERSCHLIESSUNG

Hascher Jehle übernehmen den Erschließungstypus vom Ateliertrakt des Alt­bestandes und variieren ihn. Der durchgehende Verbindungsgang verläuft teils offen, aber überdacht, teils ist er in die Pavillonstruktur integriert. Im Bereich der Innenhöfe setzt er sich in offene oder durch Glasflächen vom Außenraum abgetrennte Wandel­gänge fort. Nahezu alle Funktionen und Raumgruppen werden so direkt über den zentralen Gang erschlossen - Ausnahmen bilden nur der Kommunikationsraum, die Technikräume im Untergeschoss und das Bilderlager. Im Atelierpavillon, wo die Funk­tionen zu vier Raumeinheiten zusammengefasst sind, haben diese jeweils noch eige­ne, verglaste Eingangsbereiche. Die Vermittlung zwischen öffentlichem Raum und Arbeitsräumen erfolgt so „entlang diverser Raumschichten mit zunehmender Ge­schlossenheit und Konzentriertheit"69 - vom Entree über den Laubengang und den Innenhof bis zum Vorraum. Die Ruf'sche Erschließungsfigur wurde hier sozusagen im Kleinen umgesetzt, wohingegen der Laubengang im Großen - trotz der formalen Übereinstimmungen - grundsätzlich anders aufgefasst ist: Am Altbestand hat er ei­nen Anfang am Übergang der zwei Trakte. Von hier aus geht man immer tiefer in die Pavillonabfolge hinein, bis man am Ende auf eine Freifläche trifft. Den Verbindungs­gang des Neubaus betritt man immer wieder auch von der Seite. Neben ,immer wei­ter' gibt es hier auch .links' und .rechts'.

Die offene Erschließungsstruktur „sorgt für eine klare Orientierung zwischen den einzelnen Baukörpern"70. Wie bei einer Enfilade kann der lineare Raumzusam­menhang von jedem Punkt auf der Hauptachse aus antizipiert werden, zugleich sind die Raumabschnitte, d.h. die einzelnen Pavillons, deutlich voneinander getrennt.71 Die differenzierende Behandlung des Verbindungsgangs - er überquert offene Höfe, ver­breitert sich, wird Teil eines Umgangs, geht in den Innenraum über - sorgt für immer neue räumliche Ereignisse beim Abschreiten der Raumflucht. „Je nach angrenzender Nutzung verändert sich die Stimmung im Raum"72, so vermittelt die Breite in Bauteil B dessen öffentlichen Charakter, die ruhige Abgeschlossenheit in Bauteil C entspricht seiner Bestimmung als Theoriepavillon.73

5.2.3. VERNETZUNG MIT DEM BESTAND

Mit der Dopplung der Erschließungsstruktur stellt sich die Frage nach der Verbindung der parallelen Achsen. Hascher Jehle beantworten sie mit befestigten Wegen in einem orthogonalen System, die den Campus an zwei Stellen überqueren und so das Entree und das östliche Ende des Neubauriegels an den Laubengang des Altbestandes anbinden. Zwischen den mit Betonplatten belegten und von Poller­leuchten gesäumten Wegen gibt es am Werkhof einen dritten, nur mit Schotter be­festigten Weg. Er ist befahrbar und gehört zu dem zentralen, parallel zur Pavillonach­se verlaufenden Notfallweg für die Feuerwehr. Langfristig soll der Schotterbelag durch Rasengittersteine ersetzt werden, damit der Landschaftsraum weniger gestört wird. Die auffälligen Begrenzungssteine müssen jedoch bleiben.74 Der Weg entlang des zentralen Campusparks verknüpft auch die befestigen Außenflächen an den Rückseiten der Bestandsateliers miteinander und wird in Zukunft die Bildhauerwerk­statt im Westen in das Ensemble einbinden.75

Von der Problematik der östlichen Überleitung vom Erweiterungsbau zur Aula war bereits die Rede. Hier wurde an ein Ende des Rufschen Erschließungsnetzes an­gebaut, das von ihm architektonisch eindeutig als Abschluss formuliert worden ist: Der gläserne Verbindungsgang trifft in der Achse des Eingangs mittig auf die Stirn­seite der Aula und endet dort. Die kaum sichtbare Tür in der linken Glaswand kann die ihr übergestülpte Rolle des Übergangs zwischen den Verwaltungsgebäuden nicht kommunizieren.

Ähnliche Unstimmigkeiten entstehen bei der Vernetzung in Nord-Süd-Rich­tung, d.h. an den Übergängen zwischen den Achsen. Sie führen „insbesondere am Bestand immer ins Leere."76 Trifft man an einer solchen Nahtstelle auf den Ate­liertrakt, fällt die Orientierung schwer. Es ist dies ein Kristallisationspunkt des oben beschriebenen Widerspruchs der städtebaulichen Grundidee, aus der asymmetri­schen Anlage einen auf die Mitte ausgerichteten Campuspark zu machen. Besucher betreten die Ruf'sche Akademieanlage jetzt völlig unvermittelt ohne jede Introdukti­on (Adolf Loos) in dem Bereich, der für das zurückgezogene künstlerische Arbeiten bestimmt und von Ruf entsprechend formuliert worden ist. Der Schlussfolgerung Bramkamps (2013) muss deshalb zugestimmt werden: „Die Vernetzung von Alt und Neu vollzieht sich also eher theoretisch als real."77

5.3. GRUNDRISSSTRUKTUR

Die Gesamtbaumasse wurde in drei Baukörper aufgelöst, die einerseits sowohl über die durchgehende Dachlandschaft, als auch über den offenen Verbindungsgang miteinander verbunden sind. Andererseits zerteilt dieser Gang sie auch in Einzelbau­körper. Das kompakte Gebäude in der Mitte wird gerahmt von Bauteilen, die als Pa­tio-Pavillons ausgebildet sind - einmal mit außen liegendem, einmal mit innen lie­gendem Umgang. Hascher Jehle nehmen das Thema der Auffädelung getrennter Einheiten entlang eines Verbindungsgangs auf. Sie übernehmen auch den Typus des Pavillonbaus mit Innenhof, der bei Ruf nur wenig variiert wird, und interpretieren ihn auf zweierlei Weise.

Die Dreiteilung der Baumasse, die abermalige Teilung durch den Verbindungs­gang und die Öffnung der Grundrisse mit Atrien ergeben eine aufgelöste Gebäude- struktur, die Innen- und Außenräume zu einem Ganzen verschmilzt. Die vierseitig gefassten Innenhöfe können als Räume des Gebäudes unter freiem Himmel angese­hen werden. Von zwei Seiten begrenzte Höfe zwischen den Baukörpern vermitteln zwischen dem öffentlichen oder halböffentlichen Außen- und dem privateren Innen­raum.

Die Entwurfsverfasser legen Wert darauf, das „Arbeiten im Grünen, also de[n] direkte[n] Bezug der Ateliers zum Grünraum"78 als kennzeichnendes Thema der Be­standsarchitektur aufzugreifen und fortzusetzen, indem sie „neue Außen- und Grün­flächen mit unterschiedlichen Qualitäten"79 schaffen. Unter diesem Aspekt ist die Landschaftsarchitekur im Bereich der Atrien kritisch zu würdigen. Weil sie mit gro­bem Schotter belegt sind, können die Flächen nur schwer betreten, geschweige denn zum Arbeiten genutzt werden. Die Architekten tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie die Betonbänke mit Trittsteinen an den Umgang anbinden. Die Bänke sind aufgrund ihrer gerichteten Anordnung dienlich nur für den Aufenthalt in Pausen. Das Arbeiten - das im Theorietrakt, aber auch in den Ateliers zu einem großen Teil in Be­sprechungen und Diskussionen besteht - kann hier nicht „im Grünen" stattfinden, denn dafür wäre eine kommunikationsfördernde, zentrierende Ordnung der Außen­möblierung notwendig.

Eine andere Situation gibt es im „Werkhof" zwischen Kommunikations- und Theoriepavillon. Er ist mit Betonplatten belegt, insofern grundsätzlich als Arbeitsflä­che nutzbar. Dass er in der Praxis von den Studierenden nicht angenommen wird, liegt an der Anordnung der Funktionen im Erweiterungsbau. Ein Werkhof an dieser Stelle hatte im ersten Planungsentwurf noch mehr Sinn ergeben, da die Werkstatt für dreidimensionales Arbeiten in Bauteil C vorgesehen war und unmittelbar an den Hof angrenzen sollte.80 Mit der gebauten Raumkonfiguration hat die Fläche den Bezug zur künstlerischen Arbeit verloren. Stattdessen ist sie nur Durchgangsraum oder wird für Pausen bei Vorträgen im Multifunktionsraum genutzt - wobei die Aufent­haltsqualität wegen der Kargheit der Platzgestaltung zu wünschen übrig lässt.

Vom Stadtraum aus gesehen ermöglichen die Höfe Durchblicke auf das Ge­lände und die Architektur des Bestands. Die Architekten wollten den „Neubau [...] zu einer durchlässigen Schnittstelle zwischen Stadt- und Kunstgeschehen"81, also das künstlerische Schaffen von der Straße aus sichtbar machen. Beim Werkhof läuft das Ansinnen aus den dargestellten Gründen ins Leere. Jedoch können die Öffnungen zwischen den Bauteilen einen „Eindruck der architektonischen Bedeutung des ge­samten Gebäudekomplexes"82 geben, da die Ruf-Pavillons - früher vom dichten Baumbestand verborgen - einsehbar sind.

Die Raumkonfiguration innerhalb der einzelnen Bauteile richtet sich in erster Linie nach der Differenz in der Raumhöhe, die jeweils zwischen der nördlichen und südlichen Hälfte jedes Pavillons besteht. So sind in den niedrigeren, dem Campus zugewandten Bauten vor allem Büros, Versorgungs- und Seminarräume unterge­bracht. Umgekehrt sind die Ateliers zur Straße hin ausgerichtet. Das gleiche gilt für einige Seminarräume in Bauteil C, wo sich campusseitig nur Büros befinden. Im Wettbewerbsentwurf waren die Ateliereinheiten der zwei Kunsterzieherklassen, der große Malsaal sowie ein Schulungsraum in Bauteil C noch zum Grünraum ausgerich­tet und die Arbeitsräume durch Glasflächen und Austritte geöffnet.83 Die Orientie­rung der Ateliers zum Campus hätte der Konzeption des gegenüberliegenden Alt­baus entsprochen, wo sie wesentlich zur Aufenthaltsqualität in den Klassenräumen beiträgt. In der Überarbeitung wurden die Räume an die Straße verlegt, weil die Aka­demie an der großzügigen Verglasung nach Süden die Belichtungssituation und den Mangel an geschlossenen Wänden als Ausstellungs- und Arbeitsfläche moniert hat- te.84 Leider sind mit der schlussendlich umgesetzten Raumkonfiguration auch die Öffnungen nach Süden erheblich reduziert worden. Vor allem in Bauteil A, wo nun campusseitig die Werkstatt und einige Seminarräume angeordnet sind, fehlen Mög­lichkeiten zum Heraustreten. Man blickt hier - sobald der provisorische Lagerplatz entfernt wurde - auf den gegenüberliegenden Pavillon mit seinen nachträglich einge­bauten Fenstertüren und den vorgelagerten Freiflächen, ist selbst jedoch auf den In­nenhof im Norden als einzige Möglichkeit zum Heraustreten festgelegt. Damit ist am Neubau wiederholt worden, was am Bestand bald nach Fertigstellung als Manko er­kannt und behoben worden war.

5.4. GESTALTPRÄGENDE ELEMENTE UND KONSTRUKTION

Die räumliche Komposition des Bauwerks basiert auf flach lagernden Kuben, die sich vom Boden lösen und zum Teil von einer frei schwebenden, mehrfach geöff­neten Dachscheibe überspannt sind. Der nördliche Teil des mittleren Baukörpers bil­det eine Ausnahme, insofern er mit seinen vier markanten Sheds kein kubisches Vo- lumen hat, gerade im Boden verankert ist und die Dachscheibe als Monolith über­ragt.

Die Wahl der raumbildenden Mittel kann als „Reminiszenz an die architektoni­sche Moderne"85 verstanden werden. Im Speziellen lehnt sie sich an den Bestands­bau an, der ebenfalls nur aus kubischen Volumen besteht und dessen für die Öffent­lichkeit bestimmter Bauteil - die Aula - durch eine Sonderform und größere Höhe hervorgehoben ist.

5.4.1. WÄNDE UND ÖFFNUNGEN

Der Wandaufbau „besteht größtenteils aus einem ausgemauerten Stahlbe­tonskelett, Kerndämmung und außenliegenden Sichtbetonelementen"86. Die Däm­mung in ,Sandwich-Technik' ist 16 cm dick und ist - neben der sparsamen Holzpellet­Heizung - dafür verantwortlich, dass der Bau die energetischen Anforderungen an öffentliche Gebäude deutlich übererfüllt.87 Die Außenhülle aus Sichtbeton zieht sich im Bereich des Verbindungsgangs in den Bauteilen B und C auch nach innen. Sie ist als Ortbeton mit einer glatten Schalhaut ausgeführt. Die Ankerlöcher sind in einem gleichmäßigem Raster angeordnet und mit etwas dunkleren Betonstopfen gefüllt. Die Fassaden haben - außer an den Höfen - eine niedrige, etwas zurückspringende Sockelzone und als oberen Abschluss ein umlaufendes, schmales Fensterband, das ebenfalls zurückspringt und die Wände von der Dachplatte löst.

Wo Fensteröffnungen bestehen, liegen diese in einem mit anthrazitfarbenen Blechelementen ausgekleideten, zurückspringenden Wandfeld. Diese Fassadenele­mente werden rundum von Sichtbeton gerahmt und erstrecken sich immer über die ganze Breite des Baukörpers. In ihrem Aufbau ähneln sie Fensterbändern, deren Sturz, Laibung und Sohlbank mit Stahlblech verkleidet sind. Anstelle einer durchge­henden Verglasung zeigen sie jedoch größtenteils hochformatige Blechelemente, die nur hin und wieder von Glasflächen unterbrochen werden. Die Fenster sind in Raster­felder von ca. 1,30 m Breite gegliedert und höchstens vier solche Felder breit. Fest­fenster, die ein ganzes Feld einnehmen, wechseln mit Flügelfenstern ab, die nur 1 m breit sind und deshalb auf einer Seite von einem 30 cm breiten Glasstreifen gesäumt sind. Campusseitig bilden die Wandfelder eine Sonderform aus, bei der die Blech­elemente im oberen Teil horizontale Lamellen aufweisen, hinter denen sich die Kipp­fenster der Versorgungsräume verbergen. Außerdem sind hier manuell bedienbare Schiebeläden aus Streckmetall eingesetzt, die bei Bedarf vor der Südsonne schützen.

Die langen Wandfelder betonen stark die Horizontale. Mehr noch als der Be­stand, dessen Fassaden als Gegensatz zur horizontalen Dachkante von der vertikalen Unterteilung der Glasflächen geprägt sind, entwickelt der Neubau eine liegende Ges­tik.

Die Architekten bezeichnen ihre Wandfelder als „Fassadenbänder"88. Die Nähe dieser Wortschöpfung zu „Fensterband" ist beabsichtigt. Um die Lochfassade nicht als solche erscheinen zu lassen, werden die Fenster optisch so zusammenge­fasst, dass die Anmutung von Fensterbändern entsteht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, diese gestalterische Entscheidung würde sich am Bestandsbau und dessen langgestreckten Glaswänden orientieren. Gerade aber im Kontext des trans­parenten Gegenübers können die „Fassadenbänder" den insgesamt verschlossenen Ausdruck des Neubaus nicht kompensieren. Mit der großzügigen Öffnung der Ruf­Anlage vor Augen muss man in den dunkelgrauen Wandfeldern von Hascher Jehle „verhinderte" Fensterbänder sehen - Öffnungen, die möglich gewesen wären.

In den Ateliers und im Malsaal geht die Reduktion der Fensteröffnungen auf eine Forderung der Akademie zurück. Hier wollte man „ausreichend große, mit hoch liegendem Ober- oder Seitenlicht tagesbelichtete plane Wandflächen die ein konzentriertes Arbeiten ohne störende Außeneinflüsse ermöglichen"89. Künstleri­sches Schaffen im Angesicht der Natur - Sep Rufs zentrales Thema entspricht nicht mehr den Erfordernissen der modernen Akademie. Ob die Kulisse des Waldes tat­sächlich einen „störenden Außeneinfluss" für Arbeit darstellt, kann infrage gestellt werden. Ungünstiges Seitenlicht ließe sich je nach Bedarf mit Vorhängen oder Fens­terläden abschirmen, wenn eine gleichmäßige Belichtung durch Oberlichter gewähr­leistet ist. Allerdings hat die Wand in der gegenwärtigen Künstlerausbildung augen­scheinlich eine größere Wichtigkeit als noch in den Fünfzigerjahren. Sie ist notwen­dig, um zweidimensionale Kunstwerke aufzuhängen - was nicht nur zur Jahresaus­stellung, sondern wöchentlich für die Klassenbesprechungen stattfindet.

Weshalb jedoch die Büros und Theorieräume keine großzügigeren Öffnungen erhalten haben, ist nicht ersichtlich. Sie werden von vielen Nutzern als zu dunkel empfunden. Derweil hängt die Atmosphäre der Innenräume neben dem Anteil der Fensterfläche noch von anderen Faktoren der Wandbehandlung ab.

Alle Räume sind glatt verputzt und weiß gestrichen. In den Arbeitsräumen gewährleistet pflegeleichter und robuster Kalk-Gipsputz unkompliziertes Hängen von Kunstwerken.90 Seminarräume, die mit festinstallierten Projektoren ausgestattet sind, haben jeweils an einer Wand besonderen Leinwandanstrich erhalten. In allen Räumen der höheren, nördlichen Pavillonteile (mit Ausnahme des Kommunikations­pavillons) sind die Wände durch eine umlaufende Kopfzone gegliedert. Sie ist 45 cm hoch und nimmt entlang der Außenmauern das direkt unter der Dachscheibe liegen­de Fensterband auf. Hochliegende Fenster öffnen die Klassenateliers auch zu ihren verglasten Fluren und die Räume in Bauteil C zum innenliegenden Wandelgang. Wo Innenräume aneinander stoßen, ist die Fläche mit anthrazitfarbenen Platten gefüllt.

Die innenliegenden Fensterlaibungen und -stürze sind ebenso in Anthrazit verkleidet. Zusammen mit den Fensterbänken ergeben sich Rahmen, innerhalb derer die Fenster liegen, die sich jedoch über die tatsächliche Fensterfläche hinaus auf die ganze Wand erstrecken. Die Wände sind, wo sie zwischen den verlängerten Fenster­bänken und -stürzen liegen, anthrazit gestrichen. Als Pendant zum „Fassadenband" werden also auch im Innenraum die Fenster in dunklen Feldern zusammengefasst. Die Wände links und rechts der Fensterlöcher bekommen objekthaften Charakter, da sie nicht sichtbar vom Boden bis zur Decke zu reichen, sondern auf der Verlängerung der Fensterbank zu lasten scheinen. Dieser Ausdruck wird durch die Farbgebung noch verstärkt. Als schwere, undurchdringbare Elemente schieben sie sich vor eine Öffnung, die faktisch nie da war, wegen der besonderen Wandgliederung aber asso­ziiert wird. Dem Eindruck eines „verhinderten" Einblicks, der bei der Betrachtung der Fassade aufkommt, entspricht im Innenraum der eines „verhinderten" Ausblicks.

An einigen Stellen gibt es - wie bei Ruf - großflächigere Glaswände, die kon­struktiv durch ein Pfosten-Riegel-System möglich werden. Anders als am Bestands­bau reichen diese Glasflächen nicht immer bis unter die Dachkante, was nur bei den Eingangsbereichen der Klassenateliers, am Umgang im Theoriepavillon und am Ver­bindungsgang der Fall ist. Die Vorräume der Werkstatt- und Seminareinheiten im südlichen Teil des Atelierpavillons erscheinen aufgrund des anderen Dachaufbaus als oben gefasste Einschnitte in die Fassade. Die Eckverglasung des Kommunikations­raums nimmt in ihrem oberen Abschluss die Flucht der Dachkante es südlichen Pa­villonteils auf. Dort, wo Glaswände diese Höhe überragen - also an den Klassenate­liers, am Verbindungsgang und am Umgang in Bauteil C - werden sie analog zur Zo- nierung der Wandflächen im oberen Bereich von einem Riegel unterteilt.

Das übergeordnete Thema der Bestandsbauten, nämlich die größtmögliche Öffnung aller Räume zum Wald hin, wurde nicht aufgegriffen. Hascher Jehle schaffen einen Kontrast zur Transparenz bei Sep Ruf und geben ihrer Architektur einen insge­samt verschlosseneren Ausdruck. Die dicken Wände, die im Bereich der „Fassaden­bänder" als Betonrahmen inszeniert werden, tragen wesentlich zu einer „robuster[en] und [im Vergleich zum Bestand] längst nicht so grazil[en]"91 Formen­sprache bei. Der Leichtigkeit - nach Michael Meier auch aufgrund der energetischen Anforderungen heute nicht mehr zu erreichen92 - setzt der Neubau die Massivität entgegen. Schwere vermittelt sowohl die horizontale Lage der Baukörper, als auch die monolithische Bauweise des Kommunikationspavillons.

5.4.2. DÄCHER UND STÜTZEN

Das Flachdach, eine „Stahlrahmenkonstruktion, die als Scheibe ausformuliert wurde"93, überspannt den Erweiterungsbau auf einer Länge von 120 m. Die Last wird über das Stahlbetonskelett der Wände und von sichtbaren Stützen abgetragen. An der umlaufenden Kante ist ein weiß lackiertes U-Profil angesetzt, das auf die Kon­struktion verweisen soll.94 Das Dach ist mit Bitumen-Schweißbahnen abgedichtet, über den Atelierräumen von Bauteil A wurden Kunststoff-Oberlichter eingebaut.

Die langgezogene, rechteckige Grundform wird von der Bingstraße schräg an­geschnitten. Die Öffnungen im Bereich der Höfe und Atrien sind unterschiedlich ge­staltet, auch die Auskragungen am westlichen und am östlichen Ende variieren. Der südliche Abschluss der Scheibe fällt mit der Überdachung des Verbindungsganges zusammen, dahinter schieben sich die Baukörper aus der Flucht heraus.

Das weit auskragende Flachdach, ein gestaltprägendes Element der Bestands­architektur, wurde übernommen und frei interpretiert. An die Stelle der gleichmäßi­gen Behandlung bei Ruf setzen die Architekten eine vielfache Variation der Form. Sie machen die Dachscheibe zur eigenständigen Raumskulptur, die sich von den Bau­körpern ablöst. Während Ruf die Leichtigkeit seiner Dachscheibe über eine minimier­te Kante erreicht, sorgt bei Hascher Jehle das schmale Fensterband, mit dem das Dach von den Wänden absetzt wird, für einen schwebenden Charakter. Obwohl das Dach des Neubaus deutlich solider anmutet als das des Altbaus, hat es ein geringes Anschauungsgewicht (Rudolf Arnheim).

Das Tragwerk des Daches tritt im Außenbereich sowie in einigen Innenräu­men in Form von unterschiedlich formulierten Stützen in Erscheinung. Während sie außen bewusst zur Raumbildung eingesetzt werden, scheinen die Stützen innen rein konstruktiven Zwecken zu folgen. Anders als bei Ruf, der immer runde Profile bei möglichst reduziertem Durchmesser und mit regelmäßigen Abständen einsetzt, ist kein übergreifendes gestalterisches Prinzip erkennbar. Im Bereich der Atrien tragen je vier anthrazitfarbene Stützen aus 9-cm-Konstruktionsrohr mit quadratischem Quer­schnitt die Last der Überdachung des Verbindungsgangs in den Boden ab. Während sie in Bauteil A den Innenhof rhythmisieren,95 sind sie in Bauteil C unmittelbar vor die Pfosten der Glaswände gestellt, sodass sie ihre Eigenständigkeit verlieren. Quadrati­sche Stützen tragen auch die westliche Auskragung über dem Lagerplatz. Dagegen sind im Innenraum, nämlich in den Klassenateliers und in den vier Seminarräumen des Theoriepavillons, Stützen mit rechteckigem Querschnitt den Wänden vorge­stellt. Im Seminarraum für zweidimensionales Gestalten stehen zwei dieser Stützen mit geringem Abstand zueinander vor der Fensterwand. Sie sind 10 x 18 cm stark und im oberen Teil durch eine Querstrebe auch mit der Wand verbunden. Die unregel­mäßige, wie zufällig erscheinende Anordnung macht die Stützen zu Fremdkörpern im Raum. Eine dritte Form findet sich im Kommunikationsraum: Hier ermöglicht eine 20 cm starke Stütze mit quadratischem Querschnitt die Eckverglasung. Besonders aufgrund der Tatsache, dass sie als einzige weiß lackiert ist, mutet sie wie ein aus statischen Gründen eingegangener Kompromiss an. So macht das Tragwerk des Neubaus im Vergleich abermals deutlich, wie gekonnt Sep Ruf bei seiner Behandlung der Stützen die statische mit der raumbildenden Funktion verbunden hat.

Die südlichen Pavillonteile, die nicht von der Dachlandschaft überspannt wer­den, haben begrünte Flachdächer. Die scharfkantigen Kuben gehen darüber subtil eine Verbindung mit dem Landschaftsraum ein.

Die markanteste Dachform bildet der mittlere Baukörper mit seinen vier frei stehenden Sheds aus. Die nordseitige Verglasung sorgt für gleichmäßige Belichtung des großen Malsaals, nach Süden sind sie mit Stahlblech gedeckt. Die „ursprüngliche Idee eines kubischen Volumens [wurde] zugunsten der plastischen Kontur"96 ver­worfen, nachdem das Preisgericht eine „markantere Baukörperkomposition"97 für wünschenswert befunden hatte, um die „Signalwirkung"98 des Neubaus zu unter­stützen. An die Komposition aus kubischen Volumen und der Dachscheibe wurde die Frage gestellt, ob ihre „unspezifische Anmutung [...] der Typologie einer Kunstaka­demie in der Gegenwart entspreche]"99. Aufgrund der Schwierigkeit, einen solchen Typus zu bestimmen, kann diese Frage jedoch auch für den gebauten Entwurf nicht eindeutig beantwortet werden.

5.4.3. MATERIALIEN UND FARBEN

Die Stofflichkeit des Erweiterungsbaus wird ganz von der Sichtbetonhülle do­miniert. Stahlblech, Streckmetall und Glas ergänzen die Materialpalette der Fassa­den. Auf den offenen Erschließungswegen prägen die rechteckigen, im Verband ver­legten Platten aus gefärbtem, offenporigem Beton das Bild entscheidend mit - ge­nauso wie der Basaltschotter in den Atrienhöfen, die an japanische Gärten erinnern. Der anthrazitgraue Schotter mit grober Körnung, wie er auch im Gleisbau Verwen­dung findet, fügt sich gut in das Erscheinungsbild des Neubaus ein - im Verhältnis zum Landschaftsraum der Akademie ist er jedoch ein Fremdkörper. Anstatt wie am Bestand die offene Grundrissstruktur und den fließenden Raum zu nutzen, um den Wald in das Gebäude zu holen und den Bau so in die Landschaft zu integrieren, ist das „Außen", das hier mit dem Inneren verschmilzt, nicht das „Außen" der Umge­bung. Während Ruf auch beim Belag der Wege die Verbindung mit dem sandigen Waldboden sucht, kontrastieren die Betonplatten von Hascher Jehle wegen ihrer kühlen und technischen Anmutung mit dem Grünraum.

Die Innenböden sind als glatter Estrich mit einer Kunstharzbeschichtung aus­geführt. Sie sind größtenteils anthrazitfarben, in den Arbeitsräumen, Werkstätten und Seminarräumen der Bauteile A und B jedoch in einem helleren Grauton gefärbt. Für die Materialität der Innenräume sind des weiteren auch die glatt verputzten Wände und die Kunststoffbeschichtung der Türen, Fensterbänke und Füllelemente charakteristisch.

Die Farbpalette ist mit großer Konsequenz auf das Hellgrau des Sichtbetons,100 einen Anthrazitton und Weiß beschränkt. Alle Fassadenelemente, die Fensterrahmen und Türblätter, Stützen und Gliederungselemente der Innenwände sind anthrazitfarben. Nur wenige Bauteile werden durch einen weißen Anstrich her- vorgehoben: die Dachscheibe, die Stütze im Kommunikationsraum sowie Außen­leuchten aus Stahlblech, die die Innenhöfe erhellen. Die Pollerleuchten im Außenbe­reich sind hellgrau. Hier, wie beim blaustichigen Ton der Atelierböden ist eine Ab­weichung von dem wärmeren Grau des Betons erkennbar.

Ein vielzitiertes Attribut des Erweiterungsbaus ist sein „Werkstattcharakter", der vor allem in der gewählten Materialität seinen Ausdruck finden soll.101 Am Ob­jekt lässt er sich nur schwerlich wiederfinden. Der Sichtbeton der Außenhülle ist zwar „robust"102, aber als „roh"103 kann er wegen seiner vorzüglichen Verarbeitung nicht bezeichnet werden. Der Baustoff Beton verbürgt für sich eben längst keinen industriellen oder Werkstatt-Charakter, sondern kann je nach Verarbeitung genauso edle Oberfläche eines Museumsbaus sein. Am Erweiterungsbau wirkt er denn auch „fast museal [...], und mit dem eingravierten Schriftzug [...] wie fein gemacht für die Vermählung mit der Stadt"104. Es ließen sich noch etliche weitere Elemente dieser Architektur aufzählen, die vielmehr für Wertigkeit als für einen Werkstattcharakter stehen. Verwiesen sei an dieser Stelle nur auf die anmutige Dachscheibe, die Land­schaftsgestaltung der Atrien, die dunklen Böden mit ihren hölzernen Abschlussleis­ten sogar am Sichtbeton und die eleganten Zäune und Handläufe. Am gebauten Re­sultat ist erkennbar, dass der behauptete „Werkstattcharakter" nicht der Leitgedanke des Entwurfs gewesen sein kann. Tatsächlich geht er auf eine Forderung des Preisge­richts zurück:

„Anstelle einer musealen Auffassung wäre für den Neubau eher eine Art Werk­stattcharakter anzustreben, auch um sich im Anspruch nicht über die gediegene Einfachheit der Ruf'schen Konzeption zu erheben.“105

Leider hat der Gedanke, obwohl zum Ausgangsentwurf von Hascher Jehle im Widerspruch stehend, vor allem bei der Gestaltung der Innenräume und in der De­tailbehandlung praktisch Einzug erhalten.

5.4.4. DETAILBEHANDLUNG

Während einigen Details außen am Bau große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wirkt die Detailbehandlung der Innenräume eher plump und minderwertig. Zu den Positivbeispielen zählen die für das Objekt entworfenen Zäune und Handläu­fe aus T-Stahlprofilen. Sie haben in ihrer reduzierten Formensprache eine selbstver­ständliche und klare Anmutung. Auch die Streckmetallelemente, die an den Südfens­tern als Schiebeläden montiert sind und die das Fassadenbild je nach Stellung verän­dern, sind überzeugend konstruiert.

Dagegen sind die Fensterzonen im Innenbereich nicht nur unglücklich formu­liert (s.o.), sondern auch Ausführung und Materialien haben mindere Qualität. Brüs­tungskanäle aus weißem PVC ragen unter den Fensterbänken hervor, die wiederum aus einfachen Spanplatten mit Kunststoffbeschichtung gearbeitet und über den Heizkörpern mit groben Fräsungen versehen sind.

Offenbar wurde bei der Behandlung der Innenräume dem geforderten „Werk­stattcharakter", der am Ganzen der Architektur nicht sichtbar ist, durch die Verwen­dung einfacher Materialien Rechnung getragen. Auch die offene Installation der Lüf­tungsrohre und Kabelrinnen im Kommunikationspavillon fügt sich in das Konzept.

Darüber hinaus erwecken einige Details den Eindruck von Beliebigkeit. Von der unregelmäßigen Gliederung der Wände durch vorgestellte Stützen war bereits die Rede. Hinzu kommen tiefe Vorsprünge, die beispielsweise in den Klassenateliers und in den Seminarräumen ohne erkennbaren Grund ansonsten plane Wandflächen hori­zontal segmentieren.

Im Detail finden sich auch am Erschließungsnetz immer wieder Unstimmig­keiten. So sind die langen und kurzen Stützen zu beiden Seiten des Verbindungsgan­ges im Theoriepavillon plötzlich nicht mehr gegenüber, sondern versetzt angeordnet. Dass sie hofseitig, wie oben angesprochen, direkt vor die Pfosten der Glasfassade gestellt sind, beeinträchtigt die gestalterische Klarheit in diesem Flur ebenso wie die asymmetrisch angeordneten Lüftungsgitter im Boden.

Da an der Wahrnehmung architektonischer Situationen nicht allein der Seh­sinn, sondern im Grunde alle Sinne beteiligt sind,106 soll an dieser Stelle kurz auf hap­tische und akustische Qualitäten des Baus eingegangen werden. Für die Haptik sind besonders die zahlreichen Kunststoffoberflächen der Innenräume prägend. Als zen­trale körperliche Erfahrung ist der Nutzer außerdem mit der Schwere der Glastüren konfrontiert, die auf dem Weg entlang des Verbindungsgangs insgesamt vier Mal passiert und manuell oder elektronisch geöffnet werden müssen. Auf der innenlie­genden Rampe von Bauteil C wird er von dem plötzlichen Hohlklang des Fußbodens überrascht. Die akustische Wahrnehmung des Gebäudes wird bestimmt durch die Knackgeräusche des Daches, die vermutlich daher rühren, dass bei Sonneneinstrah­lung die Materialien arbeiten. Die Raumakustik ist dank schallabsorbierender Flä- chen in den meisten Seminar- und Arbeitsräumen gut. Dagegen wurde beim Lärm­schutz ein niedriger Standard angesetzt, sodass Geräusche aus den angrenzenden Räumen oft deutlich hörbar sind. Dies irritiert besonders, wenn es sich dabei um Räume handelt, die anderen Einheiten mit separatem Eingang zugeordnet sind, wie bei den Ateliers der zwei Klassen.

Rufs Akademiearchitektur zeichnet sich auch durch die Konsequenz aus, mit der die Klarheit des Entwurfs noch im Detail erlebbar ist. Hascher Jehle schmälern die Qualität der Detailbehandlung am Erweiterungsbau, indem sie zwei gegensätzli­che Konzeptionen - die eher museale Auffassung und den „Werkstattcharakter" - vereinbar zu machen suchen.

6. ZUSAMMENSCHAU

Dass die Erweiterung einer Architekturikone keine leichte Aufgabe war, darin besteht kein Zweifel. Wie immer beim Bauen im denkmalgeschützten Bestand ging es darum, „die identitätsstiftenden Aspekte der vorhandenen überlieferten Bausub­stanz zu bewahren, zu nutzen und fortzuführen"107.

Was das „Nutzen" und „Fortführen" betrifft, suchen die Architekten des Neu­baus die Balance zwischen den eingangs erwähnten Extremen von Anpassung und Kontrastierung. Sie nehmen zentrale architektonische Mittel des Bestandsbaus in ihren Entwurf auf, aber nicht, um sie zu kopieren, sondern um sie variantenreich zu interpretieren. Auf der anderen Seite setzen sie bewusst konträre Materialien ein, um eine Trennung vom Bestand zu erreichen - darin ganz den Prinzipien der schöpferi­schen Denkmalpflege folgend, die Carlo Scarpa bei der Sanierung des mittelalterli­chen Castelvecchio in Verona in den Sechzigerjahren etablierte.108

Die offene Grundrissstruktur der Ruf-Ateliers wurde samt außenliegender Durchwegung übernommen. So haben Hascher Jehle die damit einhergehenden Qualitäten des fließenden Raums für sich nutzbar gemacht. Dazu gehört auch die differenzierende Abstufung verschiedener Zugänglichkeitsebenen zwischen dem Stadtraum und den Ateliers. Die Möglichkeit, über die Durchdringung des Außen mit dem Innen auch den Landschaftsraum in das Gebäude zu holen, wurde nicht genutzt - stattdessen sucht man in der Verwendung von Betonplatten und Basaltschotter den Kontrast zum Wald. Dass der offene Verbindungsgang am Neubau nicht nur li­near aufgefasst ist, sondern auch von der Seite betreten werden kann, tut der inneren Erschließung keinen Abbruch. Seine variantenreiche Ausformulierung kann den un­terschiedlichen Charakter der Funktionseinheiten gut vermitteln.

Die über allem schwebende Dachscheibe ist vielleicht die offensichtlichste Adaption, die Hascher Jehle vornehmen. Zugleich setzen sie das Thema mit ganz anderen architektonischen Mitteln um, als Ruf es tat. Nicht die minimierte Dachkan­te, sondern ein Abheben von den massiven Baukörpern schafft hier den Eindruck von Leichtigkeit.

Insgesamt dominiert am Erweiterungsbau im Gegensatz zum Bestand jedoch die Schwere. Hier einen Kontrast zu setzen, ist nicht nur legitim, sondern macht sich für den Altbau sogar noch bezahlt, denn: „Das Gegenstück zur Schwere, die Leichtig­keit, wird vor allem als Überwindung der Schwere empfunden. [...] Schwer und Leicht bedingen sich gegenseitig in ihrem Ausdruck.“109

Das hohe Anschauungsgewicht einer Architektur muss jedoch nicht bedeuten, dass sie nicht auch transparent sein kann. Das war offensichtlich auch den Entwurfs­verfassern bewusst, als sie die Entscheidung trafen, der Lochfassade den Anschein von Fensterbändern zu geben. Der Versuch, eine Öffnung vorzuspiegeln, die nicht da ist, schlägt in sein glattes Gegenteil um: Er macht die Verschlossenheit des Gebäu­des nur noch sinnfälliger; insbesondere im Innenraum, wo die Wände links und rechts der Fensteröffnungen objekthaften Charakter bekommen und sich vor den Ausblick in den Wald zu schieben scheinen. Die unentschlossene Behandlung der Fassadenöffnungen lässt erkennen, dass hier nicht bewusst der Gegensatz zum transparenten Nachbarn gesucht wurde. Man hätte den Studenten - zumal den von Ruf verwöhnten - wenigstens in den Theorieräumen größere Öffnungen in den Wald gönnen können. Schließlich geht es hier nicht nur um das zentrale Thema der Be­standsarchitektur, sondern um ein wesentliches Moment der Aufenthaltsqualität. Unverständlich ist auch, dass der früh behobene Fehler von Rufs Ausgangsentwurf - dass es keine Möglichkeiten gegeben hatte, in den Wald hinauszutreten - am Neu­bau wiederholt wurde.

In puncto „Bewahren“ - dem dritten Ziel schöpferischer Denkmalpflege - wurde bei der Erweiterung der Ruf-Pavillons auf den ersten Blick alles richtig ge­macht: der Neubau hält respektvoll großen räumlichen Abstand und bleibt maßstäb­lich in seiner Höhenentwicklung. Wie weitreichend die Eingriffe in den Bestand trotzdem sein können, zeigen die vorgenommenen Veränderungen am Erschlie­ßungskonzept. Die Entscheidung für einen neuen, zentralen Haupteingang torpediert den dezentralen Städtebau und mit ihm die funktionelle Grundrissgliederung des Ensembles. Dass das Betreten des Laubengangs in der Mitte keine Bewegungsfigur ist, die dem von Ruf konzipierten Raumgefüge entspricht, merkt der so „Hineinge­worfene" an seiner eigenen Orientierungslosigkeit. Es zeigt sich, dass die Adaption der axialen Anordnung und Erschließungsstruktur, auch der neue Zugang, einleuch­tet, solange man den Neubau isoliert betrachtet. Alles ist übersichtlich und durch­dacht strukturiert - im Kontext der Gesamtanlage aber wird eine Doppelstruktur ge­schaffen, die das an sich so schlüssige Konzept der Ruf-Architektur verunklärt.

„Klarheit" ist indes eine Eigenschaft, die Rainer Hascher an der Bestandsarchi­tektur schätzt: „Bei den Bauten ist nichts zu viel, sie sind schnörkellos und auf das Wesentliche reduziert."110 Der Neubau kann das Attribut für die Komposition seiner Baukörper, die Raumskulptur der Dächer und auch zum Teil für die Fassadengestal­tung - kurz: für die große Form - beanspruchen. Im Detail jedoch, vor allem bei der Durcharbeitung der Innenräume, wird die Einfachheit der Ruf'schen Akademie der Bildenden Künste nicht erreicht. Hier zeigen sich die konkurrierenden Konzeptionen für den Bau - der hohe baukünstlerische Anspruch auf der einen, die Bemühung um einen „Werkstattcharakter" auf der anderen Seite - die in der Ausführung vereinbar gemacht werden sollten und am Ende beide nicht konsequent umgesetzt wurden.

Es scheint, als habe Baruch de Spinoza recht, wenn er bemerkt: „Sed omnia praeclara tam difficilia, quam rara sunt." - „Aber alles sehr klare ist ebenso schwierig wie selten."111

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In: Bauwelt 33 (2013), S. 16-23.

Architektur im Bestand. Planung Entwurf Ausführung. Basel 2007.

Die Akademie der bildenden Künste Nürnberg nach 1945 und die Didaktik ihrer Architektur (Sep Ruf). In: Ruppert, Wolfgang und Fuhrmeister, Christian (Hgg.): Zwischen Deutscher Kunst und internationaler Modernität. Formen der Künstlerausbildung 1918 bis 1968. Weimar 2007, S. 169-180.

Schön flach. Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. In: xia intelligente architektur 01-03 (2015), S. 48-55.

Arbeiten im Team - eine Strategie für die Lösung komplexer Aufgaben. In: Jeong, Kwang-young (Hg.): Pro Architect 36. Hascher Jehle Architektur. Seoul 2004.

Die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg von Sep Ruf. Magisterarbeit. Berlin 2006.

Grundbegriffe der Architektur. Das Vokabular räumlicher Situationen. Basel 2013.

Pro Architect 36. Hascher Jehle Architektur. Seoul 2004.

Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In: Bauwelt 38 (2009), S. 12-13.

Bildwörterbuch der Architektur. Stuttgart 1999.

Die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Ein Hauptwerk der deutschen Nachkriegsarchitektur von Sep Ruf. In: Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Hg.): 350. Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Nürnberg 2012, S. 126-137.

Sep Ruf 1908-1982. Berlin 2013.

Architektur der Wunderkinder. Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945-1960. München 2005.

Neuer Raum für die Kunst. Erweiterungsbau der Akademie fügt sich gut in Altbestand ein. In: Nürnberger Nachrichten vom 09.02.2013, S. 10.

Edler Rahmen für die Kunst. Nürnberger

Akademie feiert die Eröffnung ihres lange ersehnten Neubaus. In: Nürnberger Nachrichten vom 25.04.2013, S. 8.

Kreativ umnutzen. In: ders. (Hg.): Im Detail.

Bauen im Bestand. Umnutzung Ergänzung Neuschöpfung. Basel 2003, S. 8-9.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Anja Bramkamp: Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In: Bauwelt 33 (2013), S.16-23, S. 20.

[...]


1 Vgl. Irene Meissner: Die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Ein Hauptwerk der deutschen Nachkriegsarchitektur von Sep Ruf. In: Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Hg.): 350. Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Nürnberg 2012, S. 126-137, S. 127.

2 Vgl. Stefan Breitling; Johannes Cramer: Architektur im Bestand. Planung Entwurf Ausführung. Basel 2007, S. 24.

3 Redaktionskommission für die Internationale Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles: Charta von Venedig. Internationale Charta über die Konservierung und Re­staurierung von Denkmälern und Ensembles. Venedig 1964. URL: http://www.blfd.bayern.de/medien/ charta_von_venedig_1964.pdf (Stand: 27.08.2015), S. 1f.

4 Vgl. Oskar Spital-Frenking: Architektur und Denkmal. Entwicklungen Positionen Projekte. Leinfelden­Echterdingen 2000, S. 163.

5 Vgl. Breitling/Cramer 2007, S. 137f.

6 Vgl. Bernd Windsheimer, Alexander Schmidt und Martin Schieber: Architektur Nürnberg. Bauten und Biografien. Band 1. Vom Mittelalter bis zum Wiederaufbau. Nürnberg 2007, S. 116.

7 Vgl. Meissner 2012, S. 134.

8 Vgl. Irene Meissner: Sep Ruf 1908-1982. Berlin 2013, S. 126.

9 Hans Dickel: Die Akademie der bildenden Künste Nürnberg nach 1945 und die Didaktik ihrer Architektur (Sep Ruf). In: Ruppert, Wolfgang und Fuhrmeister, Christian (Hgg.): Zwischen Deutscher Kunst und inter­nationaler Modernität. Formen der Künstlerausbildung 1918 bis 1968. Weimar 2007, S. 169-180, S. 170.

10 Diese Eigentümlichkeit mag auch dem Bedürfnis entspringen, jede Repräsentationswirkung im Stadt­raum zu vermeiden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Straßenbahnanschluss des benachbarten Tier­gartens oder die Tatsache, dass der Baugrund in Ost-West-Richtung abfällt, ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen sind.

11 Vgl. Hans Koepf; Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Stuttgart 1999, S. 348.

12 Kirstin Heinichen: Die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg von Sep Ruf. Magisterarbeit. Berlin 2006, S. 17.

13 Meissner 2012, S. 128.

14 Hans Wichmann: In memoriam Sep Ruf. Stuttgart 1985, S. 24.

15 Die weißen Latten, die von innen an die Fensterrahmen geschraubt und ohne statische Funktion sind, wurden aus Sicherheitsgründen nachträglich angebracht.

16 Winfried Nerdinger und Inez Florschütz (Hgg.): Architektur der Wunderkinder. Aufbruch und Verdrän­gung in Bayern 1945-1960. München 2005, S. 155.

17 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg: Beschränkt offener 1-stufiger Realisierungs-Wettbewerb für die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (AdBK). Auslobungsunterlagen. Nürnberg 2009, S. 13.

18 Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union (Hg.): Amtsblatt der Europäischen Union vom 29.01.2009. Reihe S. Luxemburg 2009, ohne Zählung.

19 Ebd.

20 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg (Hg.): Realisierungswettbewerb Erweiterungsbau für die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Freiburg im Breisgau 2009, S. 1.

21 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009A, S. 14.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Vgl. ebd., S. 16.

26 Vgl. ebd., S. 19.

27 Ebd., S. 17.

28 Ebd.

29 Vgl. ebd., S. 19.

30 Ebd., S. 20.

31 Ebd., S. 20.

32 Vgl. ebd., S. 32.

33 Ebd., S. 25.

34 Vgl. ebd., S. 28-34.

35 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg (2009), S. 1.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. ebd.

38 Vgl. Kwang-young Jeong (Hg.): Pro Architect 36. Hascher Jehle Architektur. Seoul 2004, S. 200.

39 Vgl. ebd., S. 206-212.

40 Rainer Hascher; Sebastian Jehle: Arbeiten im Team - eine Strategie für die Lösung komplexer Aufga­ben. In: Kwang-young Jeong (Hg.): Pro Architect 36. Hascher Jehle Architektur. Seoul 2004, S. 13.

41 Vgl. Jeong 2004, S. 219.

42 Entsprechend der aktuellen CI der Akademie ist der Schriftzug in einem halbfetten, schmal laufenden Schnitt der Schrift Univers gesetzt. Man hat sich jedoch dagegen entschieden, das Akademie-Logo abzu­bilden, das noch den Zusatz „IN NÜRNBERG“ enthält, im gleichen Schriftschnitt, aber in vier Zeilen ge­setzt ist und meist um 90 Grad gedreht verwendet wird.

43 Das Motiv der Stege, die den aus der Dachscheibe herausragenden Baukörper einklammern, wiederholt sich außen an der Nord- und der Ostwand mit Modifikationen in Proportion und Materialität.

44 Die tatsächliche Funktionszuweisung der Räume hängt von der Entscheidung der jeweiligen Nutzer ab. Momentan beansprucht keiner der Professoren das große Lehreratelier für sich. Wie auch in den Klassen, die in den Ruf-Pavillons untergebracht sind, spielt der Meisterschülertitel für die Belegung der Atelierräu­me durch die Studenten keine Rolle.

45 Hascher Jehle Architektur (Hg.): Schön flach. Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste Nürn­berg. In: xia intelligente architektur 01-03 (2015), S. 48-55, S. 50.

46 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg (Hg.): Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Neubau für die Kunstpädagogik. Begrenzt offener Realisierungswettbewerb. Preisgerichtssitzung am 27. und 28.07.2009. Protokoll. Nürnberg 2009, S. 5.

47 Ebd.

48 Hascher Jehle Architektur (Hg.): Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Presse­text vom 10.01.2013. Berlin 2013. 3, S.3.

49 Ebd.

50 Dies war in der Auslobung des Wettbewerbs 1950 ausdrücklich gewünscht: „Es soll der Charakter des Baugeländes als Waldstück auch späterhin weitgehend erhalten bleiben. Aus diesem Grunde ist auch eine Aufforstung der Freiflächen des Baugeländes nach Beendigung der Bauzeit beabsichtigt, um eine Angleichung an den Bewuchs der benachbarten Waldungen zu erreichen.“ Staatliches Bauamt Erlangen- Nürnberg 2009A, S. 36.

51 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 50.

52 Anja Bramkamp: Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In: Bauwelt 33 (2013), S. 16-23, S. 17.

53 Ebd.

54 Ebd.

55 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009A, S. 26.

56 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009B, S. 5.

57 Vgl. ebd.

58 Doris Kleinlein: Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. In: Bauwelt 38 (2009), S. 12-13, S. 13. — Der städtebauliche Ansatz des zweiten Siegerentwurfs von Gernot Schulz sah eine konzen­trierte Anordnung der Baumasse im Westen des Geländes vor, wodurch Rufs Anlage in höherem Maß ihre Eigenständigkeit behalten hätte.

59 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 50.

60 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009A, S. 17.

61 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009B, S. 5.

62 Ebd.

63 Ebd.

64 Zudem ist der Übersichtsplan in dem hochformatigen Schaukasten am Entree nicht nach der Himmels­richtung des Standpunkts orientiert. Eine querformatige Tafel wäre an dieser Stelle deshalb passender.

65 Einer der wenigen Wettbewerbsbeiträge, die das Ruf'sche Erschließungssystem nicht verunklären, son­dern zu ergänzen suchen, ist der von der Jury mit dem 3. Preis bedachte Entwurf von Volker Staab. Der organisch sich an die Bingstraße schmiegende Baukörper öffnet sich nach Osten zum bestehenden Haupteingang, wodurch dieser eine Akzentuierung erfährt. Der Logik des Bestands folgend sind Kommu­nikations- und Multifunktionsraum ebenfalls in diesem Bereich angeordnet. Vgl. Staatliches Bauamt Er­langen-Nürnberg 2009, S. 8.

66 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 50.

67 Bramkamp 2013, S. 19.

68 Vgl. Hascher Jehle Architektur 2013, S. 1.

69 Ebd.

70 Insa Thiel: Unter freiem Himmel. Erweiterung Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Artikel vom 18.12.2014. URL: http://www.detail.de/artikel/unter-freiem-himmel-erweiterung-akademie-der-bilden- den-kuenste-nuernberg-12991/ (Stand: 09.09.2015).

71 Alban Janson; Florian Tigges: Grundbegriffe der Architektur. Das Vokabular räumlicher Situationen. Basel 2013, S. 80.

72 Thiel 2014.

73 Die Kritik Bramkamps (2013), das architektonische Thema würde hier willkürlich gewechselt, übersieht diesen Zusammenhang der Ausformung des Laubengangs mit dem spezifischen Inhalt des Bauteils, weil sie nur die Gemeinsamkeit in der Grundrissstruktur im Blick hat. Vgl. Bramkamp 2013, S. 19.

74 Vgl. Bramkamp 2013, S. 22.

75 Vgl. Hascher Jehle Architektur 2015, S. 55.

76 Bramkamp 2013, S. 17.

77 Ebd., S. 17.

78 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 54.

79 Ebd.

80 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg (2009), S. 6.

81 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 50.

82 Hascher Jehle Architektur 2013, S. 1.

83 Vgl. Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009, S. 6.

84 Vgl. Hascher Jehle Architektur (Hg.): Erläuterungsbericht zur Überarbeitung. Berlin 2009, S. 1.

85 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 53.

86 Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr (Hg.): Staatli­cher Hochbau. Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Neubau an der Bingstraße. Projektinformati­on vom 15.07.2014. URL: http://www.innenministerium.bayern.de/assets/stmi/projektdatenbank/iia1_- staatlicherhochbau_bauprojekte_stbaer_akdbk_nuernberg.pdf (Stand: 18.05.2015), S. 3.

87 Vgl. Birgit Ruf: Edler Rahmen für die Kunst. Nürnberger Akademie feiert die Eröffnung ihres lange er­sehnten Neubaus. In: Nürnberger Nachrichten vom 25.04.2013, S. 8.

88 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 53.

89 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009B, S. 6.

90 Vgl. Hascher Jehle Architektur 2015, S. 53.

91 Birgit Ruf: Neuer Raum für die Kunst. Erweiterungsbau der Akademie fügt sich gut in Altbestand ein. In: Nürnberger Nachrichten vom 09.02.2013, S. 10.

92 Vgl. Ruf 2013b. In dieser Absolutheit kann die Aussage meiner Ansicht nach nicht gehalten werden. Die japanischen Pritzker-Preisträger SANAA beweisen in ihren Bauten immer wieder, wie mit modernen Kon­struktionsmethoden eine Grazilität möglich wird, die allen Gesetzen der Physik zu widersprechen scheint. Die Frage nach der technischen Möglichkeit, die Leichtigkeit des Fünfzigerjahre-Baus aufzugreifen, ist freilich nicht gleichzusetzen mit der Frage, ob dies aus baukünstlerischer Sicht anzustreben ist.

93 Bramkamp 2013, S. 22.

94 Vgl. ebd.

95 Vgl. Hascher Jehle Architektur 2015, S. 50.

96 Bramkamp 2013, S. 19.

97 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009B, S. 21.

98 Ebd.

99 Ebd.

100 In der Überarbeitung sah der Entwurf für die Betonoberflächen noch eine weiße Färbung vor. Der mitt­lere Bauteil sollte durch einen dunkleren Farbton in seiner Sonderstellung markiert werden. Vgl. Hascher Jehle Architektur 2009, S. 1.

101 Vgl. Hascher Jehle Architektur 2015, S. 53; Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr 2014, S. 2; Thiel 2014; etc. pp.

102 Ebd.; ebd.; ebd.

103 Hascher Jehle Architektur 2015, S. 53.

104 Bramkamp 2013, S. 22.

105 Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg 2009B, S. 5.

106 Vgl. Janson/Tigges 2013, S. 287. Einschlägig auch Hascher/Jehle 2004, S. 14.

107 Breitling/Cramer 2007, S. 20.

108 Vgl. Christian Schittich: Kreativ umnutzen. In: ders. (Hg.): Im Detail. Bauen im Bestand. Umnutzung Ergänzung Neuschöpfung. Basel 2003, S. 8-9, S8.

109 Janson/Tigges 2013, S. 282.

110 Ruf 2013a. m Spinoza, Baruch de: Ethika. In: ders., Opera. Hg. von Konrad Blumenstock. Darmstadt 1967, S. 84-556, S. 556.

111 Zit. nach: Janson/Tigges 2013, S. 71.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Sep Ruf, 1952/54) durch Hascher Jehle Architektur (2013)
Hochschule
Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
42
Katalognummer
V933590
ISBN (eBook)
9783346254757
ISBN (Buch)
9783346254764
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Moderne, Sep Ruf, Akademie, Nürnberg, Nachkriegsmoderne, 50er Architektur, Erweiterungsbau, Hascher Jehle Architektur, Bauhaus
Arbeit zitieren
Holger Meinhardt (Autor), 2015, Die Erweiterung der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Sep Ruf, 1952/54) durch Hascher Jehle Architektur (2013), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/933590

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