Übung zur Bodentypologie im Rhein-Main-Gebiet


Seminararbeit, 1994

40 Seiten


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Inhaltsverzerzeichnis

1. Einleitung

2. Untermainebene
2.1. Reliefentwicklung der Untermainebene
2.2. Deckschutt
2.3. Laacher Bimstuff
2.4. Kelsterbacher Terrasse
2.5. Profilbeschreibungen vom 13. Mai 1994
2.6. Profilbeschreibungen vom 20. Mai 1994
2.7. Profilbeschreibungen vom 27. Mai 1994

3. Rheinhessen
3.1. Gesamtüberblick
3.2. Profilbeschreibungen vom 10. Juni 1994
3.3. Profilbeschreibungen vom 24. Juni 1994

4. Hessiches Ried
4.1. Übersicht über das Gebiet
4.2. Profilbeschreibungen vom 24. Juni 1994

5. Taunus
5.1. Allgemeine Übersicht
5.2. Profilbeschreibungen vom 01. Juni 1994

6. Schriftenverzeichnis

7. Kartenverzeichnis

1. Einleitung

Das Protokoll ist eine Zusammenfassung der Übung zur Bodentypologie, die im Frühjahr 1994 an sieben Freitagen stattfand. Bei dieser Geländeveranstaltung wurden verschiedene Bodenprofile den studentischen Gruppen vorgestellt und besprochen. Die Standorte können grob gegliedert werden in die Untermainebene, das Rheinhessische Tafel- und Hügelland, das Hessische Ried und den Taunus.

Das Protokoll ist entsprechend der Standorte unterteilt. Einleitend wird ein kurzer Überblick des jeweiligen Gebietes gegeben (Lage, Geologie, Böden, Hydrologie und Klima), und im Anschluß daran werden die einzelnen Profile aufgezeigt und beschrieben. Die Abkürzungen der Profile sind ADV-gerecht. Die einzelnen Profile sind in Kartenausschnitten aufgezeigt. Bei zusammenliegenden Standorten haben wir sie im gleichen Kartenausschnitt dargestellt

Auch die Ergebnisse der Horizontbeschreibungen sind nicht immer lückenlos, da oftmals einzelne Angaben fehlen bzw. von den einzelnen Gruppen nicht gemacht wurden. An Aufschlüssen, die kurz bearbeitet worden sind, wurde von einer genauen Auflistung der einzelnen Horizonte abgesehen und eine Gesamtübersicht des Standortes geschrieben.

2. Untermainebene

1. Reliefentwicklung der Untermainebene

Die Untermainebene ist ein Senkungsgebiet. Sie ist ein Teil des Oberrheingrabens, einem Riftsystem, das Europa von Afrika bis zum Oslofjord durchquert. Durch die mehrmals unterbrochene Absenkung (u.a. tektonische Verstellung der T1-Ablagerungen) ist die Untermainebene eine typische Aufschüttungslandschaft geworden.

Die ältesten tertiären Sedimente liegen auf dem Rotliegenden und stammen aus dem Eozän und Oligozän. Diese Sedimente sind Abtragungsprodukte der umliegenden Gebirge, die unter den damals herrschenden tertiären Klimabedingungen verwitterten. Deshalb handelt es sich überwiegend um feinkörnige und tonige Sedimente und nur teilweise um gröbere Schotter, die der chemischen Verwitterung mehr Widerstand leisten konnten.

Durch die tertiären Meerestransgressionen wurden mächtige Mergelpakete (Rupelton, Schleichsand, Cyrenenmergel) und Kalke (Cerithien-, Corbicula- und Hydrobienschichten) flächenhaft abgelagert. Durch die Aussüßung dieser Meere bildeten sich auch limnischfluviatile Sedimente.

Seitdem dem Pliozän ist der Main der Vorfluter der Untermainebene und Hauptsedimentationslieferant auf Bl. 5917 Kelsterbach.

Im Pleistozän nahm die physikalische Verwitterung zu, während die chemische Verwitterung abnahm. Dadurch veränderten sich die Korngrößen der Sedimente. Mit der jährlichen Erwärmung konnte der Wind sandige und schluffige Substanzen aus den trockenen Schotterfeldern aufnehmen und verwehen. Aus den akkumulierten Sedimenten ist unter bestimmten Umweltbedingungen, durch die sog. "Lößifizierung", der Löß entstanden (Pecsi 1990). Typische pleistozäne Ablagerungen sind Terrassen, Löß, Flugsand (FS) und Solifluktionsschutte (Semmel 1989). Steinpflaster und Windkanter sind Zeichen der Winderosion.

Der Main bildet eine Grenze zwischen zwei unterschiedlichen äolischen Sedimentarten. N des Mains wurde der Löß abgelagert und S des Mains der FS. FS-Gebiete haben schlechtere Standorteigenschaften als Lößgebiete aufgrund schlechterer Wasserverfügbarkeit.

2. Der Deckschutt

Der steinfreie Deckschutt/Decksediment (DS) ist der ehemalige sommerliche Auftauboden, der in der Jüngeren Tundrenzeit unter periglazialen Bedingungen entstanden ist. Er bildet eine eigene geologische Schicht mit einer Mächtigkeit von ca. 50 cm (Plass 1980). Der DS besteht in Abhängigkeit von der Örtlichkeit aus Untergrundmaterial und äolisch sedimentiertem Material, vermischt mit Laacher-Bimstuff (LBT). Auch kann er auf dem LBT liegen, wodurch sich das Alter des DS bestimmen läßt (Plass 1972; 1980). Durch die hohen Tuffgehalte ist der DS lehmiger oder schluffiger als der Untergrund. Das führt zu einer Verbesserung des Wasser-, Nährstoff- und Lufthaushaltes. Der DS bildet den Hauptwurzelraum der meisten Böden in diesem Gebiet (Plass 1972). An den Stellen, wo der DS erodiert wurde entwickeln sich Podsole (Plass 1980). Ohne den LBT-reichen DS wären in der klimatisch gemäßigten, warm-trockenen Untermainebene saure, silikatarme und trockene Braunerden entstanden (Plass 1981).

3. Laacher Bimstuff

Der LBT wurde während des Alleröds (9000-8250 v.Chr.) nach der letzten Lößsedimentation abgelagert. Die Bezeichnung Laacher Bimstuff ist nicht ganz richtig, weil es sich nicht um Tuff handelt, sondern um unverfestigte vulkanische Asche. Diese Asche stammt von mehreren Ausbrüchen in der Allerödzeit. Die genauere Bezeichnung ist Laacher-See-Tephra. Der Einfachheit halber kann man den Begriff Laacher Bimstuff beibehalten. Der LBT enthält u.a. Augit, Braune Hornblende und Titanit (Röhr 1987).

Bei steigendem Bimstuffgehalt im Boden nehmen Braunfärbung, Durchwurzelbarkeit, Feld-, und Luftkapazität und die Schluff-, Ton-, Eisen-, Humus- und Nährstoffmengen zu (Plass 1980, Hoffmann 1984). Bei hohem Tuffgehalt sind lockerbraunerdeartige Braunerden oder Lockerbraunerden entstanden (Plass 1972). Die Farbe des LBT ist hellolivbraun und im verwitterten Zustand dunkelolivbraun bis hellgrau (Röhr 1987).

Diese Eigenschaften bedingen eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und führen zu einer größeren Wasserspeicherungskapazität. Ohne den LBT kann es leicht zur Podsolbildung kommen. Nach Plass (mündl. 1994) entstehen dann hellbraune Braunerde-Podsole im FS- Gebiet. Bei Bodenproben mit hohem Tuffgehalt kommt es beim Zerdrücken zwischen den Fingern zu starkem Wasseraustritt mit Schmiereffekt, dem sog. Greasing-Effekt, der typisch für Tuffböden ist.

4. Kelsterbacher Terrasse

Die Kelsterbacher Terrasse (KT) bedeckt das gesamte Gebiet von Bl. 5917 Kelsterbach. Entsprechend der pleistozänen Flußterrassenentwicklung hat sich der Main in die KT eingeschnitten. Die altpleistozänen Sedimente der T1 bilden das Liegende der gesamten Terrassenablagerungen.

Der überwiegende Teil der KT ist Waldgebiet. Zwischen den Sanden und Kiesen der KT kommen auch Altlauf- und Hochflutsedimente vor, auch Buntsandsteindriftblöcke.

Während des Bildungszeitraumes der T1 floß der Main weiter S als heute, nämlich durch die Neu-Isenburger Pforte. Deshalb sind dort viele Tonlagen anzutreffen (Semmel 1974). NW von Langen kommt unter den T2-Ablagerungen großflächig eine teilweise kalkhaltige Tondecke vor. Dieser sog. "Langener Ton" wird als Ablagerung in Randbereichen mit geringerer Wasserbewegung gedeutet. N sind sie wahrscheinlich durch die Terrassenentwicklung erodiert worden (Semmel 1980).

Weite Flächen der KT nimmt der würmzeitliche FS ein. Der mittel- bis grobsandige FS ist stellenweise im unteren Teil der KT schwach kalkhaltig (Plass, mündl. 1994). Die FS-Decken haben eine Mächtigkeit von ca. 1 m, bei Dünenbildung bis zu 8 m. Der gesamte FS wird vom DS überlagert, d.h. seit dem Ende des Pleistozäns war der FS nicht mehr in Bewegung. Die Windkanter der KT kommen an der Basis des FS und des DS und umgelagert im DS vor. Sie zeigen keine Verwitterungsspuren, nur die Basaltwindkanter sind leicht angewittert (Plass, mündl.1994).

Aufgrund des durchlässigen Untergrundes gibt es eine geringe Gewässerdichte auf der KT.

Die Sande und Kiese der KT dienen als wichtiger Grundwasserspeicher.

5. Profilbeschreibungen vom 13. Mai 1994

1.Standort

Datum: 13. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach R 3468775 H 5548675 ca. 110 m NN

Waldabt. 274, SE des Wegkreuzes, an der Jagdhüttenschneise. Expoition: SE Inklination: eben bis sehr schwach geneigt

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach Profil 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Untergrundmaterial, FS) über Sand und Kies der KT (T4) mit gebändertem unteren Unterboden.

Wir befinden uns hier in einem 126jährigen Eichen-Buchen-Kiefernwald. Die natürliche Vegetation wäre ein Eichen-Buchen-Mischwald.

Der Oh-Horizont besteht aus schwarzem Moder. Zwischen dem Ah- und dem Bv-Horizont ist ein Übergangshorizont (AhBv) entwickelt. Der Bv-Horizont ist durch Taschenbildung unterschiedlich mächtig. An der Schichtgrenze Bv- und IIBl-Horizont (Untergrenze DS) ist ein Steinpflaster vorhanden. Der IIBl-Horizont ist ein bleicher, sandiger Kies bis kiesiger Sand der T4 und ist vor der Entstehung des DS ausgewaschen worden. Er stellt so den bis zu 40 cm mächtigen Verarmungshorizont dar, der häufig unter den Horizonten der Braunerden folgt und mit rotbraunen, 1 cm mächtigen Bändern durchzogen ist. Laut Plass (mündl. 1994) ist dies ein Standardprofil der KT, das bis in den Blattbereich Seligenstadt vorkommt. Es gibt einige Varianten von diesem Profil, je nach Gehalt an LBT. Wäre hier der LBT-Gehalt höher liege eine echte Lockerbraunerde vor.

2. Standort

Datum: 13. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach

R 3468950 H 5548675 ca. 110 m NN

Waldabt. 274, 100 m W der Lichtetalschneise.

Exposition: E Inklination: stark geneigte Böschung

Drei Aufschlüsse am Wegrand, die jeweils ca. 3 m auseinanderliegen.

Profil 2a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: tiefhumose, lockerbraunerdeartige Braunderde aus DS (LBT, Löß,

Untergrundmaterial, FS) über Sand und Kies der KT (T4) mit gebändertem unteren Unterboden.

Die oberen 40 cm sind als Braunerde entwickelt, bei der der Übergang vom Ah-Horizont zum Bv-Horizont fließend ist. Das finden wir auch bei den beiden folgenden Profilen (2b und 2c). Darunter folgen:

Im ersten Profil sind zwei verschiedenartige Entwicklungen zu erkennen: Auf der linken Seite ist unterhalb des Bv-Horizontes ein etwa 10 cm mächtiger IIBlb-Horizont entwickelt, der durch seine Bänderung auffällt. Die geschichteten Sande und Kiese unterhalb des DS bedingen eine starke, rotbraune Bänderung dieses Profilabschnittes (1-2 mm mächtige Bänder). Hier ist wenig LBT im DS vorhanden.

Auf der rechten Seite folgt unterhalb des Bv-Horizontes ein bleicher IIBl-Horizont, dem ein schwach gebänderter IIBbl-Horizont folgt.

An diesen Profilen nimmt im DS generell mit steigendem LBT-Gehalt die Lessivierung des Horizontes zu, bis hin zu einer Lockerbraunerde.

Die Horizontfolge Ah-Bv-IIBl-IIBb-IICv kann auch als Bänderparabraunerde-Braunerde bezeichnet werden (Plass 1980).

Profil 2b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: lockerbraunerdeartige Braunerde aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial,

FS) über umgelagertem FS über Sand und Kies der KT mit gebändertem unteren Unterboden.

Der Kiesgehalt des Übergangshorizontes (AhBv) nimmt nach unten hin zu. Der IIBl-Horizont (unterhalb des Bv-Horizontes) enthält umgelagerten FS, dessen Mächtigkeit nach links um 20 cm zunimmt.

Danach folgt der IIIBb-Horizont, der aus geschichteten, gebänderten, sandigen Kiesen der mittel- bis altpleistozänen KT besteht, zwischen denen Reste von Altlauftonen enthalten sind. Die Ton-Eisen-Bänderung ist Ausdruck holozäner Tonverlagerung, die bis in die KT durchgreift.

Profil 2c

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: lockerbraunerdeartige Braunerde aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial, FS) über umgelagerten FS mit gebändertem unterem Unterboden.

Der IIBl-Horizont ist bleich und zeigt im unteren Bereich des umgelagerten FS eine leichte Bänderung. Der folgende IIBb-Horizont ist mit rotbraunen, tonigen Bändern (Sl-St2) stark gebändert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Standort

Datum: 13. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach

R 3469100 H 5548300 ca. 110 m NN

50 m E der Lichtetalschneise

Exposition: W Inklination: stark geneigter Hang

Profil 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Eisen-Humus-Podsol aus Sanden und Kiesen der KT.

Der Aufschluß liegt an einem steilen W-Hang (Terrassenstufe der KT). Der über 120 Jahre alte, lichte Baumbestand ist von Drahtschmiele unterwachsen. Der Podsol fällt durch seine charakteristische Färbung auf. Alle Horizonte sind in Sanden und Kiesen der KT entwickelt,

der DS ist abgetragen.

Die Erosion des DS bedingte die Veränderung, die zur Podsolierung führte. Reliefposition, Vegetation (Heidevegetation), durchlässiges Gestein und anthropogene Einflüsse seit dem Mittelalter verstärkten den Ausgangseffekt.

4. Standort

Datum: 13. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach R 3468475 H 5548925 ca. 92 m NN

N-Spitze der Waldabt. 280, nebenan Schwanheimer Wiesen

Exposition: W Inklination: ebenes bis schwach geneigtes Gelände

Profil 4:

rnH -25 cm H sw- W4

bnlisw

rGrAh -50 cm Tl bnligr / pol

rGr -75 cm Tl bnligr / pol

IIGr > 75 S hgr / ein

cm

Bodenform: Relikt-Niedermoorgley mit abgesenktem Grundwasser aus HFL über der T6-Niederterrasse.

Der Aufschluß befindet sich in der Altaue des Mains. Das Grundwasser steht in 80 cm unter der Geländeoberfläche (GOF) an. Die Vegetation ist ein auenwaldartiger, eutropher Hainbuchen-Stieleichenwald (Plass 1980).

In diesem Profil haben wir über 20 cm mächtigen Torf (Humusgehalt >30 %) bei einem

Zersetzungsgrad von H10. Der Oh-ähnliche Moder und die starke "Vererdung" des Torfes im rnH-Horizont weisen auf frühere Grundwasserabsenkungen.

Der IIGr-Horizont besteht aus hellgrauem Sand der Niederterrasse. Die reliktischen Naß-An- und Niedermoorgleye beweisen den ehemaligen Sumpf- und Moorcharakter des Schwanheimer Waldes (Plass 1972; Lehmann 1984). Die Humushäutchen in den Klüften sorgen dafür, daß das Gefüge auch bei Durchfeuchtung bestehen bleibt und somit durchlüftet wird und wasserdurchlässig bleibt. Die Bänderungen im IIrGr-Horizont weisen auf tiefere Grundwasserstände in früheren Jahren hin.

6. Profilbeschreibungen vom 20. Mai 1994

1. Standort

Datum: 20. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach

R 3467600 H 5548475 ca. 92 m NN

Schwanheimer Wald - Wanzenschneise

Inklination: ebenes bis schwach geneigtes Gelände

Profil 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: tiefhumose Reliktgley-Pseudogley-Parabraunerde aus DS (Löß, LBT, Untergrundmaterial, HFL) über HFL über LBT über HFL über Sanden und Kiesen der T6-Niederterrasse.

Die Parabraunerde aus HFL des Mains ist im oberen Bereich pseudogvergleyt, worauf Eisen- und Mangankonkretionen hinweisen. Im DS sind anderenorts Driftblöcke enthalten. Der IIBtvCcrGoc-Horizont ist verbraunter, verlehmter und ehemals grundwasserbeeinflußter, spätallerödzeitlicher HFL. Er ist aufgekalkt und mit Kalkkonkretionen durchsetzt. Unterhalb dessen ist im ehemaligen Grundwasserbereich aufgekalkter LBT abgelagert. Die noch enthaltenen, weiß... Bimsgläser beweisen, daß die Bodenbildung nicht bis 170 cm reicht. Während der Entstehung der T7 ist dieser Bereich offensichtlich zeitweise überschwemmt gewesen (Plass, mündl. 1994).

Vor der Ablagerung des LBT war an der prämittelallerödzeitliche Landoberfläche eine Auenbraunerde entwickelt (Plass 1980; Plass, mündl. 1994), deren Ah im "Älteren HFL" des Mains über der T6 entstanden war (entspricht heute dem IVfAh und IVrGocfAh), die beide überprägt worden sind.

Viele verschiedene Laubbaum- und Krautschichtarten prägen das Vegetationsbild (z.B. Ahorn, Eichen, Nelkenwurz, Rasenschmiele etc.).

2. Standort

Datum: 20. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5719 Kelsterbach

R 3466 H 5545125 ca. 105 m NN (Profil 2a) R 3465950 H 5545 ca. 105 m NN (Profil 2b)

S Kelsterbach, N des Flughafens, auf Gitterlinie3466, 50 m W der Wegkreuzung; Mönchwald/Aspenhag

Inklination: leicht geneigter Hang

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach

Profil 2a;

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: tiefhumose lockerbraunerdenartige Braunerde aus DS (Löß, Untergrundmaterial, LBT, FS) über FS mit gebändertem unteren Unterboden.

Im LBT-reichen DS ist das Standardprofil der KT entwickelt. Der darunter folgende lessivierte Unterboden (IIBl-Horizont) war vor der LBT-Sedimentation vermutlich ein Auftauboden; eine Eisen-, Ton- und Humusverlagerung fand statt (Plass 1980). Die rotbraunen Bänder des kalkfreien IIBb-Horizontes erreichen eine Dicke von wenigen mm.

Profil 2b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Profilbezeichnung: Undeutlicher Humuspodsol aus FS (FS-Podsol) .

Das wäre wahrscheinlich das übliche FS-Standardprofil der Untermainebene, wenn der DS nicht vorhanden wäre.

Weitere Angaben wurden wegen des starken Regens nicht gemacht und weitere Unternehmungen an diesem Tag abgebrochen.

7. Profilbeschreibungen vom 27. Mai 1994

1. Standort

Datum: 27. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5917 Kelsterbach Grubenwand der Sehring-Kiesgrube R 3473625 H 5542550 ca. 92 m NN Exposition: E Inklination: eben

Auschnitt aus TK 25, Bl. 5719 Kelsterbach

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Skizze 1 nach Aufschluß des 1. Standorts am 27. Mai 1994 Profil 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Braunerde aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial, FS) über FS über Sand und Kies der KT (T2) über Langener Ton über Sand und Kies der KT (T1), tiefgründig gebändert.

Da die Braunerde in einem relativ LBT-armen DS entwickelt ist, ist die Bänderung des Profils stark ausgeprägt. Unterhalb des Bv-Horizontes folgt ein IIBb-Horizont aus FS, der schwach durchwurzelt ist und rotbraune Bänder aufweist, die wellig und girlandenförmig verbogen sind. Der tiefer liegende zweite Bänderhorizont (IIIBb) hat ebenfalls verfestigte, bis zu 5 cm mächtige Bänder. Um die Wurzeln dieses Profilabschnittes sind Ausbleichungen (Eisen ist diffundiert) zu erkennen. Der IVBtv-Horizont besteht vermutlich aus Altlaufsedimenten (Langener Ton) rechts oder Lehmigem Kyroturbationshorizont (LKH) links. Letzterer besteht vermutlich aus umgelagertem Löß. Der LKH ist stark kryoturbat verpreßt und gestaucht. Der VrGoBb besteht abwechselnd aus Mittelsand- und Grobsandschichten der T1 der KT. An der rostfarbenen Fleckung erkennt man den ehemalige Grundwasserstände. Unterhalb des FS folgen die Sande und Kiese der T2 (VBtv- bzw. IIIBb-Horizont). In dem kalkfreien IIIBtv-Horizont ist sackartig kalkhaltiger, gelbbrauner LKH eingeschlossen (IIICc- Horizont). Das Ausgangssubstrat des LKHs ist Schwemmlöß (Plass 1981). Der VBtv- bzw. IVBtv-Horizont ist verlehmt und nicht entkalkt. Diese Schicht hat Mangan- und Eisenkonkretionen und ist der Langener Ton. Auf der rechten Seite schiebt sich darunter eine Schicht aus hellen Sanden ein (T1), die tiefgründig gebändert ist und viele rostfarbene Flecken aufzeigt (VIrGoBb- bzw. VrGoBb-Horizont).

Das "Standardprofil" in diesem Gebiet wäre: DS über FS über LKH über Basaler Wechselfolge (dünne Schicht aus FS und aus lößähnlichem Substrat) über KT. Durch Stauung und Pressung wurde der Boden verwürgt, und es sind Taschenböden entstanden (PLASS, mündl. 1994).

Im vorliegenden Aufschluß ist unter dem LKH die Basale Wechselfolge (BWF) nicht vorhanden. Die BWF, die Bänder und der LKH sind Durchwurzelungshorizonte, die die Standorteigenschaften verbessern, z.B. die Erhöhung der nutzbaren Feldkapazität (Plass 1980).

2. Standort

Datum: 27. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 5719 Kelsterbach

Langener Wald, Einzelheckschneise östlich Neurod R 3473950 H 5541600 ca. 115 m NN

Profil 2a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: podsolierter Pseudogley-Gley aus DS (Löß, LBT, Untergrundmaterial) über Langener Ton, der im oberen Abschnitt vermischt ist mit Sand und Kies der KT (T2).

Der Bh-Horizont, der direkt unter der Humusauflage des Moders liegt, ist aus einem SwAhHorizont hervorgegangen (Plass, mündl. 1994). Die Huminstoffe werden direkt in den Untergrund geführt, was den Beginn einer Podsolierung kennzeichnet. Unterhalb des Sw- Horizontes steht ein Gemisch aus Langener Ton und Sanden und Kiesen der T2 an, darin ist der IIGoSd entwickelt. Deutliche und dicke Tonhäutchen sind im IIIGoBtSd zu erkennen. Weitere Horizonte können nur durch den Kalkgehalt differenziert werden. Mit 10-20 % Kalkgehalt unterscheidet sich der IIICcGoC-Horizont vom tiefer liegenden IVGoc. Der dichte kalkhaltige Ton bewirkt die Pseudovergleyung.

Der Grundwasserstand des mit einem Hollandbohrer erbohrten Profils lag etwa 65 cm unter der GOF.

Profil 2b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: podsolierter Pseudogley-Gley mit schwankendem Grundwasserspiegel aus DS (Löß, LBT, Untergrundmaterial) über Langener Ton, der im oberen Abschnitt vermischt ist mit Sand und Kies der KT (T2).

Diese Aufgrabung war wenige Meter von der Bohrung entfernt. Ein A-Horizont ist nicht ausgebildet. Der Bh-Horizont ist stark durchwurzelt. Tiefer liegen die unterschiedlich von Gund- und Stauwasser beeinflußten Horizonte (GoSw und SwGo), die beide Mangankonkretionen aufweisen. Eine weitere Beschreibung war nicht möglich, da das Grundwasser in etwa 60 cm ansteht.

3. Standort

Datum: 20. Mai 1994

Lage: TK 25, Bl. 6017 Mörfelden R 3464450 H 5538500 ca. 92 m NN NE von Mönchsbruch, Waldabt. Inklination: ebenes Gelände

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6017 Mörfelden

Profil 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: tiefhumoser Mullrendzina-Brauerde-Gley aus holozänem Auensediment über allerödzeitlicher Seekreide über allerödzeitlichem LBT über Seekreide.

Der obere Teil des Profils ist in Sedimenten der Gundbachaue entwickelt (Ah- und AhBv- Horizont), unter diesen folgt ein IIGco-Horizont, der in allerödzeitlicher Seekreide ausgebildet ist. Seekreide ist ein sehr selten vorkommendes limnisches Sediment. In dem meist schluffigen, kreidigen Sediment sind häufig Schneckengehäuse zu finden, die die Datierung ermöglichen. Der IIGco-Horizont kann farblich differenziert werden in einen oberen helleren Teil und einen unteren dunkleren Abschnitt. Der IIIGo-Horizont, wird von allderödzeitlichem LBT gebildet.

Schon vor der Ablagerung des LBT war es zu einer Sedimentation der Seekreide gekommen, deren Horizonte wegen des in etwa 60 cm unter der GOF anstehendem Grundwassers nicht aufgeschlossen sind.

Wenige m entfernt ergab eine Bohrung mit einem Hollandbohrer das Profil einer tiefhumosen Mullrendzina-Braunerde-Gley aus holozänem Auenediment über allerödzeitlicher Seekreide über Sand der Niederterrasse. Die Horizontabfolge entspricht der ersten Schicht des vorhergehenden Profils. Darunter folgt ein IIGco-Horizont, der über einer dünnen Schicht von völlig zersetztem Niedermoortorf, entwickelt ist. Ein IIIfAh-Horizont ist in dem Sand der Niederterrasse (IVGr-Horizont) ausgebildet. Das Grundwasser stand hier bei 54 cm unter GOF.

3. Rheinhessen

1. Gesamtüberblick

Die N Oberrheinebene ist landschaftlich geprägt durch zwei wichtige tektonische Strukturen Mitteleuropas, den in N-S-Richtung verlaufenden Oberrheingraben und den in variscisch streichenden Saar-Saale-Trog. An seinem NW-Ende bildet das Mainzer Becken eine randliche Ausbuchtung.

Die Taunushöhen sperren in variscischer Streichrichtung den Oberrheingraben nach N hin ab, der Pfälzer Wald ihn nach W. Der Rhein mäandriert in N-S-Richtung und biegt nach Aufnahme des Mains in die westliche Grabenrandzone, in den Mainz-Binger-Rheintalgraben. Das westliche Flügelland wird am Rheinknie aus einem flachen Bruchschollenland gebildet, dem eigentlichen Rheinhessischen Tafel- und Hügelland (Klaer 1977).

Erste lokale Absenkung und Grabenbildung setzte im Untereozän und Mitteleozän ein. Über den oberrotliegenden Arkosen, Sandsteinen und Schiefertonen wurde zu Beginn des Tertiärs terrestrisch-limnische Sedimente, der Eozäne Basiston, abgelagert (Rothausen & Sonne 1984).

Infolge von N- und S-Meerestransgressionen begann der erste Sedimentationszyklus mit marinen Ablagerungen. Dabei handelt es sich um sandige sowie tonige becken- und küstenfaziellen Sedimente. Nach Aussüßung war der erste Sedimentationsfolge abgeschlossen und der Sockel des Rheinhessischen Tafel- und Hügellandes geschaffen. Über den Meeres- und Sandstockwerken wurde nach partiell einsetzender Erosion in einer zweiten Sedimentationsphase das Kalkstockwerk abgelagert (Falke 1962, Klaer 1977, Leser 1969, Rothausen & Sonne 1984).

Abb 1 Geologische Übersichtskarte von Rhein hessen, verändert ( aus Klaer 1977: 213)

Als nächstes kam es zu einer Sequenz fluviatiler Ur-Rheinsedimente (Dinotheriensande und Bohnerztone).

Die eigentliche Reliefentwicklung begann an der Grenze Pliozän/Pleistozän nach Ablagerung der Rheinhauptterrassen, aus dem Senkungsgebiet des Mainzer Beckens wurde Hebungsgebiet. Mit der Hebung des Kalksteintafellandes und der weiteren Absenkung des Oberrheingrabens kam es zur Zerschneidung durch Flüsse und Bäche. Sie zerschnitten das Kalkplateau und gruben sich tief in die darunter liegenden Sedimente ein. Durch periglaziale Formungsvorgänge im Pleistozän entwickelten sich drei Hauptlandschaftstypen heraus:

Tafelberge (Plateaus), die ungefähr 250-350 m hoch sind und eine sargdeckelähnliche Form mit steilen Kanten und ebener Oberfläche aufweisen. Die Oberfläche ist häufig mit Löß bedeckt. Die kalkigen Plateauoberflächen sind meist verkarstet. Einzelne Plateauabschnitte sind als Zeugenberge abgetrennt worden. Bereiche, in denen das Kalkstockwerk abgetragen ist werden Hügel genannt.

In den Sedimentserien des Oligozäns liegen die Täler und Talungen. Im Auenbereich der Täler sowie an den unteren Talhängen sind pleistozäne Terrassen ausgebildet.

Riedel sind schmale, brotleibförmige, niedrige, meist EW-gerichtete Rücken aus jungtertiären und pleistozänen Sedimenten. Sie sind Tälern, die von Bächen durchflossen werden, zwischengeschaltet.

Die Böden in Rheinhessen spiegeln die Reliefverhältnisse und den Gesteinsuntergrund wieder.

Als fossile Böden werden Terra fusca und Terra rossa bezeichnet. Die gelbbraune Farbe der Terra fusca entstand durch die Freisetzung und Oxidation von silikatisch und karbonatisch gebundenem Eisen (Verbraunung) der Kalksteine. In Rheinhessen tritt die Terra fusca an der ehemaligen mittelmiozänen Landoberfläche auf. Sie entstand noch vor den ersten Ablagerungen des Urrheins, den Dinotheriensanden.

Die Entwicklung der Terra rossa ist ähnlich die der Terra fusca. Die Rückstände der Lösungsverwitterung wurden anschließend rubefiziert, d.h. hämatithaltige Fe-Oxide bildeten feine Hämatithäutchen auf den Mineraloberflächen. Das bedingt die rote Färbung des Bodens. Für die Schwarzerde sind der Mull als Humusform, Wurmlosungsgefüge als Folgen intensiver Bioturbation sowie Krotowinen (ehemalige Grabgänge von Mäusen, Maulwürfen, Zieseln und Hamstern) und Wurmlosungsgefüge charakteristsiche Bodenmerkmale. Die durchgängig kalkhaltigen Schwarzerden im Mainzer Becken sind durch sekundäre Aufkalkungen zu erklären. Der Humusgehalt beträgt nur 2-3 %.

Vertisole sind tonreiche Böden, Ergebnis intensiver Peloturbation (auch Hydro- oder Turgoturbation genannt). Als Peloturbation wird die Mischung von Bodenmaterial durch wiederholtes Quellen und Schrumpfen bezeichnet. Durch diese Bewegungen entsteht ein Mikrorelief, das als Gilgai bezeichnet wird, aber nur auf unbeackerten Böden zu erkennen ist. Laterite oder lateritische Böden gehören zur Gruppe der Latosole. Sie kommen i.d.R. in Rheinhessen als Reliktböden in den Hochlagen der Kalkplateaus vor. Die Genese der lateritischen Bodenbildung ist für das Gebiet Rheinhessen noch nicht eindeutig geklärt. Plass geht davon aus, daß die lateritischen Böden in den Schwemmtonen und -lehmen der obersten Dinotherienschicht des Obermiozäns entstanden sind. Ein großflächiges geschlossenes verkarstetes Gebiet wurde von Tonen und Lehmen überlagert. In dieser Landschaft kann durch den Einfluß des Grundwassers und zeitweiser Pseudovergleyung, bedingt durch heftige Niederschläge, eine gemeinsame Kruste (ähnlich Raseneisenerze) gebildet worden sein.

Eriksen (1967) beschrieb den Bereich des rezenten Mainzer Beckens als kontinentales Klima mit einer Schwankung der Monatsmitteltemperatur von 17-19 °C bei einer Jahresmitteltemperatur von 9 °C und Niederschlägen von 400-700 mm. In Rheinhessen gibt es unterschiedliche orohydrographische Achsen. Die hydrographische Hauptachse ist der Rhein, der in enger Beziehung zur Landschaft steht. Alle Flüsse in Rheinhessen sind dem Rhein tributär.

2. Profilbeschreibungen vom 10. Juni 1994

1. Standort

Datum: 10. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 5915 Wiesbaden

R 3441425 H 554150 ca. 185 m ü. NN

N des Autobahndreiecks von Mainz, E Gonsenheim im FS-Dünengebiet, nahe des Bernhardsborns

Inklination: unregelmäßiges Dünenrelief

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 5915 Wiesbaden

Profil 1a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Regopararendzina aus holozänem FS über fossiler Braunerde aus würmzeitlichem FS über allödzeitlichem LBT über würmzeitlichem FS.

Der Oberboden ist früher beackert worden, jetzt ist das Gelände Ödland.

Der Bv-Horizont der Braunerde ist braun und grau gefleckt (Pantherfleckenhorizont). Die Fleckung ist bedingt durch die Verlagerung von Eisen, Mangan und Humus. Darunter folgt der IICcv-Horizont, der aus einem Gemisch aus LBT und FS besteht, wobei der LBT durch seine Lockerheit und Farbe auffällt. Der LBT hat sich an den Flanken der Dünen abgelagert und kommt stellenweise in einer Mächtigkeit bis 50 cm vor und ist oftmals sekundär kräftig aufgekalkt.

Der letzte Horizont (IVCcv) geht undeutlich aus dem IIICv hervor und ist aus FS aufgebaut, die aus den Rheinterrassen von N und NW ausgeblasen wurden. Diese Sande sind kalkhaltig und enthalten große Kalkkonkretionen als Osteokolle (auch Beinbrech genannt). Für Altersbestimmungen sind diese Ausfällungen allerdings nur bedingt geeignet. Im ganzen Profil nimmt der Kalkgehalt von oben nach unten zu, wobei die oberen Bereiche sekundär aufgekalkt wurden.

Wo Parabraunerde- und Braunerde-Horizonte austrocknen ("Bandletten") bilden sich harte Horizonte aus, die von den Pflanzen nicht durchwurzelbar sind. Das gilt auch für den LBT. Die Wurzeln können nicht mehr tiefer in den Boden vordringen, es werden modrige Zwischenschichten von verfaulten Wurzeln gebildet (sichtbar in verfestigten LBT-Schichten am Rand der Grube).

Profil 1b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Regopararendzina aus holozänem FS über würmzeitlichem FS über fossiler sekundär aufgekalkter Braunerde aus würmzeitlichem FS.

Dieser Aufschluß unterscheidet sich nur unwesentlich von dem ersten Aufschluß, allerdings fehlt der LBT. Der Ah ist im Aushub (Y) entwickelt. Im IICcfBv-Horizont kam es zur Eisenverlagerung. In diesem Horizont ist im unteren Bereich der Ansatz zur Bänderbildung zu erkennen sowie Kalkausfällungen um die Wurzeln (Entwicklung zur Parabraunerde angedeutet). Im IIICcv sind Osteokolle zu finden.

2. Standort

Datum: 10. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6115 Undenheim

Ostrheinhessisches Plateau, zwischen Dexheim und Oppenheim gelegen, S. der Straße, ehemaliger Steinbruch einer Zementfabrik

R 3452 H 5523575 ca. 200 m ü. NN

Inklination: leicht geneigt

Ausschnitt ausTK 25, Bl. 6115 Undenheim

Profil 2a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Terra fusca aus obermiozänem Kalkstein (vermutlich Hydrobienschichten).

Mit der Verkarstung der Landschaftsoberfläche im oberen Miozän setzte die terrestrische Bodenbildung ein. Die Terra fusca ist an dieser Stelle an der Oberfläche zu erkennen, da hangende Schichten (Obermiozän und Pleistozän) abgeschoben wurden und die alte Landoberfläche, wie sie zur Zeit der Terra fusca-Bildung vorlag, ansteht. Aus den Residuaten wurden Eisen und Mangan freigesetzt, die dem Bodenhorizont seine charakteristsiche Farben verliehen. Der erste Horizont der Terra fusca ist kalkfrei und weist Eisen- und Mangan-Oxide auf, er ist verbraunt. Der Tc-Horizont dagegen ist sekundär aufgekalkt und zeigt weiße Flecken und Konkretionen. Es ist das Material aus der Kalkverwitterung, was noch nicht verbraunt ist. Der lCv-Horizont ist völlig verwittertes Anstehendes, kreider Kalk. Damit stellt er einen Übergangshorizont dar. Der mCv ist ist durchsetzt mit grauen Tonschlieren einer völlig unregelmäßigen Oberfläche. Der mCn ist das unverwitterte, bankig anstehene Ausgangsmaterial.

Profil 2b

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: ehemals beackerte, rigolte, stark aufgekalkte Braunerde-Schwarzerde aus DS (LBT, Löß) über würmzeitlichen Löß.

Der Oberboden des Profils der im Süden gelegenen Tapleauwand ist der ehemalig ackerbaulich genutzte Horizont Ap. Der Ah ist in der Borealzeit entstanden und ist ein ehemaliger Steppenboden. Er ist ein Pseudomycelien und Mausgängen durchzogener Horizont, der in der Vergangenheit vermutlich als Rigosol genutzt worden war. Die Aufkalkung des CcrBvAh verläuft von unten nach oben. Die winterlichen Niederschläge steigen in Kapillaren auf. Nach der Verdunstung des Wassers kommt es zur Aufällung von Karbonaten. Der IICcv ist würmzeitlicher Löß. Er enthält Krotowinen, Lößkindel sowie Pseudomycelien. Der Boden wurde in der Vergangenheit rigolt, worauf viele Scherbenreste im Ah hinweisen. Dieser Vorgang reichte bis 60-80 cm tief.

3. Standort

Datum: 17. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6014 Ingelheim am Rhein

R 3432 H 5533 ca. 235 m ü. NN

auf dem Westerberg-Plateau im Schnarrwäldchen, ca. 2 km E von Appenheim. Inklination: mäßig geneigt

Ausschnitt aus TK 25, 6014 Bl. Ingelheim am Rhein

Profil 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: stark erodierte Parabraunerde aus Schwemmlöß über stark erodiertem Laterit aus obermiozänen Bohnerztonen über Terra fusca aus plattigem Kalkstein.

Das Profil ist überdeckt mit 20 cm Aushub, in dem der Ah-Horizont ausgebildet ist. Die Parabraunerde ist stark erodiert, so daß der Al-Horizont nicht mehr vorhanden ist. Der Bt- Horizont ist, wie auch die unteren Horizonte, von Pisolithen durchsetzt. Der krustenähnliche alte Kalkausfällungshorizont (IIrCcrBuk1) ist stark skelettreich und sekundär aufgekalkt worden, er hat Kalkkonkretionen und Kalkbänkchen, auch er ist mit Pisolithen (erbsen- bis handgroße Erzkonkretionen) durchsetzt. Auch der IIrCcrBuk2 ist sekundär aufgekalkt, und die wenige cm dicken Kalkbänkchen nehmen in diesem Horizont noch zu, wohingegen die roten Streifen und Bohnerze nach unten abnehmen. Darunter folgt der T-Horizont der Terrra fusca, der nicht durchgängig verbraunt ist. Bermerkenswert an diesem Standort ist, daß die Dinotheriensande fehlen und dadurch die Terra fusca direkt unter dem Laterit folgt.

4. Standort

Datum: 17. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6114 Wörrstadt

R 3428600 H 5528100 ca. 265 m ü. NN

auf dem NW-Rheinhessisches Plateau, auf dem Steinberg, 150 m oberhalb des Eingangs zur Kreismülldeponie.

Inklination: an einer Böschung zur Haupterrasse

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6114 Wörrstadt

Bodenform: Erodierte Parabraunerde aus Schwemmsedimet über Laterit aus obermiozänen Bohnerztonen über Sanden und Kiesen der Dinotherienschichten.

An diesem Standort wurde keine genaue Profilbeschreibung gemacht. Die Horizonte wurden freigelegt, aber nicht detaillierter erklärt oder untersucht.

Es handelt sich hierbei um eine erodierte Parabraunerde über einem erodierten Laterit, die im Schwemmsediment entwickelt ist und eine Profilfolge AhBt-Bt-Buk-CcBku-CcBu besitzt. Im Buk-Horizont reicht bis 150 cm, ist braun-schwarz, und die rote Fleckung nimmt nach unten hin zu.

Der Fleckenhorizont hat eine Mächtigkeit von ca. 1 m und ist gegliedert in weiße, gelbbraune, schwarze Streifen, die aus unterschiedlichen Erzanreicherungen bestehen (Buk- und Bku- Horizont). Darunter folgt deutlich fleckig, aber ohne Konkretionen, der CcBu-Horizont, in dem die rote Fleckung von oben nach unten zunimmt. Darunter kommen die Dinotheriensande.

Profil 2: Bl. Undenheim

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Kolluvium aus holozänem Schwemmsediment über Gley-Vertisol aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial) über MS (Löß, Untergrundmaterial) oder Schwemmsediment über Rupelton.

Rupelton ist ein marines Sediment des Alttertiärs, das von einem Gemisch aus Löß und Rupelton überlagert wird. Vermutlich handelt es sich dabei um holozänes Schwemmsediment. Vertisole haben meist einen mächtigen humosen Oberboden, der auch hier bis in über 1 m tiefe reicht. Der IIfBvAh-Horizont ist entkalkt und hat ein Prismen- und Polyedergefüge. Der IIAhCv ist ein Übergangshorizont, gekennzeichnet durch die Korngrößenverschiebung zu Lehm in den unteren 10 cm des Profilabschnitts und die nach unten hin abnehmende dunkle Färbung (Humusgehalt nimmt ab). Der IIIGoCv-Horizont ist im Schwemmlöß oder MS ausgebildet, er weist deutliche Mangan- und Eisenflecken auf. Im eigentlichen Rupelton, einem Mergelton, ist der letzte Horizont des Profils entwickelt (IVGoCv). Das wird deutlich durch seine grünlichgraue Färbung, den hohen Kalkgehalt und die Bodenart.

3. Profilbeschreibungen vom 24. Juni 1994

1. Standort

Datum: 24. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6215 Gau-Odernheim

R 3443750 H 5511125 ca. 280 m ü. NN

auf Blösdesheimer Plateau, am Kloppberg, S des Ausssichtsturms, an der Nutzungsgrenze zwischen Weinberg und Ödland

Exposition: NE Inklination: an Plateaukante, konvexer Oberhang

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6215 Gau-Odernheim

Profil 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Pararendzina bis Rendzina aus Aushubmaterial über Laterit aus Bohnerztonen über Terra fusca aus Kalkstein der Cerithienschichten.

An diesem Standort fehlen die Dinotherienschichten zwischen der Terra fusca und den darüber liegenden Bohnerztonen.

Der Ah ist sehr deutlich in Aushubmaterial entwickelt, das fleckig ist. Eisen- und Manganflecken sind im folgenden IIfrBu ausgebildet, die von unterschiedlichen Eisen- und Manganoxiden stammen. Beide Horizonte sind nicht durchwurzelt. Der IIrBu-Horizont ist gebleicht und enthält kaum Pisolithe.

Unter der nächsten Schichtgrenze ist eine Terra fusca entwickelt, die durch ihre typische Graufärbung auffällt und nicht durchwurzelt ist.

2. Standort

Datum: 24. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6315 Pfeddersheim R 3441150 H 5505750 ca. 250 m ü. NN

auf dem Zeller Plateau, NW Gemarkung Hühnerscheere, SE des Gewerkschaftssteinbruchs, WSW von Gundersheim Exposition: N Inklination: leicht geneigtes und wellliges Gelände

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6315 Pfeddersheim

Profil 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Kalkhaltiges Kolluvium aus holozänem Schwemmsediment über pliozäner Terra rossa aus tertiärem Landschneckenkalk.

Die Landschneckenkalke (Tertiär) sind Riffkalke inmitten einer marinen Situation (entspricht Riffkalkfazies der Cerithienschicht), umgeben bankigen, schichtigen Cerithienschichten.

4. Hessiches Ried

1. Übersicht über das Gebiet

Das Hessische Ried ist Teil des mit tertiären und quartären Sedimenten gefüllten

Oberrheingrabens. Im E wird es vom kristallinen Odenwald und im W vom Tertiär des Rheinhessischen Hügellandes begrenzt.

Das Liegende der holozänen Sedimente ist im gesamten Gebiet die gemeinsame

Niederterrasse von Rhein und Neckar. Die Terrassensande und -kiese enthalten

geringmächtige tonige und schluffige Schichten, die meistens von feinkörnigem HFL und fluviatil umgelagertem FS überdeckt sind. Der kalkhaltige FS ist zum Teil zu Dünen aufgeweht worden.

In den terrassennahen Flußschlingen verlandeter Mäander des Rheins kam es zur Torfbildung. An den Stellen, an denen holozäne Auenlehme Terrassensande mit besonders kalkhaltigem Grundwasser überdecken, bilden sich mächtige Rheinweiß-Horizonte. Diese sind wasserundurchlässige Kalkausfällungen aus dem Grundwasser, die in der gesamten RheinEbene auftreten (Böger 1991).

In der Rheinniederung lassen sich drei bodentypologischne Zonen unterscheiden: die rezente Aue, die Altaue und die verlandeten Mäanderarme.

Bei den hydrologischen Verhältnissen ist die Rheinniedrung vom Neckarried zu unterscheiden.

Das Abflußgeschehen des Rheins ist beeinflußt von den Hochwasserspitzen im Februar

(Schneeschmelze in den Mittelgebirgen) und im Mai/Juni (Schneeschmelze in den Alpen).

Die mittlere jährliche Schwankungsbreite der Wasserstände des Rheins beträgt 5,20 m. Die zu Beginn des 19.Jh. begonnenen Rheinkorrekturen wurden auf hessischem Gebiet mit der Rheinbegradigung fortgesetzt. Infolge dieser Rheinkorrekturen kam es zu einer Sohlenabsenkung von 1 bis 2 m. Ergebnis der Sohleneintiefung des Rheins ist eine Grundwasserabsenkung, von der ein 3 bis 4 Kilometer breiter Streifen entlang des Rheins betroffen ist. Die Absenkungsbeträge lagen zwischen 1 und 1,5 m. Zahlreiche Wasserwerke auf der Niederterrasse, in unmittelbarer Nähe zum Auenrand, trugen verstärkend zur Grundwasserabsenkung bei (Herzberger 1962, zitiert nach Böger 1991). Die pleistozänen Sande und Kiese des Oberrheingrabens sind ein bedeutender Grundwasserspeicher, der durch eingeschaltete Tonlagen in mehrere Grundwasserstockwerke gegliedert ist. So wurde das Hessische Ried zum bedeutenden Trinkwassergewinnungsgebiet der Bundesrepublik, das große Teile der Ballungsräume Rhein-Main und Rhein-Neckar mit Trink- und Brauchwasser versorgt (Böger 1991).

Das Hessische Ried zeichnet sich durch geringe Jahresniederschläge und hohe

Jahresmitteltemperaturen aus. Die Niederschlagshöhen liegen am Rhein um die 550 mm und an der Bergstraße bei 750 mm im Jahr. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 10 °C und die Jahresschwankung der mittleren Lufttemperatur beträgt mehr als 18 °C ( kontinentales Klima) (Böger 1991).

2. Profilbeschreibungen vom 24. Juni 1994

1. Standort

Datum: 24. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6317 Bensheim R 346750 H 550250 ca. 97 m ü. NN

im Lorscher Wald in einer Sandgrube unter Kiefernwald. Exposition: NE Inklination: eben bis stark geneigt

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6317 Bensheim

An diesem Aufschluß wurde keine genaue Beschreibung vorgenommen. Die Braunerde aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial) über einer Bänderparabraunerde aus FS hat die Horizontabfolge: Ah-Bv-IIBl-IIBb-IIBbtv-IIICc. Zu erkennen ist eine Serie wellenförmiger tiefer Taschen in der Parabraunerde, die nach unten spitz zu laufen. Diese Bodentaschen sind durch Bodenbildung und nicht durch Kryoturbation entstanden.

2. Standort

Datum: 24. Juni 1994

Lage: TK 25, Bl. 6217 Zwingenberg R 3466825 H 550850 ca. 92 m ü. NN

Waldabteilung 70, am Jägersburgerwald, W der Autobahn A 67, N von Dicke Baum-Schneise Inklination: eben

Ausschnitt aus TK 25, Bl. 6217 Zwingenberg

Bodenform: Parabraunerde-Pseudogley aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial) über allerödzeitlichem HFL über Sand der Niederterrasse mit mächtigen Karbonatanreicherungen (Rheinweiß).

Die Profilbeschreibung war auch hier sehr kurz. Die Horizontabfolge des Parabraunerde- Pseudogleys aus DS (LBT; Löß, Anstehendes) über allerödzeitlichem HFL über Sand der Niederterrasse mit mächtigen Karbonatanreicherungen lautet Ah-Sw-IISdBt-II/IIICcrGcc- IIIGo-IIIrGor. Entsprechend der herrschenden Bodenwasserverhältnisse sind die Merkmale der Parabraunerde bzw. des Pseudogleys deutlicher ausgeprägt. Unter dem hell-grau-baunen Ah-Horizont folgt der ca. 35 cm mächtige SwAl-Horizont, der mit Marmorierung und Flecken deutlich pseudovergleyt ist. Der IISdBt-Horizont ist kalkfrei und im HFL entwickkelt, er ist rötlich-dunkelbraun gefärbt. Der Rheinweiß-Horizont (II/IIICcrGc) hat ein Kittgefüge und ist ca. 20 cm mächtig. Rheinweiß ist ein Produkt der Bodenbildung, das sich an Stellen bilden, wo holozäne Auensedimente Terrassensande mit kalkhaltigem Grundwasser überdecken. Die Rheinweiß-Schicht zeigt die Obergrenze des Kapillarsaums über dem Go- Horizont an. Kalkhaltiges Grundwasser steigt im Kapillarsaum auf, verdunstet und Kalk fällt als Rheinweiß aus. Für die Wasserversorgung ist die Rheinweiß-Bildung sehr problematisch, da wegen der hohen Verdunstung und des Rheinweiß-Horizontes nur ca. 27 l/m² Niederschlag im Jahr versickern (Plass, mündl. 1994). Bt-Horizont und Rheinweiß können das Niederschlagswasser stauen, so daß es zur Pseudovergleyung kommen kann.

5. Taunus

1. Allgemeine Übersicht

Der Taunus bildet den SE-Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Im N wird er durch die

Lahn und das Limburger Becken, im E von der Wetterau, im S vom Taunusvorland und dem Rheingau sowie im SW und W vom oberen Mittelrheintal begrenzt.

Der Taunus läßt sich morphologisch gliedern in den Vordertaunus, den Hochtaunus sowie den Hintertaunus. Die Abgrenzung dieser drei Naturräume wird in erster Linie in Abhängikeit von der Höhe über NN, der Hauptgesteinsart und dem Relief getroffen (Plass, mündl. 1994). Die ältesten Schichten des Taunus setzen sich aus Phyllit, Serizitgneis und Grünschiefer zusammen. Die Ausgangsgesteine dieser Schichten waren tonige und sandige sowie vulkanische Sedimente, die im Silur submarin abgelagert und später durch Metamorphose umgewandelt wurden. Sie werden als vordevonisch bezeichnet und kommen im SE-Bereich des Taunus, vorwiegend im Vordertaunus vor (Plass, mündl. 1994). Während des Devons wurden weitere Schichten aus Tonen und Quarzsanden abgelagert. Aus ihnen wurden Hermeskeilsandstein, Taunusquarzit sowie der Hunsrückschiefer und die Bunten Schiefer gebildet.

Im Oberdevon und in der Karbonzeit kam es zur variscischen Gebirgsbildung, dabei wurden die vorhandenen Schichten gefaltet und z.T. metamorphosiert. Der nun entstandene Höhenzug des Taunus war während der gesamten Folgezeit bis zum Einsetzen des Tertiärs ein Abtragungsgebiet. Während der alpidischen Gebirgsbildung im Tertiär senkte sich der Oberrheingraben und das Mainzer Becken weiter ab, der Taunus wurde erneut gehoben. Das gefaltete Grundgebirge war starr und zerbrach deshalb in mehrere Schollen. Mit dem Einsetzen des Pleistozäns wurden die tertiären Rumpfflächen zertalt. Unter dem Einfluß des Periglazialklimas lagerte sich Löß ab, und es wurden verschiedene Schuttdecken ausgebildet.

Die Gliederung in Basis-, Mittel- und Deckschutt ist in unterschiedlichen Glazialabschnitten des Periglazials durch Auftauen und Frieren entstanden, indem sich die Schutte als Auftauböden solifluidal über den Untergrund oder einen Permafrostboden bewegt haben. Indiz dafür sind u.a. die Einregelung von Steinen in die Fließrichtung und deren häufiges Vorkommen an der Untergrenze des Deck- und Mittelschutts.

Der Basisschutt (BS) ist der unterste und älteste der drei Schutte. Er wurde bereits im Pleistozän gebildet und kann Material des Untergrundes und von hangaufwärts anstehendem Gestein sowie Reste von Paläoböden enthalten. Der danach entstanden Mittelschutt (MS) überlagert den BS, ist aber nicht überall ausgebildet. Er kann ebenfalls Material des Untergrundes, von hangaufwärts anstehendem Gestein und Reste von Paläoböden enthalten, vor allem Löß, wobei die Menge schwankt. Der etwa 50-60 cm mächtige DS ist als letzter Schutt in der Jüngeren Tundrenzeit entstanden. Er enthält ebenfalls Material des Untergrundes und von hangaufwärts anstehendem Gestein, Reste von Paläoböden sowie Löß, als einziger aber LBT. Der LBT ist nach dem Ausbruch von Maria Laach, vor etwa 11000 Jahren, in die Periglazialgebiete geweht und dort abgelagert worden. Er dient als Indiz für die Entwicklug des DS. Der LBT ist in reiner Form nur selten in Mächtigkeiten bis zu einigen dm zu erkennen (Plass, mündl. 1994).

Im Taunus treten die verschiedenen Bodentypen in bestimmten Lagen auf, man spricht hier von einer (Gebirgs-)Zonalität (Plass, mündl. 1994). In den Tieflagen (Taunusvorland und Vordertaunus) treten meist kalkhaltige Parabraunerden auf (aus DS über MS), oft in Vergesellschaftung mit den sich oberhalb anschließenden Braunerden, die z.T. podsoliert sind. Insbesondere in geschützten Leelagen, an den SE-Hängen und auch auf den Plateaus des Taunus sind Lockerbraunerden verbreitet, die einen hohen Anteil an LBT aufweisen. Die Lockerbraunerden sind zwar mit den Andosolen (=schwarzer Boden) aufgrund ihres Gehaltes an vulkanischer Asche vergleichbar, aber nicht gleichzusetzen, da der Gehalt an Allophanen (toniges Produkt der Mineralverwitterung von Tuffen) in den Lockerbraunerden im Taunus niedriger liegt (max. 25 %) als in den Andosolen, die z.B. in Japan auftreten (> 40 % Allophangehalt) (Plass, mündl. 1994). Die Lockerbraunerden sind durch den Anteil vulkanischer Asche in der Lage, große Mengen an Wasser sowie Nähr- als auch Schadstoffe zu speichern. Dies bedingt zum einen gute Standortbedingungen für den Wald, zum anderen können aber Schadstoffe, wie Nitrate und Sulfate, im Übermaß gebunden werden. In den Kammlagen des Taunus sind überwiegend Podsole zu finden, die sich durch hohe Durchlässigkeit für Wasser, Nähr- und Schadstoffe auszeichnen. Podsole neigen bei entsprechender Witterung zu rascher Austrocknung und schneller Versauerung.

Die Gruppe der Pseudogleye steht sowohl in ihrer räumlichen Verteilung als auch in ihren Eigenschaften zwischen den Lockerbraunerden und den Podsolen. Die Stauwasserböden kommen meist auf schwach geneigten und ebenen Flächen vor.

2. Profilbeschreibungen vom 01. Juni 1994

1. Standort

Datum: 01. Juli 1994

Lage: TK 25, Bl. 5815 Wehen

R 3444100 H 5557200 ca. 450 m NN

Eingangsbereich des Quarzitsteinbruchs in der Gemarkung Kloppenheimer Rain, ca. 1,5 km nördlich der Platte.

Exposition: WSW Inklination: mäßig geneigt Nutzung: Wald Ausschnitt aus TK 25, Bl. 5815 Wehen

Profil 1a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: schwach podsolierte, erodierte Parabraunerde, schwach pseudovergleyt, aus DS (LBT, Löß, Taunusquarzit) über MS (Löß, Taunusquarzit).

Dieses Profil ist ein Beispiel für die Böden an der Grenze (ca. 450 m) vom Vorder- zum

Hochtaunus, insbesondere für die Standorte, an denen Löß akkumuliert, durch Solimiktion und Solifluktion umgelagert und durch die Pseudovergleyung verdichtet wird. Der hohe Steingehalt (60 %) im IISBt-Horizont wird in erster Linie vom Quarzit verursacht. Die Pseudovergleyung verursacht die hellorange bis bräunliche Marmorierung, die sowohl in Flecken als auch in Streifenform auftritt.

2. Standort

Datum: 01. Juli 1994

Lage: TK 25, Bl. 5815 Wehen

R 3444950 H 5556650 ca. 465 m NN

Wehener Wald, NSG Fürstenrod, 50 m bzw. 200 m S des Silberbachs, 2 Aufschlüsse am E-Rand des von SSW nach NNE das Silberbachtal schneidenden Waldweges. Exposition: E Inklination: eben bis schwach geneigt

Profil 2a:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: schwach erodierte Parabraunerde-Pseudogley aus DS (LBT, Löß, Taunusquarzit) über MS (Lößlehm, Taunusquarzit).

Das Profil weist keinen pseudogleytypischen Bleichhorizont auf. Dennoch ist eine gut sichtbare Fleckung vorhanden, die durch Bleichgänge und -bahnen entstanden ist, die sich an Wurzeln und Regenwurmgängen entlang orientieren. Der IIBtSd-Horizont ist im MS entwickelt, besitzt Mangan-Konkretionen und wirkt als Wasserstauer.

Profil 2b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Pseudogley aus DS (LBT, Löß, Taunusquarzit) über MS (Lößlehm, Hermeskeilsandstein, Taunusquarzit).

Profil 2b ist ca. 150 m S von Profil 2a entfernt und liegt etwa 2-3 m höher.

Dieses Profil spiegelt im Gegensatz zum Profil 2a das etwas flachere Gelände wieder: Die Merkmale der Pseudovergleyung treten hier stärker auf. Die Fleckung im IISd-Horizont tritt, besonders im unteren Bereich, noch stärker hervor. Die Grenze vom Sw- zum IISd-Horizont ist deutlich ausgeprägt. Im IISd-Horizont erscheinen vereinzelt Eisen- und Mangankonkretionen. Der Ah-Horizont ist auffallend tuffreich, der Greasing-Effekt im AhHorizont nimmt nach unten hin ab.

3. Standort

Datum: 01. Juli 1994

Lage: TK 25, Bl. 5815 Wehen R 3445300 H 5556 ca. 515 m NN

Gebiet Steinhaufen, ca. 1,3 km ENE des Jagdschloß Platte, Aufschluß an E-Seite des kleineren Quarzitsteinbruches.

Exposition: SE Inklination: stark geneigt Profil: 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bodenform: Lockerbraunerde aus DS (LBT, Löß, Untergrundmaterial) über ZS

(umgelagerter LBT, Untergrundmaterial) über MS (Löß, Untergrundmaterial) über BS (Hermeskeilsandstein, Taunusquarzit).

Dieses Profil wurde von uns nur bis ca. 1,60 m Tiefe freigelegt, es ist aber schon 1981 von Plass unter Mitarbeit von Abo-Rady vollständig aufgenommen und beschrieben worden. Die Profilbeschreibung hier setzt sich zum einen aus unser eigenen Geländeaufnahme und zum zweiten aus der von Abo-Rady (1985) zusammen.

Die Besonderheit an diesem Profil liegt im Vorhandensein eines Zwischenschutts (ZS), in dem sich der IIAhBv1-Horizont und der IIAhBv2-Horizont ausgebildet haben. Der ZS ist in einer relativ kurzen Zeitspanne, zwischen dem Zeitpunkt des Ausbruchs und dem Beginn der Allerödzeit, durch die Umlagerung des akkumulierten LBT und dessen Vermischung mit dem Untergrund entstanden. Dies beweist der Allophangehalt im DS und ZS (hier max. 25 %). Der ZS ist in den Hochlagen der Mittelgebirge großflächig unter dem DS angelegt, in Tieflagen dagegen nur in flachen Talungen. Eine weitere Besonderheit stellt die Tatsache dar, daß sich unter dem DS und dem ZS die Bodenbildung im MS fortsetzt.

6. Schriftenverzeichnis

Abo-Rady, M.D.K. (1985): Schwermetalle in Lockerbraunerden in Vogelsberg und Taunus.Geol. Jb. Hessen 113: 229-250, 10 Abb., 5 Tab.; Wiesbaden.

AG Bodenkunde (1982): Bodenkundliche Kartieranleitung.- 3. Aufl.: 331 S., 19 Abb., 98 Tab., 1 Beil.; StuttgartHannover.

Böger, K. (1991): Grünlandvegetation im Hessischen Ried. Pflanzensoziologische

Verhältnisse und Naturschutzkonzeption.- 10-38, 10 Abb., 4 Tab.; Frankfurt am Main.

Brüning, H. (1977): Zur Oberflächengenese im zentralen Mainzer Becken.- Festschrift z. 41. Dt. Geographentag Mainz: 227-243, 4 Abb.; Mainz.

Erichsen, W. (1967): Das Klima des mittelrheinischen Raumes in seiner zeitlichen und

räumlichen Differenzierung.- Die Mittelrheinlande, Festschr. 36. Dt. Geographentag, Bad Godesberg; Bad Godesberg.

Falke, H. (1962): Zur Geologie des Mainzer Beckens.- Mainzer Universitätsreden; Mainz.

Fickel, W. (1968b): Erläuterungen zur Bodenkarte von Hessen 1 : 25 000, Blatt 5815 Wehen.Wiesbaden (Hess. L.-Amt Bodenforsch).

Fuchs, F. (1981): Böden und ihre Verbreitung im Rhein-Main-Gebiet.- In: Frankfurter Beitr. Didaktik Geogr. 4: 253-271; Frankfurt am Main.

Golwer, A. (1968): Die Vorkommen und die Gewinnung von Grundwasser im

Obertaunuskreis. - Mitt. Ver. Geschichte Heimatkde. Oberursel 10: 23-39, 3 Abb., 2 Tab.; Oberursel.

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7. Kartenverzeichnis

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- (1964): Topographische Karte 1:25000, Blatt 6114 Wörrstadt; Mainz.
- (1964): Topographische Karte 1:25000, Blatt 6115 Undenheim; Mainz.
- (1965): Topographische Karte 1:25000, Blatt 6215 Gau-Odernheim; Mainz.
- (1966): Topographische Karte 1:25000, Blatt 6315 Pfeddersheim; Mainz.

40 von 40 Seiten

Details

Titel
Übung zur Bodentypologie im Rhein-Main-Gebiet
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Übungen zur Bodentypologie
Autoren
Jahr
1994
Seiten
40
Katalognummer
V96581
ISBN (eBook)
9783638092579
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bodentypologie, Rhein-Main-Gebiet, Bodentypologie
Arbeit zitieren
Michael Pachmajer (Autor:in)Jürgen Galle (Autor:in)René Koch (Autor:in)Christine Pfahls (Autor:in), 1994, Übung zur Bodentypologie im Rhein-Main-Gebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96581

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