Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Brand von London, der eine Sonderrolle in der Geschichte der Stadtbrände einnimmt. Die Forschungsfrage, die sich diese Arbeit stellt, ist, wie der Brand zu einem Inferno werden konnte, das etwa 80 Prozent der City of London vernichtete und welche Maßnahmen während und nach dem Brand ergriffen wurden, um das Feuer zu bekämpfen oder neue Brände zu vermeiden. Dabei liegt der Hauptfokus aber nicht auf einer Darstellung, um welche Uhrzeit nun welche Straße brannte, sondern richtet sich mehr auf die Brandbekämpfungstechniken, sowie das physikalische Verhalten des Feuers.
"In sixteen hundred and sixty-six, there was hardly anyone left alife.
In sixteen hundred and sixty-six London burned like rotten sticks."
So lautet ein populärer Merkreim, der auf die Ereignisse in London im Jahr 1666 anspielt, zum einen auf die schon im Jahr 1665 ausgebrochene Große Pest von London, zum anderen auf den Großen Brand von London im Jahr 1666, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt. Der Große Brand von London war ein Ereignis, das prägend für die Stadtgeschichte Londons wurde. Ohne den Großen Brand wäre das heutige London nicht das, was es ist. Der Brand fand zu einer Zeit statt, in der Stadtbrände eine der größten Bedrohungen für die Stadtbevölkerung darstellten, da sie, so Marie Luisa Allemeyer in "Fewernoth und Flammenschwert", sowohl die städtische, als auch die gesellschaftliche Struktur massiv bedrohten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stadtbrände
2.1 Der Stadtbrand
2.2 Der Große Brand von Rom und eine Blume von Edo
3. London vor dem Brand 1666
3.1 Große Brände
3.2 London vor dem Brand 1666
3.2.1 Die Stadt
3.2.2 Die Große Pest
4. Der 2. September 1666
4.1 Der Ursprung des Inferno
4.1.1 Vor dem Ausbruch
4.1.2 Feuer in der königlichen Bäckerei des Thomas Farynor
4.1.3 Vom Hausbrand zum Inferno
4.1.4 Sir Thomas Bloodworth
4.2 Brandbekämpfung
4.2.1 Brandbekämpfung in der Frühen Neuzeit und in London vor dem Großen Brand 1666
4.2.2 Brandbekämpfung in Edo, Rom und London
4.3 Bilder des Inferno
5. Der 3. September 1666
5.1 Die Ausbreitung des Brandes
5.2 Flucht, Eigennutz und Existenzangst
6. Der 4. September 1666
6.1 König, Herzog und Sprengstoff
6.2 Das Schicksal von St. Paul's
7. Der 5. September 1666
7.1 Der letzte Tag des Großen Brandes
7.2 Ein Feuersturm?
8. Nach dem Brand
8.1 Das Ausmaß der Zerstörung
8.2 Eine obdachlose Stadt
9. Die Suche nach dem Schuldigen
9.1 Eine Verschwörung der Holländer und Franzosen?
9.2 Eine Strafe Gottes?
10. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt
10.1 Pläne für den Wiederaufbau
10.2 Ein Phönix aus der Asche
10.3 Neue Brandschutzmaßnahmen
10.4 London, Edo und der Wiederaufbau anderer Städte
11. Feuerversicherungen und die erste Londonder Feuerwehr
12. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert den Großen Brand von London im Jahr 1666, seine historische Einordnung sowie die daraus resultierenden Maßnahmen zur Brandbekämpfung und den städtebaulichen Wiederaufbau. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung vom initialen Hausbrand zum verheerenden Stadtbrand sowie die politisch-gesellschaftlichen Reaktionen darauf detailliert nachzuzeichnen.
- Ursachenanalyse und klimatische Rahmenbedingungen im "Klima-Brandjahr" 1666
- Die Rolle von Akteuren wie dem Bürgermeister Sir Thomas Bloodworth und dem König
- Vergleichende Analyse mit anderen zeitgenössischen Großbränden in Rom und Edo
- Techniken der Brandbekämpfung und die Rolle des Städtebaus im Brandschutz
- Auswirkungen auf die Londoner Stadtstruktur und die Entstehung des Versicherungswesens
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Feuer in der königlichen Bäckerei des Thomas Farynor
Die auf der Karte markierte Pudding Lane bildete den Ausgangspunkt des Brandes, wie ihn auch Samuel Pepys in seinem Tagebuch beschreibt.
"So down, with my heart full of trouble, to the Lieutenant of the Tower, who tells me that it begun this morning in the King's baker's house in Pudding-lane [...]"
John Evelyn beschreibt den Ursprungsort des Brandes weniger genau. Er gibt nur an, dass dieser in der Nähe der Fish Street ausgebrochen ist, in deren Nähe sich die Bäckerei von Thomas Farynor befindet.
"This fatal night about ten, began that deplorable fire, neere Fish-streete in Lond."
Der Beschreibung von John Evelyn nach brach das Feuer damit übrigens nicht erst am 2. September aus sondern schon am ersten, wobei zu diesem Zeitpunkt das Feuer noch kein Stadtbrand, sondern noch ein Hausbrand war.
Das Feuer in der Bäckerei war für die Bevölkerung Londons erst einmal nichts ungewöhnliches, deutlich wird dies an der Reaktion von Samuel Pepys, nachdem dieser von seiner Hausmagd Jane um drei Uhr morgens aufgeweckt und über den Brand informiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt ist der Brand aber schon so weit fortgeschritten, dass Pepys von einem großen Feuer spricht und es laut Aussage sich bis zur Market Lane ausgebreitet hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Großen Brandes von London ein, erläutert die Forschungsfrage sowie die methodische Herangehensweise und stellt den Bezug zur historischen Katastrophenforschung her.
2. Stadtbrände: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Stadtbrandes und bettet ihn in den historischen Kontext der Frühen Neuzeit ein, wobei auch Vergleiche zu Brandkatastrophen in Rom und Edo gezogen werden.
3. London vor dem Brand 1666: Das Kapitel beleuchtet den Zustand der Stadt London vor der Katastrophe, unter Berücksichtigung der vorangegangenen Großbrände und der sozioökonomischen Lage unter dem Einfluss der Großen Pest.
4. Der 2. September 1666: Hier wird der Ausbruch des Feuers in der Bäckerei von Thomas Farynor sowie die ersten, weitgehend ineffektiven Versuche der Brandbekämpfung durch lokale Autoritäten analysiert.
5. Der 3. September 1666: Das Kapitel konzentriert sich auf die rasche Ausbreitung des Feuers, die wachsende Panik in der Bevölkerung und die veränderte Koordinationsrolle der königlichen Familie.
6. Der 4. September 1666: Hier werden die intensiven Bemühungen zur Brandbekämpfung mittels Sprengungen sowie der symbolträchtige Verlust von St. Paul’s Cathedral behandelt.
7. Der 5. September 1666: In diesem Kapitel wird der Abklingprozess des Feuers beschrieben und die wissenschaftlich kontroverse Frage nach der Existenz eines "Feuersturms" erörtert.
8. Nach dem Brand: Hier werden die massiven materiellen Schäden, die hohe Anzahl an Obdachlosen und die soziale Notlage unmittelbar nach der Katastrophe bilanziert.
9. Die Suche nach dem Schuldigen: Dieses Kapitel untersucht die zeitgenössischen Verschwörungstheorien gegen Ausländer und die religiöse Deutung des Brandes als "Strafe Gottes".
10. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt: Der Fokus liegt hier auf den architektonischen Wiederaufbauplänen, neuen Brandschutzverordnungen und dem Vergleich mit internationalen Wiederaufbaustrategien.
11. Feuerversicherungen und die erste Londonder Feuerwehr: Den Abschluss bildet die historische Entwicklung des Versicherungswesens und der organisierten Feuerwehr als Konsequenz aus dem Brand von 1666.
12. Fazit: Das Fazit fasst die langfristigen Auswirkungen des Brandes auf Stadtbild und Brandschutz in London zusammen.
Schlüsselwörter
Großer Brand von London, 1666, Samuel Pepys, Stadtgeschichte, Brandbekämpfung, Katastrophenforschung, Wiederaufbau, Pudding Lane, Brandschutz, Feuerversicherung, Stadtbrand, John Evelyn, Frühe Neuzeit, Thomas Bloodworth, Katastrophe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Ereignis des Großen Brandes von London im Jahr 1666 und analysiert dessen Verlauf, Ursachen sowie die langfristigen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und das moderne Brandschutzwesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Brandursachen, die ineffektive Frühphase der Brandbekämpfung, die sozialen Folgen für die Bevölkerung, die Rolle der Regierung bei der Krisenbewältigung sowie den späteren Wiederaufbau der zerstörten City of London.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie sich ein lokaler Hausbrand zum verheerenden Inferno ausweiten konnte, das 80 Prozent der City of London vernichtete, und welche Maßnahmen infolgedessen ergriffen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Primärquellen wie Tagebucheinträgen (insb. Samuel Pepys und John Evelyn), amtlichen Dokumenten der damaligen Zeit sowie einer Einordnung in die zeitgenössische Katastrophenforschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Aufarbeitung der Brandtage, eine Analyse der Brandbekämpfungstechniken der Frühen Neuzeit und eine Untersuchung des anschließenden städtebaulichen Wiederaufbaus sowie der Entwicklung von Brandschutzmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind: Großer Brand von London, 1666, Samuel Pepys, Brandschutz, Wiederaufbau, Feuerbekämpfung und Katastrophengeschichte.
Warum war der Bürgermeister Sir Thomas Bloodworth so umstritten?
Der Bürgermeister wird von Zeitgenossen wie Pepys aufgrund seiner zögerlichen Reaktion und der Unterschätzung der Brandgefahr als hauptverantwortlich für das Ausmaß der Katastrophe angesehen, da er notwendige Maßnahmen zur Brandbekämpfung nicht rechtzeitig koordinierte.
Hatte der Brand Auswirkungen auf die Brandbekämpfungstechnik?
Ja, der Brand von 1666 gilt als Katalysator. Er führte zur Einführung neuer Brandschutzverordnungen, der Verwendung von Sprengstoff zur Schaffung von Brandschneisen und legte den Grundstein für die Gründung professioneller Feuerversicherungen und Feuerwehreinheiten.
Wurde der Brand als "Feuersturm" eingestuft?
Die wissenschaftliche Analyse in der Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Begriff "Feuersturm" für den Brand von 1666 eher eine spätere, oft quellenlose Behauptung darstellt, da die notwendigen klimatischen und räumlichen Voraussetzungen für ein solches mikro-klimatisches Phänomen nicht in der beschriebenen Form vorlagen.
- Arbeit zitieren
- Jan Hilt (Autor:in), 2017, "In 1666 London burned like rotten sticks." Der Große Brand von London, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/956752