Die hohen Prävalenzen von gestörtem Sozialverhalten zeigen, dass dieses Phänomen nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken ist. Erwachsene fallen dabei genauso wie Kinder und Jugendliche durch ihr sozial unangepasstes Verhalten auf.
Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bezieht sich auf das Thema „Störungen des Sozialverhaltens und ihre Behandelbarkeit“.
Im Einzelnen werden die verschiedenen Arten antisozialen Verhaltens definitorisch, diagnostisch, ätiologisch und epidemiologisch skizziert, sowie allgemeine Richtlinien für behandelnde Praktiker und einzelne physische, pharmakopsychologische, therapeutische und gesellschaftliche Interventionsmethoden vorgestellt.
Es werden schlussendlich die gefundenen metaanalytischen Befunde resümiert und kritisch beleuchtet, sowie Implikationen, die sich aus der vorliegenden Arbeit für die zukünftige Forschung ergeben, zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Störungen des Sozialverhaltens
2.1 Definition und Abgrenzung
2.1.1 Antisoziales Verhalten in der Kindheit und Adoleszenz
2.1.2 Die antisoziale Persönlichkeitsstörung
2.2 Diagnose
2.2.1 ICD-10
2.2.2 DSM-IV-TR
2.2.3 Erfassungsmethoden antisozialen Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen
2.2.4 Hare’s Psychopathy Checklist
2.3 Ätiologie
2.4 Epidemiologie
3. Interventionsmethoden
3.1 Allgemeine Richtlinien und Differenzierungen
3.1.1 Korrektive, strafrechtliche vs. klinische, therapeutische Maßnahmen
3.1.2 Individuelle vs. Gruppentherapie
3.1.3 Ambulante vs. stationäre Behandlung
3.2 Vorgestellte Behandlungsmethoden
3.2.1 Physische Interventionen
3.2.2 Psychopharmakotherapie
3.2.3 Behaviorale und kognitive Verhaltenstherapien
3.2.4 Systemische Therapien
3.2.5 Klientzentrierte Beziehungstherapie
3.2.6 Psychoanalyse
3.2.7 Elterntraining
3.2.8 Gesellschaftliche Interventionen
4. Die Metaanalyse als Forschungsmethode
4.1 Die Bedeutung von Überblicksartikeln
4.2 Traditionelle Überblicksverfahren
4.3 Die Entwicklung der Metaanalyse
4.4 Methodisches Vorgehen bei der Metaanalyse
4.5 Vorteile und Probleme der Metaanalyse als Forschungsmethode
4.5.1 Vorteile
4.5.2 Probleme und Kritikpunkte
5. Ausgewählte Befunde aus vorliegenden Reviews zu Störungen des Sozialverhaltens
6. Ableitung der Fragestellung
7. Methodisches Vorgehen
7.1 Literaturrecherche
7.2 Zusammenfassung der Primärdaten
7.3 Vorstellung der einzelnen Primärstudien
7.4 Auswertung
8. Ergebnisse
8.1 Prä/Post Behandlungseffekte
8.2 Behandlungseffekte im Vergleich mit einer Kontrollgruppe
8.3 Langzeitbehandlungseffekte
9. Diskussion
10. Implikationen für die Forschung
11. Literatur
12. Anhang
Anhang A: Daten der Primäranalysen
Anhang B: Ergebnisse der Metaanalysen
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Wirksamkeit therapeutischer Interventionen bei Störungen des Sozialverhaltens zu untersuchen, da eine Generalisierung bisheriger Forschungsergebnisse fehlt. Es wird der Frage nachgegangen, ob Behandlungseffekte bei diesen Störungsbildern nachweisbar sind, wobei Altersgruppen und Diagnosen übergreifend betrachtet werden.
- Grundlagen und Diagnose von Störungen des Sozialverhaltens (Kindheit, Jugend, Erwachsene).
- Methodische Analyse verschiedener therapeutischer Interventionsansätze.
- Durchführung einer Metaanalyse zur Quantifizierung von Behandlungseffekten.
- Diskussion über die Therapierbarkeit von Störungen des Sozialverhaltens und die Notwendigkeit zukünftiger Forschung.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Antisoziales Verhalten in der Kindheit und Adoleszenz
Im DSM-IV-TR wird die „Störung des Sozialverhaltens“ unter den Störungen, „die gewöhnlich zuerst im Kleinkindalter, in der Kindheit oder Adoleszenz diagnostiziert werden“ (Saß, Wittchen, Zaudig & Houben, 2003, S. 65) aufgelistet. Antisoziales Verhalten ist die häufigste Ursache, wieso Kinder und Jugendliche in psychiatrische Anstalten eingewiesen werden und macht in den Vereinigten Staaten sogar mehr als die Hälfte dieser Einweisungen aus (Chamberlain & Smith, 2003).
Zusammen mit dem antisozialen und aggressiven Verhalten, treten bei den Jugendlichen oft auch Defizite der Problemlösekompetenzen auf. „Young offenders tend towards concrete rather than abstract thinking, showing great rigidity in the way they deal with problem situations” (Wells, 2001, S. 132). Auch sind solche Jugendliche eher dazu geneigt, Verhalten von anderen Personen als feindselig aufzufassen und sind weniger fähig zu Perspektivenübernahme und Generierung von adäquaten Lösungen bei Problemsituationen (Kazdin, 1987). Petermann (2005a) beschreibt eine beeinträchtigte Interpretation sozialer Situationen bei aggressiv-dissozialen Kindern: „Typisch für die soziale Wahrnehmung dieser Kinder ist, dass sie über weniger alternative Lösungen für interpersonelle Probleme verfügen, sich stärker auf Ziele konzentrieren als auf Mittel und Wege, diese zu erreichen und unsensibel für Konfliktsituationen sind“ (S.1063).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Problematik antisozialen Verhaltens und definiert den Fokus der Arbeit auf die Behandelbarkeit von Störungen des Sozialverhaltens.
2. Störungen des Sozialverhaltens: Dieses Kapitel definiert und grenzt verschiedene Störungsbilder ab, einschließlich diagnostischer Kriterien (ICD-10, DSM-IV-TR) sowie ätiologischer und epidemiologischer Grundlagen.
3. Interventionsmethoden: Es werden verschiedene Behandlungsansätze vorgestellt, von physischen Interventionen und Pharmakotherapie bis hin zu kognitiven, systemischen und gesellschaftlichen Interventionsformen.
4. Die Metaanalyse als Forschungsmethode: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Metaanalyse sowie deren methodisches Vorgehen, Vor- und Nachteile im Vergleich zu traditionellen Überblicksverfahren.
5. Ausgewählte Befunde aus vorliegenden Reviews zu Störungen des Sozialverhaltens: Hier werden bereits existierende Metaanalysen und Reviews zum Thema zusammengefasst, um den Stand der Forschung darzulegen.
6. Ableitung der Fragestellung: Basierend auf den vorherigen Kapiteln wird das Ziel der eigenen Metaanalyse formuliert, die Forschungslücken zu schließen.
7. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Literaturrecherche, die Selektion der Studien sowie die Zusammenfassung der Primärdaten für die vorliegende Metaanalyse.
8. Ergebnisse: Die Ergebnisse der verschiedenen metaanalytischen Auswertungen zu Behandlungseffekten und Langzeitfolgen werden hier präsentiert.
9. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Ergebnisse kritisch und betrachtet die ethischen sowie therapeutischen Implikationen für die Behandlung antisozialer Störungsbilder.
10. Implikationen für die Forschung: Abschließend werden Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze und eine notwendige Ausweitung der Primärforschung gegeben.
Schlüsselwörter
Sozialverhalten, Störung des Sozialverhaltens, antisoziale Persönlichkeitsstörung, ASPS, Metaanalyse, Behandlungseffekte, Kinder, Jugendliche, Kognitive Verhaltenstherapie, Intervention, Therapie, Diagnostik, Ätiologie, Prävalenz, Psychopathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit von verschiedenen psychotherapeutischen Behandlungsmethoden bei Störungen des Sozialverhaltens und führt zu diesem Zweck eine Metaanalyse durch.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Diagnose dieser Störungen, die Darstellung verschiedener Interventionsmethoden sowie eine metaanalytische Auswertung zur Überprüfung von deren Behandlungserfolgen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die generalisierte Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen zu bestimmen und zu prüfen, ob Behandlungseffekte bei Störungen des Sozialverhaltens unabhängig von Altersgruppe und Diagnose nachweisbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Metaanalyse angewendet, die empirische Primärstudien aus der Fachliteratur quantitativ auswertet, um allgemeine Aussagen zur Behandlungseffektivität treffen zu können.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Definitionen, Diagnose, Ätiologie) sowie verschiedene Interventionsformen (z.B. Verhaltenstherapie, systemische Ansätze) beleuchtet, bevor die eigene methodische Vorgehensweise und die Ergebnisse der Metaanalyse präsentiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Störung des Sozialverhaltens, ASPS, Metaanalyse, Behandlungseffekte und Psychotherapie charakterisieren.
Warum konnte die ASPS bei Erwachsenen in der Metaanalyse nicht umfassend untersucht werden?
Es gab keine ausreichend empirischen Primärstudien zu psychotherapeutischen Behandlungsmethoden bei Erwachsenen mit ASPS, die die methodischen Anforderungen für die Aufnahme in die vorliegende Metaanalyse erfüllt hätten.
Welche Rolle spielt das "Äpfel-und-Birnen-Problem" in der Arbeit?
Dies ist ein methodisches Problem der Metaanalyse, bei dem sehr unterschiedliche Studien (z. B. verschiedene Populationen oder Interventionen) integriert werden, was die Interpretation der mittleren Effektgrößen erschweren kann.
- Quote paper
- Sacha Bachim (Author), 2008, Metaanalyse zu Behandlungseffekten bei Störungen des Sozialverhaltens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94166