Oasen - Landwirtschaft zwischen Tradition und Hi-Tech


Hausarbeit, 1999

20 Seiten, Note: 2


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1. Einleitung

,,Wasser ist der Quell des Lebens"

Dieses erkannte auch General Gamad Abd el Nasser (ägyptischer Staatspräsident 1954-1970), als er in den 60er Jahren umfangreiche Bewässerungsprojekte ins Leben rief, um die stetig ansteigende ägyptische Bevölkerung eine ausreichende Ernährung gewährleisten zu können. Belief sich die Bevölkerung 1882 noch auf 6,8 Mio. Menschen (Terra Geographie, 1975, S.196), so waren es 1966 schon weitaus mehr als 30 Mio. (Terra Geographie, 1975, S.196) und heute bereits über 50 Mio. Menschen (Huntemann, 1996, S.317). Als Folge von Bevölkerungswachstum und Desertifikation müssen also immer mehr Menschen von immer weniger verfügbaren Landflächen ernährt werden. Dieses ist nicht nur ein Problem der ägyptischen Bevölkerung, sondern es ist in jede klimatisch oder sozial benachteiligte Region der Erde zu beziehen, hauptsächlich aber in die Dornbuschsteppen, Halbwüsten und Wüstenregionen.

Hier gewinnen nun Oasen, die durch ihre Bewässerung eine intensive Landwirtschaft auf kleinem Raum ermöglichen, an Bedeutung. Neue Technologien der Anlegung von Oasen, der Bewässerung und der Bearbeitung steigern den Ertrag, bringen jedoch auch Probleme mit sich, die häufig nicht gelöst werden können, sei es, daß es an finanziellen Mitteln fehlt, es zu irreparablen Schädigungen der Umwelt kommt oder es einfach am ,,know how" fehlt. Im Rahmen des Proseminars Agrargeographie, geleitet durch Frau Anja Reichert, möchte ich nun in dieser Hausarbeit zum Thema ,,Oasen - Landwirtschaft zwischen Tradition und High-Tech" auf problematische Fragestellungen eingehen, die dieses Thema beleuchten, aber auch erläutern, was Oasen sind.

(Tabelle 1 aus ANDREAE, 1972, S. 35)

2. Oasen

2.1. Allgemeine Definitionen

[...] In den Randzonen gegen die Trockengrenze hin haben sich in vielen semiariden Gebieten wohlorganisierte Bewässerungswirtschaften zu entwickeln vermocht. Inselartige Oasen mit intensiven Bewirtschaftungsformen knüpfen an Quell- und Brunnenwasser an. Sehr viel ausgedehnter sind die Flußoasen, die mitunter am saisonal reichlich fließendem Wasser der sogenannten Fremdlingsflüsse anknüpfen können.[...]

(BORCHERDT, 1996, S.193)

Erdraumausschnitt mit ökologischen Sonderbedingungen gegenüber einer wüstenhaften Umgebung, der sich durch reicheres Pflanzenwachstum, relative Grundwassernähe, Quellen und artesische Brunnen bzw. Quellen auszeichnet.[...]

(LESER, 1997, S. 571)

[...] In besiedelten Oasen befinden sich intensive und differenzierte Nutzpflanzenkulturen, oft auf engstem Raum neben- und übereinander. In dieser Oasenwirtschaft werden Gemüse, Knollenpflanzen, Getreide, Dattelpalmen, Öl- und Obstbäume kultiviert. Für nordafrikanische und vorderasiatische Oasen ist die Dattelpalme die Charakterpflanze. [...] (SCHÜLER DUDEN - DIE GEOGRAPHIE, 1997, S.266)

2.2. Typisierung von Oasen

Oasen werden in erster Linie nach Herkunft des gebrauchten Wassers, allerdings lehnt die Namengebung auch an die Art der Wasserförderung an.

2.2.1. Flußoase

Eine Flußoase liegt zu beiden Seiten eines Fremdlingsflusses, der aus einer niederschlags-reicheren Gebiet stammt und durch ein Trockengebiet fließt. Seine Quelle und sein Oberlauf liegen also in einer humiden Zone. Wenn dieser Fluß sehr viel Wasser führt, kann es ihm gelingen trotz der hohen Verdunstungs- und Versickerungsverluste in Trockengebiet zu durchqueren. Bei günstigen Bodenverhältnissen am Ufer kann so eine agrarische Nutzung durch Bewässerung aus dem Fluß erfolgen. Das wohl bekannteste Beispiel einer Flußoase ist die Nil-Uferregion nördlich Assuan (Ägypten). Hier wird auf einem bis zu 40km breiten Streifen intensiv Landwirtschaft betrieben. Die vorherrschende Nutzung der Flußoase ist aufgrund des gleichbleibenden Nil-Pegelstandes (Assuan-Staudamm) Baumwolle und Zuckerrohr (Export), aber auch Getreide und Gemüse für die Nahrungsmittelversorgung. (DIERCKE WELTATLAS, 1992, S.129)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Flußoase http://www.uni-kiel.de:8080/ewf/geographie/forum... -10.01.2000

2.2.2. Quelloase

Eine Quelloase kann dort entstehen, wo Grundwasser aufgrund der geomorphologischen Gegebenheiten aus dem Untergrund an die Oberfläche tritt und über ein überirdisches Gewässer abließen kann. Diese Quellen können aufgrund ihrer Eigenschaften weiter unterschieden werden, wobei drei Quelltypen für eine Oasenbildung von belang sind: die Überlaufquelle, die artesische Quelle und die Schichtquelle.

à Überlaufquelle: Sie entstehen auf folgender Weise: Grundwasser sammelt sich im Erdinnern in einer wasserleitenden Schicht auf einer wasserstauenden Schicht (z.B.: tonige Horizonte, Ortstein, toniges Sediment- oder Festgestein). Wenn diese Schichten durchbogen sind und sich immer mehr freibewegliches Grundwasser ansammelt, versucht das Wasser zu entweichen. Dieses ist an den Randstellen der Schichten möglich; es bildet sich eine Quelle.

(vgl. LESER, 1997, S.915)

à Artesische Quelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Oase mit artesischem Brunnen

http://www.uni-kiel.de:8080/ewf/geographie/forum/... 10.01.2000

Sie entstehen ähnlich wie Überlaufquellen, denn auch bei dieser Art von Quellen steht das Wasser unter Druck. Grundwasser steigt infolge des Prinzips der kommunizierenden Röhren selbsttätig auf: wasserführende Schichten sind in wasserstauenden eingeschlossen, wobei diese Schichten höher hinausreichen, als der Quellenaustritt. Dieses ist der Fall, wenn die Schichten zwischen zwei Erhöhungen liegen und der Auslauf in der dazwischenliegenden Tallage. Wenn der Grundwasserhorizont unter das Niveau desAuslaufs infolge der Wasserförderung oder anderen Umständen, gelangt versiegt die Quelle.

(vgl. SCHÜLER DUDEN - DIE GEOGRAPHIE, 1997, S.22)

à Schichtquelle: Eine wasserdurchlässige Schicht ist über einer wasserstauneden Schicht

gelagert und beide sind absteigend zur Quelle hin geneigt. Grundwasser fließt so der

Schwerkraft folgend auf der undurchlässigen Schicht abwärts zur Quelle hin, wo es dann zu Tage tritt. Schichtquellen treten oft als Quellenband in einer Reihe auf. Die wasserleitende Schicht wird dann auch als Quellhorizont bezeichnet.

(vgl. LESER, 1997, S. 743)

2.2.3. Grundwasseroase mit Brunnen

Grundwasseroasen sind insofern begünstigt, da der Grundwasserspiegel relativ dicht unter der Erdoberfläche liegt. Begünstigt wird dieses durch eine gebogene wasserstauende Schicht, die den Wasserstrom in horizontaler als auch in vertikaler stoppt. So entsteht ein oberflächennahes Wasserbecken, welches nun genutzt werden kann. Mit Hilfe von handgemachten Werkzeugen

(Göpelwerken, Hebelarmen mit Gegengewichten, Eimern...) kann dieses Wasser nun an die Oberfläche befördert werden. Unter der Zuhilfenahme von Lasttieren kann die Förderleistung noch erhöht werdenà Ziehbrunnen.

Heutzutage gibt es aber andere Hilfsmittel: Motorpumpen. So kann selbst ein Grundwasserspiegel, der bis ca.2000m hinabreicht genutzt werden. Hierzu wird ein Rohr senkrecht in die Erde getrieben, wobei der obere Teil des Rohres geschlossen, aber der untere Teil, der in der Grundwasserzone liegt, durchlöchert ist. Wasser kann in das Rohr eindringen und wird Mittels der Motorpumpe zutage gefördertàTiefenbrunnen.

(vgl. http://www.uni-kiel.de/8080/ewf/geographie/forum... - 1001.2000)

2.2.4. Gebirgsfußoasen

Grundwasser, welches in der Schwemmfächerzone an einem Gebirgsfuß sich der Schwerkraft folgend abwärts bewegt, kann mittels Foggaras (Kanaten) ohne einer Hebevorrichtung an die Oberfläche gefördert werden: es wird ein leicht geneigter Stollen (Galerie) im Untergrund des Schwemmfächers (Däscht) angelegt. Dieser wird mit senkrechten Schächten (bis zu 40m Tiefe) versehen, die zur Bearbeitung und Belüftung der Galerie dienen. An dem Punkt wo die Galerie den Grundwasserspiegel schneidet, wird der Mutterschacht angelegt. Von diesem Punkt aus zum Berg hin ist die Galerie ein wassersammelnder Stollen, da der Grundwasserspiegel über der Galerie liegt und sich Wasser sammeln kann. Darunter befindet sich der wasserableitende Stollen. Am Wasseraustritt befindet sich die Siedlung und weiter bergab die bewässerten Felder, welche sich durch Salz-Ton-Anschwemmungen (Käwir) auszeichnen.

(vgl. SCHÜLER DUDEN - DIE GEOGRAPHIE, 1997, S.178)

Diese Art Wasser nutzbar zu machen ist bereits 2500 Jahre alt, sie wurden von vorderasiaten Völkern erfunden. Im 7 Jahrhundert wurde diese Arbeitsweise von den Arabern nach Nordafrika verbreitet. Städte wie Teheran, Marrakesch und Madrid wurden duch Foggaras mitWasser versorgt. Im Iran wird die Gesamtanzahl von Kanaten vor dem zweiten Weltkrieg auf ca. 35.000 geschätzt, da viele Dörfer auf diese weise bewässert wurden. Heute liegt deren Anzahl aber deutlich unter 15.000, dennoch mit einer Gesamtlänge von über 125.000km und einer Bewässerungsfläche von 1.000.000ha. Die Vorteile dieser Art der Bewässerung sind offensichtlich, handelt es sich doch um

àErschliessung sonst ungenutzter Wasserressourssen.

àeine Methode der Wasserförderung, bei der die Verdunstungsverluste infolge der unterirdischen Wasserführung sehr gering sind.

àeine Technik, die ohne hochtechnisierte Hilfsmittel über jahrtausende ausgekommen ist. Es gibt aber auch Nachteile, die hauptsächlich in den hohen Erschließungs- und Instandhaltungskosten begründet liegen, aber auch in der gravierenden Absenkung des Grundwasserspiegels, wodurch viele Kanate versiegen. So wird in neuerer Zeit das Hauptaugenmerk auf die Schaffung von Brunnen gelegt.

Aktuell werden keine neuen Foggaras mehr angelegt, allerdings werden alte, bestehende mühevoll gepflegt, hauptsächlich im iranischen Hochland, wo sie bis zu 70 km lang sein können und ein bedeutendes, historisches Kulturgut sind.

(vgl. http://www.bboxbbs.ch/Home/sparta/iran.html - 10.01.2000)

3. Anbauorte und -arten

3.1. Böden

Im Grunde genommen ist eine gut funktionierende Landwirtschaft in einer Wüste zu betreiben, denn die Böden sind in aller Regel hervorragend dafür geeignet, jedoch ist die Trockenheit der begrenzende Faktor. Hauptsächlich geeignet sind Kastanozeme, Arenosole und Calcisole, die mit einer künstlichen Bewässerung zu intensivnutzbare Flächen umgewandelt werden können.

3.1.1. Kastanozeme:

Kastanozeme sind Steppenböden, die ähnliche Eigenschaften wie Chernozeme (Schwarzerden) aufweisen, allerdings aufgrund der geringeren Bodendurchfeuchtung weniger gut entwickelt sind. Aufgrund der relativ intensiven Tätigkeit von Bodentieren ist der Mull-A-Horizont mächtig. Auch wenn das Ausgangsgestein relativ carbonatarm ist, kann er wegen Sekundärkalkbildung sehr carbonatreich sein. Die Bodenreaktion ist neutral, Silcate sind nahezu nicht verwittert und Tonminerale stammen vorzüglich aus dem Ausgangsgestein. Aufgrund von Witterungsunterschieden in verschiedenen Jahren kommt es zu hohen Ertragsschwankungen, die durch Schwarzbrachen vermindert werden können, was aber die Gefahr birgt, daß es verstärkt zu Winderosion, in Hanglagen auch zur Wassererosion führen kann. Durch künstliche, hauptsächlich durch Furchenbewässerung, kommt es zu einer Sekundärversalzung des Oberbodens. Das hierfür benötigte Wasser stammt meist aus tiefergelegenes, fossiles Grundwasser, welches zwar durchschnittlich nur 0,1% Salz enthält, jedoch je nach Jahreszeit erheblich um den Mittelwert schwankt. Bei einer Bewässerung mit 300mm können sich so 900kg Salze je ha anreichern. Durch die künstliche Bewässerung wird auch der Grundwasserspiegel stark angehoben. Wasser verdunstet an der Oberfläche und es findet eine Anreicherung der Salze statt.

(vgl. SCHEFFER / SCHACHTSCHABEL, 1998, S.452)

3.1.2. Arenosole

Arenosole sind stark sandige Wüsten- und Steppenböden mit nur mäßig ausgeprägter Horizontierung. Aufgrund ihrer geringen Ausgangsvegetation ist der Oberboden sehr humusarm und aufgrund der geringen Niederschläge werden eingetragene Salze nicht stark ausgewaschen. Die Reaktion ist neutral bis alkalisch und allenfalls nur schwach verbraunt. Dennoch kann man diese Bodenart durch künstliche Bewässerung zu einem intensivnutzbaren Standort machen, da dadurch zunächst Vegetation möglich ist, die dann recht schnell zu einer Bildung eines humosen Oberbodens führt. Um nun eine intensive Nutzung zu gewährleisten, muß allerdings bis zu 500mm bewässert und stark gedüngt werden, was ein enormer Kostenfaktor darstellt. Jedoch sind Arenosole aufgrund ihrer hohen Wasserdurchlässigkeit nicht so sehr Gefahr der Versalzung ausgesetzt, was sie für eine intensive Nutzung, auch auf längere Dauer, sehr attraktiv macht.

(vgl. SCHEFFER / SCHACHTSCHABEL, 1998, S.453)

3.1.3. Calcisole

Calcisole (teils auch bei höherem Gipsanteil auch Gypsisole) sind Kalkböden der ariden Klimate, die auf kalkhaltigem oder kalkfreiem Gestein entstehen. Auf kalkfreiem Gestein entstehen sie, wenn Sekundärkalk aus dem Grundwasser oder aus dem Niederschlag in den Boden gelangt. Der A-Horizont ist geringmächtig und die Bodenreaktion alkalisch. Durch künstliche Bewässerung können hohe Erträge erzielt werden, es wird aber eine Unterflur- oder Furchenbewässerung der Überstaubewässerung vorgezogen, da so die Gefahr der Oberflächenverkrustung vermindert wird. Ein zu hoher Kalk- bzw. Gipsanteil wirkt sich negativ auf den Ertrag aus, da so harte Bänke entstehen können, die dann Wurzelhemmnisse darstellen.

(vgl. SCHEFFER / SCHACHTSCHABEL, 1998, S. 454)

3.1.4. Andere Bodenarten

In den Wüsten- und Halbwüstenregionen finden sich auch Solonchake und Solonetze:

Solonchake sind Salzböden der ariden Klimate. Aufgrund ihres hohen Salzgehalt stammend aus Tagwasser oder Grundwasser sind sie eher unfruchtbar. Eine sich lohnende Nutzung ist erst möglich, wenn die Salze ausgewaschen sind, welches aber nur auf künstlichem Wege aufgrund der zu geringen Niederschläge erfolgen kann und von hoher Dauer ist. So ist es zunächst sehr kapitalintensiv und die Gefahr der erneuten sekundären Versalzung ist sehr hoch.

Solonetze sind ebenfalls Salzböden, die sich aber darüberhinaus durch einen hohen Tongehalt und ihre dunkle Färbung auszeichnen. Durch den hohen Na-Anteil wird eine verstärkte Verlagerung von Ton und Humus nach unten hin begünstigt, wodurch der Oberboden sehr stark verarmt. Im feuchten Zustand sind diese Böden schlecht durchlüftet und wenig wasserdurchlässig. Im trockenem Zustand bilden sich harte Schollen und tiefe Schrupfungsrisse. Deshalb sind diese Böden für eine Kulturpflanzennutzung absolut ungeeignet.

(vgl. SCHEFFER / SCHACHTSCHABEL, 1998, S. 454 - 455)

3.2. Geographische Verbreitung

Oasen sind nicht in allen Regionen der Erde zu finden, sondern nur in den Wüsten und Halbwüsten. Man kann die Erde in drei Zonen einteilen, die auf der Nord- und Südhemnisphäre ungefähr ähnlich sind, jedoch ist die Wüstenausbreitung auf der nördlichen Hemnisphäre größer.

1) Eine Zone der Bewässerung nur in Ausnahmefällen vom Pol bis ungefähr zum 55. Breitengrad.
2) Eine Zone der ergänzenden Bewässerung vom 55. Bis ungefähr zum 40. Breitengrad.
3) Eine Zone der notwendigen Bewässerung vom 40.Breitengrad bis zum Äquator. (vgl. ANDREAE, 1972, S. 103/104 und Anhang1)

3.3. Stockwerkanbau

Schon sehr früh erkannten die vorderasiatischen Völker, daß eine richtige Anordnung der Pflanzen von Notwendigkeit ist, damit es zum optimalen Wachstum kommt. Aus dieser Erfahrung heraus bildete sich immer weiter der heute für eine Oase typische Stockwerkanbau aus. Sie erkannten, daß einige Pflanzenarten viel mehr Wasser benötigen als andere und daß einige Arten keine direkte Sonneneistrahlung vertragen können. Der Name Stockwerkbau liegt darin begründet, daß sich die Form mit seinen verschiedenen Höhenstufen sehr mit einer der eines Hauses und seinen verschiedenen Stockwerken ähnelt. Von innen nach außen hin nimmt die Höhe des Bewuchses zu, sie reicht von Gemüse im inneren Ring bis hin zu den allesüberragenden Dattelpalmen am Rande der Oase.

Beschreibung einer Musteroase:

Im Zentrum der Oase befindet sich der Brunnen bzw. die Quelle, wo das Wasser für die Bewässerung zu Tage tritt. Von hier aus gehen nun sämtliche Bewässerungskanäle aller Art aus. Im Zentrum wird nun vornehmlich Gemüse angebaut. Gemüse braucht in aller Regel viel Wasser und viel Sonnenlicht, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Der Anbau ist recht vielseitig je nach den jeweiligen Bedürfnissen der anwohnenden Bevölkerung. Hauptsächlich werden Bohnen, Gurken, Melonen, Zwiebeln und vor allem Kohl angebaut. Auch im inneren, sonnenreichem Ring wird Wein und Getreide angebaut, hauptsächlich Gerste, Hirse und Weizen. Das Gemüse und das Getreide zusammen bilden das erste Stockwerk. Dieses Stockwerk ist in seiner Nutzung auch hauptsächlich für die Nahrungsmittelproduktion der Oasenlandwirte angelegt. Es fällt auf, daß zumindest in damaliger Zeit wenig Futterpflanzen für Tiere angebaut wurden. Das ist in der Tatsache begründet, daß vor der Revolution der Wasserversorgung Rindfleisch als Nahrungsmittel eher unbekannt war. Es wurden meist nur Rinder und Ziegen zur subsistentiellen Milcherzeugung und als Last- bzw. Zugtiere gehalten. Daran, weiter nach außen hin anschließend, befinden sich das zweite und dritte Stockwerk. Das zweite Stockwerk beinhalted die Obstbaum- oder Strauchkulturen. Hierzu gehören Aprikosen, Oliven, Orangen und Pfirsich zur Vitaminversorgung der Bewohner, in heutiger Zeit aber auch Industriepflanzen, wie Opium und Henna. Diese Kulturen benötigen viel Wasser und Nährstoffe, können aber nur bedingt der direkten, intensiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Deshalb werden sie zusammen mit der dritten Schicht, den hohen Dattelpalmen angebaut, die den Kulturen Schatten geben.

(vgl. http://www.uni-kiel.de:8080/ewf/geographie/forum... - 10.01.2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4. Die Dattelpalme

Abbildung3Dattelpalmen http://www.uni-kiel.de-:8080/ewf/geographie/forum... 10.01.2000

Die Dattelpalme gilt als einer der ältesten Kulturpflanzen der Erde. Forscher haben herausgefunden, daß die Dattelpalme bereits ca. 3000 v.Chr. landwirtschaftlich genutzt wurde, andere Forscher vermuten sogar, daß dieses noch viel früher geschah. Sie verleihen Oasen das typische Aussehen. Durch ihren hohen Wuchs (10m -20m) sind sie weithin sichtbar. Die Pflanze ist trockenheitsliebend, je höher die Sonnenstrahlung und je weniger Niederschlag fällt, desto höher ist ihr Wuchs und desto größer ist die Ernte an den verschiedenen Produkten. Ihr Maximum an Wachstum erreicht sie, wenn die Durchschnittstemperaturen im Herbst und in den Sommermonaten 25°C - 30°C erreicht, gleichzeitig aber wenig Nachtfrost herrscht, da die Pflanze nur wenig frostresistent ist. Auch Niederschläge könnten der Pflanze Schaden zufügen, daher ist es von enormen Vorteil, wenn die Wasserversorgung der Pflanze ausschließlich über das Grundwasser oder eine gesonderte Bewässerung erfolgt. Die Wurzeln können bis zu 25m in das Erdreich vordringen, was in tiefergelegenen Oasen meist ausreicht, um an eine grundwasserführende Schicht zu gelangen. Dieses ist der optimale Fall, denn durch die dann nicht mehr nötige Bewässerung, fallen keine zusätzlichen Kosten an und die Pflanze gilt dann als relativ wenig-arbeitsintensiver Selbstversorger. Darüberhinaus ist die Dattelpalme sehr resistent gegenüber salzhaltigem Wasser, kann sogar gewisse Kapazitäten aufnehmen, was von Vorteil für weniger salzresistente Arten ist, die bei gewissen Salzgehalten schon Wachstumseinbußen haben. Die Produkte der Dattelpalme (Art: Phoenix dactylifera) sind sehr vielseitig nutzbar. Als erstes sind die Früchte, die Datteln, ein Grundnahrungsmittel Wüstenbewohner. Ein Erwachsener Mensch benötigt ca.200kg-240kg jährlich als Nahrungsgrundlage, kann sich also von einer Palme, die eine Jahresernte von 150kg-300kg ermöglicht, ernähren. Außerdem werden Datteln weltweit exportiert, da sie nur in den Wüstenregionen geerntet werden, was wertvolle Devisen in die meist armen Länder bringt. Die Früchte werden meist an Ort und Stelle entkernt. Die anfallenden Kerne werden zerkleinert und können als Viehfutter verwendet werden. Die Blätter der Palme, die Palmwedel, können für die Herstellung von Matten, Körben, Dächer, Zäune für den Windschutz oder als Besen verwendet werden, junge Palmblätter können darüberhinaus noch zu einem gehaltvollen Salat zubereitet werden. Einzelne Fasern aus den Wedeln werden zu Seilen und Säcken verarbeitet. Das Holz des Stammes wird als Bau- bzw. als Brennholz verwendet, was die Landwirte dazu verleitet, einen möglichst hohen Wuchs zu erzielen, wodurch allerdings der schattenspendende Faktor vermindert wird. Der Zellsaft aus alten Individuen ist sehr zuckerreich und kann deshalb als Dattelmilch zu Palmwein vergoren werden, welcher teils zum Eigengebrauch, aber auch für den Export verwendet wird. Aufgrund dieser vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten ist die Dattelpalme von je her schon die wichtigste Pflanze. Ihr Stellenwert ist zwar in jüngster Vergangenheit gesunken, dennoch wird sie für eine Oase benötigt, um das Öko- und Kultursystem aufrecht zu erhalten.

(vgl.http://www.uni-kiel.de:8080/ewf/geographie/forum/... - 10.01.2000)

4. Landwirtschaft zwischen Tradition und Hi-Tech

Über die frühgeschichtliche Entwicklung der Oasen im afrikanischen - islamischen Raum ist recht wenig bekannt, da es nur sehr begrenzt Aufzeichnungen existieren. Aus diesem Grund lassen sich auch sehr alte Brunnen nicht datieren. Einige Forscher, daß die traditionelle Wasserförderung von den Römern ca.100 n.Chr. eingeführt wurde, andere hingegen vertreten die Ansicht, daß sie bereits von den Ptolomäern ca 300 v.Chr. eingeführt wurde, was man anhand von den Foggara-Systemen erschließen konnte. (vgl. BLISS, 1989, S.225) Bis hin zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts veränderte sich die Landwirtschaft nicht nennenswert bis es zur ,,Revolution der Wasserversorgung" kam, so läßt sich die geschichtliche Entwicklung der Landwirtschaft in zwei Abschnitte gliedern: die Epoche der Oasenwirtschaft vor der ,,Revolution" und die Epoche danach.

4.1. Oasenwirtschaft vor der ,,Revolution der Wasserversorgung"

In dieser Epoche diente die Landwirtschaft der Oasen hauptsächlich der Subsistenz der Bauern und deren Familien und waren in zwei Anbaugebiete unterteilt: dem Garten und das Feld. Zuerst sollte ausgeführt werden, wie die Wasserversorgung im einzelnen organisiert war. Hierbei spielt die Herkunft des Wassers eher eine untergeordnete Rolle, da das Wasser immer mit Hilfe von Erdkanälen auf die Felder und Gärten geleitet wurde. Die Art der Wasserförderung und die Beschaffenheit des Geländes hatten erheblichen Einfluß auf die Anlage des Bewässerungssystems und dessen Effektivität. Bei Fluß- oder Quelloasen, bei denen das Wasser ohne zusätzliche Hilfsmittel in die Bewässerungskanäle strömen konnte, war besonders auf die Höhenlinien zu achten, da ansonsten möglicherweise das Wasser die Felder nicht erreichen könnte.(vgl.BLISS, 1989, S.264)

Bei Oasen mit Brunnenbohrungen legte man den Brunnen an den höchsten Punkt der Oase, um das Gefälle für den Wassertransport ausnutzen zu können. Mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand wurden diese Brunnen mit primitiven Bohrwerkzeugen errichtet und mit Holz ausgekleidet. Dieses sollte ein mögliches Verstopfen, aber auch den Rückgang durch Wasserschüttung verhindern.(vgl. BLISS, 1989, S.226)

Die Brunnen bedurfen einiger Wartung. Durch Spülungen wurden am Grunde angelagerte Bodenteilchen gelöst und entfernt. Auch wurde bis auf den Grund hin getaucht um per Hand Wartungen durchzuführen, was aber aufgrund der Enge und der Einsturzgefahr sehr gefährlich war unddeshalb wohl eher selten ausgeführt wurde. (vgl. BLISS, 1989, S.235) Vom Brunnen ergoß sich das Wasser nur in einen Hauptzuleiter, von dem einige Nebenleiter gemeinschaftlicher Nutzung abzweigten. Von diesen gelangte das Wasser in private Nebenkanäle und Zuleiter, von denen aus nun die jeweiligen Felder und Gärten (Bewässerungskarrés) bewässert wurden. (vgl. BLISS, 1989, S.259)

Die Dauer, wie lange und wie viel jeder einzelne Bauer Wasser erhielt war davon abhängig, wieviel Zeit und Arbeit er in den Bau und die Wartung des Brunnens und der Kanäle gesteckt hat. Aus diesem Grund konnte es durchaus vorkommen, daß ein Bauer mehr Wasser zur Verfügung hatte, als er eigentlich benötigte. (vgl. BLISS, 1989, S. 246) Der Bau der Bewässerungskanäle geschah mit einfachsten Werkzeugen und sie bestanden nur aus Sand, wodurch die jährliche Versickerung sehr hoch war. Man konnte außerdem meist nicht den direkten Weg vom Brunnen zu den Feldern nehmen, da häufig die Höhenlinien ein unüberbrückbares Hindernis waren, so mußten teilweise große Umwege gebaut werden, was den Arbeitsaufwand, aber vor allem den Versickerungs- und Verdunstungsgrad erhöhte. Je höher der Verdunstungsgrad war, desto leichter kam es zu einer Versalzung des Bodens, was die Ausdehnung der bewirtschaftbaren Oase erheblich erschwerte. Trotz dieser Nachteile war die Bewässerung dennoch ausreichend, um das Überleben der Oasenbewohner zu sichern. Die einzelnen Bewässerungskarrés waren durch Erdwälle voneinander getrennt. Es kam häufig vor, daß die Felder eines einzelnen Bauern in einer Reihe hintereinander Lagen, so weit es die Höhenverhältnisse zuliessen. Aus diesem Grund konnten sie durch einen privaten Zuleiter gespült werden. Dieses barg aber gewisse Probleme: wenn die Fließgeschwindigkeit zu hoch war, kam es zu einer Auswaschung des fruchtbaren Oberbodens und während der Aussaat wurde wertvolles Saatgut abgeschwemmt, was eine Einbuße in der Ertragsfähigkeit hatte. (vgl. BLISS, 1989, S. 188)

Die Bewirtschaftung der Anbauflächen wurde in aller Regel durch den Bauern selbst und seine Familie durchgeführt, wobei allerdings Frauen keine Feld-Tätigkeiten verrichten durften. Falls die Arbeitskraft der Familie nicht ausreichte, wurden Lohn- bzw. Saisonarbeiter eingestellt. Diese wurden meist mit Anteilen aus der Ernte entlohnt, bei zunehmender Häufigkeit allerdings auch mit Geld.(vgl.BLISS, 1989, S.103)

Eine andere Art der Bewirtschaftung war die Kooperation der einzelnen Bauern einer Oase untereinander. Man organisierte sich so, daß jeder Einzelne auf allen Feldern alle Arbeiten leistete und anschließend der Gesamtertrag auf die jeweilige Fläche des Einzelnen Bauern verrechnet wurde. Die Werkzeuge waren lange bis in die 60er Jahre hin sehr primitiv. Man bediente sich Sicheln zur Maat, einfacher Holzhacken oder einfachen Holzpflügen, die von einem Arbeitstier gezogen wurden.(vgl. BLISS, 1989, S.195)

4.2.Der Anbauzyklus eines Jahres

Man kann die einzelnen Phasen des Anbauzyklusses eines Jahres im groben mit den Monaten voneinander abgrenzen. Außerdem kann man das Jahr in zwei große Hauptteile untergliedern; den Sommer- und den Winteranbau, sowie die ganzjährigen Palm- und Obstkulturen. Im Januar wurden die Kanäle gewartet und etwaige Schäden repariert. Gleichzeitig mußten die Palmen zugeschnitten werden, was notwendig war, um einen optimalen Wuchs zu garantieren. Die Felder wurden gedüngt und die Ernte der Zitrusfrüchte sowie des Viehfutters begann.

Der Februar war geprägt durch die Aussaat der Wassermelonen, der Pflanzung von Oliven- oder Dattelsetzlingen und der Ernte vom Gemüse (Tomaten, Zwiebeln...). Da Dattelpalmen zweihäusig sind, d.h. daß weibliche und männliche Blüten auf verschiedenen Individuen sind, wurden sie im März von Hand bestäubt, was eine größere Erfolgsquote versprach.

Im April wurden dann die Felder für die Sommerkulturen vorbereitet und bearbeitet. Da der Verdunstungsgrad im Sommer sehr hoch ist, konnte meist nur ca. ein drittel der Anbaufläche genutzt werden.

Die Palmenhaine wurden dann im Mai mit Stallmist gedüngt, was zeitgleich mit der Aussaat von Hirse und Mais und der Linsenernte geschah.

Der Juni wurde vornehmlich dazu genutzt die Sommerkulturen zu pflegen, Parasiten zu bekämpfen oder die Kanäle zu warten.

Im heißesten Monat in den Wüsetenregionen, dem Juli, kann es über Tag bis zu 45°C heiß werden, aus diesem Grunde wurden in diesem Monat keine übermäßigen Feldarbeiten durchgeführt, außer leichten Wartungsarbeiten an den Kanälen.

Im August wurden Guaven, Mangos und der Wein geerntet, welcher aus religiösen Gründen nicht gekeltert wird.

Die Ernte von Mais und Hirse fand dann im September statt. Außerdem wurden die Wedel von den Dattelpalmen abgeschnitten, denn ihre schattenspendenden werden ab Oktober nicht mehr benötigt. Außerdem war eine wichtige Maßnahme im September die Felder für Aussaat der Winterkulturen vorzubereiten und entsprechend zu bearbeiten.

Im Oktober selbst wurden nun die Winterkulturen angelegt. Es war aber auch die Zeit der Dattelernte, was eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Bauern der Oase hatte, da Datteln auf den lokalen Märkten und im Handel mit Nomadenstämmen die besten Gewinne erzielten.

Abschließende Dattelernten, die letzte Aussaat von Winterkulturen und die Ernte der Zitrusfrüchte fand im November statt.

Im Dezember wurden alle weiblichen Dattelpalmen beschnitten, was für ein optimales Wachstum unabdinglich ist. (vgl. BLISS, 1989, S. 182 - 184)

4.3. Die Revolution der Wasserversorgung

Auf Grund der Überbevölkerungsproblematik und der damit verbundenen Nahrungsmittelknappheit, versuchten viele Staaten des afrikanisch-islamischen Raumes (Libyen, Algerien, Marokko, Ägypten, Tunesien und Iran) ihre landwirtschaftlich nutzbare Fläche zu vergrößern. Durch Neulandprojekte und Flächenerweiterung der bereits vorhandenen Oasen sollte so eine Entlastung des Nahrungsmittelproblems vollzogen werden. Das wohl bekannteste Neulandprojekt ist wohl das ,,New Valley Projekt" (,,Neues Tal) der ägyptischen Regierung. Wie auch viele andere gleichartige Projekte in anderen Ländern, sollte dies inmitten der Wüste zur Schaffung von neuen Oasen führen, die mit ihren neuen Siedlungsflächen und Arbeitsplätzen das überbesiedelte Niltal entlasten sollte. Hierzu wurden Tiefenbohrungen bis hin zu 2000m Teufe vorgenommen, die Aquifere mit fossilem Grundwasser anzapfen, welches dann mittels Motorpumpen und Großberegnern die Sahara in einer Fläche von als 1,25 Mio ha nutzbar machen sollten. Dieses Projekt umfaßt die Oasen El Baharija, El Farafra, El Dachla, El Kharga und El Siwa. (vgl.WOLFF, 1980, S.37) In den Jahren 1958-1968 befand sich das ,,Neue Tal" im Aufbau. Unter großem propagandistischem Aufwand wurden die Brunnenbohrungen, Flächenplanierungen, Anlegung von Be- und Entwässerungskanälen sowie der dazugehörigen Siedlungen vorgenommen. (vgl. HUNTEMANN, 1996, S.318)

Das Neuland sollte an einheimische Bauern verkauft oder verpachtet werden; Pacht wurde meist nach der Ernte in bar an die Regierung gerichtet. Das Wasser sollte kostenlos an die Oasenbauern verteilt werden, auch sollten keine Bestimmungen über die Art der Bewirtschaftung erlassen werden, d.h. jeder Bauer konnte anbauen, was er selbst für richtig hielt. Aber schon in den 70er Jahren kam es zu ersten Negativerscheinungen, wie z.B. Versiegen einzelner Brunnen und die Versalzung von Böden, was aber zunächst ungeachtet blieb. Auch setzte eine verstärkte Zuwanderung von Verwaltungsangestellten ein, die hier eine Chance auf lukrative Geschäfte sahen.

(vgl. BLISS, 1989, S. 169)

5. Probleme der gegenwärtigen Landwirtschaft

5.1. Auswirkungen und Probleme der Revolution der Wasserversorgung

Auf Dauer hin stellte die Finanzierung des Projektes ein großes Problem. Private- und Firmeninvestoren erhielten vom Staat Subventionen, um einen Anreiz zu bieten. Große Summen stammten auch aus der Deviseneinfuhr durch die Ölindustrie. Durch die hohen Transportkosten in die meist weit entferntgelegenen Städte überschritt der Preis häufig den Weltmarktpreis. Dieses alles führte zu finanziellen Engpässen in vielen Bereichen, was zu einer Stagnation in der landwirtschaftlichen Erschließung führte.(vgl. BISSON, 1997, S. 74) Die Flächenerschließung wurde durch angeblich höhere Ernteerträge (40dz/ha) gerechtfertigt, um ein gutes Bild bei der Bevölkerung von dem Projekt zu erzielen, in der Realität überschreiten heute nur rund ein Drittel der Betriebe die Rentabilitätsschwelle.(vgl. BISSON, 1997, S. 78)

Tatsächlich waren die Erträge aber viel geringer. Ein wichtiger Grund hierfür war der falsche Umgang mit Düngemitteln, Herbiziden und Insektiziden. Verbilligt wurden die Mittel vom Staat an die Oasenbauern verkauft, jedoch erfolgte keine Belehrung über den richtigen Umgang. In dem Glauben, daß mehr chemischer Einsatz ein mehr an Erträgen bringt, wurden die Felder total überdüngt. Die Folge war, daß es zu einem erhblichen Abstieg der Erträge kam.

Die Arbeitsmigration in die Ölindustrie band und bindet noch heute viele Arbeitskräfte, welche den Oasen als Arbeitskraft nun fehlen. Durch die zunehmende Technisierung kam es zwar zu Erleichterungen im Anbau, zu Ertragssteigerungen, aber auch zu einer Änderung der Bedürfnisse der Einwohner. So rückte das Profitdenken anstelle der traditionellen Subsistenzwirtschaft. Einzelne Bauern rückten von ihren kollektive Organisationen ab und versuchten alleine den größtmöglichen Profit zu erzielen. Da jetzt internationale Märkte erreichbar waren, wurden nun selbst Dattelpalmen exportiert, welche der einheimischen, meist der ärmerenSchicht zugehörigen, Bevölkerung nun fehlten.(vgl.POPP, 1997, S.69) Es kam zu einem Wachstum der Bevölkerung in den Oasen, welche immermehr Trinkwasser benötigten, was zu einem Konflikt mit den Bauern führte. Auch mußte eine Ertragssteigerung durch Flächenexpansion stattfinden, um die Versorgung zu gewährleisten. Auch mußten die Felder vergrößert werden, um mit den neuen, großen Maschinen sie bearbeiten zu können. So wurde der Lebensraum der Nomaden in Oasengebieten eingeschränkt. Die Regierung versuchte nun die Nomaden seßhaft zu machen, in dem man sie in den Oasen ansiedelte und sie in der landwirtschaft beschäftigte oder sie eigenständige Viehwirtschaft außerhalb der Oasen betrieben. (BISSON, 1997, S. 80)

Durch die neue profitable Felderwirtschaft fiel die Gartennutzung der Oasen nahezu weg. Es wurde immermehr Getreide angebaut, dafür immerweniger Gemüse. Teilweise muß heute Gemüse importiert werden. Durch Arbeitskräftemangel wird das ,,Gemüseproblem" noch verstärkt.(vgl.BLISS, 1989, S.291)

Durch die Vergrößerung der Felder, der Nutzbarmachung von immensen Wassermassen und der eingesetzten Maschinen kam es zum Wegfall des Stockwerkanbaus, da er durch die neuen Methoden nicht mehr geeignet war. Auf den großen Feldern wurden spezielle Arten von Dattelpalmen angebaut, die einen hohen Ertrag versprachen, aber hauptsächlich auf den Export ausgelegt waren. (vgl.BISSON, 1997, S. 74/75) Durch das Profitdenken der Bauern und der kostenlosen Verfügungstellung des Wassers, sahen die Bauern es als nicht mehr notwendig an, die Brunnen und Kanäle zu warten. So verrotteten und versiegten die Brunnen. Wenn der Schaden nicht irreversibel war, war die Reparatur sehr Kostenintensiv. Außerdem kam es zum Ausfall der Bewässerung. Oftmals war es für mehrere Wochen nicht möglich die Felder zu bewässern, was zu einem totalen Ernteausfall führte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Mähdrescher

http://www.casecorp.com 20.01.2000

Wenn die Erträge aufgrund einer Degradierung des Bodens sanken, wurden teilweise Holzbestände gerodet und verkauft, was zu eine Beschleunigung der Versteppung führte, allerdings auch zu hohen Wiederaufforstungskosten. Um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden, kauften sich viele Bauern Hi-Tech-Maschinen. Dieses stellte zum einen ein hohes Maß an finanzieller Aufwendung, die viele Bauern nicht bewältigen konnten und so aufhören mußten. Zum anderen fehlte es aber auch am ,,know-how" die Maschinen richtig zu warten und zu bedienen, so daß sie recht früh nicht mehr funktionierten. Wenn es nicht am"know- how" fehlte, war die Versorgung mit Ersatzteilen unzureichend und Maschinen verschrotteten bald.(vgl.BLISS, 1989, S.211)

Versalzung ist ein großes Problem. Die ,,Oase Siva des New Valley Projektes" beispielsweise, liegt in einer Depression, wodurch es nur schwer zu entwässern ist. Das Grundwasser steigt durch den entstehenden Kapillaren Sog an, was eine Vernässung des Bodens nach sich zog. Die Felder waren nur noch schwer zu bearbeiten. Auch konnten die Salze nicht mehr ausgewaschen werden. Dadurch das viel Wasser, auch wenn es wenig salzhaltig ist, an der Oberfläche verdunstet und das Salz ausfällt, bleibt es an der Oberfläche zurück. Zunächst kommt es zu Ertragsrückgang, da der Salzgehalt im Oberboden steigt. Mit zunehmender Dauer ohne Entwässerung können sich dann aber harte Salzschichten an der Oberfläche bilden. Die Folge ist, daß der Boden nicht mehr bearbeitbar ist und aufgegeben werden muß, da der Schaden irreversibel ist.

5.2. Desertifikation

Die Desertifikation ist ein großes Problem der Länder in den ariden oder semiariden Klimaten.

Das Problem ist zwar schon alt, wurde aber nie sonderlich beachtet; erst als in den Jahren um 1969 bis 1974 einne große Dürreperiode in den Sahelländern herrschte, trat die Desertifikation in das Bewußtsein der Weltöffentlichkeit. Im Gegensatz zu einer Dürre, sind die Folgen der Desertifikation irreversibel. Erfolgt nach einer Dürreperiode ein feuchtes Jahr, ergrünt die Wüste recht schnell; die Verwüstung dahingegen ist endgültig.(vgl. MENSCHING, 1991, S. 139)

5.2.1. Was ist Desertifikation?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Risstrocknung

http://www.geowissenschaften.de 10.01.2000

Desertifikation ist keine direkte Folge des Klimaeinflusses, sondern ein Prozess, der sich in Folge von menschlichen Tätigkeiten in den semiariden und ariden Gebieten einstellt (,,man- made-desert"). Deshalb kommt es auch weniger in einer menschenärmeren als in einer dichtbesiedelten Region zur Ausbreitung der Desertifikation. Die wichtigsten anthropogenen Faktoren sind intensive und nicht angepaßte Landwirtschaft, Überweidung, Tiefenbrunnen, Versalzung durch falsche Bewässerungslandwirtschaft und der Holzeinschlag. Aus diesen Faktoren kommt es zur Ausbildung von spezifischen Prozessen, die sich untereinander beeinflussen und verstärken: Degradation der Pflanzendecke und der Böden, Absenkung des Grundwasserspiegels, Verschiebung des Mikroklimas und verstärkte Erosion. Folge: die Wüßte breitet sich punkthaft aus und mit zunehmender Dauer verwüstet ein großes Gebiet.

5.2.2. Maßnahmen gegen Desertifikation

Da die Desertifikation ein sehr komplexer Prozess ist, in dem viele Faktoren andere steuern und beeinflussen, kann man nicht punktuell einzelne Maßnahmen ergreifen, da sie nicht ausreichen würden, um Mißstände zu beheben. Nur Regierungen können übergeordnete Landnutzungsstrategien entwerfen (,,master plans"), die folgende Grundprinzipien beinhalten sollten. Gerade in den Gebieten, wo durch die Neulandgewinnungsaktionen und deren Folgen große Areale von der Desertifikation betroffen sind, sollten diese Maßregeln eingehalten werden.

àAnpassung der Landnutzung an das klimatisch begrenzte Naturraumpotential àAnpassung an die hohe Variabilität der Niederschläge in semiariden Gebieten àBeibehaltung der Flexibilität der Nutzungssysteme bei Dürreperioden àNutzung der Böden und der Vegetation nur im Rahmen der natürlichen Regenerationskapazitäten

àBevölkerungskonzentrationen in größeren Siedlungen vermeiden, solange keine Versorgungsmöglichkeiten aus ökologisch günstigeren Regionen bestehen àEntsprechende Energieversorgung und Infrastruktur erforderlich àÜberschußproduktion muß sich vermarkten lassen

àDesertifikationsgebiete sind ökologische ,,Notstandsgebiete", die gesamtwirtschaftlich integriert werden müssen und Hilfe von außen benötigen

àDie Bevölkerung der betroffenen Gebiete muß die Desertifikationsprobleme besser erkennen und sich selbst aktiv an allen Bekämpfungsmaßnahmen beteiligen

(vgl. MENSCHING, 1991, S.145)

6. Meine Ansätze zur Problemlösung

Um eine gut funktionierende Landwirtschaft auch auf längere Sich hin zu gewährleisten, sollte die Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung berücksichtigt werden. Neben anderen gibt es vier Hauptprobleme der Landwirtschaft in den Oasenländern: die Wasserverschwendung, die Entvölkerung der Oasen, die finanziellen Probleme und das fehlende ,,know-how". Das Wasserverschwendungsproblem ist im Grunde durch wenige gezielte Maßnahmen zu bewältigen. Ein gezielterer Einsatz der Pumpen ist von Not, um der Verschwendung zu begegnen. Dieses könnte gewährleistet werden, in dem man das Wasser verkauft und nicht kostenlos abgibt. Außerdem sollte man Belehrungsveranstaltungen schaffen, um eine gezielte Bewässerung zu schaffen. Der Versickerung ist mit einer Betonierung der Kanäle entgegenzuwirken, was zwar teuer ist, aber auf Dauer von enormen Nutzen ist. Es sollte auf Nachtbewässerung umgestellt werden, um den Verdunstungsgrad der Sonne zu entgehen. So würde die Wirtschaft rentabler werden und es würden die Kosten in der Reparatur erheblich zurückgehen. Auch das Grundwasserproblem und die Versiegung einzelner Brunnen können so zumindest herausgezögert werden.

Durch die Kosteneinsparungen würde sich die Gewinnspanne der Oasenbauern erhöhen. Die so erwirtschafteten Gelder könnten in das Transportwesen investiert werden, um die Anbindung an die internationalen Märkte zu sichern und konkurrenzfähig zu bleiben. Durch eine verbesserte Infrastruktur würden auch die Transportkosten sinken. Um der Versalzung der Böden entgegenzuwirken sollten Drainagen installiert werden. Dieses ist zwar zunächst sehr kostenintensiv, hat aber auf Dauer einen enormen nutzen. Das so im Untergrund ,,gewonnene" Wasser könnte außerdem wiederverwendet werden, so daß weniger Wasser aus den Brunnen entnommen werden müßte. In den saureren Böden würden auch die auf Pflanzen toxischen Eigenschaften von Eisen und Mangan sinken und die Bearbeitbarkeit würde sich verbessern.

Es sollte eine Rückbesinnung auf traditionelle Anbaumethoden stattfinden, was eine Koopration der Bauern untereinander erfordert. Es könnten Arbeitsteilungen stattfinden und es Bedarf nur an einer kleineren Zahl an Maschinen, was den Finanziellen Einsatz der einzelnen Bauern erheblich mindern würde und der Gewinn sich steigert. Dadurch würde sich der allgemeine Lebensstandard steigen.

Dadurch könnte auch die Emigration in die Städte gestoppt werden, da der Anreiz in einer Oase zu wohnen steigen würde. Es wären mehr Arbeitskräfte am Ort, wodurch das Problem keines mehr sein würde.

Der meiner Meinung nach gravierendste ,,Problemlöser" wäre meiner Meinung nach aber die Belehrung. Der Umgang mit Maschinen und chemischen Mitteln muß gelernt sein, man muß wissen, was man tut. Dieses ist häufig nicht der Fall. Maschinen gehen häufig nur deshalb kaputt, da man den Umgang oder die Wartung nicht erlernt hat. Durch falschen Einsatz der chemischen Mittel kommt es oft zu gravierenden Schädigungen des Bodens und damit verbunden zu Ertragseinbußen. Man sollte deshalb eine Art Landwirtschaftsschule einführen und so eine Art Lehrberuf Oasenbauer zu schaffen.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Oasen - Landwirtschaft zwischen Tradition und Hi-Tech
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V97343
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
07/2000 Erstveröffentlichung Überarbeitung Corinna
Schlagworte
Oasen, Landwirtschaft, Tradition, Hi-Tech
Arbeit zitieren
André Albertsen (Autor), 1999, Oasen - Landwirtschaft zwischen Tradition und Hi-Tech, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97343

Kommentare

  • Gast am 17.4.2007

    gut.

    also ich habe mir jetzt nicht den text ganz durchgelesen, nur ein bisschen, aber großes lob, sehr ausfühlich und so...

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Titel: Oasen - Landwirtschaft zwischen Tradition und Hi-Tech



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