Entschärfen negativer Umwelteinflüsse - Behüten


Seminararbeit, 1997

15 Seiten, Note: 1,0


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Gliederung

1.) Allgemeines zur ,,Behütung"
1.2) Das Prinzip der Behütung
1.3) Berechtigung und Realisierbarkeit

2.) Aspekte des Behütens und ihre Bedeutung für die Entwicklung
2.1) Emotionale Sicherung
2.2) Das Sichern von Erfahrungsräumen
2.2.3) Ausgrenzen von Gefahr/ Gewalt
2.2.4) Abschirmen

3.) Gefahren und Extreme
3.1) Überbehütung
3.2) Vernachlässigung

4.) Behüten bedeutet auch freigeben

1.) Allgemeines zur ,,Behütung"

1.1) Das Prinzip der Behütung

Der Begriff ,,Behüten" löst bei seiner Erwähnung meist allgemeines Entsetzen aus, weil er sofort mit dem Begriff der ,,Heilen Welt", der eigentlich in der Welt der Politik geprägt wurde, inzwischen aber auch im Alltag oft gebraucht wird, in Zusammenhang gebracht wird.

Behüten im hier verstandenen Sinn bedeutet aber gerade nicht, den Kindern eine Heile Welt vorzugaukeln, alle Gefahren herunterzuspielen und ihnen alles in irgendeiner Weise Problematische vorzuenthalten.

Es bedeutet vielmehr, ihnen Probleme in einer Art und Weise klarzumachen, die sie verarbeiten können, ihnen Schutz vor Eindrücken zu bieten, die sie wirklich überfordern, sie erschrecken oder ihnen Angst machen, ihnen, wenn das nicht möglich ist, bestmöglich bei der Verarbeitung einer problematischen Situation zu helfen und ihnen die Sicherheit zu bieten, die sie brauchen, um sich die Welt nach und nach selbst zu erobern. (vgl. Flitner 1996, S.83ff) Das Prinzip des Behütens bedeutet also, kurz gesagt, die Auswahl einer Welt, die Kinder ,,verstehen und in der sie sich zurechtfinden können" (Flitner 1996, S.85), stellt also einen Teilaspekt der, anderweitig behandelten, indirekten Erziehung dar, da nicht das Kind selbst, sondern hauptsächlich seine Umwelt in ihren Auswirkungen, direkt beeinflußt wird. Als Raum für diese Art der Erziehung kommt hauptsächlich die Familie in Frage, weil ein Großteil der Behütungsaufgaben, wie sich später noch zeigen wird, in der frühen Kindheit anfällt. Deshalb möchte ich mich hier auch auf diesen Bereich beschränken. Es wäre vielleicht unproblematischer, dabei statt dem etwas altmodischen Begriff des ,,Behütens" einfach den im Titel gebrauchten Ausdruck des ,,Entschärfen(s) negativer Umwelteinflüsse" zu verwenden, der Einfachheit und Kürze halber möchte ich aber beim gleichbedeutenden Begriff des Behütens bleiben.

1.2) Berechtigung und Realisierbarkeit

An dieser Stelle nun tritt eine Reihe von Fragen und Einwänden auf, die am Sinn der Behütung zweifeln lassen.

Zunächst stellt sich die Frage, ob es überhaupt wünschenswert ist, Kinder zu behüten und sie in ihrer eigenen Welt zu halten. Wenn ein Kind in einer solchen abgeschirmten Welt aufwächst, kann es sich dann später in der Welt der Erwachsenen zurechtfinden und Selbständigkeit erlangen?

Nimmt man ihm damit nicht die Herausforderung, sich in ,,der gesellschaftlichen Realität als dem Hauptfaktor der `Sozialisation'" (Flitner 1996, S. 85) zurechtzufinden? Mit der Frage nach Schutz und Sicherheit für ein Kind wird sich Pkt. 2.1 genauer auseinandersetzen.

Eine zweite Frage ist, ob es überhaupt notwendig ist, Kinder zu behüten, denn eigentlich ist die Kindheit erst eine Erfindung der Neuzeit. Postman z.B. datiert die Entstehung ihrer Idee mit dem Zeitpunkt, als die Druckerkunst Mitte des 15. Jahrhunderts ausgereift war und die Kunst des Lesens unter den jetzt abgetrennten Erwachsenen Verbreitung fand und rechnet rund zweihundert Jahre bis zu ihrer endgültigen Durchsetzung (vgl. Postman 1984, S.31 u. S.49).

Vorher wurden Kinder wie kleinen Erwachsene behandelt, und niemand wäre auf die Idee gekommen, Kinder bedürften eines besonderen Schutzes. Wieso also sollten sie heute etwas derartiges benötigen, wenn sie doch jahrhundertelang ohne aufwachsen konnten? (vgl. Flitner 1996, S. 85)

Mit dieser Frage wird sich Pkt. 2.2.1 näher beschäftigen.

Bleibt noch die Frage, ob es in der heutigen Zeit der Massenmedien praktisch überhaupt möglich ist, Kinder vor der Welt der Erwachsenen mit all ihren Anforderungen zu schützen, oder ob jeder in diese Richtung gehende Versuch nicht schon von vornherein durch das Fernsehen und andere offen zugängliche Informationsquellen untergraben wird. (vgl. Flitner1996, S.85)

Hier stellt sich also das nicht unwesentliche Problem der technischen Möglichkeiten einer Abschirmung vor negativen Umwelteinflüssen (s. Pkt. 2.2.2).

2.) Aspekte des Behütens und ihre Bedeutung für die Entwicklung

Die verschiedenen Bereiche der Behütung lassen sich nur schwer trennen und sind voneinander abhängig, z.B. zeigt ja schon der Versuch, ein Kind abzuschirmen die emotionale Bindung zu ihm.

Trotzdem möchte ich eine Trennung zugunsten der Übersichtlichkeit so weit wie möglich aufrechterhalten und die Teilbereiche einzeln abhandeln.

2.1)Emotionale Sicherung

Ich möchte mich nun genauer mit dem eigentlichen Inhalt der emotionalen Sicherung und ihrer Bedeutung für die Entwicklung eines Kindes beschäftigen.

Aus der unter Pkt. 1.2 angeführten Kritik ergibt sich die scheinbare Paradoxie des Behütens, nämlich die, daß ein Kind Führung und Sicherheit braucht, um diese Sicherheit verlassen zu können und selbständig zu werden (vgl. Flitner 1996, S.85).

Diese Paradoxie löst sich ganz einfach in Wohlgefallen auf, beachtet man bei ihrer Betrachtung, daß ein Kind sich entwickelt und wächst.

Das bedeutet, daß Kinder am Anfang ihrer Entwicklung andere Bedürfnisse haben, bzw. die Schwerpunkte anders liegen, als in einem fortgeschrittenen Stadium.

Daß Kinder am Anfang ihrer Entwicklung eine größere Sicherung durch ihren Behüter brauchen als später, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß ein Neugeborenes ganz und gar hilflos ist, denn nur ein bestimmtes Maß an menschlichen Verhaltensmustern ist angeboren, ansonsten ist ein Kleinkind darauf angewiesen, seine Fähigkeiten nach und nach aus seiner Umwelt zu beziehen.

Wenn man einem Kind also die Möglichkeit bieten will, sich später in der Welt zurechtzufinden, ist es sinnvoll, ihm zunächst eine gewisse emotionale (und natürlich auch körperliche) Sicherung zukommen zu lassen.

Kinder haben, wie gesagt, von Geburt an ein starkes Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Zunächst erleben sie dieses Gefühl in einer engen Beziehung zur Mutter, die am Anfang vor allem in einem engen körperlichen Kontakt und der Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse Ausdruck findet, später kommt die Beziehung zum Vater hinzu, und nach und nach dehnt sich das Beziehungsgefüge auf einen immer größeren Personenkreis aus. In diesen Beziehungen hat das Kind die Möglichkeit, sich als eigenständige Person zu erfahren, die anderen Menschen etwas bedeutet. Aus dieser Erfahrung heraus kann ein Kind nun eine eigene Liebesfähigkeit entwickeln und seiner Umwelt mit einem gewissen Grundvertrauen offen gegenüberzustehen.

Um dem Kind dieses Geborgenheitsgefühl zu vermitteln, das es für die Entwicklung eigener Liebesfähigkeit braucht, ist es notwendig, daß nicht nur die Beziehung der Eltern zum Kind liebevoll und stabil ist, sondern daß auch die Eltern ihrerseits liebevoll miteinander umgehen, somit eine liebevolle Atmosphäre schaffen und als Vorbilder wirken.

Am Anfang gehen die Beziehungen einseitig vom Erzieher, meist also der Mutter, aus, d.h., sie gibt dem Kind ihre Liebe, ohne daß es darauf reagieren würde.

Ab etwa dem zweiten Monat ist ein Kind dann fähig, auf ein lächelndes Gesicht zu reagieren, und einige Monate später kann es das Gesicht der Mutter von anderen unterscheiden.

Von diesem Moment an nimmt das Kind die Mutter also als eigene Person außerhalb seiner selbst wahr, und ab da geht die Gefühlsbindung auch vom Kind aus.

Nun kann die Mutter ihr Kind durch offenkundiges Interesse an ihm und seinen Fortschritten fördern und ihm Selbstvertrauen geben. Außerdem kann das Kind nun, vor allem durch Nachahmung von Modellen, Selbstbeherrschung und ethische Werte erlernen. Auf diese Weise kann die Mutter, ohne direkt einzugreifen, langsam eine Brücke zur Außenwelt schlagen, die Behütung nach und nach weiter zurücknehmen und von ihrem Kind erwarten, daß es langsam selbst Verantwortung übernimmt.

Eine weitere Folge, die das Erkennen der Mutter jedoch mit sich bringt, ist, daß das Kind sich ihrer Gegenwart bewußt ist und ängstlich wird, sobald sie fortgeht.

(vgl. Pringle 1979, S.44 ff)

Ab diesem Zeitpunkt also entwickelt das Kind zusätzlich ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit und Verläßlichkeit.

Das Bedürfnis nach Sicherheit zeigt sich bei Kleinkindern zunächst ganz offensichtlich darin, daß sie, wie man es oft beobachten kann, anfangen zu schreien, sobald die Mutter sich zu weit von ihnen entfernt.

Zunächst wird also auch diese Sicherheit durch körperliche Nähe vermittelt, die nun nicht mehr nur die elterliche Liebe beweist, sondern auch als Schutzschild gegen allzu heftige Umwelteindrücke (s. Gliederungspunkt 2.2) dient.

Ein Hinweis darauf, daß körperliche Nähe zu den Eltern das Verarbeiten negativer Eindrücke für Kinder erleichtert, könnte die Erkenntnis sein, daß Kinder, die während dem Krieg bei ihren Eltern geblieben waren und die Bombenangriffe mit ihnen zusammen erlebten, die Angst besser verkrafteten, als Kinder, die in weniger gefährdete Gebiete evakuiert worden waren. (Pringle 1979, S.45)

Die Emotionale Sicherung ist für die Entwicklung eines Kindes von besonderer Bedeutung, da sie einen Präventivschutz darstellt, der es ihm ermöglicht, mit seelischen Belastungen leichter fertigzuwerden und es ihm erleichtert, neue Erfahrungen zu machen. Sie ist also die Grundlage allen Behütens.

Emotional wird das Sicherheitsbedürfnis in erster Linie dadurch befriedigt, daß das Kind Verläßlichkeit in den Beziehungen innerhalb der Familie erfährt, daß also das Verhalten der Eltern von Kontinuität und festen Einstellungen und nicht von Willkür geprägt ist. Diese gleichbleibende Verhaltensweise der Eltern, das Wissen, was die Eltern erwarten und wo die Grenzen des Erlaubten liegen, vermitteln dem Kind Verläßlichkeit und Vertrauen.

Auch das Einhalten bestimmter Rituale, z.B. das Erzählen der immer wieder gleichen Geschichte beim Schlafengehen, oder ein vertrautes Stofftier (das die Mutter meist zur Verzweiflung treibt, weil das Kind es nicht hergeben will, obwohl es doch schon so alt und schmutzig ist), können dem Kind jenen Rückhalt bieten, den es braucht, um neue Situationen zu bewältigen.

Auf diese Weise hat das Kind einen verläßlichen Hintergrund und kann auf dieser Grundlage die vielen neuen Eindrücke, die ihm aus der Realität entgegenschlagen, verarbeiten. Ein kleines Kind, das noch keine Lebenserfahrung hat, erlebt viele eigentlich ganz banale Dinge, sei es nur das Ablaufen des Wassers aus der Badewanne, oder ein Glas, das zerbricht, wenn man es fallenläßt, als bedrohlich (vgl. Pringle 1979, S.47).

Um die Erfahrungen sammeln zu können, die ihm die Umwelt begreifbar machen, braucht das Kind die Gewißheit, jederzeit in den Rahmen der Sicherheit zurückkehren zu können. Wenn es diese Gewißheit hat, dann wird es auch den Mut aufbringen, seine eigenen Erfahrungen mit dem Leben zu sammeln (vgl. Flitner 1996, S. 87), womit wir einerseits wieder bei der scheinbaren Paradoxie des Behütens, die eigentlich keine ist angelangt wären, und andererseits der nächste Aspekt des Behütens, nämlich das Sichern von Erfahrungsräumen, relevant wird.

Ein Präventivschutz wie die emotionale Sicherung mag die Verarbeitung vieler Erfahrungen erleichtern, weil er eingreift, wenn eine Ausklammerung nicht gelingt, er kann aber gesicherte Erfahrungsräume nicht überflüssig machen, er macht sie sogar, wie oben gezeigt, in gewisser Weise erst notwendig.

2.2 ) Das Sichern von Erfahrungsräumen

Wie schon erwähnt, hat ein Kind zunächst nur ein kleines Kontingent an angeborenen Verhaltensmustern und ist damit vollständig von seiner Umgebung abhängig. Um wirklich ein eigenständiger Mensch zu werden, braucht es eine menschengerechte Umgebung, da es sehr viel von seiner Umwelt übernehmen muß.

Das zeigt sich an Kindern, die ihre ersten Lebensjahre in extremer Isolierung zubrachten und erst im Schulalter aus ihrer Situation befreit wurden. Zum Zeitpunkt der Befreiung wiesen sie nur wenige typisch menschliche Züge auf. (vgl. Pringle 1979, S.21)

Ein weniger drastisches Beispiel für die Übernahme von Verhaltensweisen ist die Einfügung in die Geschlechterrolle, die die Gesellschaft erwartet. Forschungen haben gezeigt, daß man in fast jedem Fall durch geschlechtsspezifische Erziehung, also durch Kleidung, Spielzeug, Wortwahl und unterschiedliches setzen der Erziehungsschwerpunkte bei einem Kind, egal welchen Geschlechts, beliebig eine der beiden Geschlechterrollen herstellen kann. (vgl. Pringle 1979, S.21)

Damit ein Kind nun nicht immer ein durch alles Unbekannte zu verängstigendes Kleinkind bleibt, muß es nach und nach lernen, Aufgaben zu meistern und seine Umgebung zu erobern. Da jedes Kleinkind ein kleiner Forscher ist, ist es nicht schwer, ihm neue Erfahrungen zu ermöglichen. Zunächst ist es das Krabbeln, dann das Laufen, außerdem das Wahrnehmen der Dinge in seiner Umwelt mit allen Sinnen, und je mehr ein Kind erlebt, desto größer wird auch der Rahmen in dem es seine Erkundungen anstellt. (vgl. Pringle 1979, S.53 f) Im Normalfall wird ein Kind immer neugieriger, je mehr es gelernt hat. Das bedeutet aber, daß es weder einer Reizüberflutung, also zuviel des Guten, ausgesetzt werden, noch, daß es von neuen Entdeckungen abgehalten oder gar dafür bestraft werden darf, weil eine überängstliche Mutter Gefahren wittert, wo gar keine sind (s. Pkt. 3.1), oder weil die Entdeckungsreisen des Sprößlings die durchorganisierte Routine des Alltags stören. Das Verhindern der Reizüberflutung ist Aufgabe des Abschirmens. Ein von zu vielen Reizen überfordertes Kind wird ängstlich, unsicher und entwickelt Widerstand gegen Neues. Ein Kind allerdings, dem jede neue Erfahrungsmöglichkeit von vornherein genommen wird, wird in Langeweile und Apathie versinken, vermutlich sehr passiv bleiben und durch Frustrationsgefühle und Reizbarkeit auffallen. (vgl. Pringle1979, S. 53 ff) Deshalb ist es wichtig, einem Kind Räume zu sichern, in denen es seine eigenen Erfahrungen machen kann, ohne daß es allzu großen, körperlichen wie geistigen, Gefahren ausgesetzt ist. Das bedeutet also, es klingt paradox, daß ein Kind durch die vorläufige Beschränkung auf bestimmte Räume und Abschirmung Freiheit erlangt.

2.2.1) Ausgrenzen von Gefahr/ Gewalt

Kinder brauchen, was Gefahren angeht heute sicherlich, im Gegensatz zu früheren Zeiten mehr Schutz, weil auch viele Gefahren, die heute auf Kinder lauern, eine Erfindung der Neuzeit sind, man denke nur an den Verkehr in Großstädten oder an eine Vielzahl gefährlicher technischer Geräte.

Kinder müssen also in unserer modernen Welt, die sie nicht aufnimmt, sondern eher als Störfaktor empfindet, Erfahrungsräume finden, in denen sie, vor eventuellen körperlichen und geistigen Gefahren geschützt, ihre eigenen Erfahrungen mit dem Leben machen können. Das Ausgrenzen der körperlichen Gefahren kann kurz abgehandelt werden, da wohl jedem aus dem Alltag klar ist, was damit gemeint ist. Unsere Gesellschaft ist von Fortschritt und Industrie geprägt, Kinder werden als Störfaktoren empfunden, die den Ablauf stören. Sie haben kaum Möglichkeiten, in freier Natur zu spielen, in der Stadt lauern an allen interessanten Plätzen wie Baugruben, Straßen, Bauruinen Gefahren für die Gesundheit und Unversehrtheit.

Zunächst bedeutet Behüten in Bezug auf körperliche Gefahren, daß man Räume suchen muß, in denen Kinder sich frei bewegen können und somit ihre eigenen Erfahrungen sammeln können, ohne Gefahr zu laufen, sich ernsthaft zu verletzen (vgl. Flitner 1996, S. 89). Daß diese ,,Erlebniswelten" heute meist nur noch aus genormten Spielplätzen mit geringem Erfahrungswert bestehen, ist sehr bedauerlich und zieht die Frage nach sich, ob es heute wirklich noch um das Behüten der Kinder vor einer noch nicht begreifbaren Umwelt geht, oder ob nicht eher die Gesellschaft versucht, sich selbst vor einer Störung durch Kinder zu schützen, indem sie sie auf das Abstellgleis der Sicherheit schiebt. (vgl. Kupffer 1984, S.80) Finden sich also wirklich einmal geeignete Erfahrungsräume, seien es natürliche oder durch aktive Schaffung einer anregungsreichen Umwelt entstandene, gilt es, diese unter allen Umständen zu schützen, da sie die einzige Möglichkeit bieten, Erfahrungen zu sammeln, und ein Kind, das keine eigenen Erfahrungen machen kann, wie oben erwähnt, verkümmert und in seiner Entwicklung gehemmt wird.

Nimmt man einem Kind seine Erfahrungsmöglichkeiten tut man ihm also damit genau die Gewalt an, vor der man es beschützen will, denn ein Kind, dem die gesicherten Freiräume fehlen, muß ständig aktiv eingeschränkt werden, ein Kind aber, das sich in gesicherten Räumen frei bewegen kann, wird sich der Einschränkung u.U. gar nicht bewußt. Ein weiterer Aspekt des Schutzes vor körperlicher Gefahr ist natürlich die Verhinderung von körperlicher Gewalt an Kindern.

Hier ist die Mißhandlung, aber auch der sexuelle Mißbrauch von Kindern durch Erwachsene, in vielen Fällen von den Eltern, in letzter Zeit aber auch brisant geworden durch mehrere öffentlich gemachte Fälle des Mißbrauchs durch Fremde, zu nennen, die schwere psychische Schäden, die unter Umständen nie wieder zu beheben sind, hervorrufen können. Schlimmer als diese körperliche Gewalt ist aber die psychische. Sie ist schwerer erkennbar, weil sie keine Blutergüsse hinterläßt und den meisten Gewalttätern nicht bewußt ist, bzw. der Ursprung dieser Gewalt nicht in einer bestimmten Person liegt und deshalb nicht mehr zu klären ist, eine Prävention also erschwert wird.

Psychische Gewalt versteckt sich in vielfältigen Formen im System unserer Gesellschaft, sei es als Zwang, als Nötigung, als Einengung oder Dinge die Angst machen. Ein Aspekt der psychischen Gewalt ist natürlich ebenfalls in der Mißhandlung durch Familienmitglieder zu suchen, die sich nicht nur auf physische, sondern auch auf psychische Zwänge, wie das Erwecken von Angst, Herabsetzung von Leistungen des Kindes, Vernachlässigung (s. Pkt. 3.2) u.a. erstreckt und oft in Kombination mit physischer Gewalt auftritt.

Aber auch Überbehütung (s. Pkt. 3.1) kann trotz allen guten Willens psychische Gewalt sein, weil das Bedürfnis des Kindes nach neuen Erfahrungen unterlaufen wird. Im Extremfall artet der gute Wille soweit aus, daß aus Erziehung ,,Pädagogische Gewalt" (Kupffer 1984, S. 85) wird und unter dem Deckmantel der Autorität eine Entmündigung des Kindes stattfindet. Auch der Ansporn zu Leistungen kann einem Kind schaden und in Gewalt ausarten, wenn er soweit geht, daß ein Kind nicht nur aus Motivation durch das Interesse der Eltern an seinen Fortschritten versucht, gute Leistungen zu erbringen, sondern weil es Angst vor Strafe hat, sollte es die Erwartungen nicht erfüllen. Diese Gefahr besteht immer dann, wenn ein Kind dazu getrieben wird, sich nur noch über seine Leistungen zu definieren und schlechte Leistungen ihm jedes Selbstwertgefühl rauben.

Solche Kinder haben bereits das Potential in sich, später zum ,,Versager" zu werden, weil sie sich durch schlechte Leistungen als ,,insgesamt gescheitert" (Kupffer1984, S. 85) ansehen und jeden Willen zu neuen Erfahrungen verlieren. (vgl. Kupffer 1984, S.83 ff, Domke 1996, S.9 f) Psychische Gewalt bedeutet also in den meisten Fällen eine Einengung der Kinder durch unsinnige Regeln und Einschränkungen, also genau das Gegenteil des Sicherns von Erfahrungsräumen. Deshalb ist es wichtig, bei allem Willen zur Behütung, der oft auch die Ursache psychischer Gewalt ist, das Kind, auch auf die Gefahr hin, daß dabei kleinere Mißgeschicke passieren, seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen und somit seine Entwicklung zu fördern.

Sichern von Erfahrungsräumen bedeutet also einerseits den Schutz des realen Lebensraums, in dem sich Kinder frei bewegen können, andererseits das Einschränken physischer oder psychischer Zwänge auf ein wirklich zum Schutz notwendiges Mindestmaß, das nicht zu der oben beschriebenen psychischen Gewalt ausartet (s. auch Pkt.3).

2.2.2) Abschirmen

In der heutigen Zeit spielt aber nicht mehr nur die Gefahr durch reale Gegenstände, Begebenheiten oder Personen eine Rolle, eine sehr viel größere Gefahr geht von der Reizüberflutung aus, die Kinder mit ihnen meist Unverständlichem konfrontiert.

Bekommt ein Kleinkind zu viele Anregungen, so ist es möglich, daß es darauf mit Übererregung, hoher Anspannung, Erschöpfung und Schlafstörungen reagiert. (vgl. Pringle 1979, S. 122)

Deshalb ist es notwendig, Kinder vor einer Überflutung mit Reizen zu schützen. Es stellt sich die Frage, ob dies möglich ist, denn als Lieferant dieser Reize steht natürlich das Massenmedium Fernsehen heute jedem zur Verfügung. Kinder können durch einen Knopfdruck an der Welt der Erwachsenen teilnehmen, sie sehen Sensationen, Gewalt und Brutalität, Streit, Werbung, die ihnen suggeriert, sich über Besitz zu definieren. Der abwechslungsreiche und bunte Aufbau der meisten Programme zieht die Kinder in seinen Bann und hält sie stundenlang vor dem Bildschirm, und die Fernsehsender richten ihr Programm entsprechend aus (vgl. Flitner 1996, S. 91). Einfache Handhabung erschwert die Kontrolle, denn wie eine Fernsteuerung bedient wird, ist schnell gelernt.

Postman entwickelt daraus seine Theorie, daß die Kindheit, kaum hat sich ihre Idee durchgesetzt, wieder im Verschwinden begriffen sei. Er ist der Ansicht, früher sei die Literalität die Grenze zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenstatus gewesen, weil Lesen die einzige Möglichkeit war, Bildung zu erlangen. Also mußte jeder, bevor er die Komplexität der Welt der Erwachsenen erfassen konnte, erst einmal lernen, komplizierte Texte zu lesen und zu verstehen.

Kinder seien dazu einerseits nicht in der Lage, bevor sie nicht einen gewissen Grad an Bildung erworben haben, andererseits seien ihnen die entsprechenden Texte meist zu langweilig.

Früher seien Kinder und Jugendliche also wirklich erst dann fähig gewesen, völlig in die Realität einzudringen, wenn sie auch wirklich in der Lage gewesen seien, sie zu begreifen. Heute sei diese Beschränkung nicht mehr möglich, weil das Fernsehen alle Themen spannend zu verpacken wisse, Kinder also kaum von etwas gelangweilt würden, auch wenn es sie objektiv überfordere. (vgl. Postman 1984)

Diese Meinung kann ich jedoch nicht vollständig teilen. Natürlich stellt das Fernsehen einen Angriff auf das Fassungsvermögen eines Kindes dar. Die schnelle Abfolge von Bildern, die Spannung erzeugen soll, verhindert genaues Beobachten und hemmt die Aufnahme von Informationen selbst bei eigentlich sinnvollen Programmen, denn nachdem herausgefunden wurde, daß Kinder sich bei der Auswahl von Sendungen am Lustprinzip orientieren, also an schnellen Wechseln, Spannung und Eingängigkeit von Erkennungsmelodien, bauen auch früher wertvolle Programme auf diese Elemente. (vgl. Flitner 1996, S.91) Kinder können Filme und Werbung sehen, die ihnen falsche Werte vermitteln, z.B. die Verharmlosung von Gewalt oder die oben schon angesprochenen Suggestion der Werbung und von Serien über die ,,Reichen und Schönen", daß Besitz um jeden Preis erstrebenswert ist.

Aber das bedeutet nicht, daß man Kinder vor den Einflüssen des Fernsehens unter keinen Umständen abschirmen könnte. Die meisten Filme, die erhöhte Brutalität zeigen, kommen so spät abends, daß die meisten Kinder schon schlafen. Über Werbung, die spannende Programme unterbricht, ärgern sich die meisten Konsumenten und schalten währenddessen auf andere Kanäle.

Die Hauptsache aber ist die, den Kindern so viele andere Möglichkeiten der Beschäftigung zu bieten, daß das Fernsehen seine Anziehungskraft verliert, also durch das Sichern von Erfahrungsräumen (s.o.) und das Gestalten einer anregungsreichen Umwelt. Der große Einfluß des Fernsehens ist also nicht unumgänglich, sondern lediglich ein Zeichen dafür, daß Eltern, sei es nun aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel, zum Babysitter Fernsehen greifen und nichts dafür tun, ihre Kinder zu behüten.

Eine viel größere Gefahr als das Fernsehen ist die tägliche Belästigung durch Werbung aus den Lautsprechern, die in Kaufhäusern, in Restaurants, in Hallenbädern usw. dröhnen. Vor ihnen kann man Kinder, die ohne große aktive Einschränkungen aufwachsen sollen, gerade in Städten nicht beschützen, denn dieses Mittel der Bedürfniserzeugung kann man (ebenso wie den sonstigen andauernden Alltagslärm) nicht selbst abstellen. Flitner bezeichnet diese Art der Suggestion passend als ,,akustische Freiheitsberaubung". (Flitner 1996, S.92)

Durch die dauernde Lärmbelastung entsteht eine Überreizung und Überbelastung, also Streß, die ja sogar bei Erwachsenen schwere Schäden hervorrufen kann. Beweis dafür ist der neue Boom fernöstlicher Entspannungstechniken und Esoterik, mit denen Entspannung um jeden Preis gesucht wird.

Natürlich können solche Überreizungen nicht nur durch ständig wechselnde imaginäre Situationen, sondern genauso durch schnelle Wechsel in der Realität entstehen, z.B. durch dauernde Ortswechsel und die Notwendigkeit, sich dadurch ständig auf neue Menschen und Situationen einzustellen. Sicherlich ist dabei eine gute Beziehung zu den Eltern eine Hilfe, letztlich hinterlassen solche Situationen, zwar nicht zwingend aber doch wahrscheinlich, immer schlechte Eindrücke bei den Kindern.

Das Abschirmen vor einem Zuviel an Reizen, teilweise auch durch das Anbieten harmloserer Anregungen, ist also im Prinzip die Grundlage eines geschützten Raumes für Erfahrungen, den ein Kind braucht, um selbständig zu lernen und zu entdecken.

Außerdem hält es den dazu notwendigen Forschungswillen aufrecht, den eine Reizüberlastung schnell abtöten kann.

3.) Gefahren und Extreme

Natürlich ist das Behüten eines Kindes nicht immer einfach, und es birgt die Gefahr in sich, in Extreme abzurutschen. Dabei bestehen auf beiden Seiten Abgründe, zwischen denen der schmale Pfad des wünschenswerten Maßes der Behütung liegt.

3.1) Überbehütung

Eine große Gefahr beim Versuch zu behüten ist die sogenannte ,,Overpro-tection", also ein Übermaß an ,,Schutz", der das Kind hemmt bzw. entmündigt.

Dabei besteht die Gefahr, daß aus reinem Selbstschutz versucht wird, Probleme, die eigentlich wichtig für die Entwicklung des Kindes wären, fernzuhalten, z.B. die Tatsache, daß nicht über Sexualität, Tod oder andere, den Eltern oft unangenehme oder peinliche Dinge gesprochen wird.

Das Behüten darf aber nicht dazu ausarten, daß der Erzieher seine eigene Idealvorstellung von einer besseren Welt damit verknüpft und alles unerwünschte ausblendet, also eine ,,Heile Welt" vorspielt. Er nimmt dem Kind so die Möglichkeit, sich in der Realität, die es später mit voller Härte treffen wird, zu orientieren.

Kinder sehen, hören und erahnen meist viel mehr, als die Erwachsenen wahrhaben wollen. Versucht man, alles Unangenehme zu vertuschen, wird das Kind früher oder später dahinterkommen und sein Vertrauen in die Eltern erleidet durch das Gefühl von Bevormundung, das ihm vermittelt wird, einen Sprung, der vielleicht nie mehr zu kitten ist. Es stellt sich also ständig die Frage, wen man eigentlich schützen will, sich selbst oder das Kind, oder ob man womöglich seinen Vorsprung an Wissen möglichst groß halten will, um damit Herrschaft auszuüben und das Kind an sich zu binden. (vgl. Kupffer 1984, S.89) Stellt der Erziehende zu einem Kind eine zu enge Bindung her, so kann es passieren, daß eine endgültige Loslösung nicht gelingt, und das Kind ein Leben lang abhängig bleibt und nicht fähig ist, befriedigende eigene Beziehungen aufzubauen.

Außerdem besteht bei einem von allem abgeschirmten Kind die Gefahr, daß es, genau wie ein überreiztes Kind, neuen Erfahrungen ängstlich und unaufgeschlossen gegenübersteht und keine Selbständigkeit erlangt. (vgl. Pringle 1979, S.105)

Überbehütung zeigt sich immer dann, wenn der Drang zur Behütung, sei es nun aus gutem Willen, oder aus Selbstschutz, Überhand nimmt.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Mutter, die ängstlich über eine absolut keimfreie Umgebung für das Kind wacht und ihm so die Möglichkeit nimmt, sich langsam an die Krankheitserreger zu gewöhnen. Kommt das Kind nun plötzlich mit ihnen in Kontakt, wird es von ihrer Wirkung überrollt. (Kupffer 1984, S.89)

Dieses Beispiel läßt sich auf jeden Bereich der Behütung übertragen.

Ein Kind, das nicht nach und nach immer mehr über die Realität erfährt, und zwar in Abschnitten, die es verarbeiten kann, wird eines Tages von ihr überrumpelt werden.

Ein Kind, das zu stark an seine Mutter gebunden wird, hat Schwierigkeiten bei der Loslösung von ihr.

Ein Kind, dessen Taten- und Forschungsdrang von einer überängstlichen Mutter gehemmt wird, wird diesen Drang, selbständig zu werden und eigene Erfahrungen zu machen, nach und nach verlieren.

3.2) Vernachlässigung

Auf der anderen Seite besteht aber genauso die Gefahr der mangelnden Behütung, sei es aus Einstellungsgründen - z.B. ist der Antipädagoge v. Braunmühl der Meinung, daß Erziehung durch schon verdorbene Erwachsene die noch zwanglosen Kinder verdirbt, ihnen ihr eigenes Leben nimmt und deshalb schlecht ist (vgl. v Braunmühl 1976, S. 264) - sei es aus purem Desinteresse oder Zeitmangel.

Natürlich wird nicht jedes Kind durch Vernachlässigung den gleichen Schaden nehmen, sie begünstigt aber soziales Fehlverhalten, denn ein Kind, das nicht geliebt, vielleicht sogar abgelehnt wird, wird erwartungsgemäß mit Wut oder Gleichgültigkeit seinen Mitmenschen gegenüber reagieren, Gefühle, die später in Zerstörungsdrang, Gewalt und Kriminalität umschlagen können oder doch zumindest oft ein Versagen in vielen Lebenslagen zur Folge haben.

Durch eine liebevolle Beziehung lernt ein Kind, Rückschläge und Enttäuschungen zu verkraften, Wutreaktionen zu beherrschen und die Energie im besten Fall konstruktiv einzusetzen.

Besteht diese Beziehung nicht, bleiben ungezügelte Reaktionen oft erhalten und werden mit wachsender Kraft nur gefährlicher. (vgl. Pringle 1979, S.104 f.)

Vernachlässigung wie Überbehütung müssen also nicht, sie können aber Schäden hervorrufen. Deshalb ist Behütung eine ständige Gratwanderung in der Mitte.

4.) Behüten bedeutet auch freigeben

Behüten bedeutet also zunächst das Ausklammern und Entschärfen nur solcher Eindrücke, die ein Kind nicht verarbeiten kann.

Für eine sinnvolle Verwirklichung des Prinzips sind zunächst theoretische Kenntnisse über den jeweiligen Entwicklungsstand einer Altersgruppe, typische Ängste und Schwächen, also über die Entwicklungsaufgaben, hilfreich.

Viel wichtiger ist aber die direkte Erfahrung im Umgang mit Kindern und das Verständnis dafür, wie sie die Welt erleben und verarbeiten, um zu erkennen, welche Einflüsse sie überfordern und diese entweder abzuhalten oder bei ihrer Verarbeitung zu helfen (vgl. Flitner 1996, S. 84f).

Behüten besteht nicht nur im Abgrenzen, sondern in einer schrittweisen Freigabe. Die emotionale Sicherung ist die Grundlage für ein gesundes Selbstvertrauen und die Fähigkeit, auch Rückschläge und negative Erfahrungen zu verkraften und stellt damit das Fundament für die schrittweise Eroberung von Selbständigkeit dar.

Diese Selbständigkeit muß gewährt, das Kind also nach und nach freigegeben werden, weil sonst die Gefahr einer Besetzung des Kindes besteht und die Erzieher durch Projektion ihrer eigenen Ängste auf das Kind seine Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit hemmen.

Selbständigkeit kann das Kind am besten in vor übermäßigen physischen und psychischen Gefahren geschützten Erfahrungsräumen erlangen, die schrittweise ausgeweitet werden und in denen das Kind immer mehr Eigenverantwortung übernimmt. Aufgabe des Erziehers ist es, solche Räume zu finden , zu sichern und auch zu sehen und zu ermöglichen, daß sein Schützling immer weiter darüber hinausdrängt und nach mehr Selbständigkeit verlangt. Behüten bedeutet also zusammengefaßt, daß Kinder zunächst eines großen Ausmaßes an Schutz bedürfen, der aber nach und nach unter Beachtung dessen, was ein Kind verkraften kann, zurückgenommen werden muß. Somit kann das Kind, von einer verläßlichen Basis ausgehend, mit kleinen Schritten, die es nicht verängstigen und entmutigen, in die Realität hineingeführt werden und zwar von einem Erzieher, der zwar Wegbereiter bzw. -begleiter ist, das Kind aber nicht belagert. Das bedeutet, daß er das Kind zwar nach und nach freigibt, daß er aber auf keinen Fall die Verbindung abreißen läßt. (vgl. Flitner 1996, S.97) ,,Gewiß, Kinder müssen gewagt, müssen freigegeben werden; aber nicht fallengelassen, nicht preisgegeben an alle die, die heute nach ihnen greifen."

(Flitner 1996, S.97)

Literaturverzeichnis

v. Braunmühl, E.: Antipädagogik. Studien zur Abschaffung der Erziehung. Weinheim1976

Domke, H.: Gar nicht erzogen - und doch ausgezeichnet erzogen. Überlegungen zur Gestaltung familialer Bedingungen des Aufwachsens.

In: H. Macha/ L. Mauermann (Hrsg.): Brennpunkte der Familienerzie- hung. Weinheim 1996

Flitner, A.: Konrad sprach die Frau Mama... Über Erziehung und Nicht- Erziehung. München 1996

Kupffer, H.: Präventiver Kinderschutz zwischen Bevormundung und Vernachläs- sigung der Betroffenen. In: W. Brinkmann/ M.-S. Honig (Hrsg.):

Kinderschutz als sozialpolitische Praxis. München 1984, S. 77-96

Postman, N.: Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt am Main 1984 Pringle, M. K.: Was Kinder brauchen. Stuttgart 1979

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Entschärfen negativer Umwelteinflüsse - Behüten
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Aspekte des Methodischen in der Erziehung
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
15
Katalognummer
V95805
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Behütung als Teil des Modells der indirekten Erziehung
Schlagworte
Entschärfen, Umwelteinflüsse, Behüten, Universität, Augsburg, Aspekte, Methodischen, Erziehung
Arbeit zitieren
Bettina Ulrike Roeckl (Autor), 1997, Entschärfen negativer Umwelteinflüsse - Behüten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/95805

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