Wege aus der Risikogesellschaft - sustainable development


Ausarbeitung, 1995

12 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DILEMMA RISIKOGES ELLSCHAFT

3. AUSWEG SUSTAINABLE DEVELOPMENT ?
3.1 ENTSTEHUNG
3.2 DEFINITIONEN
3.3 DER ERDGIPFEL

4. EINE CHANCE FÜR PÄDAGOGEN
4.1 WARUM GERADE PÄDAGOGEN?
4.2 "RAUMSCHIFF ERDE"

5. RESÜMEE

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Am 26. April 1996 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum zehnten mal. Geändert hat sich seitdem am Kurs der Energieversorgung nur wenig. Im Gegenteil: Die deutsche Atomwirtschaft hat inzwischen einen radioaktiv strahlenden Müllberg von annähernd hunderttausend Kubikmetern angehäuft,1 dessen Endlagerung noch immer nicht gesichert ist, und sieht sich vor dem Hintergrund der gefährlichen Ostreaktoren zum Export ihrer vergleichsweise sicheren Produkte mittlerweile geradezu verpflichtet. Doch bestehen blieb auch das Restrisiko.

Die Präsenz dieser unvermeidbaren Risiken, die nicht nur Atomenergie, sondern auch Gentechnik oder Teile der Chemieindustrie in sich bergen, hat den Soziologen Ulrich Beck, ebenfalls 1986, veranlaßt, den Übergang von der klassischen Industriegesellschaft zu einer Risikogesellschaft zu diagnostizieren.2 Dieser Begriff soll zum Verständnis im ersten Teil der Arbeit kurz nachskizziert werden.

Die zentrale Frage soll jedoch sein, ob das 1987 von der UNO im sogenannten Brundtland- Bericht vorgelegte Konzept von sustainable development3 den gesuchten Weg aus eben dieser Risikogesellschaft darstellt, oder ob nicht schon der Euphemismus in der deutschen Übersetzung als nachhaltige Entwicklung - man hätte ohne weiteres auch aushaltbare oder gar erträgliche Entwicklung formulieren können - ein Licht auf die Realisierbarkeit des Vorschlages wirft.

Wer hat also den Begriff geprägt? Wer hat ihn übernommen? Wie wird er interpretiert? Zu dieser Frage nach den Trägern der angestrebten Entwicklung, wie etwa Politik oder Wirtschaft, soll schwerpunktmäßig und abschließend die besondere Bedeutung des Erziehungssystems für die künftige Entwicklung, sowie die Notwendigkeit einer ´nachhaltigen Bildung´ mit Hilfe der Visionen des Medienökologen Neil Postman4 dargestellt werden.

2. Dilemma Risikogesellschaft

Wenn Ulrich Beck von den Risiken spricht, die für ihn "einen Bruch innerhalb der Moderne"5 am Übergang von der klassischen Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft markieren, meint er nicht die allgegenwärtigen natürlichen Gefahren, die in Form von Krankheiten oder Naturkatastrophen seit Urzeiten unzählige Menschenleben forderten, sondern die durch menschliches Handeln selbst erzeugten und bewußt in Kauf genommenen Bedrohungen. Innerhalb dieser von Wissenschaft und technischem Fortschritt als Kehrseite des gehobenen Lebensstandards hervorgebrachten Risiken gibt es nun zwei Qualitäten. Da sind einerseits die alltäglichen Risiken wie beispielsweise die des Autoverkehrs und andererseits die sogenannten Restrisiken der Atomenergie, Gentechnik oder Chemieindustrie, die die Risikogesellschaft charakterisieren. Was sie unterscheidet ist in erster Linie die Tragweite der Folgen im Unglücksfalle.6 Es ist zwar unbestritten wesentlich wahrscheinlicher dem täglichen Straßenverkehr zum Opfer zu fallen als einem durchgebrannten Atomkraftwerk, aber - und da liegt der Unterschied zwischen alten und neuen Risiken - nach einer Massenkarambolage auf der Autobahn steht die Zahl der Opfer zumeist schon mit dem Ende des Ereignisses fest, während man bei einem Reaktorunfall erst viel später anfängt zu zählen. Im indischen Bhopal kommen noch heute mißgebildete Säuglinge als Folge des Giftgasunfalles von Dezember 1984 zur Welt und nach offiziellen sowjetischen Schätzungen werden bis Mitte des nächsten Jahrhunderts allein auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion 40 000 Todesfälle infolge des Reaktorbrandes von Tschernobyl erwartet.7 Nach dieser zeitlichen gibt es aber auch noch die räumliche Ausdehnung der Folgen, wie das Beispiel Tschernobyl ebenfalls gezeigt hat, als nach dem Unfall eine erhöhte Radioaktivität beinahe weltweit festzustellen war. Diese Tatsachen haben Beck inzwischen dazu veranlaßt von einer "globalen zivilisatorischen Selbstgefährdung" und einer "Weltrisikogesellschaft" zu sprechen.8 Den gewichtigsten Beleg dafür, daß die Welt es hier mit einer neuen Qualität von Gefahren zu tun hat, liefert Beck mit der Argumentation von Versicherungsexperten, deren "ökonomischer Realismus es ihnen verbietet das Mammutgeschäft mit dem angeblichen technischen ´Nullrisiko´ überhaupt einzugehen."9 Bisher konnten die möglichen Folgen wissenschaftlich-technischen Fortschritts durch die Prinzipien von Risikokalkül und Versicherungsschutz einigermaßen kontrolliert werden10. Mit Hilfe von Unfallstatistiken kann man zum Beispiel berechnen, wie groß das Risiko eines Autounfalles ist und mit Hilfe von weiteren Statistiken über die Schadenshöhe läßt sich dann ein Versicherungsbetrag bestimmen, der den Autofahrer gegen die Folgen eines möglichen Unfalles versichert. Die neuen technologischen Großgefahren setzen nun aber diese Versicherungslogik außer Kraft, weil sie, wie bereits geschildert, so enorme Schäden verursachen, die nicht bezahlt werden können und weder räumlich noch zeitlich eingrenzbar sind. Beck bezeichnet deshalb die "Restrisikogesellschaft" als eine "versicherungslose Gesellschaft", deren Versicherungsschutz gerade da versagt, wo er am dringendsten benötigt würde.11

Besonders deutlich wird dieses Dilemma dort, wo zum Beispiel Atomkraftgegner sich das Versicherungsprinzip zunutze machen um entsprechende Vorhaben zu verhindern. So forderte etwa das niedersächsische Umweltministerium um die Inbetriebnahme der stillgelegten Eisenerzzeche "Konrad" bei Salzgitter als Atommüllendlager zu verzögern einen absolut sicheren Einschluß für radioaktive Substanzen, deren Halbwertszeiten bis zu 4,4 Milliarden Jahre betragen. Damit nicht genug: Auch für die Zeit danach müsse gewährleistet sein, daß die in die Biosphäre zurückkehrenden Radionuklide nicht gesundheitsgefährdend seien, da der zuständige Beamte annimmt, daß die Strahlenschutzverordnung in zehn bis zwanzig Millionen Jahren eher noch strenger gefaßt sein wird.12

Die Provokation macht deutlich, daß dort, wo der Mensch sich anmaßt über die Lebensgrundlagen in zukünftigen Zeiträumen zu verfügen, die die Existenz seiner eigenen Spezies um ein Vielfaches übertreffen, "statt berechenbarer Risiken nur noch schwer kontrollierbare Gefahren herrschen."13

Was die Tauglichkeit wichtiger Institutionen der modernen Industriegesellschaft, also Politik, Jurisdiktion, Technikwissenschaften und Industrie, zur Steuerung des Wechsels auf einen weniger gefährlichen Kurs der Entwicklung angeht, zeigt sich Beck recht pessimistisch. Sie allesamt hätten inzwischen ein "breites Arsenal der Normalisierung nichtkalkulierbarer Gefahren" entwickelt, mit dem diese "kleingerechnet, wegverglichen" sowie "kausal und rechtlich anonymisiert werden."14 Dennoch muß die Politik seiner Ansicht nach - er beschreibt dies in seiner "Utopie der ökologischen Demokratie"15 - das Ruder übernehmen.

3. Ausweg sustainable development ?

3.1 Entstehung

Und es waren auch Politiker, die noch vor Becks Diagnose der Risikogesellschaft, sich Gedanken über die Zukunft machten, als sie 1983 in der 38. Sitzung der UNO- Generalversammlung beschlossen eine Weltkommission für Umwelt und Entwicklung ins Leben zu rufen. Vier Jahr später legte diese Kommission ihren Abschlußbericht, nach der ehemaligen Vorsitzenden der Generalversammlung Brundtland-Bericht genannt, vor, in dem das Konzept von sustainable development vorgestellt und wie folgt definiert wurde:

"Dauerhaft Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können."16

Dabei fällt auf, daß die Idee17 nicht gerade neu ist. Schon Immanuel Kant (1724-1804) formulierte in seinem Kategorischen Imperativ,18 daß jeder so leben solle, daß die Maxime seines Handelns die Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte. Kurz gesagt: Jeder soll so leben, daß alle anderen auch so leben könnten, oder: Niemand soll auf Kosten anderer leben, also auch nicht auf die seiner Nachkommen. Und gerade das geschieht ja in der Risikogesellschaft.19

Zurück in der Gegenwart lassen sich zwei bis drei unterschiedliche Ansätze nachhaltiger Entwicklung identifizieren. Die erste Variante versteht sich als ökologische Modernisierung. Das bedeutet, daß mit Hilfe technologischer Innovation und einem sparsameren Umgang mit Energie und anderen Rohstoffen, also einer Effizienzrevolution, das stetige Wirtschaftswachstum erträglich gestaltet wird. Wesentlich progressiver ist dagegen schon die zweite Variante, die einen kompletten, ökologisch orientierten Strukturwandel fordert. Das Ziel wäre demnach die Gleichberechtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Belange. Die dritte Version ist die pragmatische. Hier wird versucht, die Ansprüche von sustainable development in konkrete Regionalprojekte umzusetzen. Deshalb stellt dies meines Erachtens auch keine eigene "Diskussionslinie"20 dar, sondern lediglich Umsetzungen einer der beiden ersten Varianten. Diese Regionalprojekte sind deswegen nicht weniger bedeutend, im Gegenteil, sie produzieren wertvolle praktische Erfahrungen für weitere Projekte21 und stellen Keimzellen dar, die, wenn ihre Anzahl und Größe wächst, sich zu größeren überregionalen Zusammenhängen vernetzen könnten.

Der Brundtland-Bericht ist der ersten Kategorie zuzuordnen. Um die Grundbedürfnisse der Menschheit weiterhin befriedigen zu können, müsse am wirtschaftlichen Wachstum festgehalten werden, heißt es in der Empfehlung der Kommission. "Wenn weite Teile der Entwicklungsländer wirtschaftliche, gesellschaftliche und Umweltkatastrophen abwenden wollen, muß das weltwirtschaftliche Wachstum neu belebt werden. Praktisch heißt dies schnelleres wirtschaftliches Wachstum sowohl in den Industrie- wie in den Entwicklungsländern."22 Die Nebenwirkung dieser Strategie, die in wenigen Jahrzehnten die Steigerung der weltweiten Industrieproduktion um ein zehnfaches vorsieht, wären immense ökologische Probleme, würde ähnlich wie in den westlichen Industriestaaten bisher weiter gewirtschaftet. Die Effizienzrevolution ist daher unabdingbarer Bestandteil der Empfehlung.23

3.2 Definitionen

Im Fahrwasser des Brundtlandt-Berichtes und seiner recht vagen Vorgaben, kam es zu einem Kampf der Definitionen. Viele politische Organisationen, Interessenverbände und auch große Industriebetriebe auf nationaler und internationaler Ebene schmücken sich inzwischen mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung24 und interpretieren ihn je nach Interessenlage, wie der folgende Vergleich zeigt.

Europäische Gemeinschaft: " ... eine Politik oder Strategie, die auf stetige wirtschaftliche und soziale Entwicklung ausgerichtet ist, ohne daß die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ... geschädigt werden Verbrauchs- und Verhaltensmuster der Gesellschaft sollten verändert werden."25 Bemerkenswert an dieser Auslegung ist das Festhalten am Fortschrittsgedanken, der allerdings durch den Ausdruck Entwicklung statt Wachstum etwas abgeschwächt wird. Zudem könnte die angestrebte Änderung des Konsumverhaltens einen wirtschaftlichen Strukturwandel durchaus nach sich ziehen.

Internationale Handelskammer: " ... den Bedürfnissen der Gegenwart zu entsprechen, ohne künftigen Generationen in ihrer Fähigkeit zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Wirtschaftliches Wachstum schafft die Voraussetzungen für die bestmögliche Verwirklichung von Umweltschutz ..." Hier wird in enger Anlehnung an den BrundtlandBericht auch dessen Wachstumsgedanke übernommen. Interessant ist, daß die Behauptung, daß Umweltschutz nur dadurch zu verwirklichen sei, ausgerechnet von einer Interessenvertretung der Wirtschaft aufgestellt wird.26

Sozialdemokratische Partei Deutschlands: " ... Das Ziel unserer Politik ist eine dauerhafte Entwicklung durch einen sozialen und ökologischen Generationenvertrag. .. Der Inhalt diese Vertrages ist nicht mehr Wachstum um jeden Preis ... Denn mit der bisherigen Ausrichtung von

Wirtschaft und Technik ist ... keine dauerhafte Ordnung zu erreichen."27 Diese Definition geht recht weit in ihrem offenen Bekenntnis zu einem notwendigen Strukturwandel. Unverkennbar ist aber auch hier die Handschrift, denn die soziale Komponente wird sehr betont und steht noch vor der Ökologie.

Hoechst AG: "Ziel ... ist es, Ökonomie, Ökologie und soziale Ziele so in Einklang zu bringen, daß die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen befriedigt werden, ohne folgenden Generationen die Chancen für ihre eigene Lebensgestaltung zu zerstören Wir von Hoechst fühlen uns der Zielsetzung von Sustainable development verpflichtet Das sind wir uns und unseren Kindern schuldig "28 Der Chemiegigant Hoechst hat hier, als potentieller

Betroffener eines Strukturwandels im Sinne nachhaltiger Entwicklung, offensichtlich die Flucht nach vorne angetreten. Es wird versucht Glaubwürdigkeit (verpflichtet) zu vermitteln und an Gefühle appelliert (Kindern schuldig). Zudem wurde der Name sustainable development ganz bewußt zur Imagepflege und Werbung verwendet, da dieser Text im Gegensatz zu den bisherigen Beispielen, als Anzeige in einer überregionalen Tageszeitung zu finden war.

3.3 Der Erdgipfel

So einfach es ist, die Definition der nachhaltigen Entwicklung auf die Bedürfnisse einer speziellen Organisation zuzuschneiden, so schwierig ist es einen gemeinsamen Nenner für viele ungleiche Partner zu finden. So geschehen auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro, wo im Juni 1992 die bisher größte Umweltkonferenz stattfand.29 Aus dieser Konferenz ging unter anderem die Agenda 21 hervor, ein rund 700 Seiten umfassendes weltweites Entwicklungs- und Umwelt-Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Darin werden vor allem die Industrieländer aufgefordert ihre Energie-, Verkehrs-, Wirtschafts-, Agrar- und Handelspolitik gemäß dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu gestalten. Und hier zeigen sich die beiden großen Schwächen diese Prinzips: Erstens gibt es in den meisten Entwicklungsländern nicht einmal ansatzweise Umweltschutzpolitik, weil sie einfach größere Sorgen haben. Umweltschutz an sich oder gar nachhaltig geschlossene Stoffkreisläufe sind also ein teurer Luxus der Industriestaaten. Und zweitens haben die Unterzeichner zwar erklärt die Ziele der Agenda 21 so schnell wie möglich umzusetzen, aber die Durchführung ist rechtlich nicht verbindlich.

4. Eine Chance für Pädagogen

Nach der Beleuchtung von Politik und Wirtschaft als Träger des Ausstieges aus der Risikogesellschaft möchte ich in diesem Kapitel abschließend die Bedeutung des Erziehungssystems für die zukünftige Entwicklung unterstreichen.

4.1 Warum gerade Pädagogen?

Vereinfacht gesagt strebt die Politik nach Machtgewinn und -erhaltung und die Wirtschaft nach Gewinnmaximierung. Deshalb sind diese wichtigen gesellschaftlichen Teilbereiche meines Erachtens nur bedingt geeignet ein Bewußtsein für die Notwendigkeit von Veränderungen zu erzeugen, weil sie doch meist nur auf bereits erwachte Forderungen und Bedürfnisse reagieren. Konkret: Ökologisch weniger belastende Produkte werden angeboten, wenn ein Markt dafür vorhanden ist, und die entsprechenden politischen Konzepte brauchen ihre Wählerschaft. Und genau hier liegt die Chance der Pädagogen.30 Die innere Logik des Erziehungssystems, wenn es denn an Bildung interessiert ist, gerät nicht in Konflikt mit dem Bestreben, ein Bewußtsein für die Probleme unserer Zukunft zu schaffen. Nach meiner Überzeugung hat es sogar die Pflicht dies zu tun, weil gerade hier bei den Jugendlichen noch Bewußtsein geformt wird. Ohne die jetzige Generation aus der Verantwortung nehmen zu wollen und die bereits gemachten Fortschritte zu leugnen, muß nämlich gefragt werden, ob es denn nicht schon für manchen Erwachsenen zu spät ist, sich zu ändern wenn er die herrschenden Werte bereits seit Jahren verinnerlicht hat. Lehrer haben es jedoch in der Hand in ihren Schülern ein Gefühl für die komplexen globalen Abhängigkeiten einerseits und für die Konsequenzen und die damit verbundene Verantwortung des persönlichen Handelns andererseits zu erzeugen, bevor diese in die Welt entlassen werden, die sie verändern sollen. Dabei muß selbstverständlich versucht werden, ein möglichst realitätsgetreues Bild der Wirklichkeit zu vermitteln, ohne in einen undifferenziert ablehnenden "Betroffenheitsdilletantismus"31 abzugleiten.

4.2 "Raumschiff Erde"

Raumschiff Erde ist einer von mehreren Vorschlägen von Neil Postman der Schulerziehung einen neuen übergreifenden Sinn zu geben. Dieser Sinn der Erziehung, den früher zum Beispiel der Glaube an die göttliche Autorität darstellte, scheint für ihn derzeit verlorengegangen zu sein. Gegenwärtig dient die Schulerziehung vor allem dem "Gott der ökonomischen Nützlichkeit",32 weswegen Schulen, nach seiner Ansicht, zu einer bloßen ersten Berufsausbildungsinstitution verkommen. Im Kapitel über das Raumschiff Erde beschreibt er, wie Schülern mit Hilfe der Vorstellung von der Erde als einer kleinen Raumkapsel im Universum globale Abhängigkeiten anschaulich gemacht werden können. Einfach ausgedrückt müssen die Schüler unseren Planeten als ihr eigenes Nest begreifen, um sie davon abzuhalten es zu verschmutzen.

5. Resümee

Sustainable development ist meiner Ansicht nach der gesuchte und einzig mögliche Weg aus der Risikogesellschaft. Nachhaltige Entwicklung mit dem Anspruch Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen schließt per definitionem die Anwendung monströser Techniken wie etwa der Atomkraft eindeutig aus. Allerdings ist die Definition so allgemein gehalten und rechtlich unverbindlich, daß ihre weltweite und vollständige Verwirklichung Utopie bleiben wird. Wer annimmt, daß die Hinweise auf eine Verantwortung für Mit- oder gar nach-uns- kommende Menschen ausreicht eine Verhaltensänderung zu bewirken, unterschätzt mit Sicherheit den Egoismus seiner Zeitgenossen. Das große Problem ist es zu vermitteln warum der Einzelne sich ändern und dabei möglicherweise persönliche Nachteile in Kauf nehmen soll ohne dabei die konkreten Vorteile zu sehen. Es wird schwierig sein eine solche weitsichtige Haltung in einer Gesellschaft zu etablieren, deren auf Gewinn ausgerichtetes Wirtschaftssystem die menschliche Eigenschaft vor allem das zu tun was konkrete Vorteile verspricht bzw. Nachteile abmildert so massiv unterstützt. Leider bleibt vermutlich aber nicht die Zeit abzuwarten bis der persönliche Leidensdruck durch die geschilderten Probleme schon so groß geworden ist, daß es nach dieser Logik von Vorteil wäre sich zu ändern.

Literaturverzeichnis

- Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986
- Ders.: Von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft, in: Umbrüche in der Industriegesellschaft. Herausforderungen für die politische Bildung, Bonn 1990, S. 13 · Ders.: Weltrisikogesellschaft. Zur politischen Dynamik globaler Gefahren, in: Internationale Politik, 8/1995, S. 13
- Dietrich, Stefan: Dreihunderttausend Jahre Sicherheit, FAZ, 18.2.1995
- Engelhardt, Wolfgang/Weinzierl, Hubert (Hg.): Der Erdgipfel: Perspektiven für die Zeit nach Rio, Bonn 1993
- Hauff, V. (Hg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung., Greven 1987
- Kanatschnig, Dietmar /Schachtner, Oskar : Nachhaltige Entwicklung in Oberösterreich: Ein innovatives Konzept., in: Jahrbuch Ökologie 1995, München 1995, S. 262 · Klopfleisch, Reinhard: Greenpeace Spezial - Atom. Warum wir keine Atomenergie brauchen., Hamburg 1990
- Postman, Neil: Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung, Berlin 1995
- Schwan, Alexander: Politische Theorien des Rationalismus und der Aufklärung, in: Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. v. Hans-Joachim Lieber, Bonn 1991, S. 159
- Teichert, Volker: Sustainable development. Auf dem Weg zur nachhaltigen Gesellschaft, in: Wirtschaftsspiegel, 35. Jg, April 1995, S. 7

[...]


1 Stefan Dietrich: Dreihunderttausend Jahre Sicherheit, FAZ, 18.2.1995.

2 Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986.

3 Hauff, V. (Hrsg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung., Greven 1987.

4 Neil Postman: Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung, New York 1995.

5 Ulrich Beck: Risikogesellschaft, a.a.O., S. 13.

6 Ulrich Beck: Von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft, in: Umbrüche in der Industriegesellschaft. Herausforderungen für die politische Bildung, Bonn 1990, S. 13.

7 Reinhard Klopfleisch: Greenpeace Spezial - Atom. Warum wir keine Atomenergie brauchen., Hamburg 1990.

8 Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft. Zur politischen Dynamik globaler Gefahren., in: Internationale Politik, 8/1995, S. 13 (13).

9 Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft, a.a.O., S. 16.

10 Ulrich Beck: Von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft, a.a.O., S. 16.

11 ebd. , S. 17.

12 Dietrich, a.a.O.

13 Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft, a.a.O., S. 19.

14 Ulrich Beck: Von der Industriegesellschaft zur Risikogesellschaft, a.a.O., S. 21.

15 ebd., S. 33.

16 Volker Teichert: Sustainable development. Auf dem Weg zur nachhaltigen Gesellschaft, in: Wirtschaftsspiegel, 35. Jg, April 1995, S. 7.

17 abgesehen davon, daß sie für jeden eigentlich selbstverständlich sein sollte

18 Alexander Schwan: Politische Theorien des Rationalismus und der Aufklärung, in: Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. v. Hans-Joachim Lieber, Bonn 1991, S. 162.

19 vgl. S. 4.

20 Teichert, a.a.O., S. 7.

21 Dietmar Kanatschnig/Oskar Schachtner: Nachhaltige Entwicklung in Oberösterreich: Ein innovatives Konzept., in: Jahrbuch Ökologie 1995, München 1995, S. 262.

22 Hauff, a.a.O., S. 92.

23 Teichert, a.a.O., S. 7.

24 Teichert, a.a.O., S. 7.

25 Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung, Brüssel 1992, S. 4, zit. nach Teichert, a.a.O., S. 9.

26 Internationale Handelskammer: Charta für eine langfristig tragfähige Entwicklung, Köln 1991,

27 SPD-Bundestagsfraktion: Reformen für eine dauerhafte Entwicklung. Die soziale und ökologische Reform der Industriegesellschaft., in: Umweltpolitik, Heft 1 (1993), S. 7, zit. nach Teichert, a.a.O.:, S.9.

28 Anzeige der Hoechst AG in der Frankfurter Rundschau vom 8.11.1994, zit. nach Teichert, a.a.O.:, S.9.

29 Wolfgang Engelhardt/Hubert Weinzierl (Hg.): Der Erdgipfel: Perspektiven für die Zeit nach Rio, Bonn 1993, S. 198 ff.

30 Zu diesem Thema bietet sich das Kapitel Umwelterziehung in: Jahrbuch Ökologie 1995, a.a.O. an; Besonders empfehlenswert scheint dabei der Aufsatz von Ernst Ulrich v. Weizsäcker/Uta v. Winterfeld: Umwelterziehung war erst der Anfang.

31 Zitat Klaus Landfried in einem Interview mit der Pirmasenser Zeitung vom 30.1.1995.

32 Neil Postman: Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung, Berlin 1995, S. 88 ff.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Wege aus der Risikogesellschaft - sustainable development
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Veranstaltung
Proseminar: Politik und Technik. Dimensionen eines Spannungsfeldes. Konzepte - Einstellungen - Perspektiven
Note
1,3
Autor
Jahr
1995
Seiten
12
Katalognummer
V96563
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wege, Risikogesellschaft, Proseminar, Politik, Technik, Dimensionen, Spannungsfeldes, Konzepte, Einstellungen, Perspektiven
Arbeit zitieren
Michael Rindchen (Autor), 1995, Wege aus der Risikogesellschaft - sustainable development, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96563

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