Die Frauenfrage in ‚A Doll’s House‘ von Henrik Ibsen


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 8.0/9


Leseprobe

Gliederung

1. Abstrakt

2. Einleitung
2.1. Über den Autor und das Drama
2.2. Zielsetzung
2.3. Herangehensweise

3. Analyse des Dramas- Feministische Perspektive
3.1. Die Ehe- Patriarchalische Hierarchie und sexistische Unterdrückung Noras
3.2. Tarantella Szene- Ausdruck der Seele und Gegenstand des männlichen Blickes
3.3. Die Verwandlung des Charakters Noras vom ersten zum dritten Akt
3.4. Linden und Krogstad - Gegen die Tradition/ Patriarchat
3.5. Das Ende- Emanzipation Noras

4. Fazit

5. Bibliographie
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

1. Abstrakt

In der vorliegenden Arbeit wird das Drama ‚A Doll's House' (1879) von Henrik Ibsen aus der feministischen Perspektive analysiert. Obwohl es oft zur Frage steht, ob Ibsens Drama ausschließlich den Kampf der Frauen für ihre Selbstidentität und Emanzipation oder universell die Suche eines Individuums nach eigener Identität und Freiheit vermittelt, lässt es sich nicht leugnen, dass es viele feministische Tendenzen in diesem Theaterstück gibt. In dieser Arbeit wird es untersucht, wie das Drama Ibsens die Frauenfrage bzw. die patriarchalische Autokratie, die geschlechtsspezifische Rollen, die sexistische Unterdrückung der Frauen und das patriarchalische und sexistische Frauenbild im Zusammenhang mit der Ehe der Protagonisten, der Geldfälschung und der Tarantella Szene des Dramas schildert. Außerdem wird es auch diskutiert, wie dieses Drama am Ende die Befreiung der Frauen von der Gefangenschaft der Patriarchat darstellt.

2. Einleitung

2.1. Über den Autor und das Drama

Henrik Ibsen (1828-1906) war ein norwegischer Dramatiker und Theaterregisseur. Von ihm wurde sicherlich einen einzigartigen und eigentümlichen Platz unter den bedeutendsten modernen Dramatiker eingenommen. Er ist nicht nur für seine Theaterstücke und Gedichte berühmt, sondern auch für seine tiefe und revolutionäre Ideen, die einen unbestreitbaren Einfluss auf die Entwicklung der Literatur im Allgemeinen und insbesondere des Dramas während des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts ausübten. Er gilt als Vater des modernen Dramas, weil er das Theater von der Unterhaltung zu einem Forum der Aufdeckung sozialer Probleme erhob. Ibsen löste sich von der romantischen Tradition mit seinen realistischen Darstellungen einzelner Charaktere, und mit seinem Fokus auf psychologische Anliegen versuchte er die reale Welt zur Schau zu stellen, insbesondere die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Er war der erste Dramatiker, der verschiedene Tragödien über einfache Menschen schrieb. Die Stücke von Henrik Ibsen stellen verschiedene Arten von im gesellschaftlichen Realismus und in der Trivialität des menschlichen Lebens gefangene männlichen und weiblichen Menschen dar, die sich um die Wahrheitssuche und Freiheit bemühen. In seinen Dramen bezeichnen sich die Rollen der ungewöhnlichen skandinavischen Frauen durch große Hingabe an ihre Ideale und enorme Entschlossenheit für das Streben nach individueller Freiheit und Existenz. Sie sind in Wirklichkeit mutige, rebellische und revolutionäre Frauen mit einer unabhängigen und intelligenten Psychologie und dem Streben nach der geistigen Emanzipation (Hossain 2015: 1f.)

Das Drama Ibsens ‚A Doll's house' gewährt einen Einblick in den sozialen Status der Frauen im 19. Jahrhundert. Die Lage der Frauen im neunzehnten Jahrhundert war wirklich schlecht. Die Gesellschaft hatte die starke Annahme, dass die Frau dem Mann körperlich und intellektuell immer unterlegen war. Diese Annahme führt dazu, dass die Frauen zu der untergeordneten Klasse in politischer und sozialer Hinsicht gehörten. Nach Ansicht der Männer hatten Frauen keine Freiheit, Gleichheit und Sinn. Sie hatten es nicht verdient, Arbeit und Bildung zu bekommen und einige Berufe ausüben zu können. Die Trennung der Erwerbs- und der Familiensphäre und somit eine entsprechende geschlechtsspezifische Arbeitsteilung wurden mit der Emotionalisierung von Ehe und Familie verbunden. Geschlechtsspezifische Zuschreibungen führten zu einer Polarisierung der ,,Geschlechtscharaktere", die dem Mann ,,Gesellschaftswesen" Rationalität, Geist und Aktivität, und der Frau hingegen die Eigenschaften wie Passivität, Wärme, Emotionalität und Harmonie zuwies. Der Mann wurde also als ,,Gesellschaftswesen'' und die Frau als ,,Naturwesen'' betrachtet. Die ,,Mütterlichkeit" wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr als Kern des spezifischen Wesens der Frau verstanden. Diese Leitbilder bestimmten nachhaltig die soziale Realität, die Erziehungskonzepte und juristische Auffassungen, die Sozialisation, Qualifikation und Rechtsstellung der Frauen. Diese Bedingungen gaben den Frauen den Anlass dazu, für ihre Rechte und Gleichheit zu kämpfen.

Obwohl dieses Dramas im 19. Jahrhundert geschrieben wurde, kann es auch im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage der Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu jeder Zeit verstanden werden.

2.2. Zielsetzung

‚A Doll's house' könnte sowohl allgemein aus humanistischer als auch spezifisch aus feministischer Perspektive ausgelegt werden. Da in dieser Arbeit die feministische Perspektive im Fokus steht, kann dieses Drama als eine Darstellung der Lage der Frauen bei der Rolle einer Ehefrau und einer Mutter angesehen werden. In diesem Zusammenhang lautet die Forschungsfrage, der in dieser Arbeit nachzugehen ist: „Wie stellt das Drama Ibsens ,A Doll's house' die Frauenfrage dar?'' In dieser Arbeit wird also ein Versuch angestellt, diese Forschungsfrage zu beantworten. Dabei werden das unwahrhaftige System der Ehe in diesem Drama aufgezeigt und die Fesselung der Frauen und Verlust ihrer eigenen Individualität in der Ehe entdeckt. Außerdem hebt diese Untersuchung auch hervor, wie dieses Drama durch den Charakter von ,Torvald Helmer' die frauenfeindliche und patriarchalische Denkweise der Männer den Frauen gegenüber und durch ,Nora' das Bild einer Frau , dessen Leben zuerst ihrem Mann unterwürfig auf die Rolle einer Ehefrau und einer Mutter beschränkt ist, aber die am Ende des Dramas für ihre Freiheit gegen alle Einschränkungen in der Gesellschaft bzw. der Ehe protestiert, schildert.

2.3. Herangehensweise

Die Grundlage für diese Arbeit ist die Primärliteratur d.h. das Drama Ibsens ,A Doll's house', die anhand der feministischen Beiträge zur sozialen, ökonomischen und politischen Erklärung der Situation der Frauen in der Gesellschaft analysiert worden ist. Dabei sind auch die Theorien der feministischen Schriftstellerinnen herangezogen. Außerdem ist auch die soziale und politische Lage der Frauen im 19. Jahrhundert in Erwägung gezogen worden, um die Figur ‚Nora' als eine Frau bzw. eine Ehefrau in einer patriarchalischen und sexistischen Struktur besser zu verstehen. Zuallererst wird bei einem Abstrakt kurz zusammengefasst, worum es in dieser Arbeit geht. Dann im einleitenden Teil wird zuerst einen Überblick über den Autor und das Drama gegeben. Danach werden die Zielsetzung und die Herangehensweise der Arbeit erläutert. Dabei wird auch die Forschungsfrage der Arbeit gestellt. Im dritten Teil wird das Drama aus der feministischen Perspektive analysiert. Dabei werden einige wichtige Anhaltspunkte diskutiert: Die Ehe der Protagonisten, Tarantella Szene, Die Verwandlung des Charakters Noras, Linda und Krogstad als Gegensatz zu Torvald und Helmer und das Ende des Dramas als die Szene der Emanzipation Noras. Letztendlich kommt die Arbeit mit einem Fazit zu Ende.

3. Analyse des Dramas- Feministische Perspektive

3.1. Die Ehe- Patriarchalische Hierarchie und sexistische Unterdrückung Noras

Die Ehe zwischen Nora und Torvald könnte man der Behauptung Simone de Beauvoirs in, Second Sex' zuschreiben:

''Marriage has always been presented in radically different ways for men and women. The two sexes are necessary for each other, but this necessity has never fostered reciprocity, women have never been constituted a caste establishing exchanges and contracts on an equal footing with men. Man is socially autonomous and complete individual; he is regarded above all as a producer, and his existence is justified by the work he provides for the group'' (Beauvoir 2009: 502f).

Zwar hat Nora in ihrem Eheleben keine gleichberechtigte Stellung wie ihr Mann. Torvald Helmer pflegt eine patriarchalische Struktur in seiner Beziehung mit Nora. Er will Nora nicht mehr als ein Instrument haben. Obwohl Helmer Nora anscheinend liebt, und sie alles für ihn ist, wird es aufgezeigt, dass Helmer nur ein stolzer Mann ist, der nur an seine Ehre und Patriarchat geprägte ,,Männlichkeit'' denkt. Es wäre für ihn eine Schande, wenn er von seiner Frau unterstützt oder versorgt würde. Für ihn hat Noras Persönlichkeit keine Bedeutung:

Nora: ''And besides how painful and humiliating it would be for Torvald. With his manly self- reliance to know that he owed anything to me! It would utterly upset the relation between us; our beautiful, happy home would never again be what it is'' (Ibsen 1993: Akt I, S. 21).

Bell Hooks bringt in ‘Feminism is for everybody' zum Ausdruck:

''Cultures of domination attack self-esteem replacing it with a notion that we deride our sense of being from dominion over another. Patriarchal masculinity teaches men that their sense of self and identity, their reason for being, resides in their capacity to dominate others'' (Hooks 2000: 59).

Diese kulturelle Konditionierung ist sehr sinnfällig bei Torvald, wer seine Hochmut und Ehre von der Unterwürfigkeit seiner Frau ableitet. Er ist das Oberhaupt der Familie, und Nora ist verpflichtet, ihm zu folgen. Daher ist sie wie ein attraktives Instrument in den Händen ihres Mannes, das geliebt und geschätzt werden muss, aber mehr nicht. Auch Nora wehrt sich gegen ihre Unterlegenheit nicht. Sie akzeptiert die Überlegenheit ihres Mannes und tut, wie ihr von ihm befohlen wird. Bell Hooks in ‘Feminist Theory from margin to center' konstatiert:

“Male supremacist ideology encourages women to believe we are valueless and obtain value only by relating to or bonding with men'' (Hooks 1984: 43).

Nora beteiligt sich an familiären Verpflichtungen und Sorgen nicht. Sie erscheint, nur auf die häusliche Arbeit und auf die Aufzucht der Kinder beschränkt zu sein. Dagegen ist Torvald immer beschäftigt mit seiner Büroarbeit, und scheint niemals, die Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Man sieht nur Noras Engagement mit den Kindern. So befindet sich im Drama die typische geschlechtsspezifische Rolle. Außerdem sieht man eine patriarchalische Hierarchie bei dem Ehepaar, indem die Atmosphäre in ihrem Haushalt für Nora bedrückend und für Torvald eine Herrschaftsausübung ist. Alles ist darauf ausgerichtet, ihn zu amüsieren, und er ist sich nicht bewusst, dass andere Menschen ihm ebenbürtig sein könnten. Torvalds Beitrag zur Ehe besteht in der Leitung von Nora. Er legt ihre Rolle fest und kümmert sich um die Regie ihrer Aufführung.

Dieses Verhältnis zwischen Nora and Torvald deutet auf eine sehr strenge traditionelle Struktur hin, wobei in Ehen der Ehemann als die dominierende Kraft, der Versorger, der Beschützer und der Kontroller stereotypisiert wird. Hingegen wird die Ehefrau als das schwächere Wesen und als die demütige Anhängerin ihres Ehemannes angesehen. Sie darf nicht an wichtigen Entscheidungen teilnehmen. Sie muss nur die ihretwillen getroffenen Entscheidungen akzeptieren und mitmachen. Dies könnte darauf übertragen werden, wie viele Frauen, insbesondere solche ohne eigene Einkommensquelle, das Ehebündnis in der Annahme schließen, dass ihr Ehemann derjenige ist, der ihnen Sicherheit für ihr Leben gibt. Auf ein solches Wesen des Ehebündnises zwischen Mann und Frau weist Simone de Beauvoir in ‚Second Sex' hin:

“He is economically the head of the community, and thus embodies it, in society's eyes. She takes his name; she joins his religion, integrates into his class, his world; she belongs to his family, she becomes his other ''half''. She is annexed to her husband's universe; she gives him her person'' (Beauvoir 2009: 506).

Ausgehend von Simones Argument ist Nora nicht mehr als ein Eigentum bzw. eine Puppe in den Händen ihres Mannes. Sie lebt in einer dekorativen Umgebung als Puppe und ist bloß ein wertvolles und schönes Instrument für ihren Ehemann. Sie ist eine gehorsame Frau, die ihr Leben führt, wie ihr Mann will. Am Ende des Dramas beschreibt sie ihr Leben als das der Puppe:

Nora: ''While I was at home with father, he used to tell me all his opinions, and I held the same opinions. If I had others I concealed them, because he would not have liked it. He used to call me his doll child, and play with me as I played with my dolls. Then I came to live in your house. I mean I was passed from father's hand into yours. You settled everything according to your taste, and I got the same tastes as you; or I pretended to- I don't know which- both ways perhaps'' (Ibsen 1993: Akt III, S.114).

Nora ist infantil. Torvald nennt sie ,,Child'' und sie erwidert mit den Gesten und der Sprache des Kindes. Die Namen wie ,,Skylark“, „songbird“, „squirrel“, mit denen er sie anspricht, machen es deutlich, dass für Torvald sie kein menschliches Wesen ist bzw. sie keine wichtige Bedeutung hat. Nach Ansicht Torvalds ist Nora einfach ein armes und kleines Wesen, das er kontrollieren oder anleiten muss:

Torvald: ''You loved me as a wife should love her husband. It was only the means you misjudged. But do you think I love you the less for your helplessness? No, no, only lean on me. I will counsel and guide you. I should be no true man if this very womanly helplessness did not make yon doubly dear in my eyes'' (Ibsen 1993: Akt III, S.110).

Außerdem hat er typisch die Rolle der Beschützer ihrer Ehefrau eingenommen und wünscht sich danach, einmal sie vor irgendeiner Gefahr zu schützen:

Torvald: ''My darling wife! I feel as if I could never hold you close enough. Do you know, Nora, I often Wish some danger might throaten you, that I might risk body and soul, and everything, for your dear sake''(Ibsen 1993: Akt III, S. 105).

Diese Einstellung oder Vorstellung Torvalds kann einer patriarchalischen Struktur zugeschrieben werden, wobei die „Männlichkeit'' bzw. die patriarchalische Männlichkeit der Männer dadurch bestimmt wird, inwieweit er seine Frau in Obhut nehmen und schützen kann. Allerdings ist es kein Schutz in dem wahren Sinne, sondern nur eine Art der Dominanz oder der Kontrolle, die das männliche Ego befriedigt und den Männern Überheblichkeit bereitet. Wenn Torvald tatsächlich sich um Nora gekümmert hätte, wäre er unterstützend und verständnisvoll gewesen, wenn sie das ihm offenbart, dass sie das Geld geliehen hat, um sein Leben zu retten. Vielmehr beschuldigt er sie für seinen verletzten männlichen Stolz, stellt ihre und die Moral ihres Vaters in Frage, und nicht einmal erkennt er ihre Bemühungen, sein Leben zu retten. Der sexistischen Denkweise entsprechend kann er es nicht ertragen, dass er etwas hat, seiner Frau, dem kleinen verwöhnten Wesen, zu verdanken:

Torvald: ''I ought to have foreseen something of the kind. All your father's dishonesty-be silent! I say your father's dishonesty you have inherited- no religion, no morality, no sense of duty. You have destroyed my whole happiness. You have ruined my future'' (Ibsen 1993: Akt III, S. 107).

Die Ehe zwischen Nora und Torvald ist also durch Patriarchat und Sexismus geprägt, und im eigentlichen Sinne ist sie nicht auf die Liebe basiert, sondern auf die Beziehung von „Herrscher'' und ,,Knecht''.

3.2. Tarantella Szene- Ausdruck der Seele und Gegenstand des männlichen Blickes

Die Tarantella wird inszeniert, um die Entdeckung des Geheimnisses Noras zu verschieben. Die Tarantella Noras scheint, durch Angst und Furcht motiviert zu sein. Ihre Darbietung ist gewalttätig oder heftig. Die Regieanweisung sagt uns aber mehr: Rank setzt sich ans Klavier und spielt. Nora tanzt mit zunehmender Wildheit. Helmer gibt ihr während des Tanzes regelmäßig Anweisungen, aber sie scheint ihn nicht zu hören, ihre Haare lösen sich und fallen ihr über die Schultern, sie merkt es nicht, tanzt aber weiter (Moi 2006:334). Sie tanzt wie in Trance, wie im Griff des Wahnsinns, als wäre sie wirklich der Körper ohne Seele, auf den Helmer sie reduziert. Aber wenn Nora nur der Körper ist und nichts anderes, dann wäre die Tarantella pornografisch, eine bloße Zurschaustellung eines sexualisierten Körpers und würde den sexuellen Blick der Männer befriedigen.

Man könnte Noras Tanz auch mit Freuds Hysterie in Verbindung bringen: Durch den Körper zeigt eine Frau das Bedrängnis, dass ihre Stimme nicht sprechen kann. Aber das würde dann bedeuten, Nora ihrer Agentur zu berauben, indem man sie zu einem medizinischen Fall macht. Es wäre vielleicht besser zu sagen, dass Noras Tarantella eine anschauliche Darstellung des Kampfes einer Frau ist, ihrer Existenz Gehör zu verschaffen, sie zur Geltung zu bringen (Moi 2006: 269). Sie demonstriert ihre verdrängte ,,Menschlichkeit'' (im Gegensatz zu ihrer ,,Puppenhaftigkeit''). Frau Linde sieht Noras Schmerz, und sie sieht auch, dass die Männer nicht. Sie sehen nur den wilden Körper von Nora, was einer patriarchalischen Auffassung über die Frauen entspricht: Bei einer Frau geht es alles um ihren Körper; sie gilt als ein Sexobjekt für die Männer, in der Hinsicht worauf auch Simone de Beauvoir behauptet:

''Like his body, a man's clothes must convey his transcendence and not attract attention; for him neither elegance nor beauty constitutes him as object; thus he doesn't usually consider his appearance a reflection of his being. By contrast, society even requires woman to make herself an erotic object'' (Beauvoir 2009: 650).

Auch Torvald will, dass Nora immer schön aussieht, und ihre Schönheit und nicht ihre Meinungen oder Gefühle ist am wichtigsten. Deshalb verwehrt er ihr, Makrone zu essen, damit ihre Zähne nicht faulen. Dr. Rank fragt Torvald: '' There wouldn't be anything-anything like that on the way?" Das könnte sich auf die Schwangerschaft beziehen. Dies deutet also einen Versuch an, ihren Tanz auf einen bloßen Effekt hormoneller Veränderungen zu reduzieren( Moi 2006: 335) .Beide Männer weigern sich, Noras körperlichen Selbstausdruck als Ausdruck ihrer Seele (ihres Willens, ihrer Absichten, ihrer Probleme) zu betrachten, und reduzieren ihn auf eine Frage der Hormone oder der unbegründeten Sorgen eines Kindes. In beiden Fällen wird Nora als jemand gesehen, der für ihre Handlungen nicht verantwortlich ist. Der einzige Mann, der Nora wie ein denkender Mensch behandelt, ist Krogstad, der ihr beibringt, dass sie vor dem Gesetz gleich sind:

Krogstad:'' Mrs. Helmer, you have evidently no clear idea what you have really done. But I can assure you it wasn't nothing more and nothing worse that made me an outcast from society''.

Nora:'' You! You want me to believe that you did a brave thing to save your wife's life?''

Krogstad: ''The law takes no account of motives'' (Ibsen 1993: Akt I, S. 41).

Wenn die Tarantella Szene also aus dem männlichen Blick angesehen wird, dann repräsentiert sie von Anthropologen ‚Mariyln Strathern und Carol MacCormack' vorgetragene „Misogynistic Dialectic'', die feststellt, dass den Männern ,,Vernunft und Verstand'' und den Frauen ,,Körper und Natur'' zuzuschreiben ist (Butler 1990: 37).

3.3. Die Verwandlung des Charakters Noras vom ersten zum dritten Akt

Im ersten Akt scheint Nora, einen ambivalenten Charakter zu besitzen, indem einerseits sie eine unterwürfige Frau ist, die eine patriarchalische Weiblichkeit darstellt, aber anderseits sie sich traut, heimlich ohne die Erlaubnis ihres Mannes, das Geld auszuleihen, um sein Leben zu retten, und dadurch nimmt sie vielleicht eine ,,männliche Rolle'' ein bzw. sie wird die Beschützerin ihres Mannes, was in einer patriarchalischen Gesellschaft als unmoralisch und Grenzüberschreitung verpönt wird. Im dritten Akt kommt Nora aber eindeutig als eine starke Frau zum Vorschein, indem sie sich vornimmt, sich über die patriarchalische „Weiblichkeit'' und sexistische ,,Frauenrolle'' hinwegzusetzen, und zuerst ein Mensch zu sein, und sich für die Selbstentdeckung einzusetzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Frauenfrage in ‚A Doll’s House‘ von Henrik Ibsen
Hochschule
Jawaharlal Nehru University  (school of language, literature and cultural studies)
Veranstaltung
M.A. German (Literature)
Note
8.0/9
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V939286
ISBN (eBook)
9783346274120
ISBN (Buch)
9783346274137
Sprache
Deutsch
Schlagworte
A Doll's house Analysis, Feminist Perspective of, A Doll's house', Interpretation of, A doll's house' from a feminist perspective, 'Feminism in
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Rituja Pathak (Autor), 2020, Die Frauenfrage in ‚A Doll’s House‘ von Henrik Ibsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/939286

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