Gesellschaftskritik im Märchen "Das kalte Herz"


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Werk in Einbettung der politischen Hintergründe
2.1. Politische und gesellschaftliche Situation um 1826
2.2. Auswirkungen auf die Geschichte

3. Die Moral der Geschichte

4. Kritik an der Aussage

5. Schluss

6. Literatur

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Wilhelm Hauffs literarischem Werk „Das kalte Herz“, das 1826 im Rahmen eines Märchen-Almanachs erschienen ist. Dieses zwischen Romantik und Realismus erzählte Kunstmärchen beschäftigt sich mit der Gesellschaft und ihren Disparitäten, die aufgrund von Macht und Reichtum entstehen. Peter Munk, der Protagonist der Geschichte, wird dabei Armut sowie großen Reichtum erleben mitsamt den Folgen für Familie und Gesellschaft. Die politische Situation in jener Zeit soll dabei näher beleuchtet werden und die Frage geklärt werden, inwieweit Reichtum dem Menschen schadet bzw. ihn weiterbringt. Um das Märchen auf seine Thermenstellung hin besser zu verstehen, soll anfangs die politische Situation aufgezeigt und diese anschließend auf die Geschichte übertragen werden. Auch „Das kalte Herz“ beinhaltet eine zentrale Aussage, sozusagen die Moral der Geschichte, die in Punkt 3.0 erläutert werden soll. Es schließt sich eine Kritik an der eben angesprochenen Aussage an und letztendlich folgt eine kurze Zusammenfassung und Wertung im Schluss.

2. Das Werk in Einbettung der politischen Hintergründe

Das Märchen, das für „Söhne und Töchter gebildeter Stände“ geschrieben wurde, sollte nicht nur die Funktion eines pädagogischen Zwecks erfüllen, sondern auch die Gebildeten ansprechen.[1] Die Rahmenhandlung, die der Märchen-Almanach umfasst und die in der realen Welt spielt, wird den einzelnen Geschichten innerhalb des Almanachs entgegengesetzt. Diese Binnengeschichten sind nicht in der Wirklichkeit verankert, sondern gründen auf einer märchenhaften Erzählung.[2] Dieses Zusammenspiel ist auch in dem Märchen „Das kalte Herz“ zu erkennen, in dem die politische Situation und der Wandel der Gesellschaft durch die Handlungen und das Verhalten der auftretenden Figuren deutlich werden. Dieser Hintergrund, der das Märchen bestimmt, soll im Folgenden kurz aufgezeigt werden, bevor im darauf folgenden Kapitel die Umsetzung erläutert wird.

2.1 Politische und gesellschaftliche Situation um 1826

Als Hauff das Märchen schrieb, befand sich Deutschland kurz vor der Industrialisierung. Die traditionelle Ständeordnung und der damit verbundene Zunftzwang wurde bis dato aufgelöst, ebenso wurde 1825 der Handel freigegeben. Das bedeutete, dass die Menschen ihr Handwerk frei wählen konnten und jeder für sein eigenes Vermögen verantwortlich war. Auch der Fernhandel wurde über die regionalen Grenzen hinaus freigegeben, was zwangsläufig zu einer Ausweitung der Geldwirtschaft im Schwarzwald und einer entgrenzenden Anhäufung des Kapitals führte; das gesamte Tun orientierte sich nur noch nach der Gewinnmaximierung.[3] Diese bürgerliche Kälte wurde durch die Selbstaufklärung 1826 weiter gefördert und die kapitalistischen, unsolidarischen und erbarmungslosen Verhältnisse indes immer weiter verstärkt.[4] Dies führte zur Ausbreitung extremer sozialer Ungleichheiten und schließlich zum Zerbrechen des Sozialgefüges.[5] Mit der industriellen Revolution haben sich auch zwei ökonomische Strategien herausgebildet, die jedoch nicht miteinander vereinbar aber immer noch gültig sind.

Nach Karl Marx wird der eine Part als „Schatzbildner“ definiert, der andere Part als „Kapitalist“. Beide versuchen reich zu werden, aber jeder auf seine Weise: Während der Schatzbildner sein Vermögen vor der Zirkulation rettet und es „hortet“, versucht der Kapitalist über jene Zirkulation an schnellen Reichtum zu gelangen.[6] Dieser politische Hintergrund hat deutlich das Märchen geprägt und wird stellenweise sogar sehr auffällig beschrieben.

2.2 Auswirkungen auf die Geschichte

Wie bereits erläutert ist „Das kalte Herz“ stark geprägt von den damals herrschenden Verhältnissen und den menschlisch-psychischen Krisen sowie den Ängsten der Bevölkerung, die im Märchen thematisiert werden. Gleich zu Beginn der Vorstellung von Peter Munk wird deutlich, wie unzufrieden und unglücklich er mit seinem Leben ist. `„Ein schwarzer, einsamer Kohlenbrenner!“, [...] “es ist ein elend Leben.“ `[7] Er wünschte sich, reich zu sein und dadurch Macht und Ansehen in der Gesellschaft zu besitzen, wie der dicke Ezechiel, der Tanzbodenkönig oder der lange Schlurker, der im Film jedoch nicht thematisiert wird. Diese drei, bzw. zwei Männer hatten das Glück, entweder über sehr viel Reichtum oder aber über besondere Fähigkeiten zu besitzen, die ihnen zu Macht und Ansehen verhalfen und sie in der Gesellschaft aufstiegen ließen. Peter hingegen, der entgegen seines Willens den Beruf seines verstorbenen Vaters erlernt hatte, die Köhlerei, erntete nur beschämende Blicke – selbst wenn er sich ordentlich gekleidet hatte. ´„Ach, es ist nur der Köhler-Munk-Peter“ `[8] Dieser niedrigere Stand in der Gesellschaft besorgte ihn schwer; denn ihm blieb dadurch auch jegliche Kontaktaufnahme in die höher gestellte Gesellschaft verwehrt, der seine zukünftige Frau, Lisbeth, angehörte. Während Peter und die Gesellschaft, der er angehörte, verspottet wurden, ernteten die Reichen immer mehr Ansehen. Deutlich wird dies in der Volksfest–Szene zu Beginn des Films, die im Buch jedoch fehlt. Sobald Ezechiel das Wirtshaus betritt, kümmert sich sofort der Wirt persönlich um seinen „Ehrengast“ und lobt ihn mit den Worten, „Wer macht es dir nach, Ezechiel?“ (06:30) und „Hochacht zu haben vor den zwei wichtigsten Männern“ (02:40), womit Ezechiel und der Tanzbodenkönig gemeint waren.

Weiterhin werden diese beiden vom Volk gefeiert, auch als der Tanzbodenkönig mit Lisbeth, seiner Tanzbodenkönigin, im Wirtshaus auftritt. (03:00 – 06:30) Wie abgehoben und voreingenommen die Gesellschaft vor dem Arbeitertum ist zeigt sich, als Lisbeth Peter entdeckt und mit ihm tanzen möchte, er vom Tanzbodenkönig aber rasch weggezogen wird. (08:30)  Des Weiteren zeigt sich anhand Ezechiels rüpelhaftem Verhalten, wie wenig er das ärmere Volk und überhaupt die restliche Gesellschaft um ihn herum schätzt. Betrunken und ohne jegliche Rücksicht rempelt er die anderen Gäste des Wirtshauses an (09:00) und als ihm Peter den Weg kreuzt, fragt er laut: „Was ist das denn?“ (09:47), woraufhin die Menge um ihn herum lacht und grölt. Peter wird wegen seinen schmutzigen Händen ausgelacht, ist beschämt, das ihm Ezechiel wiederum bestätigt: „Du bist und bleibst der dreckige Köhler-Munk-Peter!“ (09:54)  Auffällig ist auch, dass die Szenen, die sich mit Ezechiel, dem bunten Treiben auf dem Volksfest und dem Leben der Reichen beschäftigen, farbenreich, fröhlich und mit freudiger, lebenslustiger  Musik unterlegt sind, während die Szenen, in denen Peter in seinem Köhler-Gewand auftritt, meist dunkel gehalten werden und die Musik dabei fehlt. Dies spiegelt auch die Lebensfreude der Gesellschaft wieder, bzw. die Trostlosigkeit und Traurigkeit von Peter. Daraufhin fasst Peter einen Entschluss. Da er von nun an nicht mehr so weiterleben kann und möchte, will er sich – entgegen dem Wunsch seiner Mutter, die sein Handwerk sehr schätzt – Hilfe beim Glasmännlein holen. (12:20)  Das Glasmännlein, das von Peter auch `Schatzhauser` genannt wird, entspringt einer der ökonomischen Strategien Karl Marx`. Der Schatzhauser strebt bei ihm wie auch im Märchen die rastlose Vermehrung des Geldes an, indem er das Geld nicht erst in Umlauf bringt, das heißt, nicht mit Geld spekuliert, sondern es strikt hortet. Das Glasmännlein, alias Schatzhauser, zielt ebenfalls darauf ab, durch Sparsamkeit und Fleiß das Kapital anzuhäufen.[9] Im Film wird das Glasmännlein als das Gute dargestellt, indem es Peter dazu rät, sich gute und nützliche Dinge zu wünschen und nicht töricht zu sein, indem sich Peter wünscht „noch besser tanzen [zu können] als der Tanzbodenkönig, und jedes mal noch einmal so viel Geld ins Wirtshaus [zu bringen] als er.“[10] Zudem wird es als kleines, zerbrechliches, unsichtbares Männlein dargestellt, das mit Tieren im Baumwipfel wohnt und sich nur selten sehen lässt.

[...]


[1] Vgl. UTHER, H.-J. (1999): Wilhelm Hauff. Märchen. S. 408

[2] Vgl. Ebd. S. 410

[3] Vgl. URL 3

[4] Vgl. GRUSCHKA, A. (1994): Bürgerliche Kälte und Pädagogik. S. 30, 32 f. Vgl. URL 3

[5] Vgl. URL 3

[6] Vgl. URL 2

[7] HAUFF, W. (2000): Das kalte Herz.  S. 8

[8] Ebd. S. 8

[9] Vgl.  URL 1

[10] HAUFF, W. (2000): S. 26

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gesellschaftskritik im Märchen "Das kalte Herz"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V93779
ISBN (eBook)
9783638070447
ISBN (Buch)
9783640105168
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesellschaftskritik, Märchen, Herz, Hauptseminar
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Anonym, 2006, Gesellschaftskritik im Märchen "Das kalte Herz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93779

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