Autonomes Fahren. Moralische und technische Herausforderungen


Hausarbeit, 2020

9 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chancen von autonom fahrenden Fahrzeugen

3. Moralische und Technische Herausforderungen

4. Praxisbeispiel Mercedes Benz

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Stadien des autonomen Fahrens (eigene Darstellung in Anlehnung an VDA 2015)

1. Einleitung

Laut WHO gibt es jährlich 1,35 Millionen Verkehrstote weltweit. Damit kommt alle 24 Sekunden ein Mensch ums Leben.1 Doch wie lässt sich diese immens hohe Zahl reduzieren? Schon lange wird in diesem Zusammenhang über die Entwicklung des „autonomen Fahrens“ debattiert. Der Begriff „autonomes Fahren“ beschreibt das selbstständige Bewegen eines Objektes, welches sich ohne menschliche Einwirkung zielgerichtet im Verkehrfortbewegt. In dieser Arbeit möchte ich mich auf das autonome Fahren von Fahrzeugen im Straßenverkehr beschränken. Unter Experten wird geschätzt, dass sich ein kompletter Wechsel zur Autonomie bei Fahrzeugen erst ab 2070 durchsetzt. Bis dahin wird es einen Mischverkehr von autonomen und nicht­autonomen Fahrzeugen auf den Straßen geben.2 3 Die Entwicklung der Fahrzeugautomatisierung wird sich stufenweise fortsetzen und lässt sich, wie in der Abbildung aufgezeigt in verschiedene Level unterteilen. Derzeit befinden wir uns im Übergang von Level 2 Zu Level 3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stadien des autonomen Fahrens (eigene Darstellung in Anlehnung an VDA 2015) Beim hochautomatisierten Fahren kann sich das Fahrzeug bis zu einer limitierten Geschwindigkeit auf Autobahnen oder autobahnähnlichen Straßen ohne dauerhafte Einwirkung des Fahrers fortbewegen. Der Wagenlenker wird nur in bestimmten Situationen aufgefordert die Kontrolle zu übernehmen.4

2. Chancen von autonom fahrenden Fahrzeugen

Der wichtigste Aspekt ist die Steigerung der Sicherheit im Straßenverkehr. Über 90 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle sind auf Fehler der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. Nur etwa ein Prozent wird durch technische Fehler ausgelöst. Autonom fahrende Automobile (AFA) werden Fähigkeiten besitzen, die jene eines menschlichen Fahrers weit übersteigen: keine Trunkenheit am Steuer, keine Ablenkung durch etwa Mobiltelefone, keine Müdigkeit, dafür jedoch schnellere Reaktionen, weniger Staus verschulden, Vernetzung mit anderen Automobilen und konsequentes Befolgen der Straßenverkehrsordnung.5 Sobald die Technik diesen Stand erreicht, wäre es moralisch nicht mehr vertretbar Automobile selber zu fahren, da die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles dabei um ein Vielfaches höher wäre. Durch AFAs könnten folglich viele Menschenleben gerettet werden.6 Des Weiteren sollen AFAs den Fahrern die Gelegenheit bieten ihre Zeit während der Fahrt anderweitig zu nutzen. Anstatt sich um den Verkehr im verstopften Stadtzentrum zu kümmern, können Geschäftsleute ihre E-Mails checken oder Eltern sich um ihre Kinder kümmern. Darüber hinaus sind beispielsweise ältere oder blinde Menschen durch die maximale Selbstkontrolle des Automobils nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen und können selbstständig längere Strecken zurücklegen.7 Autonomes Fahren könnte außerdem den Verkehrsfluss und die Verkehrseffizienz steigern. Durch die verringerte Reaktionszeit reduziert sich die Bremszeit und der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug kann minimiert werden. Durch diesen Effekt kann die Geschwindigkeit innerhalb von Fahrzeugkolonnen sowie die Verkehrsdichte erhöht werden. Zudem könnte das sogenannte Valet-Parking realisiert werden. Dabei fährt das Fahrzeug zu einer geeigneten Parklücke und parkt selbstständig ein. Ein großer Vorteil ist das präzise Einparken von AFAs bei dem ca. 15 % weniger Parkfläche benötigt wird.8 Zu welchem Grad die genannten Chancen ermöglicht werden können, hängt von der Entwicklung der fahrzeuginternen Sensoren sowie den bereitstehenden Geo- und Verkehrsinformationen ab.9

3. Moralische und Technische Herausforderungen

Kontrovers zu den aufgeführten Aspekten der Sicherheit und der Unfallvermeidung durch autonomes Fahren, ist trotzdem fraglich wie sich ein AFA in Situationen verhält, in denen ein Unfall unvermeidbar ist. Soll das Fahrzeug so programmiert werden, dass es sich für den Weg entscheidet, bei dem der geringste finanzielle Schaden entsteht? Oder soll das Wohlergehen der eigenen Insassen über dem der Personen in den anderen Fahrzeugen stehen? Ist es möglich eine ethische Komponente in die Software zu integrieren, um das Fahrzeug auf angemessene Weise reagieren zu lassen? Und was genau wäre eine angemessene Reaktion? Angenommen auf einer Bundesstraße überquert plötzlich eine junge Mutter mit Kinderwagen die Fahrbahn und eine Kollision wäre unvermeidlich. Auf der Gegenfahrbahn nähert sich ein PKW mit mehreren Insassen, die bei einem Frontalzusammenstoß alle getötet würden. Das Fahrzeug könnte nach rechts ausweichen und höchstwahrscheinlich gegen einen Baum prallen und den Fahrer selbst töten. Welches Leben soll nun geopfert werden?10 Diese Frage lässt sich wohl kaum pauschal beantworten. Des Weiteren ist es eine Herausforderung das autonome Fahren in der Gesellschaft zu etablieren. Geht man in der Geschichte der ersten Fahrassistenzsystemen (FAS) zum Anfang zurück, so stößt man im Jahr 1936 auf die Patentanmeldung des Antiblockiersystems (ABS). Als dies dann 1978 in Produktion ging, wurde es zunächst aufgrund von überflüssiger Autonomie belächelt. Zunehmend gewöhnten sich die Autofahrer an die Unterstützung des ABS und heute ist es mit unzähligen weiteren FAS nicht mehr wegzudenken.11 Aus diesem Grund gibt es noch Fragen wie: Auf welche Weise wird solch ein revolutionäres Produkt von der Öffentlichkeit aufgenommen? Sind die Konsumenten bereit einem Roboter im schlimmsten Fall ihr Leben anzuvertrauen?

4. Praxisbeispiel Mercedes Benz

Die S-Klasse von Mercedes Benz ist derzeit eines der Fahrzeuge, das mit den bisher umfassendsten autonomen Fahrfunktionen trumpfen kann. Das System lässt sich in Level 3 einstufen und ermöglicht einen Abstands-Assistenten, Spurwechsel­Assistenten, Geschwindigkeitslimit-Assistenten, Assistenten zum Staufolgefahren, Nothalt-Assistenten, Brems-Assistenten, Ausweich-Lenk-Assistenten, Spurhalte- und Totwinkel-Assistenten, Verkehrszeichen-Assistenten, Remote Park-Assistenten, um nur die Wichtigsten zu nennen. „Der Fahrer gibt dabei nur zeitweise die Kontrolle an das Fahrzeug ab (...) er muss aber innerhalb kurzer Zeit (...) ca. fünf Sekunden - wieder das Steuer übernehmen können.“ Alle planbaren Situationen werden länger im Voraus angekündigt, sodass eine unerwartete Fahrzeugübernahme nur sehr selten eintrifft. Dieses Level kann den Fahrer vor allem in Alltagssituationen mit erhöhten Verkehrsaufkommen erheblich entlasten. Trotzdem ist es eine Herausforderung für die Entwickler, die Fahrer darauf zu sensibilisieren, dass deren permanente Aufmerksamkeit unentbehrlich ist.12 Bevor die S-Klasse in Serie geht, wird sie aktuell im Rahmen eines Pilotprojektes in Kalifornien getestet. Es gilt, die Ergebnisse dieses Projektes abzuwarten. Michael Hafner, Leiter Automatisiertes Fahren und Aktive Sicherheit bei Mercedes Benz ist sich sicher, „dass autonomes Fahren weit schneller Alltag wird, als die meisten vermuten.“13

[...]


1 Vgl. URL 1: Handelsblatt

2 Vgl. Lalli, Marco: Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität (2020)

3 Vgl. Lalli, Marco: Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität (2020) S. 19f.

4 Vgl. VDA: Automatisierung

5 Vgl. URL 2: Autonomes Fahren

6 Vgl. URL 3: Zeit online

7 Vgl. URL 4: New Yorker

8 Vgl. URL 7: Zukunft Mobilität

9 Vg. URL 2: Autonomes Fahren

10 Vgl. URL 5: Landeszentralefürpolitische Bildung

11 Vgl. Lalli, Marco: Autonomes Fahren und die Zukunft der Mobilität (2020) S.7f.

12 Vgl. URL 2: Autonomes Fahren

13 Vgl. URL 6: Interview Michael Hafner, Mercedes Benz

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Autonomes Fahren. Moralische und technische Herausforderungen
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V961989
ISBN (eBook)
9783346310330
Sprache
Deutsch
Schlagworte
autonomes, fahren, moralische, herausforderungen
Arbeit zitieren
Evelyn Walter (Autor), 2020, Autonomes Fahren. Moralische und technische Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961989

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