In dieser Arbeit wird untersucht, welchen Einfluss die dialektale Sprachweise der Andalusier auf die Sprachentwicklung in Lateinamerika genommen hat. Ob in der sprachlichen Grundstruktur Besonderheiten anzutreffen sind, kann nur auf den Gebieten der Phonetik und Phonologie entschieden werden. In dieser Arbeit wird die mögliche Existenz von den markantesten phonetischen Merkmalen des Andalusischen im lateinamerikanischen Spanisch untersucht. Diese Analyse erfolgt anhand einer Sammlung von dialektalen Texten von Manuel Alvar. Das Material der dialektalen Texte ist insofern interessant, als sie die verschiedenen Sprachvariationen aus den unterschiedlichsten Regionen veranschaulichen und das zum Teil in transkribierter Form.
Ab dem 19. Jahrhundert befasste man sich intensiver mit dem Ursprung des lateinamerikanischen Spanisch. Dementsprechend sollen anfangs zwei der wichtigsten Thesen zur Herausbildung des lateinamerikanischen Spanisch vorgestellt werden, indem die "andalucismo"-These laut Max Leopold Wagner von einem andalusischen Einfluss ausgeht, während die "antiandalucismo"-These diesen Ansatz zurückweist.
Im Jahre 1492 begann mit der Entdeckung Amerikas die Eroberung der spanischen Truppen des neuen Kontinents. Der Handel von wertvollen Waren und Personenverkehr mit der Neuen Welt verlief durch die "Casa de la Contracción" in Sevilla. Durch den Hafen in Sevilla, hat Andalusien eine besondere Stellung in Bezug auf die Eroberung Lateinamerikas, so ist die Stadt bekannt als "Puerto y Puerta de América". Es waren überwiegend Andalusier, die ab dem Zeitpunkt der Entdeckung von Spanien nach Amerika auswanderten und dabei nicht nur eine fremde Kultur, sondern auch ihre eigene Landessprache mitbrachten.
Peter Boyd-Bowman untersuchte die Herkunft der nach Lateinamerika einwandernden Siedler und stellte fest, dass zwischen 1493 und 1508 circa 60 % der Siedler aus Andalusien stammten. Zwar nahm diese Zahl im Laufe der Zeit ab, insgesamt betrachtet wanderten jedoch mehr Andalusier als Einwohner aus anderen Regionen Spaniens aus. Infolgedessen begann Max Leopold Wagner mit dem ersten Versuch seine "andalucismo"-These zu untermauern. Durch das Mitbringen der sprachlichen Besonderheiten durch die Immigranten in die Neue Welt entwickelte sich dann auf dessen Grundlage das amerikanische Spanisch.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch
2.1 Andalucismo-These
2.2 Antiandalucismo-These
3. Phonetische Besonderheiten des andalusischen Spanisch
3.1 Aspiration des Konsonanten <h> im Wortanlaut
3.2 seseo und ceceo
3.3 Die Aspiration von /s/
3.4 yeísmo
3.5 Die Konsonanten /r/ und /l/
4. Das lateinamerikanische Spanisch
5. Untersuchung der phonetischen Besonderheiten in der lateinamerikanischen Sprache
5.1 Aspiration des Konsonanten <h> im Wortanlaut
5.2 seseo und ceceo
5.3 Die Aspiration von /s/
5.4 yeísmo
5.5 Die Konsonanten /r/ und /l/
6. Vergleich der phonetischen Besonderheiten
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des andalusischen Dialekts auf die Entwicklung des lateinamerikanischen Spanisch, wobei der Fokus primär auf phonetischen Besonderheiten liegt, um die Gültigkeit der Andalucismo-These zu überprüfen.
- Historische Herkunft der Siedler in Lateinamerika
- Analyse phonetischer Phänomene wie seseo, yeísmo und Aspiration
- Vergleichende Untersuchung anhand von transkribierten Sprachproben
- Diskussion der Andalucismo- versus Antiandalucismo-These
- Regionale Differenzierung der sprachlichen Merkmale in Lateinamerika
Auszug aus dem Buch
3.2 seseo und ceceo
Eines der wichtigsten Merkmale des andalusischen Spanisch ist der seseo. „El rasgo más significativo del andaluz, dentro de la conciencia lingüistica peninsular, es el seseo, o el ceceo.“ (Zamora 1967: S.287). Der seseo und der ceceo tauchen in Andalusien in diesen drei Varianten auf:
1. seseo: Die Reduzierung des Phonems /ϴ/ (in der spanischen Schreibweise <c>,<z>) und /s/ (in der spanischen Schreibweise <s>), auf nur ein Phonem, welches als [s] realisiert wird.
2. seceo: Die Reduzierung des Phonems /ϴ/ (in der spanischen Schreibweise <c>,<z>) und /s/ (in der spanischen Schreibweise <s>), auf nur ein Phonem, welches als [ϴ] realisiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Besiedlung Amerikas und die zentrale Rolle Andalusiens als Ausgangspunkt für Sprachimmigranten.
2. Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch: Stellt die zwei gegensätzlichen wissenschaftlichen Positionen, Andalucismo- und Antiandalucismo-These, gegenüber.
3. Phonetische Besonderheiten des andalusischen Spanisch: Definiert die markanten andalusischen Lautmerkmale wie seseo, yeísmo und Konsonantenverschleifungen.
4. Das lateinamerikanische Spanisch: Gibt einen Überblick über die Entstehung und den Forschungsstand des amerikanischen Spanisch.
5. Untersuchung der phonetischen Besonderheiten in der lateinamerikanischen Sprache: Analysiert transkribierte Sprachproben aus verschiedenen Regionen hinsichtlich der andalusischen Merkmale.
6. Vergleich der phonetischen Besonderheiten: Führt eine synthetisierende Analyse der Befunde durch und setzt diese in den historischen Kontext.
7. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Einfluss des Andalusischen als wahrscheinlich, aber regional unterschiedlich stark ausgeprägt.
8. Literaturverzeichnis: Listet die für die Arbeit verwendete Fachliteratur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
Andalusisch, lateinamerikanisches Spanisch, Phonetik, seseo, ceceo, yeísmo, Aspiration, Sprachgeschichte, Dialektologie, Manuel Alvar, Andalucismo-These, Antiandalucismo-These, Sprachkontakt, Kolonialgeschichte, Sprachwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den sprachwissenschaftlichen Einfluss des andalusischen Dialekts auf die Entwicklung des Spanischen in Lateinamerika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die historische Siedlungsgeschichte, die phonetische Entwicklung von Dialekten und der Vergleich zwischen iberischem und amerikanischem Spanisch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch den Abgleich von Sprachdaten zu prüfen, ob die Ähnlichkeiten zwischen dem andalusischen und lateinamerikanischen Spanisch auf einen direkten Einfluss zurückzuführen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine deskriptive dialektologische Analyse von transkribierten Sprachproben (Sammlung von Manuel Alvar) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung spezifischer phonetischer Phänomene wie seseo, yeísmo, der Aspiration von /s/ und der Neutralisierung der Konsonanten /r/ und /l/.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Andalucismo-These, Phonetik, Dialektologie und Sprachwandel charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Andalucismo- von der Antiandalucismo-These?
Die Andalucismo-These führt sprachliche Merkmale in Amerika direkt auf andalusische Siedler zurück, während die Antiandalucismo-These von unabhängigen, parallelen Entwicklungen ausgeht.
Warum wird Puerto Rico als wichtiges Fallbeispiel angeführt?
Puerto Rico gilt als eine der Regionen, in denen der andalusische Einfluss aufgrund der frühen Kolonisation durch Südspanier besonders deutlich in den Sprachproben nachweisbar ist.
Welche Rolle spielt die "Casa de la Contracción" in Sevilla für die Argumentation?
Sie dient als historischer Beleg für die zentrale Drehscheibenfunktion Sevillas im Personen- und Warenverkehr mit der Neuen Welt, was die andalusische Prägung der Auswanderer stützt.
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- Anonym (Author), 2017, Einfluss des Andalusischen in der lateinamerikanischen Sprache. Phonetische Besonderheiten des Andalusischen und Lateinamerikanischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/973937