Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema der Angst und ihrer Bewältigung im Sportunterricht der Grundschule. Um zu Beginn einen Überblick über das Spektrum an Zugangsweisen zu erhalten und sich dem Thema zu nähern, erfolgt zunächst eine genauere Begriffsbestimmung mit Abgrenzung zu ähnlichen Emotionen, die in der Alltagssprache häufig synonym gebräuchlich sind. Darauf aufbauend schließt sich dann die Darstellung von sozialisationsbedingten Antezedenzien an, die zusammen mit den wissenschaftlichen Angsttheorien den Kontext der Angstentstehung bilden. Bedingt durch die Vielschichtigkeit dieser Emotion resultiert daraus eine ebensogroße Vielzahl an Angstdimensionen, die allerdings im Hinblick auf das Thema dieser Arbeit an entsprechender Stelle auf den Rahmen des Sports reduziert sind. Ehe sich daran anschließend die Ausführungen dem Bereich der Angstbewältigung zuwenden, werden zunächst noch Konsequenzen überdauernder sportbezogener Ängstlichkeit vorgestellt, die nicht nur Auswirkungen auf die Motorik und Leistungsfähigkeit haben, sondern des Weiteren über den sportunterrichtlichen Bereich hinausgehen und langfristig die Persönlichkeit des Betroffenen beeinflussen. In dem darauf folgenden Kapitel der Angstbewältigung werden dann erneut die bereits erwähnten Aspekte sozialisationsbedingter Entwicklungstendenzen der Angst aufgegriffen und Maßnahmen der Lehrkraft vorgestellt, wobei das zentrale Anliegen in der Befähigung der Schüler liegt, mit Hilfe diverser Bewältigungstechniken einen selbstregulativen Zugang zu vorhandenen Ängsten zu finden. Ausgehend von der Fragestellung, ob Schüler der Grundschule überhaupt dazu in der Lage sind, ihre Ängste selbstregulativ zu bewältigen, versucht der empirische Teil dieser Arbeit diese Frage zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition: Angst
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Abgrenzung von anderen Emotionen
2.2.1 Angst – Furcht
2.2.2 Angst – Stress
2.2.3 Angst – Ängstlichkeit
3 Angstentstehung
3.1 Antezedenzien im Sozialisationsprozess
3.1.1 Primäre Sozialisation
3.1.1.1 Familiäre Bedingungen
3.1.1.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation
3.1.1.3 Geschwisterreihe
3.1.2 Sekundäre Sozialisation
3.1.2.1 Leistungs- und Konkurrenzdruck
3.1.2.2 Rolle des Lehrers
3.1.2.3 Rolle des Klassenverbandes
3.2 Wissenschaftliche Angsttheorien
3.2.1 Psychoanalytischer Ansatz
3.2.1.1 Erste Angsttheorie Freuds
3.2.1.2 Zweite Angsttheorie Freuds
3.2.1.3 Kritische Anmerkungen zum Psychoanalytischen Ansatz nach Freud
3.2.2 Reiz-Reaktionstheoretischer Ansatz
3.2.2.1 Klassische Konditionierung von Angst- und Furchtreaktionen
3.2.2.2 Zwei-Phasentheorie nach Mowrer und Miller
3.2.2.3 Das Trait-State-Angstmodell nach Spielberger basierend auf der Triebtheorie der Angst nach Spence und Taylor
3.2.2.4 Kritische Anmerkungen zum Reiz-Reaktionstheoretischen Ansatz
3.2.3 Kognitiv-Handlungstheoretischer Ansatz
3.2.3.1 Angstkontrolltheorie nach Epstein
3.2.3.2 Stressbewältigungstheorie nach Lazarus
3.2.3.3 Kontrollprozesstheorie nach Carver und Scheier
3.2.3.4 Kritische Anmerkungen zum Kognitiv-Handlungstheoretischen Ansatz
4 Angstdimensionen
4.1 Angst vor Blamage
4.2 Angst vor körperlicher Verletzung und Schmerz
4.3 Angst vor Versagen und Misserfolg
4.4 Angst vor Konkurrenz
4.5 Angst vor Unbekanntem
5 Angstsymptome
5.1 Verhaltensmäßig-expressive Reaktionen
5.2 Physiologische Veränderungen
5.3 Emotionale Reaktionen
5.4 Soziale Reaktionen
6 Auswirkungen von Sportangst
6.1 Auswirkungen auf die Motorik
6.2 Auswirkungen auf sportliche Leistungen
6.3 Auswirkungen auf die Persönlichkeit
7 Angstbewältigung
7.1 Ziele der Angstbewältigung
7.2 Angstbewältigung durch Fremdregulation
7.2.1 Maßnahmen in der Familie
7.2.2 Maßnahmen des Lehrers
7.2.2.1 Der Aspekt der gesundheitlichen Perspektive
7.2.2.2 Der Aspekt der gesundheitserzieherischen Perspektive
7.2.2.3 Anforderungen an die Persönlichkeit des Lehrers
7.3 Angstbewältigung durch selbstinstruierte Fremdregulation
7.4 Angstbewältigung durch Selbstregulation
7.4.1 Somatische Verfahren
7.4.2 Kognitive Verfahren
7.5 Grenzen der Angstbewältigung
8 Methodik
8.1 Verwendetes Instrumentarium
8.2 Gütekriterien
8.3 Testauswertung und –interpretation
8.4 Hinführung zu den Forschungsfragen
8.5 Beschreibung der Personenstichprobe
8.6 Beschreibung des Methodendesigns
8.7 Beschreibung des Treatments
8.8 Untersuchungsdurchführung
8.9 Bildung der Untersuchungshypothesen
8.10 Datenverarbeitung
8.11 Analytische Auswertung
9 Ergebnisse der Testungen
9.1 Vergleich zwischen Treatment- und Kontrollgruppe bezüglich dem Ausmaß sportbezogener Ängstlichkeit im Nachtest
9.2 Vergleich zwischen Treatment- und Kontrollgruppe bezüglich dem Wanderungsverhalten zwischen den Subgruppen
9.3 Vergleich zwischen Treatment- und Kontrollgruppe bezüglich einzelner Angstdimensionen
9.3.1 Angstdimension Blamage
9.3.2 Angstdimension Konkurrenz
9.3.3 Angstdimension Misserfolg
9.3.4 Angstdimension Unbekanntes
9.3.5 Angstdimension Verletzung
9.4 Vergleich zwischen den Geschlechtern bezüglich der Effektivität des Treatments
9.5 Vergleich zwischen den Altersgruppierungen bezüglich der Effektivität des Treatments
9.6 Hypothesenentscheidung
9.7 Interpretation der Ergebnisse
10 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Angst im Grundschulsport und die Möglichkeiten ihrer Bewältigung. Das zentrale Ziel ist zu prüfen, ob Schüler durch ein gezieltes 7-wöchiges Training mit Angstkontrolltechniken befähigt werden können, selbstregulativen Zugang zu Ängsten zu finden und diese zu reduzieren.
- Theoretische Fundierung der Angstentstehung und verschiedener Angsttheorien
- Analyse sozialisationsbedingter Faktoren und deren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung
- Untersuchung der Rolle des Sportunterrichts als angstbesetztes Erfahrungsfeld
- Vorstellung und Erprobung von Entspannungstechniken zur Angstbewältigung
- Empirische Überprüfung der Wirksamkeit von Angstbewältigungsstrategien bei Grundschülern
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Ulis Fallschirmabsprung war das Tagesgespräch in sämtlichen Arbeitszimmern. Und es herrschte eine einzige Meinung: Der kleine Simmern sei ein Mordskerl, und niemand habe geahnt, daß er eines Tages solch einer Tollkühnheit fähig sein werde.
Nur Sebastian widersprach. ‚Dieser Sprung hat doch nicht das Mindeste mit Kühnheit zu tun’, sagte er abweisend. ‚Uli war, als er von der Leiter sprang, nicht mutiger als vorher. Ihn trieb die Verzweiflung herunter.’
‚Aber der Mut der Verzweiflung!’ rief ein Sekundaner. ‚Das ist ein Unterschied. Es gibt sehr viele Feiglinge, die nicht im Traum daran dächten, von Leitern zu springen. Und wenn sie noch so verzweifelt wären.’
Sebastian nickte wohlwollend. ‚Das stimmt schon’, meinte er. ‚Aber der Unterschied zwischen ihnen und Uli liegt nicht auf dem Gebiet der Tapferkeit.’
‚Sondern?’
‚Der Unterschied ist der, daß sich Uli mehr schämen kann als sie. Uli ist nämlich ein völlig einfacher, naiver Junge. Sein Mangel an Mut störte ihn selber am allermeisten!’ Sebastian überlegte eine Weile. Dann fuhr er fort: ‚Eigentlich geht euch das, was ich jetzt sagen will, gar nichts an. Aber, habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, ob ich Mut habe? Ist euch schon einmal aufgefallen, daß ich ängstlich bin? Nichts ist euch aufgefallen! Ich will euch deshalb vertraulich mitteilen, daß ich sogar außerordentlich ängstlich bin. Ich bin aber ein gescheiter Mensch und lass es mir nicht anmerken. Mich stört mein Mangel an Mut nicht besonders. Ich schäme mich nicht darüber. Und das kommt wieder daher, daß ich gescheit bin. Ich weiß, daß jeder Mensch Fehler und Schwächen hat. ….’
Natürlich verstanden nicht alle, was er sagte. Besonders die Jüngeren kapierten es nicht. (Kästner, 1981, S. 111f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Angst im Sportunterricht ein und skizziert den theoretischen sowie empirischen Rahmen der Arbeit.
2 Definition: Angst: Das Kapitel widmet sich der begrifflichen Klärung von Angst sowie der Abgrenzung von verwandten Zuständen wie Furcht, Stress und Ängstlichkeit.
3 Angstentstehung: Hier werden die sozialisationsbedingten Hintergründe der Angst und die wichtigsten wissenschaftlichen Angsttheorien (psychodynamisch, reiz-reaktionstheoretisch, kognitiv-handlungstheoretisch) ausführlich erörtert.
4 Angstdimensionen: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Ausprägungen sportbezogener Ängste, insbesondere vor Blamage, körperlicher Verletzung, Versagen, Konkurrenz und Unbekanntem.
5 Angstsymptome: Hier werden die verschiedenen Ebenen des Angsterlebens – von verhaltensmäßigen über physiologische bis hin zu sozialen Reaktionen – beschrieben.
6 Auswirkungen von Sportangst: Das Kapitel beleuchtet die Folgen von Angst auf die motorische Leistungsfähigkeit und die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler im schulischen Kontext.
7 Angstbewältigung: Es werden verschiedene Strategien der Angstbewältigung (Fremd- und Selbstregulation) sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten diskutiert.
8 Methodik: Hier wird der Aufbau des empirischen Teils, inklusive des verwendeten Messinstruments (SAD), des Studiendesigns und der statistischen Auswertungsmethoden, detailliert dargelegt.
9 Ergebnisse der Testungen: In diesem Teil werden die empirischen Daten hinsichtlich der Effektivität des Treatments analysiert, statistisch ausgewertet und im Hinblick auf die aufgestellten Hypothesen interpretiert.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Das Kapitel schließt mit einer Bilanz der Ergebnisse und reflektiert die Bedeutung eines angstreduzierenden Umgangs im Sportunterricht für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Angst, Sportunterricht, Grundschule, Ängstlichkeit, Angstbewältigung, Sozialisation, Angsttheorien, Leistungsangst, Sportpsychologie, Selbstregulation, Stressbewältigung, empirische Untersuchung, Sportangst-Deutungsverfahren, Leistungsverhalten, Interventionsmethoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Prüfungsarbeit untersucht, wie sich Ängste im Sportunterricht der Grundschule manifestieren, welche Ursachen diesen zugrunde liegen und wie sie durch pädagogische Maßnahmen gezielt bewältigt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Angst, den Theorien zur Angstentstehung, der Klassifizierung von Angstdimensionen im Sport sowie der Erprobung konkreter Angstbewältigungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob Schüler der Grundschule durch ein gezieltes, 7-wöchiges Treatment Techniken erlernen können, um ihre sportbezogene Ängstlichkeit selbstreguliert zu mindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische Untersuchung mit dem Sportangst-Deutungsverfahren (SAD) an Grundschülern, wobei ein Treatment- und Kontrollgruppen-Design angewandt wurde, um die Effektivität des Trainings zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Teil, der Ursachen und Theorien beleuchtet, und einen empirischen Teil, in dem das methodische Vorgehen und die statistischen Ergebnisse der durchgeführten Testungen präsentiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sportangst, Angstbewältigung, Grundschulsport, Angsttheorien und selbstregulative Strategien charakterisieren.
Wie wirken sich autoritäre Erziehungsstile auf die Angst bei Kindern aus?
Die Arbeit legt dar, dass autoritäre und repressive Erziehungsstile, die oft mit Bestrafung einhergehen, bei Kindern zu einem erhöhten Angstniveau führen und die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls hemmen können.
Welche Bedeutung hat das Ergebnis für überdurchschnittlich ängstliche Schüler?
Die Ergebnisse der empirischen Studie zeigen, dass gerade überdurchschnittlich ängstliche Schüler am stärksten von dem vermittelten Treatment profitieren, da sie durch die erlernten Techniken ihr Wanderungsverhalten in weniger angstbesetzte Gruppen verbessern konnten.
- Quote paper
- Andreas Kranz (Author), 2007, Angst und Angstbewältigung im Sportunterricht der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94184