Die mobile One-Klick-Bewerbung. Vor- und Nachteile aus Bewerber- und Unternehmersicht

Eine kritische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung: Die Evolution der Bewerbung

2. Mobile One-Klick-Bewerbung: Definition und Ablauf
2.1 Anforderungen an die Bewerber
2.2 Anforderungen an die Unternehmen

3. Die Vorteile der mobilen One-Klick-Bewerbung
3.1 Vorteile aus Bewerbersicht
3.2 Vorteile aus der Unternehmenssicht

4. Die Nachteile der mobilen One-Klick-Bewerbung
4.1 Nachteile aus Bewerbersicht
4.2 Nachteile aus der Unternehmenssicht

5. Einsatzmöglichkeiten der mobilen One-Klick-Bewerbung

6. Empfehlungen und Ausblick

7. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 One-Klick-Bewerbung bei Apple Inc

Abbildung 2 One-Klick-Bewerbung bei L'OREAL mit anschließendem Mini-Assessment

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung: Die Evolution der Bewerbung

Die Bewerbung in ihrer kulturellen Bedeutung, die uns im 21. Jahrhundert bekannt ist, besteht seit ca. 1900 (Luks 2019 S. 35). In den Wörterbüchern jener Zeit war das „Bewerbungsschreiben“ ein Gesuch um z.B. ein Amt (Luks 2019 S. 35).

Zunächst wurde sie bis in die 1970er Jahre in Briefform von Hand geschrieben, dann mit Schreib­maschine abgetippt und schließlich, mit dem Einzug der Fotokopierer und Drucker in privaten Haus­halten, per Textprogramm erstellt und ausgedruckt. Seit rund zwanzig Jahren gibt es nun die Mög­lichkeit für Bewerber1 sich bei Unternehmen auf ausgeschriebene Stellen oder auch initiativ online zu bewerben (Hofert 2009). 2019 schrieb das Nachrichtenportal „WELT“: „Die Bewerbung per Papier ist tot.“ (Trimborn 2019). Eine Umfrage aus dem Jahr 2018 ergab, dass neun von zehn Unternehmen digitale Bewerbungs­unterlagen verlangen. Im Jahr 2015 waren es erst zwei Drittel aller Unternehmen (Trimborn 2019). 2017 bot bereits fast jedes vierte Unternehmen die One-Klick-Bewerbung im Recruiting Prozess an (Reschke 2017). 2016 waren zwei Drittel der Bewerber bereit, sich mobil zu bewerben (Böhm/Jäger 2016, S. 796). Der Trend zeigt deutlich, dass sich die Bewerbung hin zur mobilen Form entwickelt. Die mobile One-Klick-Bewerbung ist eine Kurzform der reinen Online-Bewerbung, bei der die Nut­zung dieser Bewerbungsform ausschließlich über mobile Endgeräte, wie Smartphones oder Tablets, erfolgt.

Sie soll schnell gehen und für beide Seiten, den Kandidaten und den Arbeitgeber, den Bewerbungs­prozess vereinfachen. Im Zeitalter des Internets und der „Big Data“ soll die Effizienz im Recruiting- Prozess erhöht werden (Dannhäuser 2017, S. 22). Durch ihre schlichte Form und dem Verzicht auf ein Anschreiben (Reschke 2017) verspricht die One-Klick-Bewerbung die Hürden im Bewerbungs­prozess zu nehmen (Leopold 2019, S. 34-35).

Doch tut sie das wirklich? Diese Seminararbeit soll kritisch darauf eingehen, wann eine mobile One- Klick-Bewerbung effizient ist, welche Voraussetzungen für sie gegeben sein müssen und welche positiven und negativen Effekte sie für beide Parteien des Bewerbungsprozesses bereithält.

Wie die mobile One-Klick-Bewerbung abläuft und was man in der allgemeinen Literatur darunter versteht, wird in dieser Ausarbeitung in Kapitel 2 erörtert. Gleichzeitig werden die Anforderungen sowohl an den Bewerber als auch an den Arbeitgeber einander gegenübergestellt.

In den darauffolgenden Kapiteln wird auf die Vor- und Nachteile, die eine mobile One-Klick-Bewer­bung mit sich bringt, eingegangen. Dabei wird zwischen der Sicht des Bewerbers und der des Un­ternehmens unterschieden.

Im nächsten Kapitel werden die Einsatzmöglichkeiten dieser Art der Bewerbung erörtert. Es wird darauf eingegangen, in welchen Branchen, Berufsfeldern und Karrierestufen die Effektivität dieser Online-Bewerbungsform gegeben ist und wo sie bereits im Einsatz ist.

Daraufhin findet ein Resümee über die Meinungen in der aktuellen Fachliteratur zur One-Klick-Be- werbung statt. Mögliche Szenarien in der Zukunft sollen ein Bild darüber abgeben, wie sich diese Form der Kandidatenansprache entwickeln könnte.

Im letzten Kapitel wird ein Fazit gezogen. Die Frage, ob und in welchen Fällen eine One-Klick-Be­werbung mehr Effizienz verspricht, wird hier beantwortet. Außerdem wird ein Ausblick darauf gege­ben, welche Verbesserungspotenziale hinter dieser Methode der Kandidatengewinnung liegen und welche neuen Untersuchungsfelder sie eröffnet.

2. Mobile One-Klick-Bewerbung: Definition und Ablauf

Eine One-Klick-Bewerbung (auch: One-Click, z.B. bei Reschke 2017) ist eine Kurzform einer Be­werbung, die online zum Einsatz kommt (wie z.B. in Abbildung 1). Der Bewerber hat die Möglichkeit, in einem schnellen Verfahren, meist ohne das Hinzufügen eines Anschreibens, sich auf eine ausge­schriebene Stelle auf einer Unternehmens-Karriere-Webseite oder aber auf eine Stellenanzeige ei­nes Unternehmens in einem Jobportal, wie z.B. XING oder LinkedIn, zu bewerben. Dabei soll er buchstäblich nur einen Klick von der Bewerbung entfernt sein. Denn es erfordert ihn meist nur Lass dich entdecken Dein Lebenslauf Bitte sende uns deinen Lebenslauf, damit wir einschätzen können, welche Teams am besten zu deinen Fähigkeiten und Interessen passen. Lade deinen Lebenslauf in einem dieser Formate hoch: PDF, Microsoft Word, Pages, RTF oder TXT.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 One-Klick-Bewerbung bei Apple Inc. (Screenshot URL: https://www.apple.com/jobs/de/ [letzter Zugriff: 06.06.2020]) entweder den Lebenslauf im PDF-Format hochzuladen oder aber sein Kurzprofil von einer Karrie­reseite, wie XING oder LinkedIn, zu übertragen (Reschke 2017). In der mobilen Form läuft der ge­samte Prozess auf dem mobilen Endgerät des Nutzers ab.

Die Realität sieht nicht ganz so utopisch aus: meistens wird der Kandidat vom System noch einmal aufgefordert, die aus dem Lebenslauf oder Profil gefilterten Daten gegen zu prüfen und Kontaktdaten zu ergänzen. Dies erfolgt in einer Maske auf der weitergeleiteten Seite. Je nach dem, wie gut das System die Daten erfassen kann, erfordert das wiederum mehr oder weniger Aufwand für den Be­werber.

Manche Unternehmen lassen dann noch die Möglichkeit offen, Dokumente hochzuladen, wie z.B. ein Anschreiben, Zeugnisse oder andere Qualifikationsnachweise. Viele sehen davon aber immer mehr ab, da dies in der mobilen Bewerbungsform für den Kandidaten sehr aufwändig ist und nur eine weitere Hürde im Bewerbungsprozess darstellt. Ihre Effizienz wird regelmäßig in Frage gestellt (Reschke 2017) (Buckmann 2019).

Im Anschluss bekommt der Bewerber in der Regel eine automatische Eingangsbestätigung und wird über das weitere Vorgehen im Bewerbungsprozess aufgeklärt (Michel 2016b, S. 47).

2.1 Anforderungen an die Bewerber

Um als Bewerber eine One-Klick-Bewerbung in ihrer mobilen Form nutzen zu können, muss derje­nige zunächst einmal ein mobiles Endgerät, wie z.B. Smartphone, besitzen und das mobile Internet­surfen nutzen.

Als nächstes muss er Zugang zu den Online-Stellenanzeigen haben, die eine One-Klick-Bewerbung verlangen. Entweder sind diese auf der Karriere-Webseite des Unternehmens zu finden oder aber auf Karrierenetzwerken, wie z.B. XING.

Um eine One-Klick-Bewerbung absenden zu können, halten die meisten Unternehmen den Kandi­daten die Möglichkeit offen, sich entweder über das Hochladen des Lebenslaufs (im PDF-Format) oder über das Hochladen des Profils von der Karriereseite zu bewerben. Der Kandidat sollte also einen gut gepflegten Lebenslauf auf dem Endgerät zur Verfügung haben, diesen in einer Dropbox oder Cloud gespeichert haben oder aber ein gut geführtes Profil auf einem der angeführten Karrie­renetzwerke bereitstehen haben (Reschke 2017).

2.2 Anforderungen an die Unternehmen

Zunächst einmal sollte ein Unternehmen, das diese Form der Bewerbung anbieten will, für sich eine „mobile Recruiting Strategie“ definieren (Böhm/Jäger 2016, S. 798). Passt die Strategie zur Unter­nehmenskultur und dem Leitbild, dann ergeben sich viel weniger Hürden bei der Umsetzung und Implementierung dieser Methode.

Im nächsten Schritt ist es sinnvoll, Verantwortlichkeiten für diesen Bereich zu definieren, die die notwendige Fachkompetenz (u.a.: Software-Know-How) (Michel 2016b, S. 46) und Erfahrungen im Umgang mit Online-Recruiting mitbringen (Böhm/Jäger 2016, S. 798-799). Dies kann sich auch in der Schaffung einer eigenen Abteilung hierfür äußern, oder aber darin, dass geeignete Ansprech­partner für dieses Aufgabenfeld, z.B. aus der IT-Abteilung, ausfindig gemacht werden (Böhm/Jäger 2016, S. 799).

Die Karriere-Webseite mit dem relevanten Inhalt sollte für den mobilen Zugriff optimiert sein (Stich­wort „Usability“) (Böhm/Jäger 2016, S. 787-793). Dazu gehört auch das Bauen eines geeigneten Recruiting-Funnels in Verbindung mit einer Web Analytics Software, um die Interaktionsrate der Kandidaten messen zu können und mobile Sackgassen frühzeitig erkennen zu können (Böhm/Jäger 2016, S. 792-798).

Des Weiteren müssen entweder Schnittstellen mit den Karrierenetzwerken vorhanden sein (Michel 2016a, S. 19) oder aber ein mobilfähiges Bewerbungstool, das das Hochladen eines Lebenslaufs ermöglicht (Böhm/Jäger 2016, S. 798-799). Dieses sollte ausgereift sein und auf seine Candidate Experience positiv zu bewerten sein (Böhm/Jäger 2016, S. 792).

Viele Unternehmen gehen dazu über, über dieses Tool in Verbindung mit einem Benutzerkonto des Bewerbers ein eigenes Talentpool aufzubauen, was das Inbound Sourcing vereinfacht (Barsch/Trachsel 2018, S. 25). Dabei sollen die Kandidaten für spätere Vakanzen „warm“ gehalten werden (Barsch/Trachsel 2018, S. 25). Voraussetzung ist natürlich das Einverständnis des Bewer­bers, dass seine Daten so lange gespeichert werden können, bis das Unternehmen eine geeignete Stelle für ihn parat hat (Barsch/Trachsel 2018, S. 25).

Das Verfahren sollte so einfach wie nur möglich sein (Michel 2016b, S. 47) und eine positive Candi­date Journey (Böhm/Jäger 2016, S. 792) ermöglichen. „Easy Apply“ ist hier das Motto (Hentschel 2020).

Die Stellenanzeige sollte sich dort befinden, wo sich auch die Zielgruppe aufhält (Böhm/Jäger 2016, S. 791). Das muss nicht zwingend online sein. Denn durch die Einpflege eines QR-Codes auf Pla­katen, Brottüten, Prospekten, Einkaufstaschen, etc. lässt sich die Kandidaten-Zielgruppe von überall auf die Karriere-Webseite leiten und zu einer One-Klick-Bewerbung animieren (Knabenreich 2014). Um die Zielgruppe online besser zu erreichen, empfiehlt sich die Schaltung von Stellenanzeigen auf fachspezifischen Karriereseiten und auf Mobile Recruiting Plattformen (Hentschel 2020).

Um die Candidate Experience abzurunden, werden schnelle Reaktionszeiten, sowohl bei der Ein­gangsbestätigung als auch bei dem Feedback in der Bewerbungsrunde empfohlen (Michel 2016b, S. 47).

3. Die Vorteile der mobilen One-Klick-Bewerbung

Sowohl aus Unternehmenssicht als auch aus Bewerbersicht bringt die mobile One-Klick-Bewerbung einige Vorteile mit sich, die wesentlich sein können, wenn es um die Steigerung der Effizienz im Bewerbungsprozess geht.

3.1 Vorteile aus Bewerbersicht

Aus Bewerbersicht kann als ein großer Vorteil die Bequemlichkeit der mobilen One-Klick-Bewerbung genannt werden, die durch ihre Allgegenwärtigkeit und Ortsunabhängigkeit gegeben ist (Mülder 2016, S. 773). So ist es für einen Kandidaten möglich, auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn oder in der Kaffeepause z.B. die „Jobbox“2 bei XING durchzuschauen und sich spontan auf eine interes­sante Stelle zu bewerben, die gerade erst online gegangen ist. Man braucht keinen Laptop, an dem man erst noch das Anschreiben aufwendig zusammenstellen muss (Reschke 2017).

Der zweite Vorteil ist die Schnelligkeit. Die meisten Karriereseiten bieten ein Erinnerungstool an, das einen darauf aufmerksam macht, wenn eine Stellenanzeige in dem vom Bewerber präferierten Ort oder im vom Bewerber präferierten Unternehmen geschaltet wurde. So ist der Bewerber, der die mobile Bewerbung beherrscht, schneller im Portfolio des Unternehmens aufgenommen und bei ge­gebenem Fitting auch schneller zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Ein dritter Vorteil ist die Tatsache, dass der Kandidat nicht erst Zeit und Mühe in das Anschreiben investiert, wenn er noch kein positives Signal vom Unternehmen erhalten hat. Denn die Enttäu­schung bei einer Absage ist umso größer, je mehr Aufwand der Bewerber für die Bewerbungserstel­lung betrieben hat (Reschke 2017). Auf der anderen Seite wiederum gibt er sich umso mehr Mühe und ist motivierter beim Anschreiben, wenn er in der zweiten Runde gebeten wird, ein Anschreiben nachzureichen. Denn das signalisiert ihm, dass er in die engere Auswahl kommt und ist gewillter, sich intensiver mit dem Unternehmen zu befassen, wenn er es bis dahin noch nicht getan hatte (Reschke 2017).

3.2 Vorteile aus der Unternehmenssicht

Als eines der wichtigsten Vorteile aus Unternehmenssicht ist die Erhöhung der Effizienz der Bewer­beransprache zu nennen (Böhm/Jäger 2016, S. 788). Bewerber müssen nicht mehr erst das Gerät wechseln, um dann eine Bewerbung zu schreiben (Dittrich 2019). Sie können ihr Interesse schnell und einfach mobil von überall aus signalisieren. So können viel mehr potenzielle Kandidaten erreicht werden, weil Smartphones mittlerweile allgegenwärtig sind (Mülder 2016, S. 772-773). Durch die Barrierereduzierung („Ubiquität“) sind viel weniger Hürden da, damit z.B. gute Kandidaten, die nur latent wechselbereit sind, den ersten Schritt auf das Unternehmen machen können, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen (Böhm/Jäger 2016, S. 788). Dies vereinfacht den Aufbau einer Be­ziehung zum eventuell zukünftigen Mitarbeiter (Böhm/Jäger 2016, S. 788). So kommen viel mehr Bewerbungen an als vorher in anderen Bewerbungsverfahren, wie dem Bewerbungsformular (Dit­trich 2019).

[...]


1 Die hier verwendeten Bezeichnungen dienen ausschließlich der besseren Lesbarkeit und gelten ausdrücklich für beide Geschlechter. In Ausnahmefällen werden die Geschlechter genauer spezifiziert.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die mobile One-Klick-Bewerbung. Vor- und Nachteile aus Bewerber- und Unternehmersicht
Untertitel
Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V937320
ISBN (eBook)
9783346261359
ISBN (Buch)
9783346261366
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewerbung, Kurzbewerbung, Online-Bewerbung, Bewerber, mobile Bewerbung, Bewerbungsverfahren, Auswahlverfahren, Personal, Recruiting, Stellenausschreibung, Stellenanzeige, Personalmanagement, modern
Arbeit zitieren
Daria Visnjic (Autor), 2020, Die mobile One-Klick-Bewerbung. Vor- und Nachteile aus Bewerber- und Unternehmersicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/937320

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