In den vergangenen Jahren ist jedoch von den glanzvollen Zeiten des Tennissports in Deutschland nur noch wenig geblieben. Stattdessen liest man Schlagzeilen wie "Der Tennis-Boom ist vorbei“ oder „Tennis ist tot“. Das Tennisturnier in Wimbledon wird hierzulande bereits seit Jahren fast ausschließlich von Pay-TV-Sendern übertragen. Diese Arbeit geht deshalb vor dem Hintergrund des einstigen Booms der Frage nach, ob Formate wie das im Frühjahr publizierte Format " Ulitmate Tennis Showdown" einen solchen Boom wiederbeleben können. Es soll gefragt werden, welche Resonanzdieses völlig neue Format erfahren hat und welche Potentiale aber auch welche Risiken sich für den Tennissport daraus ergeben können.
Um sich dieser Zielvorgabe nähern zu können, soll zu Beginn auf die ökonomischen Besonderheiten des Sports eingegangen werden. Dabei wird das sogenannte magische Viereck aus Sport, Medien, Wirtschaft und Publikum beleuchtet. Diese Grundlagen sollen im folgenden Kapitel zur Inszenierung des Sports in den Medien vertieft werden. Die hier aufgezeigten Entwicklungen beziehen sich insbesondere auf die Verbindung von Sport und dem Medium Fernsehen. Zunächst geht es
hierbei um die verschiedenen Merkmale von Mediensportarten. Darauf aufbauend sollen die Prozesse der medialen Spannungssteigerung betrachtet werden: die Mediatisierung. Die von Dohle und Vowe entworfene Mediatisierungstreppe steht
hierbei im Vordergrund. Anhand dieses Modells werden im späteren Verlauf die einzelnen Veränderungen beim Ultimate Tennis Showdown im Vergleich zum klassischen Tennis dargestellt. Zuvor gebe ich einige allgemeine Hintergrundinformationen zum traditionellen Tennissport und dessen tragenden Organisationen sowie eine Analyse der Tennisberichterstattung im deutschen Fernsehen und dessen Zielgruppe.
Im Anschluss daran wird das Format Ultimate Tennis Showdown vorgestellt und – wie bereits erwähnt – auf der Mediatisierungstreppe eingeordnet. Weiterhin soll die Resonanz aus den Medien und von den Akteuren zusammengetragen werden, sodass mögliche Potentiale und Risiken bzw. Kritik dieses Turnierformats erörtert werden können. Anhand deren Gegenüberstellung lassen sich dann die Erfolgschancen von Ultimate Tennis Showdown abschätzen sowie mögliche Entwicklungen für die Zukunft im Fazit bzw. Ausblick prognostizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz der Fragestellung
1.2 Aufbau und methodische Vorgehensweise
2. Ökonomische Besonderheiten des Sports
2.1 Das magische Viereck Sport – Medien – Wirtschaft – Publikum
2.2 Der Nutzen des Sports für die Medien
2.3 Der Nutzen der Medien für den Sport
3. Die Inszenierung des Sports in den Medien
3.1 Merkmale von Mediensportarten
3.1.1 Kontext
3.1.2 Organisation
3.1.3 Struktur
3.2 Der Prozess der Mediatisierung
3.2.1 Begriffserklärung
3.2.2 Die Mediatisierung des Sports
3.2.3 Die Mediatisierungstreppe nach Dohle und Vowe
4. Der traditionelle Tennissport
4.1 Hintergrund und Organisationen
4.2 Tennisberichterstattung und Zuschauertypen im Fernsehen
5. Ultimate Tennis Showdown (UTS) als Mediatisierung des Tennissports
5.1 Entstehung von UTS
5.2 UTS auf der Mediatisierungstreppe
5.3 Resonanz auf UTS
6. Bewertung von UTS
6.1 Potentiale
6.2 Risiken und Kritik
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Mediatisierung des Tennissports am Beispiel des neuen Turnierformats "Ultimate Tennis Showdown" (UTS). Ziel ist es, zu analysieren, wie durch regeltechnische und mediale Anpassungen versucht wird, den Tennissport für ein jüngeres Publikum attraktiver zu gestalten, und welche Potentiale sowie Risiken sich daraus für den Sport ergeben.
- Ökonomische Interdependenz zwischen Sport und Medien
- Theoretische Grundlagen der Mediatisierung von Sportarten
- Analyse des UTS-Formats anhand der "Mediatisierungstreppe"
- Gegenüberstellung von Potentialen und Risiken der Modernisierung
Auszug aus dem Buch
5.1 Entstehung von UTS
Nach dem Ausbruch der weltweiten COVID-19 – Pandemie im dem Frühjahr 2020 wurden ab März diesen Jahres alle Turniere der ATP- und ITF- Serie im Herren-Tennis abgesagt. Erst im Laufe des Spätsommers wurde der Spielbetrieb kleinerer Challenger-Turniere wieder aufgenommen, größere Profi-Turniere wurden jedoch bislang nicht ausgetragen (Stand: 15.08.2020) und das, obwohl Tennis generell ein eher kontaktarmer Sport ist. Verschiedene Umstände ließen es jedoch nicht zu, die ATP-Tour wieder zu starten, u.a. die Einschränkung der Reisefreiheit der Spieler. So hätte es beispielsweise eine Wettbewerbsverzerrung gegeben, da nicht alle Spieler beliebig in andere Länder einreisen durften. Diese besondere turnierfreie Zeit nutzte Patrick Mouratoglou – Trainer der Top-Tennisspielerin Serena Williams und Betreiber einer Tennisakademie in Südfrankreich – um ein völlig neues Format mit komplett anderem Regelwerk ins Leben zu rufen: Ultimate Tennis Showdown.
Das Motto seines Turniers lautet „Vielfalt. Emotion. Modernität“. Sein Hauptziel hinter der Einführung dieses Liga-Systems ist eine Revolution des Tennissports und dadurch die Gewinnung eines neuen, jüngeren Publikums. Hinter der ganzen Neuinszenierung steht Mouratoglous These, dass das Durchschnittsalter des Tennisfans heute 61 Jahre betrüge (vgl. Hogwood, 2020). Für ihn sei dies langfristig keine gesunde Entwicklung. Durch das starre Festhalten an alten Traditionen stagniert Tennis und ist in seinen Augen „lang, langweilig und verstaubt“ (vgl. Jörgensen, 2020) geworden. Um diesem Trend entgegenzuwirken, entwickelte er gemeinsam mit Alex Popyrin, dem Vater und Trainer des aufstrebenden Tennisprofis Alexei Popyrin, das Format UTS. Neben eingefleischten Tennisfans soll auch ein Publikum angesprochen werden, das sich bislang weniger für diesen „extrem konservativen Sport“ interessiert hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Wandel des Tennissports, der durch sinkende Attraktivität und ein alterndes Publikum gekennzeichnet ist, und führt das neue Format UTS als innovativen Lösungsansatz ein.
2. Ökonomische Besonderheiten des Sports: Es wird das "magische Viereck" aus Sport, Medien, Wirtschaft und Publikum analysiert, um die symbiotischen Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen diesen Akteuren zu verdeutlichen.
3. Die Inszenierung des Sports in den Medien: Kapitel drei definiert Kriterien für Mediensportarten und erläutert den theoretischen Prozess der Mediatisierung unter Verwendung der "Mediatisierungstreppe" nach Dohle und Vowe.
4. Der traditionelle Tennissport: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Wurzeln, Organisationen sowie die aktuelle Situation der Tennisberichterstattung im deutschen Fernsehen.
5. Ultimate Tennis Showdown (UTS) als Mediatisierung des Tennissports: Das UTS-Format wird vorgestellt, seine spezifischen Regeländerungen werden in die "Mediatisierungstreppe" eingeordnet und die bisherige Resonanz wird diskutiert.
6. Bewertung von UTS: Hier werden die Chancen des Formats, wie die Erhöhung der Dynamik und Zuschauerbindung, den Risiken gegenübergestellt, insbesondere im Hinblick auf die Traditionspflege des Tennissports.
7. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung von UTS als potenzielle Co-Existenz zu klassischen Turnieren und einem Ausblick auf die Notwendigkeit moderner Anpassungen.
Schlüsselwörter
Mediatisierung, Tennissport, Ultimate Tennis Showdown, Sportökonomie, Sportmedien, Regeländerungen, Zielgruppenanalyse, Zuschauerbindung, Sportberichterstattung, Innovation im Sport, Mediensportarten, Patrick Mouratoglou, Digitalisierung im Sport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mediatisierung des Tennissports am Beispiel des neuen Turnierformats "Ultimate Tennis Showdown" (UTS) und untersucht dessen Auswirkungen auf das traditionelle Tennis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die ökonomische Verbindung von Sport und Medien, die theoretischen Ansätze der Mediatisierungstreppe sowie die spezifischen Regelveränderungen im modernen Tennissport.
Welches primäre Ziel oder welche Forschungsfrage verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erörtern, ob und wie das Format UTS das Potential hat, Tennis für ein jüngeres Publikum zu modernisieren, und welche Risiken dabei für die traditionelle Struktur des Sports bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine theoretische Einordnung auf Basis etablierter Konzepte der Sportökonomie und Medienwissenschaft, kombiniert mit einer Fallstudie zum UTS-Format.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Mediensports, eine Analyse des traditionellen Tennissports und eine detaillierte Untersuchung der Neuerungen beim UTS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Mediatisierung, Sportökonomie, Tennissport, Zuschauerbindung und Innovation im Sport charakterisieren.
Warum wird UTS als "Mediatisierung" bezeichnet?
UTS passt Regeln und Formate gezielt an mediale Bedürfnisse an, um Spannung, Dynamik und Interaktion zu erhöhen, was den Kriterien der Mediatisierungstreppe nach Dohle und Vowe entspricht.
Wie bewertet die Arbeit die Erfolgschancen von UTS?
Die Arbeit sieht UTS als interessante Ergänzung ("Co-Existenz"), betont jedoch, dass die langfristige Etablierung durch Finanzierungsrisiken und die Akzeptanz bei traditionellen Fans erschwert werden könnte.
- Citar trabajo
- Marei Dornbusch (Autor), 2020, Potentiale und Risiken der Mediatisierung im Tennissport. Das Beispiel des "Ultimate Tennis Showdown", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956747