Homeoffice und Work-Life-Balance. Die Auswirkungen von mobilem Arbeiten

Eine kurze Betrachtung


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Begriffsbestimmung
2.1.1. Mobiles Arbeiten
2.1.2. Work-Life-Balance
2.1.3. Homeoffice
2.2. Nutzung von mobilen Arbeitsmöglichkeiten am Beispiel Homeoffice
2.3. Gegenüberstellung von Arbeit und Privatleben
2.4. Modelle der Work-Life-Balance
2.4.1. Die fünf Säulen der Identität
2.4.2. Das Wellness-Modell
2.5. Vor- und Nachteile des mobilen Arbeitens am Beispiel Homeoffice
2.6. Eigene Erfahrung mit Homeoffice

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aktuell, durch Covid-19, wird Flexibilität, besonders was die Arbeit angeht, nochmal extra großgeschrieben. Den Arbeitsalltag so wie wir ihn kennen gibt es für die meisten Menschen auf einmal nicht mehr. Arbeitsabläufe ändern sich, viele Arbeitnehmer werden auf Kurzarbeit umgestellt oder sogar entlassen und besonders bei kleineren Unternehmen besteht die Gefahr Insolvenz anmelden zu müssen.

In dieser Zeit sind alternative Arbeitsformen extrem in den Fokus gerückt und besonders das Homeoffice hat einen Aufschwung erleben dürfen. Auf Grund des Kontaktverbots, welches zu Beginn nicht mehr als zwei Menschen in unmittelbarer Nähe erlaubte, war es den meisten Menschen nicht möglich wie gewohnt in ihr Büro zu fahren und von dort aus zu arbeiten. Alle Arbeiter, dessen Jobs es zulassen, wurden kurzerhand auf Homeoffice umgestellt. Für die einen mögen alternative Arbeitsformen den Alltag erleichtern, für andere wiederum bergen sie so ihre Tücken.

In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich mit der Möglichkeit des mobilen Arbeitens auseinandersetzen und inwieweit dieses die Work-Life-Balance beeinflusst. Des Weiteren, möchte ich mich hier besonders auf das Homeoffice als mobile Arbeitsform konzentrieren, da es auf Grund der aktuellen Situation besonders präsent und stark in den Fokus und in die Diskussion gerückt ist.

2. Hauptteil

2.1. Begriffsbestimmung

2.1.1. Mobiles Arbeiten

Mobiles Arbeiten ermöglicht es jederzeit von überall aus zu arbeiten. Ob Zuhause (Homeoffice), im Zug, in einem Café oder in einem angemieteten Büro außerhalb der eigentlichen Geschäftsräume (beispielsweise ein Co-Working Space) (Klump, 2020, S. 8). Mittlerweile sind durchschnittlich die Hälfte der Arbeitnehmer sogenannte mobile Worker und arbeiten nicht nur an einem Arbeitsplatz im Unternehmen, sondern sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens an verschiedenen Arbeitsplätzen (Prümper et al, S.9).

2.1.2. Work-Life-Balance

Work-Life-Balance meint im Großen und Ganzen die Vereinbarkeit zwischen Beruf (Work) und Familie, beziehungsweise Privatleben (Life). Ziel ist es hier eine Ausgeglichenheit zu schaffen, sodass keines von beiden zu kurz kommt. Es geht gewissermaßen um die Ressourcen- und Zeitverteilung.

Gab es früher meist eine klare Rollenverteilung, in welcher der Mann arbeiten ging und die Frau Zuhause blieb, um sich um die Familie zu kümmern, so verschwimmen diese beiden Bereiche heutzutage immer mehr und mehr. Alleinerziehende arbeitende Eltern oder Familien, in welchen beide Elternteile, oft sogar Vollzeit, berufstätig sind, sind keine Seltenheit mehr (Gudat/Collatz, 2019, S.1 ff.).

Durch einen steigenden Anteil berufstätiger Frauen, den demografischen Wandel und „die technische Durchdringung in allen Lebensbereichen“ sowie sich verändernde Arbeitsbedingungen, ändern sich Anforderungen im Beruf und im Privatleben stetig. Das Management dieser beiden Bereiche wird zunehmend anspruchsvoller. Es ist also nicht mehr entscheidend für welche Rolle man sich entscheidet, sondern der Fokus liegt darauf wie jeder diese beiden Bereiche ausbalanciert bekommt (ebd.).

Um erneut auf die Energieverteilung zurück zu kommen, lässt sich diesbezüglich sagen, dass jeder Mensch ein begrenztes, wenn gegebenenfalls auch unterschiedlich großes, Kontingent an Energie oder Zeit hat. Energie oder Zeit, die für einen Bereich im Leben eingesetzt worden ist, kann nicht mehr für einen anderen eingesetzt werden, sondern ist dann aufgebraucht. Durch verschiedene Rollen, welche ein Mensch in seinem Leben verkörpert (zum Beispiel Elternteil, Arbeitnehmer, Freund, Kollege) ergeben sich Konfliktpotenziale auf Grund unterschiedlicher Anforderungen, die mit den jeweiligen Rollen einher gehen. Erwartet ein Arbeitgeber beispielsweise dauerhafte Erreich- und Verfügbarkeit über das Diensthandy, empfinden Freunde und Familie es möglicherweise als nervig, da der kostbaren Zeit mit Ihnen nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt wird (ebd.).

Zufriedenheit und Wohlbefinden hängen eng mit Work-Life-Balance zusammen. Die unterschiedlichen Lebensbereiche und eines Menschen und die damit verbundenen speziellen Anforderungen sind besonders relevant. Diese Anforderungen wirken „als unabhängige Variable auf die Zufriedenheit beziehungsweise das Wohlbefinden (ebd., S.25).

2.1.3. Homeoffice

Homeoffice ist eine Form des mobilen Arbeitens (Stettes, 2018, o.S.). Die Arbeitnehmer halten sich während ihrer Arbeitszeit nicht im Büro, sondern in ihrem eigenen Zuhause auf und arbeiten von dort aus. Je nach Möglichkeit und Angebot des Arbeitgebers sind vereinzelte Stunden, Tage oder auch Vollzeitjobs im Homeoffice möglich.

2.2. Nutzung von mobilen Arbeitsmöglichkeiten am Beispiel Homeoffice

Laut einer Beschäftigungsbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Herbst 2015, arbeiten sechs von zehn Beschäftigten von unterwegs mit Hilfe des Smartphones, Laptops oder Tablets. Allerdings greift ein Drittel von ihnen eher selten auf diese Möglichkeit zurück (Setters, 2016, o.S.).

Neben der Frage wie präsent die tatsächliche Nutzung mobiler Arbeitsmöglichkeiten ist, stellt sich mir ebenfalls die Frage, ob und wie viele Betriebe diese Möglichkeit überhaupt anbieten, beziehungsweise, ob Mitarbeiter dieses Angebot auch annehmen.

Das IAB-Betriebspanel ist repräsentativ für alle Betriebe in Deutschland. Es werden um die 16.000 Betriebe aller Größen, unabhängig von ihrem Wirtschaftszweig, befragt und es wird jährlich erhoben. Nach dem IAB-Betriebspanel 2018 wurde von 26 Prozent der Betriebe überhaupt die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten angeboten. „Hochgerechnet auf die Beschäftigten haben 12 Prozent die Möglichkeit, mobil beziehungsweise im Homeoffice zu arbeiten“. In acht Prozent der Betriebe wird nur Homeoffice und in vier Prozent nur das mobile Arbeiten angeboten (Grunau et al, 2019, o.S).

Da es nicht nur auf die Bereitschaft der Betriebe ankommt mobile Arbeitsformen anzubieten, sondern ebenfalls darauf, ob der Job des jeweiligen Angestellten es zulässt außerhalb des Arbeitsplatzes zu arbeiten sowie auf den Anteil der Beschäftigten, die dann auch Zugang zu diesen haben, möchte ich hier beispielhaft auf die entsprechenden Anteile der Beschäftigten aus Produktion, Marketing/Vertrieb und Administration/sonstigen Dienstleistungen eingehen.

Es muss unterschieden werden, wer dem Betrieb nach im Homeoffice arbeiten darf (Betriebsbefragung) und wer es tatsächlich annimmt (Beschäftigtenbefragung). Erstaunlicherweise stellte sich in der Befragung des LPP1, welches auf der Studie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ basiert, heraus, dass der Wert der Homeoffice Nutzung, nach eigener Angabe der Beschäftigten, über dem der Betriebe liegt. Grund hierfür ist die unterschiedliche Wahrnehmung darüber was Homeoffice ist, beziehungsweise was dazu zählt. Betriebe denken hier in festgelegten Vereinbarungen, während die „Beschäftigten auch situatives Arbeiten von zu Hause [aus], möglicherweise außerhalb der regulären Arbeitszeit“ mit einbeziehen (Grunau et al, 2019, o.S.).

Laut der LPP-Betriebsbefragung 2016 dürfen laut den Betrieben 67 Prozent der Beschäftigten im Marketing/Vertrieb, 51 Prozent in Administration/sonstige Dienstleistungen und 10 Prozent in der Produktion im Homeoffice arbeiten. Allerdings geben 28 Prozent der Beschäftigten in der Produktion an ab und zu im Homeoffice zu arbeiten, 66 Prozent geben es in der Administration/sonstige Dienstleistungen an und sogar 95 Prozent im Vertrieb beziehungsweise im Marketing (ebd.).

Anhand des letzten Vergleichs wird deutlich, dass die Möglichkeit und somit auch die Nutzung von mobilen Arbeitsmöglichkeiten innerhalb verschiedener Branchen oder Arbeitsstellen stark variiert.

2.3. Gegenüberstellung von Arbeit und Privatleben

Die Zufriedenheit der Arbeitnehmer in Deutschland ist ein wichtiges Thema. Auch oder besonders in Bezug auf das Privatleben. Laut der Gallup-Studie2 im Jahr 2016 hatten 15 Prozent der Arbeitnehmer schon innerlich gekündigt und sogar 70 Prozent machten nur noch Dienst nach Vorschrift. Sprich, sie erledigen was zu tun ist aber machen darüber hinaus nicht mehr oder nichts zusätzlich, weil sie sich nicht ausreichend mit ihrer Stelle identifizieren können. Insgesamt waren also 85 Prozent der deutschen Erwerbstätigen wenig bis gar nicht zufrieden mit Ihren Jobs (Pothmann, 2019, S.12 f.).

Arbeit wird belastender und stressiger. Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass die Zeit welche man auf der Arbeit oder mit dem Weg dorthin verbringt, mit seinen Vorgesetzten und Kollegen den größten Teil unseres Alltags und Lebens einnimmt, ist es umso erschreckender, dass ein Großteil der Menschen in dieser Zeit unzufrieden zu sein scheint. Dies wirkt sich, wie schon zu Beginn in der Begriffserklärung der Work-Life-Balance erwähnt, unumgänglich auch auf das Privatleben aus. So bleiben uns nach Abzug von Schlaf und Arbeitszeit noch vier bis sechs Stunden am Tag übrig, welche ebenfalls noch weitere Verpflichtungen wie Haushalt oder Einkauf und Ernährung beinhalten. Kurz gesagt: Wir arbeiten mehr, als dass wir unser Privatleben genießen dürfen. Wird man sich dessen bewusst, lässt sich auf Basis dieser Erkenntnis weiter ableiten, dass unser privates Glück stark davon abhängt wie zufrieden wir mit unserem Job sind (Pothmann, 2019, S.13 ff.).

Ein generelles Ziel der Unternehmen und Arbeitnehmer sollte es somit sein eine ausreichende Work-Life-Balance zu schaffen. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten dem entgegen zu kommen. Vom Arbeitgeber aus existiert neben Gleitzeit und Kinderbetreuung innerhalb des Unternehmens eben auch das mobile Arbeiten als Möglichkeit der Gestaltung von Work-Life-Balance.

Im Folgenden möchte ich aber zuerst auf zwei Modelle eingehen, welche es den Arbeitnehmern selbst in einem ihnen möglichen Rahmen erlaubt die eigene Work-Life-Balance zu verbessern.

2.4. Modelle der Work-Life-Balance

Bevor ich auf zwei der existierenden Modelle eingehen werde, möchte ich erwähnen, dass diesen selten wissenschaftliche Modelle zugrunde liegen. „Die meisten Ansätze werden eher handlungsbezogen konzipiert [und] eine wissenschaftliche Fundierung ist in der Praxis kaum vertreten“ (Gudat/Collatz, 2019, S.25).

2.4.1. Die fünf Säulen der Identität

Bei dem ersten Modell, welches ich kurz vorstellen möchte, handelt es sich um die fünf Säulen der Identität. Dieses hat eher einen therapeutischen Hintergrund und wurde von dem Begründer der integrativen Therapie (Petzold) entwickelt. Laut Petzold wird die menschliche Identität von fünf Säulen getragen: Leiblichkeit, soziales Netzwerk, Tätigkeit/Arbeit, materielle Sicherheit und Werte. Sobald nur eine der Säulen schwach ausgeprägt ist im Gegensatz zu den anderen, führt dies zu einer Krise des Menschen. Damit die Balance wiederhergestellt werden kann, muss man sich seiner Werte bewusst sein (oder werden). Weniger stark ausgeprägte Dimensionen können gezielt mit unterschiedlichen Strategien wieder gestärkt werden. Wichtig bei diesem Modell ist es sich bewusst zu machen, dass die Ausprägung der Säulen bei jedem anders ist (ebd., 2019, S.28f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die fünf Säulen der Identität3

[...]


1 Linked Personal Panel: verknüpfter Datensatz, welcher die Betriebs- und Beschäftigungsperspektive in Verbindung setzt

2 Studie zur Arbeitsplatzqualität

3 Quelle: http://www.therapiedschungel.ch/content/5_saeulen_der_identitaet.htm [letzter Zugriff: 07.08.2020]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Homeoffice und Work-Life-Balance. Die Auswirkungen von mobilem Arbeiten
Untertitel
Eine kurze Betrachtung
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V950188
ISBN (eBook)
9783346288929
ISBN (Buch)
9783346288936
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Corona, Covid-19, Homeoffice, Mobile Work, Heimarbeit, Telearbeit, Work-Life-Balance, Mental Health
Arbeit zitieren
Marie Hedke (Autor:in), 2020, Homeoffice und Work-Life-Balance. Die Auswirkungen von mobilem Arbeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/950188

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