In dieser Arbeit soll die Frage behandelt werden, ob mit jenem Übergang vom Mythos zum Logos, auch der Übergang von der Natur zur Kultur gezeigt werden kann. Wenn ja, wo liegt diese Schnittstelle, in der der Mensch begann diese strickte Grenze zwischen ihm und der Natur, und folglich auch zwischen ihm und dem Tier zu ziehen? Wie kann es sein, dass die westliche Kultur, mit besonderem Augenmerk auf die griechisch-römische Mythologie keinerlei Probleme hatte, sich als Teil der Natur, also des Tieres zu sehen, und heute, in der Moderne, das Tier als etwas unter sich Stehendes sieht? Kann man also tatsächlich davon sprechen, dass der Übergang vom Mythos zum Logos ebenfalls jener markante Übergang von der Natur zur Kultur ist? Ist es jener Übergang, an dem sich der Mensch begann immer mehr und mehr von der Natur zu distanzieren? Und wenn ja, warum?
Um diese Thematik zu beantworten, werden ausgewählte Literatur aber auch separiert angeführte, Überlegungen und Beobachtungen einbezogen. Im ersten Teil der Arbeit werden das Augenmerk auf Fachliteratur und der Sammlung einiger ausgewählter Mythen, mythologischen Gestalten und Gott-Mensch-Tier Beziehungen, wie etwa Athena und die mit ihrer Weisheit assoziierte Eule liegen, um anschließend im zweiten Teil der Arbeit diese mit Überlegungen fortzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1) Warum der Mythos?
2) Augenmerk auf einige Mythen der Antike
2.1) Die Metamorphosen des Zeus
2.2) Das Rätsel und die Macht der Sphinx
2.3) Die Geburt des Pegasus
2.4) Die Sirenen : Mischwesen aus Mensch und Vogel
2.5) Athena und der Steinkauz
2.6) Harpyien – menschliche Greifvögel
2.7) Der Widder als Retter
3) Zwischen Natur und Kultur
4) Die Grenze zwischen Homo et Animalis
5) Je größer des Logos, desto kleiner der Mythos ?
6) Vergleich zwischen der Antike und Heute
7) Eigene Gedankengänge zu den behandelten Mythen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel im Verhältnis zwischen Mensch und Tier vom antiken Mythos bis hin zur modernen, wissenschaftlich geprägten Gesellschaft. Dabei wird analysiert, ob der Übergang vom Mythos zum Logos eine zunehmende Distanzierung und hierarchische Entfremdung des Menschen von der Natur bzw. dem Tier markiert.
- Vergleich der Mensch-Tier-Beziehung in der Antike und der Moderne
- Analyse ausgewählter mythologischer Mischwesen
- Untersuchung der Rolle des Logos als Trennungslinie zwischen Natur und Kultur
- Reflexion über die Entmenschlichung des Tieres im Laufe der Geistesgeschichte
- Hinterfragung der menschlichen Anmaßung, über der Natur zu stehen
Auszug aus dem Buch
2.1) Die Metamorphosen des Zeus
Gleich beginnen möchte ich mit den zahlreichen Metamorphosen des Zeus, dem Göttervater, der im römischen auch Jupiter genannt wird. Er soll dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt gewesen sein, und zahlreiche seiner sterblichen Angebeteten nur deshalb erobern haben können, weil er dies in Gestalt eines Tieres tat. (Abenstein 2012:S.31)
Ein für uns heute noch wesentlicher Mythos der antiken Griechen ist der Raub der Prinzessin Europa, die unter anderem in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid beschrieben wird.
Der Göttervater mischt sich in Gestalt eines schneeweißen Stieres unter eine Rinderherde die ganz in der Nähe der von Europa und ihren Freundinnen weidet. Er nimmt Europa die Angst, gewinnt ihr vertrauen und ohne zu wissen, dass es sich um den Göttervater handelt, setzt sich die schöne Prinzessin auf den Rücken des Stieres der sie fort trägt. (Ovid,1994:S.121)
„ Der Gott der durch sein Nicken die Welt erschüttert, [850] nimmt, die Gestallt eines Stieres an, mischt sich unter die Jungstiere, muht und spaziert anmutig durch die zarten Gräser.“ (Ovid 1994:S.121)
Zusammenfassung der Kapitel
1) Warum der Mythos?: Dieses Kapitel beleuchtet die Funktion des Mythos als Sinnstifter und Orientierungshilfe für den Menschen in einer unerklärlichen Welt.
2) Augenmerk auf einige Mythen der Antike: Hier werden zentrale mythologische Gestalten und Erzählungen wie Zeus, die Sphinx, Pegasus und die Sirenen vorgestellt, um die enge Verbindung zwischen Mensch und Tier in der Antike zu illustrieren.
3) Zwischen Natur und Kultur: Dieses Kapitel reflektiert, wie der Mensch begann, sich durch die Konstruktion von Mythen und die Suche nach höheren Rechtfertigungen von der Natur zu distanzieren.
4) Die Grenze zwischen Homo et Animalis: Hier wird thematisiert, dass die Grenze zwischen Mensch und Tier in der Antike kaum existent war, während sie in der modernen Zeit eine klare Trennungslinie darstellt.
5) Je größer des Logos, desto kleiner der Mythos ?: Der Text argumentiert, dass die zunehmende wissenschaftliche Rationalität (Logos) dazu führt, dass die Natur entzaubert und das Tier als untergeordnetes Wesen wahrgenommen wird.
6) Vergleich zwischen der Antike und Heute: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über den Prozess der Entfremdung, bei dem das Tier seine tragende Rolle in der Geschichte verloren hat und heute meist nur noch als Forschungsobjekt oder Nutztier dient.
7) Eigene Gedankengänge zu den behandelten Mythen: In diesem abschließenden Teil führt die Autorin eigene Reflexionen zu den Mythen aus, um das Potenzial der tierphilosophischen Fragestellungen weiter zu vertiefen.
Schlüsselwörter
Mythos, Logos, Tierphilosophie, Griechische Mythologie, Mensch-Tier-Verhältnis, Metamorphosen, Antike, Natur, Kultur, Entfremdung, Mischwesen, Ontologie, Rationalität, Schicksal, Anthropozentrismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel der Mensch-Tier-Beziehung, ausgehend von der griechisch-römischen Mythologie bis in die moderne Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Philosophie der Natur, die Rolle des Mythos als Sinnstifter sowie die zunehmende anthropozentrische Distanzierung des Menschen vom Tier.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob mit dem Übergang vom Mythos zum Logos eine bewusste Trennung von Natur und Kultur vollzogen wurde, die das Tier heute als minderwertig erscheinen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine literarische Analyse antiker Mythen mit eigenen tierphilosophischen Reflexionen und Beobachtungen zur modernen Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Beispiele wie die Metamorphosen des Zeus oder die Sphinx, um die vormals enge Verbindung zwischen Göttern, Menschen und Tieren aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mythos, Logos, Tierphilosophie, Anthropozentrismus und ontologische Kluft beschreiben.
Warum spielt der Mythos bei der Untersuchung des Tierverhältnisses eine so wichtige Rolle?
Weil antike Mythen als Spiegel der damaligen Haltung dienen, in der Tiere oft als gleichwertig oder sogar als Verkörperung göttlicher Kräfte angesehen wurden.
Wie erklärt die Autorin das Verschwinden von Mischwesen in der heutigen Zeit?
Das Verschwinden wird auf den Fortschritt des Logos zurückgeführt, der anatomisch unmöglich erscheinende Mischwesen als lächerlich oder absurd abwertet.
- Arbeit zitieren
- Julia Deutschmann (Autor:in), 2019, Das Tier in der griechischen und römischen Mythologie und im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/940910