Die Zielsetzungen des "Neuen Plans" und deren Verwirklichung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

30 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausgangslage

3 Ziele des Neuen Plans und Maßnahmen zur Zielerreichung
3.1 Importorientierung des Außenhandels
3.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel
3.1.2 Import nach dem >Grade der volkswirtschaftlichen Dring­lichkeit«
3.2 Strukturelle Veränderungen
3.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhan­dels
3.2.2 Importsubstitution

4 Beurteilung der Zielerreichung
4.1 Importorientierung des Außenhandels
4.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel
4.1.2 Import nach dem >Grade der volkswirtschaftlichen Dring­lichkeit«
4.2 Strukturelle Veränderung des Außenhandels
4.2.1 Geographische Umstrukturierung des deutschen Außenhan­dels
4.2.2 Importsubstitution

5 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Entwicklung des deutschen Exportvolumens von 1929 bis 1934 in Milliarden Reichsmark

2 Deutscher Außenhandel von 1934 bis 1937 in Milliarden Reichsmark

Tabellenverzeichnis

1 Gütermäßige Zusammensetzung der deutschen Einfuhr 1928-1938 in Millionen Tonnen

2 Die Umlagerung des deutschen Außenhandels

1 Einleitung

„Nie wieder in seiner zwölfjährigen Geschichte sollte das NS-System einer so um­fassenden sozialwirtschaftlichen Krise derart nahe kommen wie zwischen Mörz und September 1934.“[1] Zur Überwindung dieser Krise wurde ein Bündel von verschiedenen Maßnahmen eingefuhrt, die unter dem Begriff >Neuer Plan« be­kannt wurden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den einzelnen Zielen des >Neuen Plans«, den daraus abgeleiteten Maßnahmen und der Beurteilung der Zielerreichung. Dabei wird zum einen auf die Zielsetzungen im Rahmen der Üö bewerwindung der Devisenkrise, also hinsichtlich der kurzfristigen Notloösun- gen“[2] eingegangen. Daröber hinaus wird der >Neue Plan« in den Rahmen der nationalsozialistischen Politik gestellt und hinsichtlich der sich daraus ergeben­den Zielsetzungen der Aufruöstung und der Bildung eines Großwirtschaftsraumes untersucht. Fur den Verlauf der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik ist der >Neue Plan« von zentraler Bedeutung, denn „die för das >Dritte Reich« wirklich wegweisenden wirtschaftspolitischen Entscheidungen wurden zwischen 1933 und 1934 gefaöllt und betrafen nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Auslandsschul­den, die Währung und die Aufriistung.“[3] Deshalb wird hier der >Neue Plan« nicht nur aus devisenpolitischen, sondern auch aus ruöstungs- und großraumpolitischen Aspekten betrachtet werden, wobei die gesamtwirtschaftliche Betrachtung im Vor­dergrund steht.

Zunächst wird die Ausgangslage erlautert, wobei insbesondere auf die außenwirt­schaftliche Krise und die bereits in der Weimarer Republik getroffenen Maßnah­men, wie die Devisenbewirtschaftung, das >Zusatzausfuhrverfahren« und den Bi­lateralismus, eingegangen wird, denn diese stellten die Weichen fur die Inhalte des >Neuen Plans«. Weiterhin von Bedeutung sind die Probleme, die sich för das NS-Regime nach der Machtergreifung ergeben hatten, sowie die Aufruöstungsziele Hitlers, die aus seiner Lebensraumideologie resultierten. Vor diesem Hintergrund sind die Ziele des >Neuen Plans« zu beurteilen. Nicht betrachtet wird hingegen das Ausmaß der Verantwortung Deutschlands an der Außenwirtschaftskrise. Anschließend werden die Ziele, die das NS-Regime durch den >Neuen Plan« ver­folgte, sowie Maßnahmen die zu deren Erreichung dienten, vorgestellt. Problema­tisch dabei ist teilweise die Abgrenzung, da manche Maßnahmen mehreren Zielen dienten und es Überschneidungen gibt. Üm die Arbeit besser zu strukturieren, werden zu den vorgestellten Zielen einzelne Maßnahmen, exemplarisch beschrie­ben. Dabei erfolgt zunöchst eine Aufteilung der Ziele in die Importorientierung des

Außenhandels und die strukturellen Veränderungen der Wirtschaft. Die Relevanz der Importorientierung des Außenhandels im Rahmen der Fragestellung lässt sich darin begränden, dass die kurz- und mittelfristige Sicherung der „fär die Wehr­wirtschaft unabdingbar notwendigen Versorgung“[4] von der Einfuhr abhängig war. Angesichts der Devisenkrise war die Importsicherung ein zentrales Ziel des >Neu- en Plans«. Um dieses zu erreichen wurden auf „dem Gebiet des Außenhandels (...) direkte Staatskontrollen fräher und drastischer als auf anderen Wirtschafts­gebieten eingesetzt.“[5] Deshalb werden anschließend die staatliche Regulierungen zur Einfuhrlenkung nach dem >Grade der volkswirtschaftlichen Dringlichkeit« be­trachtet. Desweiteren behandelt die Arbeit die Zielsetzungen des >Neuen Plans«, bezogen auf die strukturellen Veraänderungen in der deutschen Volkswirtschaft, die sich daraus ergaben, dass der >Neue Plan« „langfristig auf die Errichtung eines deutschen Großwirtschaftsraumes ab[zielte], soweit dies mit äkonomischen Mitteln möglich war.“[6] Zentrale Aspekte vor diesem Hintergrund sind die Umgestaltung der deutschen Außenhandelsbeziehungen und der Versuch, einen von der Rohstof­feinfuhr unabhängigen und somit blockadesicheren Binnenmarkt zu schaffen, die deshalb in dieser Arbeit aufgegriffen werden.

Der Zielbeschreibung folgend werden diese auf ihren Erfolg hin untersucht. Die Zielerreichung kann aus verschiedenen Perspektiven beurteilt werden, wobei sich diese Arbeit auf drei Faktoren konzentriert. Zum einen wird uberpriift, ob die Au­ßenhandelskrise durch den >Neuen Plan« äberwunden werden konnte. Weiterhin wird die Zielerreichung in Zusammenhang mit der Aufruästung bewertet, bevor schließlich beurteilt werden soll, ob die Zielsetzungen hinsichtlich des blockadesi­cheren Großwirtschaftsraumes erreicht werden konnten. Der zeitliche Rahmen der Zielbeurteilung erstreckt sich von 1935 bis maximal Kriegsbeginn.

Nicht behandelt werden in dieser Arbeit die Sichtweisen und die Reaktionen des Auslands auf den >Neuen Plans«, sowie die weltwirtschaftlichen Entwicklungen, die hier teilweise vernachlaässigt werden. Außerdem wird ebenso auf die Darstel­lung der Reaktionen der einzelnen Wirtschaftszweige und deren Bewertung der Zielerreichung verzichtet.

Die Literatur- und Quellenlage ist sehr ergiebig, da die nationalsozialistische Au­ßenwirtschaft haufiger Forschungsgegenstand ist. Einzelne Aspekte werden haufig kontrovers diskutiert. Hilfreich bei der Erstellung dieser Arbeit waren u.a. das kärzlich erschienene Werk von Tooze, die Schriften von Boelcke, Volkmann, Erbe, Herbst, um nur einige zu nennen. Zu einzelnen Punkten wurden zu spezielleren Themen verfassten Werke herangezogen.

2 Ausgangslage

Aus der im Jahr 1929 in den USA ausgelösten Weltwirtschaftskrise folgte für alle beteiligten Lander eine langanhaltende Depression, die zu einem gewaltigen Ab­sinken der Welthandeslpreise führte. Daraus resultierte vielerorts ein verstärkter Nationalismus, der den liberalen Welthandel ablöste und in hohen Importzöllen und Einfuhrhemmungen der jeweiligen Lander zum Ausdruck kam. Diese Entwick­lung zog ein drastisches Schrumpfen des Welthandels nach sich.[7] Deutschland, als ein rohstoff- und nahrungsmittelarmes Land, musste sowohl seine Reparationen aus dem 1. Weltkrieg als auch seine Importbeduörfnisse durch einen moöglichst ho­hen Export finanzieren.[8] Daher war es von dieser Entwicklung sehr betroffen, denn dem sinkenden Welthandelsvolumen entsprach in Deutschland ein schrumpfen­der Export (...).“[9] Eine drastische Verscharfung dieses Problems erfolgte zudem durch die von Großbritannien ausgehende Abwertungswelle. Am 20. September 1931 hob die Bank von England den Goldstandard auf, woraufhin bis Ende Sep­tember 12 Staaten dem Beispiel Großbritanniens folgten und ihre Wechselkurse freigaben. Deutschland hielt dagegen an der Goldpariöt fest und wertete nicht ab. Deshalb erlangte die Konkurrenz auf dem Weltmarkt einen erheblichen Wettbe­werbsvorteil gegenuöber Deutschland, da es durch den unguönstigen Wechselkurs seine Exportguter nur zu im Vergleich uberhohten Preisen anbieten konnte. Dar­aus folgte zwischen 1931 und 1932 ein Exportrückgang um 30 Prozent.[10] Eine weitere Ursache, die zu der angespannten wirtschaftlichen Lage im Jahr 1931 beitrug, war der wöhrend der Bankenkrise vom Juli 1931 erfolgte Abzug von auslöndischen Krediten. Die Kapitalflucht, die u.a. durch den Erfolg der NSDAP bei der Reichstagswahl im September 1930 und Reichskanzler Brönings Forderung nach einem Ende der Reparationen ausgelöst wurde, hatte einen erheb­lichen Devisenabfluss zur Folge, wodurch die zur Deckung der Wöhrung gehalte­nen Gold- und Devisenreserven der Reichsbank schrumpten.[11] Trotz des Hoover­Moratoriums vom 20. Juni 1931, das eine einjarige Ruhepause fìir internatio­nale Regierungsschulden und Reparationen vorsah,[12] war die Devisenlage derart prekör, dass eine Devisenbewirtschaftung eingeföhrt wurde. Mit der ersten Devi- sennotverordung vom 15. Juli 1931 wurde die freie Konvertierbarkeit der Reichs­mark aufgehoben,[13] private Devisenbestände waren der Reichsbank anzuzeigen und Importeure erhielten nur noch begrenzte Kontingente an Devisen.[14] Weiterhin versuchte man den Devisenabfluss durch ein Stillhalteabkommen für kurzfristige Auslandsschulden zu verringern.[15]

Die Devisenkontrollen trugen zwar zu einer Einschränkung des Importvolumens bei, jedoch spielten hierfür sowohl die fallenden Weltmarktpreise als auch der Nachfragerückgang nach Importwaren eine entscheidendere Rolle.[16] Außerdem war mit der Aufhebung der freien Konvertierbarkeit „zwar der Importseite bei der Leis­tungsbilanz Rechnung getragen worden; aber die deutschen Exporteure standen nun vor gewaltigen Hurden.[17] Eine Möglichkeit zu deren Überwindung hatte in der Abwertung der Reichsmark bestanden, indem man den Wechselkurs zum Pfund Sterling beibehalten hütte.[18] Diese Maßnahme wurde jedoch aus zwei entscheiden­den Grunden nicht ergriffen. Zum einen war im „üffentlichen Bewusstsein (...) eine Abwertung untrennbar mit den Erfahrungen einer Hyperinflation verbunden“,[19] da man davon ausging, dass durch sie die Importpreise erhoüht und so eine Inflati­on ausgeloüst werden wuürde. Der wahrscheinlich ausschlaggebende Grund fuür eine Entscheidung gegen die Abwertung bestand jedoch darin, dass sich durch sie die Auslandsschulden, die grüßtenteils in Fremdwührungen gezeichnet waren, erhoht hütten.[20]

Üm den unter diesen Ümstaünden permanent fallenden Export zu stuützen, fuührte Deutschland Ende des Jahres 1932 das sogenannte >Zusatzausfuhrverfahren« ein. Nach diesem Verfahren erhielten die Exporteure eine Entschüdigung fíir Verluste, die dadurch entstanden, dass im Wettbewerb mit Lündern, die abgewertet hat­ten, keine die Selbskosten deckenden Preise erzielt werden konnten.[21] Dazu wur­de durch die >Preispriifstelle«: der jeweiligen Wirtschaftsgruppe die Hühe dieses Verlustes für jedes Ausfuhrgeschüft individuell festgestellt und der Exporteur ent­sprechend kompensiert. Zur Finanzierung dieses Verfahrens wurden Erlöse, die die Golddiskontbank aus dem verbilligten Erwerb auslündischer Schuldentitel mach­te, genutzt.[22] Man versuchte so, die deutsche Exportförderung auf die deutschen Auslandsglaüubiger umzulegen.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, bestand also bereits ein ernshaftes Außenhandelsproblem.[23] Durch die nationalsozialistische Expansions­politik erhöhte sich der Druck auf die Zahlungsbilanz, da sie zu einer erhöhten Nachfrage nach Importgutern und einem weiter sinkenden Export fuhrte.[24] Die Lage verschlimmerte sich noch durch die Abwertung des US-Dollars im April 1933, denn es wurde immer schwieriger, mit dem sinkenden Exportvolumen die interna­tionalen Schulden zu bedienen und gleichzeitig die för die Wirtschaft notwendigen Importe zu zahlen.[25] Im Jahre 1934 wies die Handelsbilanz schließlich ein Defizit auf, sodass es offensichtlich war, „daß die lockere Devisenbewirtschaftung der vor­nationalsozialistischen Zeit ihre Aufgabe nicht mehr erfullen konnte.“[26] Dabei war dieses Defizit und der damit verbundene Abfluss an Devisen insbesondere auf den Exportröckgang zuröckzufuhren.[27] Durch die wirtschaftliche Erholung auf dem Binnenmarkt und der damit verbundenen Preisstabilisierung zeigte die deutsche Industrie trotz des >Zusatzausfuhrverfahrens« ein geringes Interesse an Export­geschäften.[28] Es herrschte also eine regelrechte >Exportmudigkeit> der deutschen Unternehmen.[29] Im Juni 1934 waren die Devisenbestönde der Reichsbank schließ­lich so knapp, dass diese töglich nur noch so viele Devisen verteilte wie sie ein­nahm,[30] wodurch der Außenhandel völlig zum Erliegen zu kommen drohte.[31] Aus der Androhung des Auslands von Zwangsclearing angesichts der wachsen­den Schuldenlast entstand die Erfordernis, eine umfassendere Staatskontrolle des Außenhandels und des auswörtigen Zahlungsverkehrs vorzunehmen.[32] Der aus die­sem Erfordernis resultierende >Neue Plan« wird Gegenstand der nöchsten Kapitel sein.

An dieser Stelle soll zunöchst der strukturelle Wandel in der deutschen Außenhan­delspolitik, der sich aus den oben genannten Umstaönden ergab, beschrieben und anschließend darauf eingegangen werden, wie dieser in die nationalsozialistischen Vostellungen einzuordnen ist.

Außer in Deutschland war 1931 in noch 15 weiteren europöischen und 7 ubersee- ischen Löndern eine Devisenbewirtschaftung eingeführt worden,[33] deren Folge in einer zunehmenden Bilateralisierung des Außenhandels bestand.[34] Da in diesen Ländern nur wenige Devisen vorhanden waren, versuchte man den Außenhandel aufgrund bilateraler Verträge ohne Devisenverkehr abzuwickeln, indem man Wa­ren gegenseitig tauschte oder verrechnete.[35] Die Abwicklung erfolgte nach dem Clearing-Verfahren, bei dem die beiden beteiligten Länder den Wert der Außen­handelsguter sich auf Clearingkonten gegenseitig gutschrieben und versuchten zu einem Ausgleich zu kommen.[36] Durch den Bilateralismus musste nun eine ausge­glichene Handels- und Zahlungsbilanz gegenäber jedem einzelnen Land angestrebt werden, was den Außenhandel erheblich verkomplizierte.[37] Deutschland schloss be­reits 1932 mit einigen osteuropäischen Landern sowie Österreich und Dänemark bilaterale Verrechnungsabkommen.[38] Mit Glaubigerlandern und Landern ohne De­visenbewirtschaftung, wie die nord- und westeuropäischen Staaten, versuchte man Zahlungsabkommen zu vereinbaren um bei Ausfuhrüberschüssen den Rückgriff auf deutsche Waren zur Schuldnerbefriedigung, also ein Zwangsclearing, zu ver­meiden.[39]

Das Prinzip des Freihandels und der Meistbegunstigung wurde also schrittweise durch das der Bilateralität ersetzt, sodass die Weichen fär die nationalsozialis­tische Außenhandelspolitik gestellt waren. Dass diese den eingeschlagenen Weg weitergehen wärden, kam z.B. im „Wirtschaftlichen Sofortprogramm“ von 1932 zum Ausdruck, in dem postuliert wurde, dass bei der Rohstoffeinfuhr befreunde­te europäische Staaten zu bevorzugen seien, insbesondere wenn sie im Gegenzug bereit waren, deutsche Fertigwaren zu importieren.[40] Diese Art der Außenhan­delspolitik sollte nach nationalsozialistischen Vorstellungen zu einer Bildung von autarken Wirtschaftsraumen fuhren,[41] was letztendlich zu Hitlers Lebensraum­forderung und der Vorstellung einer deutschen Großraumwirtschaft passte.[42] Öb diese nationalsozialistischen weltanschaulichen Grundauffassungen der Rassen­ideologie, verbunden mit der Autarkie- und Großraumtheorie, so etwas wie ein außenwirtschaftliches Programm darstellten, wird kontrovers diskutiert.[43] Hitlers Ziel bestand letztendlich darin, eine Versorgung des deutschen Reichs mäoglichst unabhängig vom Ausland durch die Eroberung neuen Lebensraumes zu gewahr- leisten.[44] Dass er dieses mit kriegerischen Mitteln zu erreichen gedachte, machte er bereits in >Mein Kampf« deutlich.[45] Zunächst sollte jedoch versucht werden, ein höchstmögliches Maß an Selbstversorgung zu erreichen, um unabhangig vom Aus­land die Aufrüstung vorantreiben zu können, die zur Erreichung dieses Ziels not­wendig sei.[46] Da Hitler allerdings erkannt hatte, dass die Rohstoffarmut Deutsch­lands eine vollkommene Unabhöngigkeit vom Ausland zunachst nicht zuließ, sollte der Außenhandel sich darauf beschrönken, die Guter zu beschaffen, die im In­land nicht vorhanden waren.[47] Die Außenwirtschaft wurde also dem Primat der Auflistung unterworfen[48] und um diese unter den oben beschriebenen wirtschaft­lichen Gegebenheiten zu verwirklichen, wurde der >Neue Plan« konzipiert.

3 Ziele des Neuen Plans und Maßnahmen zur Zielerreichung

Im September 1934 verkundete Reichswirtschaftsminister und Reichsbankprösi- dent Hjalmar Schacht den >Neuen Plan«, der in einer umfassenden und direkten Staatskontrolle des gesamten deutschen Außenhandels bestand.[49] Diese kam in einer Vielzahl von einzelnen Maßnahmen zum Ausdruck,[50] „deren gesetzliche Re­gelung und praktische Durchfuhrung zeitlich gestaffelt zwischen Frühjahr 1934 und Fruhjahr 1935 erfolgten.“[51] Die Öffentlichkeit erfuhr von Schachts >Neu- em Plan« durch die > Verordnung öber den Warenverkehr« vom 4. September 1934,[52] die dessen Kernstöck bildete.[53] Durch den >Neuen Plan« sollte die „au­ßenwirtschaftliche Entwicklung in riistungsökonomische Bahnen“[54] gelenkt wer­den, da Schacht davon ausging, dass alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Durchföhrung des Rustungsprogrammes untergeordnet werden mußten.[55] Im Fol­genden werden die Ziele, die mit dem >Neuen Plan« verfolgt wurden, beschrieben. Öbwohl diese eng miteinander verflochten sind, und die dargestellten Maßnahmen teilweise mehreren Zielen dienten, erfolgt hier eine Abgrenzung um die einzel­nen durchgefuöhrten Maßnahmen und deren Erfolg besser darstellen zu koönnen. Dabei soll zunachst das primöre Ziel der Überwindung der Devisenkrise darge­stellt werden, denn dem >Neuen Plan« „lag einmal das Bestreben nach kurz- und mittelfristiger Sicherstellung der für die Wehrwirtschaft unabdingbar not­wendigen Versorgung zugrunde.“[56] Die Erfordernis einer Neuregelung des Au­ßenhandels ergab sich zweifelsfrei aus der Devisenkrise und der beunruhigenden Entwicklung.[57] Anschließend wird auf die geographische Umstrukturierung des deutschen Außenahndels sowie binnenwirtschaftliche Autarkisierungsmaßnehmen eingegangen, denn der >Neue Plan« zielte daruber hinaus „langfristig auf die Errichtung eines deutschen Großwirtschaftsraumes ab, soweit dies mit ökonomi­schen Mitteln möglich war.“[58] Durch den >Neuen Plan« war entschieden, dass die Wirtschaftspolitik in diese Richtung gehen sollte,[59] da das Deutsche Reich anhand einer Wöhrungsabwertung und der Ruckkehr zu multilateralem Handel einen anderen Kurs zur Krisenuberwindung hötte einschlagen können, ohne sich dabei vom Ausland abzukoppeln.

3.1 Importorientierung des Außenhandels

Durch den >Neuen Plan« verstärkte sich die Importorientierung des Außenhan­dels,[60] da „die Einfuhr zwangsweise auf die vorhandenen Zahlungsmöglichkeiten abgestimmt“[61] werden sollte. Dabei bestanden die wesentlichen Grundsatze des >Neuen Plans« für die Einfuhr darin, dass nur so viel eingefuhrt werden sollte, wie im Gegenzug auch durch Exporte finanziert werden konnte,[62] und dass „die Einfuhr nach dem Grade der Volkswirtschaftlichen Dringlichkeit“[63] zu erfolgen hatte. Die sich daraus ergebenden Maßnahmen der Exportfoörderung und Einfuhr­lenkung werden im Folgenden beschrieben.

Das Ziel der Exportfoörderungs- und Importbeschraönkungsmaßnahmen bestand allerdings nicht darin, durch Exportuberschösse die Beschöftigung zu erhöhen. Sie sollten vielmehr die nachteiligen Auswirkungen der inlöndischen Konjunktur­politik auf die Zahlungsbilanz kompensieren, sodass die nationalsozialistische Au­ßenhandelsbewirtschaftung lediglich eine >komplementare« Maßnahme darstellte, die öbergeordneten Zielen dienen sollte.[64] Diese öbergeordneten Ziele bestanden in der Sicherung der Wehrmachthaftung des Deutschen Reichs.[65] 3.1.1 Importsicherung trotz Devisenmangel

Im ersten Jahr nach der Einführung des >Neuen Plans« versuchte man durch Kontingentierungen und Einfuhrkontrollen den Import zu drosseln.[66] Der Import­reduktion war jedoch eine Grenze gesetzt, da durch die wachsende Rüstungsin­dustrie der Bedarf an Rohstoffimporten stieg und außerdem die Grundversorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln sichergestellt werden musste. Deshalb kam der Exportfürderung eine große Bedeutung zu, denn nur durch die Ausfuhr von Gütern konnten die fur den Import notwendigen Devisen beschafft werden.[67] „Indem sich Hitler und Schacht 1933 gegen eine Abwertung ausgesprochen hatten, hatten sie zugleich die nahe liegenste Lüsung für dieses Problem ausgeschlossen.“[68] Es mussten also andere Maßnahmen getroffen werden, um den Trend der ste­tig sinkenden Exportraten aufzuhalten.[69] Diese Maßnahmen der Exportförderung beinhalteten ,,(...) eine Vielzahl undurchschaubarer Kreditversicherungen, Kurssi­cherungen und Subventionen,“[70] wobei hier exemplarisch die Exportsubventionen betrachtet werden.

Bereits 1932 wurde, wie bereits an anderer Stelle erwühnt, das >Zusatzausfuhrver- fahren« eingefuhrt. Dieses genugte jedoch offenbar nicht, den Export zu beleben, denn die Exporterlüse lagen im Sommer 1934 20 Prozent unter denen ein Jahr zuvor.[71] Der Trend des stetig sinkenden Exports ist auch anhand Abbildung 1 zu erkennen.

Die Gründe dafíir bestanden u.a. darin, dass die Verlustausgleichssatze zu gering waren, um den Abwertungsnachteil auf den internationalen Märkten zu kompen­sieren. Zudem war das Verfahren zu umstüandlich und risikobehaftet, um Aus­fuhranreize zu setzen.[72] Deshalb kam es im Sommer 1934 zu einer Reformierung der Exportfürderung. Diese bestand insbesondere darin, dass nun unabhängig von den Selbstkosten der Exportwaren, Pauschalsaütze fuür die Ausfuhr bestimm­ter Waren gezahlt wurden, woduch zum einen der Aufwand für die Exporteure erheblich reduziert wurde und zum anderen nun sogar Gewinne erzielt werden konnten.[73] Zusatzlich wurden die Verlustausgleichssatze angehoben, um die Wett- bewerbsfahigkeit der deutschen Unternehmen auf dem Weltmarkt zu erhohen.[74] Durch diese Reformmaßnahmen wurden Exportanreize fur die Unternehmen ge-

Abbildung 1: Entwicklung des deutschen Exportvolumens von 1929 bis 1934 in Milliarden Reichsmark

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1937. Internationale Übersichten. D. Außenhandel. Seite 131. Nach eigenen Berechnungen.

setzt.[75] Seit 1933 gelang es der nationalsozialistischen Regierung jedoch immer we­niger, „(...) die Finanzierung der Exportförderung auf das Ausland abzuwälzen.“[76] Über zwei Drittel des deutschen Exportvolumens wurde von der Reichsbank nach eigenen Schötzungen mit 25 Prozent suvbentioniert.[77] Davon konnten besten­falls zwei Drittel aus dem Ausland beschafft werden.[78] Deshalb sollte die Ex­portförderung nun möglichst durch die gewerbliche Wirtschaft selbst getragen werden[79]. Zu diesem Zweck wurde von Schacht im Friihjahr 1935 eine allgemei­ne > Exportumlage«: durchgesetzt, die von jeder Wirtschaftsgruppe der Industrie aufgebracht werden musste.[80] Dadurch wurden die Gewinne, die aus dem durch die Aufruöstung hervorgerufenen Aufschwung resultierten, dem Exportsektor zu- geführt.[81] Die wertmößige Höhe der Exportsubventionierung lösst sich nach der Auffassung Boelckes allerdings aufgrund der Vielzahl an Exportförderungsmaß­nahmen nicht generell bestimmen.[82]

Eine weitere Maßnahme zur Exportfoörderung bestand in der Beguönstigung der Export-Industrien bei der Rohstoffzuteilung.“[83]

[...]


[1] Adam Tooze: (Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus.

München 2007. Seite 95.

[2] Avraham Barkai: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 1988. Seite 168.

[3] Tooze: (Ökonomie. Seite 55.

[4] Hans-Erich Volkmann: Die NS-Wirtschaft in Vorbereitung des Krieges. In: Militärgeschichtli­ches Forschungsamt (Hg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 1. Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkrieges. Stuttgart 1979. Seite 307.

[5] Avraham Barkai: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Frankfurt 1988. Seite 164.

[6] Volkmann: NS-Wirtschaft. Seite 307

[7] Vgl. Willi A. Boel>

[8] Vgl. Willi A. Boel>

[9] Volkmann: NS-Wirtschaft. Seite 213.

[10] Vgl. Tooze: Ökonomie. Seite 41 f..

[11] nVgl. Tooze: (Ökonomie. Seite 37-41.

[12] Vgl. Peter Longerich: Deutschland 1918-1933. Die Weimarer Republik. Handbuch zur Ge­schichte. Hannover 1995. Seite 300.

[13] Verordnung über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln. 15.07.1931. Reichsgesetz­blatt 1931 I. Seite 366-368.

[14] Tooze: (Ökonomie. Seite 41.

[15] Vgl. Rene Erbe: Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik 1933-1939 im Lichte der moder­nen Theorie. Zürich 1958. Seite 70.

[16] Vgl. Barkai: Wirtschaftssystem. Seite 164.

[17] Tooze: (Ökonomie. Seite 41.

[18] Vgl. Boel>

[19] Tooze: (Ökonomie. Seite 43.

[20] Vgl. ebenda.

[21] Vgl. Boel>

[22] Vgl. Barkai: Wirtschaftssystem. Seite 168.

[23] Vgl. Michael Ebi: Export um jeden Preis. Die Deutsche Exportförderung von 1932-1938. Stutt­gart 2004. Seite 12.

[24] Vgl. Erbe: Wirtschaftspolitik. Seite 70.

[25] Vgl. Tooze. Ökonomie. Seite 74.

[26] Erbe: Wirtschaftspolitik. Seite 70.

[27] Vgl. Barkai: Wirtschaftssystem. Seite 166.

[28] Vgl. Boel>

[29] Vgl. Theodor Pütz: Die deutsche Wirtschaft im Engpaß der Jahre 1933-1937. Berlin 1938. Seite 44.

[30] Vgl. Süren Dengg: Deutschlands Austritt aus dem Vülkerbund und Schachts »Neuer Plan«. Zum Verhältnis von Außen- und Außenwirtschaftspolitik in der Übergangsphase von der Wei­marer Republik zum Dritten Reich (1929-1934) Frankfurt am Main u.a. 1986. Seite 377.

[31] Vgl. Tooze: Ökonomie. Seite 96.

[32] Vgl. Erbe: Wirtschaftspolitik. Seite 71.

[33] Vgl. Werner A. Fischer: Devisenclearing. Die Entwicklung der Zahlungs- und Verrechnungs­abkommen in Deutschland. In: Wilhelm Keding (Hg.): Schriftenreihe zum „Devisenarchiv“. Berlin 1937. Seite 12.

[34] Vgl. Ebi: Export. Seite 26.

[35] Vgl. Volkmann: Die NS-Wirtschaft. Seite 232.

[36] Vgl. ebenda.

[37] Vgl. Reichsbankdirektor Blessing. Zitiert nach Boel>

[38] Vgl. Ebi: Export. Seite 27.

[39] Vgl. Boel>

[40] Vgl. Wirtschaftliches Sofortprogramm Seite 17. Zitiert nach Volkmann: NS-Wirtschaft. Seite 233.

[41] Vgl. Ferdinand Fried: Autarkie. Jena 1932. Seite 126

[42] Vgl. Boel>

[43] Vgl. ebenda

[44] Vgl. ebenda.

[45] Vgl. Adolf Hitler: Mein Kampf. München 1927. Seite 741.

[46] Vgl. Volkmann: NS-Wirtschaft. Seite 234.

[47] Vgl. Hans-Erich Volkmann: (Ökonomie und Expansion. Grundzüge der NS-Wirtschaftspolitik. In: Militürgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Beitrüge zur Militärgeschichte. Band 58. München 2003. Seite 106.

[48] Vgl. Boel>

[49] Vgl. Barkai: Wirtschaftssystem. Seite 167.

[50] Vgl. Dengg: Austritt aus dem Vülkerbund. Seite 404.

[51] Ludolf Herbst: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Die Entfesselung der Gewalt: Rassismus und Krieg. Frankfurt am Main 1996. Seite 120.

[52] Vgl. Boel>

[53] Vgl. Dengg: Austritt aus dem Vülkerbund. Seite 404.

[54] Volkmann: Die NS-Wirtschaft. Seite 302.

[55] Vgl. Denkschrift Schachts über die Finanzierung der Aufrustung Deutschlands. 3.5.1935. IMT. Band 27. Seite 50. Zitiert nach Volkmann: Die NS-Wirtschaft. Seite 302.

[56] Vgl. Volkmann: Die NS-Wirtschaft. Seite 307.

[57] Vgl. Dengg: Austritt aus dem Völkerbund. Seite 406.

[58] Ebenda.

[59] Vgl. Tooze: Ökonomie. Seite 113.

[60] Vgl. Boel>

[61] Hjalmar Schacht: 76 Jahre meines Lebens. Bad Wörishofen 1953. Seite 415.

[62] Vgl. Boel>

[63] Ebenda

[64] vgl. Erbe: Wirtschaftspolitik. Seite 81.

[65] Vgl. Volkmann: NS-Wirtschaft. Seite 302.

[66] Vgl. Boel>

[67] Vgl. Ebi: Export. Seite 12.

[68] Tooze: (Ökonomie. Seite 103.

[69] Vgl. ebenda.

[70] Eckart Teichert: Autarkie und Großraumwirtschaft in Deutschland 1930-1939. Außenwirt­schaftspolitische Konzeptionen zwischen Wirtschaftskrise und Zweitem Weltkrieg. München 1984. Seite 42.

[71] Vgl. ebenda.

[72] Vgl. Ebi: Export. Seite 240.

[73] Vgl. ebenda.

[74] Vgl. ebenda.

[75] Vgl. Ebi: Export. Seite 241.

[76] Ebenda.

[77] Vgl. Tooze: (Ökonomie. Seite 120.

[78] Vgl. ebenda.

[79] Vgl. Boel>

[80] Vgl. ebenda.

[81] Vgl. Tooze: Ökonomie. Seite 121.

[82] Vgl. ebenda. Seite 45.

[83] Erbe: Wirtschaftspolitik. Seite 71.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Zielsetzungen des "Neuen Plans" und deren Verwirklichung
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar f¨ur Wirtschafts- und Sozialgeschichte)
Veranstaltung
Wirtschaft im Nationalsozialismus
Note
2.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V94627
ISBN (eBook)
9783640106882
ISBN (Buch)
9783640214976
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zielsetzungen, Neuen, Plans, Verwirklichung, Wirtschaft, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Julia Ebert (Autor), 2008, Die Zielsetzungen des "Neuen Plans" und deren Verwirklichung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94627

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