Diagnostik der Kindeswohlgefährdung mit der KiWo-Skala

Vor- und Nachteile einer standardisierten Gefährdungseinschätzung


Seminararbeit, 2020

21 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zahlen und Fakten

3. Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung

4. Risiko- und Schutzfaktoren

5. Allgemeines zu Diagnostik der Kindeswohlgefährdung

6. Möglichkeit der Diagnostik der Kindeswohlgefährdung mit Hilfe der KiWo-Skala

7. Vor- und Nachteile einer standardisierten Gefährdungseinschätzung
7.1 Definition KiWo-Skala
7.2 Aufbau der KiWo-Skala
7.3 Anwendung der KiWo-Skala
7.4 Rolle der Fachkräfte
7.5 Fachliche Fundierung der KiWo-Skala

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Gerade in Zeiten der Corona-Krise sind viele Familien mit Kindern auf sich allein gestellt. Die gewohnte Alltagsstruktur bricht weg, durch die Isolation und Schließung von Kita und Schulen. Hilfen von außen können nicht in Anspruch genommen werden. Wenn Überforderungen, Existenzängste oder Suchtprobleme Familien belasten, kann es zu einem Anstieg von häuslicher Gewalt führen. Kinder sind häufig die Leidtragenden!“ (Save the Children Deutschland e. V. 2020). Besonders in dieser bewegenden Zeit ist „Zivilcourage“ (ebd.) und ein „aufmerksames Miteinander“ (ebd.) von Seiten der Nachbarn, Freunde, usw. wichtig. Denn die Fachkräfte aus den Kindergärten, Krippen, Schulen, usw. können nun nur schwer engeren Kontakt zu den Kindern halten, um Anzeichen in Bezug auf Kindeswohlgefährdungen wahrzunehmen. Ob die Zahlen an Kindeswohlgefährdungen während diesem Jahres zu oder abnehmen, ist noch nicht klar. Eindeutig ist aber, dass viele Fälle, besonders aufgrund der Schließungen der Schulen und Kitas während des Lockdowns unbemerkt bleiben und somit nicht mehr von den Fachkräften gemeldet werden können.

Denn gerade die pädagogischen Fachkräfte in Kitas können die Kinder alltäglich wahrnehmen und beobachten. Sie haben eine engere Bindung zu ihnen, sodass sie auch Risikofaktoren und Anzeichen für eine mögliche Kindeswohlgefährdung schneller erkennen können. Leider steigen die Zahlen an Kindern, deren Wohl gefährdet ist, von Jahr zu Jahr immer weiter an. Um schneller und frühestmöglich agieren zu können, ist es wichtig, dass die Fachkräfte stets mögliche Indizien erfassen und abschätzen. Dabei ist es bedeutend, dass sie eine erste Diagnostik vornehmen und bei Bedarf mit dem zuständigen Jugendamt in Kontakt treten und den Fall melden. In meiner folgenden Seminararbeit gehe ich genauer auf das Diagnoseinstrument „KiWo-Skala“ ein, die eine große Bereicherung und Hilfe für die betroffenen Fachkräfte in Kitas sein kann. Zudem erläutere ich, was man unter Kindeswohl und deren Gefährdung versteht, sowie welche Bedeutung Risiko- und Schutzfaktoren dabei haben. Abschließend lege ich die Vor- und Nachteile einer standardisierten Gefährdungseinschätzung dar und bringe im Schluss meine eigene Meinung, sowie meine persönliche Erfahrung mit ein.

2. Zahlen und Fakten

„Im Jahr 2018 haben die Jugendämter in Deutschland bei rund 50 400 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren 10 % oder rund 4 700 Fälle mehr als im Vorjahr.“ (Statistisches Bundesamt (Destatis) 2020) Zudem war es in diesem Jahr laut dem statischen Bundesamt auch der „höchste Stand an Kindeswohlgefährdungen seit Einführung der Statistik im Jahr 2012“ (ebd.).

Abbildung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Prüfung auf Kindeswohlgefährdung führten die Jugendämter in rund 157 300 Verdachtsfällen durch. Bei 20% der Gesamtfälle wurde das Familiengericht eingeschalten, bei 15% wurde eine Inobhutnahme durchgeführt. (vgl. ebd.) 21 766 Verdachtsfälle wurden dabei von Kindertageseinrichtungen und Schulen bekannt gegeben. (vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) 2019, S. 11)

Von diesen Verdachtsfällen wurden rund 24 900 Fälle von den Jugendämtern als „akute“ (Statistisches Bundesamt (Destatis) 2020) Kindeswohlgefährdungen eingeschätzt, weitere 25 500 Fälle wurden als „latent“ (ebd.) eingestuft, was bedeutet, dass eine Gefährdung nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Die akuten Fälle erhöhten sich im Vergleich zum Jahr 2017 um 15%. (vgl. ebd.) Bei 60% der insgesamt 50 400 Fällen, und somit am häufigsten, wurden Anhaltspunkte für Vernachlässigungen erfasst. Indizien für eine psychische Misshandlung (Demütigung, Einschüchterung, Isolierung, usw.) lagen bei 31% der Fälle vor, Kennzeichen für körperliche Misshandlung bei 26% und Merkmale auf sexuelle Gewalt bei 5% der Gesamtfälle. Wichtig ist, dass nicht selten mehrere Arten von Kindeswohlgefährdungen gleichzeitig vorliegen. (vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) 2020)

3. Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung

„Das Wohl des Kindes, also das, was einem Kind gut tut und was es selbst will […]“ (Maywald 2012, S. 92). Eine konkrete und allgemeine Definition von Kindeswohl ist im Gesetz nicht festgelegt, sodass es sich dabei um einen „sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff“ (Maywald 2019., S. 11) handelt. Dies bedeutet auch, dass der Begriff Kindeswohl in jedem Einzelfall neu zu interpretieren ist. Lediglich im §1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist dieser unbestimmte Rechtsbegriff durch die Erläuterungen der verschiedenen Gefährdungen eines Kindeswohls festgehalten. Diese Methode wird auch von anderen Professionen angewendet. Häufig wird das Kindeswohl dahingehend definiert, anhand welcher Voraussetzungen es nicht gesichert und somit gefährdet ist. (vgl. a. a. O., S. 11-12)

Eine mögliche Arbeitsdefinition des Kindeswohls könnte Folgende sein: „Ein am Wohl des Kindes ausgerichtetes Handeln ist dasjenige, welches die an den Grundrechten und Grundbedürfnissen von Kindern orientierte, für das Kind jeweils günstigste Handlungsalternative wählt.“ (a. a. O., S. 13) Dabei ist es bedeutend, dass vier Elemente in der Erklärung enthalten sind:

1. „Orientierung an den Grundrechten aller Kinder“ (a. a. O., S. 12)
2. „Orientierung an den Grundbedürfnissen von Kindern“ (ebd.)
3. Versuch, „die für das Kind jeweils günstigste Handlungsalternative zu wählen“ (ebd.)
4. ständige Überprüfung und wenn nötig auch Revision der „Kinder betreffenden Entscheidungen“ (ebd.)

Ebenso mit integriert werden muss der Wille des Kindes selbst, wie er auch in den Grundrechten der Kinder festgelegt ist. „Recht des Kindes auf Beteiligung an allen seine Person betreffenden Entscheidungen“ (a. a. O., S. 17) heißt es im Art. 12 Abs. 1 der UN-Kinderrechtskonvention. Auch in den Regelungen der deutschen Gesetzgebung ist der Kindeswille mit festgehalten. So heißt es im §1626 Abs. 2 BGB, dass Kinder bei „es selbst betreffenden Angelegenheiten im Rahmen der Familie“ (ebd.) beteiligt werden müssen. Ebenso bei Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Jugendhilfe und auch bei der Hilfeplanung im Rahmen der §§8 Abs. 1, 36 Abs. 1 SGBVIII muss eine Beteiligung der Kinder erfolgen. Handelt es sich um gerichtliche Verfahren in Bezug auf die elterliche Sorge müssen die Kinder im Rahmen einer persönlichen Anhörung bzw. durch die Bestellung eines Verfahrensbeistands beteiligt werden. (vgl. ebd.)

Um das Kindeswohl realisieren zu können, muss einerseits das Kind positiv gefördert und andererseits „vor Gefahren für ihr Wohl“ (a. a. O., S. 21) geschützt werden. Laut dem SGBVIII hat dies die Kinder- und Jugendhilfe zu übernehmen. Durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Jahr 1956 entwickelte sich folgende Definition für den Begriff „Gefährdung“: „Eine Gefährdung ist »eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr, dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt« (BGH FamRZ 1956, 350).“ (ebd.).

Eigentlich ist nach dem Art. 6 Abs. 2 GG die Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht und auch die Pflicht der Eltern. Ist das Wohl des Kindes allerdings gefährdet bzw. sind die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage, die Gefahr abzuwenden, rückt das Wächteramt des Staates in den Mittelpunkt, welches im Art. 6 Abs. 2 Satz 2 des Grundgesetzes festgehalten ist. Der Staat hat also das Recht im Rahmen dieses Wächteramtes in das Erziehungs- und Pflegerecht der Eltern einzugreifen und dieses auch zu kontrollieren. (vgl. Schone 2015, S. 18) Jedoch muss dafür nach §1666 Abs. 1 BGB das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes bzw. auch sein Vermögen gefährdet sein. Häufig betrifft es in der Praxis nicht nur einen dieser Bereiche. Jedoch kann gesagt werden, dass „Voraussetzung für die Legitimation eines Eingriffs im Einzelfall ist, dass sich auf mindestens einer dieser Ebenen bei der weiteren Entwicklung des Kindes mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schädigung prognostizieren lässt“ (a. a. O., S. 21). Das Familiengericht muss daraufhin Maßnahmen nach dem Abs. 3 des Paragraphen einleiten, um die Gefahr erfolgreich abzuwenden. (vgl. Maywald 2019, S. 21) Dazu gehören z. B. Gebote, Leistungen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe anzunehmen; Verbote, Kontakt zum Kind zu haben oder auch die teilweise bzw. vollständige Entziehung der elterlichen Sorge. Eine Trennung des Kindes von der Familie und darauffolgend eine Entziehung der Personensorge ist aber nach §1666a Abs. 2 BGB nur möglich, wenn nach dem Subsidiaritätsprinzip andere Maßnahmen zur Gefahrenabwehr nicht greifen bzw. diese nicht ausreichend sind. „Im Prinzip ist dabei auch zu berücksichtigen: Wer in der Vergangenheit nicht willens oder nicht in der Lage war, eine Gefahr für das Kindeswohl abzuwenden, hat sich deshalb noch nicht generell als unfähig erwiesen, in Zukunft zur Kindeswohlsicherung beizutragen“ (Schone 2015, S. 22). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass folgende Faktoren bei der Beurteilung und Feststellung einer möglichen Kindeswohlgefährdung berücksichtigt werden müssen:

- „ mögliche Schädigungen, die die Kinder in ihrer weiteren Entwicklung aufgrund dieser Lebensumstände erfahren können“ (a. a. O., S. 23)
- „ Erheblichkeit der Gefährdungsmomente (Intensität, Häufigkeit und Dauer des schädigenden Einflusses) bzw. der Erheblichkeit des erwarteten Schadens“ (ebd.)
- Grad „der Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts (es geht um die Beurteilung zukünftiger Einflüsse, vor denen das Kind zu schützen ist, zurückliegende Ereignisse sind allenfalls Indizien für diese Prognose)“ (ebd.)
- „ Bereitschaft der Eltern(teile), die Gefahr abzuwenden bzw. die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen“ (ebd.)

Die Durchführung des staatlichen Wächteramtes liegt bei den Fachkräften des Jugendamtes, was im §8a des SGBVIII geregelt ist. Demnach muss das Jugendamt bei Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte das Gefährdungsrisiko einschätzen und je nach dem der Familie Hilfen anbieten bzw. das Familiengericht informieren. Bei dringender Gefahr bzw. wenn die Entscheidung des Familiengerichts nicht abgewartet werden kann, muss das Jugendamt das Kind bzw. den Jugendlichen in Obhut nehmen. Ebenso im §8a SGBVIII unter dem Absatz 4 ist festgehalten, dass durch Vereinbarungen mit freien Trägern von Einrichtungen, z. B. Kita, deren Fachkräfte ebenso Gefährdungseinschätzungen vornehmen müssen, wenn ihnen gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung bekannt werden. Dafür haben sie auch einen Anspruch auf das Hinzuziehen einer insoweit erfahrenen Fachkraft, welche ihnen beratend und unterstützend zur Seite steht. Zudem müssen die Fachkräfte der Einrichtung die Eltern über mögliche Hilfen informieren und deutlich machen, dass sie einen gesetzlichen Anspruch darauf haben. Kann die Gefährdung nicht abgewendet werden, sind sie verpflichtet, das Jugendamt über den Fall zu benachrichtigen. (vgl. a. a. O., S. 16-19)

Welche Arten es von Kindeswohlgefährdungen gibt, haben Johannes Münder, Barbara Mutke und Reinhold Schone durch ein Forschungsprojekt, bei dem sie Akten analysiert, Literatur gesichtet und Gerichtsentscheidungen ausgewertet haben, erforscht. Es entstanden sechs Kategorien:

- Vernachlässigung
- körperliche Misshandlung
- seelische Misshandlung
- sexueller Missbrauch
- Konflikte um das Kind
- Autonomiekonflikte (vgl. Schone 2015, S. 24-25)

4. Risiko- und Schutzfaktoren

Unter einem Risikofaktor versteht man ein Merkmal, „das eine biologische oder psychologische Gefährdung darstellt, welche die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Störung bei den Menschen, auf die sie einwirkt, erhöht“ (Witteck 2014, S. 13). Da diese aber nicht bei jedem Individuum die gleiche Wirkung erzielen, wird durch die Faktoren lediglich die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von z. B. Kindeswohlgefährdung erfasst. (vgl. ebd.)

„Als „Schutzfaktoren“ bezeichnet man Faktoren, die die Auftretenswahrscheinlichkeit von Störungen vermindern, indem sie zur Entwicklung von Ressourcen beitragen bzw. eine solche Entwicklung erleichtern“ (BZgA 2009, S. 23).

Beide Faktorengruppen können zum einen in „kindbezogene Faktoren“ und zum anderen in „umgebungsbezogene Faktoren“ eingeteilt werden. Hierbei kann dann auch je nach Entfernung, zwischen „distal“ (weiter entfernt, z. B. Wohngegend) und „proximal“ (zentral, z. B. Elternkonflikt), sowie je nach Dauer, zwischen „dauerhaft“ (z. B. Erkrankung) und „kurzzeitig-vorübergehend“ (z. B. Tod eines Verwandten), unterschieden werden. (vgl. Körner/Deegener 2011, S. 203)

Die Risikofaktoren können verschieden kategorisiert werden. Eine Möglichkeit ist die Einordnung nach „primäre Vulnerabilitätsfaktoren“ (a. a. O., S. 207) und „sekundäre Vulnerabilitätsfaktoren“ (ebd.). Beispiele dafür sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei ist vor allem wichtig, dass vorwiegend eine Zusammenstellung von drei und mehreren Faktoren vorliegen muss, um von einem erhöhten Risiko einer Kindewohlgefährdung sprechen zu können. Zudem müssen die einzelnen Faktoren schon relativ ausgeprägt vorhanden sein. (vgl. ebd.) Eine weitere Möglichkeit ist die Kategorisierung von Risikofaktoren speziell für körperliche Misshandlung nach „Merkmale der Eltern“ (z. B. Eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit), „Merkmale des Kindes“ (z. B. Verhaltensprobleme), „Merkmale des direkten sozialen Umfeldes“ (z. B. Wohngegend mit hoher Gewalt- und Armutsrate), sowie „Kulturelle und gesellschaftliche Faktoren“ (z. B. ethnische Erziehungseinstellungen). (vgl. a. a. O., S. 208-209) Wichtig zu wissen ist, dass das Misshandlungsrisiko erhöht sein kann, „wenn Kinder mit schwierigem Temperament auf überlastete, impulsive und wenig kompetente Eltern treffen“ (a. a. O., S. 211). Besonders bei Familien aus der Unterschicht trifft diese Feststellung zu. Grund dafür sind die häufig auftretende Arbeitslosigkeit, sowie dadurch die Abhängigkeit vom Staat, das fehlende Wissen über die kindliche Entwicklung, negatives Erziehungsverhalten, sowie auch das ungünstige soziale Umfeld der Familien. (vgl. ebd.)

Mögliche Schutzfaktoren für das Risiko einer Kindeswohlgefährdung können z. B. die seelische Gesundheit der Eltern, ein sicheres Bindungsverhalten – vor allem in der frühen Kindheit, eine Großfamilie und dadurch eine Entlastung für die Mutter, sowie auch wenige kritische Lebensereignisse sein. (vgl. a. a. O., S. 216) Bei einer weiteren Einteilung werden die Schutzfaktoren in personale und soziale Ressourcen unterteilt. Zu den personalen Ressourcen gehören die kindbezogenen Faktoren, wie z. B. das weibliche Geschlecht (besonders bedeutend in der Kindheit). Die sozialen Ressourcen werden aufgegliedert in „innerhalb der Familie“ (z. B. enge Geschwisterbindung), „in den Bildungsinstitutionen“ (z. B. wertschätzendes Klima) und „im weiteren sozialen Umfeld“ (z. B. Erwachsene als Rollenvorbilder außerhalb der Familie, wie z. B. Großeltern, Freunde, usw., die kompetent und fürsorglich sind, sowie Vertrauen und Zusammengehörigkeitssinn fördern). (vgl. a. a. O., S. 218)

„Trotz des Vorhandenseins von z. T. erheblichen Risikofaktoren können diese Schutzfaktoren eine gesunde Entwicklung ermöglichen, sogar bei ausgeprägten Traumatisierungen“ (a. a. O., S. 219). Sie können sie „deutlich schmälern oder auch aufheben“ (Alle 2012, S. 61). Zudem müssen die Risiko- und Schutzfaktoren stets in ein Verhältnis miteinander gebracht werden. So bedeutet es, dass je mehr Risikofaktoren bestehen, desto mehr Schutzfaktoren müssen auch vorhanden sein, um dann eine gesunde und günstige Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. (vgl. ebd.)

Um Schutzfaktoren zu stärken, ist es wichtig die Resilienz des Kindes zu fördern. „Ziele der Resilienzförderung sind die Milderung oder Kompensation von Risikofaktoren und die Stärkung von protektiven Faktoren. Das Kind soll soweit in seiner Widerstandsfähigkeit gefördert werden, dass es sich trotz widriger Lebensumstände gut entwickeln kann“ (Alle 2017, S. 137). Wird ein Gleichgewicht von Risiko- und Schutzfaktoren gefunden, kann auch eine Bewältigung von konfliktreichen Lagen, Krisen und Tiefpunkten erfolgreich stattfinden. Um das Kind individuell in seiner Resilienz, also in seiner Widerstandsfähigkeit, zu stärken, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

- „Stärkung von Problemlösungs-, Konfliktlösungs- und Kommunikationsfähigkeiten;
- Stärkung des Gefühls der Selbstwirksamkeit und dieses praktisch erlebbar machen. Bewusstsein dafür fördern, dass die eigene Lebenswelt durch eigenes Handeln positiv beeinflusst werden kann;
- Förderung der Fähigkeit, zu planen, zu reflektieren und Perspektivenwechsel vorzunehmen;
- Entwicklung von Stressbewältigungsstrategien;
- Förderung eines positiven Selbstkonzeptes und eines ausgewogenen Selbstwertgefühls;
- Stärkung von Sozialkompetenz, der Fähigkeit, Beziehungen aufzunehmen, zu gestalten und halten. Entwicklung von Empathie für sich und andere Personen;
- Nutzung von Ressourcen im Bereich der Gesundheit, des Körpers, des Seelischen und des Intellekts;
- Förderung von Antriebsstärke und Leistungsfähigkeit.“ (a. a. O., S. 137-138)

In der Beziehungsebene kann eine Resilienzförderung wie folgt aussehen:

- „Das Kind ermutigen zu reflektieren und Gefühle zu äußern;
- stabiles, zuverlässiges und konstantes Beziehungsangebot;
- Unterstützung und Förderung in der Beziehungsgestaltung;
- Unterstützung und Stärkung bei Verselbstständigungsprozessen, Vermittlung des Gefühls, dass das eigene Handeln Wert und Wirksamkeit hat;
- Problem- und Konfliktlösefähigkeiten anregen, fördern, entwickeln und unterstützen;
- dem Kind Verantwortung, auch Eigenverantwortung, übertragen;
- das Kind in der Eigen- und Fremdwahrnehmung angemessen begleiten und helfen, diese realitätsgerecht zu gestalten;
- Fördern und Fordern. Das Kind zu Leistung anregen und diese anerkennen;
- das Kind dabei fördern und unterstützen, eigene Interessen zu verfolgen und Hobbys zu entwickeln.“ (a. a. O., S. 138)

Die Fachkräfte, welche mit Kindern arbeiten, die Risikofaktoren ausgesetzt sind, müssen verstehen, dass sie eventuell eine wichtige und beständige Bezugsperson für das Kind sind und deshalb ein Bewusstsein für den richtigen Umgang bzgl. der Förderung der Resilienz entwickeln müssen. Zudem müssen sie die betroffenen Eltern in ihrer Erziehungskompetenz stärken und unterstützen. Dabei hilfreich sein können Elternkurse, Erziehungsberatungsstellen oder auch Sozialpädagogische Familienhilfen, beantragt durch das Jugendamt. (vgl. a. a. O., S. 138-139)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Diagnostik der Kindeswohlgefährdung mit der KiWo-Skala
Untertitel
Vor- und Nachteile einer standardisierten Gefährdungseinschätzung
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V951764
ISBN (eBook)
9783346293022
ISBN (Buch)
9783346293039
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diagnostik Kindeswohlgefährdung, Diagnose, Kindeswohl, Kindeswohlprüfung, Kindeswohlgefährdung, KiWo, Skala, KiWo-Skala, Kita, Missbrauch, Vernachlässigung, Kindergarten, Insoweit erfahrene Fachkraft, Jugendamt
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Diagnostik der Kindeswohlgefährdung mit der KiWo-Skala, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/951764

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diagnostik der Kindeswohlgefährdung mit der KiWo-Skala



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden