Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit Literatur am Beispiel: Das Schreiben von Kriminlaerzählungen


Seminararbeit, 2001
15 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlungs- und Produktionsorientierter Umgang mit Literatur
2.1. Entstehung und Einflüsse
2.2. Ziele
2.3. Einsprüche.

3. Kriminalgeschichten
3.1. Vorüberlegungen
3.2. Fachwissenschaftliche Orientierung
3.3. Produktiver Umgang mit Kriminalerzählungen
3.4. Didaktische Überlegungen und Ziele

4. Schlussüberlegungen

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht und beinhaltet zwei Teile – einen allgemeinen Theorieteil und einen zur Praxis. Zum ersten Schwerpunkt gehören die Auseinandersetzung mit der Definition dieses Unterrichts, die Vorteile, die Ziele und auch mögliche Einsprüche.

Im zweiten Brennpunkt steht die Befassung mit Kriminalgeschichten in bezug auf didaktische Gesichtspunkte. Die Produktion einer eigenen Kriminalgeschichte mit kreativ gestalteten Titelblatt stellt das Ziel der möglichen Unterrichtseinheit dar. Vorraussetzung hierfür ist die intensive Beschäftigung mit dem Typus der Kriminalgeschichte - auf den im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingegangen wird, da die Darlegung von Fachwissen über den Kriminalgeschichtentypus eine untergeordnete Rolle spielt.

Die dargestellte Unterrichtseinheit erhebt keinen Anspruch auf Endgültigkeit, sondern will als Anregung zur individuellen Ausgestaltung angesehen werden. Ihre Durchführung ist vorwiegend in der Sekundarstufe I, unter literatursoziologischen Aspekten auch in der Sekundarstufe II denkbar.

2. Handlungs- und Produktionsorientierter Umgang mit Literatur

2.1.Entstehung und Einflüsse

Die Bezeichnung des handlungs- - und produktionsorientierten Unterrichts lässt schon das Prinzip der Verbindung zweier Komponenten erkennen. In fast unlösbarer Verbindung zugunsten der Vielfalt treten diese Komponenten auf. Das gemeinsame Hauptziel ist des Erstellen eines engen Kontakts zum Text, was die kognitive Analyse mit einschließt. Durch produktives Agieren soll eine ganzheitliche Annäherung (mit allen Sinnen) an den Text erreicht werden. Das Endziel ist die Lesemotivation der SchülerInnen - eines der großen Ziele des Deutschunterrichts überhaupt: . Die Analyse, bei der Textverstehen und Aneignung von reflektierbaren Erschließungsverfahren im Vordergrund stehen und die Produktivität, bei der durch persönliche Betroffenheit Wahrnehmungsfähigkeit und innere Vorstellungskraft entwickelt, der Aufbau der Lesemotivation und der Erhalt einer lebenslangen Lesebereitschaft bewirkt werden sollen, werden hier kombiniert.

Die Unterscheidung beider Bestandteile ist beim Umgang mit dieser Methode unentbehrlich. Unter „handlungsorientiertem“ Umgang versteht man alle reproduktiv-nachgestaltenden Vorgehensweisen, was hauptsächlich ein Umgestalten von vorgegebenen Texten unter Einbeziehung des subjektiven Ausdrucks- und Erfahrungsbedürfnisses der SchülerInnen ist. Spielendes Reagieren auf Texte durch bildlich-illustrative, darstellende, musikalische Verfahrensweisen.

„Produktionsorientierter“ Umgang unterscheidet sich durch die Schwerpunktlegung auf die antizipatorischen und konstruktiven Fähigkeiten der Schüler, die Vorgehensweisen sind eher produktiv-umgestaltend. Im Vordergrund steht die Erzeugung von neuen, eigenen Texten, Textteilen und Textvarianten zum Thema.

Der handlungs- und produktionsorientierte Ansatz entstand in den letzten 15 Jahren unter verschiedenen Einflüssen wie denen aus der Rezeptionsästhetik, der Reformpädagogik und aus dem erfahrungsbezogenen Unterricht (Ingo Scheller). Vertreter wie Günter Waldmann, Gerhard Rupp, Gerhard Haas, Kaspar Spinner, Wolfgang Menzel u.a. erweiterten das Konzept um einige Punkte. Waldmann stellt die Produktionsaufgaben vor allem in den Dienst der Erarbeitung poetologischer Strukturen, Rupp betont die selbstbewusstseinssteigernde Wirkung der Eigenproduktion auf die Schülermentalität, Haas unterstreicht die allgemeine Kopflastigkeit der Schule kompensierende Emotionalisierung des Unterrichts, Menzel verspricht durch diese Vorgehensweise eine Horizonterweiterung des Wissens, die mehr schülergesteuert ist.[1] Einig ist man sich in dem Punkt, dass im Unterricht die Gelegenheit zum Erfahren und Erleben von Literatur gegeben sein soll, und dies unter der Prämisse „learning by doing“ (Dewey).

2.2.Ziele

„Das Besondere eines literarischen Textes tritt erst vor dem Hintergrund der eigenen Wirklichkeits- und Texterfahrungen wirklich zutage.“[2] Ausgehend von diesem Grundsatz schließen sich neben dem „Vermitteln von Lernstoffen“ weitere Ziele an. Im Idealfall sollte der/die SchülerIn durch den Literaturunterricht zum Erkennen der Nützlichkeit und Natürlichkeit der Literatur befähigt werden.

Produktive Verfahren können Sinnlichkeit, Gefühle, Phantasie und Tätigkeitsdrang der SchülerInnen ansprechen. Praktisches Lernen soll daran erinnern, dass Denken, Handeln und Wissen zusammengehören. Bloße Zurkenntnisnahme kann als Weg zum Wissen durch eigene Erfahrungen vermieden werden. Es können Erfahrungen gemacht werden, die die SchülerInnen mit eigenen Händen greifen, mit eigenen Sinnen vollziehen, mit eigener Aktivität bewältigen können. Individuelles kann erst im eigenen Text und anschließend auch in der Literatur wiedergefunden werden. Die bei der oft unbefriedigenden Analysemethode auftretende Frustration kann auf dieser Weise vermieden werden.

Weiterhin wird in dieser Methode berücksichtigt, dass ein Großteil der SchülerInnen sich am allgemein üblichen analysierenden Interpretationsunterricht nicht beteiligt. Beim Produzieren eigener Texte haben auch mehr sinnlich ausgerichtete oder weniger begabte SchülerInnen eine Chance, dem üblichen Leistungsprinzip zu entgehen.[3] Die entstehenden Schülertexte können anschließend auch als Unterrichtsmaterial dienen.

Durch die Konkretisierung des Nachdenkens und der Vorstellungsbilder zu sichtbarem und greifbarem Mitwirken kann die Auseinandersetzung mit einem Text außerordentlich intensiviert werden. Die eigene Gestaltung als Form der Auseinandersetzung mit dem Textgegenstand wird auf diese Weise schon zur Interpretation. Durch die Gegenüberstellung von Literatur und eigenem Text werden bestimmte Kernpunkte ins direkte Blickfeld gerückt und Eigenarten der Machart an beiden auffällig. Die Schüler erleben die Muster in der Literatur, die sie durch Anwendung selbst erfahren haben. Waldmann drückt den Vorgang folgendermaßen aus: „Durch Erfüllung von Mustern werden Muster als solche wahrnehmbar.“[4] Spinner präzisiert weiter den „normsprengenden Charakter“ desselben Vorgangs: durch den freien, überschreitenden Umgang mit Normen (Mustern) entsteht ein Bewusstsein, das gezielte Kritik ermöglicht, neue Dimensionen erfahren lässt und die Normen durch den freien Spielraum entlastet.[5]

[...]


[1] Bremerich - Vos 1993, S. 28

[2] Haas / Menzel / Spinner, PD 123, S. 22

[3] Schülerproduktionen sollten im Idealfall nicht unter Benotungsdruck entstehen.

[4] Fingerhut / Melenk / Waldmann 1988, S. 140

[5] Spinner 1984, S. 13

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit Literatur am Beispiel: Das Schreiben von Kriminlaerzählungen
Hochschule
Universität Bremen  (FB Deutsch-Didaktik)
Veranstaltung
SS 2001
Note
3,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V9421
ISBN (eBook)
9783638161305
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungs-, Umgang, Literatur, Beispiel, Schreiben, Kriminlaerzählungen
Arbeit zitieren
Bettina Winkler (Autor), 2001, Handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit Literatur am Beispiel: Das Schreiben von Kriminlaerzählungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9421

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