Das Werk Walthers von der Vogelweide in der Überlieferung des Mittelalters


Referat (Ausarbeitung), 1995

27 Seiten


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Inhalt

Einleitung

Die Überlieferung Walthers im Mittelalter

Die drei großen Liedersammlungen des Mittelalters
1. Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift
2. Die Weingartner Liederhandschrift
3. Die Große Heidelberger oder Manessische Liederhandschrift

Zur Überlieferung in weiteren Handschriften

Melodien-Überlieferung

Zusammenfassung

Literatur

Abbildungen

Einleitung

Aus althochdeutscher und und frühmittelhochdeutscher Zeit sind nur die wenigsten Dichtungen unter dem Namen ihrerer jeweiligen Dichter bekannt. Daßwir Autoren wie Otfrid von Weißenburg oder Notker namentlich kennen, ist wohl als eine glückliche Ausnahme anzusehen. Für diese Zeit war es allgemein üblich, Dichtung anonym zu sammeln, der Dichter trat hinter seinem Werk zurück.1 Auch machen die Fülle der Überlieferungen aus dieser Zeit vor allem lateinische Texte aus.

Obwohl das Werk Walthers von der Vogelweide in seiner ursprünglichen Gesamtheit unbekannt ist und uns nur im Umfang der überlieferten Abschriften zugängig wurde, gehört Walther zu den uns heute am reichlichsten überlieferten Dichter-Sängern seiner Zeit. Die Lebenszeit Walthers von der Vogelweide wird in den Zeitraum von ungefähr 1170 bis nach 1228 datiert. Walther ist als Person nur einmal, für das Jahr 1203, urkundlich nachweislich belegt.2 Ein weiterer urkundlicher Beleg mußhypothetisch bleiben. Darum lassen sich die Stationen seines Lebens, seiner Situation und seiner Umwelt nur aus seinem Werk erschließen. Von den erhaltenen Abschriften sind die meisten erst lange nach dem Tod des Dichters angefertigt worden; ein Autograph Walthers ist bislang nicht bekannt.

Zum Ende des Mittelalters geriet der bis dahin sehr bekannte Walther allmählich in Vergessenheit. Am längsten hat sich sein Werk noch in der Tradition der Meistersinger erhalten, die Minnesanglyrik in ihr Repertoire aufgenommen hatten, darunter auch Walthertexte. Walther selber wurde als einer ihrer Lehrer ausgegeben und als böhmischer Landherr dargestellt. So dichtete Wagenseil:

Der Fünfft Herr Walther hies,

war ein Landherr aus Böhmen gewiss

von der Vogelweid war schön. 3

Nach einigen Erwähnungen Walthers als mittelalterlicher Dichter in frühneuzeitlichen Büchern, zu nennen wäre hier Johann Stumpfs Schweizer Chronik Bd. 1 von 1548, wo Walther als Ritter am Hof König Philipps bezeichnet wird,4 erschienen dann erst im 18. Jahrhundert vereinzelte Übersetzungen von Walther-Texten in neuhochdeutscher Sprache. Eine umfassende Edition zum Werk Walthers von der Vogelweide gab Karl Lachmann (1793- 1851) im Jahre 1827 heraus, indem er die von Friedrich August Wolf entwickelte philologische Textkritik als erster auf mittelalterliche Texte anwandte. Seine Edition wurde bis heute zwar mehrfach bearbeitet, bildet aber bis heute im Kern immer noch die Grundlage aller wissenschaftlichen Arbeiten zu Walther. Lachmanns Bemühen war, möglichst zu den ,,originalen" Textfassungen Walthers vorzudringen, wobei er jedoch Gefahr lief, letztlich nur ein Kompositum der verschiedenen Überlieferungen in Verbindung mit seinen eigenen Gedanken geschaffen zu haben.5 Die moderne Forschung ist von der Lachmannschen Verfahrensweise abgerückt und benutzt nun mittelalterliche Texte als Leithandschriften, in dem Bewußtsein, daßdiese zwar dann nicht der Originalfassung Walthers völlig entsprechen, jedoch zumindest in einer engen zeitlichen Verbindung zu Walther stehen.

Karl Lachmann kannte 26 verschiedene Handschriften von Walther-Texten und führte die heute benutzte Systematik zur Kennzeichnung dieser Handschriften ein; seit Lachmann sind weitere Textzeugen entdeckt worden, so daßheute rund 30 Handschriften bekannt sind.

Die Überlieferung Walthers im Mittelalter

Da Walther, wie sich aus seinen Texten schließen läßt, keine Einkünfte von Hause aus besaß,6 war er darauf angewiesen, wie viele seiner Kollegen auch, daßihm ein Gönner die nötigen Mittel zum Lebensunterhalt zur Verfügung stellte. Neben Arbeiten, in denen er sein persönliches Befinden, Denken und Fühlen ausdrückt, findet sich darum eine Fülle von Texten, die speziell zu bestimmten Gelegenheiten und für bestimmte Empfänger entstanden sind. Die Dichtung Walthers war mit Melodien unterlegt und zum Vortrag vor Publikum bestimmt. Bei Walthertexten, die mehrfach in unterschiedlichen Fassungen überliefert sind, müssen darum nicht unbedingt Nachlässigkeiten der Schreiber vermutet werden, sondern sie können ganz bewußt verändert worden sein, um sie an unterschiedliche Aufführungssituationen anzupassen.7

Daßsich große Teile seines Schaffen erhalten haben, hat zwei Gründe. Zum einen war das Werk Walthers im Mittelalter innerhalb des deutschsprachigen Raumes weit verbreitet, er selber war als Dichter namentlich sehr bekannt. Dafür sorgte neben seinem unsteten Wanderleben auch der Umstand, daßseine Dichterkollegen, zeitgenössische und nachfolgende, ihn in ihren Werken oft lobend erwähnten. In diesem Zusammenhang sind als Beispiele zu nennen: Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg, Ulrich von Singenberg, der Marner, Rubin, Hermann Damen, Reinmar von Brennenberg, Rudolf von Ems.

Dieser hohe Bekanntheitsgrad machte es, daßWaltherdichtung tradiert wurde, wobei nicht festzustellen ist, ob diese frühe Überlieferung nur mündlich, oder auch schon schriftlich erfolgte. Neben einem grundsätzlichen Interesse an Walther ist zu vermuten, daßvor allem die Texte überliefert worden sind, die eine besonderes Interesse weckten. Das wird naturgemäßbesonders bei den Arbeiten der Fall gewesen sein, die einen bestimmten Empfängerkreis betrafen, oder die sich auf mißliebige Konkurrenten bezogen.

Der zweite Grund, daßuns so viele Walthertexte überliefert wurden liegt in dem glücklichen Umstand, daßgerade in und kurz nach der Zeit des Wirkens Walthers von der Vogelweide ein Interessenswandel einsetzte. Man begann, vor allem in dem Jahrhundert nach Walthers Tod, auf breiter Basis deutsche lyrische Texte zu sammeln und sie in Büchern zusammenzufassen. Dabei stand man auch der Person des Dichters nicht mehr uninteressiert gegenüber, sie erlangte im Zusammenhang mit der Dichtung für die Sammler große Bedeutung. Es ist verständlich, daßdarum gerade Dichter mit hohem Bekanntheitsgrad wie Walther, die besondere Aufmerksamkeit der Sammler fanden. Das Sammeln und Aufschreiben höfischer Liedkunst mußals kultureller Akt gegolten haben, mit dem man gesellschaftlichen oder sogar herrschaftlichen Anspruch dokumentieren konnte. 8 Bestimmten Menschengruppen, wie z.B. die dem Patriziat angehörenden Glieder des sogenannten Manesse-Kreises, bot es eine Möglichkeit, sich in den Besitz eines Stücks höfischer Kultur zu setzten und das Kulturleben der großen Höfe zu kopieren.

Bis zu dieser Zeit hatte man vor allem lateinische Texte codiziert, Prachthandschriften waren ausschließlich für biblische Texte oder liturgischen Gebrauch geschaffen worden. Eines der ersten Werke, das eindeutig als planvolle Sammlung erkennbar ist, ist die um 1230 entstandene Carmina Burana. Sie steht aber noch am Beginn der Entwicklung, denn hier wurden vor allem Lieder in lateinischer Sprache gesammelt und fast ausschließlich noch anonym überliefert. Deutsche Strophen finden sich dort vor allem als Einzelstrophen.9

Von herausragender Bedeutung für die Dichtung des Mittelalters, sind die drei großen Liedersammlungen des Mittelalters, in denen sich eine Vielzahl von Walther-Texte überliefert haben, die beiden Heidelberger Liederhandschriften und die Weingartner Liederhandschrift, die deshalb auch als die wichtigsten Quellen zu Walther von der Vogelweide zu nennen sind. Daneben sind aber auch vereinzelte Walthertexte in kleineren Liedersammlungen, Sammelhandschriften und Handschriftfragmenten zu finden. Walther-Texte finden sich in diesen Quellen zum einen unter seinem Namen, dann aber auch einem fremden Autor zugeordnet. Weiter wurden auch anonyme Walther-Texte entdeckt, die ihm durch den Inhaltsvergleich verschiedener Handschriften zugeschrieben werden konnten. Es dürfen weiterhin nicht die Texte vergessen werden, die zwar heute nicht mehr vorliegen, aber deren frühere Existenz auf Grund von Nennungen belegt ist.

Eine vollständige Handschrift mit Walther-Texten existiert nicht. Verschiedene Texte erscheinen mehrfach, teilweise identisch, teilweise variiert, andere sind nur einmal zu finden. Unterschiede der einzelnen Handschriften zueinander ergeben sich zum einen durch Fehler der Schreiber, zum anderen aber durch eine schon von vornherein variierte Aufzeichung basierend auf unterschiedlichen Darbietungssituationen und der damit verbundenen Anpassung der Texte. Ebenfall wurden Texte verändert durch Scheinverbesserungen und bewußtes Anpassen an die sprachlichen, literarischen und kulturellen Konventionen von Schreibern und Sammlern.10

Die drei großen Liedersammlungen des Mittelalters

Die beiden Heidelberger und die Weingartner Liederhandschrift gelten als die Haupthandschriften zum mittelhochdeutschen Minnesang. Eine zugrundeliegende gemeinsame Urschrift aller drei Handschriften ist ebensowenig feststellbar wie eine direkte Abhängigkeit dieser Handschriften untereinander. Allerdings stehen sie in einem engen Zusammenhang und deutliche Gemeinsamkeiten zwischen der Großen Heidelberger Liederhandschrift mit der Kleinen Heidelberger Handschrift, sowie zwischen der Großen Heidelberger Liederhandschrift und der Weingartner Liederhandschrift weisen auf jeweils gemeinsame Vorlangen hin, den Quellen *AC und *BC, zwischen denen wiederum keine direkte Abhängigkeit zu bestehen scheint. Gemeinsam haben die 3 genannten Handschriften das Autorenprinzip, d.h., die Texte sind nach den Dichtern geordnet, wobei in der Großen Heidelberger Liederhandschrift und der Weingartner Liederhandschrift anscheinend zusätzlich eine Ordnung nach dem Stand des Dichters angestrebt wurde. Ein sehr wichtiger Umstand, denn er bezeugt den Wandel, der in der Haltung gegenüber den Dichtern eingetreten ist. Sie treten aus der Anonymität hervor und werden mit ihrem Werk verbunden. Gemeinsam sind der Großen Heidelberger sowie der Weingartner Liederhandschrift darüber hinaus noch das Prinzip, das dem jeweiligen Grundstock der Texte ein (fiktives) Autorenportrait vorangestellt ist und ihre großzügige Nutzung des Pergaments den repräsentativen Charakter der Prachtbände unterstreicht. Lothar Voetz mutmaßt, daßdiese Gemeinsamkeiten auf das Vorbild der angenommene Quelle *BC zurückzuführen sind.11

1. Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift

Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift wird nach Lachmann auch mit den Siglen ,,A" und ,,a" bezeichnet. Lagerort ist die Universitätsbibliothek Heidelberg, Signatur cpg 357 (Codex Palatinus Germ.) Diese Liedersammlung ist auf 45 Pergamentblättern verfaßt, im Format 18,5 x 13,5 cm. Das Werk ist bis auf die farbigen Initialen, abwechselnd rot oder blau, sehr schmucklos und ohne Darstellungen. Die Handschrift ist einspaltig angelegt, und in einem Schriftstil ausgeführt, der zwischen gotischer Minuskel und Textura liegt. Dafür spricht die Einheitlichkeit der Buchstaben, die Geschlossenheit des Schriftbildes mit kräftige Buchstaben. Die Schäfte sind nach rechts einfach, teils zweifach gebrochen, ,,a" ist doppelstöckig, rundes ,,S" einer ,,8" ähnlich, ,,t" mit langem Querstrich, Verschmelzung der Buchstaben durch enges Aneinanderstehen und Berühren der Schäfte, Hervorhebungen von Abschnitten durch durch wesentlich vergrößerte Majuskelbuchstaben (=Initialen.) Auf Grund dieser Schrift wird die Liederhandschrift A zum Ende des 13. Jhdts. datiert, frühestens in das Jahr 1275. Der Behauptung, diese Handschrift sei im Auftrage des Straßburger Bischofs Konrad von Lichtenberg (1273-1299) entstanden, entbehrt jeder Beleg. Allerdings vermutet auch Schweikle den Entstehungsort im Elsaß.12

Auf einen frühen Besitzer weist ein Randvermerk hin, wonach der Schreiber dieses Vermerks im Jahre 1387 einem hensselin schuemacher 11 Schafe gegeben hat (Bl. 44). Auf einem anderen Blatt (Bl.45) ist der Ortsname Limburg zu entziffern.

Als erster faßbarer Vorbesitzer ist der Pfälzer Kurfürst Ottheinrich zu nennen, aus dessen Bibliothek sie im Zuge des 30jährigen Krieges 1623 in die Vaticana in Rom kam, von wo sie dann aber 1816 nach Heidelberg zurückkehren konnte.

Die Liedersammlung enthält auf den ersten 40 Blättern Gedichte von 34 namentlich genannten Dichtern. Ab Blatt 40 rectus finden sich Nachträge, die ohne Nennung des Autors zusammengestellt sind. Insgesamt finden sich rund 800 Strophen, darunter ist die Sammlung unter Walthers Namen die umfangreichste mit 151 Strophen. Lachmann bezeichnete das Werk in seinem Kern mit ,,A", die Nachträge mit ,,a". Der Grundstock stammt von einem Schreiber, der Anhang von 5 verschiedenen Händen. Während der Teil ,,A" auf eine Entstehung im Elsaßhinweist, deuten die Nachträge eher in den mitteldeutschen Raum. Strophen von Walther finden sich an 4. Stelle zwischen Reimar dem Jungen und dem von Morungen auf Blatt 5 v - 13 v. Außer vollständigen Strophen finden sich 3 Fragmente (La 9,16; La 34,34; La 111,5). Neben den anonymen Strophen des Anhangs, finden sich sowohl dort, wie auch in dem Grundstock der Handschrift, Strophen, die anderen Autoren zugeschrieben wurden. Die Autorenschaft Walthers konnte vor allem dadurch erhärtet werden, daßsie in anderen Handschriften unter Walthers Namen feststellbar sind. So können Walther Strophen vor allem unter den Liedern der Dichter Reimar, Truchseßvon St. Gallen und Hartmann von Aue festgemacht werden. Vollständig überliefert sind in der Hs. A drei Töne: Reichston, 2. Philippston und Meißnerton.

Laut Schweickle erscheinen vom Ottenton 5 (von 6) Strophen, vom König FriedrichsTon 5 (von 20) Strophen, vom Unmutston 13 (von 18) Strophen, weiter die Einzelstrophe 104,33. Anonym aufgeführt sind 1 Strophe (von 3) vom König HeinrichsTon und 2 Strophen vom Leopoldston (von 6).13

2. Die Weingartner Liederhandschrift

Die Liederhandschrift ,,B" - ,,b" oder Weingartner Liederhandschrift soll eine Auftragsarbeit sein, die angeblich durch den dem Manesse Kreis zugerechneten Heinrich von Klingenberg initiiert wurde. Dieser Annahme fehlt allerdings der Beweis, und es steht ihr entgegen, daßdie Handschrift auf Grund kunsthistorischer Merkmale in das zweite Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts datiert wird, hingegen Heinrich von Klingenberg aber schon 1306 gestorben ist. Heutiger Lagerort ist die Württembergische Landesbibliothek (HB XIII 1). Erster nachweisbarer Besitzer des Buches war der Konstanzer Schultheis Marx oder Marx Schultheis aus Konstanz, der die Liederhandschrift im Jahre 1613 dem Kloster Weingarten schenkte.

Abbildung Walthers in der Weingartner Liederhandschrift

Die Handschrift besitzt das Format 15 x 11,5 (Kleinoktav) und enthält 156 paginierte Blätter, 25 Miniaturen, Initialen strophenweise abwechselnd in rot und blau. Auf Grund der Paginierung werden die Stellenangaben in der Weingartner Liederhandschrift nicht in Blatt, sondern in Seitenangaben vorgenommen. Wie Handschrift A ist die Weingartner Liederhandschrift einspaltig und in gotischen Minuskeln geschrieben. Auch hier findet sich eine Kernsammlung, die Lachmann ,,B" nennt. Einen eingeschobenen zweiten Teil mit Reimar-Liedern (S. 86-103), der, ohne den Namen des Dichters zu nennen, an die Strophen des Heinrich von Morungen angehängt ist, wurde von Lachmann mit ,,b" bezeichnet. Die Liederhandschrift ist zum überwiegenden Teil deutlich gegliedert, jedem Textkorpus ist der Name des Dichters und eine Miniatur vorangestellt. Die Hs B/b enthält überwiegend Autoren aus der Zeit um 1200.

Strophen Walthers von der Vogelweide befinden sich an letzter Stelle des mit Abbildungen versehenen Teiles, auf den Seiten 139 - 170. Hier finden sich von ihm 112 Strophen. Andere, nicht unter Walthers Namen verzeichnete Strophen, müssen ihm zugerechnet werden, da sie ihm in anderern Handschriften zugeschrieben werden. Sie erscheinen in der Liederhandschrift B/b unter den Namen der Dichter Hartmann von Aue und Reimar.

Die 34 Spruchstrophen Walthers bilden eine Ausnahme unter den überwiegend Minnelyrik enthaltenden Sammlungen. Nach Schweickle sind von den 13 Spruchreihen drei vollständig überliefert:

Reichston, 1. Philippston und Kaiser Friedrichs Ton. Vom 2. Philippston findet sich nur l Strophe (von 5), vom Ottenton erscheinen 3 Strophen (von 6), vom König Friedrichs-Ton 7 Strophen (von 20; die Reihe istüberdies untermischt mit 2 Strophen aus dem Unmutston und 1 Strophe des Truchsessen von St. Gallen), vom Unmutston 7 Strophen (von 18; auch diese Reihe mit einem Einsprengsel aus dem 2. Philippston und 4 Stro phen aus dem König Friedrichs-Ton), vom Wiener Hofton 2 (von 14) Strophen weiter eine Einzelstrophe (Unmutston-Variante, 37,2i). Es fehlen vor allem die späteren Töne: Engelbrechtston, König Heinrichs-Ton, Atze, Lcopolds-, Meißner- und Bognerton, ferner die drei Einzelstrophen 85,25,104,23 und 104,33. 14

3. Die Große Heidelberger oder Manessische Liederhandschrift

Die Große Heidelberger Liederhandschrift trägt die Sigle ,,C", heutiger Verwahrort ist die Universitätsbibliothek Heidelberg Signatur cpg 848 (Codex Palatinus Germ.). Die Handschrift enthält 426 Pergamentblätter in Folioformat (35,5 x 25 cm), dazu 2 weitere Blätter, die wohl erst im 17. Jahrhundert hinzugefügt wurden. Der erste Einband war ein Holzdeckeleinband. Er existiert nicht mehr, läßt sich aber auf Grund von Spuren nachweisen. Ein Brettchen des Vorderdeckels hatte sich abgelöst, und so das Pergament an dieser Stelle vergilben lassen. Eine ursprüngliche Eisenkette gegen Diebstahl hat Rostflecke auf der ersten Seite hinterlassen. Währende die Handschrift in französischem Besitz war, erhielt sie 1680 einen Ziegenleder-Einband mit den Initialien König Ludwigs XIV. Der jetztige Einband, ein schlichter Ledereinband, ist der Handschrift 1927 in Leipzig zugefügt worden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Handschrift ist mit 137 Miniaturen ausgestattet, die ursprünglich durch Seidentücher geschützt wurden und oberhalb der Bilder angenäht waren. Diese Miniaturen sollten ein Bild des jeweiligen Dichter vermitteln, dessen Strophen anschließend folgen.

Seite aus der Handschrift C fol 125

Die Handschrift ist zweispaltig mit jeweils 46 Textzeilen pro Seiten eingerichtet. Die Strophen sind durch zweizeilige Initalen voneinander abgesetzt, die Initialen der Strophenanfänge sind größer, häufig über 3 Zeilen laufend. Der Text der Strophen ist durchlaufend, dem Leser werden die Verse durch sogenannte Reimpunkte kenntlich gemacht. Die Initialen sind zweifarbig, wobei entweder die Farben rot oder blau als Grundfarben benutzt sind. Innerhalb des gleichen Tons tragen die Initialen die gleiche Grundfarbe. Bislang wurden 7 verschiedene Schreiber festgestellt, wobei der Grundstock der Dichter, zu dem auch Walther gehört, von einem Schreiber geschrieben wurde, den die Wissenschaft mit ,,As" bezeichnet.

Die Handschrift C ist zu Beginn des 14. Jhdts. entstanden. Der Auftraggeber ist der Handschrift ist unbekannt, allerdings gibt es weitreichende Spekulationen dazu. Unter anderem auf Grund des Züricher Dialektes aus der Zeit des beginnenden 14. Jhdts. wird vermutet, daßdie Handschrift im oder für den sogenannten Manessekreis geschaffen wurde. Von diesem berichtete der Dichter Hadlaub, daßgerade der Vater (Rüdiger) Manesse, ein vermögender Kaufmann und Mitglied des Züricher Stadtadels, unausgesetzt danach trachtete, Lieder zu sammeln. Da Hadlaub in der Handschrift durch künstlerischen Schmuck besonders hervorgehoben wurden, wird vermutet, daßdie Hs. C das Ergebnis der von Hadlaub proklamierten Sammelleidenschaft war.15 Der Name Manessische Liederhandschrift wurde durch den Gelehrten Bodmer 1748 geprägt und hat sich im Volksmund durchgesetzt. Der erste nachweisliche Eigentümer war spätestens ab 1607 der Kurfürst von der Pfalz. Im 30jährigen Krieg ging die Liederhandschrift verloren und wurde dann 1656 an Ludwig XIV von den Gebrüdern Dupuy geschenkt. Es ist zu vermuten, daßMaria Stuart, Witwe des pfälzischen Kurfürsten und Winterkönigs von Böhmen, Friedrich V., aus finanziellen Grunden gezwungen war, die Handschrift zu veräußern.

Im Jahr 1888 gelang es dem Buchhändler Karl Ignaz Trübner die Manessische Handschrift gegen eine größere Zahl französischer Handschriften zu tauschen. 400 000 Mark stellte ein kaiserlicher Dispositionsfond für diesen Büchertausch zur Verfügung. Im 2. Weltkrieg befand sich die Handschrift in Nürnberg, jetzt ist sie in der Ruprecht-Karls Universität zu Heidelberg verwahrt.

Innerhalb der 140 Sammlungen mit rund 6000 Strophen von Lyrikern zwischen 1150 und etwa 1320 füllt Walthers Sammlung die Blätter 124 -145 V. Sie ist mit 444 Strophen, darunter 113 Spruchstrophen, und einem Leich die umfangreichste der Handschrift.

Schweickle verzeichnet dazu, daßbei 9 Spruchreihen der Initiator oder Sammler der Handschrift alle ihm erreichbaren Strophen aufgeschrieben zu haben scheint. Bei 4 Tönen finden sich in anderen Handschriften Zusatzstrophen, so beim 1. Philippston, beim König Friedrichs-Ton, beim Unmutston und Leopoldston. Nach drei der 13 Spruchstrophenreihen ist jeweils Platz für weitere Einträge freigelassen: nach dem Bognerton (nach C 290) für 3 weitere Strophen, nach den 3 Strophen des 1. Philippstons (nach C 293) für 4 weitere Strophen und nach dem Wiener Hofton (nach C 307) für 3 weitere Strophen. Vier Spruchreihen sind nicht geschlossen eingetragen: Strophen des 2. Philippstons tauchen an drei Stellen auf (C 104, C 124/125, C 125a = C 104, C 363/364, s. Komm. zum Ton); Strophen des Ottentons begegnen an zwei Stellen der Handschrift (C 9/11 und C 360/362), ebenso die Strophen des Kaiser Friedrichs-Tons / Engelbrechtstons (C 4/8 und C 35/40); 1 Strophe (C 359) im König Friedrichs-Ton ist durch ein Randzeichen an die richtige Stelle verwiesen, der Unmutston ist an zwei Stellen (C 330, C 333-338) von Tonvarianten unterbrochen. 16

Für die Handschrift C ist nicht nur ein mit B gemeinsamer Vorläufer *BC benutzt worden, sondern auch eine mit E gemeinsame Vorstufe *EC. Da die Hs C im Laufe der Zeit neben dem Grundstock des Schreibers ,,As" von 6 weiteren Händen ergänzt wurde, sind die Gemeinsamkeiten von Hs C mit anderen Handschriften oft schwierig zu erkennen. Die 6 weiteren Schreiber haben bei aus anderen Handschriften stammenden Nachträgen diejenigen Texte ausgelassen, die in C bereits vorhanden waren, und haben somit den Kontext der Nachträge verletzt.17

Zur Überlieferung in weiteren Handschriften

Die hier vorgestellten Texte folgen der auf die Systematik Karl Lachmanns aufbauenden Darstellung in Litterae 7 ,,Walther von der Vogelweide".

4. Handschrift c,

heute Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin, mgf 779. Bei dieser Handschrift handelt es sich um 279 Blätter im Format 30,8 x 21,2 aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ursprünglich sollen diese Blätter aus Nürnberg stammen und enthalten neben verschiedenen Texten eine Sammlung von 132 Liedern , die vom Sammler oder Schreiber fälschlich als das Werk Neidhards angesehen wurden. Hier findet sich als Lied Nr. 144 ein dreistrophiges Lied Walthers von der Vogelweide. Lachmann kannte diese Quelle nicht, allerdings kannte er die Strophen aus den Handschriften A / E und schrieb sie Walther von der Vogelweide zu.

5. die Handschriften D und H,

Heidelberger Handschrift cpg 350, heute: Universitätsbibliothek Heidelberg. Diese Handschrift besteht aus ursprünglich drei von einander unabhängigen, nun aber zusammengebundenen Teilen.

Der erste führt die Bezeichnung ,,D" und ist Ende des 13. Jahrhunderts in Mitteldeutschland entstanden. Er besteht aus 43 Pergament Blättern im Format 24x15 cm mit roten Initialen. D enthält auf Bl. 1-36 215 Strophen Reimers von Zweter, daran anschließend namenlose Strophen verschiedener Verfasser. Es finden sich darunter 18 namenlos aufgezeichnete Strophen Walthers, darunter 12 Spruchstrophen im Wiener Hofton, auf den Blättern 38v - 40v. Eine Zuschreibung zu Walther konnte auf Grund von anderen Handschriften erfolgen; eine Walther-Strophe ist nur aus D bekannt (La 140,1)

Der zweite Teil der Heidelberger Handschrift 350 wird von Lachmann mit ,,H" bezeichnet. H besteht aus 22 Pergament Blättern ebenfalls im Format 24x15 mit roten Initialen. Er stammt von der Hand eines thüringischen Schreibers und enthält eine Sammlung von geistlichen, ebenfalls namenlosen Strophen, wovon 5 Walther zugeschrieben werden konnten (Blatt 55v- 56r in der Gesamtzählung).

Der dritte Teil der Sammelhandschrift enthält lyrische Gedichte.

6. Handschrift E - e,

Würzburger Handschrift -, heute: München Cod. Ms. 731. der Codex besteht aus 285 Pergamentblättern im Format 34,5x26,5 cm, mit roten Überschriften und Initialen aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts. Ursprünglich war die Handschrift im Besitz des Würzburger Prokurators Michael de Leone und bildete den 2. Teil eines Hausbuches mit deutscher und lateinischer Lyrik und Prosa. Darunter finden sich auf Bl 168v - 191v auch Strophen von Walther von der Vogelweide und von Reimar. Ein Teil der unter dem Autor Reimar verzeichneten Strophen sind ebenfalls von Walther von der Vogelweide, was durch andere Überlieferungen wahrscheinlich wird. Zwischen den Seiten mit Walther-Texten und den Strophen von Reimar fehlen 7 Blätter. Von diesen müssen 4-4½ Blätter Strophen von Walther enthalten haben. Auf Grund der Lücke sind in der Würzburger Handschrift vor allem Minnelieder überliefert, jedes überschrieben mit ,,her walther". Walther und Reimar waren durch ein unbekanntes Gedicht eines dritten Autors getrennt. Lachmann bezeichnete Walthers und Reimars Strophen 1-341 mit ,,E" und die Reimarstrophen 342-376 mit ,,e".

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nennung Walthers in Handschrift E fol 47

Von Besonderem Interesse ist diese Quelle zum einen wegen der Anrede Walthers mit ,,Herr", zum anderen wegen der Mitteilung, daßWalther von der Vogelweide zu Würzburg begraben ist (Bl. 191v). Die Nähe zu C läßt auf eine gemeinsame Vorstufe *EC schließen.18

7. Handschrift F,

die Weimarer Liederhandschrift. - Diese Handschrift war früher in der Thüringischen Landesbibliothek gelagert und ist heute in den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur unter der Signatur Q 564. Die Handschrift besteht aus 142 Papierblättern im Format 18,5 x 15 cm und soll in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts im Nürnberger Raum entstanden sein. Die Bindung ist nicht original, bei einer Neubindung wurden die Blätter 107-127 in falscher Reihenfolge gebunden. Die Weimarer Handschrift enthält neben anonymen Strophen, Reimpaar-Reden und 2 Fastnachtsspiele. Die auf Blatt 101R - 106V sowie auf Blatt 109 verzeichneten Strophen ohne Verfasserangaben sind durch andere Handschriften als das Werk Walthers von der Vogelweide ausgewiesen.

8. Handschrift G

Lagerort ist die Bayrische Staatsbibliothek München, Signatur cgm 5249/74. Hierbei handelt es sich um ein einzelnes Pergamentblatt (Doppelblatt) mit roten Initialen (Format 15 x 11 cm). Es ist bayrischer Provenienz und stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Ursprünglich handelte es sich um das Deckblatt einer Lage. Ohne Angabe des Verfassers enthält das Blatt 21 Strophen, die bis auf Strophe 17 und 21 in anderen Quellen Walther oder Reimar zugeschrieben werden.

9. Handschrift i,

die Rappoltsteiner Parzival Handschrift in der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen, Cod. - perg. No. 97. Pergamenthandschrift aus 320 Blättern 36,5x26,5 cm. Ursprünglicher Besitzer war das Haus Rappoltstein-Helfenstein. Von dort gelangte die Handschrift wahrscheinlich auf dem Erbweg in die Fürstenbergische Bibliothek. Die Handschrift enthält den Parzival des Wolfram von Eschenbach mit einem Einschub von den bürgerlichen Straßburger Autoren Philipp Colin und Claus Wisse, die zwischen Wolframs 14. und 15. Buch 36420 Verse einflochten. (1331-1336). Die Schreibarbeit wurde von zwei Straßburger Schreibern besorgt. Zwischen dem ersten Wolfram-Teil und dem Einschub finden sich anonym, wahrscheinlich als Füllung gedacht, 7 lyrische Strophen. Diese Strophen konnten 5 verschiedenen mittelalterlichen Dichtern zugeordnet werden, darunter an erster Stelle Walther von der Vogelweide (= La 93,7 ).

10. Handschrift i 2,

Teilabschrift der Rappoltsteiner Parzival Handschrift. Lagerort: Bibliotheca Casanatense, Rom, Signatur 1409. 182 Blätter 39 x 27 cm auf Pergament. Alter, Herkunft und Geschichte dieser Handschrift ist unklar. Der Abschrift fehlt der erste Teil des alten Parzival, sie beginnt mit den 7 lyrischen Strophen. Die Handschrift war Lachmann nicht bekannt.

11. Handschrift J,

die Jenaer Liederhandschrift. Lagerort ist die Universitätsbibliothek Jena, ohne Signatur. Die Jenaer Liederhandschrift ist aus 133 Pergamentblättern gefertigt im Format 56 x 41 cm. Sie soll Mitte des 14. Jahrhunderts im niederdeutschen Raum entstanden sein. Initialen und Majuskeln blau-rot oder abwechseln rot und blau. In ihr finden sich Texte von 28 verschiedenen Dichtern, dazu der Sängerkrieg auf der Wartburg. Die Texte der Handschrift sind nach Tonautoren und Tönen geordnet. Die Hs J soll den zweiten Band einer usprünglich wesentlich umfangreicheren, 2 bändigen Liederhandschrift darstellen, vermutlich die im Wittenberger Bücherverzeichnis von 1437 aufgeführten Bände 1 + 2, libri magni cum noti s. Diese Annahme wird damit begründet, daßHs J mit einer Kontrafraktur von Walthers Leich beginnt, wobei vermutet wird, daßder erste Band mit dem Original-Leich von Walther endete. Weiterführend wird angenommen, daßLeich und Kontrafraktur den Abschlußeines größeren Walther Corpus bildeten.19

Die Handschrift hat eine außerordentliche Bedeutung, weil sie neben den Texten auch die Melodien zu 91 Liedern beinhaltet. Auch wenn Walther hier nicht als Dichter namentlich genannt ist, konnten Strophen von ihm unter dem Namen des Dichters ,,Meyster Rumelant" festgestellt werden, da diese Texte in der Großen Heidelberger Liederhandschrift zu finden sind (Bl. 47v / 48 r).

12. Handschrift k.

Lagerort: Universitätsbibliothek Heidelberg, Signatur cpg 341. Pergamenthandschrift mit 374 Blättern im Format 31 x 22,5 cm. Sie besitzt rote Überschriften und rote und blaue Initialen. Die Handschrift soll in Böhmen im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts entstanden sein. Es handelt sich hierbei um eine Sammelhandschrift mit Reimpaargedichten, die zu Vorlesezwecken angefertigt wurde und ist nach der Einschätzung Rosenhagens die umfangreichste ihrer Art.20 Sie enthält 213 Dichtungen der verschiedensten Autoren, darunter auf Bl. 6 v - 7 v an 2. Stelle den Leich Walthers von der Vogelweide. Walther ist als Autor nicht benannt, sein Text geht ohne deutliche Abschnittmarkierung in den Leich Reimars von Zweter über.

13. Handschrift k2.

die Kaloczaer mittelhochdeutsche Sammelhandschrift. Lagerort: Bibliotheca Bodmeriana Genf-Cologny, Signatur: Cod. Bod. 72, ursprünglich Metropolitanbibliothek Kálocsa. Pergamenthandschrift aus 333 Blättern 34 x 25,5 cm. Sie steht, wenngleich nicht identisch, in ihrer Anlage und ihrem Inhalt sehr eng mit der Handschrift k in Zusammenhang. Der Leich Walthers befindet sich an gleicher Stelle wie in k und ist ebenfalls nicht als Walthers Werk kenntlich gemacht. Es wird vermutet, daßk2 mit k eine gemeinsame Vorlage hatte, oder daßk2 eine Abschrift von k ist.

14. Handschrift l. 21

Wiener Handschrift. Lagerort Östereichische Nationalbibliothek Wien, Signatur: cvp 2677. Handschrift aus 119 Pergamentblättern im Format 30 x 21,5 cm, angefertigt in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie ist mit roten Überschriften und roten und blauen Initialen versehen und enthält eine Sammlung geistlicher Dichtung, vorwiegend Mariendichtung. Da hier der Leich in der selben Anordnung und mit den gleichen umgebenden Dichtungen wie in k2 zu finden ist, gilt l als Teilabschrift von k2.

15. Handschrift L.

Lagerort Bayrische Staatsbibliothek München, Signatur cgm 44. 129 Pergamentblätter im Format 18,5 x 12,5 cm, mit roten Überschriften und Initialen, im späten 13. Jahrhundert entstanden und in bayrisch-österreichischer Mundart abgefaßt. Die Handschrift beinhaltet den ,,Frauendienst" des Ulrich von Lichtenstein. Zwischen den Strophen 776 und 777 befindet sich, als anonymes Zitat bezeichnet, die Waltherstrophe La 56,14.

16. Handschrift M.

die Handschrift der Carmina Burana. Bayrische Staatsbibliothek München, clm 4660. Handschrift auf 112 Pergamentblättern im Format 25 x 17 cm. Versehen mit Miniaturen und Neumen (Vorgänger der Notenschrift), reicher Initialschmuck. Ursprünglich im Besitz des Klosters Benediktbeuren, entstanden im 13. Jahrhundert enthält die lateinischen Lieder der Carmina Burana. Im Anschlußan die Lieder 151, 169 und 211 findet sich je eine deutsche Liedstrophe, die in anderen Handschrift Walther zugerechnet werden.

17. Handschrift m.

die Möserschen Bruchstücke. Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Signatur mgq 795. 6 Pergamentblätter im Format 22 x 17 cm mit roten Verzierungen. Es handelt sich hierbei um aus Einbanddeckeln abgelöste Bruchstücke einer niederdeutschen Liederhandschrift aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Interessant in dieser Handschrift sind 11 bzw. 9 Strophen, die auf Blatt 3 v unter der Überschrift ,,Walts" zu finden sind. Diese Strophen werden allerdings in anderen Handschriften Reimar dem Alten und Hartmann von Aue zugeschrieben und sind darum in der Waltherforschung sehr umstritten. Lachmann kannte diese Strophen nicht.

18. Handschrift N.

Lagerort Stiftsbibliothek Kremsmünster in Oberösterreich, Cod. 127. 132 Blätter aus Pergament im Format 23 x 16,5 cm mit roten Verzierungen. Die Handschrift, ein lateinisches Psalterium aus dem frühen 14. Jahrhundert, enthält zwischen den liturgischen Texten ohne Verfasserangabe 7 Liedstrophen, davon die ersten Zeile neumiert, die in anderen Handschriften Walther zugeschrieben werden. Blatt 130 R+V.

19. Handschrift n.

Ehemals aus dem Besitz der Ratsbibliothek Leipzig, heute Universitätsbibliothek Leipzig, Rep. II fol 90 a. Pergamenthandschrift mit 102 Blättern 23 x 15 cm aus dem 14. Jahrhundert. Die Handschrift stammt aus dem Niederrheingebiet und enthält in lateinischer Sprache chronikalische Nachrichten. An diese Chronik ist eine Sammlung deutscher lyrischer und epischer Texte angebunden, verziert mit abwechseln blauen und roten Initialen. Die Angabe der Verfasser fehlt. Darunter etliche sichere, aber auch einige umstrittene Walther-Strophen. In niederrheinischer Mundart.

20. Handschrift O.

Verschollen. Früher: Preußische Staatsbibliothek Berlin, ehemalige Sig-natur mgo 682. 2 Pergamentblätter vom Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Kölner Raum mit blauen Verzierungen. Gehörte ursprünglich in eine Sammlung von Pergamenten, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Buchdeckeln abgelöst worden waren. Die Handschrift enthielt 44 anonyme Strophen, die Walther von der Vogelweide zugerechnet worden waren. Teilweise Lücken zwischen dern Strophen durch Blattbeschnitt. Es existiert noch eine Transkription von Carl von Kraus. Lachmann kannte diese Handschrift nicht.

21. Handschrift o.

Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin, mgq 284. Pergamenthandschrift aus 197 Blättern im Format 20,5 x 16,5 cm bestehend mit roten Verzierungen. Entstanden in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Kölner Raum. Diese Sammelhandschrift enthält die Sächsische Weltchronik (van Ripechoue), verschiedene Reimpaar-Reden, den Tristan Gottfrieds von Straßburg mit der Fortsetzung des Ulrich von Türheim. Dazwischen 7 lyrische Strophen Walthers von der Vogelweide (auf Bl. 63V eine fragmentarische Strophe aus dem König FriedrichsTon) darunter das Tagelied des Markgrafen von Hohenburg. In niederrheinischer Mundart.

22. Handschrift p.

Burgerbibliothek Bern, Cod. 260. Handschrift aus Pergament mit 286 Blättern im Format 28,5 x 20 cm. Wahrscheinlich Mitte des 14. Jahrhunderts in Straßburg entstanden mit roten Überschriften und Initialen. Die Handschrift enthält vor allem lateinische Werke, darunter eine Chronik des Mathias von Neuenburg. Dazwischen 36 deutsche Strophen, zumeist anonym, genannt sind als Dichter nur Neidhart und Morungen. Die Strophen 30 - 32 werden Walther zugesprochen.

23. Handschrift q.

Universitätsbibliothek Basel, B. XI 8. 163 Pergamentblätter im Format 11,5 x 8,3 mit roten Verzierungen, im 14. Jahrhundert im alemannischen Sprachraum entstanden. Die Handschrift enthält, teilweise mit Noten versehen, lateinische und deutsche Texte in Prosa und in Versen. Am Ende findet sich eine Strophen unter Walthers Namen, die nur hier überliefert ist. (La 38,10)

24. Handschrift r.

Zentralbibliothek Zürich, Ms. Z. XI. 302. Pergamenthandschrift mit 106 Blättern 30,5 x 21 cm, mit roten Überschriften und roten und blauen Initialen. Die früher in der Juristischen Bibliothek befindliche Handschrift enthält den Schwabenspiegel, eine alemannische Fassung aus dem 13. / 14. Jahrhundert. Am Schlußder Handschrift jeweils mit Verfassernamen 2 deutsche Lieder und eine Einzelstrophe, letztere von Walther von der Vogelweide und nur hier verzeichnet.

25. Handschrift s.

- Haager Liederhandschrift. Königliche Bibliothek Den Haag, Cod. E 2.

67 Pergamentblätter im Format ca. 24 x 18 cm mit roten Verzierungen. Die Handschrift soll um 1400 im Niederrheingebiet entstanden sein und enthält 115 lyrische Gedichte, vor allem Minnegedichte. Von Walther sind 16 Strophen, bei denen Walther entweder mit Namen benannt ist, oder die ihm auf Grund anderer Handschriften zugeschrieben werden können.

26. Handschrift t.

sogenannte Kolmarer Liederhandschrift, Bayrische Staatsbibliothek München, Signatur cgm 4997. 856 Papierblättern im Format 29,5 x 20 cm mit roten Überschriften, Initialen und Verzierungen. Sie ist entstanden Ende des 15. Jahrhunderts, angeblich in Mainz, und gilt als Haupthandschrift des Meistersangs. 1546 für die Kolmarer Meister-Sänger-Schule angekauft, in den Wirren der französischen Revolution verloren gegangen, 1857 durch die Bayrische Staatsbibliothek bei einem Baseler Buchhändler erworben. Neben den Texten von mehr als 900 Liedern, meist aus dem 14. und 15.Jhdt., enthält die Handschrift 105 Melodien, teilweise für mehrere Texte gedacht. Unter den Liedern befinden sich mehrere Strophen von Walther von der Vogelweide, z. T. unter dessen Namen, zum Teil ihm zugeschrieben, darunter 3 Strophen aus dem König Friedrichs-Ton integriert in 2 Meisterlieder.

27. Handschriften U x und U xx.

Wolfenbütteler Fragmente. Landeskirchliches Archiv Braunschweig H 1a. 2 Pergamentdoppelblätter (= Ux) und 4 Teile eines Pergamentblattes Uxx, ursprünglich 15,5 x 10,5 cm mit blauen und roten Initialen. Soll in Mitteldeutschland Ende des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Die Pergamente waren ursprünglich in der Klosterbibliothek des Klosters Riddagshausen als Einbandmaterial benutzt worden und wurden im 19. Jahrhundert von einem Wolfenbütteler Bibliothekar entdeckt. Nach einem Prozeßwegen entfremdeten Kircheneigentums kamen die Fragmente wieder in kirchlichen Besitz und waren zeitweise nicht erreichbar. Ohne Verfasserangaben enthalten die Fragmente anonyme Strophen, teils vollständig, teils in Resten, wovon 35 Strophen Walther von der Vogelweide zugeschrieben werden. 6 dieser Strophen sind nur hier verzeichnet.

28. Quellen x, y.

Waltherstrophen in der Möhringer Ballade. In einer Ballade, dem ,,Lied vom edelen Möringer", die oft überliefert ist, allerdings nur in 2 späten Handschriften, ansonsten in Drucken, befinden sich als Zitat Walther Strophen.

29. Fragmente w x, w xvii und w xx.

Alle Handschriftfragmente gehörten ursprünglich zusammen und waren Bestandteil einer Handschrift des 13. Jahrhunderts aus dem Kölner Raum. Rot-grüne Initialen, rote und blaue Majuskeln. Der Schreiber der Fragmente w soll aber nicht, wie bisher angenommen, aus dem Kölner Raum sondern aus der weiteren Umgebung Braunschweigs stammen.22

Handschrift w x sind 2 Fragmente, die auf den Innendeckeln eines Psalters in die Wolfenbütteler Bibliothek gerieten und dort entdeckt und abgelöst wurden. Kamen 1930 in das Landeskirchliche Archiv. Die beiden Fragmente enthalten Teile von 7 Strophen Walthers, die ihm in anderen Handschriften zugeschrieben werden.

Handschrift w xvii und w xx, die sogenannten Heiligenstädter Fragmente. Heute beide verschollen. Beide Fragmente gehörten als vordere und hintere Vorsatzblätter zu einem Sammelband mit Kölner Drucken der Jahre 1505-8, der von der Preußischen Staatsbibliothek aus dem Besitz des Heiligenstädter Gymnasiums erworben wurde.

Handschrift w xx , ehemals Preußische StB Berlin mgo 462 und seit 1945 verschollen, enthielt ohne Verfasserangabe 3 vollständige Strophen (König Friedrichs-Ton) und 1 fragmentarische Strophe; eine davon ist nur hier überliefert.

Handschrift w xvii war schon zu Zeiten der Auffindung nicht entzifferbar. Es existiert ein Transkriptionsversuch.

Von beiden Fragmenten existieren Abbildungen.

30. Handschrift Z,

- das Münstersche Fragment. Aufbewahrort: Staatsarchiv Münster, Signatur Ms. VII 15. Ein Pergament-Doppelblatt im Format 22 x 14,5 cm mit roten Initialen. Z soll Mitte des 14. Jahrhunderts im Rheinland entstanden sein. Allerdings vertritt Giesela Kornrumpf die Meinung, daßZ sprachlich weiter östlich anzusiedeln ist und auf einer Vorlage der J-Gruppe beruht. Sie räumt die Möglichkeit ein, das Z in Westfalen geschrieben sein mag und verweist auf eine textliche Verwandtschaft von Z mit w und E.23

Die Hs Z wurde von einem Archivar als Umschlag für ein Rechnungskonvolut eines westfälischen Adelsbesitzes gefunden. Es finden sich darauf 26 Strophen und Strophenbruchstücke, darunter 10 Strophen aus dem König Friedrichs-Ton (mit einer fragmentarischen Melodie-Aufzeichnung der letzten 3 Zeilen) mit einer vollständigen und drei fragmentarischen Melodien unter dem Namen Walthers von der Vogelweide. Bei dieser Handschrift handelt es sich um eine außerordentlich wichtigen Schriftzeugen, da sich nur in dieser Quelle Melodien direkt unter Walthers Namen überliefert haben. Die vollständige Melodie gehört zu Palästinalied, die Fragmente zum König Friedrichston und zum Zweiten Philippston.

Melodien-Überlieferung

Bei Betrachtung der Überlieferung mußunterschieden werden zwischen der Text- und der Melodieüberlieferung. Musik und Dichtung des Mittelalters sind eng miteinander verwoben. Sprüche und Minnelieder wurden zu Melodien vorgetragen. Da für ein umfassendes Verständnis der mittelalterlichen Lyrik die Musik ein unverzichtbares Element ist, gilt es als ein beklagenswerter Mangel, daßNotationen in den überlieferten Quellen uns nur in geringem Umfang zur Verfügung stehenden. Zu echten Walther-Texten, die auch unter seinem Namen verzeichnet sind, finden sich nur eine vollständige Melodie und zwei Melodiefragmente (Hs Z, Münster).24

Erstaunlich ist dabei, daßdie Heidelberger Liederhandschriften ebenso wie die die Weingartener Hs. gänzlich ohne Noten geschrieben wurden, obwohl doch gerade sie auf Vollständigkeit und repräsentatives Erscheinungsbild ausgelegt worden waren. Allerdings lassen sich in anderen Quellen für einen kleineren Teil der Lieder die zugehörigen Melodien finden. Für die Überlieferung von Melodien zu Walthertexten sind hier vor allem als Beispiele zu nennen:

- Die "Carmina burana" als älteste notierte Quelle mit deutschen Strophen (Neumen). Die
- Handschrift J, Jenarer Liederhandschrift (Quadratnotation), und die
- Handschrift t, Kolmarer Liederhandschrift (gotische Choralnotation), die zusammen als wichtigste Quellen für die Aufzeichnung mittelalterlicher Melodien gelten. Die
- Handschrift Z, das bereits o.beschriebene Münstersche Fragment (gotische Choralnotation)
- verschied. Melodienschriften der Meistersinger

Die Carmina Burana enthält nur linienlose Neumen, die lediglich den Verlauf der Melodie an deuten aber keine Auskunft über die Tonhöhenverhältnisse angeben. Diese Neumen sollen um etwa 800 in Gebrauch gekommen und bis etwa 1200 zur Melodieaufzeichnung genutzt worden sein.25

Notenbeispiel aus Handschrift J ,,Meyster Rumelant" fol 47

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ,,Masse" der Melodieaufzeichnung stammt aus späterer Zeit erhalten und betrifft überwiegend Spruchdichtung und Leich, nur zu einem geringen Teil die Minnelyrik. Bei Mehrfach-Überlieferungen sind weitgehende Unterschiede feststellbar. Ein Vorteil der Notierungen in späterer Quellen sind die meist präzisen Angaben zum Tonhöhenverlauf. Hier wurden die Noten in ein vier oder fünf Liniensystem geschrieben, die Tonhöhen für gewöhnlich mit Schlüsselbuchstaben angegeben: c-, f-, oder g-Schlüssel. Bei der Aufzeichnung deutscher Lieder wurden für die Notenschrift meist zwei Schreibstile genutzt:

- die gotische Choralschrift (überwiegend in Deutschland) und die
- Qudratnotation (überwiegend in Frankreich, Spanien, Italien, England)

Beide Schriften unterscheiden Zeichen für Einzelnoten (Punktum/Virga) und Gruppenzeichen (Pes/Clivis) für auf- u. absteigende Zweitongruppen. Weder die Neumen, die gotische Choralschrift noch die Qudratnotation lassen auf eine eindeutige Rhythmisierung schließen; nur gelegentliche Verdopplungen deuten auf eine rhythmische Differenzierung.

In der Jenaer Liederhandschrift sind findet sich Qudratnotation, die für weltliche deutsche Lieder eine Ausnahme ist, denn sie beschränkt sich selbst im geistlichen Bereich in Mitteleuropa auf wenige Orden, wie die Dominikaner und Karthäuser. Die Bedeutung der Wahl dieser Notation ist bislang noch nicht geklärt

Ab der zweiten Hälfte des 13. Jh. finden sich Melodieaufzeichnungen in größere Zahl. Durch die vielfälltigen höfischen Beziehungen in Westeuropa seit dem späten 12 Jh., gab es einen regen Kulturaustausch, vor allem hatte Frankreich eine Vorbildfunktion. Es ist zu beobachten, daßwohl auch Melodien provenzialischer und französischer Sängern übernommen wurden. So besteht heute weitgehend Übereinstimmung, daßdie Melodie von Walther von der Vogelweides Palästinalied auf eine romanische Vorlag zurückzuführen ist, auf die Melodie des Liedes Lanquan li jorn son lonc en mai von Jaufres.26

Zusammenfassung

Zum Ende des Mittelalters geriet der bis dahin sehr bekannte Walther allmählich in Vergessenheit, sein Werk hatte sich am längsten in der Tradition der Meistersinger erhalten. Die Dichtung Walthers war mit Melodien unterlegt und zum Vortrag vor Publikum bestimmt. Bei Betrachtung der Überlieferung mußdarum unterschieden werden zwischen der Text- und der Melodieüberlieferung. Die Masse der überlieferten Handschriften enthält nur Texte, Melodien sind nur in ganz geringem Umfang überliefert. Zu echten Walther-Texten, die auch unter seinem Namen verzeichnet sind, finden sich nur eine vollständige Melodie und zwei Melodiefragmente.

Daßsich gerade von Walther große Teile seines Schaffen erhalten haben, hat zwei Gründe. Zum einen war das Werk Walthers im Mittelalter innerhalb des deutschsprachigen Raumes weit verbreitet, er selber war als Dichter namentlich sehr bekannt. Dafür sorgten sein Wanderleben und der Umstand, daßseine Dichterkollegen ihn in ihren Werken oft lobend erwähnten. Der zweite Grund, daßuns so viele Walthertexte überliefert wurden liegt in dem glücklichen Umstand, daßgerade in und kurz nach der Zeit des Wirkens Walthers von der Vogelweide ein Interessenswandel einsetzte. Man begann, vor allem in dem Jahrhundert nach Walthers Tod, auf breiter Basis deutsche lyrische Texte zu sammeln und sie in Büchern zusammenzufassen. Bestimmten Menschengruppen, wie z.B. die dem Patriziat angehörenden Glieder des sogenannten Manesse-Kreises, bot das Sammeln von lyrischen Texten die Möglichkeit, sich in den Besitz eines Stücks höfischer Kultur zu setzten und das Kulturleben der großen Höfe zu kopieren.

Von herausragender Bedeutung für die Dichtung des Mittelalters, sind die drei großen Liedersammlungen des Mittelalters, in denen sich eine Vielzahl von Walther-Texte überliefert haben, die beiden Heidelberger Liederhandschriften und die Weingartner Liederhandschrift, die deshalb auch als die wichtigsten Quellen zu Walther von der Vogelweide zu nennen sind. Daneben sind aber auch vereinzelte Walthertexte in kleineren Liedersammlungen, Sammelhandschriften und Handschriftfragmenten zu finden.

Erst im 18. Jahrhundert findet Walther wieder Beachtung, es entstehen erste vereinzelte Übersetzungen von Walther-Texten in neuhochdeutscher Sprache. Eine umfassende Edition zum Werk Walthers von der Vogelweide gab Karl Lachmann (1793-1851) im Jahre 1827 heraus. Seine Edition wurde bis heute zwar mehrfach bearbeitet, bildet aber bis heute im Kern immer noch die Grundlage aller wissenschaftlichen Arbeiten zu Walther. Karl Lachmann kannte 26 verschiedene Handschriften von Walther-Texten und führte die heute benutzte Systematik zur Kennzeichnung dieser Handschriften ein; seit Lachmann sind weitere Textzeugen entdeckt worden, so daßheute rund 30 Handschriften bekannt sind. Die Forschung zu Walther ist bis heute noch nicht zu einem Endpunkt gelang, die Hoffnung auf zukünftige Entdeckung alter Handschriften mit Walthertexten erscheint duchaus realistisch zu sein.27

Literatur

Beyschlag, S. (Hrsg.) : Walther von der Vogelweide, Darmstadt 1971 (= Wege der Forschung, Bd. 112)

Brunner, H./ Müller, U./ Spechtler, F.V. (Hrsg.): Walther von der Vogelweide. Die gesamte Überlieferung der Texte und Melodien, Göppingen 1977 (= Litterae, Göppinger Beiträge zur Textgeschichte, Bd. 7)

Hahn, G.: Walther von der Vogelweide - eine Einführung, München - Zürich 1986

Jammers, E.: Das königliche Liederbuch des deutschen Minnesangs. Eine Einführung in die sogenannte Manessische Handschrift. Heidelberg 1965

Kirchner, J.: Germanistische Handschriftenpraxis, München 21967

Klein, Th.: Zur Verbreitung mittelhochdeutscher Lyrik in Norddeutschland (Walther, Neidhart, Frauenlob), ZKfdPh 106 (1987), S. 72-112

Kornrumpf, G.: Walthers `ElegieÂ. Strophenbau und Überlieferungskontext. In: Walther von der Vogelweide, Hamburger Kolloquium 1988 zum 65. Geburtstag von Karl-Heinz Borck, hrsg. v. J.D. Müller und F.J.Worstbrock, Stuttgart 1989, S.147-158

Leo, W.: Die gesammte Literatur WaltherÂs von der Vogelweide. Eine kritisch-vergleichende Studie zur Geschichte der Walther-Forschung, 1880, rep. Niederwalluf 1971

Mück, H.-D. (Hrsg.): Walther von der Vogelweide. Beiträge zu Leben und Werk. Festschrift für Günther Schweikle, Stuttgart 1989 (= Kulturwissenschaftliche Bibliothek, Bd. 1)

Schmidt, W.: Die Manessische Handschrift, etwa 1300 - 1400. Berlin 1977

Voetz, L.: Überlieferungsformen mittelhochdeutscher Lyrik, in: Codex Manesse - die Große Heidelberger Liederhandschrift, Texte, Bilder Sachen. Ausstellungskatalog, Heidelberg 1988, S. 224 - 471

Wachinger, B.: Der Anfang der Jenaer Liederhandschrift, in: ZfdA 110 (1981), S. 299 - 306

Walther von der Vogelweide: Gedichte. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Hrsg. von P. Wapnewski, Hamburg 1962

Walther von der Vogelweide: Werke - Gesamtausgabe, Bd. 1, Spruchlyrik, hrsg. von G. Schweikle, Stuttgart 1994

Abbildungen

entnommen aus:

Brunner, H./ Müller, U./ Spechtler, F.V. (Hrsg.): Walther von der Vogelweide. Die gesamte Überlieferung der Texte und Melodien, Göppingen 1977 (= Litterae, Göppinger Beiträge zur Textgeschichte, Bd. 7)

[...]


1 Voetz, L.: Überlieferung, S. 237

2 Zeiselmauer/Donau am 12.11.1203, Geldgeschenk für einen Mantel durch Wolfger von Erla, Bischof von Passau

3 zitiert bei: Leo, W: Die gesammte Literatur, S. 11

4 Leo, W.: Die gesammte Literatur, S. 12

5 Hahn, G.: Walther von der Vogelweide, S. 18

6 siehe ,,Lehensbitte" (La 31,23), Schweikle S.192, 193

7 Schweikle, G.: Kommentar S.41, in: Walther von der Vogelweide Bd. 1, Spruchlyrik

8 Hahn, G.: Walther von der Vogelweide, S. 19

9 Voetz, L.: Überlieferung, S. 243

10 Hahn, G.: Walther von der Vogelweide, S. 17f

11 Voetz, L.: Überlieferung, S. 232

12 Schweikle, G.: Kommentar S.36, in: Walther von der Vogelweide Bd. 1, Spruchlyrik

13 Schweikle, G.: Kommentar S.36, in: Walther von der Vogelweide Bd. 1, Spruchlyrik

14 Schweikle, G.: Kommentar S.37, in: Walther von der Vogelweide Bd. 1, Spruchlyrik

15 Schmidt, W.: Die Manessische Handschrift, S. 3ff

16 Schweikle, G.: Kommentar S.37f, in: Walther von der Vogelweide Bd. 1, Spruchlyrik

17 Kornrumpf, G.: Walthers `ElegieÂ, S. 153f

18 Kornrumpf, G.: Walthers `ElegieÂ, S. 153, 155; Hahn, G.: Walther von der Vogelweide, S. 17

19 Wachinger, B.: Der Anfang der Jenaer Liederhandschrift, in: ZfdA 110 (1981), Anmerkg. 41, zitiert bei Kornrumpf, G.: Walthers `Elegie , S. 157

20 Rosenhagen, G.: Kleinere mittelhochdeutsche Erzählungen, Fabeln und Lehrgedichte, 1909, S. I, zitiert in Litterae S. 35*

21 soll heißen: Klein-L ( nicht Groß-i )

22 Klein, Th.: Zur Verbreitung mittelhochdeutscher Lyrik in Norddeutschland (Walther, Neidhart, Frauenlob), ZKfdPh 106 (1987), S. 72-112, zitiert bei: Kornrumpf, G.: Walthers `ElegieÂ, S. 157

23 Kornrumpf, G.: Walthers `ElegieÂ, S. 157

24 Hahn, G.: Walther von der Vogelweide, S. 17

25 Brunner, H. u.a.: Walther v.d.V., Litterae 7, S. 50*

26 Brunner, H. u.a.: Walther v.d.V., Litterae 7, S. 56*

27 Kornrumpf, G.: Walthers `Elegie , S. 158

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Das Werk Walthers von der Vogelweide in der Überlieferung des Mittelalters
Autor
Jahr
1995
Seiten
27
Katalognummer
V94741
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werk, Walthers, Vogelweide, Mittelalters
Arbeit zitieren
Florian Speer (Autor), 1995, Das Werk Walthers von der Vogelweide in der Überlieferung des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94741

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