Anarchismus in den USA und Deutschland. Eine vergleichende Untersuchung zur Entwicklung von anarchistischer Theorie und Praxis


Seminararbeit, 1999
44 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition des Anarchismus
A. Theorie und Spe ktrum des Anarchismus
B. Was nicht unter Anarchismus verstanden wird
1. Ziviler Ungehorsam
2. Kommunitarismus
3. Stadtguerilla

III. Gegenwart des Anarchismus in der BRD und den USA
A. Anarchokapitalismus
B. Gewaltfreier Anarchismus
C. Anarchosyndikalismus
D. Ökoanarchismus/Kommunalismus
E. Anarchafeminismus
F. Neuere theoretische Ansätze
1. Poststrukturalistischer Anarchismus in den USA
2. Postindustrieller Anarchismus in der BRD
G. Zusammenfassung

IV. Ursachen der unterschiedlichen Entwicklungen des Anarchismus in der BRD und den USA
A. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus
B. Zu den Entwicklungsbedingungen des Marxismus in beiden Ländern
1. Mobilität und frontier
2. Fragmentierung
3. Politisches System
C. Die Konsequenzen für die Entwicklung des Anarchismus in beiden Ländern bis 1920
1. Individualistischer Anarchismus
2. Linker Anarchismus in Deutschland
3 und die Rückwirkung auf den linken Anarchismus in den USA
D. Flaute des linken Anarchismus 1920 bis 1968
E. Die Entwicklung des linken Anarchismus nach 1968

V. Zusammenfassung

VI. Literaturverzeichnis

VII. Anhang

I. Einleitung

Direkte Demokratie wird in der derzeitigen demokratietheoretischen Diskussion als verstärkte Partizipation am oder im bürgerlichen Staat verstanden.1 In der vorliegenden Arbeit wird über diesen engen Partizipationsbegriff hinausgegangen: Es werden mit dem Vergleich des Anarchismus in den USA und in Deutschland die umfassendsten Theorien und Bewegungen zur Freiheit von Herrschaft und somit zur Partizipation und Emanzipation in diesen Ländern analysiert.

Der Vergleich des Anarchismus gerade in diesen beiden Ländern bietet sich zum einen aufgrund der Tatsache an, daß Deutschland und die USA zu den theoriegeschichtlichen wie praktischen Hauptschauplätzen des Anarchismus gehörten, neben Frankreich, Rußland, Spanien und Italien. Zum anderen waren vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts sozialistische und anarchistische Einflüsse aus Deutschland in den USA bedeutsam, so daß für die Entwicklung des Anarchismus in diesen beiden Industrienationen eine interessante Vergleichsbasis besteht. Leitfrage der Analyse ist hierbei, wie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des kontemporären Anarchismus in den beiden Ländern erklärt werden können, die in Kapitel III der Arbeit erforscht werden. Heuristisches Instrument zur Klärung der Leitfrage ist dabei die Hypothese, daß der Einfluß und die Entwicklung des Marxismus in den Ländern entscheidend die Entwicklung des Anarchismus geprägt hat. Zum einen wird dies angenommen, weil der Marxismus einer der wichtigsten theoretischen Gegenspieler im Hinblick auf die Formulierung und Durchsetzung einer gesellschaftlichen Alternative ist. Zum anderen wird davon ausgegangen, daß die Untersuchung der Gründe für die jeweilige Rezeption des Marxismus in beiden Ländern, Rückschlüsse auf die Entwicklungsbedingungen des Anarchismus erlaubt.2

Dabei versucht die Methodik und Gliederung der Arbeit, die beiden Momente des Anarchismus zu fassen, einerseits soziale Bewegung, andererseits zum Teil reine politische Philosophie zu sein, die nur bedingt bisher eine Bewegungsbasis bzw. praktische Ausflüsse zeitigte. Es werden historisch deskriptiv die Ideenbewegungen und deren Praxis mit ihrem gesellschaftsstrukturellen Hintergrund dargestellt. Ein sozialpsycholgischer Ansatz, der im Rahmen der Fragestellung sicherlich aufschlußreich wäre3, kann hier nicht weiterverfolgt werden, vor allem weil für die Frühphase des Anarchismus hierzu entsprechende Quellen kaum vorhanden sind.

Es wird im folgenden zuerst der Begriff Anarchismus definiert, wie er in dieser Arbeit verstanden wird.4 Daran schließt sich eine Darstellung der gegenwärtig in beiden Ländern virulenten anarchistischen Theorien und Bewegungen an. Anschließend wird versucht, Ursachen für die Differenzen und Gemeinsamkeiten des Anarchismus auf Basis der Arbeitshypothese in beiden Ländern komparativ herzuleiten. Hierzu werden erst die grundlegenden Differenzen zwischen Marxismus und Anarchismus dargelegt, im zweiten Schritt werden die Gründe für die unterschiedliche Entwicklung des Marxismus in beiden Ländern beschrieben, aus denen dann die Konsequenzen für den Anarchismus in einem historischen Überblick abgeleitet werden. Dabei wird insbesondere auf die Entfaltung des Anarchismus bis zum Beginn der zwanziger Jahre eingegangen, da bis dahin zum einen die groben Entwicklungslinien des Anarchismus in beiden Ländern bis heute vorgezeichnet werden, zum anderen, weil danach in beiden Ländern erst mit dem studentischen Aufbruch in den sechziger Jahren der Anarchismus wieder politisch relevant wird. Die Gründe hierfür und die Impulse aus den neuen sozialen Bewegungen für den Anarchismus bis heute werden in den letzten beiden Abschnitten der Arbeit skizziert.

Dabei kann nicht auf die vielfältigen Ausflüsse anarchistischer Theorie auf Feldern wie der Pädagogik,5 Technik6 und Kunst sowie auf die vielfältigen kultursubversiven Strategien7 eingegangen werden.8 Ebenso können theoretische Konflikte keinesfalls gebührend dargestellt oder gar entschieden werden, auch hierzu muß auf die Literatur verwiesen werden. Insgesamt kann an dieser Stelle somit nur ein systematischer kursorischer Vergleich geboten werden, an denen weitere Forschungen zur Vertiefung ansetzten müssen.

Dabei wird die Arbeit nicht aus einem inhaltsindifferenten Verständnis von Politologie als l'art pour l'art geschrieben. Ebenso ist eher das Gegenteil apologetischer Vergleiche intendiert, welche die bestehenden Verhältnisse als die beste aller möglichen und Ende der Geschichte feiern. Vielmehr ergibt sich die Perspektive und Themenwahl aus dem Zustand der Welt, der gekennzeichnet ist von wachsender sozialer Ungleichheit und Umweltzerstörung9. Wissenschaft wird nicht als objektiv und wertneutral verstanden.10 Mag letzteres in Hinblick auf den Begründungszusammenhang wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Teil noch zutreffen,11 so wird dies in bezug auf den Entstehungs- und vor allem dem Wirkungs- und Verwendungszusammenhang von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Ideologie. ,,Das Denken muß also parteilich sein und ist es immer gewesen."12 Somit wird Politologie als Wissenschaft verstanden, die dazu beiträgt, ,,alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist."13 Die Arbeit versteht sich also durch die Vergleichsperspektive als Beitrag zum Verständnis emanzipatorischer Theorie und Praxis, durch den linke Politik zumindest ein wenig reflektierter gestaltet werden kann.

II. Definition des Anarchismus

A. Theorie und Spektrum des Anarchismus

Das Wort Anarchie stammt aus dem Griechischen und bedeutet ohne Herrschaft, Führerlosigkeit.14 In dieser Arbeit werden unter Anarchismus ein breites Spektrum von Theorien und Bewegungen im 19. und 20 Jahrhundert gefaßt, denen die folgenden Momente gemeinsam sind:

1. Das Ziel des Anarchismus ist die Freiwillige Assoziation aller Menschen: Freiwillige

Assoziation aller Menschen, also ohne Herrschaft. ,,H e r r s c h a f t soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden."15

Um dieses Ziel zu erreichen, sind zwei wesentliche Bedingungen notwendig: Zum einen ist negativ die vollständige Abschaffung des Staates und seinen Institutionen als auf Gewalt gegründeter16 Herrschaftsapparat notwendig - entweder mittels Gewalt oder Nichtbeachtung. Zum anderen beinhaltet die positive Bedingung den ansatzweisen Aufbau der neuen Gesellschaft in der alten durch Organisation und Kampfmittel, welche die angestrebte freie Assoziation möglichst schon vorwegnehmen.

Unter diesen Prämissen lassen sich die meisten Schattierungen des Anarchismus im abgebildeten Koordinatensystem verorten sei es z.B. gewaltfreier Anarchokapitalisten oder gemäßigte Anarchosyndikalisten.Hierbei kann sowohl der Anarchismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen als reine Theorie wie soziale Bewegung gefaßt werden, die als ,,mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenden sozialen Wandel herbeizuführen [...]"17.

Die Differenzen zwischen den Anarchismen machen sich jeweils an den Ausprägungen 1. des Freiheitsverständnisses, 2. der Mittelwahl und dem 3. Theorie-Praxis-Verhältnis fest.

Erstere Ausprägung reicht vom einseitig mit Marktfreiheit gleichgesetzten Freiheitsverständnis der individualistischen Anarchokapitalisten bis hin zum kommunistischen Anarchismus, der als Voraussetzung von Freiheit insbesondere die Schaffung sozialer Gleichheit unter Abschaffung des Privateigentums betont. In dieser Dimension kommt das politische Links-Rechts-Schema zum Tragen, auch wenn sich viele Anarchisten außerhalb von diesen stehend sehen. Als eher links werden hier Anarchismen verstanden, welche die Gleichheit unter den Menschen betonen und Unterschiede zwischen ihnen auf soziale Gründe zurückführen, wohingegen rechte18 die Ungleichheit und deren Naturgegebenheit betonen.19

Die Wahl der Mittel reicht vom Einsatz von Gewalt auch gegen vermeintliche Repräsentanten des Staates bis hin zur grundsätzlichen Ablehnung von Gewalt. Hierbei werden wiederum unterschiedliche Gewaltbegriffe verwendet: Von der anarchokapitalistischen Fraktion wird zum Teil der Eingriff in Eigentumsrechte z.B. durch die Steuererhebung des Staates darunter gefaßt, andere Fraktionen berufen sich auf strukturelle Gewalt in der Gesellschaft, um die eigene Praxis zu rechtfertigen.20

Das Verhältnis von Theorie und Praxis bewegt sich von rein intellektuellen Fingerübungen bis hin zu spontaneistischen Aktionen, deren theoretische Unterfütterung gar nicht erst versucht wird.21

Die bisherige Definition des Anarchismus wäre jedoch noch untauglich, ließen sich mit ihm nicht die beiden Richtungen Ökoanarchismus und Anarchafeminismus einfangen. Diese beiden Richtungen könnten einmal in das Modell integriert werden, indem es um diese beiden Dimension erweitert wird, was allerdings das räumliche Vorstellungsvermögen sprengen würde. Zum anderen würde so die entscheidende Modifizierung dieser Konzeptionen zu den bisher skizzierten verloren gehen: Ökoanarchismus und Anarchafeminismus gehen gegenüber anderen Anarchismen von einem erweiterten Herrschaftsbegriff aus, der Herrschaft von Männern über Frauen, Menschen über die Natur mit einschließt. Diese Richtungen sind also integriert, sofern dieser erweiterte Herrschaftsbegriff den oben genannten Grundsätzen des Anarchismus zugrundegelegt wird. Anarchismen, die dies nicht erfassen, müssen somit als weniger anarchistisch eingestuft werden.

B. Was nicht unter Anarchismus verstanden wird

Zur Präzisierung des hier verwendeten Anarchismusbegriffs werden nun beispielhaft Theorieund Praxisansätze aus beiden Ländern genannt, die explizit nicht als anarchistisch zu bezeichnen sind, jedoch durchaus Affinitäten zu diesem aufweisen:

1. Ziviler Ungehorsam

Ziviler Ungehorsam allein als partielle Gesetzesübertretung, um ein fundamentales Recht durchzusetzen und Leben zu schützen, bejaht gerade den Rechtsstaat, indem versucht wird, in diesem auf Änderungen seiner Politik zu drängen. Zurückgehend auf Henry David Thoreaus Aufsatz On the duty of civil disobdience 22 kann ziviler Ungehorsam gerade in den USA auf eine lange Tradition verweisen.23 Jedoch stellt er auch eine von gewaltfreien anarchistischen Bewegungen gewählte und weiterentwickelte Aktionsform dar, die zusammen mit der direkten Aktion die strategischen Prinzipien anarchistischer Zielsetzungen bilden.

2. Kommunitarismus

Kommunitarismus betont zwar die Stärkung regionaler und lokaler Communities sowie die Partizipation in diesen Gemeinwesen, wodurch sich durchaus Berührungspunkte mit dem anarchistischen Kommunalismus ergeben (s.u.). Der Staat wird jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sondern nur die liberale Staatstheorie kritisiert.24 Im Gegenteil: Patriotismus wird von einigen Autoren durchaus als positiver Wert bestimmt, um die bürgerliche Gesellschaft zusammenzuhalten.25

3. Stadtguerilla

Auch wenn in der bürgerlichen Presse Stadtguerillagruppen wie die RAF oder die Weathermen26 in den USA als anarchistisch bezeichnet wurden, so ist dies aus zwei Gründen falsch:

Erstens sahen sie sich selber nicht als Anarchisten sondern eher als Kommunisten auch wenn sie ,,den persönlichen Heroismus vieler Anarchisten für ganz und gar nicht verächtlich" halten.27 Zweitens erwies sich die kadermäßige, hierarchische Organisation in der Praxis als wenig anarchistisch.

Hier zeigt sich aber auch das grundsätzliche Problem, daß sich eine Abgrenzung von Anarchismus und anderen theoretischen Strömungen wie praktische Bewegungen teilweise nur schwer vornehmen läßt. Deshalb bleiben im folgenden auch z. B. ,,die militant- spontaneistischen und individualisitsch-anarchistischen Momente"28 der Autonomen unberücksichtigt.

III. Gegenwart des Anarchismus in der BRD und den USA

Im folgenden wird nun der gegenwärtige Stand der wichtigsten anarchistischen Bewegungen in beiden Ländern vergleichend resümiert.

Dabei werden die theoretischen Zielrichtungen skizziert sowie die heute relevanten Akteure und deren Praxis dargestellt. Eine quantitative Bewertung kann dabei aufgrund des hierzu verfügbaren Materials und aufgrund der Schwierigkeiten der Operationalisierung von Mitgliedschaft zu anarchistischen Bewegungen nur grob vorgenommen werden.

A. Anarchokapitalismus

Ziel des Anarchokapitalismus ist die Verwirklichung der uneingeschränkten Freiheit des Individuums auf Basis von naturrechtlich hergeleitetem Privateigentum und dessen freier Verfügung29 im Kapitalismus. Im Unterschied zu linkeren anarchistischen Strömungen, die den Staat als Quelle des Privateigentums abzuschaffen trachten, wollen sie diesen gerade abschaffen, weil der Staat als Feind des Privateigentums angesehen wird. Vertreter dieser Bewegung, die sich in den USA selbst als Libertarians titulieren, wurden prototypisch von Fernando Pessoa in ,,Ein anarchistischer Bankier" skizziert.30

Die Konzeption basiert auf der zentralen Annahme, daß der Markt als Institution und Wettbewerb als Organisations- und Entwicklungsmethode auf Basis des Privateigentums Politik als bewußter zielgerichteter Kooperation und Ausdruck von kollektivem Interesse überlegen sei.31 So wird auch vertreten, staatliche Aufgaben wie Polizei und Justiz zu privatisieren.32 Um einen freien Markt, deregulierten Wettbewerb und schrankenloses Privateigentum durchzusetzen, stellen sich folgende Aufgaben für solch libertäre Politikansätze:

Erstens werden Keynesianismus und sozialistische Gesellschaftskonzeptionen abgelehnt. Die Ergebnisse des Marktprozesses sind zu akzeptieren gleichgültig welchen materiellen Gehalt dieses Ergebnis hat, welcher Lebensstandard sich ergibt, wie viele Produktionsmöglichkeiten ungenutzt bleiben und welche Einkommensverteilung sich ergibt.33

Zweitens wird versucht, den Nachweis zu erbringen, daß soziale Gerechtigkeit nicht definiert werden kann: Dadurch sind staatliche Eingriffe in den Wirtschaftsprozeß - insbesondere Steuern - die an bestimmten (sozialpolitischen) Zielen ausgerichtet sind, nicht legitimiert und die (wirtschaftliche) Freiheit des Einzelnen in ungerechtfertigter Weise eingeschränkt.34 Der Begriff Gesellschaft wird schon abgelehnt, da er eine gewisse Verantwortlichkeit der Mitglieder in dieser für einander impliziert.35 Es kann demnach keine gesellschaftliche Ethik geben.36

Drittens werden politische Institutionen der Demokratie, die solche Ziele definieren sollten, in Frage gestellt.37 So verlangt Hayek die Unterwerfung des einzelnen unter die Ergebnisse der ,,spontanen Ordnung".38 Gelten gelassen wird allein die unumschränkte Unternehmens- und Eigentumsfreiheit.39

Die jüngeren theoretischen Wurzeln der in den USA vergleichsweise starken Libertarians sind zum einen auf ökonomischem Gebiet die ö sterreichische Schule mit ihren Vertretern Hayek und van Mises sowie der Chicago Boys um Milton Friedman. Ideologisch zählt noch Ayn Rand mit ihrem philosophischen Objektivismus sowie Robert Anson Heinleins Science- fiction-Literatur dazu.40 Hervorgegangen sind die Libertarians aus der Verbindung von libertären Mitgliedern der konservativen Young Americans for Freedom (YAF) und der Friedensbewegung Ende der Sechziger. 1971 gründete der Vordenker Murray Rothbard die Libertarian Party. Deren aktuelle Aktivitäten reichen von der Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000, über eine Kampagne gegen Zensur im Internet bis hin zu Themen wie innere Sicherheit.41 Neben der Partei existiert ein große Vielfalt von studentischen Gruppen, Instituten und Stiftungen42 sowie mit der Movement of the Libertarian Left (MLL) auch libertäre Kritiker der Libertarian Party, die dieser den Verrat von libertären Prinzipien vorwerfen.43

Ideologisch bestehen zwischen den US-amerikanischen und deutschen Libertarians keine Unterschiede, was sich durch den Einfluß der US-amerikanischen Bewegung auf die deutschen Libertären erklären läßt. Von Bewegung kann bei den bundesweit verstreuten Anhängern kaum die Rede sein. Die Aktivitäten erschöpfen sich v.a. in der Herausgabe der Zeitschrift eigentümlich frei 44 und der Kommunikation über die Homepage der Markt 45 mit ihren Diskussionsforen.

Die Mitglieder rekrutieren sich v.a. aus der FDP sowie der Gemeinde von Hayek-Schülern aus dessen Freiburger Lehrtätigkeit. Seit Anfang der neunziger Jahre kann jedoch von einem Aufwärtstrend der Libertären in der BRD gesprochen werden, wie die ,,17. Libertarian World Convention" der International Society for Individual Liberty (ISIL) im August 1998 in Berlin zeigte, die von der 1996 gegründeten Liberalen Akademie Berlin organisiert wurde.

In Deutschland fundierte allerdings Silvio Gesell in den zwanziger Jahren mit seiner Freiwirtschaftslehre einen unabhängigen Zweig des Anarcholiberalismus, der auf physiokratischer Grundlage mittels Freigeld den Kapitalismus als Zinswirtschaft abschaffen und so den Staat seiner Funktionen entkleiden wollte.46 Heute erfreuen sich die Ideen Gesells, dem ,,Marx des Anarchismus"47 in den allerorten gegründeten Tauschringen steigender Beliebtheit, in denen Waren und Dienstleistungen mittels eigener Buchwährungen jenseits des bestehenden Kapitalismus getauscht werden, wenn auch selten noch mit anarchistischen Zielsetzungen48, weshalb dieser Ansatz im weiteren Verlauf nicht berücksichtigt wird.49

B. Gewaltfreier Anarchismus

Zum Bündnis zwischen Libertarians und Antivietnamkriegsbewegung kam es Anfang der siebziger Jahre in den USA aufgrund der Ablehnung der Libertarians von Krieg als Steuerverschwendung und der Herausbildung des bürokratisch organisierten militärisch- industriellen Komplexes, nicht jedoch aufgrund von deren pazifistischer Grundhaltung.

Demgegenüber hat sich in Deutschland im Rahmen der Friedensbewegung50 ein bis heute sehr lebendiger gewaltfreier Anarchismus als eigenständige anarchistische Bewegung herausgebildet, die sich selbst als Graswurzelrevolution bezeichnet und sich mit der gleichnamigen Zeitung 1972 erstmals öffentlich präsentierte.51 Gewaltfreiheit wird dabei nicht nur als Technik zur Durchsetzung politischer Ziele betrachtet, sondern als anarchistische Philosophie, aus welcher Engagement gegen Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat und Umweltzerstörung und für gewaltfreie Konfliktlösungen abgeleitet werden. Daraus wiederum ergibt sich ein vielfältiger Aktionskatalog, der von Boykotten über zivilen Ungehorsam bis hin zu Sabotageaktionen reicht.52

Schwerpunkte der Aktivitäten sind gegenwärtig der Antiatomwiderstand, Flüchtlingshilfe, Gentechnik und pazifistische Projekte, welche die Hilfe für Totalverweigerer und das Engagement gegen Aufrüstung und Remilitarisierung umfaßt.53 Seit 1982 ist die Föderation gewaltfreier Aktionsgruppen (FÖGA), ein Zusammenschluß von Graswurzelgruppen in Deutschland, die deutsche Sektion der Warresisters International. Deren US-amerikanische Mitgliedsorganisation, die War Resisters League, hat im Gegensätz zur FÖGA kein anarchistisches Selbstverständnis und ist stärker single-issue-orientiert.54

C. Anarchosyndikalismus

Der Anarchosyndikalismus ist historisch gekennzeichnet durch die Verbindung von sozialrevolutionären Gewerkschaftsbewegungen und anarchistischem Kommunismus, wie er von Kropotkin und Bakunin formuliert wurde.55 In den USA wie in der BRD muß jedoch konstatiert werden, daß der Anarchosyndikalismus so gut wie nicht mehr in der Arbeiter- und Angestelltenschaft verankert ist. In den USA wird der Anarchosyndikalismus von den International Workers of the World (IWW)56 und der Workers Solidarity Alliance (WSA)57 vertreten, wobei sich die Aktivitäten auf Solidaritätsbekundungen mit anderen linken Widerstands- und Solidartätsbewegungen und lokale Protestaktionen gegen ausbeuterische Unternehmenspraktiken beschränken.58 Die WSA ist international über die International Workers Association mit der Freien ArbeiterInnenunion (FAU) in der BRD vernetzt, deren Aktivitäten sich neben der Herausgabe der Zeitung direkte aktion auf Kampagnen in der Lebensmittelbranche konzentieren, hierbei insbesondere auf unsoziale Unternehmenspraktiken in der ökologischen Lebensmittelbranche.59 Hauptakteure des Anarchismus sind seit den sechziger Jahren Akademiker. Dieser Etnwicklung versucht man in der FAU aktuell mit dem 1998 gegründeten Bildungssyndikat gerecht zu werden.60 In den USA rechnet sich mit dem MIT-Professor Noam Chomsky einer der exponiertesten Anarchisten der USA zum anarchosyndikalistischen Lager. Kritisch gegenüber Kapitalismus und Staatssozialismus meint Chomsky:

,,Der konsequente Anarchist sollte also ein Sozialist sein, allerdings ein besonderer Sozialist. Er widersetzt sich nicht nur der entfremdeten und spezialisierten Arbeit und zielt nicht nur ab auf die Aneignung des Kapitals durch die Gesamtheit der Arbeiter, sondern er besteht beharrlich darauf, daß diese Aneignung direkt vollzogen wird, nicht durch eine Elite, die im Namen des Proletariats handelt."61

Chomsky geht von einer Menschennatur aus, deren Charakteristikum die Sehnsucht nach Selbstbestimmung ist.62 Chomskys publizistisches Engagement umfaßt insbesondere die Medienkritik sowie die Kritik der US-amerikanischen Außenpolitik63 und reicht in viele aktuelle soziale Bewegungen der USA hinein, seien es die Proteste zum 500. Jahr der Eroberung Amerikas 1992 oder gegen die Auswirkungen des North American Free Trade Area (NAFTA)64. Sein realpolitisches Engagement in den letzten Jahren bei den Democratic Socialists of America (DSR) sowie sein Plädoyer für den Erhalt bestimmter sozialstaatlicher Errungenschaften wurden jedoch in anarchistischen Kreisen stark kritisiert, insbesondere von dem zweiten Exponenten des kontemporären Anarchismus in den USA, dem Ökoanarchisten Murray Bookchin.65 Beide prägen die anarchistische Theoriediskussion auch in der BRD.

D. Ökoanarchismus/Kommunalismus

Der von Murray Bookchin theoretisch begründete Kommunalismus66 stellt zur Zeit die lebendigste Strömung im linken anarchistischen Spektrum der USA dar. Bookchin wendet sich energisch gegen ,,personalistic `lifestyle anarchism'"67 und die amerikanischen Libertarians, denen er vorwirft, allein die Autonomie des Individuums zu betonen. Dieses Autonomiekonzept berücksichtige allein die Abschaffung von persönlichen Beschränkungen für das Individuum, läßt aber die Dimension der Freiheit in einer Gesellschaft außer acht, von der das Individuum nicht getrennt werden kann. Diese muß positiv ausgestaltet werden und erschöpft sich nicht nur in naturrechtlich hergeleiteten Abwehrrechten. Somit versucht Bookchin, Elemente herauszuarbeiten, die eine libertäre/vernünftige Gesellschaft konstituieren.68 Der Kommunalismus ergibt sich einmal aus einem Demokratiebegriff, der die direkte Verwaltung der Gesellschaft in lokalen direktdemokratischen Versammlungen betont. Als historisches Leitbild gilt die griechische polis und die direktdemokratische Tradition der Stadtversammlungen in den USA .69 Zum anderen läßt sich der emanzipatorische Gehalt dieser dezentral organisierten Gesellschaftsformation nur in Verbindung mit einer antikapitalistischen und ökologischen Perspektive verwirklichen.70 Hierzu forscht er in dem von ihm gegründeten Institute for Social Ecology in Burlington, Vermont . Somit konnte Bookchins Munizipalismus zum theoretischen Fundament von unterschiedlichsten sozialen Widerstandsbewegungen bis hin den zu kommunalpolitischen Aktivitäten der Amerikanischen Grünen werden.71

In der BRD existiert gegenwärtig keine vergleichbar einflußreiche kommunalistische Bewegung, auch wenn mit einem Rundbrief und der Mitorganisation des internationalen Kommunalismuskongresses in Vermont 1999 die kommunalistische Bewegung hierzulande vorangebracht werden soll.72 Theoretisch Bookchin nahestehend ist in der BRD die Partei Ökologische Linke,73 die von dem ehemals ökosozialistischen Flügel der GRÜNEN um Jutta Ditfurth 1991 gegründet wurde. Die Ökologische Linke wurde jedoch nicht wie erhofft zum Sammelbecken für enttäuschte linke GRÜNE, statt dessen erschöpfen sich deren eigenständige Aktivitäten bis heute v.a. auf die Herausgabe der Zeitschrift Ökolinx.

E. Anarchafeminismus

Anarchafeminismus umfaßt theoretisch zum einen die Kritik an patriachaler Struktur und Praxis anarchistischer Gruppen. Gleichzeitig grenzen sich Anarchafeministinnen von sozialistischen Feministinnen ab, denen vorgeworfen wird, nicht alle Herrschaftsverhältnisse abschaffen zu wollen. Der Anarchafeminsimus wurde vor allem in den USA ab Mitte der siebziger Jahre von Theoretikerinnen wie Carlo Ehrlich, Pech Korkender, Nancy Evechild, Margot Rideau, Beverly Adams und Mary Hastings entwickelt.74 Carol Ehrlich betont die Gemeinsamkeit von Anarchismus und Feminismus, nämlich daß das Private auch politisch ist. In der Bundesrepublik wurden anarchafeministische Ansätze bisher allerdings kaum berücksichtigt. Hier dominieren, abgesehen von dem weiten Feld des liberalen und institutionalisierten Feminismus Kritische Theorie und marxistische Ansätze in der Frauenforschung.75. Lebendig ist gegenwärtig in den USA insbesondere Janet Biehls Konzept eines sozialen Ökofeminismus. Ausgehend von der Kritik am Ökofeminismus, der den patriachalen Rollenzuweisungen verhaftet bleibt, setzt sie sich für die wechselseitige Durchdringung von patriarchal geprägtem Privaten und Politischen im Rahmen des von Bookchin propagierten Munizipalismus ein. Dieser Anarchafeminsimus beinhaltet, daß die Emanzipation der Frau auch die Befreiung der Gesellschaft von Herrschaftsverhältnissen mit einschließt muß. Somit wird die linksradikale Kritik an Kapitalismus und Nationalstaat in die Theorie integriert.76

F. Neuere theoretische Ansätze

Auf zwei Ebenen wurden in den letzten Jahren theoretische Ansätze in beiden Ländern hervorgebracht, die versuchen, zum einen den Anarchismus auf metatheoretischer Ebene an die neuere Philosophie anzudocken, zum anderen den Anarchismus unter Berücksichtigung veränderter sozioökonomischer Ausgangsbedingungen zu reformulieren.

1. Poststrukturalistischer Anarchismus in den USA

Ersteres unternimmt in den USA Todd May, indem er argumentiert, daß der Anarchismus das passende politisch-ethische Korrelat zum Poststrukturalismus von Lyotard und Foucault darstellt.77 Von deren Standpunkt aus versucht er, den traditionellen Anarchismus von theoretisch unhaltbaren Grundannahmen zu befreien: der Annahme, daß Macht grundsätzlich repressiv sei,78 darauf zürückgehend die Annahme einer bestimmten Menschennatur im traditionellen Anarchismus, durch die Macht und Herrschaft natürlich überwunden werden könne79 und der politstratetgischen Annahme, daß die direkten Praktiken von Subjekten zu analysieren seien.80 Dem wird der poststrukturalistische Praxis- und Machtbegirff entgegengesetzt, der Macht als soziale Praktik und somit allgegenwärtig auffaßt. Todd hebt dagegen die Elemente des Anarchismus von Fragmentierung, Verschiedenheit, Vielfalt von Gesellschaften statt Massengesellschaft und ,,the Engagement in micropolitics" hervor.81

In Deutschland führte Jürgen Mümken diesen Gedanken weiter, indem er in Rekurs auf Judith Butlers Dekonstruktivismus herausarbeitet, daß eine anarchistische Gesellschaft "nicht durch die Abwesenheit von Macht gekennzeichnet ist, sondern die Ordnung einer anarchistischen Gesellschaft darauf ausgelegt ist, daß sich aus umkehrbaren Machtverhätlnisse keine starren Herrschaftszustände entwickeln",82 was durch die Foucaultschen ,,Praktiken der Freiheit" sichergestellt werden soll.83

2. Postindustrieller Anarchismus in der BRD

In Deutschland sind die neueren anarchistischen Theorien darum bemüht, die gegenwärtige sozioökonomische Entwicklung verstärkt zu berücksichtigen. Diese ist bestimmt durch Massenarbeitslosigkeit und dieumindest theoretische Möglichkeit, angesichts der bestehenden Produktionsmittel die materiellen Bedürfnisse der Menschheit mit entscheidend weniger Arbeitsaufwand bereitzustellen.84 Daraus wird ein Konzept postindustrieller Anarchie abgeleitet, das wider dem kapitalistischen oder sozialistischen Fetisch Arbeit die radikale Reduzierung der Arbeit fordert, was sich mit konkreten Vorschlägen hierzu paart, als da wären Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich, Senkung des Geldbedarfs durch Vergesellschaftung von Grund - und Boden, konsequente Vermeidung von sinnlosen Arbeiten85 und die Einführung einer sozialen Grundsicherung.86 Insbesondere das ,,Manifest der glücklichen Arbeitslosen"87 hat dieser anarchistischen Theorielinie 1998 in der BRD Aufmerksamkeit verschafft, die sich von Paul Lafargues ,,Recht auf Faulheit"88 über grüne Parteiprogrammatik bis hin in die realpolitische Diskussion erstreckt.89

G. Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß der gegenwärtige Anarchismus in den USA quantitativ lebendiger ist als in der BRD, allerdings auch auf niedrigem Niveau. Zweitens liegt der Schwerpunkt des Anarchismus vor allem bei den Aktivitäten der Anarchokapitalisten und Libertarians. Ebenso treiben aber auch im linken anarchistischen Spektrum TheoretikerInnen wie Chomsky, Bookchin und Janet Bierl die internationale Theorie und Praxis voran. In der BRD gibt es dem hingegen keine vergleichbaren Exponenten des Anarchismus. Praktisch relevant sind hier vor allem die GraswurzlerInnen. Auf theoretischer Ebene kann jedoch festgestellt werden, daß mit den Ansätzen zur postindustriellen Anarchie in der BRD eine stärkere sozioökonomische Fundierung vorhanden ist als in den USA..90 Dort hingegen wurden mit dem Anarchafeminismus und den kommunalistischen Ansätzen Bookchins die Impulse der neuen sozialen Bewegungen theoretisch integriert und weiterentwickelt.

Beiden Ländern gemeinsam ist, daß der Anarchismus weder theoretisch noch praktisch in der Arbeiterschaft verankert ist.91 Letzteres dürfte sich mit der Weiterentwicklung poststrukturalistischer anarchistischer Theorien vor allem in den USA so schnell nicht ändern.

IV. Ursachen der unterschiedlichen Entwicklungen des Anarchismus in der BRD und den USA

Nach dem Überblick zum gegenwärtigen Stand des Anarchismus in beiden Ländern stellt der folgende Teil den Versuch dar, die Ursachen für die herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausfindig zu machen.

Dies geschieht im folgenden auf Basis der in der Einleitung formulierten Marxismusheuristik. Dabei wird von der Tatsache ausgegangen, daß Marxismus und Sozialismus in den USA nie eine bedeutende gesellschaftliche Rolle gespielt haben, in Deutschland hingegen der Marxismus92 die Arbeiterbewegung und die gesellschaftlichen Konflikte ab Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat.

A. Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus

Zur Klärung des grundsätzlichen Verhältnisses von Marxismus und Anarchismus werden nun kurz die wichtigsten theoretischen Differenzen herausgearbeitet. Die theoretische Auseinandersetzung von Marx und Engels mit dem Anarchismus begann mit der Kritik des Individualanarchismus von Max Stirner in der Deutschen Ideologie.93 Für die Entwicklung des Anarchismus und dessen Kontroverse mit dem Marxismus wurde allerdings die Kritik der mit der Arbeiterbewegung verbundenen Anarchisten Proudhon94 und Bakunin95 entscheidend. Dabei ging es vor allem um die folgenden Streitpunkte: Auch wenn linke Anarchisten und Kommunisten dasselbe Ziel verfolgten, nämlich eine herrschaftsfreie Gesellschaft, in der ,,die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist",96 so differierten die Vorstellungen, wie dieses Ziel zu erreichen sei: Insbesondere die Frage des Staates war hierbei zentral. Für Marx und Engels fällt der Staat als Ausschuß der jeweils herrschenden Klasse notwendig mit der Abschaffung der Klassen weg97, allerdings befürworten Marx und Engels nach den Scheitern der Pariser Kommune 1871 den vorübergehenden bestimmter Staatsfunktionen zur Absicherung einer proletarischen Revolution,98 wie dies im Kommunistischen Manifest von 1848 schon angedeutet ist.99 Hiergegen wurde von anarchistischer Seite eingewandt, daß so die alten Herrschaftsverhältnissse nur durch neue ersetzt werden.100

2. Marx und Engels befürworteten unter bestimmten Bedingungen die Beteiligung an Wahlen sowie an Parlamenten zur Durchsetzung kommunistischer Ziele, wohingegen Anarchisten dies grundsätzlich ablehnten.101

3. Die Organisationsform des revolutionären Kampfes sollte für die Anarchisten schon die Prinzipien der zukünftigen Gesellschaftsordnung vorwegnehmen, während sich diese für Marx und Engels nach der spezifischen Kampfsituation richten sollten.102 In der weiteren marxistischen Diskussion werden Anarchisten nicht einmal mehr als Teil der Arbeiterbewegung anerkannt, sondern als bürgerlich reaktionär gekennzeichnet, da sie z.B. durch ihre Bombenattentate der Reaktion Vorwände für das Vorgehen gegen die Sozialdemokraten lieferten.103

B. Zu den Entwicklungsbedingungen des Marxismus in beiden Ländern

Nachdem die grundsätzlichen Konfliktlinien zwischen Marxismus und Anarchismus verdeutlicht wurden, wird nun den sozioökonomischen Hintergrund geschildert, vor dem sich Marxismus und Anarchismus in den beiden Ländern entwickeln. Hierbei werden die wichtigsten Antworten auf die klassische Frage Werner Sombarts zusammengestellt: ,,Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus ?"104

1. Mobilität und frontier

Eine Antwort stellt die höhere soziale Mobilität der Industriearbeiterschaft dar im Vergleich zu dieser im Deutschland des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Gepaart mit der vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Ideologie,105 dem American Dream sowie der geographischen Mobilität der Arbeiterschaft gen Westen und zwischen den Industriezentren ergab sich kein so permanentes Proletariat wie in den Industriezentren Deutschlands. So bildet sich in der Arbeiterschaft die Vorstellung heraus, daß eher individuelle Mobilität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten statt kollektiver Kampf soziale Verbesserungen mit sich bringt.106 Vielmehr wurde nach dem Aufstieg aus der eigenen Klasse gestrebt als nach dem Aufstieg mit der Klasse als ganzer. Ebenso ergab sich aus der Weite des Landes und aufgrund des Fehlens feudaler Strukturen eine vergleichsweise breitere (Land-) Besitzverteilung. Stärker als in Deutschland teilten hier die Arbeitenden die philosophischen Werte der Besitzenden, die sich auf die schlichte Formel ,,Geld machen" reduzieren lassen.107 In den USA bestand somit schon viel eher als in Deutschland ein gemeinsamer "Wert- und Kommunikationshorizont", der die Gesellschaftsmitglieder, ob nun Bourgeois oder Prolet, subjektiv zusammenbindet und somit die klare Konfliktlinie zwischen Arm und Reich verwischt.108 Zwar waren die Konsequenzen des Kapitalismus in den USA für die Arbeiterschaft nicht humaner als in Deutschland, jedoch ergaben sich durch die frontier höhere Löhne in den Industriezentren, so daß von einer zumindest graduell materiellen Besserstellung ausgegangen werden muß als in Deutschland. Dies hatte zwar nicht notwendig die Korrumpierung der Arbeiterschaft gegen sozialistische Ideen zur Folge, begünstigte jedoch die frühe Herausbildung einer Allianz zwischen Kapital und Arbeit, die mit der 1882 gegründeten American Federation of Organized Trade and Labour Unions (AFL) Tradeunionismus hervorbrachte, der auf jegliche sozialrevolutionären Ambitionen verzichtete.109

2. Fragmentierung

Im Gegensatz zu Deutschland wurde in den USA der Kapitalismus hauptsächlich mit Arbeitsemigranten aus Europa aufgebaut, die größtenteils nur vorübergehend in den USA Geld verdienen wollten, um danach wieder nach Europa zurückzukehren, woraus die die Zersplitterung des Proletariats in unterschiedliche Nationalitäten resultierte.110 Wo in den Arbeitervierteln der deutschen Industriestädte zusammen mit einer lebendigen Arbeiterkultur das Klassenbewußtsein gestärkt wurde, differenzierten sich die Viertel in den USA nach Nationalitäten, wodurch eher die ethnische Identität gestärkt wurde.111 Hinzu kam in den USA noch die Fragmentierung zwischen weißen Arbeitern und schwarzen Arbeitern aus dem Süden, die nach dem Bürgerkrieg in die Industriezentren des Nordens zogen. Die Konflikte zwischen den Gruppen wurden vielfach von den Unternehmern geschickt ausgenutzt, indem höhere Posten ausschließlich an die Arbeiteraristokratie weißer Alteingesessener vergeben wurden, um Klassensolidarität erst gar nicht aufkommen zu lassen .112

3. Politisches System

Hinzu kommt die vergleichsweise hohe Integration der amerikanischen Arbeiterschaft in das politische System. Diese beruhte zum einen darauf, daß die dezentrale demokratische Organisation schon vor dem Entstehen der Industriearbeiterschaft existierte und somit von Anfang an auch Interessen der Arbeiterschaft zumindest auf lokaler Ebene berücksichtigt wurden. Es existierten in Amerika: keine überkommenen feudalen Autoritäten, gegen die der Kampf um politische Emanzipation notwendig war.113

Ebenso waren Führer der Arbeiterschaft frühzeitig mit Posten und Kandidaturen ins politische System eingebunden, wodurch sich eine hohe Akzeptanz des politischen Systems und der Ideologie der Volkssouveränität in der Arbeiterschaft ergab.114 Aus der Inwardness of Government folgte, daß die Ursache für Mißstände in der Gesellschaft im Mißbrauch von Herrschaft gesehen wurden und nicht das politische Systems als solches in Frage gestellt wurde.115 Hinzu kommt, daß sich das Zweiparteiensystem der USA nicht entlang von Klassengegensätzen entwickelte und die Arbeiterschaft versuchte innerhalb der beiden großen Parteien sich für die eigenen Interessen einzusetzen,116 was bis heute den Erfolg einer sozialistischen dritten Partei verhindert hat.

In Deutschland hingegen sah sich die Arbeiterschaft mit einem reaktionären Staat konfrontiert,117 in dem jegliche politische Rechte erst kollektiv erkämpft werden mußten, wodurch die Rezeption des sozialrevolutionären Marxismus begünstigt wurde.

C. Die Konsequenzen für die Entwicklung des Anarchismus in beiden Ländern bis 1920

Dieser Überblick über die historischen und sozioökonomischen Ursachen der unterschiedlichen Rezeption des Marxismus läßt schon den Schluß zu, daß zumindest für individualistische Anarchismuskonzeptionen in den USA günstigere Ausgangsbedingungen als in Deutschland herrschten, auch wenn in den USA die Akzeptanz des politischen System groß ist und als Hemmschuh für die Entwicklung des Anarchismus angesehen werden muß.118 Aus der konkreten historische Entwicklung des Anarchismus und des Marxismus läßt sich dieser dieser Befund im folgenden erhärten.

1. Individualistischer Anarchismus

Die Anfänge des Anarchismus in den USA liegen in den vielfältigen Siedlerkolonien und den sich daraus entwickelnden kommunitären Gemeinschaften119. Die Siedler waren vielfach Opfer religiöser und politischer Verfolgung in Europa. Ihr Drang nach Freiheit ohne staatliche Bevormundung machte sie zum einen praktisch zu ,,Trockenwohnern"120 des neuen Kontinents für den Kapitalismus, zum anderen war dieser Drang Anknüpfungspunkt für die Vordenker des individualistischen Anarchismus. Josiah Warren entwickelte aus seinem ,,principle of equivalents" ähnlich wie Poudhon mit seinem Mutualismus in Europa ein System ökonomischer Kooperation, mit dem die negativen Folgen des Profitsystems im Kapitalismus abgeschafft werden sollten121. Jegliche Herrschaft ablehnend, wandte Warren sich gegen die Sklaverei und übte mit seinen Anhängern maßgeblichen Einfluß auf die Abolitionists aus.122 Seine Vorstellungen versuchte er zusammen mit seinen Anhängern wie Stephen Pearl Andrews u.a. in der 1851 gegründeten Kommune Modern Times auf Long Island zu verwirklichen.

Die Warren folgenden individualistischen Anarchisten kritisierten immer weniger den Kapitalismus als die Rolle des Staates in diesem. So entwickelten der Jurist Lysander Spooner (1808-1887) mit seiner Geldkritik, Wilhelm Batchelder Greene (1819-1878) sowie als wohl exponiertester Vertreter Benjamin R. Tucker einen individualistischen Anarchismus, der dem heutigen Anarchokapitalismus ähnelt: Sie sehen die Freiheit des einzelnen gerade auf Basis des Eigentums in einem Kapitalismus ohne staatliche Beschränkung verwirklicht. Tuckers Forderung nach Aufbrechung jeglicher Monopole, wie auch des Geldmonopols des Staates und dessen Antikommunismus nehmen die gegenwärtigen Positionen der Libertarians vorweg.123

Max Stirner verfaßte zwar mit Der Einzige und sein Eigentum,erschienen 1844, eines der Hauptwerke des individualistischen Anarchismus, jedoch baute auf ihm in der Folge keine praktische Bewegung auf.124 Das Bürgertum, aus dem in Amerika der individualistische Anarchismus hervorging, war in Deutschland in keinster Weise antietatistisch eingestellt, und der Arbeiterschaft mangelte es an der materiellen Voraussetzung des individualistschen Anarchismus, nämlich Eigentum. John Henry Mackay (1864 - 1933) verband in seinen Schriften zwar die Ideen Stirners, Proudhons und Tuckers, wanderte aber schließlich nach erfolgloser Propaganda in Deutschland in die USA aus, womit hierzulande der individualistische Anarchismus bis zu den oben beschriebenen neueren Anfängen nicht vertreten war.125

Da in den USA der individualistische Anarchismus den Werten und Funktionsmechanismen der US-amerikanischen Gesellschaft entsprach und keine theoretisch fundierte antikapitalistische Gegenmacht sich ihm entgegenstellte, blieb er auch nach Tucker lebendig. Inbesondere wirkt er aufgrund seiner theoretischen Affinitäten zum gesamten Spektrum kapitalistischer politischer Strömungen, angefangen vom Ultraminarchismus über den klassischen Liberalismus bis hin zum Konservatismus bis heute in diese hinein.126

2. Linker Anarchismus in Deutschland

In Deutschland gab es im Hinblick auf die Ursprünge des Anarchosyndikalismus bis zum Ende des 19. Jahrhunderts keine eigenständige theoretische Entwicklung. So waren Deutsche auf anarchistischer Seite in den Auseinandersetzungen zwischen Marxisten und Anarchisten in der I. Internationale von 1864 kaum vertreten.127

Die Gründe für die geringe Rezeption des linken Anarchismus liegen in dem überragenden Einfluß begründet, den Marx, Engels und die sich entwickelnde Sozialdemokratie auf die Arbeiterschaft ausübten. Zwar kann an dieser Stelle nicht die Parteigeschichte der Sozialdemokratie aufgearbeitet werden,128 deren Einfluß ist jedoch neben den oben bereits genannten Ursachen direkt auf die Folgen der gescheiterten Revolution von 1848 zurückzuführen: Wurde bis 1848 noch eine spontane Revolution für möglich gehalten, wurde der Gedanke, eine effizientere Organisation der Arbeiterschaft aufzubauen, durch das Scheitern der Revolution bestätigt. Mehr langfristige Planung und starke Organisation wurde angesichts der staatlichen Repression und materiellen Überlegenheit der Kapitalseite als Voraussetzung grundsätzlichen sozialrevolutionären Wandels angesehen. Die starke Organisierung zeitigte allerdings ambivalente Auswirkungen: Zum einen war somit eine revolutionäre Massenmobilisierung möglich, andererseits konterkarierte die Bürokratisierung der Organisation deren revolutionären Impetus zumindest der Parteiführung.129 Ebenso kamen alternative linke Positionen zur Politk der Sozialdemokratie schnell in den Verdacht, der Reaktion zuzuarbeiten als der Sache des Proletariats zu dienen. Diese Tendenzen wurde durch den Druck der sog. Sozialistengesetze 1878 bis 1890 noch verstärkt. Der Entwicklung und Verbreitung anarchistischer Ideen in Deutschland wurden also gleich von zwei Seiten enge Grenzen gesetzt: Zum einen von der staatlichen Repression, zum anderen durch die marxistische Sozialdemokratie.130 Somit schwenkten anarchistisch inspirierte Sozialisten wie der zeitweilige Anarchokommunist Moses Heß (1812-1875) wieder auf die Marxsche Linie ein131 oder blieben wie der Proudhonist Karl Grün unbedeutend.132 Innerparteiliche anarchistisch orientierte Opponenten wurden wie Johann Most133 1880 ausgeschlossen oder kamen wie Wilhelm Hasselmann dem Ausschluß zuvor. Most und Hasselmann wanderten schließlich in die USA aus. Ebenso war dem 1891 gegründeten Verein unabhängiger Sozialisten um Gustav Landauer keine große Zukunft vergönnt. Nach internen Auseinandersetzungen zwischen Anarchisten und Sozialisten sowie wegen mangelnder Mitgliederbasis löste sich dieser 1894 wieder auf.134 Erst in der Folge des ersten Weltkrieges, nachdem der wilhelminische Obrigkeitsstaat am Ende war sowie auch die Legitimität der erst revisionistisch, später dann offen opportunistisch und systemaffimierend agierenden Sozialdemokratie in der Arbeiterschaft in Frage gestellt wurde, konnten für eine kurze Phase 1918-20 anarchosyndikalistische Ideen zusammen mit Rätekommunisten im Ruhrgebiet und in der Münchener Räterepublik verwirklicht werden.135

3 und die Rückwirkung auf den linken Anarchismus in den USA

Die Rückwirkungen der Entwicklungen in Deutschland auf den Anarchismus in den USA umfaßten vor allem zwei Aspekte: Zum einen spielten die ab 1848 emigrierten deutschen Sozialisten wie z. B. der Marx-Vertraute Joseph Weydemeyer ob ihrer Organisationskraft eine große Rolle bei der Organisierung der Arbeiterschaft in den USA.136 Zum anderen führte die Emigration Johann Mosts 1882 in die USA mit seiner Agitationstätigkeit zu einem Aufschwung anarchistischer Ideen.137 Für seine ,,Propaganda der Tat". zu der er explizit auch Bombenanschläge zählte, warb er insbesondere in der von ihm herausgegebenen Zeitung Liberty. Sein Anarchismus vertrug sich durchaus mit der anarchoiden Legierung aus amerikanischem Pioniergeist, individualistischer Tradition und der Militanz der amerikanischen Arbeiterschaft138 Diese Militanz zeigte sich zum einen in einer Sabotagetradition , aus der ein im Vergleich mit Deutschland hoher Selbstbestimmungsgrad über den eigenen Arbeitsplatz resultierte139, zum anderen in dem ab 1900 üblicher werdenden Gebrauch von Dynamit zur Durchsetzung von Arbeiterforderungen. Jedoch wurden die Mostschen Bemühungen um Verbreitung des Anarchismus gerade durch die von ihm propagierten Methoden vorerst gestoppt: Mit der Explosion der ersten Bombe in den USA während der Demonstration am 4. Mai 1886 auf dem Haymarket in Chicago, bei der sieben Polizisten starben, war der Begriff des Anarchismus in den USA auch unter der Arbeiterschaft diskreditiert, obwohl es zu großen Solidaritätsbekundungen mit den acht zu unrecht Verurteilten Anarchisten kam, von denen sechs aus Deutschland emigriert waren.140

Dennoch gelingt es dem Anarchosyndikalismus und Anarchokommunismus in den USA, bis zum Beginn der zwanziger Jahre Fuß zu fassen und eine Vielzahl von Gruppen und Organisationen hervorzubringen:141 Mit der Gründung der IWW 1905 entsteht eine der wichtigsten anarchosyndikalistischen Organisationen auf US-amerikanischem Boden. Hervorgegangen aus der Western Federation of Miners versuchte die IWW, die amerikanische Arbeiterschaft ihren inneren Merkmalen entsprechend zu organisieren. Der ethnischen Fragmentierung und der Mobilität wurde durch einen neuen Typus des Agitators entsprochen, der nicht an einzelne Betriebe oder Arbeiterviertel gebunden war und sich zu den Orten der Klassenkonflikte begab, um dort jeweils die Aktionen der Arbeiterschaft zu unterstützten, was mit einer revolutionären internationalistischen Perspektive verbunden wurde.142 Emma Goldmann engagierte sich aktiv für die Emanzipation der Frau143 und zusammen mit Alexander Berkman in der Friedensbewegung gegen den 1. Weltkrieg.144

Die Sozialistsuche Partei145 errang in dieser Zeit unter der Führung von Debs bei den Wahlen 1912 mit sechs Prozent den größten Erfolg einer linken, dritten Partei in der Geschichte der USA, der allerdings, verglichen mit den Wahlergebnissen der Sozialdemokratie in Deutschland, nur die allgemeine die Schwäche der Sozialisten in den USA illustriert. Es kann also festgestellt werden, daß in Amerika offensichtlich wegen des Fehlens einer starken sozialistischen Partei mehr Freiräume für die Entwicklung anarchistischer Ideen bestanden als in Deutschland. Daraus folgte ebenfalls, daß die in Europa übliche linke Dogmatik in Amerika kaum ein Rolle spielte, wodurch es auch zu verschiedenen Bündnissen zwischen Sozialisten und Anarchisten kam.

D. Flaute des linken Anarchismus 1920 bis 1968

In beiden Ländern kam es unabhängig von einander zu einer Flaute des Anarchismus, die bis 1968 anhielt. In Deutschland scheiterte die Rätebewegung an der Intervention der sozialdemokratisch geführten Freikorps.146 Auch wenn in der Folgezeit die anarchosyndikalistische Freie Arbeiterunion mit Aktivisten wie Rudolf Rocker oder Augustin Souchy einen starken Mitgliederzuwachs auf sechzigtausend 1922 verzeichnen konnte, war dieser zum einen marginal im Vergleich zu den Zahlen der sozialdemokratisch geführten Gewerkschaften, zum anderen sank er bis 1932 wieder auf wenige tausend Arbeiter147. In den USA machte die zunehmende staatliche Repression dem linken Anarchismus zu schaffen,148 die sich symptomatisch im Justizirrtum im Fall der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti zeigte.149 Nach dem 1. Weltkrieg dünnte sich so die Aktivistenbasis aus. Steigende Prosperität in der Folge des ersten Weltkrieges und sinkende Einwandererzahlen, aus denen sich viele Anarchisten rekrutieren, taten ihr übriges.150

Ebenfalls führte der Erfolg der bolschewistischen Oktoberrevolution 1917 zum Niedergang der anarchistischen Bewegung. Zum einen schmälerte er die Attraktivität des Anarchismus als politisches Konzept, zum anderen wurde der Anarchismus in der Folge von den Bolschewisten konsequent bekämpft.151

In den dreißiger Jahren verfolgte in Deutschland der Naziterror jegliche linke anarchistische Regung wie die Arbeiterbewegung insgesamt, so daß nur die Möglichkeit des Widerstandes im Untergrund oder die der Emigration verblieb, wie die von Rudolf Rocker in die USA.152

In den USA, vermochte es nicht einmal die Große Depression, weder Kommunismus noch Anarchismus entscheidenden Auftrieb zu verschaffen. Vielmehr integrierte Franklin D. Roosevelt viele Systemoppositionelle auf der Linken in seinen New Deal. Der Anarchismus existierte bis zu den sechziger Jahren allein in intellektuellen Inseln wie dem Libertarian Book Club fort.153 In Deutschland waren die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg noch bescheidener. Auch wenn in der BRD wenige Arbeiteraktivisten aus der Weimarer Zeit versuchten, dem Anarchismus wieder eine Basis zu verschaffen, so muß für die BRD wie die USA konstatiert werden, daß in dieser Rezession des linken Anarchismus die bis heute wirksame Abkopplung von der Arbeiterschaft vollzogen wurde.

E. Die Entwicklung des linken Anarchismus nach 1968

Offen ist jedoch noch die Frage, warum sich gerade in den USA im Vergleich zur BRD wichtige Theorieansätze wie der Anarchafeminismus und Kommunalismus entwickelten. Hier kann wieder der Verweis auf die Entwicklung des Marxismus in beiden Ländern Erklärungsansätze liefern: In Deutschland waren die Studenten der Revolte von 1968 hauptsächlich von undogmatischen Marxisten wie Ernst Bloch, Herbert Marcuse, dem frühen Georg Lukács, Karl Korsch, Otto Rühle, Rosa Luxemburg und der Frankfurter Schule beeinflußt.154 An Themen wie die Frauenemanzipation, und den Themen der neuen sozialen Bewegungen wie der Ökologiebewegung wurden also von einem marxistischem Standpunkt herangegangen. Der Anarchismus spielte nur im Hinblick auf die Neurezeption und Reformulierung sozialistischer Theorie eine Rolle, auch wenn z.B. Rudi Dutschke seine Bedeutung hierbei deutlich hervorhob.155 Dadurch ist die große Anzahl der Arbeiten zur Geschichte und Kategorisierung des Anarchismus von Bartsch, Oberländer156 bis hin zu Cantzen157 und Stowasser zu erklären. Dem hingegen wurden v.a. im akademischen Bereich nicht ansatzweise so große Bemühungen zur theoretische Fortentwicklung des Anarchismus unternommen, wie dies beim Marxismus der Fall war. Die bei der Fortentwicklung des Anarchismus in der BRD festgestellte größere sozioökonomische Fundierung (Kap. II) kann als Reflex auf die Dominanz marxistischer Theorieansätze in der Folge von 1968 gewertet werden.

In den USA hingegen waren die Neue Linke und die sozialen Bewegungen in den Sechzigern und Siebzigern ,,[...] in einem Ausmaß nicht marxistisch, das unter den linken sozialen Bewegungen im Westen einzigartig ist"158. Da das Movement den herrschenden Liberalismus in den USA als Ideologie angesichts von Vietnamkrieg, Rassendiskriminierung und Formaldemokratie kritisierten, wurde so die kreative Rezeption des Anarchismus befördert, zumal die Organisation der Bewegung weniger stark dogmatischen als pragmatischen Gesichtspunkten erfolgte. Auch wenn in den USA wie in Deutschland die Fraktionierungen nach dem Höhepunkt der studentischen Revolten nicht ausblieben, so war doch zumindest ein intellektuelles Milieu geschaffen worden, aus den wichtige anarchistische Theorieimpulse hervorgingen wie Paul Feyerabends Wissenschaftskritik159 oder Robert P. Wolfs Liberalismuskritik,160 sowie die bereits in Kapitel II genannten Ansätze. Hinzu kam, daß die Traditionslinien vom linken Anarchismus zu Beginn des Jahrhundert bis in die siebziger durch Anarchisten wie Sam Dolgoff161 lebendig gehalten wurde. So konnte z. B. im Falle des Anarchafeminismus an das Lebenswerk von Emma Goldman angeknüpft werden, daß nach ihrem Tod in lebendiger Erinnerung gehalten wurde.162. Warum insbesondere der linke Anarchismus in den USA wie in der BRD gesamtgesellschaftlich und im Vergleich zum individualistischen Anarchismus momentan eine so marginale Stellung einnimmt, zeigt der Anarchafeminsimus ebenfalls exemplarisch: Im Gegensatz zum Powerfeminismus a la Naomi Wolf163 ist dieser antikapitalistisch,164 was derzeitig das günstigste Ticket ins politische Abseits darstellt

V. Zusammenfassung

Ziel der Arbeit war es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten des gegenwärtigen Anarchismus in beiden Ländern nicht nur herauszuarbeiten, sondern auch zu erklären. Ich hoffe gezeigt zu haben, daß mit der hierzu angewandten Marxismusheuristik durchaus tragfähige Antworten formuliert werden können. Diese zeichnete jedoch vielfach nur die Spielräume des Anarchismus in beiden Ländern nach. Deren konkrete Ausgestaltung im Detail zu klären, konnte hier nicht geleistet werden. Hierzu sind weitergehende ist die nähere Erforschungen der Interaktion von Anarchismus und sozialen Bewegungen wie Gewerkschaften, Frauen- ,Friedens- und Ökologiebewegung notwendig. So konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht z.B. geklärt werden, warum gerade in Deutschland die Graswurzelrevolution einen so relevanten Teil der anarchistischen Bewegung bis heute bildet.

Auch dürfte die Relevanz der hier verwendeten Methodik für die Analyse des Anarchismus in der näheren Zukunft stark eingeschränkt sein, da seit dem Zusammenbruch des Ostblocks ab 1989 auch in der BRD der Marxismus seine theoretische wie praktischen Bedeutung eingebüßt hat. Meiner Einschätzung nach allerdings kann die Auseinandersetzung linker anarchistischer Strömungen mit anarchokapitalistische Konzeptionen im besonderen, und die Auseinandersetzung mit dem mittlerweile global durchgesetzten Kapitalismus im allgemeinen, nur dann erfolgreich sein, wenn hierzu eine Neurezeption des Marxschen Analyseapparates erfolgt. Sich mit diesem messen zu können, ist die notwendige Bedingung für jede anarchistische Gesellschaftskritik, die den Anspruch hat, praktisch in der Gesellschaft wirksam zu werden. Die Formulierung einer solchen Kritik steht noch aus.

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VII. Anhang

Der folgender Text ist unter http://www.tao.ca/~ise/library/b_commun.html (25.2.1999) im Internet veröffentlcht. Damit er nicht der digitalem Amnesie zum Opfer fällt, da er in der BRD bisher nicht publiziert wurde und weil er eine grundlegende Einführung in das Thema Kommunalismus bietet, wird er an dieser Stelle publiziert.

What is Communalism?

The Democratic Dimension of Anarchism

by Murray Bookchin

I.

Seldom have socially important words become more confused and divested of their historic meaning than they are at present. Two centuries ago, it is often forgotten, "democracy" was deprecated by monarchists and republicans alike as "mob rule." Today, democracy is hailed as "representative democracy," an oxymoron that refers to little more than a republican oligarchy of the chosen few who ostensibly speak for the powerless many.

"Communism," for its part, once referred to a cooperative society that would be based morally on mutual respect and on an economy in which each contributed to the social labor fund according to his or her ability and received the means of life according to his or her needs. Today, "communism" is associated with the Stalinist gulag and wholly rejected as totalitarian. Its cousin, "socialism" -- which once denoted a politically free society based on various forms of collectivism and equitable material returns for labor -- is currently interchangeable with a somewhat humanistic bourgeois liberalism.

During the 1980s and 1990s, as the entire social and political spectrum has shifted ideologically to the right, "anarchism" itself has not been immune to redefinition. In the Anglo-American sphere, anarchism is being divested of its social ideal by an emphasis on personal autonomy, an emphasis that is draining it of its historic vitality. A Stirnerite individualism -- marked by an advocacy of lifestyle changes, the cultivation of behavioral idiosyncrasies and even an embrace of outright mysticism -- has becomeincreasingly prominent. This personalistic "lifestyle anarchism" is steadily eroding the socialistic core of anarchist concepts of freedom.

Let me stress that in the British and American social tradition, autonomy and freedom are not equivalent terms. By insisting the need to eliminate personal domination, autonomy focuses on the individual as the formative component and locus of society. By contrast, freedom, despite its looser usages, denotes the absence of domination in society, of which the individual is part. This contrast becomes very important when individualist anarchists equate collectivism as such with the tyranny of the community over its members.

Today, if an anarchist theorist like L. Susan Brown can assert that "a group is a collection of individuals, no more and no less," rooting anarchism in the abstract individual, we have reason to be concerned. Not that this view is entirely new to anarchism; various anarchist historians have described it as implicit in the libertarian outlook. Thus the individual appears ab novo, endowed with natural rights and bereft of roots in society or historical development.165

But whence does this "autonomous" individual derive? What is the basis for its "natural rights," beyond a priori premises and hazy intuitions? What role does historical development play in its formation? What social premises give birth to it, sustain it, indeed nourish it? How can a "collection of individuals" institutionalize itself such as to give rise to something more than an autonomy that consists merely in refusing to impair the "liberties" of others -- or "negative liberty," as Isaiah Berlin called it in contradistinction to "positive liberty," which is substantive freedom, in our case constructed along socialistic lines?

In the history of ideas, "autonomy," referring to strictly personal "self-rule," found its ancient apogee in the imperial Roman cult of libertas. During the rule of the Julian-Claudian Caesars, the Roman citizen enjoyed a great deal of autonomy to indulge his own desires -- and lusts -- without reproval from any authority, provided that he did not interfere with the business and the needs of the state. In the more theoretically developed liberal tradition of John Locke and John Stuart Mill, autonomy acquired a more expansive sense that was opposed ideologically to excessive state authority. During the nineteenth century, if there was any single subject that gained the interest of classical liberals, it was political economy, which they often conceived not only as the study of goods and services, but also as a system of morality. Indeed, liberal thought generally reduced the social to the economic. Excessive state authority was opposed in favor of a presumed economic autonomy. Ironically, liberals often invoked the word freedom, in the sense of "autonomy," as they do to the present day.166

Despite their assertions of autonomy and distrust of state authority, however, these classical liberal thinkers did not in the last instance hold to the notion that the individual is completely free from lawful guidance. Indeed, their interpretation of autonomy actually presupposed quite definite arrangements beyond the individual -- notably, the laws of the marketplace. Individual autonomy to the contrary, these laws constitute a social organizing system in which all "collections of individuals" are held under the sway of the famous "invisible hand" of competition. Paradoxically, the laws of the marketplace override the exercise of "free will" by the same sovereign individuals who otherwise constitute the "collection of individuals."

No rationally formed society can exist without institutions and if a society as a "collection of individuals, no more and no less" were ever to emerge, it would simply dissolve. Such a dissolution, to be sure, would never happen in reality. The liberals, nonetheless, can cling to the notion of a "free market" and "free competition" guided by the "inexorable laws" of political economy.

Alternatively, freedom, a word that shares etymological roots with the German Freiheit (for which there is no equivalent in Romance languages), takes its point of departure not from the individual but from the community or, more broadly, from society. In the last century and early in the present one, as the great socialist theorists further sophisticated ideas of freedom, the individual and his or her development were consciously intertwined with social evolution -- specifically, the institutions that distinguish society from mere animal aggregations.

What made their focus uniquely ethical was the fact that as social revolutionaries they asked the key question -- What constitutes a rational society? -- a question that abolishes the centrality of economics in a free society. W re liberal thought generally reduced the social to the economic, various socialisms (apart from Marxism), among which Kropotkin denoted anarchism the "left wing," dissolved the economic into the social.167

In the eighteenth and nineteenth centuries, as Enlightenment thought and its derivatives brought the idea of the mutability of institutions to the foreground of social thought, the individual, too, came to be seen as mutable. To the socialistic thinkers of the period, a "collection" was a totally alien way of denoting society; they properly considered individual freedom to be congruent with social freedom and, very significantly, they defined freedom as such as an evolving, as well as a unifying, concept.

In short, both society and the individual were historicized in the best sense of this term: as an ever-developing, self-generative and creative process in which each existed within and through the other. Hopefully, this historicization would be accompanied by ever-expanding new rights and duties. The slogan of the First International, in fact, was the demand, "No rights without duties, no duties without rights" -- a demand that later appeared on the mastheads of anarchosyndicalist periodicals in Spain and elsewhere well into the present century.

Thus, for classical socialist thinkers, to conceive of the individual without society was as meaningless as to conceive of society without individuals. They sought to realize both in rational institutional frameworks that fostered the greatest degree of free expression in every aspect of social life.

II.

Individualism, as conceived by classical liberalism, rested on a fiction to begin with. Its very presupposition of a social "lawfulness" maintained by marketplace competition was far removed from its myth of the totally sovereign, "autonomous" individual. With even fewer presuppositions to support itself, the woefully undertheorized work of Max Stirner shared a similar disjunction: the ideological disjunction between the ego and society.

The pivotal issue that reveals this disjunction -- indeed, this contradiction -- is the question of democracy. By democracy, of course, I do not mean "representative government" in any form, but rather face-to-face democracy. With regard to its origins in classical Athens, democracy as I use it is the idea of the direct management of the polis by its citizenry in popular assemblies -- which is not to downplay the fact that Athenian democracy was scarred by patriarchy, slavery, class rule and the restriction of citizenship to males of putative Athenian birth. What I am referring to is an evolving tradition of institutional structures, not a social "model."168 Democracy generically defined, then, is the direct management of society in face-to-face assemblies -- in which policy is formulated by the resident citizenry and administration is executed by mandated and delegated councils.

Libertarians commonly consider democracy, even in this sense, as a form of "rule" -- since in making decisions, a majority view prevails and thus "rules" over a minority. As such, democracy is said to be inconsistent with a truly libertarian ideal. Even so knowledgeable a historian of anarchism as Peter Marshall observes that, for anarchists, "the majority has no more right to dictate to the minority, even a minority of one, than the minority to the majority."169 Scores of libertarians have echoed this idea time and again.

What is striking about assertions like Marshall's is their highly pejorative language. Majorities, it would seem, neither "decide" nor "debate": rather, they "rule," "dictate," "command," "coerce" and the like. In a free society that not only permitted, but fostered the fullest degree of dissent, whose podiums at assemblies and whose media were open to the fullest expression of all views, whose institutions were truly forums for discussion -- one may reasonably ask whether such a society would actually "dictate" to anyone when it had to arrive at a decision that concerned the public welfare.

How, then, would society make dynamic collective decisions about public affairs, aside from mere individual contracts? The only collective alternative to majority voting as a means of decision-making that is commonly presented is the practice of consensus. Indeed, consensus has even been mystified by avowed "anarcho-primitivists," who consider Ice Age and contemporary "primitive" or "primal" peoples to constitute the apogee of human social and psychic attainment. I do not deny that consensus may be an appropriate form of decision- making in small groups of people who are thoroughly familiar with one another. But to examine consensus in practical terms, my own experience has shown me that when larger groups try to make decisions by consensus, it usually obliges them to arrive at the lowest common intellectual denominator in their decision-making: the least controversial or even the most mediocre decision that a sizable assembly of people can attain is adopted -- precisely because everyone must agree with it or else withdraw from voting on that issue. More disturbingly, I have found that it permits an insidious authoritarianism and gross manipulations -- even when used in the name of autonomy or freedom.

To take a very striking case in point: the largest consensus-based movement (involving thousands of participants) in recent memory in the United States was the Clamshell Alliance, which was formed to oppose the Seabrook nuclear reactor in the mid-1970s in New Hampshire. In her recent study of the movement, Barbara Epstein has called the Clamshell the "first effort in American history to base a mass movement on nonviolent direct action" other than the 1960s civil rights movement. As a result of its apparent organizational success, many other regional alliances against nuclear reactors were formed throughout the United States.

I can personally attest to the fact that within the Clamshell Alliance, consensus was fostered by often cynical Quakers and by members of a dubiously "anarchic" commune that was located in Montague, Massachusetts. This small, tigtly knit faction, unified by its own hidden agendas, was able to manipulate many Clamshell members into subordinating their goodwill and idealistic commitments to those opportunistic agendas. The de facto leaders of the Clamshell overrode the rights and ideals of the innumerable individuals who entered it and undermined their morale and will.

In order for that clique to create full consensus on a decision, minority dissenters were often subtly urged or psychologically coerced to decline to vote on a troubling issue, inasmuch as their dissent would essentially amount to a one-person veto. This practice, called "standing aside" in American consensus processes, all too often involved intimidation of the dissenters, to the point that they completely withdrew from the decision-making process, rather than make an honorable and continuing expression of their dissent by voting, even as a minority, in accordance with their views. Having withdrawn, they ceased to be political beings -- so that a "decision" could be made. More than one "decision" in the Clamshell Alliance was made by pressuring dissenters into silence and, through a chain of such intimidations, "consensus" was ultimately achieved only after dissenting members nullified themselves as participants in the process.

On a more theoretical level, consensus silenced that most vital aspect of all dialogue, dissensus. The ongoing dissent, the passionate dialogue that still persists even after a minority accedes temporarily to a majority decision, was replaced in the Clamshell by dull monologues -- and the uncontroverted and deadening tone of consensus. In majority decision-making, the defeated minority can resolve to overturn a decision on which they have been defeated -- they are free to openly and persistently articulate reasoned and potentially persuasive disagreements. Consensus, for its part, honors no minorities, but mutes them in favor of the metaphysical "one" of the "consensus" group.

The creative role of dissent, valuable as an ongoing democratic phenomenon, tends to fade away in the gray uniformity required by consensus. Any libertarian body of ideas that seeks to dissolve hierarchy, classes, domination and exploitation by allowing even Marshall's "minority of one" to block decision-making by the majority of a community, indeed, of regional and nationwide confederations, would essentially mutate into a Rousseauean "general will" with a nightmare world of intellectual and psychic conformity. In more gripping times, it could easily "force people to be free," as Rousseau put it -- and as the Jacobins practiced it in 1793-94.

The de facto leaders of the Clamshell were able to get away with their behavior precisely because the Clamshell was not sufficiently organized and democratically structured, such that it could countervail the manipulation of a well-organized few. The de facto leaders were subject to few structures of accountability for their actions. The ease with which they cannily used consensus decision-making for their own ends has been only partly told,170 but consensus practices finally shipwrecked this large and exciting organization with its Rousseauean "republic of virtue." It was also ruined, I may add, by an organizational laxity that permitted mere passersby to participate in decision-making, thereby destructuring the organization to the point of invertebracy. It was for good reason that I and many young anarchists from Vermont who had actively participated in the Alliance for some few years came to view consensus as anathema.

If consensus could be achieved without compulsion of dissenters, a process that is feasible in small groups, who could possibly oppose it as a decision-making process? But to reduce a libertarian ideal to the unconditional right of a minority -- let alone a "minority of one" -- to abort a decision by a "collection of individuals" is to stifle the dialectic of ideas that thrives on opposition, confrontation and, yes, decisions with which everyone need not agree and should not agree, lest society become an ideological cemetery. Which is not to deny dissenters every opportunity to reverse majority decisions by unimpaired discussion and advocacy.

III.

I have dwelled on consensus at some length because it constitutes the usual individualistic alternative to democracy, so commonly counterposed as "no rule" -- or a free-floating form of personal autonomy -- against majority "rule." Inasmuch as libertarian ideas in the United States and Britain are increasingly drifting toward affirmations of personal autonomy, the chasm between individualism and antistatist collectivism is becoming unbridgeable, in my view. A personalistic anarchism has taken deep root among young people today. Moreover, they increasingly use the word "anarchy" to express not only a personalistic stance, but also an antirational, mystical, antitechnological and anticivilizational body of views that makes it impossible for anarchists who anchor their ideas in socialism to apply the word "anarchist" to themselves without a qualifying adjective. Howard Ehrlich, one of our ablest and most concerned American comrades, uses the phrase "social anarchism" as the title of his magazine, apparently to distinguish his views from an anarchism that is ideologically anchored in liberalism and possibly worse.

I would like to suggest that far more than a qualifying adjective is needed if we are to elaborate our notion of freedom more expansively. It would be unfortunate indeed if libertarians today had to literally explain that they believe in a society, not a mere collection of individuals! A century ago, this belief was presupposed; today, so much has been stripped away from the collectivistic flesh of classical anarchism that it is on the verge of becoming a personal life-stage for adolescents and a fad for their middle-aged mentors, a route to "selfrealization" and the seemingly "radical" equivalent of encounter groups.

Today, there must be a place on the political spectrum where a body of anti-authoritarian thought that advances humanity's bitter struggle to arrive at the realization of its authentic social life -- the famous "Commune of communes" -- can be clearly articulated institutionally as well as ideologically. There must be a means by which socially concerned anti- authoritarians can develop a program and a practice for attempting to change the world, not merely their psyches. There must be an arena of struggle that can mobilize people, help them to educate themselves and develop an anti-authoritarian politics, to use this word in its classical meaning, indeed that pits a new public sphere against the State and capitalism.

In short, we must recover not only the socialist dimension of anarchism but its political dimension: democracy. Bereft of its democratic dimension and its communal or municipal public sphere, anarchism may indeed denote little more than a "collection of individuals, no more and no less." Even anarcho-communism, although it is by far the most preferable of adjectival modifications of the libertarian ideal, nonetheless retains a structural vagueness that tells us nothing about the institutions necessary to expedite a communistic distribution of goods. It spells out a broad goal, a desideratum -- one, alas, terribly tarnished by the association of "communism" with Bolshevism and the state -- but its public sphere and forms of institutional association remain unclear at best and susceptible to a totalitarian onus at worst.

I wish to propose that the democratic and potentially practicable dimension of the libertarian goal be expressed as Communalism, a term that, unlike political terms that once stood unequivocally for radical social change, has not been historically sullied by abuse. Even ordinary dictionary definitions of Communalism, I submit, capture to a great degree the vision of a "Commune of communes" that is being lost by current Anglo-American trends that celebrate anarchy variously as "chaos," as a mystical "oneness" with "nature," as self- fulfillment or as "ecstasy," but above all as personalistic.171

Communalism is defined as "a theory or system of government [sic!] in which virtually autonomous [sic!] local communities are loosely in a federation."172 No English dictionary is very sophisticated politically. This use of the terms "government" and "autonomous" does not commit us to an acceptance of the State and parochialism, let alone individualism. Further, federation is often synonymous with confederation, the term I regard as more consistent with the libertarian tradition. What is remarkable about this (as yet) unsullied term is its extraordinary proximity to libertarian municipalism, the political dimension of social ecology that I have advanced at length elsewhere.

In Communalism, libertarians have an available word that they can enrich as much by experience as by theory. Most significantly, the word can express not only what we are against, but also what we are for, namely the democratic dimension of libertarian thought and a libertarian form of society. It is a word that is meant for a practice that can tear down the ghetto walls that are increasingly imprisoning anarchism in cultural exotica and psychological introversion. It stands in explicit opposition to the suffocating individualism that sits so comfortably side-by-side with bourgeois self-centeredness and a moral relativism that renders any social action irrelevant, indeed, institutionally meaningless.

It is important to emphasize that libertarian municipalism--or Communalism, as I have called it here--is a developing outlook, a politics that seeks ultimately to achieve the "Commune of communes." As such, it tries to provide a directly democratic confederal alternative to the state and to a centralized bureaucratic society. To challenge the validity of libertarian municipalism, as many liberals and ecosocialists have, on the premise that the size of existing urban entities raises an insurmountable logistical obstacles to its successful practice is to turn it into a chess "strategy" and freeze it within the given conditions of society, then tally up debits and credits to determine its potential for "success," "effectiveness," "high levels of participation," and the like. Libertarian municipalism is not a form of social bookkeeping for conditions as they are but rather a transformative process that starts with what can be changed within present conditions as a valid point of departure for achieving what should be in a rational society.

Libertarian municipalism is above all a politics, to use this word in its original Hellenic sense, that is engaged in the process of remaking what are now called "electoral constituents" or "taxpayers" into active citizens, and of remaking what are now urban conglomerations into genuine communities related to each other through confederations that would countervail and ultimately challenge the existence of the state. To see it otherwise is to reduce this multifaceted, processual development to a caricature. Nor is libertarian municipalism intended as a substitute for association as such--for the familial and economic aspects of life--without which human existence is impossible in any society.9 It is rather an outlook and a developing practice for recovering and enlarging on an unprecedented scale what is now a declining public sphere, one that the state has invaded and in many cases virtually eliminated.10 If the large size of municipal entities and the decline of the public sphere are accepted as unalterable givens, then we are left with no hope but to work with the given in every sphere of human activity--in which case, anarchists might as well join with social-democrats (as quite a few have, for all practical purposes) to work with and merely modify the state apparatus, the market, and a commodity system of relationships. Indeed, on the basis of such commonsensical reasoning, a far stronger argument could be made for preserving the state, the market, the use of money, and global corporations than could be made merely for decentralizing urban agglomerations. In fact, many urban agglomerations are already groaning physically and logistically under the burden of their size and are reconstituting themselves into satellite cities before our very eyes, even though their populations and physical jurisdictions are still grouped under the name of a single metropolis.

Strangely, many life-style anarchists, who, like New Age visionaries, have a remarkable ability to imagine changing everything tend to raise strong objections when they are asked to actually change anything in the existing society--except to cultivate greater "self-expression," have more mystical reveries, and turn their anarchism into an art form, retreating into social quietism. When critics of libertarian municipalism bemoan the prohibitively large number of people who are likely to attend municipal assemblies or function as active participants in them--and question how "practical" such assemblies could be--in large cities like New York, Mexico City, and Tokyo, may I suggest that a Communalist approach raises the issue of whether we can indeed change the existing society at all and achieve the "Commune of communes."

If such a Communalist approach seems terribly formidable, I can only suspect that for life- style anarchists the battle is already lost. For my part, if anarchy came to mean little more than an aesthetics of "self-cultivation," an titillating riot, spraycan graffiti, or the heroics of personalistic acts nourished by a self-indulgent "imaginary," I would have little in common with it. Theatrical personalism became too much in style when the sixties counterculture turned into the seventies New Age culture--and became a model for bourgeois fashion designers and boutiques.

IV.

Anarchism is on the retreat today. If we fail to elaborate the democratic dimension of anarchism, we will miss the opportunity not only to form a vital movement, but to prepare people for a revolutionary social praxis in the future. Alas, we are witnessing the appalling desiccation of a great tradition, such that neo-Situationists, nihilists, primitivists, antirationalists, anticivilizationists and avowed "chaotics" are closeting themselves in their egos, reducing anything resembling public political activity to juvenile antics.

None of which is to deny the importance of a libertarian culture, one that is aesthetic, playful, and broadly imaginative. The anarchists of the last century and part of the present one justifiably took pride in the fact that many innovative artists, particularly painters and novelists, aligned themselves with anarchic views of reality and morality. But behavior that verges on a mystification of criminality, asociality, intellectual incoherence, anti- intellectualism and disorder for its own sake is simply lumpen. It feeds on the dregs of capitalism itself. However much such behavior invokes the "rights" of the ego as it dissolves the political into the personal or inflates the personal into a transcendental category, it is a priori in the sense that has no origins outside the mind to even potentially support it. As Bakunin and Kropotkin argued repeatedly, individuality has never existed apart from society and the individual's own evolution has been coextensive with social evolution. To speak of "The Individual" apart from its social roots and social involvements is as meaningless as to speak of a society that contains no people or institutions.

Merely to exist, institutions must have form, as I argued some thirty years ago in my essay "The Forms of Freedom," lest freedom itself -- individual as well as social -- lose its definability. Institutions must be rendered functional, not abstracted into Kantian categories that float in a rarefied academic air. They must have the tangibility of structure, however offensive a term like structure may be to individualist libertarians: concretely, they must have the means, policies and experimental praxis to arrive at decisions. Unless everyone is to be so psychologically homogeneous and society's interests so uniform in character that dissent is simply meaningless, there must be room for conflicting proposals, discussion, rational explication and majority decisions -- in short, democracy.

Like it or not, such a democracy, if it is libertarian, will be Communalist and institutionalized in such a way that it is face-to-face, direct, and grassroots, a democracy that advances our ideas beyond negative liberty to positive liberty. A Communalist democracy obliges us to develop a public sphere -- and in the Athenian meaning of the term, a politics -- that grows in tension and ultimately in a decisive conflict with the State.

Confederal, antihierarchical, and collectivist, based on the municipal management of the means of life rather than their control by vested interests (such as workers' control, private control, and more dangerously, State control), it may justly be regarded as the processual actualization of the libertarian ideal as a daily praxis.173

The fact that a Communalist politics entails participation in municipal elections -- based, to be sure, on an unyielding program that demands the formation of popular assemblies and their confederation -- does not mean that entry into existing village, town and city councils involves participation in state organs, any more than establishing an anarchosyndicalist union in a privately owned factory involves participation in capitalist forms of production. One need only turn to the French Revolution of 1789-94 to see how seemingly state institutions, like the municipal "districts" established under the monarchy in 1789 to expedite elections to the Estates General, were transformed four years later into largely revolutionary bodies, or "sections," that nearly gave rise to the "Commune of communes." Their movement for a sectional democracy was defeated during the insurrection of June 2, 1793 -- not at the hands of the monarchy, but by the treachery of the Jacobins.

Capitalism will not generously provide us the popular democratic institutions we need. Its control over society today is ubiquitous, not only in what little remains of the public sphere,174 but in the minds of many self-styled radicals. A revolutionary people must either assert their control over institutions that are basic to their public lives -- which Bakunin correctly perceived to be their municipal councils175 -- or else they will have no choice but to withdraw into their private lives, as is already happening on an epidemic scale today.176 It would be ironic, indeed, if an individualist anarchism and its various mutations, from the academic and transcendentally moral to the chaotic and the lumpen, in the course of rejecting democracy even for "a minority of one," were to further raise the walls of dogma that are steadily growing around the libertarian ideal, and if, wittingly or not, anarchism were to turn into another narcissistic cult that snugly fits into an alienated, commodified, introverted and egocentric society.

[...]


1 Vgl. Mehr Demokratie e.V.: Sonderausgabe der Zeitschrift Direkte Demokratie, 9. Jg., Heft 4, München 1997; Möckli, Silvano: Direkte Demokratie. Ein Vergleich der Einrichtungen und Verfahren in der Schweiz und Kalifornien, unter Berücksichtigung von Frankreich, Italien, Dänemark, Irland, Österreich, Liechtenstein und Australien, Bern/Stuttgart/Wien 1994; Schmidt, Manfred G.: Demokratietheorien, 2. Auflage, Opladen 1997, S. 253 ff

2 Im folgenden wird dieses Vorgehen als Marxismusheuristik bezeichnet.

3 Phänomene wie der Unabomber oder die Oklahomaattentäter werden hier deshalb ausgespart, eine umfassende Darstellung zum Unabomber findet sich unter im Internet unter: http://pathfinder.com/pathfinder/features/unabomber, 25.2.1999.

4 Vgl. Zur Problematik der Definition von Anarchismus vgl. Diefenbacher, Hans: Anarchismus - die verlorene Utopie? Eine Einführung, in: ders. (Hrsg.): Anarchismus. Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft, Darmstadt 1996, S. 7- 24, S. 7 ff.

5 Vgl. Avrich, Paul: The Modern School Movement. Anarchism and Education in the United States, Princeton 1980; Kern, Gerhard / Grünklee, Gerald: Lernen in Freiheit. Wider die totale Institution. Anti-pädagogische Thesen und Pamphlete! Münster o.J..

6 Hier sei nur auf die Möglichkeiten dezentraler anarchistischer Organisation durch die Nutzung neuer Informationstechnologien verwiesen, wie z. B. im comlink-Netz praktiziert wird.

7 Vgl. z.B. für die BRD autonome a.f.r.i.k.a gruppe/ Blisset, Luther / Brünzels, Sonja: Jetzt helfe ich mir selbst. Handbuch der Kommunikationsguerilla, Hamburg 1997; für die USA : Bey, Hakim: T:A:Z:: Die temporäre Autonome Zone, Berlin 1994.

8 Vgl. z.B. Marcus, Greil: Lipstick Traces . Von DADA bis Punk - Kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert. Hamburg 1992; Yates, John: Stealworks, San Francisco 1994; ebenso die Werke von Erich Mühsam und Ernst Toller.

9 Vgl. United Nations Development Programme (UNDP): Human Development Report 1998, New York/Oxford 1998, Bourdieu, Pierre u.a.: Das Elend der Welt, Konstanz 1997

10 Vgl. Adorno, Theodor W.: Zur Logik der Sozialwissenschaften, in: Adorno Theodor W. u.a. Der Positivismustreit in der Deutschen Soziologie, München 1993, S. 125-144, S. 131.

11 Sprache, Methoden, metaphysische Grundvorstellungen eines herrschenden Wissenschaftsparadigmas einer Gesellschaft gehen allerdings immer in den jeweiligen Wissenschaftsprozeß ein; vgl. Kuhn, Thomas S.: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt 1967. Kuhn hat dies für die Naturwissenschaften nachgewiesen. Auch wenn seine Ergebnisse nicht direkt zu übertragen sind, dürfte die gesellschaftliche Bedingtheit von Wissenschaftsprozessen in den Sozialwissenschaften noch stärker zu Tage treten.

12 Bloch, Ernst: Parteilichkeit in Wissenschaft und Welt, in: Philosophische Aufsätze zur objektiven Phantasie, Gesamtausgabe Bd. 10, Frankfurt a. M. 1969, S. 330 f.

13 Marx, Karl: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, in: Marx Engels Werke (MEW), Bd. 1, Berlin 1956, S. 385.

14 Zur langen Begriffsgeschichte des Wortes vgl. Nettlau, Max: Der Vorfrühling der Anarchie. Ihre historische Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahre 1864, Geschichte der Anarchie Bd. 1, Berlin 1925, S. 5 ff. Zu Person und Werk Nettlaus selber vgl. Rocker, Rudolf: Max Nettlau Biographie. Leben und Werk des Historikers vergessener sozialer Bewegungen, Berlin 1978.

15 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft, 5. Auflage, Studienausgabe, Nachdruck, Tübingen 1990, S. 28., auf die Unterschiede zwischen Macht und Herrschaft sowie die unterschiedlichen Machttheorie muß auf die Literatur verwiesen werden.

16,,`Jeder Staat wird auf Gewalt gegründet'", sagte seinerzeit Trotzkij in Brest-Litowsk. Das ist in der Tat richtig. Wenn nur soziale Gebilde beständen, denen die Gewaltsamkeit als Mittel unbekannt wäre, würde der Begriff ,,Staat" fortgefallen sein; dann wäre eingetreten, was man in diesem besonderen Sinn des Wortes als ,,Anarchie" bezeichnen würde. Gewaltsamkeit ist natürlich nicht etwa das normale oder einzige Mittel des Staates- davon ist keine Rede-, wohl aber: das ihm spezifische." ebd. S. 822.

17 Vgl. Raschke, Joachim: Soziale Bewegungen. ein historisch -systematischer Grundriss, Frankfurt a. M. / New York 1985, S. 77. In dem hier vorgestellten Modell zeigt sich, daß die einseitige Zurechnung des Anarchismus zur Arbeiterbewegung, die Raschke vornimmt (vgl. ebd. S 82) nicht aufrechterhalten werden kann.

18 So z.B. Murray Rothbards Glauben als Vorkämpfer des Anarchokapitalismus an eine natürliche Ungleichheit unter den Menschen, vgl. Heider, Ulrike: Die Narren der Freiheit. Anarchisten in den USA heute, Berlin 1992, S. 119.

19 Vgl. Bobbio, Norberto: Rechts und Links. Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung, Berlin 1994, S. 78 f. Aus diesen Grundsätzlichen Gegensatz läßt sich erklären, warum Anarchokommunisten und Anarchokapitalisten sich gegenseitig bezichtigen, gar keine richtigen Anarchisten zu sein.

20 Vgl. Galtung, Johan: Strukturelle Gewalt, Reinbeck 1975.

21 Vgl. Marcus, Greil a.a.O., S. 14.

22 Vgl. die deutsche Ausgabe: Thoreau, Henry David: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, Zürich 1973.

23 Vgl. Bartels, Till: Ziviler Ungehorsam der achtziger Jahre, in: Dollars und Träume, Heft 8 , Hamburg 1983, S. 45-56, S. 46 ff. Terkel, Studs: Arm & Reich: Das Amerika der Reagan- Ära, München 1990, S. 393 ff. Zur juristischen Diskussion in den USA darum vgl. Dworkin, Ronald: Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt a. M. 1990, S. 337; zur Theorie zivilen Ungehorsams vgl. Ebert, Theodor: Gewaltfreier Aufstand, Alternative zum Bürgerkrieg, Waldkirch 1978.

24 Vgl. Kallscheuer, Otto: Gemeinsinn und Demokratie. Hinter dem Etikett ,,Kommunitarismus" verbirgt sich eine Debatte um das Selbstverständnis der USA, in: Zahlmann, Christel (Hrsg.): Kommunitarismus in der Diskussion. Eine streitbare Einführung, Hamburg 1994, S. 109 - S. 117, S. 115.

25 Vgl. die Position von MacIntyre, Alasdair: Ist Patriotismus eine Tugend? in: Honneth, Axel (Hrsg.): Kommunitarismus. Eine Debatte über die moralischen Grundalgen moderner Gesellschaften, 2. Auflage, Frankfurt a.M. 1994, S. 84 - 102.

26 Vgl. Gauger, Rose: Wird die Barbarei siegen? Bericht über den Widerstand in den USA, Hamburg 1980, S. 137 f.

27 Rote Armee Fraktion: Das Konzept Stadtguerilla, Erklärung vom April 1971, abgedruckt in: Rote Armee Fraktion, Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, Berlin 1997, S. 31.

28 Geronimo: Feuer und Flamme. Zur Geschichte der Autonomen, 4. Auflage Berlin 1995, S. 20 f.

29 Daß diese naturrechtliche Eigentumskonzeption, die auf Lockes Arbeitswerttheorie des Eigentums zurückgeht, theoretisch nicht haltbar ist, hat umfassend nachgewiesen Brocker, Manfred: Arbeit und Eigentum: Der Paradigmenwechsel in der neuzeitlichen Eigentumstheorie, Darmstadt 1992.

30 Vgl. Pessoa, Fernando: Ein anarchistischer Bankier, 6. Auflage, Frankfurt a. M. 1997.

31 Vgl. Schui. Herbert u.a.: Wollt ihr den totalen Markt? Der Neoliberalismus und die extreme Rechte, München 1997, S. 53.

32 Vgl. die Vorstellungen der Libertarian Party zum Thema ,,Innere Sicherheit" unter htttp://www.lp.org, 25.02.1999.

33 Vgl. Hayek, Friedrich A. von: Recht, Gesetzgebung und Freiheit, 3. Bd., München 1980, Bd. 2, S. 102 ff: ,,Das Grundprinzip, des ökonomischen Spiels, in dem nur das Verhalten der Spieler, nicht aber das Ergebnis gerecht sein kann."

34 Vgl. Friedman, Milton: Kapitalismus und Freiheit, München 1976, S. 37 f.

35 Vgl. Heider a.a.O., S. 118.

36 Vgl. Hayek, Friedrich A. von a.a.O., Bd. 2, S. 99, S. 151 ff.

37 Vgl. Schui, Herbert u.a. a.a.O., Seite 86, ff. Zu unterscheiden sind hierbei Hayek Modell eines Rates der Weisen (Wahlperioden von 15 Jahren, Vgl. Hayek a.a.O., Bd. 3, S. 156 ff) bzw. ein Staat, bei dem jede Form staatlicher Lenkung unterbleibt.

38 Zu Hayeks Katallaxie-Konzept vgl.: Hayek, Friedrich A. von a.a.O., Bd. 1, S. 60 ff, Bd. 2, S. 158 ff.

39 Daraus folgt, daß nur diejenigen ihre Freiheit in der anarchokapitalistischen Welt ausleben können, die durch ihre (Lohn-)Arbeit am Markt bestehen können. Zu den theoretischen wie praktischen und personellen Affinitäten der Anarchokapitalisten mit rechtsextremer Ideologie vgl. Schui u.a., a.a.O., S. 113 ff.

40 Heider a.a.O., S. 133 ff

41 Vgl. Homepage der Libertarian Party a.a.O..

42 Vgl. z.B. das Institute for Human Studies: http://mason.gmu.edu/~ihs/, 25.02.1999; The Independent Institute: http://www.independent.org, 25.02.1999; International Society for Individual Liberty (ISIL) mit Sitz in Kalifornien: http://www.highlink.net/isil.org, 25.02.1999.

43 Vgl. Heider a.a.O.:, S. 145.

44 Vgl. eigentümlich frei. Marktplatz für Liberalismus, Anarchismus und Kapitalismus, herausgegeben von Grunert, Jörn/ Lichtschlag, André F., Grevenbroich.

45 Vgl. http:// der-markt.com, 25.02.1999.

46 Vgl. Bartsch, Günter: Anarchismus in Deutschland, 3 Bd., Hannover 1972, Bd. 1 S. 18 ff, S. 80 ff.

47 Ebd., S. 19.

48 Vgl. z.B. das Buch von Kennedy, Magret: Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein Tauschmittel, das jedem dient, 2. Auflage, München 1992, S. 219.

49 Hinzu kommen die deutlichen ideologischen Affinitäten der Freiwirtschaftslehre mit dem Faschismus, der sich nach dem 2- Weltkrieg vor allen in der Entwicklung der bis heute bestehenden Freisozialen Union und den Verbindungen von heutigen Freiwirtschaftlern zur rechtsextremen Szene zeigt. Vgl. Geden, Oliver: Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus, Berlin 1996, S. 152 f.

50 Zu den Anfängen der Friedensbewegung in Deutschland vgl. Rupp, Hans Karl: Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer. Der Kampf gegen die Atombewaffnung in den fünfziger Jahren. Eine Studie zur innenpolitischen Entwicklung der BRD, 3. Auflage 1984, S. 120 ff.

51 Vgl. Roßbach, Susanne u.a. (Autorengruppe): Die Graswurzelwerkstatt: Vernetzung gewaltfrei-anarchistischer AktivistInnen, Lübeck 1993, S. 7.

52 Vgl. ebd., S. 11 f

53 Vgl. Homepage der Graswurzelrevolution unter http://www.comlink.de/~graswurzel,

25.02.1999.

54 Vgl. http://www.nonviolence.org/wrl, 25.2.1999.

55 Vgl. Haug, Wolfgang Fritz: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 1, Berlin / Hamburg 1994, S. 215.

56 Vgl. Homepage der International Workers of the World unter http://iww.org, 25.02.1999.

57 Vgl. Homepager der Workers Solidarity Alliance unter http://fly.blackened.net/agony/wsa.html, 25.02.1999.

58 Vgl. WSA-Homepage http://fly.blackened.net/agony/campaign.html, 25.02.1999.

59 Vgl. Homepage der Freien ArbeiterInnenunion unter http://www.fau.org/fau, 25.02. 1999.

60 Vgl. Homepage des Bildungssyndikates Berlin unter

http://www.fau.org/fau/bsy/berlin.html, 25.02.1999.

61 Chomsky, Noam: Arbeit, Sprache, Freiheit, Mülheim 1987, S. 23.

62 Vgl. Heider, Ulrike a.a.O., S. 58.

63 Vgl. Chomsky, Noam: Die Herren der Welt. Konturen der US-Amerikansichen Innen-- und Außenpolitik in der ,,Neuen Weltordnung", Berlin 1993.

64 Vgl. Chomsky, Noam: Clintons Vision."Freier Markt" und Abschottung, Grafenau 1994, S. 28 ff.

65 Vgl. Murray Bookchin: Noam Chomsky, der Staat, die Masken des Kapitalismus und die revolutionäre Linke, Interview in: Ökolinx. Ökologische linke Zeitschrift, Nr. 26 1997, S. 4 - 13, S, 4 ff.

66 Auch von Bookchin als Munizipalismus benannt.

67 Vgl. Bookchin Murray: What is Communalism xxx; ders.: Social Anarchism versus Lifestyle Anarchism: An Unbridgeable Chasm, Edinburgh /San Francisco 1995.

68 Vgl. Bookchin, Murray: What is Communalism? The Democratic Dimension of Anarchism, 1994, im Internet unter http://www.tao.ca/~ise/library/b_commun.html,

25.02.1999, im Anhang dieser Arbeit abgedruckt, S. 33 -44, S. 35.

69 Vgl. Bookchin, Murray: Die Agonie der Stadt. Städte ohne Bürger oder Aufstieg und Niedergang des freien Bürgers, Grafenau 1996, S. 53 ff.

70 Vgl. Bookchin, Murray: Die Neugestaltung der Gesellschaft, Pfade in eine ökologische Zukunft, Grafenau 1992 S. 123. Literarisch ist diese formuliert worden von Callenbach, Ernest: Ökotopia. Notizen und Reportagen von William Weston aus dem Jahre 1999, Berlin 1978.

71 Vgl. Heider Ulrike a.a.O., S. 79 ff.

72 Vgl. Telefoninterview mit Wolfgang Haug, Herausgeber der Zeitschrift ,,Schwarzer Faden", 2. März 1999.

73 Vgl. Heider, Ulrike a.a.O., S. 67.

74 Vgl. den Sammelband: Anarchafeminismus, Berlin 1979.

75 Redaktion Schwarzer Faden: ,,Wirklichkeit wächst allein aus Verwirklichung." Eine Einführung in die vielfältigen Beziehungen zwischen Anarchismus und Feminismus, in: Schwarzer Faden. 18. Jg. Heft 3 (1997), S. 3-13, S. 3

76 Vgl. ebd. S. 10 f.

77 Vgl. May, Todd: The political Philosophy of Poststructuralist Anarchism, Pennsylvania State University 1994, S. 155.

78 Vgl. ebd., S. 88.

79 Vgl. ebd. S. 64.

80 Vgl. ebd., S. 87. Realpolitisch gewendet, versuchen Buzan, Jones und Little diesen poststrukturalistischen Anarchieansatz zur Reformulierung der Theorie internationaler

Beziehungen fruchtbar zu machen, vgl.: Buzan, Barry / Jones, Charles / Little, Richard: The Logic of Anarchy. Neorealism to structural Realism, New York 1993; S. 132 ff.

81 May, Todd a.a.O., S. 98. Inwieweit Jürgen Habermas Diskurstheoretischer Ansatz auch als anarchistisch zu bezeichnen ist, bzw. inwieweit Mays Kritik an diesem zutrifft, reduktionistisch-marxistisch, einseitig auf den Widerspruch von Kapital und Arbeit konzentriert zu sein (ebd. S. 28 ff), kann hier nicht weiter erörtert werden.

82 Mümken, Jürgen: Keine Macht für Niemand. Versuch einer anarchistischen Aneignung des philosophischen Projektes von Michel Foucault, in: Schwarzer Faden, Jg. 19, Heft 1 (1998)., S. 34 - 46, S. 45.

83 Es stellt sich mir bei diesen theoretisch ausgefeilten Ansätzen jedoch die grundsätzliche Frage, inwieweit sie praktische Relevanz haben können, abgesehen von einer möglichen Entpolitisierung, die ihre Rezeption in sich birgt, wenn das Subjekt als einzig möglicher Träger von Politik theoretisch eliminiert wird. Hierzu ist eine vertieftes Studium dieser Ansätze meinerseits anvisiert.

84 48 Tage im Jahr würden reichen, vgl. Nell-Breuning, Oswald von: Arbeitet der Mensch zuviel? Freiburg i. Breisgau 1985, S .98.

85 Vgl. Narcho, Dipl.- Ing. A.: Stell Dir vor es gibt Arbeit für alle und keiner geht hin. Die postindustrielle Anarchie. Das Recht auf Arbeit ist Recht auf Ausbeutung, Berlin 1993, S. 54 ff.

86 Vgl. Wehner Burkhard: Die Logik der Politik und das Elend der Ökonomie. Grundelemente einer neuen Staats- und Gesellschaftstheorie, Darmstadt 1995, S. 77 ff.

87 Manifest der Glücklichen Arbeitslosen, abgedruckt in der Tageszeitung (TAZ),

30.03.1998, S. 12.

88 Vgl. Lafargue, Paul (1891): Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des ,,Rechtes auf Arbeit" von 1848, Osnabrück o.J.

89 Zur Kritik der heutigen Vorstellungen von Bündnis 90 / Die Grünen zur Grundsicherung vgl. Ebermann, Thomas/ Fischer, Andrea: Die Grünen sind doch keine reformistische Partei mehr, in: TAZ journal: Die Grüne Gefahr. Eine Partei auf dem Weg zur Macht, Berlin 1998, S. 6-9.

90 Dies wird insbesondere deutlich, werden die Bookchin nahestehenden Ökosozialisten Ebermann und Trampert in das anarchistische Spektrum miteinbezogen; vgl. Ebermann, Thomas / Trampert, Rainer: Die Offenbarung der Propheten. Über die Sanierung des Kapitalismus, die Verwandlung linker Theorie in Esoterik, Bocksgesänge und Zivilgesellschaft, Hamburg 1995; dies.: Die Zukunft der Grünen. Ein realistisches Konzept für eine radikale Partei, Hamburg 1984.

91 Zu der Frage, inwieweit zumindest in der Mitgliederbasis der Libertarian Party die Arbeiterschaft verankert ist, konnte kein Material gefunden werden.

92 Unter Marxismus wird im folgenden sowohl die politische Tätigkeit von Karl Marx und Friedrich Engels gefaßt, als auch die der sich auf ihre Lehre berufenden Organisationen und Personen, sofern bei diesen nicht weitere Differenzierungen vorgenommen werden.

93 Marx, Karl / Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten Deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten, MEW 3, S. 9-521, S. 101 ff.; die deutsche Ideologie wurde erst postum von Eduard Bernstein veröffentlicht.

94 Vgl. Marx, Karl: Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons ,,Philosophie des Elends", MEW 4, S. 63 - 182.

95 Vgl. Marx, Karl: Konspekt des Buches von Bakunin ,,Staatlichkeit und Anarchie", MEW 18, S. 597- 646.

96 Marx, Karl /Engels, Friedrich: Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4, S. 459 - 493, S. 482.

97 Vgl. Marx, Karl / Engels Friedrich: Rezensionen aus der ,,Neuen Rheinischen Zeitung. Politsch-ökonomische Revue". Viertes Heft, April 1850, MEW 7, S. 255-291, S. 288.

98 Vgl. Marx,.Karl: Konspekt des Buches von Bakunin ,,Staatlichkeit und Anarchie", a.a.O., S. 630 ff.

99 Vgl. Marx, Karl / Engels Friedrich: Manifest der kommunistischen Partei, a.a.O., S. 481. 100 Vgl. Bakunin, Michael: Freiheitlicher Sozialismus oder Marxismus, Osnabrück o.J., S. 4 .

101 Vgl. Haug, Wolfgang Fritz (Hrsg.): Historisch-kritisches Wörtebuch des Marxismus, a.a.O, S. 214.

102 Vgl. zu den weiteren Streitpunkten zwischen Marx und Bakunin Diefenbacher, Hans a.a.O., S. 17 f.

103 Vgl. Bebel, August, Attentate und Sozialdemokratie, Berlin 1919, S. 13 ff.

104 Vgl. Sombart, Werner: Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus? Tübingen 1906.

105 Karabel, Jerome: Das Scheitern der sozialistischen Bewegung in den USA, in: Dollars und Träume. Studien zur Politik, Ökonomie, Kultur der USA, Heft 5, Hamburg 1982, S. 9 - 32, S. 17.

106 Vgl. ebd., S. 18

107 Vgl. Adamic, Louis: Dynamit. Geschichte des Klassenkampfes in den USA (1880-1930),

3. Auflage, Stuttgart 1985, S. 14.

108 Vgl. Kreckel, Reinhard: Politische Soziologie der sozialen Ungleichheit, Studienausgabe, Frankfurt a. M. 1997, S. 48 f.

109 Karabel, Jerome a.a.O., S. 14. Bis 1886 nannte sich die AFL noch Federation of

Organized Trade and Labour Union.

110 Vgl. Buhle, Paul: Marxismus in den USA, Berlin 1974, S. 8.

111 Vgl. Hausmann, Friederike: Die deutschen Anarchisten von Chicago. Oder warum Amerika den 1. Mai nicht kennt, Berlin 1998, S. 31.

112 Vgl. Karabel, Jerome a.a.O., S. 23.

113 Vgl. Huber, Elfi: Anarchistisches Denken zwischen europäischer Tradition und amerikanischer Eigenart, München 1988, S. 119

114 Vgl. Sombart , Werner a.a.O., S. 71. 115 Vgl. Huber, Elfi a.a.O., S. 121. 116 Sombart, Werner a.a.O., S. 74.

117 Vgl. Linse, Ulrich: Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, Berlin 1969, S. 29 ff.

118 Vgl. Huber, Elfi a.a.O., S. 120.

119,,Selbständige politische Bildungen auf einer nicht schlechthin anarchistischen aber prinzipiell pazifistischen Grundlage haben existiert. Die wichtigste war das Quäkergemeinwesen in Pennsylvanien, dem es zwei Menschenalter lang tatsächlich gelang, im Gegensatz zu allen Nachbarkolonien, ohne Gewaltsamkeit gegen die Indianer auszukommen und zu prosperieren." Weber, Max: a.a.O., S. 358

120 Nettlau, Max a.a.O., Bd. 1, S. 105.

121 Vgl. ebd., S. 109; Huber, Elfi a.a.O., S. 144, zu Warren Josiah ausführlich vgl. die Biographie von Bailie, Wiliam: Josiah Warren, The First American Anarchist, New York 1971.

122 Vgl. Nettlau, Max: a.a.O., Bd. 1, S. 118.

123 Tucker, Benjamin R.: Warum ich Anarchist bin, in: Solneman, Karl Heinz / Timm, Uwe: Individualistischer Anarchismus, Berlin 1977, S. 22- 26, S. 25.

124 Vgl. Zenker, E.V.: Der Anarchismus. Kritische Geschichte der anarchistischen Theorie, Jena 1895, unveränderter Nachdruck Berlin 1979, S. 87.

125 Vgl. Nettlau, Max a.a.O., Bd. I , S. 131.

126 Vgl. Osterfeld, David: Freedom, Society and the State. An Investigation into the Possibility of Society without Government, Boston 1983, S. 17 ff.

127 Vgl. zu Verlauf der Auseinandersetzungen in der I. Internationale vgl. Brupbacher, Fritz: Marx und Bakunin. Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation, Berlin 1976, S. 67 ff.

128 Vgl. hierzu z.B. Abendroth, Wolfgang: Aufstieg und Krise der deutschen Sozialdemokratie, Frankfurt a.M. 1964.

129 Vgl. Raschke, Joachim a.a.O., S. 31 ff.

130 Vgl. Nettlau, Max: Der Anarchismus von Proudhon zu Kropotkin. Seine historische Entwicklung in den Jahren 1859-1880. Geschichte der Anarchie Bd. II, Berlin 1927, S. 311.

131 Vgl. Zenker, E.V. a.a.O., S. 88.

132 Vgl. Nettlau. a.a.O., Bd. 1, S. 161

133 Vgl. Rocker, Rudolf: Johann Most - Das Leben eines Rebellen, Berlin 1924. 134 Vgl. Müller, Dirk: Idealismus und Revolution, Berlin 1975, S. 130 ff.

135 Vgl. Stowasser, Horst: Freiheit pur. Die Idee der Anarchie, Geschichte und Zukunft, Frankfurt a. M. 1995, S 314 ff, Linse, Ulrich a.a.O., S. 348 ff.

136 Vgl. Hausmann. Friederike a.a.O., S. 52.

137 Vgl. Grottkau, Paul / Most, Johan: Discussion über das Thema ,,Anarchismus oder Communismus?" am 24. Mai 1884 in Chicago.

138 Vgl. Stowasser, Horst a.a.O., S. 283.

139 Vgl. Scherrer, Christoph: Wo ist die Miltitanz der amerikanischen Arbeiter geblieben? Die Kanalisierung gewerkschaftlicher Aktivität in der Nachkriegszeit, in: Dollars und Träume. Studien zu Politik, Ökonomie, Kultur der USA, Heft 11, Hamburg 1985, S. 103 - 115, S. 103 f.

140 Vgl. Hausmann, Friederike a.a.O., S. 185 ff.

141 Vgl. ausführlich dazu das wohl umfassenste Werk zum linksradiaklen Spektrum bis 1920 in den USA: Report of the Joint Legislative Committee investigating seditious Activities , filed April 24, 1920, in the Senate of the State of New York: Revolutionary Radicalism. Its History, Purpuse an Tactics. With an Exposition an Discussion of the Steps being taken and required to curbit, 4 Bd., Albany 1920, Bd. 1, S. 840 ff. Im folgendem zitiert ,,Report".

142 Vgl. ebd. , S. 883 ff; Bologna, Sergio: Zusammensetzung der Arbeiterklasse und Theorie der Partei an den Anfängen der Rätebewegung; Berlin 1973, S. 16 ff.

143 Vgl. die Texte zur Frauenemanzipation von Goldman, Emma in: Frauen in der Revolution. Emma Goldman, Bd. 2, Berlin 1977, S. 9- 53.

144 Vgl. Report a.a.O., S: 844 ff.

145 Zu der Organisationsgeschichte der sozialistischen Parteien in der USA vgl. Hausmann, Friederike a.a.O., S. 52 ff, Buhle, Paul, s. 19 ff.

146 Vgl. Stowasser a.a.O., S. 329.

147 Vgl. Rübner, Hartmut: Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschiche des Anarchosyndikalismus, Berlin / Köln 1994, S. 69 ff.

148 Vgl. Report a.a.O, , Bd. III und Bd. IV, Constructive Measures; dort sind auf über 2000 Seiten Maßnahmen gegen Linksradikale Umtriebe zusammengestellt.

149 Vgl. Adamic, Louis a.a.O., S. 261 ff.

150 Vgl. Avrich, Paul: Anarchist Voices. An Oral History of Anarchism in America, Princeton 1995, S. 415.

151 Vgl. hierzu z. B. die folgende US-amerikanische Literatur: Avrich, Paul: The Russian Anarchists, Priceton 1967; Avrich, Paul: Kronstadt 1921, Priceton 1970; Goldmann, Emma: Niedergang der russischen Revolution, Berlin 1987.

152 Vgl. Theissen R. / Walter, P. / Wilhelms J.: Der Anarcho-Syndikalistische Widerstand an Rhein und Ruhr, Köln 1980, S. 46 ff.; Klan, Ulrich / Nelles, Dieter: ,,Es lebt noch eine Flamme" Rheinische Anarcho-Syndikalisten/-innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau 1986, S. 170 ff.

153 Vgl. Avrich 1995 a.a.O., S. 417.

154 Vgl. Klan, Ulrich /Nelles, Dieter a.a.O., S. 6. 155 Bartsch a.a.O., Bd. 2, S. 77.

156 Vgl. Oberländer, Erwin: Der Anarchismus, Freiburg i.B. 1972.

157 Cantzen, Rolf: Weniger Staat, mehr Gesellschaft. Freiheit - Ökologie - Anarchismus, Frankfurt a.M. 1987.

158 Buhle, Paul: Marxismus in den USA, Berlin 1974, S. 7.

159 Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie, Frankfurt a. M. 1975.

160 Wolff, Robert P.: Das Elend des Liberalismus, Frankfurt a. M. 1969, ders.: Eine Verteidigung des Anarchismus, Wetzlar 1979.

161 Vgl.Heider, Ulrike, S. 19 ff.

162 Vgl. Avrich 1995, S. 45 ff.

163 Vgl. Wolf, Naomi: Fire with Fire, Toronto 1993; Faludi, Susan: Backlash, New York 1991.

164 Vgl. Brown, Susan L.: Gießt Wasser ins Feuer! Die Anarchafeministische Infragestellung des ,,Macht-Feminismus", in: Schwarzer Faden, 18 Jg. Heft 3 (1997), S. 39 - 42, S. 40.

165 L. Susan Brown: The Politics of Individualism (Montreal: Black Rose Books, 1993), p. 12. I do not question the sincerity of Brown's libertarian views; she regards herself as an anarcho-communist, as do I. But she makes no direct attempt to reconcile her individualistic views with communism in any form. Both Bakunin and Kropotkin would have strongly disagreed with her formulation of what constitutes "a group," while Margaret Thatcher, clearly for reasons of her own, might be rather pleased with it, since it is so akin to the former British prime minister's notorious statement that there is no such thing as society -- there are only individuals. Certainly Brown is not a Thatcherite, nor Thatcher an anarchist, but however different they may be in other respects, both have ideological filiations with classical liberalism that make their shared affirmations of the "autonomy" of the individual possible. I cannot ignore the fact, however, that neither Bakunin's, Kropotkin's nor my own views are treated with any depth in Brown's book (pp. 156-62), and her account of them is filled with serious inaccuracies.

166 Liberals were not always in accord with each other nor did they hold notably coherent doctrines. Mill, a free-thinking humanitarian and utilitarian, in fact exhibited a measure of sympathy for socialism. I am not singling out here any particular liberal theorist, be he Mill, Adam Smith or Friedrich Hayek. Each had or has his or her individual eccentricity or personal line of thought. I am speaking of traditional liberalism as a whole, whose general features involve a belief in the "laws" of the marketplace and "free" competition. Marx was by no means free of this influence: he, too, unrelentingly tried to discover "laws" of society, as did many socialists during the last century, including utopians like Charles Fourier.

167 See Kropotkin's "Anarchism," the famous Encyclopaedia Britannica article that became one of his most widely read works. Republished in Roger N. Baldwin, ed., Kropotkin's Revolutionary Pamphlets: A Collection of Writings by Peter Kropotkin (Vanguard Press, 1927; reprinted by Dover, 1970).

168 I have never regarded the classical Athenian democracy as a "model" or an "ideal" to be restored in a rational society. I have long cited Athens with admiration for one reason: the polis around Periclean times provides us with striking evidence that certain structures can exist -- policy-making by an assembly, rotation and limitation of public offices and defense by a nonprofessional armed citizenry. The Mediterranean world of the fifth century B.C.E. was largely based on monarchical authority and repressive custom. That all Mediterranean societies of that time required or employed patriarchy, slavery and the State (usually in an absolutist form) makes the Athenian experience all the more remarkable for what it uniquely introduced into social life, including an unprecedented degree of free expression. It would be naive to suppose that Athens could have risen above the most basic attributes of ancient society in its day, which, from a distance of 2,400 years we now have the privilege of judging as ugly and inhuman. Regrettably, no small number of people today are willing to judge the past by the present.

169 Peter Marshall, Demanding the Impossible: A History of Anarchism (London: HarperCollins, 1992), p. 22.

170 Barbara Epstein, Political Protest and Cultural Revolution: Non-Violent Direct Action in the 1970s and 1980s (Berkeley: University of California Press, 1991), especially pp. 59, 78, 89, 94-95, 167-68,

177. Although I disagree with some of the facts and conclusions in Epstein's book -- based on my personal as well as general knowledge of the Clamshell Alliance -- she vividly portrays the failure of consensus in this movement.

171 The association of "chaos," "nomadism," and "cultural terrorism" with "ontological anarchy" (as though the bourgeoisie had not turned such antics into an "ecstasy industry" in the United States) is fully explicated in Hakim Bey's (aka Peter Lamborn Wilson) T.A.Z.: The Temporary Autonomous Zone (New York: Autonomedia, 1985). The Yuppie Whole Earth Review celebrates this pamphlet as the most influential and widely read "manifesto" of America's countercultural youth, noting with approval that it is happily free of conventional anarchist attacks upon capitalism. This kind of detritus from the 1960s is echoed in one form or another by most American anarchist newssheets that pander to youth who have not yet "had their fun before it is time to grow up" (a comment I heard years later from Parisian student activists of '68) and become real estate agents and accountants. For an "ecstatic experience," visitors to New York's Lower East Side (near St. Mark's Place) can dine, I am told, at Anarchy Café. This establishment offers fine dining from an expensive menu, a reproduction of the famous mural The Fourth Estate on the wall, perhaps to aid in digestion, and a maitre d' to greet Yuppie customers. I cannot attest to whether the writings of Guy Debord, Raoul Vaneigem, Fredy Perlman and Hakim Bey are on sale there or whether copies of Anarchy: A Journal of Desire Armed, The Fifth Estate or Demolition Derby are available for perusal, but happily there are enough exotic bookstores nearby to buy them.

172 Quoted from The American Heritage Dictionary of the English Language (Boston: Houghton Mifflin Co., 1978).

173 History provides no "model" for libertarian municipalism, be it Periclean Athens, or a tribe, village, town, or city--or a hippie commune or Buddhist ashram. Nor is the "affinity group" a model--the Spanish anarchists used this word interchangeably with "action group" to refer to an organizational unit for the FAI, not to the institutional basis for a libertarian society.

174 I should emphasize that I am not counterposing a Communalist democracy to such enterprises as cooperatives, people's clinics, communes, and the like. But there should be no illusions that such enterprises are more than exercises in popular control and ways of bringing people together in a highly atomized society. No food cooperative can replace giant retail food markets under capitalism and no clinic can replace hospital complexes, any more than a craft shop can replace factories or plants. I should observe that the Spanish anarchists, almost from their inception, took full note of the limits of the cooperativist movement in the 1880s, when such movements were in fact more feasible than they are today, and they significantly separated themselves from cooperativism programmatically.

175 For Bakunin, the people "have a healthy, practical common sense when it comes to communal affairs. They are fairly well informed and know how to select from their midst the most capable officials. This is why municipal elections always best reflect the real attitude and will of the people." Bakunin on Anarchy, Sam Dolgoff, ed. (New York: Alfred A. Knopf, 1972; republished by Black Rose Books: Montreal), p. 223. I have omitted the queasy interpolations that Dolgoff inserted to "modify" Bakunin's meaning. It may be well to note that anarchism in the last century was more plastic and flexible than it is today.

176 A detailed discussion of the differences between the social domain, which includes the ways in which we associate for personal and economic ends; the public sphere or political domain; and the state in all its phases and forms of development can be found in my book Urbanization Without Cities (1987; Montreal: Black Rose Books, 1992).

44 von 44 Seiten

Details

Titel
Anarchismus in den USA und Deutschland. Eine vergleichende Untersuchung zur Entwicklung von anarchistischer Theorie und Praxis
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Proseminar Comparative Politics - Eine Einführung in den Vergleich politischer Systeme
Note
1,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
44
Katalognummer
V97198
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vordiplom
Schlagworte
Anarchismus, Deutschland, Eine, Untersuchung, Entwicklung, Theorie, Praxis, Proseminar, Comparative, Politics, Einführung, Vergleich, Systeme
Arbeit zitieren
Marcus Bröskamp (Autor), 1999, Anarchismus in den USA und Deutschland. Eine vergleichende Untersuchung zur Entwicklung von anarchistischer Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97198

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