Ausgesuchte Aspekte der Partnerwahl. Nach welchen Kriterien suchen wir unsere Partner aus?


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Partnerwahl und Flirtverhalten

Kriterien der Partnerwahl

Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens – Paarungssysteme

Literatur

Einleitung

Warum hat Ute den Geschäftsmann Klaus und nicht den Künstler Marius geheiratet? Spielt sein Charakter die Hauptrolle bei dieser Entscheidung, oder lässt sie sich doch von seinem Geld und gutem Aussehen dazu verleiten? Warum will Marius nicht die liebe Susi, sondern die junge Karla als Freundin? Und warum hat Karla mit Klaus seit kurzem eine Affäre?

Wer hat mehr Chancen, Macho oder Softie, junges Vamp oder alternde Schmusekatze?

Nach welchen Kriterien suchen wir unsere Partner aus? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

Und auch wenn es eine Vielzahl verschiedener Erklärungsansätze gibt, sollte man doch an der Basis anfangen und die evolutionsbiologischen Aspekte unseres Verhaltens betrachten.

Hierbei lassen sich soziobiologische und evolutionspsychologische Betrachtungsweisen nicht klar voneinander trennen. Die Soziobiologie deutet die menschlichen Verhaltensweisen als phylogenetische Anpassungen im Laufe der Evolution. Evolutionspsychologen beschäftigen sich mit denen das Verhalten bedingend Mechanismen, welche sich im Laufe der Evolution herausgebildet und/oder manifestiert haben.

Viele der natürlich menschlichen Verhaltensweisen lassen sich im Tierreich wiederfinden. Und auch wenn die jeweiligen Gesellschaftsformen das menschliche Verhalten in gewisse Formen leiten bzw. zu leiten versuchen, so lassen sich doch Gemeinsamkeiten nicht von der Hand weisen.

Denn gemäß Wilson heißt die Überholtheit der Regeln nicht, dass sie außer Kraft gesetzt sind.

Wir Menschen sind „offenbar mehr als andere Tiere in der Lage, die Stammesgeschichtliche Determination des Verhaltens durch Konditionierungsvorgänge, Erziehung oder Einsicht zu verändern. Wie groß die Bandbreite dieser Veränderbarkeit ist, wird noch zu diskutieren sein.“1

Partnerwahl und Flirtverhalten

Warum wählen wir, meist verbunden mit viel Mühe bzw. Zeitaufwand, den zu uns passenden Partner aus?

Und wozu dient hierbei das Flirten?

Bei Tieren mit innerer Befruchtung oder da, wo die männlichen Keimzellen in unmittelbarer Nähe der weiblichen abgesetzt werden, nehmen die Partner vor dem Akt Kontakt auf, um sich Einzustimmen, mögliche Aggressionen abzubauen und über die Paarungsmodalitäten zu einigen. Für die Besamung muss eine besondere Körperstellung eingenommen werden, was ohne wechselseitige Verständigung nicht möglich ist. Deshalb zeigen Tiere ein Werbeverhalten, was der Vorbereitung des Aktes dient. Hierbei redet man vom Balzverhalten.

Das Balzverhalten besteht somit aus Signalhandlungen, welche als Verständigungsmittel zwischen den Geschlechtspartnern fungieren.

Was jedoch sollen diese Handlungen genau bewirken bzw. wie kommt es zur Bestimmung der Paarungsmodalitäten? Da es eine Vielzahl von Aspekten hierbei gibt, werde ich nur die auch auf den Menschen im gewissen Sinne Übertragbaren beleuchten.

Zuerst werden die Geschlechtspartner angelockt. Dies geschieht ebenso über die Abschreckung von Rivalen und die Verteidigung des Territoriums. Somit wird die mögliche Konkurrenz ausgeschaltet.

Die Signale können über große Entfernungen hinweg übertragen werden. Als Beispiel hierfür lässt sich der Laubheuschreckengesang durch die Stridulationsorgane an den Flügeln anführen.

Das Weibchen wählt das Männchen anhand seiner zur Schau gestellten Qualitäten und seines Durchsetzungsvermögens gegenüber Rivalen aus. Hierbei werden besonders die Brutpflegeeigenschaften des Männchens geprüft.

Durch den Aufbau einer Partnerbindung wird sozusagen die spätere Paarung sichergestellt. Wichtig hierbei scheint auch die Sicherung der Jungfräulichkeit des Weibchens zu sein. Stockenten z. B. verpaaren sich schon lange vor den eigentlichen Fortpflanzungsvorgängen.

Oft finden am Ende der Balzfolge Beschwichtigungshandlungen zum Abbau aggressiver Tendenzen statt. Bei den Buntbarschen beispielsweise balzt der kleinere, also auch schwächere, Partner häufiger. Diese Handlungen finden geschlechts-unabhängig statt.

Somit wird deutlich, dass das Balzverhalten auch als Ausdrucks des Konflikts zwischen Männchen und Weibchen steht, der überwunden werden muss.

Balzverhalten fördert den Zusammenhalt des Paares. So ist das Balzverhalten der Vögel durch die Duettgesänge, welche der intraspezifischen Kommunikation dienen, gekennzeichnet.

Die Balz dient ebenso zur sexuellen Stimulierung des Geschlechtspartners und der Synchronisation der Partner untereinander unmittelbar vor der Begattung.

Der Balz liegt die gegenseitige Arterkennung, bedingt durch arttrennende Signale (Verhaltenssignale und morphologische Auslöser) zugrunde. Gemäß dem, sind beide Geschlechtspartner an der Arterkennung „interessiert“. Dies soll den sexuellen Kontakt mit Artfremden verhindern. Dieses Verhalten fungiert somit als ethologischer Isolationsmechanismus. Eine artfremde Verpaarung hätte selektionistische Nachteile, da sie eine erhöhte Sterblichkeit, Bastardsterilität usw. zur Folge haben könnte und damit den Fortpflanzungserfolg mindern würde. Beim Menschen kann man dem Balzverhalten Ähnliches Beobachten.

Sind zwei Sozialpartner stark aneinander interessiert, so beginnen sie, auf beinahe spielerische Art und Weise miteinander zu interagieren. Sie zeigen das sog. Flirtverhalten (von engl. flirt = das Herumflattern, Liebäugeln).

Bei sexuell reifen und aneinander Interessierten, kann diese Spielerei in ein ernsthaftes Werbeverhalten umschlagen. Dann steht dieses Verhalten im Zeichen der Sexualbereitschaft. Besonders häufig ist diese Art von Verhalten bei anfangs aneinander unbekannten Personen zu beobachten.

Flirtverhalten lässt sich durch ambivalentes Verhalten zwischen Zuwendung und Abkehr, das sich in Verhaltensmustern wie Blickkontakt (Anblicken, Augengruß) bzw. Blickabwendung (Blickvermeidung), Anlächeln (Duchenne-Lächeln, Lächeln) und Verlegenheitsgebärden (Konfliktverhalten) äußern kann, charakterisieren.

Gerade die Form ambivalenter Verhaltensmuster lässt sich auch im Tierreich beobachten. So z. B. bei den Haubentauchern, Blaufußtölpeln, Katzen etc.

Ebenso lassen sich weitere Parallelen des menschlichen Flirtverhaltens zum tierischen Balzverhalten finden.

So bringen z. B. einige Spinnenarten hübsch verschnürte Beutestückchen als Geschenk mit. Die Parallele zum menschlichen Schenkverhalten ist hierbei nicht von der Hand zu weisen. Nicht von ungefähr hat sich das Schenken von Pralinen, Blumen, Kuscheltieren, Musik etc. in der „Kennenlernphase“ als beinahe feste Konstante etabliert.

Das Schenken ist eine Grußrite, die dem Brutpflegefüttern abgeleitet ist und als bandstiftendes Mittel zwischen zwei Menschen fungiert. (vgl. I. Eibl-Eibesfeldt, S. 164)

Auch bleiben einige Tierarten solange in respektvoller Entfernung, bis vom Weibchen das Signal für eine mögliche Annäherung kommt. Und auch die Männer reagieren meist erst nach Aufnahme des Augenkontaktes, da sie dies als Einverständnis der Frau für die erste Annäherung werten. Das sie dies manchmal auch überbewerten sei dahingestellt.

Da die Partnerfindung häufig mit der Ausschaltung von Rivalen verbunden ist, enthält das Balzverhalten teilweise auch aggressive Elemente. Diese kommen vor allem im Imponierverhalten vor. Besonders gut lässt sich dies in Clubs oder vor bzw. in ähnlichen Lokalitäten studieren. Das Auto, der Schmuck und das übertriebene Gebahren dient hierbei zum maßlosen Angeben und „sich in’ s rechte Licht bringen“.

Das Vorzeigen bestimmter Körpermerkmale, bei Tieren ebenso wie bei Menschen lässt sich ebenso dem Balzverhalten zuordnen. Umgangssprachlich ließe sich dies auch als „mit den Reizen spielen“ titulieren.

Frauen betonen gern ihre Figur und unter zu Hilfenahme von Make–up ihr Gesicht. Vor allem werden die dem Kindchen-Schema zu zuordnenden Merkmale optisch betont. Die Augen und der Mund werden hervorgehoben und auffällig vergrößert.

Bei einigen Männern kann man, wenn sie nicht gut trainiert sind, sogar eine Art „Aufblasen“ beobachten.

Ähnlich wie bei einem Pfau, wird hierbei die Körperkontur vergrößert, um deren Pracht zur Schau zu stellen.

Dadurch sollen die körperlichen Qualitäten und Vorzüge dem möglichen Partner präsentiert werden, um somit dessen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Bei anderen Formen des Balzverhaltens werden Bewegungen des Nestbaus ausgeführt. Die Tiere zeigen einander einen geeigneten Platz oder beschenken sich mit Nestbaumaterial. Liest man Kontaktanzeigen wird deutlich, dass das Anpreisen eines eigenen Hauses sich großer Beliebtheit erfreut. Und erfahrungsgemäß lässt sich sagen, dass die Attraktivität eines Mannes steigt, wenn er einem eine angenehme und sichere Wohnmöglichkeit bietet.

Bei lebenslang monogam lebenden Tieren, wie z. B. den Dohlen, kann man beobachten, dass sich die Tiere immer wieder gegenseitig anbalzen. Und auch gut funktionierende, langwährende Partnerschaften stehen u. a. auf dem Fundament des gegenseitigen Interesses und Aufmerksamkeit. Flirtverhalten erweist sich in diesem Falle als Bindungsfunktion.

Belegen lässt sich dies dadurch, dass es sowohl zwischen Erwachsenen und Kindern, als auch zwischen Kindern untereinander vorkommt.

In manchen Fällen beschränkt sich das paarbindende Verhalten nur auf die Zeit der Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen. In der übrigen Zeit leben die Partner getrennt, wie man es z.B. bei den Zugvögeln beobachten kann.

Viele Paare, die Probleme miteinander haben und sich am liebsten trennen bzw. scheiden lassen würden, warten, bis ihre Kinder soweit erwachsen sind, dass sie nicht mehr beide Elternteile brauchen. Diese Ansichten sind, sozial betrachtet, fragwürdig, da sowohl die Kinder als auch die Eltern unter den Spannungen leiden.

Kriterien der Partnerwahl

Oft sieht man Paare und denkt entweder: Was finden die beiden aneinander? oder: Da haben sich zwei gefunden!

Aber was beeinflusst die Partnerwahl? Und warum lassen sich die Menschen von so unterschiedlichen Dingen beeinflussen?

Zum einen können hierbei angeborene Auslösemechanismen (AAM) wirken. Die neurosensorischen Filter, filtern aus der Fülle der angebotenen Reize diejenigen heraus, welche ein bestimmtes Verhalten auslösen.

Beim Menschen bezieht sich dies unter anderem auf die sekundären Geschlechtsmerkmale.

Es scheint, als ob die Formen der Partnerwahl kulturelle Differenzen aufweisen. So werden z. B. in den meisten Regionen in Afrika beleibte Frauen bevorzugt, was in der westlichen Welt mit dem vorherrschenden Idealbild einer schlanken Frau nicht der Fall ist.

Jedoch haben Untersuchungen, welche von David Buss in den Jahren 1984 bis 1989 durchgeführt wurden gezeigt, dass dies nicht hundertprozentig stimmt. Er befragte unverheiratete Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren hinsichtlich ihrer Prioritäten bei der Wahl ihrer zukünftigen Ehepartner. Als relevante Merkmale hierbei wurden Einkommen, Ehrgeiz, Aussehen, sexuelle Unberührtheit und Alter betrachtet.

Folgende kulturelle Übereinstimmungen zeigten sich:

- Frauen legen mehr Wert auf erhöhte Einkommenschancen der Männer, als es umgekehrt der Fall ist.
- Frauen, die selbst über Macht, Einfluss und Anerkennung verfügen, bevorzugen Männer, die über noch mehr davon verfügen. Als Beispiel führt Buss an, dass reiche Frauen in der Regel keine armen Männer heiraten.

[...]


1 G. Roth (2001): Fühlen, Denken, Handeln. S. 90

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ausgesuchte Aspekte der Partnerwahl. Nach welchen Kriterien suchen wir unsere Partner aus?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Soziologie)
Veranstaltung
Soziobiologische Aspekte der Sozialisation
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V965260
ISBN (eBook)
9783346322159
ISBN (Buch)
9783346322166
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partnerwahl, Soziobiologie
Arbeit zitieren
Andrea Ehrhardt (Autor), 2003, Ausgesuchte Aspekte der Partnerwahl. Nach welchen Kriterien suchen wir unsere Partner aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/965260

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