"Nie wieder in seiner zwölfjährigen Geschichte sollte das NS-System einer so umfassenden
sozialwirtschaftlichen Krise derart nahe kommen wie zwischen März
und September 1934." (Tooze, 2007, S. 95) Zur Überwindung dieser Krise wurde ein Bündel von
verschiedenen Maßnahmen eingeführt, die unter dem Begriff Neuer Plan bekannt
wurden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den einzelnen Zielen
des Neuen Plans, den daraus abgeleiteten Maßnahmen und der Beurteilung
der Zielerreichung. Dabei wird zum einen auf die Zielsetzungen im Rahmen der
Überwindung der Devisenkrise, also hinsichtlich der "kurzfristigen Notlösungen" (Barkai, 1988, S. 168)
eingegangen. Darüber hinaus wird der Neue Plan in den Rahmen der
nationalsozialistischen Politik gestellt und hinsichtlich der sich daraus ergebenden
Zielsetzungen der Aufrüstung und der Bildung eines Großwirtschaftsraumes
untersucht. Für den Verlauf der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik ist der
Neue Plan von zentraler Bedeutung, denn "die für das Dritte Reich wirklich
wegweisenden wirtschaftspolitischen Entscheidungen wurden zwischen 1933 und
1934 gefällt und betrafen nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Auslandsschulden,
die Währung und die Aufrüstung." (Tooze, 2007, S. 55) Deshalb wird hier der Neue Plan nicht
nur aus devisenpolitischen, sondern auch aus rüstungs- und großraumpolitischen
Aspekten betrachtet werden, wobei die gesamtwirtschaftliche Betrachtung im Vordergrund
steht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgangslage
3 Ziele des Neuen Plans und Maßnahmen zur Zielerreichung
3.1 Importorientierung des Außenhandels
3.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel
3.1.2 Import nach dem ≫Grade der volkswirtschaftlichen Dringlichkeit≪
3.2 Strukturelle Veränderungen
3.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhandels
3.2.2 Importsubstitution
4 Beurteilung der Zielerreichung
4.1 Importorientierung des Außenhandels
4.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel
4.1.2 Import nach dem ≫Grade der volkswirtschaftlichen Dringlichkeit≪
4.2 Strukturelle Veränderung des Außenhandels
4.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhandels
4.2.2 Importsubstitution
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik, konkret die Ziele und Maßnahmen des sogenannten ≫Neuen Plans≪ von 1934, sowie dessen Erfolg bei der Überwindung der Devisenkrise und der angestrebten Autarkie im Hinblick auf Kriegsvorbereitungen.
- Analyse der Devisenbewirtschaftung und Einfuhrkontrolle
- Untersuchung der ≫Erzeugungsschlacht≪ und Bemühungen zur Importsubstitution
- Darstellung der geographischen Umstrukturierung der deutschen Außenhandelsbeziehungen
- Bewertung des Einflusses der Aufrüstung auf die wirtschaftspolitischen Entscheidungen
- Diskussion über das Scheitern oder Gelingen der autarkiepolitischen Ziele
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel
Im ersten Jahr nach der Einführung des ≫Neuen Plans≪ versuchte man durch Kontingentierungen und Einfuhrkontrollen den Import zu drosseln. Der Importreduktion war jedoch eine Grenze gesetzt, da durch die wachsende Rüstungsindustrie der Bedarf an Rohstoffimporten stieg und außerdem die Grundversorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln sichergestellt werden musste. Deshalb kam der Exportförderung eine große Bedeutung zu, denn nur durch die Ausfuhr von Gütern konnten die für den Import notwendigen Devisen beschafft werden. ≫Indem sich Hitler und Schacht 1933 gegen eine Abwertung ausgesprochen hatten, hatten sie zugleich die nahe liegenste Lösung für dieses Problem ausgeschlossen.≪
Es mussten also andere Maßnahmen getroffen werden, um den Trend der stetig sinkenden Exportraten aufzuhalten. Diese Maßnahmen der Exportförderung beinhalteten ≫(...) eine Vielzahl undurchschaubarer Kreditversicherungen, Kurssicherungen und Subventionen,≪ wobei hier exemplarisch die Exportsubventionen betrachtet werden.
Bereits 1932 wurde, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, das ≫Zusatzausfuhrverfahren≪ eingeführt. Dieses genügte jedoch offenbar nicht, den Export zu beleben, denn die Exporterlöse lagen im Sommer 1934 20 Prozent unter denen ein Jahr zuvor. Der Trend des stetig sinkenden Exports ist auch anhand Abbildung 1 zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der nationalsozialistischen Wirtschaftskrise ab 1934 und Darstellung der Forschungsfrage hinsichtlich des ≫Neuen Plans≪.
2 Ausgangslage: Analyse der weltwirtschaftlichen Krise, des Devisenmangels und der bereits in der Weimarer Republik getroffenen Maßnahmen als Vorläufer des ≫Neuen Plans≪.
3 Ziele des Neuen Plans und Maßnahmen zur Zielerreichung: Detaillierte Erläuterung der staatlichen Kontrolle über den Außenhandel, der Einfuhrlenkung nach Dringlichkeit sowie der Autarkiebestrebungen.
3.1 Importorientierung des Außenhandels: Beschreibung der Strategien zur Deviseneinsparung und Sicherung der notwendigen Rohstoffimporte für die Rüstung.
3.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel: Fokus auf Exportförderungsmaßnahmen und die Steuerung der Importe unter restriktiven Devisenbedingungen.
3.1.2 Import nach dem ≫Grade der volkswirtschaftlichen Dringlichkeit≪: Erklärung der administrativen Priorisierung bei der Warenimportgenehmigung durch Überwachungsstellen.
3.2 Strukturelle Veränderungen: Analyse der Verlagerung des Außenhandels auf Basis bilateraler Clearingabkommen zur Erreichung autarker Wirtschaftsräume.
3.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhandels: Untersuchung der verstärkten Handelsbeziehungen mit Südosteuropa zur Vermeidung von Devisenzahlungen.
3.2.2 Importsubstitution: Darstellung der Bemühungen zur heimischen Produktion von Ersatzstoffen, wie synthetischem Benzin und Kautschuk.
4 Beurteilung der Zielerreichung: Kritische Analyse des Erfolgs der Maßnahmen in den Jahren 1935 bis 1937 hinsichtlich Devisenkrise und Rüstung.
4.1 Importorientierung des Außenhandels: Überprüfung der Auswirkungen der Exportsubventionen und der Devisenbewirtschaftung.
4.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel: Bewertung, ob die Maßnahmen den Rohstoffbedarf der Rüstung decken konnten.
4.1.2 Import nach dem ≫Grade der volkswirtschaftlichen Dringlichkeit≪: Bilanz der Veränderung in der Warenzusammensetzung der Einfuhren zugunsten der Schwerindustrie.
4.2 Strukturelle Veränderung des Außenhandels: Bewertung des Bilateralismus und dessen ökonomische Konsequenzen.
4.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhandels: Analyse der Abhängigkeiten und der tatsächlichen Wirksamkeit der regionalen Umlagerung.
4.2.2 Importsubstitution: Prüfung der Effektivität von Ersatzstoffprogrammen zur Erreichung der Autarkie.
5 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass der ≫Neue Plan≪ die Devisenkrise nicht lösen konnte und den Weg für eine vollständige Instrumentalisierung der Wirtschaft für Rüstung und Krieg ebnete.
Schlüsselwörter
Neuer Plan, Hjalmar Schacht, Außenwirtschaftspolitik, Devisenbewirtschaftung, Autarkie, Rüstungswirtschaft, Bilateralismus, Clearingverfahren, Importsubstitution, Rohstoffmangel, NS-Wirtschaft, Großwirtschaftsraum, Exportförderung, Handelsbilanz, Krisenbewältigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik, insbesondere die Umsetzung und Wirksamkeit des ≫Neuen Plans≪ von 1934 im Kontext der damaligen Devisen- und Rohstoffkrise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Devisenbewirtschaftung, die staatliche Lenkung des Außenhandels, Strategien zur Exportförderung, der Bilateralismus im Handel sowie die Bestrebungen zur Importsubstitution und Autarkie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu beurteilen, ob der ≫Neue Plan≪ die Devisenkrise erfolgreich überwinden konnte und inwiefern er zur Sicherung der autarken Rüstungsproduktion beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptiv-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von zeitgenössischen Quellen, statistischen Daten und einer tiefgehenden Analyse der einschlägigen Fachliteratur zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ziele und Maßnahmen des ≫Neuen Plans≪ sowie deren anschließende kritische Beurteilung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und der daraus resultierenden strukturellen Veränderungen in der deutschen Außenwirtschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem: Neuer Plan, Devisenbewirtschaftung, Autarkie, Bilateralismus, Exportförderung, Importsubstitution und Rüstungswirtschaft.
Wie bewertet die Autorin den Erfolg des ≫Neuen Plans≪?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der ≫Neue Plan≪ zwar kurzfristig die notwendigsten Einfuhren sichern konnte, aber insgesamt nicht in der Lage war, die Rohstoff- und Devisenproblematik nachhaltig zu lösen oder die angestrebte vollständige Autarkie zu erreichen.
Welche Rolle spielte der Bilateralismus in der deutschen Handelspolitik?
Der Bilateralismus diente als Instrument, um den Außenhandel ohne knappe Devisen abzuwickeln, führte jedoch zur Unbeweglichkeit des Handels und zur wirtschaftlichen Abhängigkeit bestimmter Partnerstaaten, ohne das strategische Ziel eines blockadesicheren Großraums voll zu erfüllen.
- Quote paper
- Julia Ebert (Author), 2008, Die Zielsetzungen des "Neuen Plans" und deren Verwirklichung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94627