Stadtführungen


Seminararbeit, 2000

24 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 TOURISMUS IN RHEINLAND-PFALZ BZW. AN DER MOSEL/SAAR

3 TOURISMUS IN TRIER
3.1 Stadtführungen
3.2 Ausflugsfahrten
3.3 Weitere Fahrten
3.4 Veranstaltungen
3.5 Museen

4 STADTFÜHRUNGEN
4.1 Definition
4.2 Die Bedeutung der Stadtführung
4.3 Die Aufgaben einer Stadtführung

5 DER AUFBAU EINER STADTFÜHRUNG AM BEISPIEL TRIER
5.1 Die Stadtführerausbildung in Trier
5.2 Die Standard-Stadtführung bzw. -Rundfahrt in Trier

6 DIE DURCHFÜHRUNG EINER STADTFÜHRUNG AM BEISPIEL TRIER
6.1 Die Vorbereitung auf eine Stadtführung
6.2 Organisation der Führung
6.3 Begrüßung
6.4 Inhaltsebene
6.5 Die gegenseitige Regulation bei einer Stadtführung
6.6 Die Interaktion bei der Stadtführung
6.7 Der Schluß einer Führung

7 FAZIT

8 LITERATURVERZEICHNIS

Psychologisches bei der Durchführung einer Stadtführung am Beispiel Trier

1 Einleitung

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Tourismusbranche einen rapiden Aufschwung erlebt. Besonders in Deutschland ist es immer breiteren Bevölkerungsschichten möglich, mindestens einmal im Jahr eine Reise zu unternehmen. Im Zusammenhang dieser Tendenz soll das Phänomen Tourismus in der vorliegenden Arbeit am Beispiel Trier näher erläutert werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Bereich Stadtführungen und deren sachgerechte Durchführung.

2 Tourismus in Rheinland-Pfalz bzw. an der Mosel/Saar

Im Jahr 1996 wurde vom Europäischen Tourismus Institut (ETI) an der Universität Trier eine Umfrage durchgeführt. Dabei wurden 2545 Versuchspersonen erhoben, die ihren Urlaub in Rheinland-Pfalz verbrachten und mittels Fragebogen u.a. nach dem Motiv für ihren Aufenthalt befragt. Der Hauptgrund, warum Leute das Land Rheinland-Pfalz besuchen ist die Landschaft. 50% der Befragten gaben an, besonders wegen der landschaftlichen Schönheit dieses Bundesland zu bereisen, an der Mosel/Saar sind es sogar 70%. Das zweit häufigste Motiv ist der Wein, der in dieser Region gekeltert wird. Der Rebensaft gibt 19% der Versuchspersonen Anlaß nach Rheinland-Pfalz zu kommen, an der Mosel/Saar sind es 30%. Eine weitere Ursache ist die Kultur, die dieses Land aufweist. An der Mosel/Saar fühlen sich 19% der Gäste von diesem Aspekt angesprochen, in Rheinland-Pfalz sind es 18%. Ferner wurden die Befragten dazu angehalten, Schulnoten von eins bis sechs zu vergeben. Rheinland-Pfalz erhielt dabei die Durchschnittszensur 2,06, an der Mosel/Saar kam man auf den Wert 1,97. Im allgemeinen vergaben ältere Leute bzw. Gäste von den neuen Bundesländern bessere Noten. Diese Tendenz spiegelt sich auch im Image von Rheinland- Pfalz wieder. Die meisten Befragten empfinden das Bundesland eher als gemütlich und leise aber auch abwechslungsreich und weniger als modern und jung (vgl. ETI, 1997, S. 27).

Nach den oben genannten Daten zu urteilen spielt der Städtetourismus in Rheinland-Pfalz eine eher untergeordnete Rolle. Schließlich entscheiden sich die Gäste hauptsächlich wegen der schönen Landschaft und wegen des Weines für eine Reise in dieses Bundesland, seltener aber wegen der Kultur. Dies scheint verwunderlich, zumal sich hier viele bedeutende Bauwerke befinden. Zu diesen zählen z.B. die drei Kaiserdome in Speyer, Mainz und Worms, einer der wichtigsten Kirchen Deutschlands. Auch in Trier befinden sich - wie sich im Laufe dieser Hausarbeit noch herausstellen wird - viele berühmte Kulturgüter, deren römischer Ursprung in der Bundesrepublik einzigartig sind. Es ist also nicht der Mangel an Sehenswürdigkeiten, der den Städtetourismus in Rheinland-Pfalz weniger bedeutend macht. Ausschlaggebend ist eher der relativ geringe Bekanntheitsgrad der Denkmäler. So sind z.B. der Dom zu Köln oder das Schloß Nymphenburg in München für die meisten Touristen eher ein Begriff als z.B. der Dom zu Speyer, obwohl dieser mindestens genauso bedeutend ist. Des weiteren wollen sich die meisten Urlauber entspannen und von der Arbeit erholen. Zu diesem Zweck eignet sich Landschafts- und Weingenuß wesentlich besser als Sehenswürdigkeiten. Zudem werden letztere meist nur relativ kurz betrachtet. Der Grund hierfür liegt zum einen in der räumlichen Begrenzung der Denkmäler, zum anderen in der Unkenntnis der meisten Besucher, so daß zu den Kulturobjekten kein Bezug aufgebaut werden kann. In der Natur hingegen kann man sich frei bewegen und ohne viel Vorwissen in eine persönliche Verbindung mit ihr treten.

3 Tourismus in Trier

Im folgenden Abschnitt sollen die wichtigsten touristischen Offerten vorgestellt werden, die in Trier angeboten werden.

3.1 Stadtführungen

In Trier kann man sich auf verschiedenste Art und Weise einen ersten Eindruck von der Stadt verschaffen. Dabei bietet die Tourist Information Trier ein reichhaltiges Programm an: So findet regelmäßig in der Saison je zweimal täglich ein deutschsprachiger Stadtrundgang und eine Stadtrundfahrt statt. Für ausländische Besucher wird einmal am Tag eine englischsprachige City-Walking-Tour veranstaltet. Diese Stadtführungen dauern zwei Stunden und folgen einem einheitlichen Programm. Man kann aber auch eine Führung vorher buchen und dabei Sonderwünsche äußern. Des weiteren wird eine Trierer Stadtrallye angeboten, bei der man auf spielerische Weise die Stadt erkunden kann. Ferner gibt es eine zuvor angekündigte Veranstaltung „Trier für Trierer“, bei der z.B. normalerweise nicht zugängliche Orte besichtigt werden. Weiterhin findet von „Römer-Express“ eine halbstündige Rundfahrt statt, bei der ein dreisprachiges Tonband läuft. Ein ähnliches Programm bietet auch City Tour Trier an, deren Stadtrundfahrt jedoch 45 Minuten dauert.

3.2 Ausflugsfahrten

Von Trier aus finden keine regelmäßigen Ausflugsfahrten in die Nachbarorte bzw. Nachbarländer statt. Diese müssen gebucht werden und können auf Wunsch mit einem Führer besetzt werden. Dabei werden folgende Fahrten empfohlen: Luxemburgfahrt, Saar- und Obermoselfahrt, Eifelfahrt, Hochwaldfahrt, Monschau, Nürburgring - Burg Eltz, Maria Laach bzw. die Orte der Nachbarländer Metz, Nancy und Verdun in Frankreich und Luxemburg, Lüttich und Maastricht in den Beneluxstaaten.

3.3 Weitere Fahrten

In regelmäßigen Abständen werden Fahrten mit einer Kabinenbahn vom Zurlaubener Ufer aus angeboten. Des weiteren kann der Urlauber von Linienschiffen auf der Mosel und sonstigen Schiffahrten auf der Mosel und der Saar Gebrauch machen.

3.4 Veranstaltungen

Um den römischen Ursprung der Stadt Trier zu betonen finden seit 1998 alljährlich die so genannten Antikenfestspiele statt. Dabei werden im Juni/Juli z.B. Theaterstücke und Opern in den antiken Ruinen aufgeführt. Ferner wird alljährlich im April ein Wein- und Gourmetfestival veranstaltet, bei dem Winzer aus der Region ihre Weine feilbieten.

3.5 Museen

In Trier findet sich eine Vielzahl vom Museen, die mehr als nur lokale Bedeutung aufweisen. Im Rheinischen Landesmuseum befinden sich u.a. viele römische Exponate, die in der Region gefunden wurden. Im Haus befinden sich dreimal so viele römische Mosaike wie in der restlichen BRD.

Das Städtische Museum Simeonsstift dokumentiert mit seinen Ausstellungsstücken die Stadtgeschichte Triers und beherbergt z.B. das mittelalterliche Trierer Marktkreuz aus dem Jahr 958.

Das Museum „Thermen am Viehmarkt“ zeigt die Ruinen der ersten antiken Thermenanlage Triers, die um das Jahr 100 errichtet wurden. Die Ausgrabungen sind von einem kastenförmigen Glashaus überdacht.

Im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum sind Fundstücke, die im und um den Dom gefunden wurden ausgestellt. Unter den Glanzstücken des Museums befinden sich spätantike Deckenmalereien, die unter dem Altar des Domes ausgegraben wurden.

Die Domschatzkammer ist ein vergleichsweise kleines Museum, das im Dom angelegt ist. Es zeigt v.a. mittelalterliche liturgische Geräte. Das wichtigste Ausstellungsstück ist wohl der Andreas-Tragaltar aus dem Jahr 977.

Das Spielzeugmuseum beherbergt verschiedenartigstes Spielzeug aus vergangenen Tagen. Manche Exponate stammen aus dem 19. Jahrhundert. Es ist das größte private Spielzeugmuseum Deutschlands.

Das Karl-Marx-Museum befindet sich im Geburtshaus des gleichnamigen Philosophen. Die Lebensgeschichte des Trierers, seine Lehre und die geschichtlichen Zusammenhänge sind auf Tafeln sehr ausführlich dokumentiert. Weiterhin enthält das Museum einige Originalstücke von Karl Marx.

4 Stadtführungen

Im folgenden Abschnitt soll die Tätigkeit des Stadtführers definiert und die Bedeutung und die Aufgaben einer Stadtführung herausgestellt werden.

4.1 Definition

Stadtführer (Gästeführer) sind Fachkräfte in Fremdenverkehrsorten, die im Rahmen von Führungen den Ort bzw. Aspekte des Ortes gewinnend, klar, präzise fachkundig und freizeit- und urlaubsnah präsentieren, meist eine oder mehrere Fremdsprachen beherrschen, Führungsqualitäten, organisatorische Fähigkeiten und psychologische Kenntnisse (speziell im Gruppenverhalten) besitzen und sich einer kontrollierten Gestik, Mimik und Sprache bedienen (vgl. DSF, 1997, S. 10).

4.2 Die Bedeutung der Stadtführung

Im Jahr 1993 wurden vom Deutschen Seminar für Fremdenverkehr Berlin (DSF) 207 Fremdenverkehrsorte per Fragebogen zum Thema Stadtführungen befragt. Dabei gaben 54% der Orte an, ihre Gästeführer zu schulen. 1983 waren es lediglich 17%. Man sieht, daß ein zunehmender Aufwand zugunsten eines besseren Stadtführungs-Angebots betrieben wird. Diese Tendenz vollzieht sich mit gutem Grund, wenn man bedenkt, welch große Bedeutung eine Gästeführung für den Tourismus in einer Stadt hat:

Zufriedene Gäste sind einer der besten Werbeträger und steigern das Image der Stadt. So haben sich z.B. in Rheinland-Pfalz 28% der Gäste aufgrund von Empfehlungen für ihren dortigen Aufenthalt (ETI) entschieden. Für die Zufriedenheit sind die Stadtführer besonders wichtig zumal diese im direkten und relativ persönlichen Kontakt mit den Touristen stehen. Des weiteren vermitteln sie den Besuchern den ersten Eindruck auf die Stadt (Primacy- Effekt). Schließlich werden Stadtführungen meist kurz nach dem Eintreffen in die Stadt unternommen. Durch seinen direkten Kontakt mit den Gästen hat der Führer die Möglichkeit, die Stadt von der positiven Seite zu beleuchten und damit dem Urlauber eine positive Stimmung induzieren. Er steht somit eventuellen Mängeln toleranter gegenüber und korrigiert u.U. bestehende Vorurteile. Auf diese Weise kann der Primacy-Effekt mittels Stadtführung optimal eingesetzt werden.

Weiterhin wird die Zahl der Stammgäste durch Stadtführungen erhöht. Durch sein Wissen über die Stadt wirkt sie für den Besucher vertrauter und heimeliger. Dies wird am Beispiel zweier Fremdenverkehrsorte im Schwarzwald deutlich. Beide Dörfer weisen im Wesentlichen nur Unterkünfte auf und verfügen über keine Sehenswürdigkeiten. Als einer der beiden Orte aber Ortsführungen anbot, stieg die Zahl der Stammgäste diese Dorfes stark an. Beim anderen Dorf blieben die Besucherzahlen gleich. Man sieht, daß der Urlauber sich, allein durch sein Wissen, welches er vom Fremdenverkehrsort hat, dort wohl fühlt und eher dazu geneigt ist, abermals seine Freizeit hier zu verbringen.

Ferner wird der Gast zu eigenen Aktivitäten bewegt. Der Stadtführer kann seine Führung flexibel gestalten und je nach Gruppe bestimmte Anregungen für weitere Unternehmungen geben. Auch kann er verschiedene, den Ort betreffende Frage- und Problemstellungen aufwerfen und dadurch den Forschergeist der Besucher anregen. So wird der Gast angespornt, aktiv die verschiedenen Facetten der Stadt zu erleben und sich nicht zu langweilen. Zusammenfassend kann man sagen, daß der große Vorteil von Gästeführungen darin besteht, daß sie gruppenspezifisch ausgerichtet werden kann und auf Wünsche reagieren kann. Dieser Vorzug tritt auch in zunehmenden Maße in das Bewußtsein der Fremdenverkehrsorte. So boten 1993 gemäß der obigen Umfrage ( vgl. DSF, 1993, S 30 und S. 37) 96% aller Fremdenverkehrsorte in der BRD Führungen an, 1983 waren es lediglich 46%. In 63% aller dieser Orte fanden 1993 regelmäßige Führungen statt, 1983 nur 40%.

4.3 Die Aufgaben einer Stadtführung

Die Ansichten, was eine Stadtführung leisten bzw. erreichen soll, sind unterschiedlich. Das Deutsche Seminar für Fremdenverkehr Berlin beispielsweise lehnt sich sehr an die Beschreibung der Aufgaben einer Reiseleitung an: Die Gästeführung soll den Fremdenverkehrsort oder einzelne Aspekte dessen präsentieren, ihn von seiner positiven Seite zeigen und ein liebevolles, vollständiges und klares Bild vermitteln. Weiterhin dient sie der Information, der Unterhaltung und der Animation der Gäste (vgl. DSF, 1993, S. 10). Die Meinung, die von der Museumspädagogik vertreten wird sieht dabei anders aus: Die Führung soll nicht nur informieren und den Gast faszinieren, sondern auch seinen Intellekt und seine Bildung fördern. Weiterhin soll der Besucher zu einer aktiven Teilnahme ermuntert werden, die gegebenen Informationen innerlich verarbeiten und ins eigene Weltbild integrieren (vgl. von Freymann, 1988, S. 119). Diese Aufgabenbeschreibung bezieht sich zwar hauptsächlich auf den Bereich Museum, sieht man aber die Stadt als ein großes Freilichtmuseum an, so kann man eine Gästeführung mit einer Museumsführung in etwa gleichsetzen.

Vergleicht man die beiden oben beschriebenen Ansichten, so stellt sich die Frage, welche Aufgaben nun tatsächlich zu bewerkstelligen sind. Schließlich setzen beide Meinungen unterschiedliche Schwerpunkte. Das DSF sieht den Gast als Kunden, dessen Bedürfnisse es zu befriedigen gilt und der dazu bewegt werden soll, öfter wieder zu kommen und Empfehlungen an andere Personen zu geben. Hier steht der marktwirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. In der Museumspädagogik wird der Besucher mehr als Bildungsanstalt- Besucher betrachtet, dessen geistiger Horizont auf erzieherische Art erweitert werden soll. Obwohl sich beide Vorstellungen stark von einander unterscheiden hat jede für sich ihre Berechtigung, da sie verschiedenen Disziplinen entspringen.

Sieht man die marktwirtschaftliche und die pädagogische Auffassung der Aufgaben einer Gästeführung als antithetische Positionen an, so scheint eine Interaktion aus beiden eine sinnvolle Aufgabenbeschreibung zu ergeben. Je nach Gruppe hat die Stadtführung nämlich andere Aufgaben und Ziele. Würde man nämlich bei jeder Touristengruppe starr nach einer dieser Meinungen vorgehen, so käme man lediglich einem Teil der Besucher entgegen, da die Gruppen oft sehr heterogen sind. Die Aufgaben einer Führung müssen sich also individuell je nach Gruppe definiert werden. Führt der Gästeführer z.B. eine Gruppe von Kunsthistorikern durch die Stadt, so sollte die Information im Mittelpunkt stehen. Die Gruppenmitglieder sind hierbei meist selbst motiviert. Animation und Unterhaltung sind dabei unangebracht und lassen den Führer eher inkompetent erscheinen. Ein Kegelverein hingegen, der nach einer durchzechten Nacht an einer Stadtführung teilnimmt, weil sie im Urlaubsprogramm vorgesehen ist, wird wahrscheinlich weniger engagiert sein. Hier ist es besser, viele Anekdoten und Witze in die Führung einzubauen, da zum einen wenig Interesse an den gezeigten Objekten besteht und zum anderen die Aufnahmebereitschaft geschmälert ist. An diesen Beispielen wird deutlich, daß die beiden oben genannten Aufgabenbeschreibungen für sich zu restriktiv sind. Je nach Art und Verfassung der Gruppe muß das Ziel einer Gästeführung neu festgelegt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, daß es sehr schwer ist, die Aufgaben einer Stadtführung genau zu beschreiben. Meiner Meinung nach sollte sie das Ziel verfolgen, den Fremdenverkehrsort zu präsentieren und sein Image zu steigern. Eine Stadtführung war besonders erfolgreich, wenn die Anwesenden einen persönlichen Gewinn daraus ziehen konnten, zur Eigeninitiative ermutigt wurden und sich u.U. mit entsprechender Literatur selbst informieren. In der Praxis sind dem aber oft Grenzen gesetzt, da die Bewerkstelligung dieser Aufgaben mit viel Aufwand an kognitiver und psychischer Kraft verbunden sind. Wenn mehrere Führungen an einem Tag durchgeführt werden, kann der Führer dem aufgrund der psychischen Ökonomie oft nicht gerecht werden.

5 Der Aufbau einer Stadtführung am Beispiel Trier

Nachfolgend soll die Ausbildung eines Stadtführers und das Programm einer Stadtführung am Beispiel Trier vorgestellt werden.

5.1 Die Stadtführerausbildung in Trier

Um bei der Touristeninformation Trier (TIT) den Beruf eines Stadtführers ausüben zu können muß man sich einer speziellen Ausbildung, die von der Volkshochschule (VHS) Trier angeboten wird, unterziehen. Dabei werden jede Woche zwei Stunden verschiedene Informationen und Fertigkeiten vermittelt. Im Zentrum der Ausbildung steht das Wissen um die Stadtgeschichte und die Bauwerke. Weiterhin sind auch Rhetorik und Stilkunde im Programm enthalten.

5.2 Die Standard-Stadtführung bzw. -Rundfahrt in Trier

Hat eine Gruppe bei einer Stadtführung keine speziellen Wünsche, so wird mit ihr eine Standard-Stadtführung von zwei Stunden durchgeführt. Die einzelnen Stationen sind so ausgewählt, daß sie relativ dicht beieinander liegen und so bequem, ohne viel gehen zu müssen, erreicht werden können. Jedes Bauwerk wird, je nach seiner Bedeutung, unterschiedlich lang vorgestellt.

Normalerweise beginnt die Stadtführung bei der Porta Nigra (vgl. Abbildung), einem alten römischen Stadttor aus dem zweiten Jahrhundert. Das Bauwerk gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Ihm widmet man sich in der Regel relativ lange, nämlich ca. 20 bis 30 Minuten (einschließlich der Stadtgeschichte). Danach geht man zum Drei-Königen-Haus, einem Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert. Von dort aus gelangt man zum mittelalterlichen Hauptmarkt, der im Jahre 958 gegründet wurde. Durch die Sternstraße erreicht man die Doppelkirchenanlage (Dom und Liebfrauenkirche) auf dem Domfreihof. Hat der Stadtführer eine zusätzliche Domführerausbildung absolviert, so kann er den Dom mit den Gästen auch von innen besichtigen. Weiter durch die Liebfrauenstraße gelangt man zu der so genannten „Basilika“, der ehemaligen Palastaula des Kaisers Konstantin aus dem Jahre 305/6 und zeigt das Gebäude von innen. Im nebenan liegenden Palastgarten wird nun das Kurfürstliche Palais Walderdorff erläutert. Durch den Palastgarten endet man schließlich bei den Kaiserthermen, einer Warmbadeanlage aus der zweiten Dekade des vierten Jahrhunderts. Je nachdem, wieviel Zeit noch verbleibt besichtigt man das Denkmal von außen oder von innen.

Die Stadtrundfahrt ist so ähnlich aufgebaut wie die Stadtführung, setzt aber den Schwerpunkt noch mehr auf das römische Trier. Wie bei der Stadtführung beginnt sie mit der Stadtgeschichte und der Porta Nigra. Nun steigt man in einen Bus ein und fährt durch die Nordallee zum Moselufer. Am Moselufer zeigt man schließlich z.B. das Martinskloster, das St. Irminenkloster und die mittelalterlichen Schiffskräne. Bei der Römerbrücke, deren Pfeiler z.T. noch aus dem Jahre 144 stammen, biegt der Bus in die Südallee ein. An den Barbarathermen und den Kaiserthermen vorbei kommt man jetzt zum Fuße des Petrisberges. Hier liegt auch das Amphitheater, das um 100 errichtet wurde. Dieses wird von innen besichtigt. Danach fährt man zur „Basilika“, wo die Gäste aussteigen. Von hier aus verläuft das gleiche Programm wie bei der Stadtführung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Stadtplan Trier: Innenstadt

6 Die Durchführung einer Stadtführung am Beispiel Trier

In diesem Abschnitt sollen psychologische und pädagogische Aspekte beleuchtet werden, die bei der Durchführung einer Gästeführung wichtig sind und beachtet werden sollten.

6.1 Die Vorbereitung auf eine Stadtführung

Um eine gelungene Stadtführung leiten zu können ist es wichtig, diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst sollte man sich darüber informieren, aus welchen Leuten die Gruppe zusammengesetzt ist. D.h. je nach Alter, Herkunft, Religion, Bildungsstand, Beruf, Interessen und temporärem Zustand muß man anders mit ihr umgehen. So haben Kinder oft wenig Zugang zu geschichtlichen Zusammenhängen, die in der Stadtführung vermittelt werden. Sie haben entweder andere Interessen oder erst wenig im Schulunterricht darüber erfahren. Es ist auch vorteilhaft, sich vorab Informationen über den Herkunftsort der Gruppe einzuholen. Auf diese Weise ist es möglich, Parallelen zwischen diesem und dem Fremdenverkehrsort (in diesem Beispiel Trier) herzustellen. Somit können die Besucher einen Bezug zu Trier erlangen und die Stadt wirkt vertrauter. Auch auf die Religionszugehörigkeit der Gäste ist zu achten. Der Stadtführer sollte bei seinen Ausführungen relativ wertneutral sein, um nicht die religiösen Gefühle der Touristen zu verletzen. Besonders in Trier könnte dem Gästeführer ein solcher Fehltritt passieren, zumal sich hier der Heilige Rock, das Gewand Christi, befindet. Bei katholischen Gruppen ist es dabei ratsam, egal wie man zu der Verehrung dieser Reliquie persönlich steht, sich nicht allzu kritisch zu äußern. Ferner muß die Führung dem Bildungsstand der Gäste angepaßt sein. Bei einer Gruppe von Studenten kann man wissenschaftlicher in seinen Ausführungen vorgehen und mehr Fremdwörter einbauen als bei Hauptschülern. Weiterhin sind der Beruf und die Interessen der Touristen zu beachten. Je nachdem kann man andere Schwerpunkte in der Führung legen. Bauingenieure z.B. sind oft an der Mauertechnik, die die Römer verwendeten, interessiert. Da sich in Trier viele verschiedene Bauweisen erhalten haben, kann man die einzelnen Techniken am Beispiel demonstrieren und auf sie detailliert eingehen. Für Ingenieure sind diese Aspekte Triers oft besonders gewinnbringend und faszinierend. Eine andere Berufsgruppe wäre wahrscheinlich von diesen Erläuterungen gelangweilt. Anhand dieser Beispiele wird deutlich, daß jede Führung individuell ausgerichtet werden muß.

Bei einer Gästeführung ist es notwendig auf sein Äußeres zu achten. So sollte man, wenn möglich, relativ gepflegt zur Führung erscheinen bzw. „normale“ Kleidung (vgl. von Freymann, 1988, S. 115) tragen. Führt man nämlich im Extremfall als Punker eine Gästeführung durch, schockiert man womöglich ältere Leute bzw. lenkt Kinder von den eigentlichen Inhalten ab. Des weiteren wirkt ein solches Erscheinungsbild beim Zuhörer inkompetent oder er distanziert sich innerlich vom Stadtführer. Durch diese äußerlichen Gegebenheiten kann man die Ziele einer Führung verfehlen, nämlich ein liebevolles Bild der Stadt zu vermitteln und die Besucher zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. Ein angemessenes Äußeres hilft, diese Störungen zu vermeiden.

Eine ausgiebige Vorbereitung, so wie sie oben beschrieben ist, kann nur vorgenommen werden, wenn man sich als Gästeführer vorher die entsprechenden Informationen besorgen kann und genügend Zeit für die Planung verbleibt. Meist geben aber die Reiseveranstalter, die eine Stadtführung buchen keine genauen Angaben über die Konsistenz der Gruppe. Man erhält also oft erst kurz vor der Führung die entsprechenden Auskünfte. Somit ist es wichtig, daß der Gästeführer flexibel ist und sich auch kurzfristig auf die Gruppe einstellen kann.

6.2 Organisation der Führung

Damit eine Stadtführung reibungslos ablaufen kann, muß der Gästeführer über ein gewisses Repertoire an organisatorischen Fertigkeiten verfügen.

Zunächst ist die Stadtführung ein Seh-Erlebnis. Die Gäste müssen also so plaziert werden, daß jeder etwas sehen kann. Ist z.B. eine Baustelle oder ein Straßenfest im Wege, so muß man schnell handeln können und die Gäste zu einem anderen Ort bringen, von dem aus die sonstige Qualität der Sicht nicht oder nur wenig eingeschränkt ist. Bei schlechtem Wetter sollte man geschützte Lokalitäten wie z.B. den Kreuzgang des Trierer Domes oder die Liebfrauenkirche aufsuchen und dort längere Zeit verbringen. Der Gästeführer sollte also immer wissen, wohin er ausweichen kann, wenn unvorhergesehene Situationen eintreten. Weiterhin ist die Stadtführung ein Hör-Erlebnis: Der Stadtführer sollte darauf achten, verständlich, in einer angemessenen Lautstärke und in einem angemessenen Tempo zu sprechen. Dabei muß man sich der jeweils gegebenen Situation anpassen. So ist es z.B. erforderlich, bei starkem Verkehrsaufkommen bzw. bei einer Baustelle lauter zu sprechen und gegen den Lärm anzukämpfen. Besonders bei alten Leuten ist dies wichtig, da diese meist schlecht hören, dies aber nicht rückmelden. Ferner sollte man versuchen, die Führung in einem guten Sprachduktus durchzuführen. Leiert der Führer die Informationen einfach herunter, so wirkt die Führung langweilig und eintönig, auch wenn sie sonst interessant gestaltet ist.

Schließlich ist die Gästeführung auch ein Geh-Erlebnis: Müssen die Gäste zu lange gehen oder stehen, so schmerzen ihnen die Beine und sie können sich nicht mehr auf das Gesagte konzentrieren. In Trier dauert die Führung beispielsweise zwei Stunden und mehr. Sind es die Gäste, besonders die älteren von ihnen, nicht gewöhnt, so lange am Stück unterwegs zu sein, ist es für den Stadtführer schwierig, die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund sollte man gegen Halbzeit auf Sitzgelegenheiten achten. In Trier kann man hier z.B. die Liebfrauenkirche oder die „Basilika“ von innen besichtigen und die Touristen auf den Sitzbänken rasten lassen. Bei jungen Leuten ist dieser Aspekt nicht von großer Bedeutung, da sich diese gegebenenfalls auf den Boden, zumindest bei schönem Wetter, setzen können. Von erwachsenen Personen kann man dies jedoch nicht erwarten. Für sie sollten Sitzgelegenheiten bereitgehalten werden (vgl. von Freymann, 1988, S. 115f).

6.3 Begrüßung

Obwohl die Begrüßung eigentlich den geringsten Zeitanteil der Führung ausmacht, ist sie besonders wichtig. Durch sie bekommen die Gäste den ersten Eindruck (Primacy-Effekt) vom Stadtführer, der für den Verlauf der gemeinsamen Unternehmung entscheidend ist. Der erste Eindruck ist bekanntlich der bleibendste und färbt den emotionalen Bezug der Besucher zur gesamten Führung. Eine ansprechende und sympathisch wirkende Begüßung ist somit eine gute Voraussetzung für eine erfolgreich verlaufende Gästeführung. Um dies zu erreichen sollte man folgende Aspekte beachten:

Zunächst tritt man als Gästeführer „ruhig und gelassen langsam“ (Lucas, 1999, S. 47) vor die Touristen. Auch wenn man aufgeregt ist sollte man sich diesen Gesichtspunkt stets vor Augen halten und sich nicht hetzen lassen. Meist merken die Zuhörer nicht einmal, daß man nervös ist. So wurde z.B. unter meinem Anwesenheit in einem Psychologieseminar an der Universität Trier ein Referat gehalten und anschließend von den Zuhörern bewertet. Dabei bat der Dozent die Seminarteilnehmer auf einer Skala von eins bis zehn einzuschätzen, wie aufgeregt der Referent gewesen sei. Die Werte lagen dabei zwischen zwei und vier. Anschließend sollte der Referent sein Urteil über sich selbst abgeben und kam dabei auf den Wert neun. Dieses Beispiel demonstriert, daß selbst bei Leuten, die sich untereinander kennen wie hier die Seminarteilnehmer, die Nervosität stark unterschätzt wird. Bei den Gästen, die bei der Stadtführung teilnehmen, ist diese Diskrepanz wahrscheinlich noch höher, da diese dem Führer zuvor meist noch nie begegnet sind. Es besteht also kein Anlaß hektisch zu werden. Zusätzlich sollte man sich auch bewußt machen, daß die Besucher im Urlaub sind. Sie wollen sich von der Arbeit erholen, bei der sie des öfteren Streß ausgesetzt sind. Somit ist zu erwarten, daß sie nicht auch noch während des Stadtrundganges gestreßt werden wollen. Steht man nun vor der Gruppe, sollte man erst einen kurzen Moment warten und nicht sofort mit dem Reden beginnen. Die Touristen möchten zunächst den Stadtführer anschauen und sich mit ihm vertraut machen. Redet man nämlich sofort auf sie ein, ist ihnen das Anschauen nicht möglich, da nun die gesamte Aufmerksamkeit auf die Worte gerichtet ist. Weiterhin sollte man vor dem Sprechen Blickkontakt mit der Gruppe aufnehmen bzw. suchen „eventuell warten bis es ganz ruhig ist und dann erst beginnen“ (Lucas, 1999, S. 48).

Nun ist es an der Zeit, die Leute zu begrüßen. Dies sollte man auf persönliche Art und Weise tun. Sie befinden sich schließlich nicht in einer offizielle Ansprache sondern in einer Urlaubssituation und sind aufgrund dessen in einer entspannten Verfassung. Eine Ansprache wie „sehr geehrte Damen und Herren...“ wäre zu steif und würde dem temporären Zustand der Besucher nicht entsprechen. Angebracht ist hierbei eine Anrede wie beispielsweise: „Guten Tag, meine Damen und Herren, herzlich willkommen in der Stadt Trier. Mein Name ist XY, ich bin XY (z.B. Student für das Fach XY) und möchte Sie durch diese schöne Stadt führen.“ In diesem Fall werden die Urlauber persönlich begrüßt und gleichzeitig eine angemessene höfliche Umgangsform eingehalten. Somit wird die anfängliche Distanz zwischen Führer und Gast geschmälert. Dies fördert die Sympathie und die Aufnahmebereitschaft (vgl. Hahn, 1993, S. 507). Tritt der Gästeführer nämlich autoritär auf und stellt sich aufgrund seiner Expertise bzgl. der Stadt über die Besucher, so kann kein Vertrauen zwischen beiden Parteien entstehen. Die Gäste schweifen mit ihren Gedanken öfter ab und befinden den Führer für unsympathisch.

Des weiteren nennt man gleich bei der Begrüßung seinen Namen und seinen Beruf. Wenn man seinen Beruf nicht angeben will, weil man z.B. nicht zu ihm steht oder sonst keiner geregelten Tätigkeit nachgeht, kann man dies auch unterlassen. Normalerweise sind die Touristen aber neugierig und fragen nach. Aus diesem Grunde sollte man, um zu vermeiden, daß jeder persönlich fragt, diese Angaben vorab geben. Ferner ist darauf zu achten, keine Possessivpronomen zu verwenden, wenn man von der Stadt spricht. So sollte der Gästeführer nicht von „unserer Stadt Trier“ reden sondern von „der Stadt Trier“. Indem er hier neutral bleibt, fördert er die Gleichberechtigung von Stadtführer und Urlaubern. Ansonsten könnte sich der Besucher innerlich distanzieren, da bei der Phrase „unsere Stadt Trier“ nur der Gästeführer und die Trierer gemeint sind. Dies ist eine kleine Feinheit, die man sich im Hinterkopf behalten sollte.

Weiterhin ist es ratsam, die Touristen aufzufordern, Fragen zu stellen und zwar ohne daß sie den Finger heben müssen. Dies verringert wiederum die Distanz zwischen beiden Parteien und fördert den Gesprächsmodus und eine lockere Atmosphäre. Läßt man nämlich nur Fragen zu, die durch die erhobene Hand angekündigt werden, wirkt die Stadtführung wie eine Veranstaltung einer Lehranstalt. Der Rahmen der Führung wird dadurch steif und der Wille der Besucher, etwas von der Stadt zu erfahren und einen Bezug zu ihr zu bekommen, schwindet.

Oft ist es auch vorteilhaft, wenn man eine Interaktive Stadtführung ankündigt. Dies soll heißen, daß der Gästeführer den Gruppenmitgliedern Fragen stellt. Somit werden sie dazu veranlaßt, aktiv zuzuhören, selbst mit zu denken und ihren eigenen Beitrag zu leisten. Ferner wird vermieden, daß sich die Leute berieseln lassen und womöglich gar nicht mehr zuhören. Dabei ist es wichtig, besonders bei Erwachsenen, zu erklären, warum Fragen gestellt werden und nachzufragen, ob sie eine Interaktion überhaupt wünschen. Unterläßt man die Erklärung, könnten sich die Personen bevormundet vorkommen.

Die Begrüßung hat die Aufgabe, den Gästen das Gefühl zu vermitteln, daß sie in der Stadt willkommen sind. Weiterhin soll sie eine lockere und entspannte Stadtführung ankündigen, die nicht einem Vortrag sondern eher einem Gespräch ähnelt. Eine gute Begrüßung legt den Grundstein für eine erfolgreiche Führung.

6.4 Inhaltsebene

Bei einer Stadtführung ist es eine große Kunst, ein gutes Verhältnis zwischen Stoffmenge und Zeit zu erreichen. Beide Variablen müssen sich die Waage halten, damit die Gäste nicht über- oder unterfordert werden. Die Aufnahmefähigkeit des Menschen ist nur begrenzt und selbst ein Vortrag von nur zwanzig Minuten kann, wenn er mit Informationen überfüllt ist, ermüdend sein. Bei einem Rundgang von zwei Stunden, wie es z.B. in Trier der Fall ist, muß man also sparsam mit den kognitiven Ressourcen der Gäste umgehen. Andererseits dürfen auch nicht zu wenige Informationen gegeben werden, sonst wirkt die Führung bald langweilig. Gleiches gilt auch für die Objekte, die man zeigt. In Trier beispielsweise ist man als Stadtführer oft versucht, auf sehr viele Bauwerke bzw. Aspekte dieser einzugehen, da jeder für sich sehr interessant sein kann. Allein beim Dom könnte man könnte man so viele wichtige Gesichtspunkte aufgreifen, daß man den ganzen Tag damit verbringen kann und man wäre immer noch nicht fertig. Aus diesem Grund muß man eine Auswahl treffen und sich genau überlegen, was man zeigt. Im allgemeinen sollte man von der Tendenz her eher weniger zeigen und auf diese Objekte näher eingehen. Stellt man nämlich zu viele Aspekte vor, entsteht beim Zuhörer schnell das Gefühl, alles aber doch nichts zu wissen. Schließlich kann man nur oberflächlich über die einzelnen Sehenswürdigkeiten berichten, da man ja noch auf die vielen anderen eingehen muß. Somit wird der Besucher von Reizen überflutet und es entstehen keine bleibenden Eindrücke. Am besten ist es, wenn man zuerst allgemein über das Bauwerk Auskunft gibt und dann bei wenigen Details in die Tiefe geht. Zudem ist es zu vermeiden, zu viele Daten zu nennen, da diese nach kurzer Zeit wieder vergessen werden. Hier empfiehlt es sich, seine Ausführungen möglichst im Erzählstil zu formulieren. Am Beispiel Trierer Dom könnte dies wie folgt aussehen: Zuerst erzählt man ein paar wichtige allgemeine Gesichtspunkte über den Domfreihof und den Dom selbst, um zuerst einen groben Überblick zu verschaffen. Nun geht man mit der Gruppe zur Nordseite des Domes und erklärt kurz die Baugeschichte, da sie sich hier von der römischen Zeit bis zur Barockzeit gut ablesen läßt. Jetzt könnte man z.B. auf das römische Mauerwerk detailliert eingehen, von dem noch relativ viel erhalten ist. Dieser Teil des Domes ist für die Präsentation besonders geeignet, da römische Bauten in Deutschland nur noch schlecht oder gar nicht erhalten sind und so auf breites Interesse stoßen. Dies hebt das Engagement der Besucher. Sie sind eher gewillt, aktiv zuzuhören und Fragen zu stellen. Die Bauwerke müssen aber nicht unbedingt auf den ersten Blick für die Tourist interessant wirken. Oft ist es vorteilhaft, hauptsächlich Dinge zu behandeln, die einem selbst als Stadtführer besonders am Herzen liegen. So geht man mit „Leib und Seele“ auf die Architektur ein und kann auf diese Weise die Gäste u.U. in den Sog seines Enthusiasmus ziehen. Kirchen beispielsweise, die die Besucher zuvor nicht begeisterten können somit plötzlich interessant werden. Auch hier wird die Bereitschaft verstärkt, Fragen zu stellen, selbst über das Bauwerk nachzudenken und mit dem Gästeführer zu interagieren. Anhand dieses Beispiels sieht man, wie man bei wenigen aber dafür ausgewählten Objekten eine gewinnbringendere Führung gestalten kann als mit vielen und nur oberflächlich behandelten.

Weiterhin ist es wichtig, Bezüge herzustellen und so die Stadtführung anschaulicher zu gestalten. Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Oft erweist es sich am interessantesten und gewinnbringendsten für die Gäste, wenn man einen Gegenwartsbezug herstellt. Man vergleicht beispielsweise frühere politische Auffassungen bzw. frühere Bauweisen mit den heutigen oder stellt die Unterschiede heraus. In Trier bietet sich hier z.B. das Thema Römer und Römerbauten an. So könnte man das antike Trier, das zeitweise Kaiserresidenz war, mit dem heutigen Washington D.C. vergleichen. Schließlich sind beide Hauptstädte von mächtigen Staaten, die die Kultur von großen Teilen der Welt maßgeblich beeinflußten bzw. beeinflussen. Bei den Römern sieht man dies z.B. an den noch erhaltenen Bauwerken auf der Welt und der vielen Nationalsprachen, die lateinischen Ursprungs sind. Bei den Amerikanern ist es beispielsweise die Jeansmode, die Fastfood-Kultur und die englische Sprache, die in vielen Ländern Einzug gehalten hat. Stellt man einen solchen Vergleich an, erscheint die längst vergangene Kultur der Römer vertrauter und der Besucher sieht sich mehr in der Lage, sich die damalige Zeit vorzustellen.

Bezüge lassen sich aber auch durch das aufwerfen von Fragen vermitteln. Man könnte z.B. die Frage in den Raum stellen, welchen Sinn und Zweck denn die Bauwerke gehabt haben oder wo die Schwierigkeiten bei der Produktion lagen. Das Gebäude erhält damit den Charakter einer Denksportaufgabe oder eines Rätsels, das man entschlüsseln möchte. In Trier eignet sich hierbei z.B. die „Basilika“. Der ehemalige Thronsaal des Kaisers weist an der Apsis kleinere Fenster auf als an den Seiten. Auf den ersten Blick gibt es dafür keine Erklärung. Wird jetzt die Frage nach dem Grund dieser Bauweise aufgeworfen, wird die Sache spannend. Der Zuhörer befaßt sich nun selbst mit dem Bauwerk und kann somit einen innerlichen Bezug zu ihm herstellen. Die präsentierten Objekte erhalten eine neue Dimension und werden nun in einem anderen Licht gesehen.

Bei seinen Ausführungen sollte der Gästeführer stets darauf achten nur politisch korrekte Äußerungen zu verwenden und keine Reizwörter zu gebrauchen. Hält man sich nicht daran, besteht die Gefahr, von den Zuhörern in eine Schublade gesteckt zu werden und ihre Aufmerksamkeit zu verlieren. So sollte man z.B. nicht den Trierer Dom als „Ausdruck der mittelalterlichen Diktatur des Kapitalismus“ bezeichnen, auch wenn vielleicht diese Aussage einen wahren Kern birgt. Die Phrase „Diktatur des Kapitalismus“ ist in der heutigen Zeit beinahe inflationär und läßt bei den Touristen den Eindruck entstehen, daß der Gästeführer der politischen Linke angehört. Bei Leuten, die anderer Gesinnung sind, entsteht somit Distanz zum Stadtführer. Der Verlauf des Rundganges wäre auf diese Weise unnötig gestört. Der Führer kann dem aus dem Wege gehen, indem er neutral bleibt und Reizwörter vermeidet.

Bei der Stadtführung sollte man verständlich reden und keine Dimensionen ansprechen, der die Gruppe nicht folgen kann. Selbst eine sehr gute Gästeführung verfehlt ihren Sinn, wenn die Zuhörer nicht die Ausführungen des Redners verstehen. Kinder haben beispielsweise kein Gefühl für Zeitdimensionen. Begriffe wie „Jahrhundert“ oder Jahrtausend“ sind für sie nicht greifbar. Deswegen muß man andere Ausdrücke verwenden, die sie kennen. Spricht man z.B. von der Antike, kann sich der Stadtführer auf die Römer vom Comic „Asterix“ beziehen und jedem wird klar, was gemeint ist. Zusätzlich wird der Stadtrundgang aufgelockert und die Stadt vertrauter.

Ferner sollten auch alle Fachbegriffe und Fremdwörter erklärt werden. Werden keine Definitionen gegeben, kann nur ein gewisser Teil der Zuhörerschaft folgen und der andere Teil wird ausgegrenzt. So ist beispielsweise vielen Leute der Begriff „Maßwerk“ bei gotischen Kirchen nicht geläufig. Hier sollte man eine kurze Erläuterung abgeben, z.B. das dies ein geometrisch konstruiertes Bauornament in den Fenstern ist (vgl. Köpf, 1999,S. 312). Es ist aber darauf zu achten, daß man den gleichen Begriff nicht öfter erklärt sondern nur einmal, im Zweifelsfall auch zweimal. Ansonsten meinen die Besucher, man hält sie für unintelligent und bzw. stellt sich über sie. Dies stört den Gesprächsmodus der Führung und schwächt die Aufmerksamkeit.

Schließlich sollte der Führer keine moralischen Bemerkungen abgeben (vgl. Zittlau, 1993, S. 42). Solche Äußerungen lösen entweder Schuldgefühle oder Reaktanz aus. Bei Schulklassen z.B., die oft unkonzentriert sind, ist es ratsam, ihnen nicht ihr Desinteresse vorzuwerfen. Die einen bekommen so ein schlechtes Gewissen und die anderen hören aus Trotz gar nicht mehr zu. Deswegen ist es hier wichtig, stets interessante Geschichten parat zu haben um wieder die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich zu ziehen.

6.5 Die gegenseitige Regulation bei einer Stadtführung

Bei einer Stadtführung regulieren sich Gruppe und Stadtführer gegenseitig. So ist es dem Führer nicht möglich, ohne die Aufmerksamkeit der Zuhörer einen befriedigenden Rundgang durchzuführen. Andererseits kann auch nur bei einem engagiertem Führer die Gruppe einen Gewinn aus der Stadtführung ziehen. Im Zentrum sollte aber das alterozentrierte Reden des Stadtführers stehen. So müssen stets die Gäste den Mittelpunkt des Rundgangs bilden, da ja die Besucher die Stadt kennenlernen wollen und einen positiven Eindruck von ihr bekommen sollen und nicht der Gästeführer. Aus diesem Grund spricht man Themen an, die die Touristen besonders interessieren. Die Interessen kann man z.T. durch eine Heuristik erschließen. So sind z.B. für eine katholische Gruppe Kirchenbauten und deren theologische Grundlagen von großem Interesse. Ist man sich nicht sicher, was bei den Gästen auf Gefallen stößt, so kann man auch einfach nachfragen oder aufgrund der negativen Reaktionen seitens der Gruppe das Thema wechseln. Wenn man bemerkt, daß die Besucher abschalten und nicht mehr zuhören, wäre dies angebracht, da man sonst nur noch mit sich alleine redet. Vielleicht kann man auch zur Auflockerung eine Geschichte, eine Legende oder einen Witz erzählen. Der Stadtführer muß aber auch selbstzentriert reden. So darf er nicht den „roten Faden“ verlieren und sich aus dem Konzept bringen lassen. Es gibt z.B. so genannte Besserwisser, die in die Schranken gewiesen werden müssen. Des weiteren muß man gegebenenfalls bei Fragen, die nicht ins Konzept passen oder den Führer aus diesem bringen, zurückstellen. Eine solche Regulation stört das Gespräch nicht und sorgt nur für dessen reibungslosen Ablauf.

6.6 Die Interaktion bei der Stadtführung

Wie oben schon mehrfach erwähnt wurde ist bei der Gästeführung auf eine entspannte, gleichberechtigte Interaktion zu achten. Man sollte also eine symmetrische Beziehung herstellen, die frei von Belehrungen und Ratschlägen ist - es sei denn, man weist noch auf diverse Bauwerke und Museen in der Stadt hin, die die Besucher noch besichtigen können. Ein aktives Zuhören des Führers ist zuweilen besser als Reden, da sich dabei der Gast ernst genommen fühlt (vgl. Zittlau, 1993, S. 40). Es ist z.B. oft ein Fehler, wenn man eine Frage einfach abblockt oder nicht richtig auf sie eingeht. Dabei wird nämlich dem Besucher das Gefühl vermittelt, der Gästeführer nehme seine Bedürfnisse nicht wahr. So verlieren viele Zuhörer die Lust an einer aktiven Teilnahme am Rundgang. Um diesem entgegenzutreten, sollte man die Fragen ausführlich behandeln. Aber auch andere Faktoren fördern eine hemmungslose Interaktion zwischen Gruppe und Stadtführer.

Die Technik des Reformulierens ist oft ein gutes Mittel, um den Gesprächsmodus mit den Besuchern herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten. Indem der Gästeführer die Fragen in seinen Worten wiederholt zeigt er den Touristen, daß er sie ernst nimmt, daß er die Fragen verstanden hat und auch verstehen will. Ferner wird gewährleistet, daß alle Teilnehmer die Fragen mitbekommen. Auf diese Weise kann es zu keinen Mißverständnissen zwischen den Beteiligten kommen. Wie man sieht ist das Reformulieren eine gute Gesprächstechnik, die man anwenden kann. Am wichtigsten ist es aber, daß der Führer den Gästen zuhören kann: So sollte den Besucher geduldig aussprechen lassen und nicht darauf bedacht sein, vorschnell das Wort zu ergreifen. Weiterhin ist immer das Nachrichtenquadrat von Schulz von Thun (vgl. Schulz von Thun, 1999, S. 27) zu beachten, wonach jede Nachricht auch auf der Beziehungsebene verstanden werden kann. Man muß also stets bei der Reformulierung oder der Beantwortung einer Frage aufpassen, daß man den richtigen Tonfall wählt. Auf diese Weise vermeidet man, daß sich der Fragende z.B. nicht ernst genommen fühlt. Ferner sollte man nicht den Fehler begehen, auf subjektiv uninteressante Leute nicht einzugehen. Sie müssen genauso behandelt werden, wie der Rest der Gruppe auch. Bevorzugt man nämlich gewisse Leute zu stark, entsteht in der Gruppe oft ein Ungleichgewicht, welches die Führung stören könnte. Es gibt aber noch andere Methoden, die die Interaktion zwischen Gästeführer und Gästen fördern und somit die Aufmerksamkeit letzterer erhöhen.

Auch das Stellen von Fragen an die Gruppe kann man positive Effekte auf den Verlauf des Rundganges erzielen. Man gibt dem Zuhörer das Gefühl, kompetent zu sein und mitreden zu können. Ihm wird vermittelt, daß auch seine Meinung gefragt ist und die Interpretation der Bauwerke nicht nur eine Angelegenheit von Experten ist (vgl. Behr, 1989, S. 129). So werden die Gäste dazu angehalten, selbst nachzudenken und motiviert, mit dem Führer in Kontakt zu treten. Manchmal erweist es sich auch als vorteilhaft, Alternativfragen zu stellen. Die Gruppe hat somit die Wahl zwischen diesen Fragen und die Gruppenmitglieder können sich diejenige aussuchen, die ihnen am meisten liegen. Diese Methode zu fragen ist speziell bei schwereren Aufgabenstellungen - deren richtige Beantwortung großen Stolz erzeugt - hilfreich, da somit die Wahrscheinlichkeit der richtigen Beantwortung steigt und den Besuchern ein Erfolgserlebnis vermittelt wird. Dadurch, daß der Gast von alleine auf die richtige Lösung gekommen ist, werden bei ihm positive Gefühle hervorgerufen, die verstärkend wirken. Aber auch der Gästeführer kann bekräftigen und den Touristen dadurch engagieren. Oft sind es nur kleine Verstärker vom Stadtführer, die die Zuhörer motivieren und in ihnen eine Art Forschergeist aktivieren. Diese Verstärker können in verbaler Form, durch ein z.B. Lob, oder in nonverbaler Form geäußert werden. Bei letzterem kann man z.B. mit dem Kopf nicken. Auch in paraverbaler Form, nämlich durch ein bejahendes „mmmh...“ ist es möglich, Personen zu verstärken (vgl. Zittlau, 1993, S. 41)

Abschließend kann man sagen, daß durch die Einhaltung von wenigen Regeln eine Führung sehr interessant und gewinnbringend gestaltet werden kann. Stadtführer und Zuhörerschaft können sich dabei gegenseitig bekräftigen. So ist es für den Gästeführer z.B. befriedigend, wenn sich die Gruppe beteiligt und er von ihr ein positives Feedback bekommt. Andererseits ist es auch für die Gäste vorteilhaft, wenn sie dem Führer einen spannenden und interessanten Rundgang unternommen haben und er es verstand, ihnen Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Durch eine fruchtbare Interaktion und ein fruchtbares Frage-Antwort-Spiel wird die Gästeführung für beide Seiten ein Gewinn und es wird damit genau das erreicht, was eine Stadtführung leisten soll. Einen motivierten Stadtführer und zufriedene Gäste.

6.7 Der Schlußeiner Führung

Obwohl, ähnlich wie die Begrüßung, der Schluß einer Stadtführung nur einen geringen Teil der verwendeten Zeit ausmacht, hat er doch eine große Bedeutung. Schließlich wirkt hier der Recency-Effekt. Dieser besagt, „daß die letzten Elemente beim Erlernen von Lernmaterial in der Reproduktion bevorzugt werden“ (Häcker, 1998, S. 723) und somit auch am besten erinnert werden. Deswegen ist es hier besonders wichtig, sich den Abschluß einer Stadtführung genau zu überlegen. Am Schluß überreicht nämlich der Führer dem Zuhörer das Produkt seiner Gedankenarbeit. So empfiehlt es sich der Gruppe eine kurze Zusammenfassung über die Inhalte des Stadtrundgangs zu geben und die eigenen Intensionen und den Gewinn, den die Gäste daraus gezogen haben, zu betonen. Auf diese Weise können sich die Leute das Mitgeteilte noch einmal vor Augen führen, wobei ihnen bewußt gemacht wird, was sie erfahren bzw. gelernt haben. In Trier könnte man z.B. am Schluß der Führung nochmals auf die christliche und römische Prägung und auf die Bedeutung für die kulturelle Entwicklung im Abendland hinweisen. Weiterhin könnte man eine eventuelle Diskussion, die man während des Rundganges geführt hat, ins Bewußtsein rufen und deren Resultate betonen. Damit bekommen die Gäste das Gefühl, daß sie auch als Zuhörer und Diskussionsteilnehmer etwas geleistet und nicht nur eine passive Rolle eingenommen haben. Sie sind also gefordert worden, können sich nun „nach getaner Arbeit“ eine Pause gönnen und in einem Restaurant oder Café guten Gewissens eine Speise zu sich nehmen.

Sollte der Stadtführer - aus welchen Gründen auch immer - keinen guten Schluß für seine Gästeführung parat haben, genügt zur Not auch ein „Danke“ oder ein „Danke fürs Zuhören“ (Lucas, 1999, S. 99). Ein solcher Schluß hat den Nachteil, daß er sehr abrupt vollzogen wird und man nicht den oben beschriebenen Recency-Effekt nützen kann. Er hat lediglich neutralen Charakter, stellt aber auch nicht die Führung in ein negatives Licht. Anders sieht es bei Schlüssen aus wie „das ist alles, was ich dazu sagen kann“ oder „so, das wäre im Grund alles, was mir dazu einfällt“ (Lucas, 1999, S. 98). Mit solche Phrasen wird die gesamte Stadtführung entwertet. Es wird den Gästen impliziert, daß der Stadtführer gar nicht so viel von seinem Handwerk versteht, wie es zuvor den Anschein gemacht hat. Im Extremfall denken sich die Leute sogar was das denn nur für eine schlechte Vermittlungsstelle sei, bei der sie einen solch unqualifizierten Führer gebucht haben. Wie man sieht, ist es notwendig, es zu verstehen, wie man eine Stadtführung am günstigsten abschließt, um ihr im Gesamten noch eine besondere Note zu verleihen. Oft ist dies auch schwierig, da der Gästeführer durch das viele Reden am Ende schon erschöpft ist und froh ist, wenn die Führung vorbei ist. Wenn er sich aber vor Augen hält, welch positive Effekte man am Ende noch herbeiführen kann, weiß er, daß sich der relativ geringe Aufwand am Schluß noch wirklich lohnt.

7 Fazit

Die vorliegende Arbeit hat sich im Kern damit befaßt, wie man eine Stadtführung plant und durchführt, so daß sie für beide Seiten, den Gästeführer und die Gruppe, befriedigend verläuft. Der Stadtführer fungiert dabei wie eine Art Repräsentant für die Stadt. Seine Hauptaufgabe besteht im Wesentlichen darin, ein positives Gesamtbild der Stadt zu vermitteln, in der sich der Besucher auch wohl fühlen kann. Dabei sollte er die Gäste nicht nur informieren und mit Daten berieseln sondern auch das Gespräch mit ihnen suchen. Auf diese Weise werden die Touristen aktiv an dem Stadtrundgang beteiligt und sind aufmerksamer bei der Sache. Eine Führung war besonders erfolgreich, wenn der Stadtführer es geschafft hat, die Gäste nicht nur zu informieren und zu faszinieren sondern auch zu engagieren, eigene Unternehmungen, wie z.B. Museumsbesuche oder die Besichtigung weiterer Bauwerke, zu tätigen und sich im Idealfall mit entsprechender Literatur zu befassen. Oft erweist sich aber die Einhaltung derartiger Ansprüche als schwierig. Schließlich ist es meist sehr anstrengend für den Gästeführer, seinen Rundgang so zu gestalten, der den oben beschriebenen Richtlinien genügt. Bei mehreren Führungen am Tag ist die oft nicht zu leisten. Mit den kognitiven und psychischen Ressourcen muß ökonomisch umgegangen werden. Somit ist es wichtig, daß jeder Stadtführer individuell seine eigenen Schwerpunkte setzt und je nach seiner temporären Verfassung die Ziele seiner Stadtführung neu definiert.

8 Literaturverzeichnis

1. Michael Behr, Tassilo Knauf: Kulturelle Bildung und Kulturpädagogisches Handeln in interdisziplinärer Sicht, Göppingen, 1989
2. Deutsches Seminar für Fremdenverkehr (DSF): Praktischer Leitfaden für Gästeführungen in deutschen Fremdenverkehrsorten, Berlin, 1993
3. Europäisches Tourismus Institut GmbH an der Universität Trier: Gästebefragung Rheinland-Pfalz 1996, Trier, 1997
4. Thelma von Freymann: Die Führung als museumspädagogische Aufgabe, In: Gottfried Leder, Dieter Lüttge, Karl Gerhard Pöppel, Rudolf Wichard: Hildesheimer Beiträge zu den Erziehungs und Sozialwissenschaften Studien - Texte - Entwürfe, Hildesheim, 1988
5. Hartmut Häcker, Kurt H. Stapf: Dorsch Psychologisches Wörterbuch, Bern, 1998
6. Heinz Hahn, H. Jürgen Kagelmann: Tourismuspsychologie und Tourismussoziologie, Donauwörth, 1993
7. Hans Köpf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart, 1999
8. Manfred Lucas: Überzeugend reden, München, 1999
9. Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden, Hamburg, 1999
10. Dieter J. Zittlau: Kommunikation und Rhetorik, Düsseldorf, 1993

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Stadtführungen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar "Freizeit- und Tourismuspsychologie"
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V97165
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtführungen, Seminar, Freizeit-, Tourismuspsychologie
Arbeit zitieren
Andreas Kastenmüller (Autor), 2000, Stadtführungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97165

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