Unterrichtspraktikum zum Thema "Berichten" (Grundschule, 5. Klasse)


Praktikumsbericht / -arbeit, 2005
48 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Rahmenbedingungen
1.1 Angaben über die Schule
1.2 Darstellung der Lerngruppe
1.3 Allgemeine Voraussetzungen des Deutschunterrichts

2. Die Unterrichtseinheit
2.1 Thema, Inhalt und Übersicht über die Unterrichtseinheit
2.2 Sachanalyse
2.3 Didaktische Analyse
2.4 Methodische Analyse

3. Darstellung ausgewählter Unterrichtsstunden
3.1 Erste Stunde der Einheit
3.1.1 Didaktisch- methodische Erwägungen
3.1.2 Unterrichtsziele
3.1.2.1 Grobziel
3.1.2.2 Feinziele
3.1.3 Verlaufsplanung
3.1.4 Reflexion
3.2 Zweite Stunde der Einheit
3.2.1 Didaktisch- methodische Erwägungen
3.2.2 Unterrichtsziele
3.2.2.1 Grobziel
3.2.2.2 Feinziele
3.2.3 Verlaufsplanung
3.2.4 Reflexion
3.3 Dritte Stunde der Einheit
3.3.1 Didaktisch- methodische Erwägungen
3.3.2 Unterrichtsziele
3.3.2.1 Grobziel
3.3.2.2 Feinziele
3.3.3 Verlaufsplanung
3.3.4 Reflexion

4. Gesamtreflexion
4.1 Kritische Analyse und Reflexion der Unterrichtsreihe und Darstellung möglicher Alternativen
4.2 Abschließender Kommentar zum Unterrichtspraktikum

5. Anhang

6. Literaturangaben

Einleitung

Im Herbst 2005, im Zeitraum vom 5.9. bis zum 1.10.05, absolvierte ich mein Unterrichtspraktikum im Fach Deutsch an der Grundschule xx in Berlin.

Neben den sechs Unterrichtsstunden, die ich in der Klasse 5x selbst durchführte, hospitierte ich auch in den Klassen 5y, 5z und 6x. Das Thema der von mir unterrichteten Einheit lautete „Berichten“.

Im ersten Teil des Praktikumsberichts werden die Schule und die Lerngruppe sowie deren Deutschunterricht genauer vorgestellt. Im Anschluss daran folgt eine Übersicht über die Unterrichtsreihe und deren Sach-, Didaktische und Methodische Analyse. Im dritten Teil des Berichts werden drei ausgewählte Unterrichtsstunden dargestellt und reflektiert. Eine Gesamtreflexion über die Einheit zum Thema Berichten erfolgt im nächsten Abschnitt. Zum Abschluss des Berichts werden die Tafelbilder und die Folien zu den drei dokumentierten Unterrichtsstunden beigefügt.

1. Die Rahmenbedingungen

1.1 Angaben über die Schule

Die Grundschule xx befindet sich in dem Berliner Bezirk xx. Es handelt sich um eine öffentliche Grundschule mit musikbetontem Profil, die durch eine recht gute Verkehrsverbindung leicht zu erreichen ist. Im Schuljahr 2005/ 2006 besuchen ca. 500 Schüler[1] im Alter von sechs bis zwölf Jahren die Vorklassen und die Klassenstufen eins bis sechs der Grundschule xx. Als erste Fremdsprache können an der Schule Englisch oder Französisch gewählt werden. Den Schülern werden viele AGs angeboten; im Schuljahr 2005/ 2006 sind dies unter anderem Flöten, Bauchtanz, Orchester oder Chor. Die Grundschule besitzt einen äußerst attraktiven, weitläufigen Schulhof, der neben einem Bolzplatz und einer Tischtennisplatte noch viele weitere Spielmöglichkeiten aufweist. Die Ausgestaltung dieses Pausenhofs wurde u. a. durch einen 1980 von einer Gruppe aus Lehrern und Eltern gegründeten Verein finanziell und juristisch unterstützt und abgesichert.

Neben der Musikbetonung stellen die Vermittlung geistiger Werte und die Erziehung zu sozial verantwortlichem Handeln einen Schwerpunkt in der pädagogischen Arbeit der Grundschule xx dar.

1.2 Darstellung der Lerngruppe

Ich habe mein Unterrichtspraktikum, neben der Hospitation in anderen fünften und sechsten Klassen der Schule, hauptsächlich in der Klasse 5x der Grundschule absolviert. In dieser Klasse habe ich die Stunden meiner Einheit zum Thema „Berichten“ unterrichtet.

Die Lerngruppe der Klasse 5x besteht nur aus achtzehn Kindern; davon sind elf weiblichen und sieben männlichen Geschlechts. Vier Schüler sind nicht-deutscher Herkunft, beherrschen die deutsche Sprache aber bis auf wenige Ausnahmen gut. Daher muss auf diese Schüler auf sprachlicher Ebene weitgehend keine Rücksicht genommen werden. Einen „Sonderfall“ stellt eine Schülerin dar, die erst vor einem Jahr aus Finnland nach Deutschland an die Schule gekommen ist und bis zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Deutschkenntnisse besaß. Sie hat die Sprache aber gut gelernt und versteht mittlerweile fast alles.

Im Deutschunterricht würde ich die Klasse in ihrem breiten Mittelfeld als recht leistungsstark einschätzen. Etwa fünf Kinder sind sehr leistungsstark, und nur ein Schüler ist sehr schwach, was seine schulischen Leistungen anbelangt. Eventuell ist dies unter anderem darauf zurückzuführen, dass bei diesem Schüler zu Hause kaum Deutsch gesprochen wird.

Die Schüler der 5x sind sehr lernwillig und fleißig und zeigen meist großes Interesse an den im Unterricht behandelten Themen. „Schwerwiegende“ Disziplinprobleme treten im Deutschunterricht sowie in den anderen Fächern kaum auf; auch die zwei bis drei „Störenfriede“ lassen sich gegebenenfalls recht leicht in ihre Schranken weisen.

Auch untereinander herrscht bei den Schülern der Klasse ein angenehmes Klima. Sie sind hilfsbereit und verstehen sich gut; Außenseiter gibt es nicht.

1.3 Allgemeine Voraussetzungen des Deutschunterrichts

Die Klasse 5x arbeitet im Deutschunterricht mit dem Sprachbuch „Praxis Sprache 5“[2]. Die Deutschlehrerin der Klasse bearbeitet mit den Schülern nicht jedes Thema mit Hilfe des Sprachbuchs, sondern zieht gegebenenfalls auch andere Materialien, wie z. B. OH-Projektor Folien oder Arbeitsblätter, und Methoden heran. Neben einem häufigen Frontalunterricht sind die Schüler der Klasse auch, obwohl zum Teil noch in den Anfängen, mit anderen Unterrichts- und Sozialformen vertraut; die Lehrerin, die die Klasse erst zu Anfang des Schuljahrs im Fach Deutsch übernahm, fördert insbesondere die Partner- und Kleingruppenarbeit der Schüler. Die Schüler der Klasse 5x kennen u. a. die Unterrichtsmethoden des Rollenspiels und des Partnerdiktats, welche ihnen Spaß machen. Schwierigkeiten treten diesbezüglich jedoch auf, wenn der Partner nicht selbst gewählt werden darf. Auch Spiele (z. B. Grammatikspiele) finden gelegentlich Eingang in den Deutschunterricht. Durch regelmäßige Einzelarbeitsphasen in der Klasse werden die Selbständigkeit und Individualisierung der Schüler gefördert.

2. Die Unterrichtseinheit

2.1 Thema, Inhalt und Übersicht über die Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit zum Thema Berichten umfasst sechs Unterrichtsstunden, zu denen im Folgenden in Form einer kurzen Übersicht jeweils Thema und Grobziel angegeben werden:

1. Stunde

- Thema: Einführung in das Thema Berichten durch Erarbeitung der W- Fragen anhand eines Unfallbilds
- Grobziel: Die Schüler kennen die W- Fragen und deren Relevanz für das Erstellen eines Berichts.

2. Stunde

- Thema: Herausfilterung der W- Fragen und deren Antworten aus dem Erzähltext „Auf dem Polizeirevier“[3] ; Unterscheidung zwischen den für einen Bericht wichtigen und unwichtigen Informationen
- Grobziel: Die Schüler erkennen die W- Fragen und deren Antworten in einem Erzähltext und trennen somit die für einen Bericht relevanten von den unwichtigen Informationen.

3. Stunde

- Thema: Verfassen eines Berichts zu einem Unfallhergang auf der Grundlage von erarbeiteten Stichpunkten
- Grobziel: Die Schüler sind dazu in der Lage, auf der Grundlage der W-Fragen und deren sachlicher Beantwortung selbständig und unter Berücksichtigung der Berichtsmerkmale einen Erzähltext in einen kurzen Bericht umzuwandeln.

4. Stunde

- Thema: Unterscheidung zwischen persönlicher Meinung und Tatsachen auf der Grundlage eines Textes; in Partnerarbeit aus zwei verschiedenen gegebenen Erzählsituationen die wichtigsten Informationen herausfiltern und auf dieser Grundlage einen kurzen Bericht verfassen
- Grobziel: Die Schüler können, indem sie Tatsachen von persönlicher Meinung unterscheiden, selbständig aus einer Erzählung einen kurzen sachlichen Bericht erstellen.

5. Stunde

- Thema: Rollenspiel zu einem Unfallhergang: Beleuchtung der unterschiedlichen Blickwinkel der Beteiligten bei der anschließenden Berichterstattung
- Grobziel: Die Schüler erkennen, dass Berichte immer unter bestimmtem Blickwinkel und mit bestimmten Intentionen erfolgen. Sie wissen, dass der Bericht für eine Versicherung möglichst subjektneutral verfasst werden sollte.

6. Stunde

- Thema: Aufsatzvorbereitung: anhand von einer Skizze und einem zugehörigen Text aus einem bestimmten Blickwinkel einen Unfallbericht verfassen
- Grobziel: Die Schüler verfassen auf einer Textgrundlage einen Unfallbericht aus einem bestimmten Blickwinkel, indem sie einer Skizze die für den Bericht wichtigen Zusatzinformationen entnehmen.

2.2 Sachanalyse

Allgemein betrachtet fungiert der Begriff „Bericht“ als Sammelbezeichnung für unterschiedliche Textformen: Es gibt beispielsweise den Bericht über einen Unfall, den Schadensbericht für eine Versicherung, oder den Reisebericht. Betrachtet man einen Zeitungsbericht, wird man feststellen, dass dieser oftmals nicht nur reiner Bericht ist, sondern gleichzeitig zur Unterhaltung sowie als Motivation zum Weiterlesen dienen soll.[4]

Im engeren Sinne ist ein Bericht eine Form des Aufsatzes, die den Leser über in der Vergangenheit stattgefundene Ereignisse oder Vorgänge unterrichtet; er stellt demnach eine Form der Mitteilung dar. Diese erfolgt meist im Präteritum, da sich das Berichten in der Regel auf ein Ereignis bezieht, das von dem Hörer/ Leser nicht mehr beobachtet werden kann. Nicht zuletzt aus diesem Grund muss der Bericht den Hörer/ Leser sachlich, klar und unmissverständlich über einen Vorfall, eine Begebenheit oder ein Ereignis informieren. Der Berichtende muss somit genau abwägen, was er sagen oder schreiben muss, um eine detaillierte Vorstellung über das Geschehen bei seinem Ansprechpartner hervorrufen zu können. Subjektives Empfinden sowie Spekulationen, Falschaussagen, Wertungen oder Ungenauigkeiten müssen in einem Bericht vermieden werden. Nur die Fakten sind von Bedeutung, welche möglichst ohne Einfluss der persönlichen Meinung vermittelt werden.

Im Gegensatz zu der Erzählung, die durch die Strategie der Spannungserzeugung bestimmt werden kann, geht es bei einem Bericht nicht darum, Geschehenes anschaulich und lebendig wiederzugeben; beim Berichten wird der Hörer/ Leser klar über das Ereignis informiert. Die sachliche Information steht also im Vordergrund, um dem Hörer/ Leser einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit verfügbar zu machen. Vor allem der schriftliche Bericht beansprucht die einfache „Sachsprache“ für sich. Auch die Vollständigkeit der Darstellung ist ein wesentliches Merkmal des Berichts.

Der kommunikative Zusammenhang spielt auch beim Berichten eine wichtige Rolle, was bedeutet, dass Vorstellungen und Annahmen über den Ansprechpartner für den Bericht von Bedeutung sind. Er muss, je nach Art und Zweck des Berichts, Antworten auf die so genannten „W-Fragen“ (Wer? Wie? Was? Wo? Wann? Warum?) liefern. Mit Hilfe dieser Fragen kann man kontrollieren, ob der Bericht die notwendigen genauen Angaben zu Personen, Ort, Zeit und näheren Umständen enthält. Einzelinformationen werden so miteinander verknüpft, dass der gesamte Sachverhalt, sowie auch die korrekte Reihenfolge des Geschehens, deutlich werden.

Vor allem beim mündlichen Erzählen im Gespräch, somit in Alltagssituationen, sowie beispielsweise auch in Briefen, lassen sich Erzählen und Berichten oftmals nicht exakt voneinander trennen; die verschiedenen Aufsatzformen verschmelzen miteinander. Berichtet oder erzählt man im privaten Kreis über den letzten Urlaub, ein Ereignis oder über einen Unfall, werden diese Vorgänge als persönliche, für den Alltag übliche Formen der Mitteilung verstanden. Beim mündlichen Berichten werden als Zeitformen sowohl das Präteritum als auch Perfekt und Präsens gebraucht.

Da man beim Berichten allgemein jedoch nicht immer konsequent vermeiden kann, dass die eigene Sichtweise und subjektive Wahrnehmung mit einfließt, lässt sich der Bericht als eine nicht gänzlich objektive Art der Darstellung bezeichnen.[5]

2.3 Didaktische Analyse

Im Rahmenlehrplan Grundschule für das Fach Deutsch findet das Thema „Berichten“ für die Jahrgangsstufen 5/6 implizit in allen drei Kompetenzbereichen (Sprechen und Zuhören, Lesen- mit Texten und Medien umgehen und Schreiben- Texte verfassen/ Rechtschreiben) Erwähnung.[6] Im Bereich des Sprechens und Zuhörens sollen die Schüler lernen, zusammenhängend und wirkungsbezogen zu erzählen, wobei der auch für einen Bericht so wichtige Adressatenbezug thematisiert wird. Für den Kompetenzbereich Lesen sieht der Rahmenlehrplan das Kennen und Unterscheiden lernen von verschiedenen Textsorten, unter anderem von Sach- und Gebrauchstexten, Bild-Text-Kombinationen und von über verschiedene Medien vermittelten Texten, vor. Am Ende der Klassenstufen 5/6 sollen die Schüler dazu in der Lage sein, Handlungsabläufe zu erkennen und wichtige Textaussagen zu erfassen, was auch für das Berichten von Bedeutung ist. Sie sollen Lesestrategien nutzen, um Schlüsselwörter und wesentliche Aussagen ermitteln und fixieren und diese letztendlich zu Texten (oder auch Berichten) zusammenfassen zu können. Auch im Bereich des Schreibens lernen die Schüler, situations- und adressatengerecht zu informieren; auch hier wird die Informationsauswahl thematisiert. Die Schüler sollen am Ende der Jahrgangsstufen 5/6 dazu in der Lage sein, Texte selbstständig zu planen sowie dieselben kriterienorientiert einschätzen zu können.

Der Umgang mit Berichten fördert Lese-, Schreib- sowie auch Sprachkompetenzen der Schüler, da dieser sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen kann. Sie realisieren die unterschiedlichen Funktionen des Lesens/ Schreibens/ Sprechens, indem sie eine neue Textform, den Bericht, kennen lernen. Berichten, so wie auch jede andere Art von Informationsweitergabe, wie beispielsweise Beschreiben, Protokollieren oder Dokumentieren, dient zum Austauschen von Botschaften, was sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen kann und im alltäglichen Leben von großer Bedeutung ist.

Informationsweitergabe hat einen realen Anlass. In bestimmten Situationen, wie zum Beispiel bei einem Zeugenverhör, ist es daher auch für Schüler von großer Notwendigkeit, Informationen in sachlogischer Gliederung, in gedanklich straffer Form und distanziert und sachlich-objektiv weitergeben zu können. Es ist auch in jeder Hinsicht für die Zukunft der Schüler wichtig, dass sie lernen, sich bei anderen maximal verständlich zu machen und die für einen gegebenen Anlass wichtigen von den nebensächlichen Informationen zu trennen- sei es für einen Schadensbericht für eine Versicherung, einen Unfallbericht oder ähnliches.

Schüler sind nicht erst vom fünften Schuljahr an in der Lage, zu berichten oder zu beschreiben; schon viel früher bestimmen diese Ausdrucksformen das Sprachverhalten des Kindes mit. Es ist jedoch zu beachten, dass berichtende und beschreibende Elemente beim Grundschulkind oftmals noch fließend ineinander übergehen. Daher ist zu erwarten, dass es vielen Schülern in der fünften Klasse noch erhebliche Schwierigkeiten bereitet, den Wechsel vom erzählenden zum sachorientierten Schreiben zu vollziehen. Aufgrund dessen erschien es mir für meine Unterrichtseinheit notwendig, die Schüler behutsam an das Thema Berichten heranzuführen und sie weitgehend selbständig die für einen Bericht wichtigen Merkmale sowie die relevanten W-Fragen erkennen und erarbeiten zu lassen. Der Einstieg in die Unterrichtseinheit und somit in das Thema erfolgt anhand eines Unfallbilds; die Schüler beschreiben zunächst nur, was darauf zu sehen ist und äußern anschließend Ideen darüber, was passiert sein könnte. Dies stellt eine den Schülern vertraute Erzählsituation dar, was ihnen den Einstieg in das neue Thema erleichtern soll. Indem sich die Schüler anschließend überlegen, welche Fragen zu dem Unfallhergang für einen Polizisten von Bedeutung sein werden, stoßen sie eigenständig auf einige W-Fragen, worauf deren anschließende Ergänzung und Einbettung in das Thema aufgebaut werden kann. Dadurch, dass die Schüler zum Teil schon von alleine auf die für einen Bericht wichtigen Fragen hinweisen und sich dessen bewusst sind, öffnen sie sich für das Thema und möglicher Ablehnung oder Angst vor „etwas Neuem“ wird vorgebeugt. Die W-Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Unterrichtseinheit; sie bieten den Schülern Anhaltspunkt und Sicherheit für das Verfassen von Berichten. Daher werden diese Fragen zunächst anhand des Erzähltexts „Auf dem Polizeirevier“ intensiv erarbeitet. Dieser Text eignet sich besonders gut, da er durch Witz und die unmittelbare Nähe des Geschehens zu der Grundschule xx für die Schüler ansprechend ist und somit, trotz seines früheren Entstehungszeitpunkts (1978), Aktualität und Realitätsnähe ausstrahlt. Zusätzlich lässt sich die von den Schülern vorzunehmende Trennung der für einen Bericht relevanten von den unwichtigen Informationen anhand dieses Textes sowohl aufgrund seiner inhaltlichen als auch formalen Beschaffenheit optimal durchführen: Die Grenzfälle, die er an einigen Stellen aufweist, bieten idealen Anlass zur Diskussion derselben mit den Lernenden. Durch seine einfache, gut verständliche Sprache und die klare Gliederung bzw. den deutlichen Wechsel zwischen zwei Sprechern ist der Text den Schülern leicht zugänglich. Die Erstellung eines Merk- bzw. Stichwortzettels von den Schülern zu diesem Text soll ihnen als Vorbereitung auf das Schreiben eines Berichts und schließlich, auch in Zukunft, als Unterstützung für das selbständige Verfassen von Berichten dienen. Hierbei werden die W- Fragen von den Schülern in Stichpunkten in Form eines Merkzettels beantwortet. Dieser fungiert als Strukturierungshilfe und hilft den Schülern, das „Vergessen“ der W- Fragen zu verhindern. Auf der Grundlage des Merkzettels und der Kenntnis der wichtigen Berichtsmerkmale verfassen die Schüler eigenständig ihren ersten kurzen Bericht.

Schließlich, in der vierten Unterrichtsstunde der Einheit, arbeiten die Schüler mit dem Text „An der Ampel“[7], einem Erzähltext über einen Unfall, aus dem Sprachbuch, welcher sich besonders dazu eignet, sie zwischen für einen Bericht geeigneten Tatsachen und persönlicher Meinung und somit für den Bericht irrelevanten Elementen unterscheiden zu lassen. Die Arbeit mit dem Text und die Erstellung des Merkzettels erfolgen mündlich in Form eines Unterrichtsgesprächs, da die genannte Unterscheidung, die die Schüler vornehmen sollen, ihnen zum Teil noch Schwierigkeiten bereitet und somit eine Lenkung des Erarbeitungsprozesses sowie eine stärkere Kontrolle durch die Lehrerin gewährleistet werden. Außerdem erachte ich es als wichtig, die Schüler, nachdem sie am Ende der vorherigen Unterrichtsstunde einen schriftlichen Bericht verfasst haben, zunächst durch eine „lebendigere“ Unterrichtsphase weiterhin für das Thema zu ambitionieren und sie nicht zu überfrachten. Anschließend, in Partnerarbeit, erhalten die Lernenden zwei Situationsbilder; sie sollen sich gegenseitig „ihr“ Ereignis erzählen, während sich der Partner die wichtigsten Informationen, und somit die Antworten auf die W- Fragen, in Form eines Merkzettels notiert. Anschließend wird gewechselt. Diese Übung soll insbesondere den Unterschied zwischen Erzählen und Berichten erneut aufgreifen und den Schülern diesen verdeutlichen. Dadurch, dass sie sich selbst sowohl in der Situation des Erzählens als auch in der Situation des Berichtens befinden, wird ihnen der Unterschied vor Augen geführt und verinnerlicht. Gleichzeitig werden das Beantworten der W- Fragen und das Erstellen des Merkzettels geübt. Um das Thema Berichten nun wieder zu fokussieren und das eigene Verfassen von Berichten zu trainieren, soll jeder Schüler anschließend aus seinem Merkzettel einen kurzen Bericht erstellen.

Im Zentrum der nächsten Deutschstunde steht ein den Schülern auf Folie präsentierter Vorfall vor dem Klassenraum einer fünften Klasse, bei dem vier Schüler involviert sind und die Brille einer Schülerin durch die von einer anderen Schülerin geworfene Schultasche zu Bruch geht. Da die Personen auf dem Situationsbild die gleiche Klassenstufe besuchen, wie die Schüler, für die die OH- Folie aufgelegt wird und da sich der Vorfall in der Schule ereignet, weckt die Situation durch ihren Realitätsbezug Interesse bei den Schülern, weshalb ich dieses Bild als sehr geeignet erachte. Nach einer kurzen Besprechung, was dargestellt und was wohl passiert ist, sollen sich die Schüler, in Form eines Rollenspiels, in die Lage der Beteiligten versetzen und diese Szene, in der ein Lehrer hinzu kommt und wissen möchte, was passiert ist, nachspielen. Dieses Rollenspiel, welches ein paar Mal wiederholt wird, sowie das daran anschließende Unterrichtsgespräch sollen den Schülern letztendlich zu der Erkenntnis verhelfen, dass Berichte immer unter einem bestimmtem Blickwinkel und mit bestimmten Intentionen erfolgen oder verfasst werden; so soll ihnen auch bewusst werden, dass der Bericht an eine Versicherung möglichst subjektneutral erstellt werden sollte. Dieser Bericht an die Versicherung wird abschließend, nach der Erstellung des Merkzettels, von den Schülern geschrieben, um das Erarbeitete zu vertiefen und um weiterhin das Verfassen von Berichten aktiv zu üben; die Schüler verinnerlichen den Prozess des Anfertigens eines Merkzettels als Grundlage für das Schreiben des Berichts.

Die Unterrichtseinheit endet mit der Aufsatzvorbereitung für die Lernenden, welche anhand eines Arbeitsblatts mit einer Unfallskizze und einem dazugehörigen Text erfolgt. An dieser Stelle ist es wichtig, dass nach einer Klärung des Sachverhalts und der Aufgabenstellung zunächst mündlich erarbeitet wird, auf was die Schüler unbedingt achten müssen, da es für sie neu ist, eine Skizze sowie den Text in den Bericht mit einzubeziehen, sowie dass dieser aus einer bestimmten Sicht verfasst werden soll. Nachdem die Schüler, um möglichen Fehlern vorzubeugen, noch einmal die wichtigen Berichtsmerkmale wiederholt und aufgezählt und sich diese dadurch in Erinnerung gerufen haben, wird ein Anfangs- Beispielsatz durch Vorschläge der Lerngruppe gemeinsam and der Tafel erarbeitet. Dieser soll als Unterstützung dienen und den Schülern mögliche Ängste vor dem selbständigen Beginnen mit einem Schreibauftrag nehmen. Diejenigen, die am Ende der Stunde schon früher mit ihrem Bericht fertig sind, sollen anhand der LÜK- Kästen die Zeitformen des Verbs üben, da diese auch für das Erstellen von Berichten von Bedeutung sind und einige Schüler mit dem beim schriftlichen Berichten erforderlichen Tempus, dem Präteritum, noch Schwierigkeiten haben.

Die Berichte, die die Schüler am Ende der Stunden der Unterrichtseinheit anfangen zu verfassen, sollen größtenteils von ihnen zu Hause zu Ende geschrieben werden, was voraussetzt, dass die Ergebnisse bzw. die vollständigen Berichte in der folgenden Unterrichtsstunde von einigen Schülern vorgelesen und von der Lerngruppe und der Lehrerin kommentiert werden können; die restlichen werden eingesammelt. Dadurch werden der Überblick der Lehrerin über den Stand der Schüler und deren Lernfortschritte sowie die Rückmeldung für die Lernenden gewährleistet.

2.4 Methodische Analyse

Der Einstieg der Unterrichtseinheit erfolgt anhand einer OH-Folie, die einen Unfall darstellt, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu wecken und sie auf die gegebene Situation zu lenken. In einem Unterrichtsgespräch, damit die Lenkung durch die Lehrerin gewährleistet ist, wird geklärt, was dargestellt bzw. passiert ist, und es erfolgt eine erste Hinführung zu der Erarbeitung der W- Fragen: Die Schüler sollen Ideen dazu äußern, welche Fragen für den hinzu kommenden Polizisten von Bedeutung sein werden. So erhält die Lehrerin auch einen Überblick darüber, inwiefern die Schüler schon mit den für einen Bericht relevanten (W-) Fragen vertraut sind. Schließlich werden die W- Fragen anhand einer Abbildung auf einem Arbeitsblatt eingeführt und zunächst mündlich im Plenum erarbeitet, um eine gemeinsame Grundlage in der Klasse zu schaffen und um den Schülern die Möglichkeit zu geben, Fragen oder Unsicherheiten zu äußern. Die Lehrerin wird somit über den Wissensstand der Klasse in Hinsicht auf das neue Thema informiert. Schließlich sollen die Lernenden, je nach Wahl alleine oder mit dem Sitznachbarn, die W- Fragen auf dem Arbeitsblatt beantworten. Auch den Schülern, die sich noch unsicher fühlen, soll die Möglichkeit gegeben werden, durch Unterstützung des Partners, die Aufgabe sicher lösen zu können. Dies gibt ihnen Sicherheit, welche gerade zu Beginn eines neuen Themas sehr wichtig ist, damit dieses nicht abgelehnt wird oder Angst vor den folgenden neuen Aufgaben entsteht. Nach dieser Stillarbeitsphase werden die Ergebnisse im Plenum besprochen, um sicher zu stellen, dass jeder Schüler seine Antworten auf die W- Fragen kontrollieren und, durch mögliche Ergänzungen oder Verbesserungen, vervollständigen kann.

Der Text „Auf dem Polizeirevier“ wird in der folgenden Unterrichtsstunde eingeführt und zunächst von zwei sicheren Lesern in Rollen vorgelesen, um der Klasse einen guten Eindruck über den Text zu verschaffen. Im Plenum wird kurz besprochen, was es mit dem Text auf sich hat und was deren Besonderheit bzw. die Komik ist, um zu gewährleisten, dass alle Schüler dieses Wissen als Grundlage haben. Schließlich erhalten die Schüler einen Arbeitsauftrag, dem sie in Stillarbeit nachgehen. Die Ergebnisse werden anschließend im Plenum ausführlich besprochen, damit mögliche Fehler verbessert werden können und damit jeder Lernende richtige und vollständige Arbeitsergebnisse erhält bzw. seine Ergebnisse vergleichen kann.

[...]


[1] Der Terminus „Schüler“ steht in diesem Bericht durchgängig für beide Geschlechter, bedeutet somit umfassend „Schülerinnen und Schüler“.

[2] Menzel, Wolfgang (Hg.): Praxis Sprache 5. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag GmbH, 1997

[3] Masche, Ursula: Auf dem Polizeirevier. In: Praxis Deutsch. 28/1978, S. 51

[4] Vgl. Kohrs, Peter: Stundenblätter Aufsatz. Informieren/ Appellieren. 5./6. Schuljahr. Stuttgart: Ernst Klett Verlag, 1988. S. 48

[5] Vgl. Ebd. S. 49

[6] Vgl. Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg/ Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin u.a. (Hgg.): Rahmenlehrplan Grundschule: Deutsch. Berlin: Wissenschaft und Technik Verlag, 2004. S. 41 ff.

[7] Menzel, Wolfgang (Hg.): Praxis Sprache 5. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag GmbH, 1997. S. 31

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Unterrichtspraktikum zum Thema "Berichten" (Grundschule, 5. Klasse)
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2005
Seiten
48
Katalognummer
V93988
ISBN (eBook)
9783668384132
Dateigröße
957 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bericht, Unterrichtspraktikum, Fach, Deutsch, Klasse)
Arbeit zitieren
Stefanie Kuhne (Autor), 2005, Unterrichtspraktikum zum Thema "Berichten" (Grundschule, 5. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/93988

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