Holland, das Drogenparadies?


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

19 Seiten, Note: 5 (Schweiz


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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Gliederung

2 Was ist Marihuana und Haschisch?
2.1 Biologie
2.2 Werdegang
2.3 Zusammensetzung
2.4 Marihuana- und Haschischherstellung
2.5 Anwendung
2.6 Wirkungsweise

3 Drogenpolitik und Recht
3.1 Einleitung
3.2 Die Vorgeschichte oder die Jagd auf den Hanf
3.3 Europa importiert die amerikanische Drogenpolitik
3.4 Holland geht seinen eigenen Weg
3.5 Holland unter Druck
3.6 Die heutige Drogenpolitik
3.7 Interview mit dem Drogenbeauftragten in Rotterdam

4 Der kulturelle Teil
4.1 Besuch in einem Coffeeshop
4.2 Stimmen aus dem Volk

5 Reflexion

6 Wichtige Verweise

Holland, das Drogenparadies?

1 Einleitung

Liebe/r Leser/in, zu Beginn dieser Arbeit noch einige Worte im Voraus .

Die „Technische Berufsmaturitäts-Klasse Vag 1a“ aus Basel wurde im Spätsommer 1999, aus dem Schulalltag gerissen. Nach aktuellsten Informationen hatte sich die ganze Klasse, mit Sack und Pack, im Bahnhof der deutschen Bahn getroffen, um die nächtliche Reise mit dem Ziel „Amsterdam“ in Angriff zu nehmen. Denselben Informationen nach sollte dann am nächsten Morgen, in Amsterdams Grachten, ein umgebautes „Fracht- Hausboot“ mit einem feinen Brunch samt Kaffee auf diese Klasse warten. Mit an Bord waren genügend Velos um jedes Mitglied dieser Fremdlinge mit einem davon zu versorgen. Die Fahrräder waren für die Mobilität neben bzw. zwischen dem Wasser vorgesehen. So würde von dort aus mit Velo und Boot der südliche Teil von Holland ausgekundschaftet werden. Kurz: „Velo- Ferien auf dem Hausboot“. Natürlich hatte die ganze Sache einen Haken! Ein/e jede/r hatte in genügendem Masse Büromaterial in seinem Gepäck mit dabei, denn diese Reise hatte ein höheres Ziel. Die Klasse hatte sich zuvor nach Interessen in Gruppen aufgeteilt, in denen vor, während und nach dem Aufenthalt in Holland emsig gearbeitet wurde. Die ganze Klasse bekam den Auftrag, Projektarbeiten in Zusammenhang mit Holland, bei welchen vor Ort Informationen zu beschaffen wären, zu erstellen. Bei der vielfältigen Themenauswahl die es im Zusammenhang mit Holland gibt, fiel die Aufmerksamkeit bei dieser Arbeit auf dessen liberale Politik im Umgang mit Cannabis. Effektiv ist es aus eigener Erfahrung so, dass eine Reise nach Holland, insbesondere jene mit dem Ziel: „Amsterdam“, meistens mit dem Neid zurückgebliebener Kollegen, wegen der paradiesischen Beschaffungs- und Konsumfreiheiten von Cannabis zu berüchtigter und günstiger Qualität, gesegnet wird. Das Interesse liegt also in der Ergründung der Frage, wie genau sind denn diese Umstände dort tatsächlich in politischer, rechtlicher und kultureller Hinsicht. Auf Interesse stösst selbstverständlich auch die Frage: „Wie sieht denn diese Angelegenheit im geschichtlichen Werdegang bis anhin aus?“.

1.1 Gliederung

Als Einführung zu dieser Arbeit wurde eine kurze Aufklärung zum Thema Cannabis als Rauschmittel gewählt. Darin soll die Pflanze, weitere Nutzformen und deren Wirkungsweise beim Einsatz als Berauschungsmittel beschrieben werden. Der Inhalt dieses Kapitels wurde so gewählt, dass sowohl Laien wie auch erfahrenere Cannabisinteressierte Informationen daraus gewinnen können.

In den weiteren Kapiteln soll auf die Kernfragen dieses Projektes eingegangen werden, wie diese im Vorwort beschrieben wurden.

2 Was ist Marihuana und Haschisch?

2.1 Biologie

Haschisch und Marihuana sind Rauschmittel, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden. Hanf gehört der Gattung Cannabis an. Wobei Cannabis zusammen mit Humulus -Hopfen- der Familie Cannabida ceae angehört. Trotz einer ausserordentlichen Sortenvielfalt gilt Cannabis sativa als Sammelart, zusammen mit ihrer indischen Unterart Cannabis indica. “Cannabis sativa ist eine getrenntgeschlechtliche ( diözische) grüne Blätterpflanze mit charakteristischen, einander gegenüberstehenden, meist siebenfingrigen, lanzettförmigen Blättern, die auf trockenen, sandigen, leicht alkalischen Böden mehr als 7m hoch werden kann.“1

2.2 Werdegang

Hanf ist eine Nutzpflanze, die den Menschen mindestens seit Beginn der Geschichtsschreibung begleitet. Der Mensch zieht schon seit 6000- 10000 Jahren Nutzen aus dieser Pflanze. Der Umgang mit Hanf kann bis 500 v. Chr. in Mitteleuropa zurückverfolgt werden. Frühesten Berichten zufolge war Hanf zunächst in Afrika und Asien anzutreffen. Er wurde als Medikament und Rauschmittel eingesetzt. “ Der Koran verbot zwar Bier und Wein als rauscherregende Suchtmittel, nicht aber Cannabis.“2

Kreuzfahrer brachten die Pflanze nach Europa, wo sich diese sehr rasch verbreitete. Sie wurde als Faserlieferant für Netze, Seile und Kleider (später auch zur Papierherstellung), ausserdem als Speise, Lampenöl, Genussmittel, Heilmittel oder einfach als Kultpflanze verwendet. ( Heutzutage reicht die Produktepalette vom Hygieneartikel bis zum High-Tech-Verbundwerkstoff.)

Im 19. Jh. n.Chr. etablierte sich Cannabis in intellektuellen Kreisen, wie bei Literaten und Künstlern, als Genussmittel. Eine bekannte Zigarettenmarke war: „Simon Arzt“ mit einem Cannabisanteil von doch 7%. Die Pflanze machte sich auch einen Namen als:“das Kraut des nicht so betuchten Mannes“; denn wer sich damals Tabak leisten konnte, tat dies auch.

An Wichtigkeit verlor die Pflanze, als synthetische Fasern aufkamen, zur Ölgewinnung ergiebigere Pflanzen benutzt wurden und Chemie im Apothekerkästchen den Hanf ablöste. Nach dem ersten Viertel des 20. Jh. sorgte Cannabis vor allem für politischen und gesellschaftlichen Zündstoff. Der Anbau, Handel, Besitz und Konsum wurde (zusammen mit harten Drogen wie Heroin, Kokain usw.) beinahe in ganz Europa verboten! Vor allem die USA setzte sich mit einer unglaublichen Propagandaschlacht gegen Marihuana und Haschisch in Szene.

Die Hippiebewegung in den 60ern goss noch zusätzliches Öl in das brennende Feuer! “ Allen Verboten, allen Zollkontrollen zum trotz: Cannabisgenuss ist ein Massenphänomän.“3

2.3 Zusammensetzung

Die für den Rausch verantwortlichen Stoffe sind vor allem in der weiblichen Pflanze enthalten. Es handelt sich dabei um Substanzen, die selbst psychoaktiv sind, oder psychoaktive Substanzen beeinflussen. Diese Stoffe nennt man Cannabinoide. Der Wirkstoff, der vor allem für die psychotropische Wirkung verantwortlich ist, heisst (-)trans-Delta-9-Tetrahydrocannabinol (nachfolgend: Delta-9-THC). Hinzu kommt Delta-8-THC, das unter natürlichen Bedingungen nur Spurenweise (ca. 1% von Delta-9-THC) in der weiblichen Pflanze vorkommt. Es ist chemisch stabiler und wird im Vergleich zum Delta-9-THC vom menschlichen Körper nur sehr langsam abgebaut. Delta-8-THC fällt vor allem bei der synthetischen THC-Produktion an. Daneben sollen noch weitere Stoffe wie THCV (ein Prophyl-Homolog), CBD (Cannabidiol), CBN (Cannabinol) und CBG (Cannabigerol) geringe Einflüsse auf den Rauschverlauf haben. Dies ist aber bislang noch nicht sicher untersucht worden. Etwa weitere 60 Substanzen in Spuren enthaltene Cannabinoide sind bekannt; insgesamt wurden bis heute über 420 verschiedene Inhaltsstoffe in der Hanfpflanze gefunden. Die Mengenverhältnisse sind, je nach Hanfsorte, sehr individuell. “Generell können ausser den Samen alle Pflanzenteile von Cannabis sativa Cannabinoide enthalten, es bestehen jedoch quantitative Unterschiede.“4 Die höchste Cannabinoidenkonzentration (bis zu 90%) steckt im Harz der weiblichen Drüsenhaare, in den Blütenblättern ist die Konzentration wesentlich geringer (3- 6%) und schliesslich nur noch wenig in den Laubblättern (1- 3%).

Die männliche Pflanze ist derweilen, ausser zu Zuchtzwecken, kaum zu gebrauchen. Wegen ihrer geringen Faserqualität ist sie auch industriell relativ uninteressant.

2.4 Marihuana- und Haschischherstellung

Marihuana ist im Grunde nichts anderes als getrocknete, weibliche Hanfblütenbüschel. Zum Trocknen werden die verschiedensten Techniken angewendet. Ähnlich wie beim Tee reicht die Palette vom Sonnentrocknen bis hin zur Fermentierung.

Ge(b)raucht werden vor allem die Blütenstände, weil dort die meisten Drüsenhaare sind, und somit hier die höchste Harzkonzentration ist.

Die Haschischherstellung ist etwas aufwendiger. Eine Art ist: man schüttelt, schlägt oder zerkleinert die trockene Blütenspitzen, wobei die Harzdrüsen zuerst abfallen. Diese werden durch ein Seiden- oder Nylongewebe gesiebt und dies ergibt ein grünliches bis bräunliches Pulver (Powder oder Pollen genannt). Unter Wärmeeinwirkung wird das Produkt zu einer Platte gepresst.

Eine weitere Methode ist folgende: man reibt vorsichtig mit den Händen die weiblichen Blütenstände und streift dabei zwischen den Handflächen das Harz ab. So entstehen die sogenannten „Fingerclusters“, welche gesammelt und von Hand zu einem homogenen Stück Haschisch zusammengeknetet werden. Für kleinere Mengen kann die elektrostatische Ladung ausgenutzt werden. In einer Blechdose werden die zerkleinerten Blütenstände lange geschüttelt. Im Deckel bleibt der „Powder“ haften, bis nach einigen Wiederholungen dieser Vorgehensweise nichts mehr im Deckel zurück bleibt.

Das gewonnene Gut kann nun von Hand, unter Zugabe von Feuchtigkeit (z. B. Schnaps), zu einem Kügelchen von „Hausmacherart“ weiterverarbeitet werden.

2.5 Anwendung

Marihuana und Haschisch werden meistens, in sogenannten „Joints“ („Haschischzigaretten“) konsumiert. Marihuana wird zerkleinert und Haschisch (meistens unter Zugabe von Wärme) zerbröckelt, und mit Tabak vermischt. Mit diversen Hilfsmitteln (Zigarettenpapier, Pfeifen aller Art usw.) kann das Rauschmittel durch Rauchen über die Atemwege zu sich genommen werden. Beliebt ist auch die orale Aufname (z.B. in Form von Gebäck).

2.6 Wirkungsweise

Schon an verschiedenen Orten im Körper wurden verschiedene Cannabinoid-Rezeptoren gefunden. Über die Wirkung von Cannabis allerdings streiten sich Wissenschaftler und Anwender untereinander, wie auch miteinander.

Hier also eine Auswahl von Aussagen über den Menschen unter Einfluss einer akuten THCVergiftung:

“Bisherige Untersuchungen scheinen zu bestätigen, dass diese Rezeptoren neurophysiologische Prozesse im Gehirn beeinflussen können.”5

Rauschverlauf und Wirkungsweise bei den betroffenen Personen ist abhängig von:

- allgemeinem Gesundheitszustand
- Erwartungen
- Erfahrungen und allgemeiner Umgang
- Atmosphäre des Umfeldes
- Dosierung, Qualität und Sorte des verwendeten THC-Trägers
- Konsumtechnik

Die Art der akuten Wirkungen können sehr unterschiedlich sein:

Psychische:

- angenehm empfundene, entspannte Euphoriezustände mit traumähnlichen Abschnitten
- verändertes Zeitbewusstsein
- negative Beeinflussung des Kurzzeitgedächnisses
- erhöhtes Wachbewusstsein, höhere Empfindlichkeit der Sinneseindrücke
- appetitfördernd
- Assozationsreichtum mit Rede- und Lachdrang
- geistige Ruhe
- Interessenssteigerung oder Gleichgültigkeit
- Beeinflussung der Aufmerksamkeit oder Konzentration

Bei zunehmender Dosis:

- Verminderung der Spontanität
- verlangsamter Antrieb
- verminderte Anteilnahme an der Umwelt, Sinnes Eindrücke überwiegen
- Verwirrung
- Beeinflussung der Psychomotorik
- (Pseudo-) Halluzinationen
- Angst-, Panik- und Wahnzustände
- aggressive Gefühlszustände

Körperliche

- Schwindel
- Schläfrigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Überaktivität

- trockene Schleimhäute
- erweiterte Pupillen, gerötete Augenbindehäute
- Herzfrequenzerhöhung
- Blutdruckveränderung
- Muskelentspannung

Es liegen keine ernstzunehmende Berichte über Todesfälle aufgrund einer reinen THCVergiftung ohne andere, zuvor bestehende Gebrechen vor.

“Beim Abklingen der THC-Wirkung treten oft Schläfrigkeit und Müdigkeit auf, jedoch keine “Kater“-Effekte wie nach Alkoholkonsum.“6

In der Leber werden Cannabinoide rasch im Stoffwechsel eingebaut und es wurden bereits über 80, meist inaktive, Metaboliten nachgewiesen. Da noch keine Relationen von Plasmakonzentration von Delta-9-THC und seiner Metaboliten zu Rauschzustand bzw. Zeitdauer seit der letzten Konsumation gefunden worden sind, ist es noch nicht gelungen, diesbezügliche, aussagekräftige Kontrollmöglichkeiten zu entwickeln. Dazu kommt, dass das THC und dessen Metaboliten noch lange im Blut nachgewiesen werden können, da diese, durch deren hohen Fettlöslichkeit, vom Fettgewebe leicht aufgenommen und abgelagert werden.

Über Langzeitschädigungen und andere gesundheitliche Risiken konnten bislang nur vage Aussagen gemacht werden, wie bei verschiedenen Erkrankungen im Bereich der Atmungswege (Tabakmischungen), sowie bei Schädigung des Immunsystems und Erbsubstanz. Vorsicht ist im Zusammenhang mit Schwangerschaft geboten. Körperliche Entzugserscheinungen sind keine nennenswerten beobachtet worden. Psychische Veränderungen lassen sich noch viel schwieriger belegen, jedoch darf man die Möglichkeit einer psychischen Abhängigkeit nicht unterschätzen.

3 Drogenpolitik und Recht

3.1 Einleitung

Die holländische Drogenpolitik ist meistens die erstgenannte, wenn man nach Beispielen für einen liberalen Umgang mit Drogen sucht. Fast jeder kennt die Coffeeshops, wo man ohne Probleme Haschisch und Marihuana einkaufen kann. Holland scheint das Paradies für Cannabis-Konsumenten zu sein. Das ist aber nur auf dem ersten Blick so. In Wirklichkeit wird der Drogenpolitik durch internationale Abkommen, wie zum Beispiel der „Single Convention on Narcotic Drugs“ von 1961, enge Grenzen gesetzt. Doch wie kam es dazu ? Um die Situation der holländischen Drogenpolitik nachvollziehen zu können, muss man weiter in die Geschichte zurück, nämlich bis zum Anfang der 20. Jahrhunderts. Nicht nach Holland, nicht nach Europa, sondern nach Amerika.

3.2 Die Vorgeschichte oder die Jagd auf den Hanf

Zu Beginn des Jahrhunderts war Hanf auf der ganzen Welt ein gefragter Rohstoff: Unter anderem als Lieferant für Textilien, Ölprodukte oder Papier, ausserdem verschrieben die Ärzte häufig Haschisch als Medizin. Konkurriert wurde Hanf zwar schon von Baumwolle und aus Bäumen gewonnenes Papier, doch war er um einiges wirtschaftlicher und brauchte zur Züchtung und Verarbeitung weniger Chemie. 1909 berichtete das Bulletin Nr.404 des US-

Landwirtschaftsministeriums, dass man auf einer Fläche von 0,4 Hektar bei jährlichem Wiederanbau von Hanf über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg ebensoviel Zellstoffaser gewinnen könne wie durch die Rodung von 1,66 Hektar Wald im selben Zeitraum.

Als Droge wurde Hanf vor allem von den mexikanischen und afrikanischen Einwanderern konsumiert. Hanf ist wohl einer der ältesten Drogen überhaupt, die Einstufung als gefährliche Droge ist allerdings erst in dieser Zeit entstanden. Am 2.August 1937 wurde die „Marihuana Tax Act“ vom amerikanischen Präsidenten Roosevelt unterzeichnet. Die zahlreichen kleinen Hanfbauern mussten mit dem Anbauen von Hanf aufhören und auf etwas Anderes umstellen.

Die Kräfte, die dieses Gesetz vor dem amerikanischen Kongress gebracht hatten, waren nicht etwa Ärzte, sondern Industrielle. Nach diesem Urteil verdrängte die Petrochemie die Hanföle, die Pharmaindustrie die Cannabis-Zubereitungen, Kunststoffe und Baumwolle verdrängen die Hanffaser, Holz und Chemie das Hanfpapier.

Eine wichtige Rolle spielte ein gewisser Harry J. Aslinger. Er verdankte einen wichtigen Posten der Unterstützung von Industriellen. Er wurde 1932 mit Hilfe von seinem Onkel Andrew Mellon, dem amerikanischen Finanzminister und nebenbei Geldgeber wichtiger Papierfabriken, zum Chef des „Federal Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs“, FBNDD (Vorgänger der DEA) ernannt. 7

Aslinger unterstütze anschliessend mit Hilfe einer Boulevardzeitung eine Desinformartionskampagne, in der für Hanf ein neuer Name eingeführt wurde: Marihuana. Diese von einem mexikanischen Slangwort abgeleitete Bezeichnung führte dazu, dass ein sehr grosser Anteil der Bevölkerung nicht begriff, dass die täglichen Zeitungsberichte über Cannabis, und nicht über einer neuen mexikanischen „Mörderdroge“ berichteten.

Diese Zeitungsberichte waren alles andere als seriös. Fast jede Gewalttat, wo der Täter irgendwann mal Haschisch geraucht hatte, wurde dem Marihuana zugeschrieben. Das Boulevardblatt veröffentlichte, tatkräftig unterstützt vom FBNDD, Schlagzeilen, in denen Schwarze und Mexikaner als wahnsinnige Bestien dargestellt wurden, die unter dem Einfluss von Marihuana ihre, gegen die Weissen gerichtete, „satanische Voodoomusik“ (Jazz) spielten.

Mit der Zeit fingen auch andere, seriösere Zeitungen an ähnliche Berichte zu schreiben. Die New York Times schrieb von einer amerikanischen Familie, die aus Versehen Cannabis als Salat zu sich genommen hatte, und anschliessend verrückt geworden war. Marihuana wurde vor allem als gewalterzeugende Droge dargestellt. 1936 gab Aslinger einen „Aufklärungsfilm“ mit dem Titel „Reefer Madness“ (auf Deutsch ungefähr: „Kiffer Wahnsinn“) in Auftrag. Die Handlung: ein junger Musteramerikaner raucht einen Joint und wird dadurch zur mordenden Bestie. Es erschienen sehr viele Plakate und Bücher in diesem Stil. Das Buch „Assassin of Youth“ („Mörder der Jugend“) ist ein weiteres, populäres Beispiel. Als 1937 die „Marihuana Tax Act“ vor den

Kongress kam, war Aslinger der Drogenbeauftragte. Seine Argumente waren folgende:

- Konsum von Marihuana ist tödlich
- Marihuana ist gewalterzeugendste Droge in der Geschichte der Menschheit
- Sie wirkt auf Individuen unterschiedlich. Manche verlieren völlig das Gefühl für

Zeit oder für Werte. Sie haben das Gefühl von physischer Kraft und Stärke. Andere werden tobsüchtig, und können in diesem Zustand sogar Verbrechen begehen. Andere lachen hemmungslos.

- 50% aller von Ausländern begangene Schwerverbrechen sind unmittelbar auf den Konsum von Marihuana zurückzuführen.8

Als die „Marihuana Tax Act“ im selben Jahr in Kraft trat, verschlechterte sich die Lage für alle, die mit Hanf zu tun hatten. Erstes Opfer war ein 58-jähriger Schwarzer, der für den Verkauf eines Joints vier Jahre Gefängnis und 1000 Dollar Busse bekam. Interessanterweise wird ein paar Jahre später, 1942, wegen dem herrschenden Rohstoffarmut (2.Weltkrieg) nochmals ein Propagandafilm produziert, allerdings mit dem gegenteiligen Inhalt. Der Film „Hemp for Victory“ („Hanf für den Sieg“) forderte alle Bauern auf, möglichst viel Hanf anzubauen. Alle Bauern mussten sich diesen Film ansehen und das anschliessend mit Unterschrift bestätigen. Wer Hanf anbaute, wurde vom Kriegsdienst freigestellt. Durch diese Massnahmen wurden in Amerika während dem Krieg auf 146'000 Morgen Land Hanf angebaut. Die heutige amerikanische Regierung dementiert heute die „Hemp for Victory- Aktion“.

3.3 Europa importiert die amerikanische Drogenpolitik

Obwohl auch in Europa schon ein paar Industriezweige den Hanf wegwünschten, wurde erst durch den Einfluss der Amerikaner und damit der UNO Hanf bekämpft. 1947 wurde ausgerechnet Harry J. Aslinger zum Vorsitzenden der UN- Drogenkommission ernannt.

Die Gründe, Haschisch zu verbannen, änderte Aslinger regelmässig. In der antikommunistischen Zeit war die Wirkung von Haschisch plötzlich nicht mehr eine gewalterzeugende, sondern, ganz im Gegenteil, Haschisch machte den Süchtigen friedlich und pazifistisch und er konnte sich dadurch nicht mehr gegen die Kommunisten wehren. 1951 kam dann die, bis heute gültige „Steppingstone-theorie“, die Haschisch als Einstiegsdroge betrachtete.

Dieser Wirbel um Hanf sorgte nun auch in Europa für Reaktionen. „Die Welt“ schrieb am 3. März 1953: ”17‘340 rauchen Marihuana [...] Endstation solcher Spaziergänge in ein künstlich erzeugtes Paradies sind fast immer das Zuchthaus, die Irrenanstalt oder der Friedhof.“

Im Jahre 1961 wurden Cannabisprodukte in der „Single Convention on Narcotic Drugs“ den Opiaten, zum Beipiel Heroin, gleichgestellt. Alle Unterzeichnerstaaten verpflichteten sich, innerhalb von 25 Jahren jeglichen Hanfanbau zu unterbinden. Alle europäischen Staaten, auch die, die nicht der UNO angehörten, richteten ihre Drogenpolitik danach aus.

3.4 Holland geht seinen eigenen Weg

Obwohl in der UNO weiter an Gesetzen gegen Haschisch gefeilt wurde, nahm der Konsum von Haschisch in Europa wie in Amerika in den 70er Jahren zu. Durch die Hippie-Bewegung rauchten auch Kinder hoher Politiker Haschisch, was dazu führte, dass die einzelnen Länder die harten Gesetze lockerten. Zum Beispiel hätte die, laut ihrer Mutter Jointrauchende Tochter des damaligen US-Präsidenten, in den 60er Jahren für den Besitz von Marihuana noch 25 Jahre im Gefängnis absitzen können (Virginia).

Die Gesetze am stärksten gelockert hatte aber Holland, wo Amsterdam wohl die Hauptstadt der Hippies in Europa war. Dementsprechend hatten die holländischen Behörden viele Probleme mit der praktischen Anwendung der herrschenden Gesetze. Die Staatsanwaltschaft reagierte und präsentierte 1976 eine neue Drogengesetzgebung, die zwar, dem UNO-Vertrag entsprechend, Handel mit Cannabis, Opiaten und Kokain verbot, neu aber die Drogen in Abhängigkeit der Schädlichkeit für den Körper einstufte. So wurde Cannabisbesitz lediglich als Übertretung mit Geldstrafe, aber ohne Strafregistereintrag geahndet. Das bis heute gültige Opportunitätsprinzip wurde eingeführt, welches bedeutete, dass die Kriterien und Prioritäten von der Generalstaatsanwaltschaft festgelegt wurden. In der Weisung für 1976 hiess es dann auch, dass die Polizei den Besitz von 30 Gramm Cannabis nicht mehr verfolgen sollte, was im Prinzip einer Tolerierung von weichen Drogen gleichkam.9 Damit war der Cannabishandel zwar weiterhin strafbar, dank dem Opportunitätsprinzip wurden aber Kleinhandel, zum Beispiel in Coffeeshops, toleriert. Man wollte damit die Märkte der harten und weichen Drogen trennen, primär aber den Problemen mit den Hippies ein wenig aus dem Weg gehen.

Erst Anfangs der 80er Jahre befasste man sich in Holland wieder mit Sinn und Zweck dieser Drogenpolitik. Zwei offizielle Berichte wurden verfasst: einer sollte die vorhandenen Mittel zur Drogenbekämpfung ermitteln (1986), der zweite die Ziele der zukünftigen Drogenpolitik (1985). Diese Berichte kamen zu dem Schluss, dass der überwiegende Teil des Drogenproblems nicht vom Drogenkonsum verursacht wurde, sondern von der Drogenpolitik selber. Ziel der Drogenpolitik sollte deshalb eine Normalisierung des Drogenproblems sein, bei der die Abhängigkeit vom Schwarzmarkt und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken (z.B. Drogenqualität) ausgeschaltet werden sollten. ”Eine drogenfreie Gesellschaft sei ein nie erreichbares Ziel.”10

3.5 Holland unter Druck

Aus den Statistiken der letzten Jahre geht hervor, dass die niederländische Drogenpolitik ziemlich erfolgreich ist, das heisst zum Beispiel, dass sich die Steppingstone-theorie zumindest hier nicht als zutreffend erwies. Auch nahm die Zahl der Cannabiskonsumierenden seit den 70er Jahren kontinuierlich ab und die Drogentoten sind, verglichen mit anderen Ländern, auch ziemlich moderat. Selbst die amerikanische Botschaft gab zu, dass es in Holland erstaunlich wenig Drogenkonsumierende gibt.

Ende der 80er, stärker aber in den 90er Jahren, spürte Holland aber trotzdem auch die negativen Seiten ihrer eigenwilligen Drogenpolitik.

Der Druck aus dem Ausland stieg von Abkommen zu Abkommen, das Holland unterschrieb. Neben den zahlreichen UNO-Abkommen verursachte vor allem das Schengenabkommen von 1990 viel böses Blut. In diesem Vertrag wurde die Auflösung der Grenzen der meisten EU-Ländern festgelegt. Viele Länder hatten nun Angst, dass ihre Bürger sich dazu verleiten lassen, Drogentourismus zu betreiben. Deutschland wollte daher unbedingt einen Zusatz im Vertrag haben, der die Niederlanden dazu verpflichtet, die repressivere Drogenpolitik der Deutschen nicht zu torpedieren, indem sie deutschen Bürgern die Möglichkeit geben, einfach nach Holland auszuweichen. Die Niederlanden sollen ”geeignete Massnahmen” ergreifen, ”damit die Wirksamkeit dieser strengeren Kontrollen nicht beeinträchtigt wird.”11 Doch nicht nur Deutschland war mit der niederländischen Drogenpolitik nicht einverstanden. Noch mehr als Deutschland übte Frankreich über das Schengenabkommen Druck auf Holland aus. So drohte der französische Präsident Jacques Chirac 1995 den Vertrag rückgängig zu machen, falls Holland das Ende des „Drogentourismus“ nicht einläute.12

3.6 Die heutige Drogenpolitik

In den Niederlanden wird versucht, klar die harten von weichen Drogen zu trennen. Während harte Drogen bekämpft werden, lässt man die Bürger die weichen Drogen eigentlich unbehelligt konsumieren. Das holländische Betäubungsmittelgesetz unterscheidet auch klar zwischen Hanferzeugnissen und Substanzen, deren Konsum inakzeptable Risiken beinhalten. Dadurch wird die Repression im Bereich von Heroin/ Kokain/ LSD und im illegalen Drogenhandel durch die Tolerierung von Cannabis nicht beeinträchtigt. Die Idee dieser Politik ist, die beiden Märkte klar zu trennen. Das ist aber im Moment noch immer sehr schwer zu überprüfen, da die Verkaufsstellen zwar legal sind, diese aber nicht auf legalen Wegen zu diesen Hanferzeugnissen kommen.

Der Handel mit Cannabis für den Eigenkonsum ist in sogenannten Coffeeshops toleriert, sofern fünf staatliche Bedingungen erfüllt werden: keine Aussenwerbung, kein Handel mit harten Drogen, keine Belästigung der Umgebung, kein Verkauf an Jugendliche unter 18 Jahren, kein gleichzeitiger Verkauf von Alkohol, kein Verkauf von grösseren Mengen als fünf Gramm. Der maximal zulässige Handelsvorrat ist 500 Gramm, allerdings können die Kommunen eine geringere Menge vorschreiben.

Je nach der spezifischen Problematik haben manche Gemeinden diese Kriterien durch Sonderverordnungen verschärft. Die kommunale Coffeeshop-Politik wird von den lokalen Behörden kontrolliert. Sie wird in regelmässigen Dreiergesprächen zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Kommunalverwaltung festgelegt. 1996 hat die Staatsanwaltschaft, vor allem durch den Druck aus dem Ausland und heissen innenpolitischen Debatten, neue Richtlinien festgelegt, die eine neue Basis für diese Dreiergespräche schaffen. Holland wollte ihren Ruf als Drogenparadies abstreifen, ohne dabei einen niemals zu gewinnenden ”Krieg gegen Drogen”13 zu beginnen. Seither hat sich die Anzahl der Coffeeshops um beinahe die Hälfte reduziert, Touristen werden genauer auf Schmuggel kontrolliert (bis zu vier Jahre Gefängnis) und die höchst zulässige Menge von Cannabis wurde von 30 Gramm auf die oben genannten fünf Gramm geändert.

”Die Frage ist nur, ob diese Politik auch wirklich wirksam ist oder nur Symbolcharakter hat.”14

3.7 Interview mit dem Drogenbeauftragten in Rotterdam

Am 23.September hatten wir die Möglichkeit, Herr Inder Bissumbhar, Drogenbeauftragter in der Stadt Rotterdam, bei dem Polizeiposten an der Snellinkstraat zu der Drogenpolitik in der Praxis zu befragen.

Die holländische Politik trennt die harten Drogen von den weichen. Wie geht die Polizei vor?

Harte Drogen sind absolut verboten. Nur wenn man für den eigenen Gebrauch ein Gramm dabei hat und sie nicht öffentlich zu sich nimmt, unternehmen wir nichts. Es gibt öffentliche, geschlossene Räume, wo die Drogenabhängigen die Drogen zu sich nehmen können.

Die weichen Drogen sind auch verboten, doch der Verkauf wird geduldet, solange sich die Öffentlichkeit nicht belästigt fühlt.

Eingegriffen wird also nur, wenn sich irgendjemand belästigt fühlt ?

Ja.

Will man damit eine offenen Drogenszene verhindern ?

Ja, früher hatten wir hinter dem Zentral Bahnhof eine offene Drogenszene, bevor die Regierung sie mit verschiedenen

Massnahmen auflösen konnte. Das war natürlich für die mit der Bahn Reisenden äusserst unangenehm und keine gute

Visitenkarte für die Stadt. Jetzt versucht man das zu verhindern, indem man die vorher genannten geschlossenen Räume installiert hat.

Es heisst, man darf nicht mehr als fünf Gramm Cannabis mit sich führen. Wie werden dann die Coffeeshops beliefert ?

Das ist das grosse Problem : An der Vordertür darf man verkaufen, aber an der Hintertür darf nicht geliefert werden... In der Praxis wird das auch so gemacht. Wenn wir erfahren, dass irgendwo eine Lieferung erfolgt, dann sind wir beim Treffpunkt. Allerdings sind Lieferungen bis 30 Gramm erlaubt.

Was passiert wenn jemand beispielsweise mit zehn Gramm erwischt wird ?

Dann hat das juristische Folgen. Meistens muss der Übeltäter mit öffentlicher Arbeit rechnen. Geldstrafen sind oft unpassend, da vor allem bei harten Drogen die Gefahr von Straftaten aus Geldmangel erhöht wird.

Angenommen, jemand hat bei einer Kontrolle 20 Gramm dabei, aber behauptet, er würde einen Coffeeshop beliefern... ?

(überlegt) Eigentlich ist es illegal, doch in der Praxis machen wir wegen solch geringen Mengen keine Schwierigkeiten.

Kaufen die Coffeesshops am Schwarzmarkt ein ?

Ja. Das ist das grosse Problem der holländischen Drogenpolitik. Das ist

Ausländern gegenüber kaum zu erklären.

Gibt es bei den Händlern nicht das Problem, dass sie die Unterscheidung hart-weich nicht machen ?

Nein. Es sind zwei verschiedene Gruppen, bis in den Schwarzmarkt hinein.

Wird die Drogenpolitik in Zunkunft eher repressiver oder eher noch liberaler werden ?

Es wird wahrscheinlich bleiben wie es ist, nur bei den harten Drogen werden wir

wohl noch ein bisschen härter zur Sache gehen.

4 Der kulturelle Teil

4.1 Besuch in einem Coffeeshop

Coffeeshops gibt es in allen möglichen Varianten. Während dem Aufenthalt in Holland trafen wir auf viele verschiedenen Arten von Coffeeshops, von pompös zu heimelig und anständig bis zur lausigen Absteige. Praktisch in jeder holländischen Ortschaft hat man gute Chancen, zufällig auf einen Coffeeshop zu treffen. Sie integrieren sich im holländischen Stadtbild und fallen nicht weiter auf. So auch in Ütrecht : Als wir auf „Coffeeshop-Pirsch“ durch die Innenstadt waren, trafen wir wie von selbst auf einen solchen, der an einer Gracht lag. Von aussen betrachtet differenzierte er sich nicht von den benachbarten Geschäften. Nur die Anschrift liess auf einen Coffeeshop schliessen. Gleich beim Eingang begrüsste eine Polizistenstatue mit Joint die Besucher. Im Vorraum befand sich eine Theke, wo diverse Hanfartikel zum Verkauf standen. In Glasvitrinen links vom Eingang befand sich eine Vielzahl von Zubehör für Hanfkonsumenten, während an der Theke insbesondere verschiedene Marihuana- und Haschischsorten, oder auch fertig gedrehte Joints erhältlich waren. Schilder und Tafeln informierten über Sorte und Preise der dort erhältlichen Artikel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rechts von der Theke führte eine Wendeltreppe in weitere daruntergelegenen Räumlichkeiten, wo sich einige Leute aufhielten. Die Besucher schienen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten zu stammen. Der edle Herr mit Anzug und Krawatte war genauso anwesend wie der flippige Jugendliche mit Piercing. Der Raum war mit Tischen und Stühlen, sowie mit einer Bar eingerichtet. Kleinere Gruppen unterhielten sich rauchend, meistens mit einer Tasse Kaffee an den Tischen. Im Gegensatz zu anderen Coffeeshops die wir besucht haben, waren hier keine alkohlischen Getränke erhältlich. An der Wand hingen einige Bilder, so zum Beispiel « die kiffende Mona Lisa » oder ein ähnlich manipuliertes Van Gogh-Portrait. Die Radiomusik im Hintergrund vermischte sich mit dem Geklimper des in der Ecke stehenden Flipperkastens. Zur weiteren Unterhaltung standen Darts-Scheiben, einarmige Banditen, Schachbretter und andere Unterhaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Als wir wieder aus dem Coffeeshop ins Freie traten, hatten wir das Gefühl, in einem normalen Restaurant gewesen zu sein.

4.2 Stimmen aus dem Volk

Um zu erfahren, was Holländer und Holländerinnen über ihre Sonderstellung in Europa wissen und denken, habe wir sie ganz einfach gefragt. Über eine, eigens zu diesem Zweck von uns ausgearbeitete Umfrage, haben wir in direktem Gespräch mit den Einheimischen einige interessante Dinge erfahren15. Im allgemeinen lässt sich sagen, dass die Bürger von Holland, ob informiert oder nicht, solch delikate Angelegenheiten lieber der Regierung überlassen. Fast niemand wusste über die Einzelheiten der Cannabisgesetzgebung bescheid.

Eine Grosszahl der befragten Personen sagte aus, es sei ihnen egal wie die Gesetzgebung sei, findet es aber im allgemeinen gut was ihre Regierung macht und dass jeder für sich selber entscheiden darf, wie er mit Cannabis als Rauschmittel umgehen will. Daher plädierten viele für eine umfangreichere Aufklärungsarbeit hauptsächlich für Jugendliche an Schulen, zuhause und in der Öffentlichkeit. Tatsächlich war es auffällig, dass kaum einer der Befragten wirklich über die herrschenden Gesetze aufgeklärt war. Somit fanden wir auch kaum jemanden, der bedingungslos die Cannabis-Liberalisierung befürworten wollte. Weiter hörten wir Klagen über den Drogentourismus, insbesondere den Grenzen entlang, sowie über Ängste vor einem wachsenden Schwarzmarkt. Um diesen Problemen entgegenzutreten, forderten die Holländer ihre europäischen Nachbarländer auf, es ihnen gleichzutun.

Diese unterschiedliche Gesetzgebung der verschiedenen Länder führten schon zu mehr oder weniger grossen Zwischenfällen. So erregten in Arnheim Ende der 80er Jahre drei drogenkonsumierende Deutsche derartig Aufsehen, dass ein Mob von mehreren hundert Holländern die Deutschen verjagten und noch tagelang gegen deutsche Automobilisten randalierten. Gut die Hälfte der befragten Personen gaben an, schon mindestens einmal den Cannabisrausch erlebt zu haben.. Viele der ehemaligen Cannabisraucher haben mittlerweile damit aufgehört. Offenbar nimmt der Konsum mit dem Alter ab. Fast alle Holländer sagten aus, direkt oder indirekt in ihrem Umfeld mit dem Konsum von THC-haltigen Substanzen zu tun haben.

Abschliessend kann man sagen, dass die holländische Bevölkerung dem

Cannabiskonsum gegenüber sehr aufgeschlossen, aber trotzdem nicht genug informiert ist. Die liberale Gesetzgebung stösst in der Bevölkerung mehrheitlich auf positive Resonanz. Trotz dieser Politik scheint das Volk mit einer gesunden Distanz dem Cannabiskonsum gegenüberzustehen.

5 Reflexion

Bei der Fertigstellung dieses Berichtes sind wir auf einige Probleme gestossen.

Ursprünglich hatten wir geplant, diesen Bericht in drei Hauptteile zu trennen. Nämlich in Politik/Geschichte, Recht und Kultur. Mit der Zeit kamen wir aber zum Schluss, dass es beinahe unmöglich ist, Politik und Recht voneinander getrennt zu halten. Deshalb ist der Teil des Textes, der von der Kultur spricht, um einiges kürzer als der „fusionierte“ von Politik und Recht.

Als weiteres Hindernis stellte sich heraus, dass einige Teile dieses Berichtes relativ arbeitsaufwendig waren. Abgesehen von dem Kulturteil wurden praktisch alle Informationen Büchern entnommen. Besonders im zweiten, etwas wissenschaftlicheren Kapitel musste darauf geachtet werden, dass alle Fachausdrücke stimmen.

Trotzdem scheint uns dieser Bericht eine gute Übersicht über den Hanf im allgemeinen und dem Verlauf der Drogenpolitik. Die Stimmung im Volk scheint uns auch ausreichend dargestellt, denn trotz der relativ wenig Befragungen haben wir darauf geachtet, möglichst verschiedene Leute in der Stadt wie auf dem Land zu befragen.

6 Wichtige Verweise

- Eine grosse Hilfe war uns der umfassende Cannabisbericht der Eidgenössischen Drogenkommission für Drogenfragen, der 1999 wegen der Volksabstimmung über die zukünftigen Drogenpolitik in der Schweiz in Auftrag gegeben wurde. Hier kann man diesen Bericht als Acrobat-Datei finden.

http://www.admin.ch/bag/sucht/drog-pol/drogen/d/revbetmg/cannabisd.htm

- Ein interessanter Ort um sich die Geschichte rund um den Cannabisverbot durch die UNO anzuschauen sind folgende Seiten...

http://www.datacomm.de/~virus/dbc/dbcanhis.htm

- Auf der HomePage von Tagesanzeiger lassen sich über die Suchfunktion sehr viele höchst interessante Artikel über die Drogenpolitik der letzten Tage finden

http://www.tages-anzeiger.ch/smdsearch/smdmask_txt.htm

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Details

Titel
Holland, das Drogenparadies?
Note
5 (Schweiz
Autor
Jahr
1999
Seiten
19
Katalognummer
V96818
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Holland, Drogenparadies
Arbeit zitieren
Nicolas Binet (Autor), 1999, Holland, das Drogenparadies?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96818

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