Im Zuge der rasanten Entwicklung der Industrialisierung kennzeichneten Sozialwissenschaftler den Menschen begrifflich als „homo oeconomicus“. Er sei stets rational und reagiere ausschließlich eigeninteressiert auf die Anreizbedingungen der Situation (vgl. Suchanek 2001, S. 144). Das Interesse der Gesellschaft würde bei diesem Menschen keine Rolle spielen, da es für die Erwirtschaftung von Gewinnen unwesentlich sei. Doch weit gefehlt. Heute ist die Schaffung von Ethik und Werten als Basis einer Betriebskultur wohl eine der grundlegendsten Problematiken, denen sich ein Unternehmen in der Moderne zu stellen hat. Dass sich moralische Maßstäbe und betriebswirtschaftliche Rationalität nicht ausschließen, sondern ergänzen müssen, ist einsichtigen Unternehmen längst klar geworden (vgl. Kreikebaum 1996, S.1). Ihr moralisches Handeln ist gewissermaßen individuell geprägt, fungiert allerdings nicht als „Gegenordnung“, sondern als Teilordnung des Gesamtsystems Ethik (vgl. Molitor S. 97). Das gesamte wirtschaftliche Handeln wird also bestimmt durch moralische Individualentscheidungen, die sich aus einer Gesamtheit von Werturteilen ergeben. Werturteilen kann man sich nicht entziehen, da selbst der Verzicht ein Werturteil darstellt (vgl. Kreikebaum 1996, S.5).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ethik und Moral
3. Unternehmensethik
4. Gewinnprinzip, Ökonomie und Ethik
5. Ethisches Fehlverhalten eines Unternehmens am Beispiel der „Firma Ford“ (aus Mother Jones - Mojo):
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Gewinnstreben und ethischer Verantwortung von Unternehmen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie moralische Maßstäbe in eine Betriebskultur integriert werden können, ohne die betriebswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden, und welche Konsequenzen die Vernachlässigung ethischer Standards hat.
- Grundlagen von Ethik, Moral und Unternehmensethik
- Wechselwirkungen zwischen Gewinnprinzip und ethischem Handeln
- Die Rolle der Selbstverpflichtung und Verantwortung im Management
- Kritische Analyse des Falls "Ford Pinto" als Beispiel ethischen Fehlverhaltens
- Notwendigkeit einer Balance zwischen ökonomischen und ethischen Zielen
Auszug aus dem Buch
5. Ethisches Fehlverhalten eines Unternehmens am Beispiel der „Firma Ford“ (aus Mother Jones - Mojo):
In den 60er Jahren herrschte für Ford eine starke Konkurrenz auf dem amerikanischen Kleinwagen-Markt durch Volkswagen und einige japanische Hersteller. Um dieser Konkurrenz entgegen zu treten, entwickelte Ford in deutlicher kürzerer Zeit als für die Fertigstellung eines Automobils üblich den Pinto. Die reguläre Zeit für die Produktion eines Fahrzeugs betrug beim amerikanischen Hersteller ca. 43 Monate – beim Pinto waren es nur 25. Noch vor Beginn der Produktion bemerkten Fords Ingenieure eine nicht unwesentliche Schwachstelle im Design des Fahrzeugs. In nahezu allen Auffahr-Testkollisionen riss der Benzintank des Pinto ohne weiteres auf und explodierte wenig später. Weil jedoch die Fertigungsstraße für den Bau des Ford Pinto bereits ausgerüstet und konfiguriert worden war, entschied das Management, die Produktion dennoch fertig zu stellen, obwohl Ford das Patent für einen weitaus sichereren Benzintank durchaus besaß.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die historische Entwicklung des Menschenbildes vom „homo oeconomicus“ zur notwendigen Integration von Ethik und moralischen Maßstäben in die moderne Unternehmensführung.
2. Ethik und Moral: Definiert die Begriffe Ethik und Moral als Grundlage menschlichen Handelns und setzt diese in den Kontext gesellschaftlicher Normen und individueller Entscheidungen.
3. Unternehmensethik: Beleuchtet die Herausforderung, ethische Richtlinien in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse zu integrieren, um unternehmerische Verantwortung und Freiheit zu wahren.
4. Gewinnprinzip, Ökonomie und Ethik: Analysiert das Spannungsverhältnis zwischen Gewinnmaximierung und sozialethischem Handeln innerhalb des betrieblichen Handlungsspielraums.
5. Ethisches Fehlverhalten eines Unternehmens am Beispiel der „Firma Ford“ (aus Mother Jones - Mojo):: Dient als Fallbeispiel für die kritischen Folgen einer rein ökonomisch orientierten Kosten-Nutzen-Analyse auf Kosten der menschlichen Sicherheit.
6. Fazit: Fasst zusammen, dass ethische Überlegungen für das langfristige Bestehen am Markt unerlässlich sind und eine Investition in die gesellschaftliche Zusammenarbeit darstellen.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Gewinnprinzip, Ethik, Moral, Ford Pinto, Kosten-Nutzen-Analyse, Verantwortung, Betriebskultur, Wettbewerbsfähigkeit, ökonomisches Handeln, Sozialethik, unternehmerische Freiheit, Produktsicherheit, Richtlinien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration von Ethik und Werten in die Betriebskultur und wie Unternehmen ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Erfolg und moralischer Verantwortung finden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Ethik und Moral, die Definition einer Unternehmensethik, das Spannungsfeld zwischen Gewinnstreben und Ethik sowie die Analyse von ethischem Versagen anhand von Fallbeispielen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass moralisches Handeln keine Gegenposition zum wirtschaftlichen Erfolg darstellt, sondern für die langfristige Legitimität und Stabilität eines Unternehmens in der Gesellschaft notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur zu Ethik und Unternehmensführung, ergänzt durch eine kritische Fallstudienanalyse des Unternehmens Ford.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Ethik und Moral, die Strukturierung von Unternehmensethik durch Richtlinien sowie die praktische Illustration durch das Gewinnprinzip und den Fall „Ford Pinto“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensethik, Gewinnprinzip, soziale Verantwortung, Kosteneffizienz und moralisches Handeln charakterisieren.
Warum ist der Fall „Ford Pinto“ für die Argumentation relevant?
Der Fall verdeutlicht drastisch, welche katastrophalen Folgen entstehen können, wenn eine Kosten-Nutzen-Rechnung menschliches Leben gegenüber finanziellen Einsparungen geringer gewichtet.
Welche Lehre zieht der Autor aus dem Ford-Beispiel?
Der Autor schlussfolgert, dass die rein ökonomische Betrachtungsweise langfristig zu unermesslichem Imageverlust und wirtschaftlichem Schaden führt, da die gesellschaftliche Akzeptanz verloren geht.
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- Jan Westphal (Author), 2007, Ethik und Werte als Basis der Betriebskultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93870