Tacitus - Annalen


Referat / Aufsatz (Schule), 1998

19 Seiten


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Tacitus - Annalen

Übersicht über Annalen 1 - 6

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1a Könige hatten von Anfang an die Stadt Rom; 1b die Freiheit und das Konsulat führte L. Brutus ein. 1c Zu Diktaturen wurde nach Bedarf gegriffen. 1dUnd weder die Macht der zehn Männer währte über den Zeitraum von zwei Jahren noch die Macht der Tribunen mit der Amtsgewalt eines Konsuls währte lange. 1e Nicht Cinnas, nicht Sullas Herrschaft (währte) lange; 1f Und des Pompeius und Crassus Macht gingen rasch auf Caesar über, die Waffengewalt des Lepidus und Antonius auf Augustus, der alles durch Zwietracht der Bürger geschwächte unter dem Namen des Ersten unter seine Herrschaft nahm. 2a Doch des alten römischen Volkes glückliche und unglückliche (Zustände) sind von berühmten Schriftstellern erwähnt, und der zu besprechenden Zeit des Augustus fehlten nicht ausgezeichnete Talente, bis sie sich durch sich ausdehnende Schmeichelei abschrecken ließen. 2b Des Tiberius und Gaius und Claudius und Neros Sachen wurden, während sie selbst blühten, durch Angst falsch, nachdem sie starben, durch frische Haßgefühle dargestellt. 3 Daher (habe ich) den Plan, das wenige von Augustus und die letzte (Zeit) zu überbringen, dann das Prinzipat von Tiberius und das übrige, ohne Zorn und Eifer, deren Gründe mir fern sind.

2. Die Herrschaft des Augustus

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1 Als, nachdem Brutus und Cassius tot waren, schon keine staatliche Waffen mehr waren, Pompeius bei Sizilien überwältigt wurde und Lepidus entmachtet war, Antonius den Tod erlitten hatte, nicht einmal für die julianische Partei außer Caesar ein Führer übrig war, gab er sich, nach Ablegen des Namens des Triumvirats als Konsul aus du als zufrieden mit der tribunizischen Macht zum Schutze des Volkes, sobald er den Soldaten mit Geschenken, das Volk durch Getreide, alle durch die Annehmlichkeit des Friedens verlockt hatte, erhob sich allmählich, zog die Befugnisse des Senats, der Beamten, der Gesetze an sich, wobei sich keiner entgegenstellte, weil die entschlossensten in den Schlachtreihen oder durch Ächtung zu Fall gekommen waren, die übrigen der Adeligen, je bereiter einer zu Knechtschaft war, durch finanzielle Mittel und Ehrungen befördert wurden und wegen neuen Lagen vermehrt Sicheres und Gegenwärtiges lieber als Altes und Gefährliches wollten. 2 Auch lehnten die Provinzen jenen Stand der Dinge nicht ab, nachdem die Herrschaft des Senats und des Volkes in Verdacht geraten war durch Wettkämpfe der Mächtigen und Habsucht der Beamten, aufgrund der schwachen Hilfe der Gesetze, die durch Macht, Ehrgeiz, schließlich durch Geld unwirksam gemacht wurden.

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1a Weiters erhob Augustus als Stütze für die Alleinherrschaft Claudius Marcellus, den Sohn der Schwester, noch sehr jung durch den Priesterstand und die kurulische Ädilität, und den M. Agrippa, von unbedeutender Herkunft, doch gut im Kriegsdienst und Gefährte des Sieges durch das doppelte Konsulat, dann nach Marcellus` Tod nahm er ihn als Schwiegersohn. 1b Tiberius Nero und Claudius Drusus, die Stiefsöhne, erhob er durch den Titel Imperator, sogar damals, als seine Familie unversehrt war. 2 Nämlich hatte er die Söhne des Agrippa, Gaius und Lucius, in die Kaiserfamilie aufgenommen, und nachdem sie die Knabentoga noch nicht abgelegt hatten, hatte er heftigst gewünscht, daß sie als Erste der Jugend angesehen werden und für das Konsulat vorbestimmt werden. 3 Als Agrippa aus dem Leben geschieden war, raffte ein schicksalhaft früher Tod oder eine List der Stiefmutter Livia den L. Caesar, als er zu den spanischen Heeren ging und Gaius, als er durch eine Verwundung geschwächt aus Armenien zurückkehrte, aus dem Leben, und nachdem Drusus längst gestorben war, und Nero der einzige der Stiefsöhne war, neigte sich alles dorthin: 3b Als Sohn, als Mitregent, als Teilhaber der tribunizischen Macht wurde er hinzugezogen und allen Heeren präsentiert, nicht durch finstere Machenschaften der Mutter wie vorher, sondern öffentlich aufgefordert. 4 Denn den alten Augustus hatte sie so sehr gefesselt, daß er den einzigen Enkel, den Agrippa Postumus, auf die Insel Planasia verbannen hatte lassen, einen sicherlich ungeschliffenen in den schönen Künsten und durch den starken Körper tölpelhaft wilden, doch keiner Schandtat überführt. 5 Doch wahrlich den Germanicus, den Sohn des Drusus, stellte er den acht Legionen beim Rhein voran, und er befahl, daß er von Tiberius durch Adoption hinzugezogen werde, obwohl es im Haus des Tiberius einen jugendlichen Sohn gab, aber damit er sich dadurch auf mehrere Stützen verlassen könnte.

6 Krieg gab es zu dieser Zeit keinen, wenn nicht mit den Germanen, mehr, um den schlechten Ruf des gemeinsam mit Quinctilius Verus verlorengegangenen Heeres aus der Welt zu schaffen als wegen der Gier, das Herrschaftsgebiet auszuweiten oder des Werts der Beute. 7a Innenpolitisch war die Lage ruhig, die Bezeichnungen der Beamten waren dieselben. 7b Die Jüngeren waren nach de Sieg von Actum, auch die meisten Alten, geboren: 7c Wie viele waren übrig, die die Republik gesehen hätten.

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1a Daher, als die Lage des Staates gewandelt war, war nichts irgendwo von der alten und aufrechten Haltung: 1b Alle erwarteten, als die Gleichheit geraubt war, die Befehle des Prinzeps, im Moment gab es keinen Grund zur Angst, solange Augustus aufgrund seines Alters stark war und für sich und das Haus und den Frieden Garantie gab. 2a Seit das Alter bereits fortgeschritten war, und er durch seinen kranken Körper ermüdet war, und sein Ende nahe waren und neue Hoffnungen, erörterten wenige erfolglos das Gute der Freiheit, mehr fürchteten den Krieg, andere wünschten ihn; 2b Der bei weitem größte Teil versuchte die drohenden Herren durch verschiedene zu Trennen. 3a Agrippa sei wild und durch Schande erzürnt, weder durch das Alter, noch durch Erfahrung in den Dingen einer solchen Verantwortung gewachsen. 3b Tiberius Nero sei reif an Jahren und erfahren im Krieg, aber durch alten und eingepflanzten Stolz der claudischen Familie, und viele Anzeichen seines wilden Wesens kämen zum Vorschein, obwohl sie unterdrückt werden. 4a Dieser und von erster Jugend seien seine Konsulatswürden aufgetürmt worden, mit Triumphen; 4c nicht einmal in diesen Jahren, in denen er in Rhodos unter dem Schein des Rückzugs einen Verbannten spiele, habe er an anderes als Zorn und Verstellung und seine geheimen Gelüste gedacht. 5a Hinzu komme die Mutter mit der weiblichen Herrschsucht: 5b Man müsse der Frau dienen und darüber hinaus zwei Jünglingen, die die Republik einstweilen unterdrückten und irgendwann vernichteten.

3. Der Tod des Augustus

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1a Dies und solches machend verschlimmerte sich der Gesundheitszustand des Augustus, und gewisse verdächtigten einen Verbrechen der Ehefrau. 1b Freilich war das Gerücht aufgekommen, daß vor wenigen Monaten Augustus durch ausgewählte Mitwisser und einem Begleiter, Fabius Maximus, nach Planasia gefahren sei, um Agrippa zu sehen; 1c Viele Tränen gab es dort beiderseits und Zeichen der Liebe, in Folge dessen die Erwartung, daß der junge Mann den Hausgöttern des Großvaters zurückgegeben werde. 2a Dies habe Maximus seiner Frau Marcia eröffnet, jene Livia. 2b Dies sei Caesar bekannt geworden; 2c Nachdem Maximus tot war, zweifelhaft, ob durch einen gesuchten Tod, konnte man den Seufzer der Marcia hören, die sich anklagte, daß sie der Grund des Todes für den Ehemann gewesen sei. 3

Wie auch immer die Sache sich verhielt, war kaum Tiberius in Illyrien eingedrungen, da wird er durch den eiligen Brief der Mutter herbeigerufen; 3b und nicht ist genug in Erfahrung gebracht worden, ob er den noch atmenden Augustus bei der Stadt Nola oder tot aufgefunden hat. 4 Auch hatte Livia von scharfen Wachen das Haus und die Straßen schützen lassen und bis ein und dasselbe Gerücht zugleich unter das Volk brachte, nachdem diese Maßnahmen getroffen worden waren, zu denen die Zeit mahnte, daß Augustus aus dem Leben geschieden sei und Nero sich des Staates bemächtigt habe.

4. Die Übernahme der Macht durch Tiberius

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1a Die erste Tat des neuen Principats war der Mord des Agrippa Postumus, den unwissend und unbewaffnet, ein wenn auch noch so ein beherzter Zenturio mühsam niedermachte. 1b Nichts von dieser Sache erörterte Tiberius von dem Senat: 1c Er gab Befehle des Vaters vor, mit denen er dem zur Bewachung beigegebenen Zenturio vorgeschrieben habe, daß er nicht zaudern solle, Agrippa zu töten, sobald er selbst seinen letzten Tag erfüllt habe. 2a Augustus brachte ohne Zweifel viele üble Klagen über den Charakter des jungen Mannes hervor, damit sein Untergang durch einen Senatsbeschluß festgesetzt werde. 2b Des weiteren hat er sich niemals in die Ermordung der seinen verstiegen, und es wäre nicht glaubwürdig, daß er für die Sicherheit des Stiefsohnes seinem Enkel den Tod gebracht habe, näher der Wahrheit, daß Tiberius und Livia, jener durch Angst, diese durch stiefmütterliche Haßgefühle die Ermordung des in Verdacht geratenen und verachteten Jünglings beschleunigt habe. 3a Dem meldenden Zenturio, wie es die Sitte des Militärs ist, daß es ausgeführt sei, was befohlen worden sei, antwortete er, daß er es weder befohlen habe noch daß die Rechenschaft für die Tat beim Senat abzulegen sei. 3b Als Sallustius Crispus, ein Teilhaber der Geheimnisse (dieser hatte die Nachricht zum Tribunen geschickt), dies erfahren hatte, warnte er Livia, aus Angst, er werde als Schuldiger vorgeschoben, gleich, ob er Erfundenes oder Wahres vorbrachte, daß sie nicht die Geheimnisse des Hauses, nicht die Ratschlüsse der Freunde, die Dienste des Militärs unters Volk gebracht werden, und Tiberius solle nicht die Macht des Prinzipats schwächen, indem er alles vor den Senat bringe. 3c Dies sei die Grundlage der Herrschaft, daß eine Rechenschaft nicht anders gelte, wenn sie ihm allein erstattet wird.

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1a Aber in Rom stürzten die Konsuln Väter und Ritter in die Knechtschaft. 1b Je berührter einer war, umso mehr verstellt und eiliger und mit aufgesetzter Miene mischten sie Tränen, Freude, Klagen und Lobhudelei, um nicht freudig beim Tod des Prinzeps und nicht allzu traurig über den Anfang (zu sein).

6. Das Schlachtfeld im Teutoburger Wald

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1a Daher ergriff Caesar das Verlangen, den Soldaten und dem Führer die letzte Ehre zu erweisen, das ganze Heer, das da war, zum Mitleid bewegt wegen der Verwandten und Freunde, schließlich wegen der Fälle der Kriege und dem Los der Menschen. 1b Caecina wurde vorgeschickt, damit er die Verborgenheiten der Schluchten erforscht und Brücken und Wälle auf dem Feuchten der Sümpfe und dem trügerischen Gelände errichte. 2a Das erste Lager des Varus durch großen Umfang und die Ausmaße des Hauptplatzes zeigte die Hände von drei Legionen; 2b Dann durch die halbeingestürzte Mauer, durch den niedrigen Graben wurde erkannt, daß sich die bereits geschwächten Reste gesenkt hatten. 2c In der Mitte des Feldes weiße Knochen, wie sie flohen, wie sie Widerstand geleistet hatten, verstreut oder aufgetürmt. 2d Dabei lagen Teile von Speeren und Pferdeknochen, gleichzeitig an die Stämme der Bäume angeschlagene Köpfe. 3a Auf den nahen Lichtungen barbarische Altäre, bei denen sie Tribunen und Zenturionen der ersten Schlachtreihen geschlachtet hatten. 4a Und dieser Niederlage entkommene oder aus Fesseln geflohene berichteten, daß hier Offiziere gefallen sind, dort Adler geraubt wurden. 4b Zuerst, wo Varus geschlagen wurde, wo er durch die unglückliche Rechte und den eigenen Stoß den Tod fand. 4c Von welcher Rednerbühne aus Arminius gesprochen hatte, wieviele Marterhölzer den Gefangenen, wo Martergruben, und wie er die Zeichen und Adler durch Hochmut verachtete.

20. Das gewaltsame Ende der Agrippina

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1a Die Götter boten gleichsam zum Überführen des Verbrechens eine durch Sterne helle und das sanfte Meer ruhige Nacht. 1b Das Schiff war nicht weit vorwärts gefahren, als zwei aus der Schar der Familie Agrippina begleiteten, von denen der Gallier Crepereius nicht fern vom Steuer stand, Acerronia zu Füßen der liegenden zurückgelehnten, die Reue des Sohnes und das wiedererlangten Einverständnis mit der Mutter erwähnte sie, als plötzlich auf ein gegebenes Zeichen das Dach des Ortes einstürzte durch viel schweres Blei und Crepereius zerquetscht und sofort getötet wurde: 1c Agrippina und Acerronia wurden durch die vorspringenden Wände des Bettes und durch Zufall stärkeren, als daß sie der Last wichen, geschützt. 2a Es folgte nicht die Auseinanderlösung des Schiffes, da alle verwirrt waren und, weil sehr viele Unwissende auch die Eingeweihten behinderten. 2b Es schien dann angebracht für die Ruderer, such auf eine Seite zu neigen und so das Schiff zu kentern. 2c Aber auch nicht (war) ihren selbst eine übereinstimmende Meinung zu dieser plötzlichen Sache, andererseits andere sich dagegenstemmend gaben die Möglichkeit zu einem sanfteren Sturz ins Meer. 3a Aber Acerronia, als sie durch Unklugheit rief, daß sie Agrippina sei und daß der Mutter des Princeps zu Hilfe gekommen werden solle, wurde mit Stangen und Rudern und, was der Zufall darbot, mit Schiffsgeräten niedergemacht. 3b Agrippina, ruhig und deshalb nicht recht erkannt (dennoch erlitt sie eine Wunde an der Schulter), durch Schwimmen dann durch Entgegenfahren von kleinen Schiffen in den Lucrinersee geführt, wurde in ihre Villa gebracht.

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1a Inzwischen war die Gefährdung der Agrippina unters Volk gelangt, als wäre sie durch Zufall entkommen, ein jeder lief, als er es vernommen hatte, zum Strand. 1b Diese bestiegen die Vorsprünge der Mole, diese bestiegen die nächsten Boote; 1c andere wateten im Meer, wie weit der Körper es zuließ. 1d Einige streckten die Hände aus. 1e Durch Klagen, Bitten und Geschrei der verschiedenes Fragenden und unsicheres Antwortenden füllte sich der ganze Strand; 1f eine gewaltige Menge strömte hin mit Lichtern, und sobald bekannt war, daß sie unversehrt sei, machten sie sich auf, um zu gratulieren, bis sie durch den Anblick des bewaffneten und drohenden Trupps vertrieben wurden. 2a Anicetus umgab die Villa mit einem Wachposten und brach die Tür ein und riß die Entgegenkommenden der Sklaven weg, bis er zur Tür des Schlafzimers kam; 2b einige standen da, während die übrigen durch den Schrecken der Einbrechenden verschreckt waren. 3a Im Schlafzimmer war mäßiges Licht und eine einzige der Mägde und die mehr und mehr erschreckte Agrippina, weil niemand vom Sohn und nicht einmal Agermus: 3b Denn das Aussehen einer angenehmen Angelegenheit wäre ein anderes; 3c Nun gäbe es Einsamkeit und plötzlichen Lärm und Anzeichen von überaus Schlechtem. 4a Daraufhin, als die Magd wegging, sagte sie: ,,Auch du verläßt mich?" und blickte zu Anicetus, begleitet durch den Marineoffizier Herculeius und den Flottenkommandanten Obaritus. 4b Und, falls er zum Sehen gekommen sei, solle er verkünden, daß sie erholt sei, wenn (er gekommen sei), um eine Schandtat zu verüben, vermute sie nichts vom Sohn; 4b Muttermord wurde nicht befohlen. 5a Die Mörder umgaben das Bett und der Flottenkommandant schlug zuerst mit dem Beil auf ihren Kopf. 5b Schon dem Todesstoß das Eisen ziehenden Hauptmann den Bauch vorstreckend rief sie ,,Triff den Bauch!" und wurde durch viele Wunden niedergestreckt.

21. Nero als Muttermörder

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3a An dieses ihr Ende hatte Agrippina viele Jahre gelaubt und [Rest fehlt]3b Die über Nero befragten Chaldäer antworteten, es es werde sein, daß er herrsche und die Mutter töte; 3c Und jene sagte: ,,Soll er töten, wenn er nur herrscht."

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1a Doch von Caesar wurde, als das Verbrechen endlich begangen war, seine Größe erkannt. 1b In der übrigen Zeit der Nacht, bald still vor sich hinstarrend, öfter durch Angst aufstehend, erwartete er verstört das Licht, als würde es den Tod bringen. 2a Aber die kriecherische Schmeichelei der Centurionen [Rest fehlt] 2b Daraufhin gingen die Freunde zu den Tempeln und da das Beispiel aufgegriffen war, die nahen Befestigungen Kampaniens, um mit Opfertieren und Gesandtschaften die Glücklichkeit zu bezeugen: 2c Er selbst durch verschiedene Heuchelei traurig und gleichsam seiner Unversehrtheit feindlich und den Tod der Mutter beweinend. 3 Weil jedoch nicht, wie die Miene der Menschen, so das Aussehen der Landschaft verändert wird und vor Augen stand der schwere Anblick jenes Meeres und der Strände (und es gab welche, die glaubten, daß ein Ton der Tuba von den ringsum aufragenden Hügeln und das Klagen vom Grab der Mutter zu hören) ging nach Neapel und schickte einen Brief an den Sent, dessen Hauptinhalt war, gefunden sei Agermus als Mörder mit dem Eisen von der Freigelassenen der Agrippina und sie habe ihre Strafe aus Schuldgefühlen abgebüßt, als hätte sie das Verbrechen vorbereitet.

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[1a fehlt] 1b Mit wie großer Mühe [Teil fehlt], nicht der Kurie, nicht den auswärtigen Völkern antworte! 2a Auch mit einem Seitenhieb auf die claudianische Zeit schob er alle Schandtaten dieser Herrschaft auf seine Mutter, wobei er weinte, daß sie durch einen Glücksfall für den Staat aus dem Leben geschieden sei. 2b Er erwähnte nämlich auch den Schiffbruch: 2c Daß dieser ein zufälliger gewesen sei, war derartig töricht einer gefunden worden, daß er es glaubte? 2d Oder daß ein von der schiffbrüchigen Frau einer mit einer Waffe geschickt worden sei, der die Flotte des Kaisers durchbrochen hätte? 3a Als noch nicht Nero, dessen Wahnsinn die Klagen aller übertraf, sondern Seneca war im Gerede, weil er dieses Bekenntnis geschrieben habe.

25. Der Brand Roms unter Nero

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1 Es folgte ein Blutbad, ob zufällig oder durch List des Prinzeps, unsicher (denn beides überliefern die Autoren), aber im Vergleich zu allen, die dieser Stadt durch die Gewalt von Feuern zugestoßen sind, schwerer und schrecklicher. 2a Der Anfang (war) in diesem Teil des Zirkus entstanden, der den Hügeln Palatin und Caelius benachbart ist, wo in den Geschäften, in denen die Ware war, die die Flamme nährte, gleichzeitig das Feuer begonnen sofort kräftig und schnell vom Wind entfacht die gesamte Länge des Zirkus erfaßte. 2b Denn auch nicht von Brandschutzmauern geschützte Häuser oder Tempel von Mauern umgeben oder etwas anderes der Verzögerung lag dazwischen. 3 Zuerst durchzog im Sturm das Feuer das ebene Gelände, dann erhob es sich in das hochgelegene und dadurch, daß es das tiefergelegene vorrückte, kam es den Abwehrmaßnahmen zuvor und duch die Geschwindigkeit und weil die Stadt durch die hierhin und dorthin gewundenen Straßen und die gewaltigen Häuserzeilen (dem Feuer ausgesetzt war), wie das alte Rom war. 4 Zu diesen das Gejammer der sich fürchtenden Frauen, durch Alter müde oder unerfahrener Kindheit, die für sich selbst sorgten oder sich um andere kümmerten, behinderten, während sie die schwachen zogen oder auf sie warteten, ein Teil durch Aufhalten, ein Teil eilend, alles. 5 Und oft, während sie zurückblickten, wurden sie an den Seiten oder von vorne umgeben, oder wenn sie in die nächste Umgebung entkommen waren, fanden sie, da diese auch vom Feuer erfaßt, welche sie für weiter entfernt gehalten hatten, in eben diesem Schicksal. 6a Schließlich, was sie meiden, was sie aufsuchen sollten im Zweifel, verbreiteten sich über die Äcker. 6b Weil einige alle Habe verloren hatten, auch die des täglichen Lebensunterhaltes, andere aus Liebe zu den ihrigen, die zu entreißen sie nicht vermocht hatten, obgleich ein Fluchtweg offen stand. 7 Und nicht irgendeiner wagte zu verteidigen wegen der häufigen Drohungen von vielen, die das Löschen hinderten, und weil andere öffentlich Fackeln warfen und riefen, sie hätten einen Auftraggeber, sei es, daß sie Raubzüge zügelloser ausgeführt hätten, sei es auf Befehl.

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1a Zu dieser Zeit weilte Nero in Antium und kehrte nicht eher in die Stadt zurück, als sich seinem Haus, mit dem er das Palatium und die Gärten des Maecenas verbunden hatte, das Feuer näherte. 1b Und doch konnte es nicht aufgehalten werden, daß sowohl das Palatium und das Haus und alles ringsum zerstört wurde. 2a Aber als Trost für das verwirrte und geflüchtete Volk öffnete er das Marsfeld und die Gebäude des Agrippa, sogar seine eigenen Gärten und ließ Behelfsbauwerke errichten, um die hilflose Menge aufzunehmen; 2b Es wurden Utensilien herbeigebracht von Ostia und aus nahen Landstädten, und der Getreidepreis wurde auf drei Sesterzen gesenkt. 3 Obgleich populär, hatte es keinen Erfolg, weil sich das Gerücht durchgedrungen war, daß er zum selben Zeitpunkt der brennenden Stadt auf seine Hausbühne gegangen war und den Untergang Trojas besungen hatte, indem er die jetzigen Übel mit dem alten Blutbad verglich.

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1a Am sechsten endlich wurde dem Feuer am Fuße des Esquilin ein Ende gesetzt, indem auf einer riesigen Strecke Häuser niedergerissen wurden, daß dem andauernden Wüten ein freies Feld und der leere Himmel begegne. 1b Noch nicht war die Angst beseitigt oder die Hoffnung dem Volk zurückgekehrt, als das Feuer wieder um sich griff, auf mehr offenen Plätzen der Stadt; 1c dadurch war das Verderben der Menschen geringer: 1d Die Tempel der Götter und die der Annehmlichkeit gewidmeten Säulenhallen stürzten weiter ein. 2a Und mehr der Schande hatte dieser Brand, weil er aus den aemilianischen Landgütern des Tigellinus hervorgebrochen war und Nero den Ruhm einer neu zu gründenden und einer mit seinem Beinamen zu benennenden Stadt zu suchen schien. 2b Denn Rom wird in vierzehn Tiele geteilt, deren vier unversehrt blieben, drei allein bis zum Boden vernichtet waren, den sieben übrigen blieben wenige Spuren von zerstörten und halbverbrannten Häsuern übrig.

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1 Übrigens das von der Stadt, was nach dem Haus [Palast Neros] übrig war, nicht wie nach den gallischen Bränden ohne Ordnung und auch nicht allenthalben aufgerichtet, sondern durch Ausmessen der Häuserreihen und breite Ausdehnungen der Straßen und durch beschränkte Höhe der Häuser und offenen Plätzen und hinzugefügten Säulenhallen, die die Vorderseite der Häuser schützen sollte. 2a Nero versprach, mit seinem Geld diese Säulenhallen errichten zu lassen und die gereinigten Areale den Herren zu übergeben. 2b Er fügte Belohnungen hinzu je nach Rang und familiärem Vermögen und setzte einen Zeitraum fest, in dem das Aufbauen der Häuser oder Häuserblöcken bewirkt werden sollte. 3 Er bestimmte die Sümpfe bei Ostia dem aufzunehmenden Schutt, und daß die Schiffe, die das Getreide den Tiber heraufführten, mit Schutt beladen wegführen und daß die Gebäude selbst zu einem bestimmten Teil ohne Balken aus gabinischem oder albanischem Gestein fest gebaut würden, weil dieser Stein für Feuer undurchdringlich ist; 4 Ferner, daß das Wasser, das durch Willkür der Privatmänner angezapft war, stärker und an mehr Plätzen der Öffentlichkeit fließe, gab es Wächter; 4b und Hilfsmaßnahmen zum Unterdrücken des Feuers soll ein jeder im Vorhof haben, und daß sie nicht durch gemeinsame Wände, sondern jedes einzelne von eigenen Mauern umgeben würden. 5a Die aus diesen Nutzen aufgegriffenen (Maßnahmen) brachten auch der neuen Stadt Schmuck. 5b Dennoch gab es welche, die glaubte, daß diese alte Art der Gesundheit mehr gebracht habe, weil die Engen der Wege und die Höhe der Häuser nicht so sehr durch Glut der Sonne durchdrungen wurden. 5c Aber nun, daß die ausladende und die durch keinen Schatten geschützte Weite durch stärkere Hitze in Glut gerate.

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1a Und diese (Maßnahmen) wurden durch menschliche Pläne getroffen. 1b Bald wurden Sühneopfer in Angriff genommen und die Bücher der Sibylla befragt, nach deren Weisung man zu Volcanus und Ceres und Proserpina betete und Iuno durch Frauen besänftigte, zuerst am Kapitol, dann bei der nächstgelegenen Meeresstelle, dann wurde mit dem geschöpften Wasser der Tempel und das Standbild der Göttin besprengt; 1c und Speiseopfer und Nachtwachen feierten die Frauen, die Männer hatten.

2a Aber nicht durch menschliche Hilfe, nicht durch reiche Spenden des Prinzeps oder Besänftigungen der Götter wich das Gerücht, daß der Brand für einen befohlenen gehalten wurde. 2b Daher schob Nero für die Beseitigung des Gerüchts Schuldige vor und verhängte äußerst ausgesuchte Strafen (über sie), die das Volk als wegen der Schandtaten verhaßte Chrestianer bezeichnete. 3a Der Namensspender Christus war unter der Herrschaft des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt worde; 3b und der für den Augenblick ünterdrückte verderbenbringende Aberglaube brach wieder hervor, nicht nur in Judäa, dem Ursprung dieses Übels, sondern auch in der Stadt Rom, wo von überall her alles gräßliche und schändliche zusammenfließt und gefeiert wird. 4a Also wurden zuerst die aufgegriffen, die gestanden, dann wurde durch ihre Anzeigen eine riesige Menge überführt, nicht so sehr in der Anschuldigung des Brandes als aufgrund ihres Hasses gegen das menschliche Geschlecht. 4b Und den Zugrundegehenden wurde Spott zugefügt, daß sie von Tierfellen bedeckt durch Zerreißen der Hunde zugrunde gingen oder ans Kreuz geschlagen oder, als sich der Tag zu Ende geneigt hatte, daß sie zum Gebrauch des nächtlichen Lichtes verbrannt wurden. 5a Und Nero bot seine Gärten diesem Schauspiel an und veranstaltete ein Zirkusspiel, durch das Aussehen eines Wagenlenkers unters Volk gemischt oder auf den Wagen gestellt. 5b Von dort erhob sich das Mitleid, obgleich gegenüber Schuldigen und (Menschen), die die härtesten Strafen verdient hatten, als ob sie nicht zum öffentlichen Nutzen, sondern wegen der Grausamkeit eines einzelnen hingerichtet wurden.

24. Epicharis, die Heldin der Pisonischen Verschwörung

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1a Da sie inzwischen zögerten und die Hoffnung und Angst aufschoben, beschuldigte und tadelte eine gewisse Epicharis - unsicher, auf welche Weise sie es ausgeforscht hat (auch hatte sie nicht zuvor irgendeine Sorge um ehrenhafte Angelegenheiten gehabt), - die Verschwörer.

1b Und schließlich empfand sie Ekel vor derer Trägheit und, in Kampanien weilend, verscuhte sie, die Ersten der misenischen Flottenangestellten zum Wanken zu bringen und sie durch Mitwisserschaft zu binden mit solchem Anfang. 2a In dieser Flotte war der Kommandant Volusius Proculus, der für Nero wegen der zu tötenden Mutter unter den Helfern war, der meinte, nicht gemäß der Größe des Verbrechens befördert worden zu sein. 2b Dieser, einst der Frau bekannt geworden, oder die Freundschaft frisch entstanden, während er seine Dienste gegenüber Nero eröffnete, wie sie erfolglos geblieben seien, und Klagen hinzufügte und seine Entschlossenheit zur Rache, wenn sich die Gelegenheit ergab, ließ hoffen, angestoßen werden zu können und noch mehr gewinnen könne: 2c Und eine nicht geringe Hilfe sei in der Flotte, zahlreiche Gelegenheiten, weil sich Nero am häufigen Besuch des Meeres bei Puteoli und Misenum erfreute. 3a Daher Epicharis mehr; 3b Und sie redeten über alle Verbrechen des Kaisers, und daß dem Senat nichts übrigbleibe. 3c Doch es wurde vorgesorgt, auf welche Weise er für die Zerstörung der Republik bestraft werden soll: 3d Er solle sich nur fertigmachen, rüstig die Sache zu übernehmen, die Entschlossensten der Soldaten auf seine Seite zu ziehen, und solle sich würdige Belohnungen erwarten. 4a Dennoch verschwieg sie die Namen der Verschwörer. 4b Infolgedessen war die Anzeige des Proculus ohne Wirkung, obwohl er das, was er gehört hatte, Nero berichtete. 4c Freilich wies Epicharis, als sie vorgeladen und mit dem Anzeiger gegenübergestellt wurde, ihn, der sich auf keine Zeugen stützte, leicht zurück. 4d Aber sie selbst wurde in Gewahrsam genommen, da Nero den Verdacht hatte, daß nicht falsch sei, was nicht als wahr bewiesen wurde.

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1a Und weiel inzwischen Nero, sich erinnernd, daß Epicharis aufgrund der Anzeige des Volusius Proculus festgehalten wurde und weil er glaubte, daß der weibliche Körper dem Schmerz nicht gewachsen sei, befahl er, daß sie durch Foltern zerrissen werden sollte. 1b Doch nicht Schläge, nicht Feuer, nicht Zorn der um so heftiger folternden, damit sie nicht von einer Frau verachtet werden, überwanden sie, daß sie das Vorgebrachte leugnete. 1c So wurde der erste Tag der peinlichen Befragung verachtet. 2a Am nächsten Tag, als sie zu denselben Marterungen auf dem Gestell eines Sessels geschleppt wurde (denn sie konnte sich nicht mehr auf ihre ausgerenkten Glieder stützen), legte sie ihren Nacken in die Fesseln der Brustbande, die sie von der Brust gezogen hatte und nach Art einer Schlinge auf den Sessel gebunden hatte, stemmte sie das ganze Gewicht ihres Körpers dagegen und hauchte ihren schon zarten letzten Atem aus. Historien

28. Die Situation der Zeit

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1a Ich gehe heran an ein Werk, reich an Wechselfällen, schrecklich durch Kämpfe, uneins durch Zwistigkeiten, auch im Frieden selbst schrecklich. 1b Vier Prinzipes sind durch das Schwert beseitigt; 1c Drei Bürgerkriege, mehr auswärtige und meistens gleichzeitig; 1d Günstig waren die Dinge im Morgenland, ungünstig im Abendland: 1e Illyrien war verwirrt, die gallischen Provinzen wankend in der Treue, Britannien völlig bezwungen und sogleich aufgegeben, die Völker der Sarmater und Sueben haben sich gegen uns erhoben, der Daker ist bekannt geworden durch wechselseitige Niederlagen, von den Parthern waren die Waffen beinahe ergriffen durch das freche Auftreten eines trügerischen Nero. 2a Aber auch Italien war schwer getroffen von neuen oder nach einer langen Reihe von Jahrhunderten erneut hereingebrochenen Katastrophen: 2b Städte waren verschlungen oder verschüttet, die äußerst fruchtbare Küste Kampaniens; 2c Und die Stadt Rom war durch Brände verwüstet, wobei die ältesten Tempel verzehrt wurden und selbst das Kapitol durch der Bürger Hände in Brand gesteckt war. 2d Die heiligen Bräuche waren besudelt, groß die Ehebruchskandale; 2e Das ganze Meer war durchsetzt von Verbannten, die Klippen von Leichen. 3a Schrecklicher wurde in der Stadt gewütet: 3b Adel, Macht, Ehren, angenommen oder abgelehnt, wurden als Verbrechen angesehen, und wegen der Tüchtigkeiten war ihnen Untergang äußert sicher. 3c Und es waren nicht weniger Belohungen der verhaßten Ankläger als Verbrechen, während die einen die Priesterämter und Konsulate wie Beute anstrebten, andere Prokuratorenstellen und Einfluß bei Hof, sie verwirrten, sie wenden alles in Haß und Schrecken. 3d Sie verleiten die Sklaven gegen die Herren, die Freigelassenen gegen die Schutzherren; 3e Und die, die keine Feinde hatten, wurden von den Freunden bedrängt.

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1a Dennoch so sehr war das Jahrhundert nicht so bar an Leistungen, als daß es nicht auch gute Beispiele gegeben hätte: 1b Mütter heben die flüchtigen Kinder begleitet, die Ehefrauen folgten den Ehemännern ins Exil: 1c Die Nähesten wagemutig, standhaft die Schwiegersöhne, hartnäckig auch die Treue der Sklaven sogar gegen Folterungen. 1d Äußerste Notlagen berühmter Männer, selbst den Notfall tapfer ertragend und Sterbefälle ebenbürtig den gelobten Toden der Alten. 2aAußer vielen Fällen menschlicher Belange im Himmel und auf der Erde Warnungen der Blitzeund Vorzeichen der zukünftigen Dinge, heitere und traurige, zweideutige und klare; 2b Denn niemals durch schreckliche Katastrophen der römischen Bevölkerung oder berechtigtere Anzeichen wurde bestätigt, daß unsere Sicherheit die Götter nicht sorge, sondern die Strafe.

31. Rom als Schutzmacht der Provinzen

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1a Bald redete er die zur Heeresversammlung gekommenen Treviren und Lingonen so an: 1b ,,Einerseits habe ich niemals Beredsamkeit geübt, aber ich habe die Schlagkraft des römischen Volkes mit Waffen bestärkt: 1c Aber weil bei euch Worte sehr viel Bedeutung haben und gute und schlechte nicht ihrer Natur nach, sondern nach den Stimmen der Aufständischen gehört zu haben geschätzt werden, habe ich beschlossen, wenige zu verlieren, die nach Niederschlagen des Krieges nützlicher sein könnten als für uns, sie gesprochen zu haben. 2a Eure Erde und die der übrigen Gallier haben die römischen Führer und Feldherrn aus keinem Verlangen angegriffen, sondern weil eure Vorfahren sie einluden, die Streitereien bis zum Untergang ermüdeten, und weil die zu Hilfe gerufenen Germanen Bundesgenossen ebenso wie Feinden Knechtschaft auferlegt hatten. 2b In wieviele Kämpfen gegen Kimbern und Teutonen, in wievielen Arbeiten unserer Heere mit welchem Ausgang wir germanische Kriege geführt haben, ist hinreichend klar. 2c Und deshalb haben wir nicht den Rhein besetzt, um Italien zu schützen, damit sich kein anderer Ariovistus der Herrschaft über die gallischen Gebiete bemächtigt. 3a Aber haltet ihr euch für lieber den Stämmen der Bataver und den Stämmen jenseits des Rheines, als es eure Großväter und Väter ihren Vorfahren waren? 3b Es ist immer derselbe Grund für die Germanen, in die gallischen Gebiete überzusetzen, Verlangen und Neid und Liebe, die Wohnsitze zu wechseln, damit sie die Sümpfe und Einsamkeiten verlassen und sich der fruchtbarsten Böden für euch selbst bemächtigen: 3c Im übrigen werden Freiheit und klingende Namen vorgeschoben; 3d Und niemand hat sich fremde Knechtschft und Herrschaft gewünscht, sodaß er nicht diese Worte mißbräuchlich verwendete.

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1a Gewaltherrschaften und Kriege waren immer in den gallischen Gebieten, bis ihr in unser Recht kamt. 1b Wir, obwohl wir oft gereizt worden sind, fügen nach dem Recht des Sieges allein das hinzu, um den Frieden zu schützen; 1c Denn weder kann die Ruhe der Völker ohne Waffen noch Waffen ohne Sold noch Besoldungen ohne Abgaben garantiert wreden. 1d Das übrige liegt im gemeinsamen: 1e Selbst lenkt ihr meistens unsere Legionen, selbst leitet ihr diese und andere Provinzen; 1f Nichts ist getrennt oder verschlossen. 2a Und der Nutzen der gelobten Fürsten ist euch gleich, obwohl ihr in der Ferne lebt, nur wilde fallen über die nächsten her. 2b Wie die Unfruchtbarkeit oder die allzu starken Regengüsse und übrigen Übel der Natur, so ertragt den Überfluß oder die Gier der Herrschenden. 2c Es wird Fehler geben, solange es Menschen gibt, doch weder andauernde und sie werden durch Eintreten besserer Zeiten aufgewogen, es sei denn, ihr erhofft zufällig eine maßvollere Herrschaft unter der Führung von Tutor und Classicus, oder daß durch geringere Steuern als nun Heere bereitet werden, durch die Germanen und Britannen abgewehrt werden. 3a Was anderes als Kriege der Völker unter sich wird sich erheben, wenn die Römer geschlagen sind, was die Götter verhindern mögen. 3b Durch Glück und Ordnung von achthundert Jahren ist dieses Gefüge zusammengewachsen, das ohne Untergang derer, die die stürzen, nicht gestürzt werden kann, doch für euch bedeutet es den größten Unterschied, bei wem Gold und Schätze, der hauptsächliche Grund für Kriege, sind. 4a Deshalb liebt, verehrt den Frieden und die Stadt, die Besiegte und Sieger durch das gleiche Recht genießen. 4b Euch sollten die Beweise beiderlei Geschicks mahnen, damit ihr nicht Hartnäckigkeit mit Verderben lieber wollt als Gehorsam mit Sicherheit." 4c Durch solch eine Rede beruhigte er die Schlimmeres fürchtenden und richtete sie auf.

Agricola

32. Die Rede des Calgacus: Rom als Aggressor

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4a Schon konnte man über dreitausend Bewaffnete sehen, und es strömte die ganze Jugend herbei und die, denen ein rüstiges und frisches Alter war, berühmt durch den Krieg und jeder mit seinen Auszeichnungen, da soll als unter mehr Führern durch Verdienst und Herkunft ein Herausragender, Calgacus mit Namen, bei der versammelten, den Krieg fordernden Menge auf solche Weise gesprochen haben:

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1a ,,So oft ich die Gründe für den Krieg und unsere Notlage betrachte, ist meine Hoffnung groß, daß der heutige Tag und eure Übereinstimmung der Anfang der Freiheit für das ganze Land sein wird; 1b Denn ihr seid sowohl alle zusammengekommen als auch unerfahren in der Knechtschaft und keine anderen Länder und nicht einmal das Meer ist sicher wegen der drohenden römischen Flotte. 1c So sind der Kampf und die Waffen, die ehrenvoll sind für die Mutigen, auch für die Feigen am sichersten. 2 Die früheren Kämpfe, in denen mit wechselndem Geschick gegen die Römer gekämpft wurde, hatten wir Hoffnung in Hilfe in unseren Händen, weil wir als die vornehmsten von ganz Gallien und daher im innersten sind und sehen keine Küsten der Dienenden und unsere Augen sind auch im Kontakt mit der Herrschaft unversehrt. 3a Der Rückzug selbst und die sagenumwobene Bucht hat uns als die äußersten der Länder und die Freiheit bis zum heutigen Tag verteidigt; 3b Nun steht die Grenze Britanniens offen, und alles Unbekannte gilt als herausragend; 3c Aber es gibt darüber hinaus keinen Volksstamm mehr, wenn nicht die Fluten und Felsen, und die allzu feindlichen Römer, deren Willkür du wohl nicht durch Gehorsam und Maß entfliehen kannst. 4a Die Räuber des Erdkreises, nachdem den alles Verwüstenden die Länder ausgegangen sind, durchforsten das Meer; 4b Wenn der Feind reich ist, sind die habgierig, wenn er arm ist, ehrgeizig, die nicht der Osten, nicht der Westen sättigt; 4c Als einzige von allen begehren sie Reichtum und Armut gleichermaßen. 4d Plündern, metzeln, rauben bezeichnen sie durch falsche Namen Herrschaft, und, wo sie Einöde schaffen, nennen sie es Frieden.

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1a Die Natur wollte, daß die Kinder jedem einzelnen und seine Verwandten am liebsten seien: 1b Diese werden durch Aushebung geraubt, um woanders zu dienen; 1c Die Frauen und Schwestern, auch wenn sie der Lust der Feinde entflohen sind, werden unter dem Namen von Freunden und Gastfreunden besudelt. 1d Die Glücksgüter werden zur Abgabe, Acker und Jahresarbeit zur Getreideabgabe, die Körper selbst und die Hände zur Befestigung von Wäldern und Sümpfen unter Schlägen und Beschimpfungen aufgebraucht. 2a Für die Knechtschaft geborene Sklaven werden einmal verkauft, darüber hinaus von den Herren genährt: 2b Britannien kauft jeden Tag seine Knechtschaft, ernährt sie jeden Tag. 2c Und so wie im Gesinde gerade der Neueste der Sklaven auch den Mitsklaven zum Spott dient, so werden wir in dieser alten Dienerschaft des Erdkreises als Neue und Wohlfeile zum Untergang gefordert; 2d Denn weder haben wir Fluren noch Bergwerke noch Häfen, um für deren Betreibung aufgespart u werden. 3a Weiters sind Mut und Wildheit der Unterworfenen den Herrschenden nicht willkommen; 3b Und weite Entfernung und die Abgeschiedenheit selbst sind umso verdächtiger, je sicherer. 3c So nach Aufgabe der Hoffnung auf Gnade faßt dennoch Mut, wie die, denen das Heil ebenso teuer ist wie der Ruhm. 4a Die Briganten konnten unter der Führung einer Frau eine Kolonie niederbrennen, ein Lager erobern, und wenn das Glück sich nicht in Sorglosigkeit gewandelt hätte, hätten sie das Joch abschütteln können. 4b Wir wollen unberührt und nicht unterjocht, und für die Freiheit, nicht für die Reue geboren, beim ersten Zusammentreffen zeigen, welche Männer sich Caledonien aufgespart hat.

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1a Oder glaubt ihr, daß die Römer im Krieg die selbe Tapferkeit haben wie Willkür im Frieden? 1b Jene durch unsere Uneinigkeiten und Streitigkeiten Berühmten wenden die Fehler der Feinde in Ruhm ihres Heeres; 1c Wie Glück dieses aus verschiedensten Völkern Zusammengesetzte zusammenhält, so wird Unglück es auflösen, außer, wenn Gallier und Germanen und (es schämt zu sagen) die meisten der Britannier durch Treue und Zuneigung gehalten werden, mögen sie euch ihr Blut der Fremdherrschaft geben, waren sie länger Feinde als Sklaven. 2a Es sind Angst und Schrecken, unsichere Fesseln der Liebe; 2b Sobald du diese beseitigst, werden die zu hassen beginnen, die aufgehört haben, zu fürchten. 2c Alle Anreize des Sieges sind für uns: 2d Keine Frauen feuern die Römer an, keine Eltern [Rest fehlt] 2e Die Meisten haben entweder keine Heimat oder eine fremde. 2f Die Wenigen an Zahl, die durch Unwissen furchtsamen, denen der Himmel selbst und das Meer und die Wälder, alles unbekannt ist, wenn sie ringsum blicken, haben uns die Götter auf gewisse Art verschlossen und gefesselt übergeben. 3a Euch soll nicht die Leere des Anblicks und der Glanz von Gold und Silber schrecken, das weder schützt noch verwundet. 3b In der Schlachtreihe der Feinde selbst werden wir unsere Sklaven finden: 3c Die Britannier werden ihre Sache erkennen, die Götter werden sich an die frühere Freiheit erinnern, werden die übrigen Germanen jene verlassen, wie sie neulich die Usiper zurückließen. 3d Und es gibt nichts darüberhinaus (als Gegenstand) der Angst: 3e Leere Befestigungen, Kolonien der Alten, zwischen schlecht Gehorchenden und ungerecht Herrschenden sind Landstädte in schlechtem Zustand und uneins. 4a Hier der Führer, hier das Heer; 4b Dort Abgaben und Bergwerke und sonstige Strafen der Dienenden, die es auf diesem Feld in Ewigkeit zu tragen oder sofort zu rächen gilt. 4c Daher denkt sowohl an eure Vorfahren als auch an die Nachkommen, wenn ihr in die Schlachtreihe ziehen werdet."

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Sie nahmen die Rede feurig auf, wie es den Barbaren Sitte ist, mit Geschrei und Gesang und mißtönenden Rufen.

34. Die Bewohner Germaniens

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1a Ich könnte glauben, daß die Germanen selbst Eingeborene sind und keineswegs durch Ankömmlinge und Gastfreunde anderer Stämme vermischte, weil sie auch einst nicht auf dem Landweg, sondern mit Schiffen herbeifuhren, sie, die ihre Wohnsitze zu wechseln suchten, und weil darüber hinaus der unermeßliche und, wie ich sagen möchte, gegenüberliegende Ozean selten von Schiffen von unserem Erdkreis aus besucht wird. 1b Wer hätte weiters, abgesehen von der Gefahr des schrecklichen und unbekannten Meeres, nachdem er Asien, Afrika oder Italien zurückgelassen hat, Germanien anstreben sollen, unwirtlich in seinen Ländereien, rauh wegen dem Klima, trostlos in der Lebensweise und dem Anblick, wenn es nicht das Vaterland wäre?

3a Im übrigen ist die Bezeichnung Germanien frisch und jüngst hinzugefügt, weil die, die den Rhein überquert hatten und dort die Gallier vertrieben hatten, nun Tungrer, und nun Germanen genannt werden.

3b So habe der Name des Stammes, nicht des Volkes, Bedeutung gewonnen, sodaß sie von allen zuerst nach dem Sieger wegen der Angst, später dann auch von sich selbst, da der Name aufgekommen war, als Germanen bezeichnet wurden.

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1a Ich selbst nähere mich der Meinung derer, die glauben, daß die Stämme Germaniens mit keinem der anderen Stämme durch Heirat verbunden sind und für ein eigenständiges und reines und nur sich selbst ähnliches Volk gehalten werden müssen. 1b Daher ist auch die äußere Erscheinung des Körpers allen gleich bei einer so großen Zahl an Menschen: 1c Wilde und himmelblaue Augen, rötliches Haar, große Körper und nur zum Angriff starke. 1d Sie haben nicht dieselbe Geduld bei Arbeit und Mühen, und am wenigsten, Durst und Hitze zu ertragen, aber an Kälteperioden und Hungersnot haben sie sich aufgrund des Klimas oder des Bodens gewöhnt.

35. Die Götter der Germanen

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1a Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur, dem an bestimmten Tagen auch mit Menschen Opfer darzubringen sie als Pflicht ansehen. 1b Den Herkules und den Mars stimmen sie mit erlaubten Tieren gnädig. 1c Ein Teil der Sueben opfert auch der Isis: 1d Woher Grund und Ursprung für die fremde Opferhandlung (kommt), habe ich zu wenig in Erfahrung gebracht, außer das Symbol selbst lehrt in der Arte einer Barke, daß es eine eingeschiffte Religion sei. 2a Außerdem glauben sie, daß es mit der Größe der Himmlischen vereinbar sei, die Götter weder mit Wänden zusammenzustellen noch sie menschlichen Gesichtern anzugleichen: 2b Sie weihen Wälder und Haine, und sie benennen jenes Geheimnisvolle mit dem Namen der Götter, den sie in Andacht allein sehen.

36. Ehe und Sittenstrenge

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1a Indes sind dort die Ehen streng, und man könnte keinen Teil der Sitten mehr loben. 1b Denn beinahe als einzige der Barbaren sind sie mit je einer Frau zufrieden, außer sehr wenigen Ausnamen, die nicht aus Verlangen, sondern wegen ihrer adeligen Herkunft von sehr vielen Ehevorschlägen umworben werden. 2a Die Mitgift gibt nicht die Frau dem Mann, sondern der Mann der Frau. 2b Dabei sind die Eltern und Verwandten und prüfen die Gaben, die nicht zum Vergnügen der Frau ausgesucht wurden, mit denen nicht die Braut geschmückt wird, sondern Rinder und ein gezäumtes Pferd und ein Schild mit einem Frame und einem Schwert. 2b Unter diesen Gaben wird die Gattin in Empfang genommen, und im Gegenzug bringt sie selbst dem Mann irgendwelche Waffen. 2c Sie halten dies für die größte Fessel, dies für geheime Weihen, dies für eheliche Götter. 3a Damit sich die Ehefrau nicht für außerhalb der Überlegung, was tugendhaftes Verhalten betrifft, und außerhalb der Schicksalschläge, was die Kriege betrifft, hält, wird sie durch diese Vorzeichen selbst der begonnenen Ehe gemahnt, daß sie als Verbündete der Mühen und Gefahren komme und dasselbe im Frieden und dasselbe im Krieg erleiden und wagen werde. 3b Das verkünden die unter das Joch gespannten Rinder, das das gezäumte Pferd, das die gegebenen Waffen. 3c So müsse man leben, so sterben: 3d Sie anzunehmen, damit sie sie den Kindern unbeschadet und würdig gebe, die die Schwiegertochter empfangen wird und wieder den Neffen gegeben wird.

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1a So leben sie in abgeschirmter Sittsamkeit durch keine Verlockungen von Schauspielen, von keinen Ablenkungen der Gelage verführt. 1b Heimlichen Briefwechsel des Mannes und der Frau kennen sie nicht. 1c Sehr wenige Ehebrüche trotz des so zahlreichen Volkes, deren Strafe sofort vollzogen und den Ehemännern überlassen wird: 1d Der Gatte vertreibt sie als Nackte, nachdem er die Haare abgeschnitten hat, vor den Verwandten aus dem Haus und treibt sie unter Schlägen durch das ganze Dorf. 1e Denn es gibt keine Gnade für preisgegebenes Schamgefühl: 1f Nicht durch die Gestalt, nicht durch das Alter, nicht durch Vermögen wird sie wieder einen Mann finden. [1g - 2a fehlen] 2b So nehmen sie einen Mann, auf welche Weise sie einen Körper und ein Leben, damit keine weitere Überlegung sei, daß nicht länger Verlangen, daß sie nicht so sehr dem Ehemann, sondern vielmehr die Ehe lieben. 2c Die Zahl aber der Kinder zu begrenzen oder irgendeinen der Nachgeborenen zu töten hält man für eine Schandtat, und dort haben die guten Sitten mehr Bedeutung als woanders gute Gesetze.

37. Gastfreundschaft, Essen und Trinken

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2a Den Gesellschaften, den Gastmählern huldigt kein anderes Volk ausgiebiger. 2b Irgendeinen der Sterblichen vom Haus abzuwehren gilt als Unrecht; 2c Jeder empfängt je nach Vermögen mit einem bereitgestellten Gastmahl. 2d Wenn (die Vorräte) ausgegangen sind, der gerade Gastfreund war, wird er Zeiger des Gastfreunds und Begleiter; 2e Sie besuchen das nächste Haus, obwohl sie nicht eingeladen sind. 2f Es liegt nichts daran: 2g Sie werden mit gleicher Menschlichkeit aufgenommen. 2h Bekannt und unbekannt unterscheidet niemand, so weit es sich auf das Recht des Gastfreunds bezieht. 2i Dem Weggehenden, wenn er etwas fordert, etwas zu gewähren ist Brauch; 2j Und beim Fordern im Gegenzug gibt es dieselbe Unbefangenheit. 2k Sie erfreuen sich an Geschenken, aber sie stellen weder das Gegebene in Rechnung noch fühlen sie sich durch Empfangenes verpflichtet.

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2l Feuchtigkeit aus Gerste und Weizen ist vergoren in gewisser Ähnlichkeit zu Wein für ein Getränk; 2m Die dem Ufer nahen kaufen auch Wein. 2n Die Speisen sind einfach, Feldfrüchte, frisch erlegtes Wild oder Frischkäse: 2o Ohne Zubereitung, ohne Gewürze stillen sie den Hunger. 2p Bei Durst haben sie nicht die gleiche Mäßigkeit. 2q Wenn du ihrer Trunksucht Vorschub leistest durch Heranführen, wieviel sie wünschen, werden sie nicht weniger leicht durch Fehler als durch Waffen besiegt.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Tacitus - Annalen
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Autor
Jahr
1998
Seiten
19
Katalognummer
V95575
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tacitus, Annalen
Arbeit zitieren
Jensi (Autor), 1998, Tacitus - Annalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95575

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