Ghana - Entwicklungspolitische Studie am Beispiel Ghanas


Seminararbeit, 1999
36 Seiten

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Einleitung

Afrika ist heute noch ein großer unbekannter Kontinent. Nur wenig Positives ist in der westlichen Welt über den Kontinent zu erfahren. Kriege, Hunger und Armut sind die vornehmlichen Informationen. Das Afrika eine genauso reichhaltige kulturelle Geschichte wie Europa besitzt, ist eher unbekannt. In unserer aufgeklärten westlichen Welt stoßt man in Bezug auf Afrika immer wieder auf erschreckende Unkenntnis. Kein Wunder also, daß Afrika in vielen Bereichen hart um Anerkennung in der Welt streiten muß. Dabei ist Afrika als Kontinent stark in die einzelnen Regionen zu Differenzieren. Oftmals werden die Probleme verschiedener Regionen zusammen geworfen zu einem globalen afrikanischen Problemen. Dabei hat jedes Land seine ganz speziellen Probleme, die nicht als Problem Afrikas bezeichnet werden können. Dies trifft auch auf das Land Ghana zu. Würde man die Probleme der Nachbarländer analysieren, stößt man sicher auf sehr unterschiedliche lokale Schwierigkeiten. Einige Probleme treten sicher auch überregional auf, doch im Grunde hat jedes afrikanische Land seine speziellen Probleme.

Es gibt mehrere Gründe, warum ich eine Arbeit speziell über Ghana schreibe: Ghana ist das erste unabhängige afrikanische Land gewesen und verfügte damals über viel Ansehen in Afrika und der übrigen Welt. Als erstes demokratisches afrikanisches Land war Ghana Vorbild für viele andere Staaten in Afrika. Auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen waren mehr als ideal, allein schon durch die großen Bodenschätze. Doch heute ist Ghana ein Entwicklungsland mit großen elementaren Schwierigkeiten. In dieser Arbeit sollen die Frage gestellt werden, warum das einst so reiche Ghana heute ein Entwicklungsland ist, wo die momentanen wichtigsten Probleme liegen und welche Zukunft Ghana hat. Dabei werde ich im Teil I einen Überblick über die historische Entwicklung Ghanas geben, die politische Entwicklung darstellen und zeigen wie Ghana zum Entwicklungsland wurde. Teil II zeigt die grundlegenden aktuelle Probleme Ghanas auf, wobei ich dabei auf die Bereiche der politischen Rahmenbedingung, der Wirtschaft, des sozialen Systems, Tourismus und der momentanen Entwicklungshilfe meine Schwerpunkte gelegt habe. Denn diese Themen symbolisieren die grundlegenden Schwierigkeiten des Landes.

Teil III gibt einen Ausblick auf die Zukunft Ghanas, wobei ich erst die Visionen der jetzigen ghanaischen Regierung darstelle um danach meine eigen Einschätzung der Situation darzustellen. Dabei stelle ich meine Lösungsansätze vor, die in erster Linie auf dem Prinzip der Lokalen Agenda 21 beruhen. Ein Resümee am Schluß der Arbeit stellt die Problematik dar, mit Berücksichtigung der verschiedenen Lösungen.

Teil I: Historische und aktuelle Daten und Fakten über Ghana

1. Statistische Übersicht

Es handelt sich im Folgenden um Daten, die aus dem Jahre 1997 stammen. Erhoben wurden sie vom Bundesminesterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit Referat 122. Einige Daten, besonders die demographischen und die sozialen, sind sehr ungenau, da eine exakte Erfassung aller Einwohner Ghanas nicht möglich ist. Daher sind diese Daten weitgehend geschätzt. Die wirtschaftlichen Daten wurden von der Weltbank ermittelt.

1.1. Statistisch relevante Daten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hauptstadt: Accra (zusammen mit Hafenstadt Tema) Einwohnerzahl ca.: 2 Mio.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2. Demographische und soziale Daten

In Ghana leben ca. 18,5 Mio. Einwohner. 2 Mio. Ghanaer leben im Ausland, darunter viele Gelehrte und Intellektuelle. Mit dieser Einwohnerzahl ist Ghana das dichtest besiedelte Land in Schwarz - Afrika1. Ghana liegt im tropischen Westafrika und erstreckt sich von der Guineaküste unweit des Äquators von 4•45` bis 11•10`nördlicher Breite sowie 3•15` W bis 1•12`E. Das Staatsgebiet umfaßt 238.540 qkm und erreicht damit annähernd die größte der alten Bundesrepublik Deutschland. Verwaltungsmäßig gliedert sich Ghana in 9 Regionen und 64 Kreise (Districts). Die Gemeinden besitzen weitgehende Selbstverwaltung, wobei die Verwaltungsbevollmächtigten (ähnlich eines Bürgermeisters) von der Regierung zur Verwaltung beauftragt und nicht gewählt werden. Dennoch besteht neben den modernen Verwaltungsbehörden auch die traditionell verankerte Autorität der Stammesältesten und Häuptlingen fort.

In Ghana gibt es ca. 100 verschiedene Ethnien die sich über das Land verteilen. Amtssprache ist in ganz Ghana Englisch, aber es gibt daneben ca. 70 verschiedene Stammessprachen die sehr unterschiedlich sind. Daher besteht ein großes Kommunikationsproblem. Fast 50 % der Frauen in Ghana sind Analphabeten, bei den Männern liegt die Zahl bei ca. 30 %. Nur etwa 40 % der Schüler im Lande besuchen eine Sekundärschule, und nur 1,5 % erhalten die Möglichkeit eine Hochschule zu besuchen.

Auch in Ghana spielt Religion eine große Rolle. Durch die Kolonialzeit gibt es 30 % Protestanten und 12 % Katholiken im Land. 15 % der Bevölkerung sind Moslems. Daneben existieren freie Prediger und Naturreligionen

1.3. Wirtschaftsdaten

Ghana hat eine Bevölkerung von ca. 18,5 Mio. Menschen. Die Wachstumsrate im Jahr beträgt ca. 3 %. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei der Geburt bei ca. 56 Jahren. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt bei ca. 430 US $. Das reale Wachstum des BSP liegt unter einem Prozent.

Etwa 60 % der Bevölkerung können lesen und schreiben, dabei liegt die Quote bei Männern um die 70%, bei Frauen hingegen nur bei ca. 50 %. 76 % der Kinder werden Eingeschult, 38 % besuchen aber nur noch Sekundärschulen, auf weitere Hochschulen gehen nur noch 1,5 %.

Die Militärausgaben des Staates liegen bei 3,53 % des gesamten Staatshaushalts. Der Anteil der Armen an der Bevölkerung beträgt ca. 36 %.

Die Republik Ghana Importiert mehr Waren (für ca. 1,73 Mrd. US $), als sie Exportiert (1,05 Mrd. US $). Die Handelsbilanz beträgt - 677 Mio. US $, die Leistungsbilanz - 265,20 Mio. US $. Die Inflationsrate des Landes liegt bei etwa 27 %. Die öffentlichen und privaten langfristigen Auslandsschulden betragen 4,84 Mrd. US $ (Obligostand), das sind 67,88 % des Bruttosozialprodukts. Die Hauptabnehmer der ghanaischen Exporte sind die USA, die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Hauptexportartikel sind Rohstoffe (41%), Öl, Mineralien und Metalle (24,7 %) und Elektrizität (4,9 %). Hauptlieferanten nach Ghana sind Großbritannien, Nigeria, USA, Japan, Italien und die Bundesrepublik Deutschland. Importprodukte sind Investitionsgüter (44,5 %), Halbwaren (28 %), Konsumgüter (14,7 %) und Energie (10,2 %). Aus Deutschland werden von Ghana Waren im Wert von 255,73 Mio. DM Exportiert, dabei handelt es sich um Bau- und Nutzholz (23,9 %), Pflanzliche Öle und Fette (21,2 %), Kakao (20,9 %) und Aluminium (16,9 %). Importiert werden für 233,67 Mio. DM aus Deutschland bevorzugt Maschinen (28,8 %), Fahrzeuge (17,5 %) und chemische Erzeugnisse (15,7 %).

Ghana erhält eine weltweite Entwicklungshilfe; die gesamten Leistungen Betragen 653,20 Mio. DM, das sind ca. 7,5 % des Bruttosozialprodukts von Ghana.. Bei den bilateralen Gebern belegt Deutschland mit 43,7 Mio. DM jährlich den dritten Rang. An erster Stelle liegt hier Japan mit 122,1 Mio. DM.

2. Historische Entwicklung Ghanas bis zur Unabhängigkeit

In Ghana finden sich Spuren einer 30.000 - 40.000 Jahre alten Besiedlung2.

Das erste Kaiserreich Ghana entstand dort, wo die heutigen Republiken Mauretanien, Senegal und Mali liegen. Der genaue Zeitabschnitt seiner Entstehung ist unbekannt, der erste belegbare Zeitpunkt von Ghana geht auf das Jahr 790 n.Chr. zurück3. Das Kaiserreich hatte bis ins 11. Jahrhundert bestand und war ein großes und wohlhabendes Reich. Dies lag vor allen Dingen an den reichlichen Goldvorkommen im Land, außerdem Kontrollierte Ghana die wichtigsten Handelsstraße der Region. Erst als die Islamisten den Afrikanischen Kontinent eroberten ging das Reich unter und es folgte das Reich der Berber und weitere islamistische Kaiserreiche. Ghana hieß ab diesem Zeitpunkt Mali. Der Reichtum der Region ging durch weitere Einwanderungswellen und dadurch verursachten Kriege verloren, so daß nur noch einzelne Volksgruppen in der Ghana - Region lebten. Dies waren verstreute Gruppen der Kwa - Völker, die im Süden der Region angesiedelt waren, und der Gur - Völker, die den Norden der Region besiedelten. Nach dieser Zeit begann die Einwanderungswelle der Akan - Völker4, die die dort lebenden Völkergruppen verdrängten.. Mit der ersten Einwanderungswelle kamen die Guan nach Ghana, in der zweiten Welle die Fanti und in der dritten Welle die Ashanti. Dies waren die wichtigsten und größte Völkergruppen die in die Region kam. Mehrere kleinere Völkergruppen wanderten in den folgenden Jahrzehnten an die Goldküste5 und kämpften mit den dortigen Stämmen um die Vorherrschaft. Eine genaue Darstellung dieser Geschichtlichen Epoche ist sehr schwierig, da es an Quellen aus dieser Zeit mangelt.

Die vorkolonialen Völker verfügten über keine Schriften, die sie der Nachwelt hinterlassen konnten. Diese Tatsache ein großes Problem der Afrikaforschung.

2.1. Die Europäer kommen

Die Goldküste wurde von portugiesischen Seefahrer im Jahre 1471 zum ersten mal betreten. Dabei fanden sie soviel Gold, daß sie anfingen einen regen Handel damit zu betreiben. Zum Schutz gegen andere Einwanderer und Konkurrenten erbauten die Portugiesen im Jahre 1482 bei Elmina das Sao Jorge da Mina (Ford Elmina). Zunächst konzentrierten sich die Portugiesen auf den reinen Handel mit Gold, Pfeffer und Elfenbein. Mit der Entdeckung Amerikas 1492 und der darauf folgenden Entwicklung der Tabak-, Baumwoll- und Zuckerindustrie entstand jedoch ein großer Bedarf an billigen Arbeitskräften. Ab dem Jahre 1505 begannen die Sklaventransporte von Afrika nach Süd- und Mittelamerika, die über mehr als drei Jahrhunderte lang das Schicksal Afrikas grundlegend bestimmen sollte. Insgesamt wurden in der Zeit des Sklaven Handels ca. 6 Mio. Menschen von der Westküste abtransportiert, davon waren etwa 5000.000 Menschen von der Goldküste.6 Der Handel mit Gold und Menschen, der zu diesem Zeitpunkt sehr gewinnträchtig war, lockte weitere Europäer an die Goldküste. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wütete ein wilder Kampf um die Vorherrschaft an der Goldküste. Engländer, Holländer, Schweden und Dänen, gegen ende des 18. Jahrhunderts auch Brandenburger und Kurländer lieferten sich einen erbitterten Kampf um diese Region. Aus dieser Zeit sind heute noch viele der insgesamt 35 Befestigungen7, die entlang der Küste erbaut wurden, erhalten. Diese Befestigungsanlagen wechselten häufig den Besitzer in dieser Zeit. Die Engländer zeigten sich am stärksten und übernahm die Herrschaft gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Um 1850 beendeten die Engländer den Sklavenhandel endgültig. Europäische Missionare kamen nach Afrika. Sie errichteten Schulen und Kirchen.

2.2 Die Kolonialzeit

Das Verbot des Sklavenhandels, die Industrialisierung Europas, die zunehmende Wichtigkeit des afrikanischen Marktes und die allmähliche Bildung einer einheimischen Elite brachten große, fast revolutionäre Veränderungen nach Westafrika. Zu dieser Zeit waren private Kaufleute und Handelsunternehmen für den Handel zuständig. Diese Politik änderte sich aber, denn es wurde als wichtig erkannt einige Überseekolonien zu besitzen. 1821 stellte die britische Regierung die Goldküste unter ihre direkte Kontrolle8. Das Reich der Ashanti hatte sich gegen die britische Kontrolle der Goldküste gerichtet. Sie wollten ihre eigenen Interessen durchsetzten. Es begann die Zeit der Ashanti - Kriege9, die den Briten einige herbe Niederlagen zufügten. Nach nur sieben Jahren gaben die Briten deshalb die Kontrolle über die Kolonien an private Handelskompanien zurück. Londoner Firmen schickten George McLean als Sachverwalter an die Goldküste. 1831 konnte er mit den Ashanti Frieden schließen, etablierte sogar eine allgemeine Gerichtsbarkeit und stationierte Ordnungskräfte entlang der Handelswege. Durch seine Tüchtigkeit entstand an der Goldküste eine friedlich wachsender Wohlstand. Der britische Einfluß breitete sich über das ganze Land aus. Doch die Aktivitäten des jungen McLean gingen weit über seine Befugnis hinaus, so daß die Briten ihn durch eine Untersuchungskommission absetzten und am 6.3.1844 wieder die direkte Verwaltung der Goldküste übernahmen. Das Abkommen Bond of 1844 wurde geschlossen, in dem sich die Küstenstämme freiwillig den Briten unterwarfen. Als Gegenleistung verlangten sie die militärische Unterstützung bei Auseinandersetzungen gegen Eindringlinge.

Großbritannien war in der Zwischenzeit zu einer Weltmacht aufgestiegen. Auch an der Goldküste verankerten sich die Briten immer mehr. Die Ashanti wurden in neuerlichen Kriegen fast ausgeschaltet und der Imperialismus immer mehr salonfähig gemacht. Am 24.7.1874 wurde trotz erheblichen Widerstands seitens der einheimischen Eliten die Goldküste formell zur Kronkolonie proklamiert. Im Jahre 1896 erfolgte der letzte Aufstand der Ashanti. Doch diesmal behielten die Briten die Oberhand. Sie verstärkten ihre Truppen und marschierten nach Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti, ein und machten diese dem Erdboden gleich. Der Ashanti- König Prempeh 10 wurde gefangen genommen und zusammen mit seiner Familie für 25 Jahre auf die Seychellen verbannt. Der Sieg bedeutete für die Briten nicht nur innere Sicherheit der Kolonie, sondern auch die Eroberung des Hinterlandes. Damit konnten Die Briten sich das Gebiet gegenüber den Deutschen in Togo und gegenüber den Franzosen an der Elfenbeinküste sichern.

2.3 Der Weg zur Unabhängigkeit

Lange bevor die Grenzen der einzelnen Kolonien feststanden gab es bereits Zeichen der Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die Verwaltung der Kronkolonien basierte zwar auf dem System der indirect rules, dies sicherte den Stammeshäuptlingen aber nur die traditionelle Autorität , nicht aber jegliche politische Mitbestimmung zu. Es entstanden eine Reihe von Organisationen die sich ernsthaft mit dem Kampf für die Unabhängigkeit des Landes befaßten. Ihr Erfolg war aber recht bescheiden. 1947 wurde eine neue Partei gegründet mit dem Namen United Gold Coast Convention(UGCC) 11. Dies war eine Sammelbewegung von liberalen Intellektuellen, reichen Kaufleuten und einigen Chiefs, wie die Landes - Könige bei den Briten genannt wurden. Sie hatten zwar einen gewissen Erfolg, waren aber nur an einem schrittweisen Prozeß zur Unabhängigkeit interessiert. Sie wollten die Unabhängigkeit in einer "möglichst kurzen Zeit". Grundlegende Veränderungen waren dadurch jedoch nicht zu erreichen. Bis Nkrumah kam und forderte: "Independence NOW".

2.3.1. Kwame Nkrumah

1947 wurde die Partei United Gold Coast gegründet (s.o.). Doch der Erfolg wollte sich unter Dr.J.B.Danquah, dem ersten Mann an der Spitze dieser Partei, nicht einstellen, denn es war zu diesem Zeitpunkt eine elitäre Partei die ohne Rückhalt im Volk war. Bis die Partei beschloß, Kwame Nkrumah aus London zu holen und zu ihrem Generalsekretär zu erklären. Gegensatz zu seinem Vorgänger forderte Nkrumah"Independence NOW". Damit erhielt er die Unterstützung der breiten Bevölkerung. Er mobilisierte die Massen und wurde schließlich im Jahre 1952 zum Premierminister gewählt. Die Briten verloren mehr und mehr an Einfluß. Eine letzte Änderung der Verfassung im Jahre 1954 führte dazu, daß kein Europäer mehr in der Regierung zugelassen wurde. Der Weg zur afrikanischen Selbstbestimmung war frei. Nachdem also die britische Herrschaft aufgehoben war wurde am 6.3.1957 die Goldküste in ihre Unabhängigkeit entlassen. Der neue Staat hieß Ghana, Kwame Nkrumah wurde der erste Präsident und es wurde beschlossen einen parlamentarischen Zentralismus im neuen Ghana einzuführen. Am 8.3.1957 wurde Ghana in die Vereinten Nationen aufgenommen. Am 1.Juli 1960 wurde Ghana nach einer Volksabstimmung zur Republik ernannt mit Nkrumah als Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Staatsmann, Revolutionär, Panafrikanist, Sozialist, Erlöser, Träumer, Spinner. Das sind einige der vielen Bezeichnungen die auf Kwame Nkrumah in Zusammenhang gebracht werden. Er wird von allen Menschen innerhalb und außerhalb Afrikas unterschiedlich beurteilt. Fakt ist, daß er der Mann ist der nicht nur die Geschichte Ghanas sondern die Geschichte Afrikas maßgeblich mitbestimmte. Seine ganze Energie widmete er seinem Ziel der völligen Befreiung und Einigung Afrikas. Sei wirken beeinflußt die Geschichte Ghanas so tief, daß auch zur heutigen Zeit noch die Auswirkungen in Ghana zu spüren sind.

Nkrumah wurde am 21.9.1909 im Südwesten Ghanas in einem kleinen Dorf geboren. Er wuchs in sehr einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf und war einer der wenigen Kinder, die damals eine Schule besuchen konnten. Dies war aber, wie in ganz Ghana, ein Missionarsschule die von katholischen Priestern geführt wurde. Er wuchs in der Zeit des Imperialismus auf und war durch die britische Erziehung mit den großen Widersprüchen der britischen Demokratie konfrontiert. Überall hielten die Briten an ihren freiheitlichen Idealen fest, nur in ihren Kolonien traten sie die Demokratie mit Füßen. Nach seiner Schulzeit wurde er Lehrer. Er verließ im Jahre 1935 die Goldküste und gelangte auf Irrwegen in die USA. Dort studierte er politische Wissenschaften. Ganz bewußt mied er England, da er mit dem Imperialismus nichts zu tun haben wollte. In den USA kam er mit prominenten afrikanischen Freiheitskämpfern in Kontakt, auch er selber wurde aktiv zum Thema afrikanische Emanzipation. Nach fast zehn Jahren, er hatten in dieser Zeit promoviert, ging er nach London um, dort direkt gegen das koloniale Machtzentrum zu agieren. Er gründete den Pan African Congress zusammen mit anderen afrikanischen Freiheitskämpfern, die später führende Rollen in ihren Länder bei dem Kampf um Unabhängigkeit spielten. 1947 kam Nkrumah zurück nach Ghana. 1949 gründete er seine eigene Partei (Convention Peopel ´ s Party). 1950 ruft er Landeweit zum Streik auf woraufhin er mit acht weiteren Personen inhaftiert wird. 1951 wird er bei den ersten Wahlen im Land als Präsident gewählt, obwohl er im Gefängnis sitzt. 1957 wird er der erste Präsident des nun unabhängigen Ghanas. 1966 wurde er durch einen Militärputsch abgesetzt, da er mit seiner Alleinherrschaft und seine sozialistischen Gedanken der raschen Industrialisierung im Weg stand. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1972 in Bukarest im Exil und schrieb in dieser Zeit einige politische Bücher.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger der forderte Nkrumah"

3. Entwicklung Ghanas zum Entwicklungsland

Ghana ging 1957 mit viel Hoffnung in die Unabhängigkeit12. Dank guter Weltmarktpreise für Kakao, Gold und Diamanten war Ghana am Vortag der Unabhängigkeit die reichste Kolonie Afrikas. Es bestand eine intakte Wirtschaft mit großen Devisenreserven und Bodenschätzen. Doch schaut man heute auf Ghana ist der Reichtum längst Vergangenheit. Warum wurde ein einst so reiches Land zu einem heutigen Entwicklungsland?

3.1. Regierungssysteme im unabhängigen Ghana

Seit der Unabhängigkeit durchlit das Land acht verschiedene Regierungssysteme. 1957 entstand das erste Regierungssystem, ein parlamentarisches Mehrparteiensystem (1957-1960)13. 1960 rief Nkrumah die Republik aus. Als Präsident war er nun Staatsoberhaupt und Regierungschef in einem, was zur Folge hatte, daß er sich eine Diktatur aufbaute. Oppositionelle Parteien wurden verboten. 1964 wurde die Verfassung geändert: Die Gewaltenteilung wurde aufgehoben, alle Macht lag nun beim Staat. Der sozialistische Gedanke Nkrumah ´ s setzte sich durch. Auf der Wirtschaftsebene gab es nur noch Staatsbetriebe; Aktivitäten mit Privatkapital wurden zum größten Teil gehemmt. Es herrschte ein repressives, verbalsozialistisches, wirtschaftlich bankrottes, diktatorisches Einparteiensystem14. Kwam Nkrumah versuchte die große Lücke zwischen Afrika und der restlichen zu schließen. Dabei agierte er sehr ungeduldig und unüberlegt. Seine durchaus positiven großen Projekte in Tema15 und am Voltasee16, sowie der Bau von Verkehrswesen, Krankenhäusern, Schulen, Universitäten und Gesundheitszentren gehörten zu seiner Politik, doch die Bevölkerung verarmte immer mehr. Die Unzufriedenheit im Volke wuchs an. Die Folge war, daß 1966 durch einen unblutigen Putsch in Abwesenheit von Nkrumah eine Militärregierung an die Macht gelangte. Diese war antisozialistisch und prowestlich orientiert. J.A.Ankrah, ein Generalmajor, übernahm die Macht. Einige wirtschaftliche Faktoren sollten nun geändert werden. Der Cedi wurde drastisch aufgewertet, die investiven Ausgaben des Staates wurden reduziert und Staatsbetriebe wurden wieder privatisiert. Ghana wendete sich vom Ostblock ab. Durch diese Politik stieg die Arbeitslosigkeit drastisch an. Außerdem sank das Realeinkommen der Bevölkerung. Folge war ein erneuter Regierungswechsel im Jahre 1969 durch freie Wahlen. K.A. Busai ging als Sieger dieser Wahl hervor. Er wollte durch eine konsequente Importliberalisierung eine entwicklungspolitische Perspektive aufbauen, die das Wirtschaftswachstum fördern sollte. Doch auch diese Regierung scheiterte und wurde erneut durch eine Militärregierung geputscht. General Archeampong ergriff 1972 die Macht. Dieser Putsch wird für die weitere Entwicklung Ghanas bedeutend sein. Archeampong bekannte sich zur Blockfreiheit und zur self - reliance17. Dies bescherte Ghana eine politische und wirtschaftliche Isolation. Viele Menschen verließen das Land, da sich die führenden Offiziere auf die Kosten aller sozialen Schichten bereicherten. Die Wirtschaft brach fast völlig zusammen. 1978 wurde Archeompong durch seinen eigenen General gestürzt. Akuffo kam an die Macht, die er aber auf Grund der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lage im Land nicht lange inne hatte. Gerade im Zuge der Rezivilisierung seitens der Militärregierung setzte sich 1979 Jerry J. Rawlings an die Macht. Er verfolgte das primäre Ziel, die korrupten Exponenten aus dem Staat zu vertreiben. Er wollte alle die, die sich auf Kosten des Volkes bereichert hatten zur Verantwortung ziehen. Archeampong und Akuffo wurden Hingerichtet. Dennoch kam es zur planmäßigen Machtübernahme einer Zivilregierung. Hilla Limann wurde 1979 mit der Peopel´s National Party zum Parlamentspräsident einer Zivilregierung gewählt. Doch schon zwei Jahre später putschte sich Rawlings wieder an die Macht und diesmal blieb er. Er genoß sogar unter den Jugendlichen und bei der Landbevölkerung große Sympathien, da er weiterhin die Korruption bekämpfen wollte. Allerdings hatte auch Rawlings Probleme mit der schlechten Wirtschaft. Er schaffte es, dem Land wieder etwas Stabilität zu geben. Die Inflationsrate lag um 125 % und brachte Rawlings zu dem Entschluß, den Cedi18 stark abzuwerten. 1986 sank die Inflationsrate dadurch auf 30 %. marktwirtschaftliche Prinzipien wurden wieder aufgebaut. Der Außenhandel wurde liberalisiert und die Preisbindungen aufgehoben. Die Wirtschaft erholte sich und Ghana hatte seit dieser Zeit einen kontinuierlichen Aufschwung. Anfang der 90er Jahre beschloß Rawlings, demokratische Verhältnisse im ganzen Land wiederherzustellen. Dezentralisierung und Entscheidungsgewalt der einzelnen Disrtikte wurden durchgeführt. 1992 wurde eine neue Verfassung eingeführt, die ein Präsendialsystem ähnlich dem Französischen ist. Es folgt die Zulassung von Parteien und freie Wahlen. Zu diesen trat Rawlings als Zivilist mit seiner Provisional National Defence Party (PNDP) an und wurde mit 55 % der Stimme zum neuen Präsidenten im Jahre 1993 gewählt.

3.2. Folgen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung

Ghana durchlebte in der Zeit der Unabhängigkeit acht verschiedene politische Systeme. Nkrumah machte Ghana sozialistisch und gliederte das an Land an den Ostblock an. Die darauf folgende Regierung orientierte sich an westlichen und eher kapitalistischen Werten. Die nächste Militärregierung wollte Blockfrei sein und kümmerte sich nur um die eigenen Belange. Drei gegensätzliche Regierungssysteme hintereinander verkraftet kein Land. Vor allem die Wirtschaft mußte immer unter den politischen Ideologien leiden. Die einst hervorragende Wirtschaftslage ging ab 1960 kontinuierlich bergab und erreichte 1983 ihren Tiefstpunkt. Erst mit der Regierungsübernahme durch Rawlings trat eine Besserung der Situation auf. Dennoch leidet das Land und das Volk immer noch unter den Wirren der letzten 40 Jahren. Ghana hat gegenüber anderen Staaten Afrikas viele Vorteile gehabt. Es gab nie Glaubenskrieg im Land, Rohstoffe waren und sind immer noch reichlich vorhanden und durch den Voltasee kann eine relativ gesicherte Wasserversorgung garantiert werden. Dennoch ist das Land Ghana ein Entwicklungsland, das viel Zeit braucht, um Stabilität und Wohlstand zu erlangen. Das einstmals reiche Ghana ist heute durch Mißwirtschaft, Ausbeutung und Korruption zu Grunde gegangen und leidet haute an vielen Problemen. Diese werden im II. Teil der Arbeit dargestellt.

Teil II: Grundlegende und aktuelle Probleme Ghanas

1. Politische Rahmenbedingungen

1993 wurde durch freie Wahlen das Militärregime von einer parlamentarischen Präsidialdemokratie abgelöst. Erster Präsident Ghanas wurde Rawlings. Dieser schuf die Voraussetzungen zur Entwicklung demokratischer Strukturen, eingebettet in eine Politik zur Demokratisierung und Dezentralisierung mit dem Ziel einer zunehmenden Beteiligung der Bevölkerung am politischen Prozeß. Seit den erneuten Wahlen 1996, wieder siegte Rawlings, entwickelt sich das Parlament mit der Präsenz der Opposition zu einem Ort der kritischen Debatten. Neben der Parlamentarischen Opposition sind die private Presse und Hörfunkprogramme wichtige Instanzen der Kritik und politischen Kontrolle. Nach allgemeiner Ansicht sind die Menschenrechtsverletzungen deutlich zurückgegangen, dennoch kommt es noch in den ghanaischen Gefängnissen zu Übergriffen. Durch den Prozeß der Dezentralisierung (Demokratisierung) wurde eine Verbesserung der allgemeinen politischen Situation bewirkt. Einzelne Distrikte sind eigenverantwortlich für Bereiche wie Verkehrsinfrastruktur, Wasser - und Abfallentsorgung, Grundbildung und Förderung der Landwirtschaft. Allerdings verfügen die Distrikte noch nicht über das für die Wahrnehmung aller dieser Aufgaben notwendige Rollenverständnis sowie Finanzen.

2. Wirtschaft

Als Ghana 1957 die Unabhängigkeit erreichte, war es ein reiches Land mit Devisenreserven von über 200 Mio. £ und reichen Rohstoffquellen19. Doch die ehrgeizigen Ziele Kwam Nkkrumahs überstiegen die Möglichkeiten des Landes. Ghana wurde dennoch in wenigen Jahrzehnten zum wichtigsten Weltproduzenten von Kakao, die Exportquote lag über 60 %, dies verursachte aber auch ein starkes Abhängigkeitsverhältnis von den häufig schwankenden Weltmarktpreisen. Es wurden aber in dieser Zeit der Übergang von der Subsistenzwirtschaft zu verkaufsorientierten Marktwirtschaft geschaffen. Doch die sozialistisch ausgelegte Politik der 60er Jahre verursachten eine wirtschaftliche Isolation Ghanas. Das reiche Land brauchte die Geldreserven für aufwendige Projekte im Land auf. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) sank in dieser Zeit von 5,2 % auf 2,5 %. Davon erholte sich das Land nie mehr.

2.1 Heutige wirtschaftliche Lage

Das natürliche Potential des Landes liegt in der Landwirtschaft, dem Bergbau (insbesondere Gold, Diamanten, Bauxit und Mangan), der Forstwirtschaft sowie dem Wasserkraftpotentialen des Voltastausees20.

Die Landwirtschaft ist, wenn auch mit abnehmender Tendenz, mit ca. 40 % Anteil am BIP der wichtigste Wirtschaftszweig der Republik Ghana. In der Landwirtschaft sind noch heute mehr als zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung tätig. Ein Großteil des Exportes wird in der Landwirtschaft immer noch durch Kakao erzielt. Der Primäre Sektor21 liegt jedoch hinter dem Dienstleistungssektor. Der Sekundäre Sektor erwirtschaftet mit 14,3 % am BIP den geringsten Anteil an Leistungen, hat aber mit der Bergbauproduktion, insbesondere dem Goldbergbau, den höchsten Anteil am Exporterlös.

2.2. Grundlegende Wirtschaftsprobleme Ghanas

Die heutige Wirtschaft Ghanas ist im Vergleich zu den westlichen Ländern natürlich Entwicklungsbedürftig. Im Vergleich mit den anderen westafrikanischen Ländern nimmt Ghana eine vorzeige Rolle ein. Kein anderes Land hat sich in den letzten Jahrzehnten so gut entwickelt. Dennoch sind es viele grundlegende entwicklungspolitische Probleme, die im Moment einen weiteren Aufschwung der Wirtschaft im Wege stehen:

2.2.1. Inflation

Eingeleitet wurde die Inflationswelle zu Zeiten der Militärregierung von Acheampong (1972 - 1979). Durch seine Politik der Blockfreiheit und seinen unzureichenden Kenntnisse von Wirtschaftspolitik ging das Land Bankrot. Als er merkte, das die Bevölkerung Mitte der siebziger Jahre kein Geld mehr hatte, nahm er dies zu wörtlich, und lies unzählige Geldscheine drucken. Dies führte in wenigen Monaten zu einer Inflation von über 200 %. Der Schwarzmarkt blühte und die Entwicklung der Wirtschaft war immer rückläufiger. Auch 1981, nach der demokratischen Regierung und dem Putsch Rawlings, lag die Inflation immer noch bei 110 %22. Scharfe Importrestriktionen und Devisenkontrollen seitens der damaligen Regierung waren die Folge. Dadurch mußten in dieser Zeit mehr als 40 % der Industriebetriebe schließen., und auch die restlichen Unternehmen konnten nur noch mit geringer Kapazitätsauslastung arbeiten, weil es an Devisen zur Einfuhr der für die Weiterverarbeitung notwendigen Rohstoffe fehlt und der Bedarf an Ersatzteilen nicht gedeckt werden konnte. Auch heute liegt die Inflationsrate immer noch bei ca. 20 %. Das liegt vor allem am Exportverhalten Ghanas: Kakao ist das meist exportierte Gut, die Regierung kauft die Kakaobohnen von den Farmern zu teureren Preisen, als sie diese auf dem Weltmarkt absetzten kann. Die Folge ist eine steigende Inflation im Lande. Deshalb fehlt es der Industrie weiter an Rohstoffen und Ersatzteilen, das Wirtschaftswachstum stagniert. Abhilfe ist nicht in Sicht, denn Ghana hat keine langfristigen Konzepte, um das Wirtschaftssystem viel mehr zu privatisieren und den Wirtschaftsstandort Ghana interessant zu machen. Die neueste Idee der Regierung ist es, Investoren eine Steuerfreiheit in Ghana von 10 Jahren zu gewähren. Danach sollen die Steuern nicht über 8 Prozent liegen23. Dies bedeutet eine Bankrotterklärung seitens der Regierung. Kein ausländischer Investor wird dadurch die Wirtschaft des Landes unterstützen, vielmehr kann das Unternehmen saniert werden.

2.2.2 Export - Import Ghanas

Nachdem die Goldküste 1874 britische Kronkolonie geworden war, setzte schon bald ein reger Außenhandel ein, der beträchtliche Exportüberschüsse brachte. Neben Gold - dem klassischen Exportgut des Landes - wurden Naturgummi, Holz und Ölpalmprodukte nach England geliefert, wenig später auch Industriediamanten und Mangan, doch schon kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts nahm Kakao wertmäßig die Spitzenposition ein und bestreitet seitdem 40 % der Gesamtausfuhr24. Dies erklärt die starke Abhängigkeit des Außenhandels und der Wirtschaft Ghanas von der jeweiligen Preissituation auf dem Weltmarkt. Die häufigen und teils sehr erheblichen Schwankungen der Kakaopreise wurden nicht zuletzt durch die scharfe Anbaukonkurrenz der westafrikanischen und südamerikanischen Staaten (Elfenbeinküste, Nigeria) hervorgerufen., die zur Überproduktion und zum Preisverfall führten25. Zu diesem Zeitpunkt gingen viele Bauern dazu über Subsistenzwirtschaft zu betreiben. Sie bestellten die Felder mit dringend benötigten Lebensmittel, um die eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die Regierung stellte daraufhin mehr Geld für den Ankauf von Kakao von den Bauern bereit, um den Anbau wieder lukrativ zu machen. Auch die übrigen Exportprodukte wie Gold, Bauxit, Mangan und selbst Diamanten sind weitgehend von der Preisbildung des Weltmarkts abhängig. Nur die Ausfuhr von Nutz- und Edelhölzern verzeichnete bei zunehmender Nachfrage einen kontinuierlichen Aufwärtstrend, doch die Waldbestände in Ghana sind weitgehend erschöpft, so daß in den letzten Jahren eingehende Exportristriktionen verhängt wurden. Im Gegensatz dazu wurden Importrisriktionen Anfang der 80er Jahre verhängt, um den Importüberschuß zu verändern. Die so wichtigen Maschinen und Ersatzteile und auch die in Ghana nicht vorhandenen Endprodukte vielfältigster Art fehlten. Heute weist Ghana immer noch eine höhere Import als Exportquote auf. Dadurch ist die Regierung gezwungen Kredite aufzunehmen, die Staatsverschuldung steigt und die Industrie wird langfristig nicht angekurbelt. Das Problem des Import - Exporthandels wird an dem Beispiel Kakao deutlich: dieser wird in großen Massen exportieren, um im Gegenzug Schokolade, verarbeitet aus den eigenen Bohnen, wieder zu Importieren, natürlich zu sehr hohen Preisen. Dies zeigt, das Ghana endlich umdenken muß, denn mit dem Verkauf von Rohstoffen wird das Land immer ein Spielball der Weltmarktpreise bleiben. Der Saldo der Handelsbilanz lag im Jahre 1993 bei -677 Mio. US $. Alleine diese Tatsache müßte Ghana zwingen neue marktwirtschaftlich orientierten Konzepte aufzustellen, um eine konkurrenzfähige Wirtschaft aufzubauen. Auch wenn dieser Prozeß 10 - 20 Jahre dauert, ist er für eine Zukunft mit einer soliden konkurrenzfähigen Wirtschaft unumgänglich.

3. Das soziale System

3.1. Nord - Süd Konflikt im Land

Die Bevölkerungsdichte in Ghana ist regional sehr unterschiedlich. Es läßt sich ein großes Bevölkerungsgefälle von Süd nach Nord mit der Grenzlinie bei Kumasi feststellen. Ballungszentrum Ghanas ist Accra, die Hauptstadt. Hier leben ca. 2 Mio. Einwohner. Eine große soziale Differenz liegt zwischen dem Norden und dem Süden des Landes. Dies ist als erstes auf die drei verschiedenen Landschaftszonen zurückzuführen. Die Küstenebene ist geprägt von Bauten aus der Kolonialzeit. Häfen und Festungen zeugen von dem damaligen regen Handel. Die Region ist bis heute noch stark beeinflußt von der Kolonialzeit. Die Armut in Ghana ist im Norden, Nordosten und Nordwesten des Landes mit ca. 60 % armer Bevölkerung am größten26. In dieser Savannengegend ist Landwirtschaft nur bedingt möglich, so daß die meisten Dörfer keinen Handel betreiben, sonder nur für das eigene Überleben sorgen (Subsistenzwirtschaft). Die wenigsten Kinder gehen hier zur Schule, so daß eine Isolation allein schon durch die Sprache entsteht. Denn hier wird nur von der Hand in den Mund gelebt. Bildung wird in dieser Region nicht als sinnvoll erachtet. Die Menschen haben also kein geregeltes Einkommen, sie leben vom Handel untereinander. Dies hat zur Folge, daß sie keine Steuern bezahlen und im Bruttosozialprodukt des Landes gar nicht erfaßt werden.

3.2 Bildung

Die ersten Schulen in Ghana wurden von Missionaren gegründet, die mit den europäischen Händlern an die Goldküste kamen. Diese wurden entlang der Küste gebaut. Philip Quarcoe (1742 - 1816) gilt als Bildungspionier in Ghana. Er war ein englischer Pfarrer der mehrere Schulen an der Goldküste baute und auch selber unterrichtete27. Er brachte die Einsicht ins Land, daß Bildung notwendig ist. Um 1900 herum hatte die Goldküste bereits eine Vielzahl von hervorragend ausgebildeten einheimischen Lehren, die ihrerseits alles dafür taten die Landsleute zu "emanzipieren".

Nach der Unabhängigkeit wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Seit Gründung der Universitäten 1948 wurden insgesamt 700.000 Studenten immatrikuliert. Dies erklärt, warum die meisten qualifizierten Gastarbeiter in Westafrika heute aus Ghana stammen. Dies sind Ingenieure, Ärzte und Lehrer, sowie Handwerker. !986 wurde das Bildungssystem geändert. Die allgemeine Schulpflicht umfaßt zunächst eine sechsjährige Grundschule, gefolgt von einer dreijährigen Junior Secondary School 28, eine Art Aufbauschule. Danach haben die jugendlichen die Möglichkeit, einen Beruf zu ergreifen, oder eine Senior Secondary School zu besuchen deren Abschluß zum Besuch einer Hochschule berechtigt.

3.2.1 Probleme der Bildung

Die tatsächliche Situation im Bildungsbereich des Landes ist allerdings erschreckend. Nur 40 % der Kinder und Jugendlichen besuchen tatsächlich eine Sekundärschule29. Schule ist für viele Familien ein teures Vergnügen. Bücher und alle Schulmaterialien müssen selbst besorgt werden, wofür viele kein Geld investieren. Im Gegenteil, die jungen Menschen wandern auf der Suche nach Arbeit in die Städte ab. Selbst wenn noch 40 % der Jugendlichen die Sekundärschule durchlaufen wird das Problem der ghanaischen Bildungspolitik am Beispiel der Hochschulen deutlich: Es gibt nur vier Universitäten im ganzen Land! Dadurch können nur 1,5 % der Schulabgänger überhaupt eine Universität besuchen. Diese Tatsache hat enorme Auswirkungen auf Bereiche der Wirtschaft und der Politik. Universitätsabgänger in Ghana haben dazu noch große Probleme eine Anstellung in Ghana zu finden. Daher Leben über 2 Mio. Ghanaer im Ausland, darunter viele Intellektuelle und Gelehrte30. Es besteht für Intellektuelle kaum eine Möglichkeit der Partizipation in Wirtschaft und Politik.

Ein weiteres Problem des Bildungssystems ist die unzureichende Kontrolle, der Einhaltung der Schulpflicht. Es gibt keine Kontrollen, ob die Kinder tatsächlich zur Schule gehen. Weiterhin sind die Schulen nicht mit den nötigsten Materialien ausgerüstet, so daß es sehr schwer für die Lehrer ist, zu unterrichten. Klassenzimmer bestehen aus Lehmhütten mit Bänken und wenigen Tischen. Mehr Material steht den Lehrkörpern nicht zur Verfügung.

3.3. Weitere soziale Probleme

Die ghanaische Gesellschaft weist große soziale Differenzen auf. Die Bevölkerung ist zum größten Teil arm (ca. 40 %)31, eine Mittelschicht gibt es fast gar nicht und ein geringer Prozentsatz ist reich. Dies liegt zum einen an der fehlenden Industrie und an der Landflucht. In den Ballungszentren steigt die Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot schnell an. Hohe Kriminalität ist die Folge, Korruption und Nepotismus sind in allen Bereichen der Verwaltung und des öffentlichen Lebens gängig. Es fehlt vor allem eine ausgeprägte hierarchische Sozialordnung und eine nach wie vor oft ineffiziente Staatsbürokratie wirken tendenziell modernisierungsfeindlich und entwicklungshemmend. Dies wird in besonderem Maße in der schleppenden Administration Sichtbar. Zwar wurden einzelne Distrikte mit mehr Selbstverwaltung bedacht, aber die zur Durchführung eingesetzten Männer sind vom Staat bestimmt und nicht gewählt. Dadurch fehlt diesen Leuten die Bindung zur Region und das Bewußt sein über die regional unterschiedlichen Probleme. Abhilfe schafft nur weitere Dezentralisierung und eine größere Partizipation der Bevölkerung auf lokaler Ebene.

4. Tourismus

Wie in fast allen Entwicklungsländer stellt sich die Frage, ob Tourismus entwicklungspolitisch als Sackgasse oder als Königsweg betrachtet werden kann32. So steht auch Ghana vor der Entscheidung für oder wider Tourismus. Und natürlich die Frage nach dem "Wie?". Für eine richtige Einschätzung der Formen und Folgen von Tourismus muß man daher die wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen beleuchten.

4.1. Tourismus und Wirtschaft

Trotz mangelnder Daten über diesen Bereich in Ghana, läßt sich bezüglich der Deviseneffekte feststellen, daß nur etwa 30 - 35 % der Bruttodeviseneinnahmen dem Urlaubsland zugute kommen33. Ein weitaus größerer Teil des Geldes geht direkt an Reiseorganisationen und internationalen Hotelketten außerhalb des Landes. Zum Aufbau einer Tourismus - Industrie ist eine hohe Investition nötig, meistens bauen ausländische Investoren ihre "eigenen" Urlaubsanlagen und Hotels mit eigenen Arbeitern und Ingenieuren, so daß die ghanaische Bauindustrie von diesen Projekte nicht profitiert. Ausgaben für Werbung und Auslandskredite verhindern außerdem eine weitgehende Nutzung der Devisenerträge.

4.2 Problemfelder von Tourismus in Ghana

Die mangelnde Qualifikation und Erfahrung einheimischer Arbeitskräfte für die leitenden Funktionen führt zum Rückgriff auf fremde Arbeitskräfte und schränkt die Beschäftigungseffekte damit ein. Die Unkenntnis einheimischer Hotelbesitzer über Marketingstrategien und Tourismus insgesamt führt eigentlich eher zur Ausbeutung als zu einem wirtschaftlichen Erfolg.

Im Gegensatz dazu kann aber ein länger anhaltender Tourismus zu einer wesentlichen Verbesserung der Infrastruktur führen. Dies meint den Ausbau von Elektrizität, Häfen, Flughäfen und Verkehrswegen. Doch bei kapitalintensiver Tourismusförderung entstehen Konflikte mit der Bevölkerung, da Investitionen für die einheimische Bevölkerung nicht mehr getätigt werden können.

4.3. Tourismus in Ghana

Der Tourismus in Ghana ist noch nicht sehr weit entwickelt. Lediglich in den großen Städten gibt es Hotels mit westeuropäischem Standart. Dies liegt vornehmlich an der Unkenntnis der Bevölkerung am Tourismus, zum anderen daran, daß die schlechte Infrastruktur, Massentourismus weitgehend verhindert.

Viele private Organisationen bieten eine Art Studienreise nach Ghana an, die sicher eine gute Lösung für den Zusammenhang von Tourismus in Entwicklungsländern bietet. Tourismus kann, wenn er von der einheimischen Bevölkerung "verwaltet" bzw. mitbestimmt wird, zur Lösung vieler, besonders Finanzieller, Probleme dienen. Auf der anderen Seite birgt Tourismus eine große Gefahr der weiteren Ausbeutung eines sowieso schon armen Landes. Unkenntnis der einheimischen Bevölkerung und der Gedanke an kurzfristig schnell verdientes Geld durch Tourismus hat schon so manchem Entwicklungsland mehr geschadet denn geholfen.34

5. Entwicklungshilfe

5.1. Staatliche Entwicklungshilfe

Die multilateralen Geldgeber sind vor allem für die Staatliche Entwicklungshilfe zuständig. Die Weltbank ist einer der wichtigsten für Ghana. Wichtigster bilateraler Geber ist Japan mit ca. 122 Mio. $ jährlich. Die Bundesrepublik Deutschland liegt an dritter Stelle mit ca. 43 Mio. $ jährlich (1995)35. Gleichzeitig mit den bilateralen Vereinbarungen werden weitere Handelsabkommen geschlossen, die meistens mehr der Wirtschaft des Geberlandes als der des Entwicklungslandes nutzen. Deutschland importiert Waren aus Ghana für ca. 233 Mio. DM, exportiert aber gleichzeitig an Ghana für ca. 255 Mio. DM Waren. Dies zeigt schon deutlich, wer an den wirtschaftlichen Vereinbarungen wirklich profitiert. Außerdem tauscht Ghana dabei meistens Rohstoffe gegen Endprodukte ein. Dies ist für eine wirkliche Entwicklungshilfe, nämlich zum Aufbau einer eigene marktwirtschaftlich orientierten Industrie, nicht förderlich. Im Gegenteil: Die industrielle Entwicklung bleibt gleich oder verschlechtert sich.

5.2. Formen der staatlichen Entwicklungshilfe

Die Formen der staatlichen Entwicklungshilfe sind also für die Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit kontraproduktiv. Eine dieser Formen ist das Liefern von Maschinen in Entwicklungsländer. Meistens sind diese nicht für die Bedürfnisse des Landes geeignet. Es gibt keine Ersatzteile, um eventuelle Reparaturen durchzuführen und viele Maschinen werden nach Abschluß der Projekte in anderen Ländern eingesetzt. Dies hat negative Auswirkungen in Ghana gehabt, denn viele ausländische Maschinen wurden kurzzeitig im Straßenbau eingesetzt. Dies bedeutet, daß kaum Reparaturen an den Straßen ausgeführt werden können, da die Maschinen nicht mehr im Land sind. Weiterhin wurden die Bauarbeiten von ausländischen Ingenieuren geleitet, so daß ghanaische Ingenieure sich nicht in leitenden Positionen befanden. Straßenbau in Eigenregie zu betreiben erfordert also einen kompletten Neuanfang.

Diese Art der Entwicklungshilfe bewirkt eine kurzfristige Besserung der Zustände, langfristig gesehen hemmt es aber die Entwicklung erheblich. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, daß von vielen Formen der Entwicklungshilfe die Geber mehr profitieren als die, die sowieso schon arm sind.

Teil III: Welche Zukunft hat Ghana?

1. Ghanaische Selbsteinschätzung

Am 6. Januar 1996 wurde von dem Präsidenten Ghanas, Jerry John Rawlings, ein Programm veröffentlicht, das die Zukunft der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in Ghana beschreibt36. Dieses Konzept basiert auf einem im Grundgesetz verankerten Artikel37. Laut diesem ist Artikel muß vom Präsidenten ein solches Konzept innerhalb von zwei Jahren nach in Kraft treten des Grundgesetzes vorgelegt werden. An diesem Konzept soll sich die Wirtschaft und Gesellschaft Ghanas orientieren.

1.2. Momentane Situation aus Sicht der Regierung

Die Regierung erkennt die schlechte Wirtschaftslage des Landes. Das ein Drittel der Bevölkerung den untersten Lebensstandard haben, ist nicht zu übersehen. Dennoch verweist die Regierung auf eine wachsende Industrie, 7 % in den letzten Jahren, und eine Zunahme der Landwirtschaft. Auch die schlechte Bildung im Lande mit einer Alphabetisierungsquote von ca. 50 % ist bekannt. Das Nord - Süd Gefälle stellt ebenso ein großes Problem da, genauso wie die Ungleichheit der Frauen in vielen Teilen des Landes. Umweltverschmutzungen und soziale Desorganisierung sind weitere akute Probleme des Landes.

1.3.Entwicklungsprogramm der Regierung Ghanas

Es sind zwei unterschiedliche Projekte geplant. Zum einen soll die Entwicklung des Landes für die nächsten 25 Jahre geplant werden, zum anderen besteht ein Programm für die nächsten 5 Jahre (The First Step - Long-Term Objektivs).

1.3.1 Langzeitprojekte der Regierung

Das wichtigste Ziel ist die Reduzierung der Armut durch die Anhebung des durchschnittlichen Einkommens und der Angleichung der Lohnspanne in der Gesellschaft. Dies soll durch Einschränkung des Bevölkerungswachstums auf unter 2% geschehen. Weiterhin soll das Gesundheitssystem, die Kanalisation und der allgemeine Lebensstandard verbessert werden.

Eine staatliche Regulierungsbehörde soll den Wettbewerb zwischen in- und ausländischen Investoren kontrollieren. Für diese soll der Standort Ghana durch eine Verbesserung des staatlichen und öffentlichen Verwaltung attraktiv werden. Jeder Ghanaer soll einen materiellen Aufschwung verspüren. Das Wirtschaftswachstum soll 8 % pro Jahr betragen. Dies soll durch eine große Veränderung der Wirtschaft passieren: Die Landwirtschaft soll nur noch ca. 20 % zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, die Industrie 37 % und der Service - Sektor ca. 45 %. Weiterhin soll die soziale Diskrepanz zwischen Stadtregionen und ländlichen Gegenden reguliert werden. Besonders in den ländlichen Regionen soll die Infrastruktur erheblich verbessert werden, so daß die Stadtflucht wieder reduziert wird.

1.3.2. Projekte in den nächsten 5 Jahren der Regierung

Der 5- Jahresplan Rawlings beinhaltet folgende Punkte:

- Armutsbeschränkung
- Kontrolle des Bevölkerungswachstums
- Mehr Rechte und Mitverantwortung für Frauen
- Verbesserung des Gesundheitssystems
- Bildung fördern und Arbeitslosigkeit bekämpfen

Durch diese Punkte soll vor allem der Mittelstand gestärkt werden. Der Anteil der Landwirtschaft am BIP soll auf 39 % bis zum Jahr 2000 fallen, die Industrie soll einen Anteil von 20 %, die des Service - Sektors 41 % im Jahre 2000 betragen. Dies ist nur zu erreichen, indem die Investitionen auf 26 % des BIP steigen. Finanzpolitisch sollen direkte Steuern zu mehr Einnahmen führen und Dezentralisierung mit finanzieller kommunaler Selbstverwaltung die Wirtschaft stärken. Das erreichen einer positiven Export - Importbilanz und Preisstabilität sind weitere Ziele.

Die öffentliche Verwaltung muß weiter verbessert und effektiver gestaltet werden, so daß sich private Investoren anbieten.

2. Eigene Einschätzung der Zukunft Ghanas

2.1. Allgemeine Einschätzung

Ghana war und ist ein Land der vielfältigsten Möglichkeiten in vielen Hinsichten. Es ist das erste unabhängige Land Afrikas mit enormen Bodenschätzen und einer reichen Kultur. Es ist aber auch das Land der fehlgeschlagenen politischen Systeme, der Ausbeutung durch Sklaverei und durch den Raub vieler Bodenschätze. Doch Ghana hat es geschafft, sich bis heute immer wieder von wirtschaftlichen und politischen Rückschlägen zu befreien. Dennoch muß es große Veränderungen geben, damit dieses Land den Status "Entwicklungsland" verliert. Die Visionen der ghanaischen Regierung zeigen, daß die grundlegenden Probleme nicht oder nur unzureichend erkannt wurden. Realistische Lösungen zu den bestehenden Problemen hat Rawlings nicht zu bieten.

2.1.1. Wirtschaft und Gesellschaft

Die von der Regierung dargestellten Projekte und ihre vorgegebenen Zahlen sind, das kann man schon in diesem Jahr erkennen, im Jahre 2000 nicht erreichbar. Industrie soll gestärkt werden um Landwirtschaft als Hauptwirtschaftszweig abzulösen lautet eines der wichtigsten Ziele. Dies schafft man aber nur, in dem man als erstes die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt38 und dadurch die Subsistenzwirtschaft einschränkt. Des weiteren muß, wie die Regierung dies auch fordert, ein Exportüberschuß erreicht werden. Möglich ist das Langfristig nur durch ein breites Angebot industrieller Güter, die im eigenen Land fabriziert werden und ein Exportrückgang der Rohstoffe. Kurzfristig stellt dies das Land sicher vor einige größere Probleme. Der technische Fortschritt ist auch in Ghana nicht aufzuhalten und so beeinflußt das Fernsehen und die Medien insgesamt die Bevölkerung. Der Wohlstand und Reichtum der westlichen Welt ist auch in Ghana bekannt. Dies zu erreichen versuchen immer mehr Menschen. Dies geht zu Lasten der langfristig geplanten Entwicklung, denn das schnell verdiente Geld zählt mehr als langfristige Stabilisierung. Durch staatliche Entwicklungshilfe werden kurzfristige Projekte finanziert, die aber der Wirtschaft des Landes eher schaden.

Die Konzepte der Regierung Rawlings beinhalten wesentliche Probleme Ghanas, aber es werden keine ausreichenden Lösungen genannt. In dieser Form ist keine Entwicklung möglich.

2.2. Der Weg in eine positive Zukunft

Der Weg in eine positive Zukunft Ghanas kann nur über die Politik geschehen. Dabei sind Bildung, Dezentralisierung, Demokratisierung und Partizipation der Menschen die wichtigsten Elemente zum Weg aus der Krise.

2.2.1. Agenda 21

Auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro 1992 wurde ein Konzept für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die unterzeichnenden Staaten verpflichteten sich auf das Ziel einer dauerhaften - umweltgerechten Entwicklung. Im Rahmen einer weltweiten Partnerschaft wird angestrebt, Wirtschaft und soziale Belange mit dem dauerhaften Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen. Die Agenda 21 hat also eine soziale, eine ökonomische und eine ökologische Komponente.39 Damit ist das Umdenken der gesamten Weltbevölkerung gemeint, wenn es um globale Themen geht. Dabei steht das Motto Global Denken - Lokal Handeln im Vordergrund. Dieses Projekt heißt Lokale Agenda 21. Ein wesentlich neuer Punkt dabei ist, daß erstmals die Kommune als wichtige Akteure bei der Gestaltung der weltweiten Entwicklung anerkannt und benannt werden40. Eine Lokale Agenda 21 ist das langfristige Aktionsprogramm einer Kommune für eine zukunftsbeständige Entwicklung vor Ort.

Gerade für die Entwicklungsländer hat die Agenda 21 eine große Bedeutung. Umweltschutz und Mitbestimmungsrechte auf lokaler Ebene sind vielen Ländern fremd. Auch in Ghana ist der nicht vorhandene Umweltschutz ein großes Problem. Es gibt nur eine bedingt Müllentsorgung, und keine Aufklärung über den Umgang und der Vermeidung von Müll. Durch die Lokale Agenda 21 sollen die Menschen durch eigene Organisation diese Probleme erkennen und Konzepte aufstellen, um diese zu lösen. Gerade in Entwicklungsländer braucht man eine angemessene Entwicklungshilfe zur Selbständigkeit. Nicht Geld steht hierbei als Hilfe im Vordergrund, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. Eine tragende Rolle spielen dabei die Nicht - Regierungsorganisationen (Non - governement - organisations NGO´s).

2.2.2.. Deutsch - Ghanaischer Verein Projekt "Ningo" e.V.

Ich selber Arbeite in einem Verein , der sich als nichtsaatliche Organisation um Entwicklungshilfe kümmert. Dabei Handelt es sich um den in Hanau gegründeten Verein Deutsch Ghanaischer Verein Projekt "Ningo" e.V. Dieser Verein hat es sich zum Ziel gemacht, in dem Dorf New Ningo, das ca. 50 km östlich von der Hauptstadt Accra direkt am Meer liegt, Projekte zur Stärkung der kommunalen Infrastruktur und Verbesserung sozialen Probleme zu schaffen. Dabei fließen, wie bei allen NGO´s, die gespendeten Gelder des Vereins direkt in das Projekt, denn es müssen keine Mitarbeiter und Verwaltungskosten bezahlt werden.

Grundlegendes Anliegen des Vereins ist es die Menschen in ihren demokratischen Rechten zu Stärken, den Frauen neue Wege zu mehr Gleichberechtigung zeigen und ein Bewußtsein für Umweltprobleme und globales Denken zu erschaffen. Dabei ist ein Familienzentrum in dem Dorf New Ningo geplant. Hier leben etwa 3000 Menschen, es gibt keinen Kindergarten und nur eine kleine Schule. Möglichkeiten zum regen Austausch haben die Menschen dort nicht. Das Familienzentrum soll als Erwachsenenbildungsstelle, als Kindergarten und als Treffpunkt verstanden werden. Dabei soll der Verein das Geld für den Bau bereitstellen, die Gestaltung und die tatsächliche Art und Weise der Nutzung, darüber sollen die Menschen in dem Ort selber Entscheiden.

2.3. Entwicklungshilfe - Hilfe zur selbständigen Entwicklung

Die Zukunft Ghanas kann sich nur dann positiv gestalten, wenn die Menschen im Lande sich selber helfen. Durch die Agenda 21 wurde ein Konzept entwickelt wie es möglich ist in allen Länder der Welt kommunale Probleme sinnvoll zu lösen. Dabei spielt die Dezentralisierung und die Partizipation eine große Rolle. In Ghana warten die Menschen bis lokale Probleme von der Regierung irgendwann einmal gelöst werden. Aber durch eigene Initiativen ist eine wesentlich schnellere und effektivere Möglichkeit gegeben, Probleme zu lösen. Es kann also nicht das Ziel der Entwicklungshilfe sein nur Geld an die Länder zu schicken; es bedarf einer Aufklärung der Menschen über Demokratie, Partizipation und der Umweltproblematik. Auch diese Punkte sind elementare Bestandteile der Vereinsarbeit der NGO`s. Auch die kleinsten Projekte einer Gemeinde können zur allgemeine Verbesserung der Lage im ganzen Land führen. Denn wird nur die Infrastruktur verbessert steigt die Lebensqualität jedes einzelnen, es werden mehr Arbeitsplätze geschaffen, die Industrie wird gestärkt, das Bruttosozialprodukt steigt. Dies bedeutet natürlich einen Prozeß über viele Jahre bis Jahrzehnte. Grundlegendes Problem der langfristigen Entwicklungsprozesse auf lokaler Ebene sind, daß die Menschen immer daran interessiert sind eine Verbesserung der Lebensumstände so schnell wie möglich zu erreichen. Das geht aber meistens auf kosten einer langfristig nachhaltigen Entwicklung.41

3. Resümee

Bei der Betrachtung der Probleme Ghanas ist auffällig, daß es in allen Bereichen Veränderungen geben muß. Wirtschaftliche Probleme, soziale Ungleichheit und eine fehlende Demokratie und Bildung sind Indikatoren dafür. Ein großes Problem stellt meiner Meinung nach in erster Linie die Politik der Regierung dar. Solange der Großteil der Menschen keine gute allgemeine politische Bildung hat, muß die Regierung keine Opposition fürchten. Man sieht an den Plänen der Regierung, die fast gar nicht umgesetzt werden, daß eine Veränderung der momentanen Situation nicht erwünscht ist. Ein Veränderung hat nämlich größere Partizipation der Bevölkerung am politischen Prozeß zur Folge, höhere Bildung der Menschen bringt Kritiker hervor, die eine starke Opposition mit sich bringen.

Weiterhin fehlt es Ghana an einem Bildungssystem, ohne Bildung erfolgt auch keine politische Bildung der Bevölkerung, dadurch kann eigentlich kein repräsentatives Wahlergebnis entstehen. Zu viele Einwohner, gerade im Norden der Republik haben keine Ahnung von politischer Willensbildung und Entscheidungsprozessen. Ein weiteres Problem ist die Entwicklungshilfe der westlichen Industriestaaten. Der Unterschied zwischen den privaten Trägern und staatlicher Entwicklungshilfe liegt darin, daß staatliche Hilfe Großprojekte beinhaltet, die nicht das soziale und menschliche Engagement aufzeigen wie die direkte Hilfe der privaten Organisationen vor Ort. Entwicklungshilfe bedeutet, Hilfe zur eigenen Entwicklung zu leisten, dies ist aber nur möglich, wenn die Betroffenen befähigt werden selber ihr Land aufzubauen. Dies bedeutet auch, daß große Bauvorhaben und Projekte zur Infrastruktur oder zu ökologischen Fragen nicht von fremden Ländern, sondern vom betroffen Land selbst koordiniert werden. Da aber die westlichen Länder finanziell sehr von diesen Projekten profitieren, werden viele Projekte nicht den Ghanaern selbst überlassen.

Meiner Meinung nach besteht die Möglichkeit durch die Arbeit der privaten Vereine (NGO`s) einen großen Beitrag zur Verbesserung der momentanen Situation zu leisten. Dabei spielt die Lokale Agenda 21 eine sehr große Rolle. Hierdurch lernen die Menschen ihre kleinsten lokalen Probleme in Eigenregie zu lösen. Vom kleinen zum großen und Hilfe zur Selbsthilfe - nur das kann der Weg einer vernünftigen Entwicklungshilfe sein. Das auch hier viele Probleme entstehen ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn sich viele an dem Engagement einzelner bereichern wollen, darf das Ziel der Lokalen Agenda 21 nicht aus den Augen verloren werden. Ich bin davon überzeugt, das eine größere Partizipation der Menschen in Entwicklungsländern eine gute Möglichkeit ist viele der in dieser Arbeit erörterten Probleme langfristig zu lösen.

4. Literaturverzeichnis

Boateng, E.A.: Government and the People, Accra Ghana 1996,

BMZ: Journalistenhandbuch Entwicklungspolitik, Bonn 1998

BMZ: Länderbericht Ghana 1996, Bonn 1996

BMZ: Länderbericht Ghana 1997, Bonn 1997 Bundesumweltministerium: Handbuch Lokale Agenda 21, Bonn 1998

Carmichael, John: Ghana - from Gold Coast to independence, London 1993

Cobbinah, Jojo: Ghana - Praktischer Reiseführer, Frankfurt/Main 1993

Gnielinski, von Stefan: Ghana, Darmstadt 1986

Ministry of Trade and Industry: Ghana, a good Place to do Business, Accra Ghana, 1996

Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon der dritten Welt, Hamburg 1993 Nuscheler, Franz: Lern - und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 1996

Opitz, Peter J.: Grundprobleme der Entwicklungsländer, München 1993

Rawlings, Jerry John: Ghana - Vision 2020, Accra 1995

Republic of Ghana: Constitution of the Republic of Ghana, Accra 1992

[...]


1 Nohlen,D. 1996 S.231

2 Carmichael,J. 1993 S.31

3 Cobbinah 1995 S.47

4 Carmichael 1993 S.57

5 Ein früherer Name für Ghana.

6 von Gnielinski S.77

7 Cobbinah,J. 1993 S.54

8 Cobinnah,J. 1993 S.56

9 In erster Linie richteten sich die kriegerischen Absichten gegen das Fanti - Volk, da diese mit den Briten eng zusammenarbeiteten und unter dem Schutz der Briten standen.

10 Carmichael,J. 1993 S.171

11 Cobbinah,J. 1993 S.57

12 Cobinnah,J. 1993 S.62

13 Nohlen,D. 1994 S.281

14 Nohlen,D. 1994 S.281 ff

15 In Tema wurde bis 1966 eine moderne Industriestadt mit großem Hafen gebaut

16 Am Voltasee baute Nkrumah erstmals einen Staudamm (1965 abgeschlossen), der auch in der heutigen Entwicklung Ghanas eine große Rolle spielt (vergl. BMZ: Länderbericht Ghana 1997)

17 Nohlen,D. 1994 S.281

18 Ghanaische Währung

19 von Gnielinski 1986 S.133

20 BMZ: Länderbericht 1996, Referat 122, Bonn 1996, S.10

21 Nohlen,D, 1996 S.737

22 von Gnielinski,S. 1986 S.215

23 Minestry of Trade and Industry, Accra 1997, Ghana

24 BMZ: Länderbericht 1996, Bonn 1996

25 von Gnielinski,S. 1996 S.218

26 BMZ: Länderbericht 1996, Bonn 1996, S.12

27 Cobbinah,J. 1996 S.82

28 Cobbinah,J. 1996 S.83

29 s.o.

30 Als Beispiel ist in diesem Zusammenhang, Kofi Annan zu erwähnen, der schon in frühster Kindheit Ghana verließ, in Amerika studierte, und nicht mehr in sein Land zurückkehrte.

31 BMZ: Länderbericht 1997, Bonn 1997 Anlage 1.

32 Nuscheler, F. 1996 S.303

33 Nohlen, D. 1996 S.647

34 Sex - Tourismus in asiatischen Ländern wie Thailand ist ein Produkt des negativen Tourismus in Entwicklungsländern.

35 BMZ: Länderbericht 1997, Bonn 1997, S.3

36 Rawlings, J.J.: Ghana - Vision 2020, Accra 1996

37 Costitution of the Republic of Ghana, Accra 1992, Artikel 36 Absatz 5.

38 Vergl.: Nuschler, F., 1996, S. 184 ff.

39 Hessisches Ministerium f. Umwelt: Agenda 21, Wiesbaden 1998

40 Agenda 21, Kapitel 28.1

41 Als Bsp. dient hier die Landwirtschaft, die als Wirtschaftszweig schnell Geld verspricht.

36 von 36 Seiten

Details

Titel
Ghana - Entwicklungspolitische Studie am Beispiel Ghanas
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Autor
Jahr
1999
Seiten
36
Katalognummer
V96258
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ghana, Entwicklungspolitische, Studie, Beispiel, Ghanas
Arbeit zitieren
Claus Well (Autor), 1999, Ghana - Entwicklungspolitische Studie am Beispiel Ghanas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96258

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