Der Amerikanische Bürgerkrieg - Ein Vergleich der fotografischen und literarischen Darstellung des Todes


Examensarbeit, 2000
58 Seiten, Note: sehr gut

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der historische Hintergrund - Ursachen, Gründe und Verlauf des amerikanischen Bürgerkriegs
II.1 Ursachen
II.2 Gründe
II.3 Verlauf

III. Die fotografische Darstellung des Todes im amerikanischen Bürgerkrieg
III.1 Die Anfänge der Fotografie
III.2 Die Fotografie im 19. Jahrhundert
III.3 Fotografie während des Amerikanischen Bürgerkrieges 1861-1865
III.3.1 Die Fotografen des Amerikanischen Bürgerkriegs
III.3.1.1 Mathew B. Brady
III.3.1.2 Alexander Gardner
III.3.2 Bradys Galerien
III.3.3 Technik und Ausrüstung der Fotografen
III.4 Ausgewählte Fotos des Amerikanischen Bürgerkrieges
III.4.1. ,,Field Where General Reynolds Fell, Gettysburg, July, 1863" (Plate 37)
III.4.2. ,,A Harvest Of Death, Gettysburg, July, 1863" (Plate 36)
III.4.3. ,,A Sharpshooter´s Last Sleep, Gettysburg, July, 1863" (Plate 40)
III.4.4. ,,Home Of A Rebel Sharpshooter, Gettysburg, July, 1863" (Plate 41)

IV. Die Literarische Darstellung des Todes in ausgewählter Literatur des Amerikanischen Bürgerkrieges
IV.1 Kurzer Überblick über die Literatur des Amerikanischen Bürgerkrieges
IV.2 Stephen Crane
IV.3 The Red Badge of Courage
IV.4 Cranes Darstellung des Todes in ,,The Red Badge of Courage"

VI. Zusammenfassung, Ergebnisse

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Seit Ende des zweiten Weltkrieges gab es insgesamt 195 Konflikte und Kriege auf diesem Planeten. Ganze 26 Tage war die Welt bis heute ohne Krieg. Und auch heute stehen immer wieder Kriege im Mittelpunkt der Berichterstattung der Medien. Sei es Fernsehen, Radionachrichten oder auch Tageszeitungen, der Mensch kann sich heutzutage umfassend informieren. Es gibt genügend Fernsehberichte sowie Bildmaterial in Zeitungen und Magazinen, die einem das Geschehen direkt und hautnah nach Hause bringen. Im Zeitalter des Internet ist man in Minuten unterrichtet, wenn irgendwo auf der Welt ein Konflikt oder Krieg ausbricht.

Vor mehr als 150 Jahren war dies keinesfalls selbstverständlich, und man erfuhr über den Krieg nur mündlich oder schriftlich über die Tageszeitung. Das wirklich Ausmass eines Krieges mit all seinen Facetten blieb den Angehörigen und Zurückgeblieben meist verborgen. Ihre einzigen Quellen waren die Briefe der Soldaten, die von der Front schrieben. Doch ein reales Bild konnten sich nur die machen, die den Krieg am eigenen Leib erlebten. Durch die Erfindung der Fotografie änderte sich die Einstellung und Sichtweise der Menschen. Sie waren nun in der Lage durch die Photos sich ein eigenes Bild vom Krieg zu machen.

In dieser Arbeit soll die Art und Weise, wie der Tod und der Schrecken des amerikanischen Bürgerkriegs in Literatur und Fotografie behandelt wurde, dargestellt werden. Wie zeigen die Fotografen den Tod und das Leid, welches der Krieg verursachte? Wie wird der Tod in der amerikanischen Literatur behandelt und dargestellt? Welche Funktion hat er?

In Kapitel II wird der historische Hintergrund beleuchtet. Was waren die Ursachen und

Gründe die ausschlaggebend waren für den Bürgerkrieg. Welche Personen waren beteiligt, und was genau gesah in den vier Jahren des Krieges zwischen 1861 und 1865.

Kapitel III befasst sich mit der fotografischen Darstellung des Krieges. Welche Voraussetzungen mussten gegeben sein. Wie enstand und entwickelte sich die Fotografie, wie wurde während des amerikanischen Bürgerkrieges fotografiert? Wer waren die Fotografen? Welche Ausrüstung hatten sie ? Es werden dabei vier sehr bekannte Bilder des Bürgerkrieges analysiert. Es wird versucht die Hintergründe und die Enstehungsgeschichte der Bilder in die Interpretation einfliessen zu lassen und die Intention der jeweiligen Fotografen zu deuten.

Kapitel IV beleuchtet die Darstellung des Todes in zeitgenössischer amerikanischer Literatur. Anhand des Romans ,, The Red Badge of Courage" von Stephen Crane soll analysiert werden, wie Crane den Tod in seinem berühmtesten Werk literarisch beschreibt und welche Aufgabe der Tod darin übernimmt.

Abschliessend werden in Kapitel V die Ergebnisse dargelegt und diskutiert.

II. Der historische Hintergrund - Ursachen, Gründe und Verlauf des amerikanischen Bürgerkriegs

Der amerikanische Bürgerkrieg nimmt auch heute noch, 134 Jahre nach seinem Ende, einen grossen Stellenwert in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika ein. Tausende Amerikaner treffen sich regelmässig um über den Krieg zu diskutieren. Monatlich erscheinende Magazine, die über den damaligen Konflikt berichten, sind äusserst beliebt. Jedes Jahr besuchen hunderttausende die nationalen Gedenkstätten wie Antietam, Gettysburg, Chickamauga, Vicksburg, Shiloh und Fort Sumter. Zusätzlich veranstalten Tausende von Geschichtsenthusiasten jährlich sogenannte ,,Civil War Reenactments", indem sie das spartanische Leben im Kriegscamp nachempfinden und den Ablauf von berühmten Schlachten mit Gewehr und Schwarzpulver nachspielen.

Auch in Film und Literatur ist der Bürgerkrieg ein beliebtes Thema und taucht immer wieder auf, sei es im Filmklassiker ,, Gone with the Wind", oder im TV-Mehrteiler ,, Fackeln im Sturm". Selbst in den Bestsellerlisten der schreibenden Zunft ist er immmer wieder präsent, zuletzt in dem Roman ,, North and South" von John Jake.

Die grosse Bedeutung des Bürgerkrieges ist hauptsächlich auf seine überwältigenden Ausmasse zurückzuführen. Von der damaligen Bevölkerung von 31 Millionen Menschen im Jahre 1860 dienten zwei Millionen in der Armee der Union, während sich 800.000 Soldaten der Konföderation anschlossen. Von diesen insgesamt fast drei Millionen Soldaten wurden über eine Million verwundet und mindestens 623.000 getötet. Kugeln und Krankheiten forderten zwischen 1861 und 1865 mehr Tote als alle anderen amerikanischen Kriege zusammengerechnet, vom Revolutionskrieg bis zum Vietnamkrieg. Die meisten Haushalte der damaligen Zeit verloren ein Familienmitglied, einen Bekannten oder einen Freund, was eine unauslöschliches Trauma für die amerikanische Kultur bedeutete.

Während der vier Jahre des Krieges gab es 10.455 militärische Aktionen, von grossen Schlachten wie Antietam und Gettysburg über Tausende von kleineren Gefechten und Überfällen bis hin zu Belagerungen und Besetzungen. Im Durchschnitt gab es 6,5 dieser Ereignisse pro Tag, welche sich über achtzehn Staaten und Territorien ausbreiteten. (vgl. Sandweiss 1991: 132).

Neben der Abschaffung der Sklaverei und der Erhaltung der Union veränderte der Krieg jedoch auch für immer den fundamentalen Charakter der amerikanischen Nation. Der Süden repräsentierte sich ländlich, mit einem Schwerpunkt auf Landwirtschaft, welche einen hohen Bedarf an Arbeitskräften forderte, und einer Kultur, die sich auf dem Glauben der Ungleichheit der Rassen aufbaute und traditionelle Werte wie Familie, Hierarchie und Patriarchat hochhielt.

Der Norden entwickelte sich dagegen in eine industrielle, kapitalistische Gesellschaft, gekennzeichnet durch wirtschaftlichen Konkurrenzkampf, eine starke zentralen Regierung, freie Arbeiter, Fabriken und Massenproduktion. Dieser Zusammenprall zweier vollkommen gegensätzlichen Visionen der amerikanischen Gesellschaft in diesem Krieg, ist ausschlaggebend für die historische und kulturelle Entwicklung Amerikas nach dem Krieg und bis in die heutige Zeit.

II.1 Ursachen

Die Ursachen, welche den Amerikanischen Bürgerkrieg auslösten, sind bis heute immer noch Anlass zur Diskussion. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Bürgerkrieges sahen die meisten Historiker die Sklaverei als Hauptursache des Krieges an. So beschrieb 1913 James Ford Rhodes, einer der damalig führenden Civil War Historiker ,,... of the American Civil War it may safely be asserted that there was a single cause, slavery" (vgl. Farmer 1996: 2).

Doch gab es auch Historiker die damals ganz andere Meinung waren. Selbst der Präsident der Konföderierten, Jefferson Davis, schreibt in seinen Memoiren, dass Sklaverei keinesfalls der Grund für den Ausbruch des Krieges war, sondern die Wiederherstellung der staatlichen Souveränität. Davis war der Überzeugung, dass die Südstaatler gekämpft hatten ,,for the defence of an inherent, unalienable right...to withdraw from a Union which they had, as sovereign communities, voluntarily entered" (vgl. Farmer 1996: 2). Viele Südstaatler waren der selben Meinung und sahen den Konflikt als einen Krieg des angreifenden Nordens gegen die Rechte des Südens.

Anfang des Jahres 1920 tauchten weitere Erklärungen für die Eskalation zwischen Nord und Süd auf. Einige Historiker sahen die wirtschaftlichen Interessen als ausschlaggebend an. Auf der einen Seite die Agrarwirtschaft mit ihren Plantagen, auf der anderen Seite die Industrialisierung als ein Symbol des Kapitalismus. Charles Beard, einer der führenden Historiker dieser These, sah den Konflikt nicht als Nordstaaten gegen Südstaaten an, sondern "Merely by the accidents of climate, soil and geography was it a sectional struggle" (vgl. Farmer 1996: 2).

Ab 1940 gab es eine weitere These zur Ursache des Civil War. Sie wurde von den Historikern als ,,Revisionism" bezeichnet. Ihre Verfechter, Avery Craven und James Randell, bestritten, dass weder die Sklaverei, der Kampf um eigene Staatsrechte oder der Konflikt zwischen Industrie und Landwirtschaft Gründe für den Ausbruch waren. Sie sahen mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze zwischen Nord und Süd. Die freien Staaten und die Sklaven-Staaten lebten unter der gleichen Verfassung seit 1787. Sie hatten die gleiche Sprache, das gleiche Rechtssystem, die gleichen religiösen Werte und eine gemeinsame Geschichte. Was den Rassismus anbelangte, so waren die meisten der Meinung, dass Schwarze gegenüber Weisse minderwertig waren. Es gab auch viele Nordstaatler, welche die Ideologie der weissen Vorherrschaft unterstützten.

Den Revisionisten zufolge kam es eben nicht aus den genannten Problemen zum Krieg, sondern es lag vielmehr an den Extremisten auf beiden Seiten, die Emotionen und Hass schürten für ihre eigenen parteilichen Zwecke. Den Aufruhr, den sie damit verursachten, geriet ausser Kontrolle, da die Politiker zur damaligen Zeit nicht die Erfahrung ihrer Vorgänger hatten, besonnen zu reagieren und einen Kompromiss zu finden. Das Resultat war ihrer Meinung nach ein tragischer und unnötiger Krieg der zu nichts geführt hatte, was nicht auch durch Verhandlungen hätte erreicht werden können. Natürlich hätte ein Kompromiss nicht die Sklaverei abgeschafft, doch argumentierten die Revisionisten, dass die Sklaverei auf natürlichem und friedlichem Wege ganz von selbst ausgestorben wäre (vgl. Farmer,1996: 3).

Doch sind sich heute die meisten Historiker darüber einig, dass, wie auch schon Abraham Lincoln behauptete, die Sklaverei im Bezug auf den Ausbruch des Krieges eine bedeutende Stellung einnahm. Die Verfechter der Souveränitäts-, Wirtschafts-, und Extremistenthesen sind heute alle verstummt.

II.2 Gründe

Der entscheidende Grund, der letztendlich zum Ausbruch des Krieges führte, bahnte sich im Juni 1850 mit der im Norden entstehenden neuen republikanischen Partei an. Eines ihrer politischen Ziele war die weitere Ausbreitung, und daraus resultierend, die Abschaffung der Sklaverei. Genau diese Haltung machte den Südstaatlern grosse Angst, denn durch die stetige Immigration von Einwanderern, die auf Grund der Industrialisierung sich im Norden ansiedelten, wuchs die Mehrheit des Nordens im Repräsentantenhaus beachtlich. Gleichzeitig hätten die neuen, sklavenfreien Staaten im Westen ein weiteres Übergewicht im Senat bedeutet. Der Süden sah in diesem Ungleichgewicht der Bevölkerung und seinen Folgen eine Bedrohung für die Souveränität der Südstaaten und war der Ansicht, dass unter den gegeben Umständen eine Abspaltung von der Union gerechtfertigt wäre.

Jedoch gelang es dem Süden in den fünfziger Jahren weiterhin die Kontrolle über die Präsidentschaft, den Kongress und das Oberste Gericht zu behalten. Dies lag daran, dass die meisten Mitglieder der Demokraten aus dem Süden kamen und sie zusätzlich in dieser Zeit Unterstützung von katholischen Immigranten aus Irland und Deutschland bekamen, sowie von Bauern aus dem Mittleren Westen.

Obwohl die beide Präsidenten, sowohl Franklin Pierce (1853-7) als auch James Buchanan (1857-61), aus dem Norden stammten, so vertraten sie doch viele Ansichten des Südens. Diese durchaus ungewöhnliche politische Dominanz des Südens, veranlasste viele Nordstaatler an eine Verschwörung durch die ,,Sklavenmacht" zu glauben, welche die Werte und Institutionen des Landes bedrohten. Ab 1856 wurde die Eindämmung der ,,Sklavenmacht" zur Hauptaufgabe der Republikaner erklärt, und innerhalb kurzer Zeit wurde sie stärkste Partei im Norden.

Unterstützt von den meisten Nordstaaten zog die Partei in den Präsidentschaftswahlkampf 1856, welcher aber trotz des grossen Zuspruchs für die Republikaner von dem Demokraten James Buchanan gewonnen wurde. Buchanans Amtszeit wurde jedoch von Unruhen im Territorium Kansas überschattet. Bewaffnete Kämpfe zwischen Befürworter und Gegnern der Sklaverei lösten im Kongress eine Spaltung aus. Wegen der Vorfälle in Kansas kam es 1858 zum Bruch zwischen Demokraten des Nordens und denen des Südens, wobei sich der Norden Senator Stephen Douglas anschloss und sich mit Buchanan verwarf.

1859 kam es durch John Brown, einem erklärten Gegner der Sklaverei, zu einem spektakulären Überfall auf ein Waffendepot der Union in Harper´s Ferry, Virginia. Brown wollte, nachdem er die Waffen in seinen Besitz gebracht hatte, eine Kettenreaktion auslösen, welche zu einem Aufstand aller Sklaven im Süden führen sollte. Der Überfall schlug fehl, und Brown wurde zusammen mit seinen Anhängern gehängt. Doch reichte diese Aktion aus, um den weissen Südstaatlern einen gewaltigen Schreck einzujagen, denn nichts fürchteten sie mehr als einen Sklavenaufstand. Sie setzten nun Brown gleich mit allen anderen Gegnern der Sklaverei und alle Gegner der Sklaverei mit den ,,Schwarzen Republikanern". Im Jahre 1860 spaltete sich die Demokratische Partei, wie viele andere Institutionen in dieser Zeit, in Nord und Süd. Die Demokraten des Nordens wählten Stephen Douglas als Präsidentschaftskandidaten und die des Südens stellten John Breckinridge auf. Dies führte dazu, dass die Republikaner einen grossen Vorteil bei den Wahlen hatten, da sie die ganzen Nordstaaten hinter sich hatten und so wurde Abraham Lincoln zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Für die meisten Südstaatler war Lincolns Wahl die Bestätigung all ihrer Befürchtungen. Für den Süden bedeutete dieses Ergebnis den Verlust der Kontrolle über die Regierung. Die Tatsache, dass der Norden einen Präsidenten gewählt hatte, für den die Sklaverei eine ,,monstrous injustice" darstellte und der die Ansicht vertrat, die Sklaverei müsse endgültig ,,ausgelöscht" werden (vgl. Farmer 1996: 6), war für den Süden Grund genug zur Tat zu schreiten und sich vom Norden abzuspalten.

Im Dezember 1860 war Süd-Carolina der erste Staat, der sich von der Union abspaltete.

Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas folgten bald darauf. Delegierte dieser sieben Bundesstaaten trafen sich im Februar 1861 in Montgomery, Alabama und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Als ihren Präsidenten wählten sie den Senator von Mississippi, Jefferson Davis.

Diese Abspaltung bedeutete jedoch nicht den sofortigen Krieg. Lincolns Regierung hätte die Möglichkeit gehabt, die Staaten ,,in Frieden" aus der Union austreten zu lassen. Doch die meisten Nordstaatler akzeptierten die Sezession nicht, da sie überzeugt waren, jede Minderheit würde sich bald darauf abspalten, wenn es ihr in den Sinn käme. Ein Verleger in Cincinnati schrieb dazu: ´If the minority have the right to break up the Government at pleasure, because they have not had their way, there is an end of all government´ (vgl. Farmer 1996: 6).

Bei seiner Antrittsrede im März 1861 machte Abrahm Lincoln jedoch deutlich, dass er entschlossen war, die Union zu erhalten. Dies sollte sich nicht erfüllen, und bereits kurz nach seinem Amtsantritt befand sich Lincoln und die Union in einer Krise.

Die konföderierten Staaten hatten innerhalb ihrer Grenzen staatliches Eigentum grösstenteils konfisziert und übernommen. Einige wenige Forts blieben dennoch in der Hand der Union. Fort Sumter war bemerkenswerter Weise eines davon. Es lag auf einer Insel im Hafen von Charleston, South Carolina, tief in konföderiertem Gebiet. Lincoln bestand darauf es gegen den Süden zu halten und veranlasste einen Versorgungsnachschub. Präsident Jefferson Davis hingegen sah es als eine Schande an, dass die Flagge der Union immer noch über dem Hafen und konföderiertem Land wehte.

Davis befahl General Beauregard das Fort anzugreifen. Das Artilleriefeuer wurde um 4.30 Uhr am 12. April 1861 auf Fort Sumter eröffnet. 33 Stunden später hatte die Konföderation 4000 Schuss auf das Fort abgegeben, und die Union hatte mit 1000 Schuss geantwortet. Erstaunlicher weise gab es keine Toten durch den Angriff, doch die Garnison der Union ergab sich daraufhin den Angreifern.

Die Nordstaatler waren sich einig, dass ein Krieg nun unausweichlich bevorstand. Lincoln liess in den Staaten der Union sofort Truppen mobilisieren. Auch die nördlich gelegenen Südstaaten mussten sich jetzt entscheiden. Da die Sklaven für ihre Wirtschaft sehr wichtig waren, traten Virginia, Tennessee, Arkansas, und Nord Carolina der Konföderation bei. Richmond, Virginia wurde zur neuen Hauptstadt der Konföderation.

Während die meisten Südstaatler behaupteten, sie kämpften für die Achtung ihrer Staatsrechte, so ging es ihnen im Grunde nur um ein Recht: dem Recht die Sklaverei zu erhalten.

Im Norden hingegen standen weniger die Sklaven und die Abschaffung der Sklaverei im Vordergrund, als vielmehr die Erhaltung der Union. Dies bedeutete, dass das Sklavenproblem gelöst werden musste, um die Union zu retten. (vgl. Farmer 1996: 8).

II.3 Verlauf

Von den 384 Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs (vgl. American Civil War Homepage) wurden die meisten auf dem Gebiet der Konföderation ausgetragen. Die Hauptkriegsschauplätze waren Nord-Virginia, der Westen, und das Einzugsgebiet des Mississippi.

Nach dem Angriff auf Fort Sumter und der Einberufung der Truppen hatten beide Kriegsparteien unterschiedliche Auffassungen über den Verlauf des Krieges.

Lincoln und die Union waren der Überzeugung, dass der Norden in allen Belangen stärker war als der Süden und ging deshalb von einem kurzen Krieg aus.

Präsident Jefferson Davis´ erster Gedanke war, den Krieg auf Guerilla-Art durchzuführen, indem er auf Zeit spielen wollte und dadurch die Kriegskosten für die Union so stark in die Höhe trieb, dass die Union daraufhin aufgeben würde. Es wurde den Konföderierten jedoch bald klar, dass sie einen passiv geführten Krieg nicht gewinnen konnten. Letztendlich wurde eine ,,Offensiv-Defensiv-Strategie" gewählt, welche einerseits verhindern sollte, dass der Feind in allen Belangen Druck auf das Gebiet der Konföderation ausüben konnte, andererseits selbst an militärisch wichtigen Punkten angriff, wenn sich die Möglichkeit anbot.

Die ersten drei Monate nach Fort Sumter verliefen ohne grössere Gefechte, da man mit der Rekrutierung und der Ausbildung der Soldaten beschäftigt war. Im Frühling des Jahres 1861 war Virginia sodann Schauplatz der ersten Kämpfe. Zur ersten grossen Schlacht kam es am 21.Juli 1861. Am Bull Run River nahe der Manassas Kreuzung griffen 30.000 Soldaten der Union, unter der Führung von General McDowell, die Armee von General Beauregard mit der Stärke von 22.000 Mann an. McDowell war dem Sieg nahe, doch kämpften die Südstaaler aufopferungsvoll. Besonders Thomas Jacksons Brigade leistete Widerstand ,,like a stonewall" (vgl. Farmer, 42), worauf er künftig als ,,Stonewall" Jackson bekannt wurde. Im nahegelegenen Shenendoahtal kommandierte General Joseph Johnston seine 11.000 Mann starke Armee zur Unterstützung von Beauregard, die teilweise mit dem Zug die Strecke überwand. Der Angriff des Nordens konnte aufgehalten werden und als der Süden den Gegenangriff startete, gerieten die Soldaten der Union in Panik und flüchteten zurück in Richtung Washington. Die Konföderation hatte die erste grosse Schlacht des Krieges gewonnen.

Der Süden hatte 440 Tote zu beklagen, zudem wurden 1.600 Soldaten verwundet. Die Union verlor 600 Soldaten, 950 wurden verwundet, und 1.200 Soldaten gefangen genommen. General McDowell wurde daraufhin von Präsident Lincoln seiner Position enthoben und durch General George B. McClellan ersetzt.

Am 27. Januar 1862 erliess Lincoln die War Order No.1, wonach er der Armee erlaubte die Konföderation aggressiv anzugreifen. General McClellan weigerte sich, die Anordnung auszuführen und ihm wurde von Lincoln der Oberbefehl über die Streitkräfte aberkannt. Daraufhin wurde McClellan am 8. März 1862 das Kommando über die Armee des Potomac übertragen und angeordnet, Richmond anzugreifen. Dies war der Beginn der sogenannten Peninsula Kampagne. McClellan verlegte seine Armee in Richtung Richmond um die Hauptstadt zu belagern. Die Zeitungen in New York berichteten bereits vom nahen Sieg der Union.

Am 31. Mai 1862 kam es zur Schlacht um Seven Pines. Die Armee der Konföderation unter Joseph Johnston griff Fair Oaks Station in Virginia an, eine Versorgungsstation der Union. Trotz anfänglicher Erfolge gelang es Johnston nicht die Station zu übernehmen. Eine schlechte Strategie sowie totale Konfusion der untergeordneten Befehlshaber führten zu einem Desater für den Süden. Was zuerst aussah wie eine gute Gelegenheit, die Armee des Potomac zu besiegen, worüber sich heute selbst Historiker einig sind, stellte sich als entscheidende Niederlage mit über 6000 toten Konföderierten dar, in der General Johnston selbst schwer verwundet wurde und umgehend durch Robert E. Lee ersetzt wurde. Lee wurde darauf von Präsident Davis zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Gegen Ende Juni hatte General Lee seine Armee in ,,Army of Northern Virginia" umbenannt und führte sie zwischen dem 26.Juni und 2.Juli in mehrere Schlachten gegen die Union, welche als ,,The Seven Days Battle" bekannt wurde. Die Kämpfe fanden in Mechanicsville (26-27.Juni), Gaines Mill (27.Juni), Savage´s Station (29.Juni), Frayser´s Farm (30 Juni) und in Malvern Hill (1.Juli) statt. Nach Verlusten gerechnet war die Kampagne ein Niederlage für Lee, da er 20.614 Soldaten gegenüber 15.849 der Union verlor. McClellan war duch die Angriffe allerdings so verwirrt und demoralisiert, dass er sich mit seiner Armee zurückzog, und die Belagerung von Richmond aufgab. Er akzeptierte die Niederlage und behauptete, der Süden wäre in Überzahl gewesen, wobei eindeutig das Gegenteil der Fall war. Die Moral der Konföderierten wurde noch verstärkt durch ihren Sieg am 29-30 August 1862, in der zweiten Schlacht um Bull Run. Lee griff mit 55.000 Mann General Popes Armee an und bekam von General Jackson mit 25.000 Mann Unterstützung. Nachdem sich Pope nach Washington zurückgezogen hatte, waren die Verluste auf Seiten der Union mit 16.000 Toten recht hoch.

Im September 1862 kam es zur Schlacht um Antietam, welcher als verlustreichster Tag für beide Seiten in die Geschichte einging. Die Konföderierten wurden bei Sharpsburg von McClellan überrascht und waren in Unterzahl. Durch geschickte Strategie konnten sie die Stellung halten, bis Lee Verstärkung von General Early und General McLaws bekam. Doch trotz der Verstärkung mussten sie sich zurückziehen nach Virginia. Antietam wird heute als der Wendepunkt des Krieges gesehen. Obwohl es keinen klaren Sieger gab, denn McClellan machte den Fehler, die Flüchtenden nicht zu verfolgen, so hatte die Schlacht doch Auswirkung auf den weiteren Verlauf. England und Frankreich hatten eine Anerkennung der Konföderation erwägt, diese aber nun verworfen und Lincoln seine Emancipation Proclamation ermöglicht. Sie besagte, dass ab dem 1.Januar 1863 alle Sklaven frei seien, wenn sie sich in von der Union befreitem Gebiet der Konföderation befanden. Gegen Ende des Jahres 1862 wurde General McClellan wegen Inaktivität von Lincoln abgesetzt und durch General Burnside ersetzt. Doch auch Burnside konnte Lee nicht besiegen und unterlag in der Schlacht um Fredericksburg im Dezember 1862, worauf Lincoln General Joseph Hooker den Oberbefehl übergab.

Hooker griff im am 27.April 1863 General Lee in der Nähe von Chancellorsville an und wurde von Lees Taktik überrollt, der seine Armee von drei Seiten gleichzeitig angreifen liess. Hooker musste sich zurückziehen und Lee konnte einen weiteren Sieg für den Süden erringen. Auf Grund dieses Sieges entschied Lee, in das Gebiet der Union einzumarschieren, da er der Überzeugung war, dass nur Siege auf dem Gebiet der Union den Norden dazu bringen könnte, die Konföderation anzuerkennen. Er errang einen weiteren Sieg bei Winchester, Virginia und zog weiter nördlich in Richtung Gettysburg. General Hooker musste seine geplante Belagerung von Richmond aufgeben und wurde zur Verteidigung des Nordens nach Gettysburg beordert. Kurz vor Ausbruch der Schlacht wurde Hooker von General Meade ersetzt. Am 1 Juli 1863 trafen beide Armeen in Gettysburg aufeinander. Innerhalb drei Tage gab es heftige Kämpfe an mehreren Schauplätzen, in deren Verlauf General Lee besiegt wurde. Er verlor mit 28.000 Mann ein drittel seiner Armee Lee musste sein Vorhaben, in den Norden einzudringen, endgültig aufgeben und sich nach Virginia zurückziehen. Nach Gettysburg gab es weitere Niederlagen in Vicksburg und Chattanooga und die Moral des Südens nahm immer weiter ab. Die Union hatte die Versorgungswege in den Süden abgeschnitten und hatte grosse Teile des Westens übernommen, so dass die Konföderation in zwei Teile zerfiel.

Im August 1864 wurde Atlanta von General Sherman belagert und nach einem Monat eingenommen. Dieser Sieg förderte die Moral des Nordens und führte zudem zur Wiederwahl Abraham Lincolns im November 1864.

Die Niederlagen der Konföderation brachte 1864 hohe Verluste mit sich, welche der Süden nicht mehr kompensieren konnte. Es wurden nun Männer zwischen 17 und 50 Jahren rekrutiert. Sehr viele Veteranen mussten erneut in den Krieg ziehen. General Lees Armee hatte mit Desertierern zu kämpfen und der gesamte Süden litt unter einer Hungersnot. General Grant wurde 1864 von Lincoln zum Oberbefehlshaber ernannt. Seine Strategie war, den Feind mit der grösseren Anzahl von Soldaten zu überrollen. ,,Simultaneous Movement All Along the Line" lautete seine Taktik.

Zusammen mit Sherman drang Grant im Januar 1865 bis Richmond vor. Lees Armee bestand aus nur noch 35.000 Mann, denen 125.000 Soldaten Grants gegenüberstanden. Am 1.April wurde eine entscheidende Schlacht um Five Forks gewonnen und einen Tag später brach Grant durch die Linien von Lees Armee. Lee musste Petersburg und Richmond aufgeben und floh in Richtung Westen.

Am 6.April 1865 führte Lee seine letzte Schlacht bei Sayler´s Creek. Umzingelt von Unionstruppen verlor er weitere 8.000 Soldaten. Lee erkannte die hoffnungslose Lage: ,,There is nothing left for me to do but to go and see General Grant and I would rather die a thousand deaths" (Farmer: 141).

Am 9.April 1865 trafen sich General Lee und General Grant im Appomattox Court House. Lee gab auf und unterschrieb die Kapitulationserklärung. Sie besiegelte die Auflösung der Konföderation, sowie das Ende des amerikanischen Bürgerkrieges.

III. Die fotografische Darstellung des Todes im amerikanischen Bürgerkrieg III.1 Die Anfänge der Fotografie

Die Anfänge der Fotografie lassen sich bis in die vorchristliche Zeit zurückverfolgen. Bereits Aristoteles (384-322 v. Chr.) wusste um das optische Prinzip der Camera obscura, da er während einer Sonnenfinsternis beobachtete, dass die halbmondförmige Sonne durch die Löcher eines Siebes und durch das Laubwerk einer Platane auf den Boden projiziert wurde (Gernsheim, S. 11). Erste genauere Darstellungen und Aufzeichnungen finden sich im 10. Jahrhundert von einem arabischen Gelehrten namens Hassan ibn Hassan, genannt Al- Haitham, der später unter seinem latinisierten Namen Alhazen bekannt wurde. Er hebt darin die Beziehung zwischen der Grösse der Öffnung und der Bildschärfe hervor, die bei Fotoapparaten mittels Blende reguliert wird.

In den darauffolgenden Jahrhunderten wird immer wieder beschrieben wie zum Beispiel eine Sonnenfinsternis beobachtet werden kann. John Peckham, Erzbischof von Canterbury, erwähnt diesen Vorgang 1279 in seiner ,,Perspectiva communis" ebenso, wie der Philosoph und Mathematiker Levi Ben Gershon 1342 in der aus dem Hebräischen übersetzten Schrift ,,De sinibus chordis et arcubis".

Wurden die ersten Experimente mit der Camera obscura immer in einem abgedunkelten Raum gemacht, so findet man die ersten Aufzeichnungen für die ,,Camera obscura portabilis", einer tragbaren Anordnung, in einer Schrift aus dem Jahre 1646 von Athanasius Kircher. Die Konstruktion bestand aus sehr leichtem Holz und konnte von zwei Männern auf parallel gehaltenen Stangen wie eine Sänfte transportiert werden (Gernsheim, S. 19).

1685 stellte Johannes Zahn bereits mehrere Typen seiner Boxkamera vor, die man überall mit sich führen konnte. Eine Modell bestand aus einem kleinen Holzkasten circa 23 cm hoch und breit, und circa 60 cm lang. Der Apparat besass nun auch eine Linse, welche sich in einem verstellbaren Tubus befand, mit dem das Bild auf einem geölten Papier oder auf einer Milchglasscheibe scharf eingestellt werden konnte. Ein Anderes war bereits mit einem Teleobjektiv, bestehend aus einer konvexen Linse von längerer und einer konkaven Linse von kürzerer Brennweite, versehen. In Grösse und Bauweise waren Zahns Kameras Prototypen der Box- und Reflexkameras des 19. Jahrhunderts. Erstaunlicher Weise fanden bis zur Mitte jenes Jahrhunderts keine weiteren Entwicklungen statt: Im Jahre 1685 war die Kamera schon absolut fotografierfähig, nur die Fotografie fehlte noch (Gernsheim, S. 23). So war es zwar möglich, mit verschiedenen Brennweiten und mit kleinen Spiegeln das Bild anzupassen, doch um das entstanden Bild in irgendeiner Form festzuhalten fehlte es an fotochemischen Substanzen.

Obwohl schon früh bekannt war, dass sich Silbernitrat gut zum färben von Holz, Leder oder Federn eignete, wusste man offenbar nicht über die Ursache der Verfärbung bescheid. Lange wurde die Verfärbung irrtümlich auf die Wärme der Sonnenstrahlen zurückgeführt und nicht auf die Lichteinwirkung.

Der erste, der zwischen der Einwirkung von Licht und Wärme auf Silbersalze klar unterschied, war Johann Heinrich Schulze, Professor der Anatomie an der Universität Altdorf bei Nürnberg. Im Jahre 1725, bei einem seiner Versuche zur Herstellung von Phosphor, tränkte Schulze Kreide mit Salpetersäure, die zufällig ein wenig Silber enthielt. Er führte das Experiment am offenen Fenster durch, in das helles Sonnenlicht einfiel, und zu seinem Erstaunen bemerkte er, dass der dem Fenster zugewandte Teil des Niederschlags sich violett färbte, während der dem Licht abgewandte Teil seine weisse Farbe behielt. Doch kam Schulze nicht in den Sinn, beispielsweise ein Blatt Papier mit Silbernitrat zu beschichten und Bilder durch Auflegen von Schablonen oder Blättern zu erzeugen.

Weitere Entdeckungen machte Carl Willhelm Scheele, der 1777 mit Chlorsilber (Silbermuriat) und Ammoniak experimentierte und mit dem Ammoniak ein zumindest partiell brauchbares Fixiermittel entdeckte.

Schulzes Experiment wurde in zahlreichen Veröffentlichungen von Forschern zur Sprache gebracht, obgleich niemand daran dachte, diese Entdeckung auch praktisch anzuwenden. Anfang des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich Thomas Wedgwood verstärkt mit Versuchen von Licht mit Silbernitrat und Chlorsilber. Doch auch er vermochte nicht Bilder dauerhaft auf Papier zu fixieren, obwohl Scheeles Entdeckung zur damaligen Zeit hätte bekannt sein müssen.

Die nächsten fotografischen Versuche unternahm dann der Franzose Joseph Nicephore Niepce. Er, in derselben Sackgasse angekommen wie Wedgwood, weshalb auch er seine Papierbilder nicht zu fixieren vermochte, schlug freilich eine neue Richtung ein. Sie führte ihn zu einem ganz anderen Resultat - der Fotografie auf Metall (Gernsheim, S.41). Nach seinen Versuchen mit Chlorsilber auf Papier um 1816 wechselte er zu Metall- und Steinplatten. Sechs Jahre später gelang ihm 1822 mit Hilfe von Asphalt auf Glas eine erste lichtbeständige heliographische (von Sonnenlicht gezeichnet) Kopie eines Kupferstichs. Nach Glas experimentierte er weiter mit Kupfer, Zink und Zinn, die immer bessere Ergebnisse brachten. 1827 gelang es ihm, nach vielen Versuchen, ein echtes Abbild nach der Natur herzustellen. Sie stellt die erste Fotografie der Welt dar und zeigt einen Teil des Niepceschen Landhauses, sowie eine daran anschliessende Scheune mit Birnbaum. Ein grosser Nachteil war jedoch die übermässig lange Belichtungszeit, die Niepce auf die Linse zurückführte. Niepce kam in seiner Entwicklung nicht weiter und schloss sich mit Louis- Jaques-Mandé Daguerre zusammen um eine Fotografie nach der Natur auf Papier zu bringen.

III.2 Die Fotografie im 19. Jahrhundert

Spricht man von der Fotografie im 19. Jahrhundert, so ist sie unweigerlich mit dem Namen Daguerre und der von ihm erfundenen Daguerreotypie verbunden. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Niepces Verfahren, die mit Hilfe eines Zufalls zustande kam. Sie gilt als eine klassische Legende der Fotografie. Durch ein zerbrochenes Thermometer in Daguerres Chemikalienschrank, und denn davon aufsteigenden Quecksilberdampf soll er auf Lösung des Problems der Fixierung und der kürzeren Belichtungszeit von circa zwanzig Minuten gekommen sein.

Für ein Foto wurde eine gesäuberte und polierte versilberte Kupferplatte in einem Jodierkasten durch Bedampfen mit Jod lichtempfindlich gemacht. Dabei bildete sich auf der Oberfläche eine dünne Jodsilberschicht . Nach der Belichtung wurde das latente Bild mit Hilfe von Quecksilberdämpfen, die über einer Spirituslampe erhitzt wurden, entwickelt. Dabei setzte sich das Quecksilber an den belichteten Teilen des Jodsilbers fest. Das Bild wurde dann mit Natriumthiosulfat fixiert, mit destilliertem Wasser abgewaschen und über einer Flamme vorsichtig getrocknet, da auf der Oberfläche befindliche Wassertropfen Spuren hinterlassen hätten.

Die frühste in Amerika erschienene Beschreibung der Daguerreotypie findet sich in einem Brief des Erfinders und Porträtmaler Samuel F.B.Morse an den New Yorker ,,Observer".

Morse besuchte Daguerre in Paris und war von seiner Erfindung so begeistert, dass er sie mit in die Neue Welt nahm.

Die erste gelungene Daguerreotypie in Amerika gelang am 16. September 1839 D.W.Seager. Die Fotografie zeigt die St.Pauls Kathedrale und wurde mit einer Belichtungszeit von acht bis zehn Minuten aufgenommen.

Im Jahre 1853 befand sich die Daguerreotypie in Amerika auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Man ging von circa 10 000 Menschen aus, welche ihren Lebensunterhalt als Daguerreotypisten verdienten. Hinzu kamen noch weitere 5000 Personen, welche durch die Zulieferindustrie, die Kameras, verschiedenen Chemikalien, Platten und Etuis, ihr Geld machten.

Allein in New York gab es etwa einhundert Porträtateliers. Die grosse Konkurrenz liess den Preis für eine Daguerreotypie, handkoloriert und mit einem dekorativen Lederetui versehen, auf die geringe Summe von zwei Dollar sinken.

Die Daguerreotypie konnte ihre Popularität bis in die frühen sechziger Jahre des 19.

Jahrhunderts bewahren. Weitere Entwicklungen, wie zum Beispiel die Kalotypie, die auf den Erfinder William Henry Fox Talbot zurückgeht, und die eine Fotografie auf Papier ermöglichte, konnten sich in Amerika nicht durchsetzten, da Talbot das Patent besass und versuchte, es gewinnbringend zu verkaufen. Die meisten blieben bei der frei ausführbaren Daguerreotypie. Auch das Albuminverfahren, mit Eiweissbeschichtung auf Glas, wurde in Amerika als zu umständlich angesehen und kaum praktiziert.

1851 begann eine neue Zeitrechnung mit der Erfindung des Kollodiumverfahrens durch Frederick Scott Archer. (siehe Kapitel III.3.3).

III.3 Fotografie während des Amerikanischen Bürgerkrieges 1861-1865

III.3.1 Die Fotografen des Amerikanischen Bürgerkriegs

Der Amerikanische Bürgerkrieg war nach dem Krimkrieg (1853-56) der erste, welcher sehr umfangreich von Fotografen dokumentiert wurde. Zählt man alle Fotografen und Assistenten zusammen, so kommt man auf über 1500 Personen, die sich zum Ziel gesetzt hatten den Bürgerkrieg in mehr als Zehntausenden von Bildern fotografisch festzuhalten (Sandweiss, 1991: 133). Auf Seiten des Nordens findet man die auch heute noch bekannten Namen wie Brady, Gardner, O´Sullivan, Barnard und Gibson.

Fotografen der Konföderierten sind dagegen weniger bekannt und ausser dem Namen ist meist wenig von ihnen überliefert worden. Im Gegensatz zu den Kollegen der Union ist die Anzahl der gemachten Bilder relativ gering. Die damaligen Umstände machten es den Fotografen der Südstaaten sehr schwer, schnell und umfangreich an entsprechendes Fotomaterial zu gelangen. Zur Zeit des Krieges war die Firma E&H Anthony´s in New York der Hauptlieferant der Fotografen. So musste das Material meist in den Süden geschmuggelt werden, was sich als grosses Hindernis herausstellte. Die bekanntesten unter ihnen waren George F. Cook aus Charlston, A.D. Lytle aus Baton Rouge, Edwards&McPherson und Oliver aus New Orleans. Aus diesem Grund werden in diesem Kapitel nur Fotografen der Union behandelt, da ihr Schaffen das Bild, welches wir heute vom Amerikanischen Bürgerkrieg haben, entscheidend beeinflussten.

III.3.1.1 Mathew B. Brady

Über Mathew Bradys Jugend weiss man heute sehr wenig. Er wurde um 1823 in Warren County, New York als Sohn von Andrew und Julia Brady geboren. Schon in jungen Jahren reiste er nach Saratoga und Albany um geeignete Ärzte für sein nachlassendes Augenlicht zu finden, da seine Augen sehr stark entzündet waren. Es verschlechterte sich im laufe seines Lebens und gegen Ende war er fast erblindet. Zur selben Zeit soll er in Kunst vom Maler William Page unterrichtet worden sein. (vgl. Panzer, ix)

Anfang 1840 ging Brady nach New York, wo ihn Page mit Samuel F.B. Morse bekannt machte, der Brady unterstützte, indem er ihn im neuen Medium der Daguerreotypie unterrichtete.

1843 wird er im New Yorker Telefonverzeichnis als Hersteller von Leder- und Metallkoffern für Daguerreotypien und Schmuck angegeben. Ein Jahr später eröffnet er sein erstes Studio, die ´ Daguerrean Miniature Gallery ´ am Broadway.

Während seiner Karriere als Fotograf und Unternehmer legte Brady stets grossen Wert auf die Lage seiner Galerie. Bradys Studio am Broadway lag gegenüber dem Verlagshaus von Daniel Appleton, und in unmittelbarer Nähe zur St. Pauls-Kathedrale sowie dem City Hall Park. Ein paar Schritte weiter gab es P.T. Barnums American Museum, sowie eines der besten Hotels der Stadt, das Astor House. Dadurch war eine umfangreiche und zahlungskräftige Klientel gesichert (vgl. hierzu auch Kapitel III.3.2.).

Im Oktober 1843 gewinnt er bei seiner ersten öffentlichen Ausstellung, der jährlich stattfindenden ´Fair of the American Institute´, die ,,Premium-Medal" in seiner Kategorie. 1845 gewinnt er erneut den ersten Preis für die beste Schwarzweiss- und die beste Farbdaguerreotypie.

Seine ersten Daguerreotypien wurden als Holzschnitte in der wissenschaftlichen Abhandlung ´ Rationale of Crime ´ von Marmaduke Sampson veröffentlicht. Diese ersten Werke Bradys waren so hervorragend, dass so bekannte Verleger wie Daniel Appelton, sowie Fowler und Wells auf ihn aufmerksam wurden. Die Freundschaft zu ihnen brachte ihm neue Kontakte und weitere lukrative Aufträge, um im rauhen New York der damaligen Zeit als Fotograf zu überleben.

1845 ensteht in Bradys Galerie eine Art Ruhmeshalle, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Seine Porträts zeigen Berühmtheiten und bekannte Politiker deren guter Ruf sich durch die Ausstellungen auf ihn übertrug.

Um 1851 heiratet er Juliette Handy. Im gleichen Jahr werden Daguerreotypien von Brady und vier weiteren Fotografen dafür ausgewählt, die Vereinigten Staaten bei der ´Fair of all Nations´ in London zu vertreten. Brady gewinnt erneut eine Medaillie und bereist für circa zehn Monate Europa.

Am 14. März 1853 eröffnet er sein zweites New Yorker Studio am Broadway 359, welches er selbst leitet. Bei der Eröffnung wird den Vorhängen, Teppichen, Spiegeln und Kronleuchtern ebensoviel Aufmerksamkeit geschenkt wie den Porträts. Zu dieser Zeit beschäftigt Brady bereits 25 Mitarbeiter. Sein erstes Studio wird von einem Mr. Johnson weitergeführt. Im Juni erfindet er laut dem ´ Photographic Art-Journal ´ das ´Ivory-type´ - ein fotografisches Bild auf Elfenbein.

1855 bedient sich Brady wie die meisten Fotografen der Ambrotypie. Diese Art von Daguerreotypie auf Glas wurde nicht mit Quecksilber behandelt und somit fehlte der silberne edle Glanz, doch die Herstellung war dafür um einiges billiger.

Alexander Gardner wandert 1856 in die Vereinigten Staaten ein und fängt im Frühling an für Bradys Studio in New York zu arbeiten.

Zwei Jahre später, am 26. Januar 1858 eröffnet Brady seine ´ National Photographic Art Gallery ´ in der Pennsylvania Avenue, N.W. in Washington, D.C. Alexander Gardner leitet sie zusammen mit seinem Bruder, James Gardner, als seinem Assistenten. Aus finanziellen Gründen muss Brady im Herbst 1859 seine Galerie am Broadway 359 schliessen. Bald darauf eröffnet er ein kleineres Studio am Broadway 643. 1860 fotografiert Brady die Präsidentschaftskandidaten Stephen A. Douglas und Abraham Lincoln. Gleichzeitig bereitet er ein ´photographic picture´ aller Mitglieder des Senats von 1859 vor. Im Juli stellt er ein zusammengesetztes Bild von allen 250 Abgeordneten des Repräsentantenhauses fertig. Am 7.Oktober eröffnet er die ´ National Portrait Gallery ´am Broadway 785. Dieses Studio, mit seiner gediegenen Einrichtung sowie unzähligen Porträts von Persönlichkeiten und Politikern, stellte Bradys Höhepunkt seiner Karriere dar.

Zu Beginn des Bürgerkrieges versucht Brady Aufnahmen der Schlacht am Bull Run zu machen, die aber misslingen. Im November 1862 verlässt Alexander Gardner Brady und eröffnet sein eigenes Studio. Brady bekommt finanzielle Probleme, doch gelingt es ihm weiterhin Fotomaterial von E&H Anthonys für seine Studios zu erwerben.

Im Verlauf des Bürgerkrieges fotografiert Brady verschiedene Kampagnen, darunter Antietam (September1862), Gettysburg (Juli 1863), die Wilderniss (Mai 1864), und Petersburg (Juni 1864). Bradys Fotos zeigen nicht die Brutalität des Krieges, so wie Gardner ihn fotografierte. Brady bleibt auch im Feld bei der Porträtfotografie und macht Aufnahmen von Generälen und dem Campleben der Soldaten. Seine Bilder von den Schlachtfeldern zeigen keine Toten, sondern nur die Auswirkungen des Krieges an der Natur und der Landschaft. Nach 1865 bekommt er immer mehr finanzielle Schwierigkeiten. Sein Studio macht weniger Umsatz und er kann keine gutausgebildeten Mitarbeiter mehr gewinnen. Er versucht sein gesamtes Archiv an die New York Historial Society zu verkaufen, doch lehnt diese den Kauf ab.

Brady zieht 1870 von New York nach Washington D.C. um erneut sein Gesamtwerk an die Regierung zu verkaufen. Zwei Jahre später muss er sogar seine Galerie in New York schliessen und Konkurs anmelden. Der Kongress entschliesst sich nach weiteren drei Jahren seine Kollektion für 25.000 Dollar zu kaufen, womit er seine Schulden begleichen kann. Im Laufe der nächsten zwanzig Jahre arbeitet er mit seinem Neffen in Washington als Fotograf für die Regierung. Er macht, zur gleichen Zeit wie Gardner, Aufnahmen von Delegierten der Indianerstämme, die zu Verhandlungen nach Washington kommen. Bradys Ansehen in der Gesellschaft sinkt ohne Kundschaft aus der Oberklasse immer mehr. Sein Enthusiasmus und die Qualität seiner Bilder lässt ebenfalls nach. Nach dem Tod seiner Frau Juliette verfällt Brady dem Alkohol.

Seine letzte Galerie eröffnet er 1890 als ein ´ Museum of historical photography ´ (vgl. Panzer: 20). Seine Kundschaft sind Journalisten, die seine Geschichten und Fotografien noch nicht gesehen haben. Die eigentliche Attraktion ist jedoch Brady selbst. Als einziger Überlebender der bekannten Fotografen des Bürgerkrieges behauptet er nun Erfindungen gemacht zu haben, welche nicht auf ihn allein zurückzuführen sind.

Bei einem Verkehrsunfall 1895 fährt ihn ein Pferdewagen an und er bricht sich das Bein. Von dieser Verletzung erholt er sich nicht mehr und stirbt am 16. Januar 1896 im Presbyterian Krankenhaus in New York. Seine Beerdigung wird vom siebenten New Yorker Regiment bezahlt, dem Brady als Ehrenmitglied angehört.

Brady wird heute in einem Atemzug mit den Fotografien des Bürgerkrieges genannt. Es ist unbestritten, dass er einen grossen Einfluss darauf hatte, wie wir den Bürgerkrieg in der heutigen Zeit sehen. An ihm lässt sich sehr gut die aufkommende gesellschaftliche Bedeutung und die wirtschaftliche Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert verfolgen. War für ihn anfangs die Fotografie eine Ausdrucksmöglichkeit der Kunst und zugleich ein Mittel um Geschichte festzuhalten, so nahm ihre wirtschaftliche Komponente im Verlaufe seines Lebens eine immer grösser werdende Stellung ein, welche sich in seinen späteren Aufnahmen deutlich erkennen liess. Die Qualität seiner Bilder liess nach dem Ende des Krieges deutlich nach.

Im Vergleich zu Gardner war Brady jedoch derjenige, welcher die Fotografie für die Gesellschaft 19. Jahrhunderts zu einem neuen eigenständigen Medium entwickelte.

III.3.1.2 Alexander Gardner

Alexander Gardner wurde am 17. Oktober 1821 als erstes Kind von James und Jean Glen Gardner in Paisley, Schottland, nördlich von Glasgow geboren. James Gardner hatte einen florierenden Einzelhandel, welchen Alexander als Zehnjähriger zusammen mit seiner Mutter übernehmen musste, als James Gardner um 1832 an Cholera starb. Doch sorgte seine Mutter sowie sein Stiefvater, dass er eine gute Schulbildung bekam. Besonders interessierten ihn Astronomie, Botanik und Chemie. Er wurde als Juwelier ausgebildet und machte sich 1842 als Silberschmied und Juwelier in Glasgow selbständig. In seiner Freizeit bildete er sich ständig weiter, war Mitglied in mehreren Gremien, wie dem Athenaeum in Glasgow und der Glasgow Photographic Society. Er engagierte sich auch für sozial Schwächere, wobei er seine einjährige Arbeitsstelle beim ´ Glasgow Sentinel ´, einer Tageszeitung, benutze um auf Missstände in der Arbeiterklasse Glasgows aufmerksam zu machen.

Seine Engagement liess ihn zum Manager der Clydesdale Discount Loan Company werden, welche im April 1849 gegründet wurde, und die ein Gebiet in der Nähe von Iowa in den Vereinigten Staaten kaufte um dort eine schottische Kolonie zu gründen. Im Januar 1851 gab es bereits 15 Familien die das Land bewirtschafteten. Doch die Siedlung konnte sich nur knapp ein Jahr lang halten und das Unternehmen löste sich im März 1852 auf. Zwischen 1852 und 1856 lässt sich Gardners Leben schwer rekonstruieren. Fest steht lediglich, dass es in dieser Zeit war, in der er sich die Kunst des Fotografierens angeeignet hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Gardner, als ein gebildeter Mann, die Popularität, welche die Fotografie zu dieser Zeit hatte, nicht entging. Die Daguerreotypie war von 1842 bis 1851 allgegenwärtig in Glasgow. William Henry Fox Talbots Kalotypieverfahren erreichte Glasgow im Oktober 1843. 1851 wurde in Glasgow das Kollodiumverfahren übernommen. So gilt auch als sicher, dass Gardner die ´Great Exhibition´ am 1.Mai 1851 in London nicht verpasste, das Ereignis des Jahrhunderts, welches von Königin Victoria eröffnet wurde und unter anderem eine Ausstellung der neusten internationalen Fotografie und der aktuellsten Verfahren zeigte. Wo er nun genau die Kunst des Fotografierens erlernte, konnte nie vollständig geklärt werden. Katz schliesst nicht aus, dass Gardner das Kollodiumverfahren bei Stephen A: McLeod Young oder bei Jon Urie erlent haben könnte (Katz, 1991: 6). Ende 1855 berichtete der Dumbarton Herald, dass Gardner Kallotypie-Porträts verkaufe, zusammen mit einer Porträt-Brosche. Als Fotograf hat er sich in Glasgow bereits einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet.

Im Frühling 1856 verliesst Gardner mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und seiner Mutter Schottland und segelte nach Amerika um sich um die wenigen Verbliebenen seiner Kolonie in Iowa zu kümmern. Die Kolonie fiel jedoch einer Tuberkuloseepidemie zum Opfer und Gardner wurde vor die Entscheidung gestellt, nach Schottland zurückzukehren oder sein Glück in Amerika zu versuchen. Er nahm Kontakt mit Mathew Brady in New York auf und fand eine Anstellung in Bradys Galerie. Gardner übernahm den geschäftlichen Teil der Galerie und Brady kümmerte sich um die Kundschaft.

1858 übergab Brady Alexander Gardner die Leitung seiner Washingtoner Galerie. Durch Lincolns Einberufung von mehr als 120.000 Soldaten in Washington, stieg der Umsatz der Galerie stark an. Alle Soldaten wollten ein Foto von sich in Uniform als Andenken haben, da man allgemein annahm, der Krieg würde schnell wieder vorbei sein.

Das Militär erkannte sehr früh den Vorteil der Fotografie und wusste ihn zu nutzen. Gardner wurde ab 1861 vom Secret Service zum ´Captain´ befördert und dafür eingesetzt, Landkarten und militärische Dokumente zu vervielfältigen, welche an alle Truppen verschickt wurden. Zukünftige Schlachtfelder wurden von Gardner fotografiert um den Generälen es zu ermöglichen, Strategien für den Kampf zu entwickeln, ohne vor Ort sein zu müssen. Gardner schickte im April 1862 seine Assistenten Gibson, Barnard und Wood ins Feld um erste Kriegsfotos der Peninsula Kampagne machen zu lassen. Er selbst fotografierte die ersten Kriegsbilder im September 1862 nach der Schlacht bei Antietam. Nach diesen Aufnahmen arbeitete Gardner nur noch sporadisch im Feld. Er besuchte im Oktober General McClellans Hauptquartier und machte dort Aufnahmen von Präsident Lincoln. Über den Winter besuchte er verschiedene Camps in Virginia.

Gardners erfolgreiche Antietamserie bestärkten ihn, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Im November 1862 kündigte er seine Partnerschaft mit Brady und nahm alle Negative der Peninsula Kampagne mit. Ebenso wechselten die meisten Fotografen Bradys, darunter Timothy O´Sullivan, James Gibson und David Knox, zu seiner neuen Galerie, welche am 26.Mai 1863 in der Seventh Street 511 in Washington eröffnet wurde.

Die Konföderation unter General Lee verlagerte im Sommer 1863 ihre Kämpfe in den Norden. Lee versuchte damit den Druck auf den Süden zu verringern und die Moral des Südens zu stärken, indem er einen Sieg auf dem Boden der Union erringen wollte. Vom 1.-3. Juli 1863 kam es zur Schlacht um Gettysburg, welches nur 75 Meilen von Washington entfernt lag.

Gardner erreichte Gettysburg am 5. Juli 1863 um zwei Tage lang die gefallenen Soldaten zu fotografieren. Gardner war sich nach Antietam sowohl über die gesellschaftliche wie auch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Art von Bildern bewusst. Doch im Gegensatz zu Antietam war es diesmal Brady, dessen Fotos in den Zeitungen erschienen, da Brady eine Woche später in Gettysburg ankam und wichtige Schauplätze sowie die Helden von Gettysburg, General Reynolds und John Burns fotografiert hatte.

Zwei Monate nach Gettysburg veröffentlichte Gardner im September 1863 seinen ´ Catalogue of Photographic Incidents of the War ´ . Er bestand aus 28 Seiten mit Fotos in Foliogrösse und in Stereoformat.

Im weiteren Verlauf des Krieges waren Gardners Assistenten weiterhin für ihn aktiv im Feld, während Gardner die Galerie in Washington führte. Erst im April 1865, kurz vor der Kapitulation des Südens, machte Gardner wieder Fotos auf einem Schlachtfeld. Er reiste sofort nach Richmond, Virginia, als er von der Belagerung der Hauptstadt hörte. Zwischen dem 6.und 15. April 1865 nahm er über 50 Bilder der zerstörten Stadt auf. Sie sollten die letzten Aufnahmen des Bürgerkriegs sein, bei denen er selbst hinter der Kamera stand.

Nach dem Bürgerkrieg hatte sich Gardners Ruf weit verbreitet und die Union Pacific Railway Company engagierte ihn für Landschaftsaufnahmen im Westen um eine geeignete Streckenführung für die Eisenbahn zu finden. Er schloss seine Galerie in Washington im September 1867 und reiste nach St.Louis um von dort aus mit der Eisenbahngesellschaft in den Westen aufzubrechen.

Nach der Rückkehr von dieser Expedition blieb Gardner jedoch nicht lange in Washington, sondern kehrte bereits im April 1868 in den Westen zurück. Bereits vor dem Bürgerkrieg machte Gardner Aufnahmen von Indianern, welche nach Washington kamen um Verträge über die Gebiete im Westen abzuschliessen. Während seiner Expedition für die Union Pacific gelang es ihm Indianer in ihren Gebieten zu fotografieren. Dies inspirierte ihn so, dass er zwei Monate lang Verhandlungen mit Stämmen wie den Cheyenne und den Arapaho dokumentierte.

Gardner war bis 1872 mit dem fotografieren von Delegationen der Indianer in Washington

beschäftigt. Gleichzeitig war er in der Gesellschaft von Washington sehr aktiv. Sein Einsatz für sozial Schwächere nahm ab 1869 einen grösseren Teil seines Lebens ein. Er gründete die ´ Masonic Mutual Relief Association ´, eine Gesellschaft die Lebensversicherungen für Arbeiter und sozial Schwache anbot. 1877 wurde die ´ Washington Beneficial Endowment Association ´ ins Leben gerufen, eine weitere Organisation zur Unterstützung der Arbeiterklasse.

Offiziell ging Gardner 1879 als Fotograf in den Ruhesatnd, um sich intensiver um beide Organisationen kümmern zu können.

Im Dezember 1882 wurde Alexander Gardner schwer krank. Innerhalb zwei Wochen

verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Am 10.Dezember 1882 starb er im Alter von 61 Jahren in seinem Haus in Washington.

Als Fotograf war Gardner in technischen Belangen Brady überlegen, seine Fotograsfien, welche zusammen mit Timothy O´Sullivan entstanden, gelten heute als die bekanntesten Bilder des amerikanischen Bürgerkrieges.

III.3.2 Bradys Galerien

Mathew B.Brady eröffnete seine erste Galerie im April 1844 in New York City am Broadway 205-207, Ecke Fulton Street. New York galt zu dieser Zeit als eine Hochburg der Fotografie, der Daguerreotypie im besonderen. 1850 zählte man bereits 71 Geschäfte mit 127 Angestellten. (vgl. Panzer, s.39). Ab 1853 wurden von der New York Tribune 100 Daguerreotypieläden mit 250 Mitarbeitern gezählt. Ebenfalls wurde von der Zeitung geschätzt, dass in Amerika bereits circa 13.000-17.000 Menschen in der Photoindustrie beschäftigt waren und pro Jahr ungefähr 3 Millionen Daguerreotypien herstellten. Bradys Galerie erstreckte sich am Broadway über zwei Häuserreihen und war ´the largest and most fashionable establishment in the city´ (Panzer, S.39). Im Erdgeschoss war das Unternehmen der Brüder Edward und Henry T. Anthony untergebracht, welche sich auf den Verkauf von Fotomaterial und Zubehör spezialisierten.

Die grosse Mehrheit der Galerien machte ihr Geschäft ausschliesslich mit Portraitfotografie. Dabei gab es Unterschiede sowohl in der Qualität als auch im Preis. Die billigeren Preise fand man in der Nähe der Bowery im Süden New Yorks. Dort befanden sich Theater, Restaurants und Geschäfte die für die Arbeiterklasse bestimmt waren. Dementsprechend war auch die Qualität der Fotos. Der Preis für ein Porträtfoto lag hier bei fünfundzwanzig Cents. Im Gegensatz dazu verlangten die teuersten Studios fünf Dollar, was mehr war, als der Wochenlohn eines Arbeiters (vgl. Panzer, S.42).

Die etwas besseren Studios siedelten sich am Broadway an. Die Ehrgeizigsten unter ihnen (wie Brady, Gurney und Fredericks) wanderten weiter nördlich über die vierzehnte Strasse bis zum Union Square, um den Anschluss an das grösste Geschäftsviertel nicht zu verpassen, welches den höchsten Umsatz versprach.

Amerikanische Daguerreotypie Galerien, und Bradys Galerien im besonderen, wurden nicht nur als Ausstellungsräume für Kunst und Fotografie genutzt, sondern waren auch gleichzeitig eine Art Ausstellraum für die neuste Mode an Teppichen, Möbel und Inneneinrichtung. Als Brady 1853 sein Studio am Broadway 359 eröffnete beschrieb das ´ Humphrey ´ s Journal ´ die Inneneinrichtung sehr detailliert:

´At the door hangs a fine display of specimen which are well arranged in rich rosewood and gilt show cases. The Reception Rooms are up two flights of stairs, and entered through folding doors, glazed with the choicest figured cut glass, and artistically arranged...The floors are carpeted with superior velvet tapestry, highly colored and of large and appropriate pattern. The walls are covered with satin and gold paper. The ceiling frescoed, and in the center is suspended a six-light gilt and enameled chandelier, with prismatic drops that throw their enlivening colors in the most costly needle worked lace curtains, while the golden cornices, and festooned damask indicate that Art dictated their arrangement. The harmony is not in the least disturbed by the superb rosewood furniture - tetes a tetes, reception and easy chairs, and marble-top tables, all of which are multiplied by mirrors from ceiling to floor. Suspended on the walls we find the Daguerreotypes of Presidents, Generals, Kings, Queens, Noblemen - and more nobler men - men and women of all nations and professions´. (vgl. Panzer: 44)

Diese Art von Räumen hatten allerdings wenig gemeinsam mit den Bedürfnissen eines Daguerreotypisten. Sie stellten in gewisser Weise den Rang und den Ruf dar, welcher der Besitzer in der Gesellschaft und unter seinesgleichen hatte. Der Fotograf benötigte für seine Aufnahmen, bedingt durch das Fotomaterial, ein helles Zimmer mit sehr viel Sonnenlicht. Diese sogenannten ´operating rooms´ befanden sich meist im obersten Stockwerk. Dabei wurden von ´studio operators´ spezielle grosse Fenster eingebaut, sowie ´skylights´ - extra gefertigte Lampen mit Reflektoren. Neben diesen ´operating rooms´ befanden sich noch Räume für die Vorbereitung der Fotoplatten, für deren Entwicklung und Räume für die Nachbearbeitung, welche die Einrahmung sowie teilweise auch Handkolorierung einschloss.

Ebenso gab es einen grossen Empfangssaal für die ankommende Kundschaft, die darauf warteten in den ´operating room´geführt zu werden, sowie einen Wartesaal für die Kundschaft, welche das gerahmte Bild entgegennehmen wollten Nach der Aufnahme durch den Fotografen wurde das Bild von einer Gruppe von Angestellten entwickelt und bearbeitet. Gegen eine geringe Gebühr konnten die Bilder noch farblich aufgebessert werden, indem man die Wangen oder auch Ohrringe und Armbanduhren kolorierte. Zuletzt wurde das Foto von einer weiteren Gruppe von Mitarbeitern unter einer Glasplatte versiegelt, eingerahmt und in einer Art Mappe überreicht. Die ganze Prozedur dauerte ungefähr eine Stunde.

Der Kunde selber sah nur den Empfangssaal mit der Ausstellung von Bildern. Zur Aufnahme wurde er in den ´operating room´gebracht. Dort stellte der Fotograf das Licht auf den Kunden ein, positionierte ihn, gab ihm Anweisungen, welchen Gesichtsausdruck er annehmen sollte und entfernte die Kappe vor der Linse, um die eigentliche Aufnahme zu machen. Dem Kunde wurde dabei von hinten der Kopf mit einem Eisengestell fixiert, um keine Bewegung im Bild zu haben. Mit Reflektoren und speziellen Schirmen wurde Licht auf die Person geworfen um das Gesicht zu erleuchten und sanfte Schatten zu werfen, welches dadurch in einer Art dreidimensionalem Raum erschien. (Panzer, 45)

Bradys Galerien wurden nicht nur besucht, um ein Portraitfoto von sich anfertigen zu lassen. Die Gesellschaft hatte in den Ausstellungsräumen die Möglichkeit, berühmte und bekannte Personen im Portraits zu sehen, die sie noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Ab 1862 stellte Brady in diesen Räumen auch Kriegsfotos aus. Die Reaktion des Publikums war äusserst stark. Der Krieg begegnete den Amerikanern bis dahin nur als eine endlos gedruckte Liste von Namen der Gefallenen in den Zeitungen. Die New York Times schrieb dazu, dass dies die Menschen nicht so stark beeinflusste. Der Krieg war ,,like a funeral next door... We recognize the battle-field as a reality, but it stands as a remote one." (Panzer, 1997: S.108). Mit der Ausstellung der Fotos änderte sich dies. Der Reporter der Times bemerkte, dass ,,our sensation might be different if the newspaper carrier left the names on the battle-field and the bodies at our doors instead." Mathew Brady hatte "done something to bring home to us the terrible reality and earnestness of war. If he has not brought bodies and laid them in our door- yards and along the streets, he has done something very like it." (Panzer, S.109). Die Massen kamen und betrachteten die Bilder als eine umgekehrte Form von Portraits. Da das Publikum gewohnt war, Bilder von bekannten Persönlichkeiten zu sehen, lag die Besonderheit der Leichenfotos in ihrer Anonymität. Die Times beschrieb dies als ,,a terrible fascination...that draws one near these pictures, and makes him loth to leave them. You will see hushed, reverend groups standing around these weird copies of carnage, bending down to look in the pale faces of the dead, chained by the strange spell that dwells in dead men´s eyes." (Panzer, S.109). So kamen die meisten Betrachter aus Neugierde, um zu sehen, wie der wirklich war. Ein gewisses Unbehagen und etwas Angst war jedoch immer vorhanden beim Betreten von Bradys Galerien, da es jederzeit vorkommen konnte, dass eine Mutter auf einem der Bilder der verschiedenen Schlachten ihren vermissten Sohn oder Ehemann wiedererkennen konnte. So war Bradys Galerie zur damaligen Zeit weit mehr als nur ein Fotostudio, sondern es übernahm zugleich die Funktion einer Nachrichtenzentrale für die Daheimgebliebenen, da Bradys Fototgrafen auf allen Schlachtfeldern unterwegs waren und regelmässig neues Bildmaterial von Kämpfen und Landschaften zurückbrachten.

III.3.3 Technik und Ausrüstung der Fotografen

Die Art und Weise wie Brady, Gardner und O´Sullivan ihre Aufnahmen machten, kann man sich heute kaum vorstellen. Vor allem Aussenaufnahmen waren zur damaligen Zeit sehr schwierig durchzuführen, was vor allem an der Tatsache lag, das belichtetes Material sofort entwickelt werden musste, um ein Foto zu erhalten.

Die Fotografen des Bürgerkriegs benutzten für ihre Aufnahmen zwei verschiedene Arten von Kameras. Der Grund dafür lag in der unterschiedlichen Grösse der Negative. Da zur damaligen Zeit eine Vervielfältigung und Vergrösserung eines Negativs äusserst umständlich und noch nicht ausgereift war, wurden entwickelte Fotos ausschliesslich durch einen direkten Abzug, einem sogenannten Kontaktabzug, vom jeweiligen Negativ gemacht. Wollte man also verschiedene Bildgrössen haben, so mussten auch die Negative entsprechend grösser sein. Um diese Variationen zu erreichen, wurde eine grosse Einzelplatten-Kamera für 8x10 inch Glasnegative und eine Stereo-Kamera mit kleinerem Glasnegativ, die zwei Bilder gleichzeitig machte, verwendet.

Beinahe 80 % der Bürgerkriegsaufnahmen wurden mit der Stereo-Kamera aufgenommen, was vor allem wirtschaftliche Gründe hatte, da die Fotografen, wie zum Beispiel Gardner, ihr Haupteinkommen aus Stereo-Dias bezogen, aus denen auch die damals sehr populären Carte de Visite gemacht wurden (Frassanito, 1975: 29).

Besonders erschwerend war die Vorbereitung und anschliessende Entwicklung des Negatives bei Aussenaufnahmen mitten auf dem Schlachtfeld. Alle Fotografen wendeten ohne Ausnahme den sogenannten ,,Wet Plate Process" an. Diese Art von Negativ wurde durch das Kollodiumverfahren hergestellt. Sie verlangte, dass der Fotograf am Ort der Aufnahme und in einem mobilen Dunkelraum eine flüssige sirupartige Lösung, besagtes Kollodium, über eine penibel gesäuberte Glasplatte schüttete. Nachdem die überflüssige Lösung abgelaufen war, musste die Platte unbedingt gleichmässig überzogen sein mit Kollodium. Die Lösung musste einerseits noch etwas klebrig sein, andererseits keinesfalls trocken, worauf sie in eine weitere chemische Lösung getaucht wurde, welche sie lichtempfindlich und somit fertig für die Belichtung machte. Sofort darauf wurde die Platte in einen lichtundurchlässigen Behälter eingesetzt und rasch zur Kamera auf dem Schlachtfeld gebracht. Unmittelbar nach der Belichtung wurde sie erneut in den mobilen Dunkelraum getragen und dort entwickelt. Während der ganzen Prozedur durfte die Platte auf keinen Fall trocknen, da sonst die Chemikalien nicht lichtempfindlich bleiben konnten und das Bild somit verloren gewesen wäre.

Für diesen Vorgang zur Belichtung eines Bildes benötigten die Fotografen, welche mit ihren erfahrenen Helfern als Team zusammen arbeiteten, circa zehn Minuten. Durch die Teamarbeit durften bei Gardner auch die Helfer abwechselnd Fotos machen, wobei man sich bei der Belichtung, der Vorbereitung und der Entwicklung der Bilder abwechselte. O´Sullivan dagegen fotografierte immer selbst, und war der einzige, der die damals seltener benützte Einzelplatten-Kamera bediente (vgl. Frassanito, Gettysburg, S. 28ff). Wie man auf Bildern von Gardner erkennen kann, besass er zwei Dunkelkammerwagen um die Effektivität zu erhöhen. In einem wurden die Platten mit Kollodium sensibilisiert, in dem anderen bereits belichtete Platten entwickelt.

III.4 Ausgewählte Fotos des Amerikanischen Bürgerkrieges

Der Amerikanische Bürgerkrieg sah über 623.000 Tote innerhalb der vier Jahre des Konfliktes. Denkt man heute an den Krieg zurück, so tauchen immer wieder zwei Orte in Verbindung mit dem Schrecken und den Toten, die der Krieg verursachte, auf: Antietam und Gettysburg. Diese beiden Schlachten, die für den Krieg so entscheidend waren, gelten als die blutigsten und die verlustreichsten des Krieges. Am 17. September 1862 war Antietam Schauplatz der blutigsten Schlacht des Krieges. Innerhalb eines Tages wurden 23.000 Soldaten entweder getötet, verwundet oder vermisst. Insgesamt starben 4808 Soldaten (2108 der Union, 2700 der Konföderierten).

Während der Schlacht um Gettysburg zwischen dem 1 und 4. Juli 1863 kam es zu 51.000 verwundeten oder getöteten Soldaten (28.000 der Konföderation, 23.000 der Union). Obwohl der Krieg bereits über ein Jahr dauerte, war Antietam die erste Schlacht, in der die Fotografen rechtzeitig vor Ort waren um die Toten auf dem Schlachtfeld zu fotografieren. (vgl. Frassanito 1978: 17). Die entstandenen Fotos zeigten zu 2/3 Landschaftsbilder der Schlacht, sowie Gruppenbilder von teilnehmenden Soldaten. Doch es waren die restlichen Bilder, Bilder von Schlachtfeldern, übersät von toten Soldaten, teilweise in grotesken Posen, welche die Serie von Antietam für die Gesellschaft unvergesslich machten. Die überwiegende Mehrheit der Fotos von Antietam wurden von Alexander Gardner und seinem Helfer, James F. Gibson gemacht.

Ein Jahr später war es wiederum Gardner der auf dem Schlachtfeld von Gettysburg ausschliesslich Bilder von gefallenen Soldaten machte (vgl. Frassanito 1975: 222).

Es stellt sich nun dem Betrachter der Fotos des Amerikanischen Bürgerkriegs unweigerlich die Frage nach der Intention des Fotografen, diese Bilder zu machen. Dazu ist allerdings wichtig, einen Überblick über die damalige Zeit und den kulturellen Kontext zu bekommen um ein besseres Verständnis für die Fotografen und ihre Arbeit zu haben.

Um dies zu beantworten muss die Anwendung der Fotografie zu dieser Zeit näher beleuchtet werden. Bilder über den Amerikanischen Bürgerkrieg enstanden aus einer Vielzahl von komplexen Motivationen. Aus dem Gespür heraus, Gegenwartsgeschichte festzuhalten, aus Patriotismus, aus Abenteurlust, und nicht zuletzt aus dem Verlangen nach sozialem und beruflichem Prestige (vgl. Sandweiss, 1991: 131). Jedoch war der Unternehmensgeist und der Gedanke sich einen Lebensunterhalt damit zu finanzieren die grösste Motivation von allen. Allein der Verdienst an den Bildern kann jedoch nicht der alleinige Grund gewesen sein, da die Fotografen mit Porträtfotografie ein gutes Einkommen hatten und sich deshalb nicht auf einem Schlachtfeld in Gefahr bringen mussten. Deshalb sind einige zusätzliche Fragen berechtigt: Wieso wurden diese Bilder gemacht? Warum Bilder von toten Soldaten? Was wollte der Fotograf damit ausdrücken? Wie sollen die Bilder auf den Betrachter wirken? Wie wirken die Bilder letztendlich auf den Betrachter? Wie ausschlaggebend sind die Texte zu den Bildern? Was für eine Wirkung haben sie ? Unterstreichen und unterstützen sie das Bild oder verfälschen sie es eher?

Diesen Fragen soll in diesem Abschnitt nachgegangen werden anhand der folgenden Bilder, welche die Art und Weise wie Gardner auf dem Schlachtfeld arbeitete zeigen. Alle vier Aufnahmen erschienen in ´ Gardner ´ s Photographic Sketch Book of the War ´, welches er erstmals 1865 veröffentlichte. Es wurden insgesamt 200 Alben davon hergestellt und zu einem Preis von 150 Dollar verkauft. Eine geringe Anzahl konnte an zahlungskräftige Kunden verkauft werden. Heute existieren nur noch zwanzig Exemplare des Sketch Books.

III.4.1. ,,Field Where General Reynolds Fell, Gettysburg, July, 1863"

(Plate 37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Field where General Reynolds fell. Battle-Field of Gettysburg About nine o´clock on the morning of the 1st of July, 1863, the Federal cavalry, under General Buford, met the Confederates two miles beyond Gettysburg, on the road to Chambersburg. The rebel infantery was preceded by a small body of their cavalry, which dispersed the militia wherever met with, and which, charging into our cavalry, was captured, not a man escaping. The Confederates immediatly threw a division of infantery into the line, and advanced upon our cavalry, which dismounted, and by slowly falling back from one stone wall to another, impeded the progress of the enemy very materially. The cavalry had just taken up the last available line of defence beyond Gettysburg, when, at eleven o´clock, General Reynolds arrived with the 1st corps on a double-quick. The enemy then halted for a short time, re-formed their lines, and prepared to charge, which was met by a severe fire from the advance of our infantery, which went into line as rapidly as the regiments could be brought up. General Reynolds, appreciating the importance of holding the Seminary Ridge, rode out into the field, and directed the posting of the troops and while engaged in his work, received a shot in the neck, falling lifeless to the earth. His remains were brought off the field under a withering fire, which lasted until night, our troops, overwhelmed by numbers, slowly falling back, and finally taking a position on Cemetary Ridge, which was next day occupied by the rest of our army, and became the battle-ground of the succeeding days.

The dead shown in the photograph were our own men. The picture represents only a single spot on the long line of killed, which after the fight extended across the fields. Some of the dead presented an aspect which showed that they had suffered severly just previous to dissolution, but these were few in number compared with those who wore a calm and resigned expression, as though they had passed away in the act of prayer. Others had a smile on their faces, and looked as if they were in the act of speaking. Some lay stretched on their backs, as if friendly hands had prepared them for burial. Some were still resting on one knee, their hands grasping their muskets. In some instances the cartridges remained between the teeth, or the musket was held in one hand, and the other was uplifted as though to ward a blow, or appealing to heaven. The faces of all were pale, as though cut in marble, and as the wind swept across the battle-field it waved the hair, and gave the bodies such an appearance of life that a spectator could hardly help thinking they were about to rise to continue to fight.

Gardners Hauptanliegen in Gettysburg war das Fotografieren der toten Soldaten, da diese Art von Fotos ein Jahr zuvor in Antietam für grosses Aufsehen gesorgt hatte (Frassanito 1975: 27). Er erreichte Gettysburg am 5. Juli 1863, zwei Tage nach dem Ende der Schlacht. Zusammen mit seinen beiden Assistenten Timothy O´Sullivan und James F. Gibson nahm Gardner bis zum Morgen des 7.Juli 60 Negative auf, von denen beinahe 75% Aufnahmen von toten und teilweise verstümmelten Soldaten waren. Die hier abgebildenten Photos entstanden alle im südlichen Teil des Schalchtfeldes in der Nähe der Rose Farm und Devil´s Den, da Gardner auf der Emmitsburg Road in Gettysburg ankam. Dies stellte sich als Glücksfall heraus, da dies der einzige Teil des Schalchtfeldes war, auf dem die Toten noch nicht beerdigt worden waren.

Die Bemerkung die Alexander Gardner zu diesem Bild schrieb zeigt deutlich seine Einstellung zur Union und gegenüber dem Feind.

Gardners Photo ,,Field where General Reynolds fell" ist eines der auffälligsten Bilder unter den 60 Photos die in Gettysburg gemacht wurden. Es wurde von Timothy O´Sullivan Fotografiert und von Alexander Gardner entwickelt. Es ist eines von drei Bildern, die O´Sullivan und Gibson von der gleichen Position aus machten. (Ein weiteres wurde in einem Gegenwinkel von 135 Grad gemacht, welches als ,,A Harvest of Death" bezeichnet wurde (siehe III.4.2.)) Aufgenommen wurde Plate 37 mit einer Einzelplattenkamera, im Gegensatz zu den beiden anderen Aufnahmen welche mit der Stereokamera aufgenommen wurden. Es zeigt fünf tote Soldaten auf einem relativ offenen Feld. In gewisser Weise unterscheidet es sich äusserlich kaum von anderen Bildern, welche Tote als Motiv haben. Zurückzuführen ist dies auf den Herstellungsprozess und die Art, wie Gardner die Bilder aufnahm. Die Kameraposition war mehrheitlich in Augenhöhe, mit einer minimalen Neigung nach unten. So auch in diesem Bild. Ebenso war der Abstand zum Motiv fast immer der gleiche, und zwar aus mittlerer bis weiter Entfernung. Spezielle Nahaufnahmen sucht man in der Gettysburg- Serie vergebens. Da vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg Aussenaufnahmen sich auf Landschaftsmotive beschränkten, gab es bestimmte Vorgaben wie ein Bild auszusehen hatte. Die damaligen Konventionen verlangten nach mittlerer bis weiter Entfernung zum Motiv, sogenannte ,,straight-on shots", und wurden demnach auch bei der KriegsFotografie angewandt. (Sweet, 1990: 107).

Besagte Landschaftsmotive hatten ein künstlerische Norm zu erfüllen. Diese war wiederum zurückzuführen auf die Zeit vor der Fotografie, in der Landschaften noch gemalt wurden und somit der Kunst zuzuordnen waren. So wird zum Beispiel verständlich, das George Barnard in einige seiner Photos mit Hilfe eines Kombinationsdrucks künstlich majestätisch wirkende Wolkenformationen zu einem sonst klarem Himmel hinzufügte. Aus dokumentarischer Sicht mag dies eine grobe Verfälschung der Tatsachen sein, selbst wenn sie für die Aussage des Bildes irrelevant sind. Doch für den künstlerischen Wert des Bildes waren diese Wolken ausserordentlich wichtig um ein vollendetes, ästhetisch ansprechendes Bild zu kreieren, welches künstlerischen Ansprüchen genügte.(vgl. Sandweiss, 1991: 171)

Dennoch ist Gardners ,,Field Where General Reynolds Fell" ein besonderes Foto aus vielerlei Sicht. Da es sich bei O´Sullivans Bild um ein Einzelplattenbild, nämlich einem 8x10 inch handelte, zeigte es einen kleineren Bildausschnitt gegenüber den beiden anderen Stereobilder der gleichen Szene. Alle drei Bilder erschienen vor Gardners Sketch Book in seinem

´ Catalogue of Photographic Incidents of the War ´ von 1863, noch während des Krieges.

Darin finden sich die Stereoaufnahmen mit der Bildbezeichung ,,View in field on right wing" und ,,Federal soldiers as they fell". Das Einzelplattenbild jedoch mit dem Untertitel ,,View in the field on the right wing where General Reynnolds fell". Es ist das einzige Bild im gesamten Katalog, welches den Anspruch erhebt, den Schauplatz des ersten Tages der Schlacht, also dem 1.Juli 1863, darzustellen. General Reynolds, oberster Kommandant der Unionstruppen, wurde zu Beginn der Schlacht durch einen Kopfschuss getötet. Laut historischen Begebenheiten und Aufzeichnungen erreichte Gardner Gettysburg allerdings erst am 3.Juli 1863 (Frassanito, 1975: 24). Berechnet man die Zeit die Gardner und seine Männer für die Aufnahmen bei der Rose Farm und in Devil´s Den benötigten, so hätten sie frühstens am

7.Juli diesen Platz erreichen können, welcher nordwestlich von Gettysburg lag. Zu dieser Zeit waren aber sämtliche Tote in diesem Bereich bereits begraben worden. Gardner hätte ausserdem durch Gettysburg hindurch gemusst um auf das Schlachtfeld zu gelangen. Jedoch gibt es keine Bilder von den beiden imposantesten Bauwerken in Gettysburg, dem Lutheran Theological Seminary sowie dem Pennsylvania College. Man könnte jedoch argumentieren, dass Gardner kein Interesse an Gebäuden hatte, da er auschliesslich wegen den toten Soldaten nach Gettysburg kam. Frassanito bemerkt hierzu, dass Gardner demnach jedoch nicht zwei Negative für das vergleichsweise langweilige Fahnestock Gebäude in Gettysburg verschwendet haben würde (Frassanito, 1975: 224). Die einzig logische Erklärung wäre also, dass Gardner nie Aufnahmen nördlich von Gettysburg gemacht hatte.

Tatsächlich findet sich bei den knapp sechzig Negativen kein einziges, welches sich definitiv mit dem Schlachtfeld des ersten Tages verbinden lässt. Im Gegensatz dazu lassen sich alle Bilder, deren Aufnahmeort genau festgelegt werden konnte, Gebieten zuordnen, die nicht während des ersten Tages betroffen waren. Zusätzlich können alle Bilder mit toten Soldaten dem Gebiet um die Rose Farm und Devil´s Den zugeordnet werden.

Dabei stellt sich nun die Frage, wieso Gardner in seinem Katalog von 1863 die Bildunterschrift ,,View in the field on the right wing where General Reynolds fell" wählte? Frassanitos Theorie scheint dabei die plausibelste (Frassanito, 1975. 224ff): Ab dem 7.Juli waren alle Toten begraben worden, und da die Toten Gardners Hauptanliegen darstellten, gab es für ihn nichts mehr zu tun und er reiste zufrieden zurück nach Washington, da er alle anderen Fotografen, vor allem Brady, ausgestochen hatte. Als die Berichte über Gettysburg in den Zeitungen erschienen erfuhr die Öffentlichkeit über die wichtigsten Schauplätze der Schlacht. Zwei Personen wurden über Nacht zu Helden der Schlacht: der siebzig jährige John Burns, sowie der gefallene General Reynolds.

Am 22. August 1863 veröffentlichte Harper ´ s Weekly elf Brady Bilder mit John Burns, seinem Wohnhaus, General Lees Hauptquartier, sowie einem Landschaftsbild mit dem Titel ,,Wheatfield in which General Reynolds was shot". Gardner hatte kein einziges Bild dieser berühmten Orte gemacht. Ihm war die Bedeutung dieser Orte nicht bewusst. Was zuerst wie ein Vorteil aussah, nämlich als erster vor Brady und noch vor der Bestattung der Toten in Gettysburg anzukommen, stellte sich im Nachhinein als Nachteil heraus, da Gardner zu früh auf dem Schlachtfeld ankam um einen kompetenten Führer zu organisieren, welcher sich mit dem Ablauf der Schlacht auskannte. Ironischer Weise war es nun Brady der Gardner ausstach, obwohl seine Bilder ungefähr eine Woche nach Gardner aufgenommen wurden. Erst nach 1865 wurden Gardners Gettysburg Bilder erstmals als Holzschnitte in einem der wöchentlichen Magazinen veröffentlicht.

Im September 1863 erschien Gardners ´ Catalogue of Photographic Incidents of the War ´ .

In diesem Katalog befand sich nun besagtes Bild mit dem Titel ,,View in field on right wing where General Reynolds fell". Frassanitos Vermutung zu folge wählte Gardner aus reinem Konkurrenzdenken ein Bild aus, welches den Anschein erweckte, in der Nähe von Bradys ,,Wheatfield" aufgenommen worden zu sein. Aus diesem Grund wählte er O´Sullivans 8x10 inch Einzelplattenbild aus, da es den besagten Hintergrundauschnitt durch eine grössere Linse verkleinerte und es dadurch erschwert wurde das Bild einem anderen Ort zuzuweisen. Bis zu Veröffentlichung von Gardners Sketch Book im Jahre 1866 wurde der Titel noch einmal abgeändert. Er lautete nun einfach ,,Field Where General Reynolds Fell" (Frassanito, 225). Gardner übernahm damit jedoch unbeabsichtig einen Fehler. Denn General Reynolds fiel nicht in dem Feld welches von Brady Fotografiert worden war. Reynolds fiel in überhaupt keinem Feld, sondern in einem Waldstück das später als ,,McPhersons Woods" bekannt wurde.

So zeigt allein schon die Entstehung eines Bildtitels bei Gardner die Schwierigkeit, ein glaubhafte Aufnahme mit einer wahrheitsgetreuen Beschreibung vorzufinden. Frassanitos Ergebnisse zeigen deutlich, dass es Gardner nicht immer genau nahm mit der Wahrheit. Dementsprechend ist auch die Frage nach der Intention bei jedem von Gardners Bildern eine äusserst wichtige. Bei diesem Bild lassen sich zeitlich versetzt sogar zwei erkennen.

Eine Intention wurde ausgelöst durch Gardners Ehrgeiz und sein Anliegen im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Photographen wie Brady zu bestehen, welche gleichzeitig die Ursache für die Titelumbennung und dem dazugehörigen Text war. Die weitaus wichtigere vorausgehende Intention findet sich aber bei der Entstehung des Bildes vor Ort. Neben dem kommerziellen Erfolg, den Gardner nach seinen erfolgreichen Bildern von Antietam zu wiederholen versuchte, gab es für Gardner immernoch ebenso einen künstlerischen Aspekt. Dieser war in einerseits in seinem Bild und gleichzeitig auch in den dazugehörigen Texten zu finden.

Der Tod der Soldaten wird in ,,Field where General Reynolds fell" sehr deutlich gezeigt. Gleichzeitig aber auch gerechtfertigt durch den dazugehörigen Text. Eingebettet in eine Geschichte soll dem Betrachter deutlich gemacht werden, dass die Soldaten nicht umsonst ihr Leben gelassen haben, sondern das ihr Einsatz wichtig war für den Sieg und die Sache der Union. Dabei ist es unerheblich, ob diese Erzählung der Wahrheit entspricht, so lange sie die gewünschte Wirkung auf den Betrachter hat. Gardner wählt geschickt Worte wie ,,our cavalry,...our troops,...our own man" um eine engere Beziehung zum Betrachter herzustellen. Im unteren Abschnitt beschreibt er die Toten ausführlich. Besonders deutlich sind dabei seine pastoralen Beschreibungen der Toten. Die Soldaten ,,wore a calm and resigned expression, as though they had passed away in the act of prayer". Hier versucht Gardner immer wieder das Grauen und den Schrecken, der dieser Krieg mit sich bringt in einem anderen Licht darzustellen. Durch den Text wird eine Harmonie und Idylle vermittelt, die das Foto in seiner Art nicht darstellen kann. Der Blickwinkel ist für den Betrachter festgelegt und zeigt in diesem Fall in keinster Weise Harmonie und Idylle. Um so detaillierter ist die Beschreibung der Toten: ,,stretched on their backs, as if friendly hands had prepared them for burial". Sie vermittelt Ruhe, Endgültigkeit und Erleichterung, bereit für die letzte Reise in den Himmel.

Gardners Patriotismus und Heldenverehrung kommt ganz deutlich zur Geltung. Die Soldaten haben angeblich bis zuletzt für die Union gekämpft und waren bereit ihr Leben zu geben, was deutlich wird im Text: ,,Some were still resting on one knee, their hands grasping their muskets." und ,,...the cartridge remained between the teeth, or the musket was held in one hand, and the other was uplifted as though to ward a blow, or appealing to heaven". Seine Ausführungen vermitteln ein gänzlich anderes Bild, als das Vorliegende. Man fühlt sich erinnert an ein Gemälde, welches den letzten Augenblick des Gefechtes festhält. Hier versucht Gardner eine Verbindung zur Vergangenheit, in der es noch keine Fotografie gab, herzustellen. Bilder wie Benjamin Wests berühmtes Death of General Wolfe at the Battle of

Quebec (1771) oder auch J.Trumbulls Death of General Warren at the Battle of Bunker Hill (1786) zeigen Szenen, die man bei Gardners Beschreibung wiederfindet.

III.4.2. ,,A Harvest Of Death, Gettysburg, July, 1863" (Plate 36)

A Harvest of Death

Slowly, over the misty fields of Gettysburg---as all reluctant to expose their ghastly horrors to the light---came the sunless morn, after the retreat by Lee´s broken army. Through the shadowy vapors, it was, indeed, a ,,harvest of death" that was presented; hundreds and thousands of torn Union and rebel soldiers--- although many of the former were already interred---strewed the now quiet fighting ground, soaked by the rain, which for two days had drenched the country with ist fitful showers.

A battle has been often the subject of elaborate description; but it can be described in one simple word, devilish ! and the distorted dead recall the ancient legends of men torn in pieces by the savage wantonness of fiends.

Swept down without preparation, the shattered bodies fall in all conceivable positions. The rebels represented in the photgraph are without shoes. These were always removed from the feet of the dead on account of the pressing need of the survivors. The pockets turned inside out also show that appropriation did not cease with the coverings of the feet. Around is scattered the litter of the battle-field, accoutrements, ammunition, rags, cups and canteens, crackers, haversacks, &c., and letters that may tell the name of the owner, although the majority will surely be buried unknown by strangers, and in a strange land. Killed in the frantic efforts to break the steady lines of an army of patriots, whose heroism only excelled theirs in morive, they paid with life the price of their treason, and when the wicked strife was finished, found nameless graves, far from home and kindred.

Such a picture conveys a useful moral: It shows the blank horror and reality of war, in opposition to ist pageantry. Here are the dreadful details! Let them aid in preventing such another calamity falling upon the nation.

,,A Harvest of Death" wurde ebenfalls von Timothy O´Sullivan fotografiert. Die dargestellten Toten sind identisch mit den Soldaten in ,,Field where General Reynolds Fell". Die Kamera wurde um ca. 135 Grad gedreht und fotografierte entgegengesetzt (vgl. Frassanito, 228). Es zeigt die fünf toten Soldaten im Vordergrund auf die fokussiert wurde. Im Hintergrund erstreckt sich das Schlachtfeld mit weiteren toten Soldaten. Das Ausmass des Krieges wird in diesem Bild besonders deutlich. Die weite Fläche des Feldes vermittelt eine grosse Verlassenheit, eine Leere nach dem Kampf. Die Soldaten wirken verlassen und unbeachtet. Zwei Personen mit Pferd sind verschwommen und schemenhaft am Horizont zu erkennen. Erstaunlich allerdings ist Gardners Bildbeschreibung. Konnte man in Plate 37 noch von ,,our men" lesen, also Soldaten der Union, so spricht Gardner auf einmal von ,,the rebels". So wie O´Sullivan den Kamerawinkel gedreht hat, so wechselt auch Gardner den Blickwinkel und macht aus toten Unionssoldaten, rebellierende Konföderierte. Gardner beschreibt die Toten nun als ,,killed in the frantic efforts to break the steady lines of an army of patriots...". Seine Wortwahl zeigt deutliche Züge von Verachtung gegenüber den ,,Konföderierten". Die Worte werden mit bedacht gewählt, den ,,frantic efforts" des Südens stehen die ,,steady lines" der ,,army of patriots" gegenüber.Sie werden gedemütigt , indem er beschreibt, dass ihnen nach dem Tod die Schuhe entwendet werden. In Plate 37 ist dies ebenfalls deutlich zu erkennen, doch hier erwähnt Gardner es nicht, der gesamte Text heroisiert die Gefallenen vielmehr. In ,,A Harvest of Death" dagegen sind die Soldaten Namenlose, welche weit von Zuhause entfernt unbekannt begraben werden. Gardner spielt auf den Ort Gettysburg an, welcher der nördlichste Punkt war, der von Konföderierten angeriffen wurde und auf dem Gebiet der Union lag. Der Süden hatte es gewagt Leid und Zerstörung über das Land der Union zu bringen und wurde besiegt.

Gardners Bildüberschrift ,,A Harvest of Death" vermittelt dem Betrachter auch seine naturalistische Einstellung. Der Titel stellt in gewisser Weise einen Symbolismus dar. Auf dem Foto handelte es sich um angebliche Konföderierte, welche ihr Leben lassen mussten. Durch ihr Eindringen in Unionsgebiet hatten sie Hass und Agression gesäht und als Strafe dafür Tod und Niederlage ´ernten´ müssen.

III.4.3. ,,A Sharpshooter´s Last Sleep, Gettysburg, July, 1863" (Plate 40)

A Sharpshooter ´ s Last Sleep

A burial party, searching for dead on the borders of the Gettysburg battle-field, found, in a secluded spot, a sharpshooter lying as he fell when struck by the bullet. His cap and gun were evidently thrown behind him by the violence of the shock, and the blanket, partly shown, indicates that he had selected this as a permanent position from which to annoy the enemy.

How many skeletons of such men are bleaching to-day in out of the way places no one can tell. Now and then the visitor to a battle-field finds the bones of some man shot as this one was, but there are hundreds that will never be known of, and will moulder into nothingness among the rocks. There were several regiments of sharpshooters employed on both sides during the war, and many distinguished officers lost their lives at the hands of the riflemen. The first regiment was composed of men selected from each of the loyal states, who brought their own rifles, and could snuff a candle at a hundred yards. Some of the regiments tried almost every variety of arms, but generally found the Western rifle most effective. The men were seldom used in line, but were taken to the front and allowed to choose their own positions. Some climbed into bushy trees, and lashed themselves to the branches to avoid falling if wounded. Others secreted themselves behin logs and rocks, and not a few dug little pits, into which they crept, lying close to the ground and rendering it almost impossible for an enemy to hit them. Occasionally a Federal and Confederate Sharpshooter would be brought face to face, when each would resort to every artifice to kill the other. Hats would be elevated upon sticks, and powder flashed on a piece of paper, to draw the opponent´s fire, not always with success, however, and sometimes many hours would elapse before either party could get a favorable shot. When the armies entrenched, as at Vicksburg and Richmond, the sharpshooters frequently secreted themselves so as to defy discovery, and picked off officers without the Confederate riflemen being able to return the fire. (Gardner Sketch Book of the Civil War, Plate 40)

Gardners ,,A Sharpshooters Last Sleep" ein weiteres Bild eines toten Soldaten, welches in seinem Sketch Book eine besondere Stellung einnimmt. Es gehört zu einer Serie von sechs Fotos die Gardner von diesem jungen Soldaten aufnahm. Laut Frassanito wurde es von Timothy O´Sullivan gemacht und auf der südlichen Seite des Devil´s Den fotografiert. Es zeigt einen sehr jungen Soldaten, welcher im Gras auf dem Rücken liegt, neben sich seine Mütze und ein Gewehr. Der Hintergrund zeigt mehrere Felsanordnungen. Es ist in einem deutlich dunkeren Ton gehalten gegenüber den restlichen Leichenbildern. Es unterstütz dadurch den sentimentalen Ausdruck des Bildes. Der Titel des Bildes vermittelt schon recht deutlich Gardners Intention. Eine gewisse Ironie beinhaltet die Bezeichnung ,,Last Sleep". In ihr liegt gleichzeitig die Endgültigkeit, die Ruhe des Todes , und die verdiente Strafe die ein konföderierter Scharfschütze Gardners Meinung nach verdient hat.

Frassanitos Angaben zu folge lässt das Gebiet, in dem der Soldat gefunden wurde, eher den Schluss zu, dass es sich dabei nicht um einen Scharfschützen sondern vielmehr einen

Infanteristen handelt, der beim Angriff auf den Hügel des Devil´s Den gefallen ist.

Gleichzeitig ist offensichtlich, dass es sich bei dem Gewehr nicht um ein Scharfschützengewehr handelt. So lässt sich erneut feststellen, dass Gardners Bilder sehr stark subjektiv geprägt sind und durch bestimmte Anordnung von Objekten im Bild einen ganz neuen Ausdruck bekommen.

Aus einem Gefreiten, der bei einem Angriff auf ein strategisch wichtiges Ziel gefallen ist, macht Gardner einen Scharfschützen, welcher sich verschanzt und auf eine gute Gelegenheit wartet, wichtige Befehlshaber, wie Offiziere und Generäle, auszuschalten. Als dieser wird er im Text beschrieben.

Interessant ist dabei, dass Gardner in seinem Sketch Book von 1863 von den vier gemachten Negativen, welche an diesem Ort entstanden, er genau jenes wählte, indem der Hintergrund weniger zu sehen ist. Möglich ist auch, dass es sich hierbei um eine Verkleinerung des Bildes handelt. Auf einem der anderen Fotos dieser Szene ist sehr deutlich die Umgebung zu erkennen. Es zeigt eine recht offene Landschaft mit verschiedenen Felsformationen (vgl. Frassanito, 189, Bild V-25). Für einen Scharfschützen somit völlig ungeeignet. Gardner wählte also speziell diese Bild aus, um seine Geschichte bestmöglich zu unterstreichen. Auf Objektivität und Wahrheitsgehalt legte er keinen Wert.

Der Text zum Bild vermittelt einerseits einen tieferen Einblick in die Art der Kriegsführung und den Aufbau der Armee, andererseits soll er dem Betrachter eine bestimmte Stimmung vermitteln. In diesem Fall wird die Einsamkeit beschrieben, in welcher der Scharfschütze stirbt, unbemerkt von allen, da er sich von seinem Regiment trennt und auf eigene Faust den Gegner angreift. Dies lässt ein Gefühl von Patriotismus und Mut im Betrachter aufkommen, wenn sich ein einzelner mit seinem Gewehr dem Feind stellt. Im selben Moment stellt es jedoch auch das Alleinsein im Tod dar. Jeder stirbt für sich, seinen eigenen Tod.

Da es sich bei dem Toten um einen äusserst jungen Soldaten handelt, der erst am Anfang seines Lebens stand, unterstreicht es umso mehr die Wirkung, die Gardner erziehlen will, nämlich den Betrachter zu berühren, ihm zu zeigen das der Tod keinen Unterschied macht zwischen alt und jung. Das er von diesem Toten insgesamt sechs Bilder macht, lässt die Vermutung zu, dass Gardner selbst von dem jungen Alter des Soldaten berührt war und er dieses Gefühl an den Betrachter weitergeben wollte.

Für ihn zählt in erster Linie die Vermittlung von Gefühlen. Gefühle, die in dieser Art erst durch die Fotografie transportiert werden können. Ein gemaltes Bild ist zwar auch in der Lage Gefühle zu vermitteln, jedoch ist der Betrachter sich immer bewusst, dass es sich hierbei um die Interpretation des Malers handelt und nicht um die Realität. Diese Realität wird bei der Fotografie direkt an den Betrachter weitergegeben. Ob es sich dabei um ein wahrheitsgetreues Bild handelt ist zur damaligen Zeit nicht hinterfragt worden, allein schon die 100% Wiedergabe einer Szene gilt als Beweis für die ,,Echtheit" eines Bildes.

Dem Betrachter ist es nicht möglich zu erkennen, ob das Gewehr dem Toten gehört oder kurz zuvor als zusätzliche Komponente in das Bild integriert wurde. Noch viel weniger ist es ihm möglich die Angaben im Text zu überprüfen. Wenn Gardner beschreibt, wie Scharfschützen im Bürgerkrieg eingestzt wurden, so ist dies akkurat beschrieben, solange es dem Gesamtbild dient. Das aber hunderte von Scharfschützen in abgelegenen Gebieten rund um das Schlachtfeld nicht gefunden wurden und somit ,,moulder into nothingness among the rocks", kann nur als reine Erfindung Gardners gesehen werden. Frassanito bemerkt hierzu, dass alle Gefallenen innerhalb kürzester Zeit begraben wurden.

Wie man im folgenden Abschnitt sehen kann, ist es bereits in den Anfangsjahren der Fotografie beinahe unmöglich, die Authentizität eines Bildes zu beweisen. Alexander Gardners Hauptanliegen waren die Toten und die Geschichte die sie erzählten, oder seiner Meinung nach erzählen sollten. Das ihm dabei jedes Mittel recht war, zeigt die Entstehung des Fotos ,,Home Of A Rebel Sharpshooter".

III.4.4. ,,Home Of A Rebel Sharpshooter, Gettysburg, July, 1863" (Plate 41)

The Home of a Rebel Sharpshooter, Gettysburg On the Fourth of July, 1863, Lee´s shattered army withdrew from Gettysburg, and started in its retreat from Pennsylvania to the Potomac. From Culp´s Hill, on our right, to the forests that stretched away from Round Top, on the left, the fields were thickly strewn with Confederate dead and wounded, dismounted guns, wrecked caissons, and debris of a broken army. The artist, in passing over the scene of the previous days´engagements, found in a lonely place the covert of a rebel sharpshooter, and photographed the scene presented here. The Confederate soldier had built up between two huge rocks, a stone wall, from the crevices of which he had directed his shots, and in comparative security, picked off our officers. The side of the rock on the left shows, by the little white spots, how our sharpshooters and infantry had endeavored to dislodge him. The trees in the vicinity were splintered, and their branches cut off, while the front of the wall looked as if just recovering from an attack of geological small-pox. The sharpshooter had evidently been wounded in the head by a fragment of shell which had exploded over him, and had laid down upon his blanket to await death. There was no means of judging how long he had lived after receiving his wound, but the disordered clothing shows that his sufferings must have been intense. Was he delirious with agony, or did death come slowly to his relief, while memories of home grew dearer as the field of carnage faded before him? What visions, of loved ones far away, may have hovered above his stony pillow! What familiar voices may he not have heard, like whispers beneath the roar of battle, as his eyes grew heavy in their long, last sleep!

On the nineteenth of November, the artist attended the consecration of the Gettysburg Cemetery, and again visited the ,,Sharpshooter´s Home." The musket, rusted by many storms, still leaned against the rock, and the skeleton of the soldier lay disturbed within the mouldering uniform, as did the cold form of the dead four months before. None of those who went up and down the fields to bury the fallen, had found him, ,,Missing" was all that could have been known of him at home, and some mother may yet be patiently watching for the return of her boy, whose bones lie bleaching, unrecognized and alone, between the rocks at Gettysburg. (Gardners Sketch Book of the Cicil War, Plate 41)

,,Home Of A Rebel Sharpshooter" wurde von Gardner und O´Sullivan im Anschluss an ,,A Sharpshooter´s Last Sleep" fotografiert. Nachdem sie die erste Serie von Fotos mit dem jungen Soldaten gemacht hatten, fand Gardner in 35 Meter Entfernung eine kleine Felsnische mit aufgetürmten Steinen. Dieser Ort, welcher in der Schlacht eine perfekte Ausgangsposition für einen Konföderierten Scharfschützen darstellte, war wie geschaffen für eine weitere sentimentale Geschichte Gardners. Doch die wichtigste Komponente für ein perfektes Bild fehlte, es gab keine toten Soldaten an diesem Ort.

Was ihn dazu verleitete, ist nicht gewiss, doch kehrten Gardner und seine Assistenten zu dem jungen Soldaten zurück, um ihn mit einer Decke 35 Meter weit den Hügel hinauf zu tragen. Um das Bild zu vervollständigen wurde das gleiche Gewehr gegen den Felsen gelehnt und ein Knappsack unter seinen Kopf platziert, welcher das Gesicht in die Richtung der Kamera drehen sollte (vgl. Frassanito 1975, 191ff).

Das Foto zeigt den Soldaten auf dem Rücken liegend in einer Felsspalte. Der Blickwinkel des Betrachters ist beschränkt von zwei Felswänden und den von Hand aufgetürmten Felsbrocken im Hintergrund. Im Vergleich zur Aufnahme am Originalschauplatz wirkt der Tote durchaus so, als habe er sich zum schlafen hingelegt. Es scheint so, als ob Gardner die Geschichte im Text bereits bei der Aufnahme des Bildes im Kopf gehabt hatte.

Doch auch hier fällt erneut auf, dass bei Gardners Bildbeschreibung die Angaben im Text in keinster Weise auf das Bild zutreffen. Weder lassen sich irgendwelche Kopfwunden feststellen, noch kann man in irgend einer Weise Einschusslöcher an der Felswand erkennen. Der Bezug zum Bild ist dadurch gar nicht gegeben.

Dies lässt erkennen, dass Gardner einer anderen Absicht folgt. Vielmehr versucht er mit

seiner romantischen und sentimentalen Bildbeschreibung den Betrachter noch stärker an das Bild zu binden. Seine Fragen richten sich direkt an den Betrachter und vermitteln in diesem Augenblick genau die Fragen, welche der Betrachter sich selbst stellt. Im letzten Abschnitt macht Gardner einen Zeitsprung, und berichtet, dass bei seiner Rückkehr der tote Soldat immer noch nicht begraben wurde. Bei Frassanito wird sehr ausführlich dargelegt, dass diese Begebenheit als äusserst unwahrscheinlich angesehen werden kann, da die toten Soldaten bereits nach kurzer Zeit begraben wurden. Das dies nun nicht gesehen ist, kann man vermuten, das Gardner dem Betrachter somit zeigt, das der Konföderierte absichtlich nicht begraben wurde. Der Süden hatte die Schlacht verloren und musste sich zurückziehen. Die Soldaten der Union waren selbst damit beschäftigt ihre eigenen Toten zu begraben. So wurde erneut Propaganda gemacht, indem Gardner vermittelt, dass der Süden unberechtigt den Norden angegriffen hatte, die Gerechtigkeit siegte und der Konföderierte das bekommen hatte, was er verdiente.

In allen hier beschrieben vier Bildern ist Gardners Intention und eigene Meinung klar zu erkennen. Sein Patriotismus für die Union taucht in jedem Bild und in der dazugehörigen Beschreibung auf. Für ihn waren die Bilder auch ein Mittel zur Propaganda und zur Verteidigung der Sache der Union. Besonders die Texte zu den Bildern übernehmen diese Funktion, da das Bild alleinstehend vielmehr als ein Gegenbeweis für die Rechtfertigung des Krieges angesehen werden konnte. Die Fotos der Toten transportierten besonders gut sein Anliegen. Bilder von Landschaften und Schauplätzen waren weniger geeignet, um den Krieg gegen den Süden zu rechtfertigen. Denn hauptsächlich ging es um die Menschen, welche am Krieg teilnahmen und die von ihren Angehörigen zu hause vermisst wurden. Im Gegensatz zu Gardners Leichenfotos waren Bradys Bilder weniger spektakulär. Seine Motivation war weniger die Union und den Krieg zu rechtfertigen. Ihm war wichtig, den Krieg als ein historisches Ereignis für die Nachwelt festzuhalten. Dies schloss die Austellung von Fotos mit gefallenen Soldaten in seiner Galerie nicht aus, da sie ein Teil der Geschichte waren. Doch nahmen sie einen nicht so grossen Teil seiner Fotografie in anspruch wie dies bei Gardner der Fall war. Die Toten waren nur ein Stück eines Panoramas von Bildern die den Krieg in allen Bereichen darstellte. Brady fotografierte im Feld weiterhin auch Portraits, sowie Landschaftsbilder von historisch wichtigen Schauplätzen. Sein Archiv sollte den Krieg umfassend mit all seinen Facetten beleuchten.

IV. Die Literarische Darstellung des Todes in ausgewählter Literatur des Amerikanischen Bürgerkrieges

IV.1 Kurzer Überblick über die Literatur des Amerikanischen Bürgerkrieges

Seit dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im April 1865 ist der ´Civil War´ zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Literatur geworden. Über keine andere Periode der Amerikanischen Geschichte sind so viele Romane geschrieben worden wie über den Bürgerkrieg. 1986 zählte man zum 125. Jubiläum des Kriegsendes über 1000 Romane, welche über alle Facetten des Krieges erzählen (Menendez, 1973: ix-xi). Doch variieren sie in mehreren Punkten voneinander und werden auch in verschiedene Kategorien eingeteilt. Lively unterscheidet in seinem Buch (1957: 18) meist anhand der Form, unter anderem nach historischem Roman, dem Roman einer bestimmten Periode, dem Kostüm Roman und dem Charakter Roman. Menendez hingegen vergleicht die Romane mehr durch das inhaltliche Geschehen, wie zum Beispiel Nord-Süd Romanzen, das Leben an der Heimatfront, berühmte Schlachten, oder Romane über bestimmte Regionen während des Krieges (Menendez, 1986: ix).

Desweiteren kristallisieren sich auch bestimmte Jahrzehnte heraus, in denen es verstärkt zu Veröffentlichungen kam. Drei davon sind sehr auffällig. Verständlicher Weise zählt die Zeit direkt nach dem Bürgerkrieg dazu. Von 1862-69 wurden insgesamt 69 Romane veröffentlicht. Dabei ist auffällig, dass in dieser Zeit übermässig viele Romane von der Union und dem Norden handeln. Dies lässt sich mit dem Sieg der Union über die Konföderation erklären, wobei der Süden länger mit seiner Niederlage kämpfen musste und erst zwei Jahrzehnte später dies in seiner Literatur aufarbeitete (Lively, 1957: 22). In diese Zeit fallen anerkannte Romane wie Sidney Laniers Tiger-Lilies; A novel (1867) und John William De Forests Miss Ravanel ´ s Conversion from Secession to Loyalty (1867).

Die zweite Welle von Romanen umfasst 76 Titel zwischen 1890-99, sowie direkt im Anschluss daran 110 Bücher von 1900-9. Speziell in der Zeit ab 1900 lässt sich eine leichte Umkehr in bezug auf den Blickwinkel feststellen. In diesem Jahrzehnt überwiegt die Perspektive des Südens mit 72 Titeln gegenüber der des Nordens mit 53 Titeln. Harold Frederics The Copperhead (1893) und Ellen Glasgows The Battle-Ground (1902) sind bekannte Vertreter dieser Zeit.

Von 1930-39, dem dritten Höhepunkt der Veröffentlichungen, erscheinen noch weitere 59 Romane. Andrew Lytles The Long Night (1936) sowie William Faulkners The Unvanquished (1938) wären hier hervorzuheben und natürlich Margaret Mitchells Gone with the Wind (1936).

Doch bis in die heutige Zeit tauchen immer wieder neue Titel auf, welche in die Bestsellerlisten aufgenommen werden und Aufmerksamkeit unter den Kritikern erlangen.

Thomas Keneallys Confederates und John Jakes North and South können hier stellvertretend genannt werden. (Menendez, xi) Betrachtet man die Autoren des ´Civil War´, so stellt Robert A. Lively in seiner Untersuchung von 512 Romanen, welche bis 1957 veröffentlicht wurden, fest, dass von den 371 Autoren, darunter 256 Männer und 115 Frauen, mehr als 200 von ihnen eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Traditionen in ihre Werke haben einfliessen lassen (Lively: 23). So lassen sich manche dieser Romane eher als Tatsachenberichte denn als Prosa Romane bezeichnen. Dieses Manko führte unweigerlich zu einer einseitigen Sicht des Krieges. Menendez merkt hierzu an, dass deshalb in den ersten 50 bis 75 Jahren nach dem Krieg Propaganda für den Norden oder den Süden gegenüber erzählerischer Integrität überwog: ,,To many authors concentrated on justifying their side, rather than trying to present a balanced account" (Menendez, xi). So ist er auch der Meinung, dass die Qualität der heutigen Romane gerade durch die zeitliche Distanz besser ist, als die Qualität der Romane nach dem Krieg oder zu Anfang dieses Jahrhunderts.

Doch unter all diesen vielen Romanen mit ihren verschiedenen Themen lässt sich eines in keine dieser Kategorien einordnen. Bis zum heutigen Tage nimmt es als eines der grossartigsten Bücher über den Amerikanischen Bürgerkrieg einen besonderen Platz in der amerikanischen Literatur ein: Stephen Cranes The Red Badge of Courage.

IV.2 Stephen Crane

Stephen Cranes Karriere als Schriftsteller, Poet und Kurzgeschichtenschreiber ist in der Tat sehr ungewöhnlich, betrachtet man seine Erziehung in früher Kindheit. Als vierzehntes und letztes Kind von Reverend Jonathan Townley Crane und Mary Helen Peck wird Stephen Crane am 1. November 1871 in Newark, New Jersey geboren. Seine Eltern waren sehr gottesfürchtig und erlaubten deshalb keinerlei Literatur im Haus, die nicht mit Religion zu tun hatte.

Crane war als kleines Kind sehr anfällig für Krankheiten und konnte somit erst im Alter von sieben Jahren die öffentliche Schule besuchen. Auf Grund des Predigerberufes seines Vaters zog Crane in seiner Jugend sehr häufig um. Seine ältere Schwester unterrichtete ihn deshalb zu hause, da seine Mutter sehr mit Kirchenarbeit beschäftigt war.

Sein Vater stirbt 1880 im Alter von 61 Jahren an einem Herzversagen, als Crane 8 Jahre alt ist. Seine Mutter zieht daraufhin nach Asbury Park, New York, wo einer ihrer Neffen eine Nachrichten Agentur besitzt, in der sie Arbeit findet.

Als vierzehnjähriger besucht er dort die Pennington Seminary, eine methodistische Akademie in New Jersey. Nach drei Jahren, ein Jahr vor seinem Abschluss; wechselt Crane an das Claverack College. Cranes Vorfahren hatten ein lange militärische Tradition, sie kämpften in der Armee und der Marine während des Revolutionskrieges. So war Cranes Wunsch verständlich, die Militärschule von Claverack, New York, besuchen zu wollen. In den zwei Jahren (1888-90) in Claverack legt er die Fesseln seiner strikten Erziehung ab, wobei er stark raucht, übermässig viel Bier trinkt, um Geld pokert, flucht und oft ins Theater geht. Akademisch bildet er sich in Claverack nicht weiter, jedoch liesst er viel griechische und römische Literatur, sowie Englische und Amerikanische Novellen und Gedichte des 19. Jahrhunderts. Von dieser Zeit sagt Crane, dass sie die schönste in seinem Leben war. 1890 wechselt er an das Lafayette College in Easton, Pennsylvania. Dort schreibt er sich als Mineningenieur ein, doch besucht weiterhin sehr wenig den Unterricht sondern trinkt sehr viel, spielt Baseball und boxt. Am Ende des Semesters wird ihm nahe gelegt die Schule wegen unzureichenden Leistungen zu verlassen.

Im Januar 1891 besucht Crane die Syracuse University, die er aber aus den gleichen Gründen wie in Lafayette nach einem Semester verlässt. Die ersten Veröffentlichungen erscheinen in der University Herald (The King´s Favor) und in der New York Tribune (Great Bugs at Onondaga). Nebenbei arbeitete er als Korrespondent für die New York Tribune, die ihn aber 1892 wegen eines süffisanten Artikels feuerte.

Seine Mutter stirbt am 7.Dezember 1891 in Paterson, New Jersey. Crane stellt seinen ersten grossen Roman Maggie im Dezember fertig.

Im März und April 1892 wird Maggie von mehreren Verlegern abgelehnt, so dass ihn Crane im November mit geliehenem Geld und unter Pseudonym selbst veröffentlicht. Innerhalb zehn Tagen schreibt Crane im März 1893 eine erste Fassung von The Red Badge of Courage. Ein Jahr später verkauft er eine verkürzte Fassung mit 18.000 Worten von The Red Badge für 90 Dollar an Bacheller-Johnson Syndicate. Crane fängt im Oktober 1895 an The Third Violet zu schreiben.

Nachdem er The Red Badge of Courage und weitere Short Stories über den Krieg und das Militär geschrieben hat, will Crane unbedingt selbst einen Krieg erleben. Im November 1896 veröffentlicht er seine erste Sammlung von Geschichten, ,, The Little Regiment and Other Episodes of the American Civil War", sein ,,last thing dealing with battle" (Gullason, 1972: 493). Im gleichen Monat reist Crane nach Jacksonville, Florida um mit dem Schiff nach Kuba überzusetzen und über die Kubanische Revolution zu berichten. In Florida lernt er seine zukünftige Lebenspartnerin Cora Taylor (Haworth) kennen.

Am 2. Januar 1897 überlebt er das Schiffsunglück der Commodore, welches später Einzug findet in seinen Roman ,, The Open Boat". Er erscheint im darauffolgenden Juni. Um über den Griechisch-Türkischen Krieg im April-Mai 1897 zu berichten reist er mit Cora im März nach England. Seine Berichte werden im New York Journal und der Westminster Gazette gedruckt. Im April 1898 ist er Korrespondent für Joseph Pulitzers New York World. Auf Kuba beobachtet er den Spanisch-Amerikanischen Krieg. Erste Anzeichen der Tuberkulose machen Crane zu schaffen. In Havana entsteht der erste Entwurf seines Romans ,, Active Service" über seine Berichterstattung des Griechisch-Türkischen Krieges. 1898 stellt einen Höhepunkt in Cranes Short Story Veröffentlichungen dar. Es erscheinen innerhalb eines Jahres vier Short Stories: ,, The Bride Comes to Yellow Sky" (Februar), ,, Death and the Child" (März), ,, The Monster"(August), und ,, The Blue Hotel"(November).

Crane kehrt im Januar 1899 zurück nach England. Um seine anhäufenden Schulden bezahlen zu können, schreibt er mit fieberhaftem Tempo an elf autobiografischen Berichten über den Kubakrieg, sowie dreizehn Kindergeschichten für Harper ´ s Magazine. Die Gedichtesammlung ,,War is kind" erscheint im Mai. Seinen Roman ,,Active Service" beendet er ebenfalls und veröffentlicht ihn im Oktober.

Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends, er erleidet im Winter mehrere

Lungenkollapse, von denen er sich nicht mehr erholt. Zuletzt schreibt Crane noch 25 Kapitel an seinem letzten Roman ,, The O ´ Ruddy", welcher nach seinem Tod von Robert Barr, einem Freund, vollendet wird und im Oktober 1903 in New York zur Veröffentlichung kommt. Am 5. Juni 1900 stirbt Stephen Crane in Badenweiler, Deutschland, an den Folgen seiner Tuberkuloseerkrankung. Beerdigt wird er in Hillside, New Jersey.

IV.3 The Red Badge of Courage

Cranes Roman The Red Badge of Courage ist in vielerlei Hinsicht als aussergewöhnlich anzusehen. Es ist das Buch, welches Crane über Nacht in Amerika und bald darauf auch in England berühmt machte und Interesse für seine anderen Werke weckte. Aussergewöhnlich auch wegen den unzähligen Kritiken und Interpretationen, die The Red Badge nach sich zog. Im positiven wie im negativen Sinne. Kurz nach der Veröffentlichung bemerkte ein unbekannter Kritiker zum Roman: ,,At times the description is so vivid as to be almost suffocating. The reader is right down in the midst of it where patriotism is dissolved into its elements and where only a dozen men can be seen, firing blindly and grotesquely into the smoke. This is war from a new point of view" (Mitchell, 1986: 5). Andere Kritiker wiederum verurteilten den Roman, welcher ,,bristles more with false grammar than with bayonets" (Mitchell, 6). Manche machten seine unzulängliche Schulbildung für seine grammatischen Fehler und seinen primitiven Stil verantwortlich.

Trotzalledem war die Mehrheit der Leser fasziniert von dem Roman, was als verwunderlich anzusehen ist, nicht zuletzt wegen seiner vollkommen unkonventionellen Art. Als ein Roman der damaligen Zeit widersetzte er sich allen vorgeschriebenen Kriterien für ein erfolgreiches Buch. Romanzen waren zu Cranes Zeit populär wie nie zuvor. Ein Roman, der auf die Bestsellerliste kommen wollte, musste eine Handlung haben, die einen moralischen Zweck erfüllte und in einer Sprache mit erhabenem Stil geschrieben worden sein. Cranes Red Badge beinhaltet keines von beiden und lässt sich deshalb in keine Kategorie einordnen. Es sind jedoch nicht die einzigen Kriterien, die Cranes Roman von anderen unterscheidet. Vergleicht man ,, The Red Badge" mit Kriegsromanen vor Cranes Zeit, so lassen sich viele unterschiedliche Merkmale feststellen. Ein bedeutender Grund ist die Einstellung des Autors zu seinem Werk. Bei vielen Autoren, die über den Krieg geschrieben haben, lässt sich festellen, dass sie entweder auf der Seite des Südens oder auf der Seite des Nordens waren. Auch wenn die Zuneigung unterschiedlich stark ausgeprägt war, sie liess sich meist eindeutig zuordnen. Cranes Roman stellt hier eine Ausnahme dar. Der Rahmen ist zwar durch den Bürgerkrieg vorgegeben, doch spielt der Ausgang des Krieges in seinem Buch eine irrelevante Rolle. Crane hätte auch irgend einen anderen Krieg als Hintergrund wählen können, er hätte sein Ziel ebenfalls erreicht. Crane interessiert nicht einmal, ob der Krieg gerechtfertigt ist. Man findet im Buch weder eine Stellungnahme noch eine Wertung. Das es Krieg gibt, wird als Tatsache hingenommen.

Das Hauptinteresse Cranes ist Henry Flemings Verhalten in den unterschiedlichsten

Situationen. Crane verfolgt weniger die Verlaufsebene von Henry, sondern er beobachtet sehr genau seine Gefühlseben. Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass das Buch so gut wie keine Namen nennt. Der Name der Hauptperson wird erst nach der Hälfte des Buches genannt. Dadurch erreicht Crane eine Allgemeingültigkeit der Geschichte. Sie könnte sich so jederzeit an jedem Ort wiederholen. Einzig der innere Kampf Henrys mit seinen Ängsten, die sich um den Tod und das Versagen vor dem Feind drehen, ist Crane wichtig.

Ebenso wird es als Ausnahmeerscheinung angesehen, da es mehrere Manuskripte gab, und sich Kritiker noch heute uneins sind, welches als Original angesehen werden kann. Die erste Version umfasste 55.000 Worte und musste auf Wunsch der Verleger Bacheller-Johnson stark gekürzt werden. Im Dezember 1894 erschien eine auf ein drittel verkürtzte Fassung in hunderten von Zeitungen im ganzen Land. Nach dem grossen Erfolg des Romans wurde er erneut in einer längeren Version von Appleton & Company im Oktober 1894 veröffentlicht. Noch dazu lässt sich bis zum heutigen Tage nicht feststellen, wann genau Crane mit dem Roman begonnen hat. Cranes Biographen sind sich uneinig darüber. Die Angaben schwanken zwischen November 1892 bis März 1893 (vgl. Mitchell, 5,).

Über die Beweggründe, welche Crane dazu veranlassten, den Roman zu schreiben gibt es nur Vermutungen. Linsom ist der Meinung, Crane könnte Anregungen zum Roman aus Erfahrungen von Veteranen in der Magazinreihe ,, Battles and Leaders of the Civil War" gewonnen haben. Denn nach der Lektüre bemerkte Crane: ,,I wonder that some of these fellows don´t tell how they felt in those scraps! They spout eternally of what the did, but they are as emotionless as rocks! (Linsom, 37). Andere Kritiker vermuten, sein Interesse für den Bürgerkrieg wurde von einem Geschichtslehrer während seiner Zeit in Claverack geweckt, welcher den Bürgerkrieg für die Studenten sehr lebhaft darstellen konnte. Zola´s unpassende Darstellung des Krieges in seinem Werk Le D é bacle wird als ein weitere Möglichkeit angesehen, die Crane dazu veranlasst haben könnte, The Red Badge zu schreiben. Die vielzähligen Unklarheiten die The Red Badge umgeben, setzten sich in den Interpretationsversuchen vieler Kritiker fort. Seit 1945 wurden mehr als 25 signifikante Kritiken zu Cranes Red Badge geschrieben (vgl. Cady, 115). Zusammengefasst lassen sich dabei vier Interpretationsansätze erkennen. Cranes Vorstellung und Aussage von The Red Badge wird entweder dem Realismus, dem Naturalismus, dem Impressionismus oder dem Symbolismus zugeordnet. Jede dieser Darstellungsmethoden wird von den Kritikern überzeugend belegt. Die Vielzahl dieser Ansätze macht deutlich, dass nicht eine einzige Methode als die Richtige angesehen werden kann, sondern das alle vier zusammen den Roman charakterisieren und sich Crane nach Bedarf dieser unterschiedlichen Darstellungsweisen in seinem Roman bedient.

IV.4 Cranes Darstellung des Todes in ,,The Red Badge of Courage"

Cranes Darstellung des Todes in seinem Roman lässt sich an mehreren unterschiedlichen Szenen untersuchen. In der ungekürzten Fassung von 1895, welche bei Appleton veröffentlicht wurde, findet man in insgesamt sieben der 24 Kapitel Szenen, die sich mit dem Tod befassen. Einerseits handelt es sich dabei um Kampfszenen mit dem Feind, andererseits um die direkte Konfrontation mit toten Soldaten, sowie dem Tod von Jim Conklin. Es ist dabei offensichtlich, dass Crane weniger Gewicht auf die Darstellung dessen legt, was Henry im Krieg erlebt, als darauf, wie Henry den Krieg erlebt. In seinen Briefen chrakterisierte Crane sein Buch als ,,a psychological portrayal of fear" (Stallman, S.158). Somit lässt sich der Tod, als ein wichtiges Element des Romanes feststellen.

In diesem Kapitel wird nun der Frage nachgegangen, wie Crane dem Leser den Schrecken des Krieges literarisch vermittelt. Wie beschreibt er den Tod und das Sterben? Wie hat Crane Bradys und Gardners Bilder der toten Soldaten in The Red Badge of Courage integriert und umgesetzt?

Zu Beginn des Romans beschreibt Crane Henry Fleming als einen Träumer, der sich gerne einmal auf der Bühne des Lebens von einem begeisterten Publikum feiern lassen möchte. Dieses Geltungsbedürfnis kann der Alltag auf der Farm nicht erfüllen. Henry baut sich deshalb aus Heldensagen und historischen Romanen seine eigene Traumwelt, in der er blutige Schlachten schlägt. In seinen imaginären Kämpfen, welche wie ,,Greek-like struggles" (Crane, S.3) sich ihm darstellen, bewährt er sich nicht nur tapfer, sondern setzt seine Tapferkeit auch wirkungsvoll in Szene. Der Kampf um Ehre und der damit verbundene Heldentod sind für Henry ein erstrebenswertes Ziel.

Seine Mutter hingegen steht fest auf dem Boden der Realität. Sie ist Witwe und der Tod ist für sie etwas Reales, welchen sie aus ihrer eigenen Erfahrung kennt und mit dessen plötzlichen Eintritt sie jederzeit rechnet. Die Ermahnungen seiner Mutter sind Henry jedoch unangenehm, sie sind ,,a yellow light thrown upon the color of his ambitions" (3). Vor ihr bemüht er sich zwar, die Rolle des Patrioten zu spielen, dass dazu aber die Bereitschaft gehört, um einer Idee willen sein Leben zu riskieren, kommt ihm dabei nicht in den Sinn. Henry macht sich vom Tod ein eigenes Bild. Für ihn ist er ein ,,throat-grappling instinct" (3). Während seiner Ausbildungszeit ist er über das monotone Lagerleben enttäuscht, da er immer glaubte ,,that real war was a series of death struggles with small time in between for sleep and meals" (5). Diese eigene Erfahrung lässt ihn vermuten, dass es sich beim Bürgerkrieg ohnehin bloss um ,,a sort of play affair" (7) handelt.

Crane macht hier deutlich, dass Henry im Tod ein Phänomen sieht, welches wie die bereits erwähnten griechischen Schlachten, oder auch homerische Kämpfe der Vergangenheit angehören. Ihm gelingt es vorerst nicht, einen Realitätsbezug zwischen dem Tod und seinem eigenen Leben zu sehen, wird sich dessen aber in dem Maße bewusst, wie der Tag näherrückt, an dem er zum ersten mal in den Kampf geht und der Tod ihm gegenüber steht.

Die erste Begegnung Henry Flemings mit dem Tod findet bereits in Kapitel III statt. In den frühen Morgenstunden wird er unsanft geweckt und flüchtet mit dem gesamten Regiment vor dem herannahenden Feind. Dabei treffen sie auf einen toten Soldaten. Bereits hier lassen sich eindeutig Parallelen zu Bradys und Gardners Fotografien feststellen. Cranes Ausführungen ähneln dem Textzusatz von Alexander Gardner in seinem Bild ,,Field where General Reynolds fell". Crane beschreibt den Toten ausführlich. Seine Position ist identisch mit der Mehrzahl der im Bürgerkrieg gemachten Bilder der Toten. Auf dem Rücken liegend starren seine Augen in den Himmel. Fleming bemerkt die durchgelaufenen Schuhsohlen des Toten. Aus einem Riss schaut erbärmlich ein Zeh hervor, das Gesicht des toten Soldaten ist aschfahl und sein gelbbräunlicher Bart wird vom Wind angehoben, als ob eine Hand ihn streicheln würde. Henry Fleming hat das starke Verlangen, in die Augen des Toten zu schauen und eine Antwort auf seine Frage zu finden. Er verspürt den menschlichen Wunsch, etwas Licht in das Dunkel zu bringen, welche das Phänomen ,,Tod" umgibt. Sein erster Kontakt ist nur von kurzer Dauer. Henry scheint relativ wenig beeindruckt von der Tatsache zu sein, dass dieser Soldat vom Tod dahingerafft wurde, als darüber, dass der Tod diesen Menschen erniedrigt hat, indem er den Feinden das offenbart, was der Lebende vor ihnen hätte verbergen können. Beim Anblick der durchlöcherten Schuhsohlen des Toten werden seine Vorstellungen von einem glorreichen Heldentod zum ersten Male erschüttert. Der Tote dient ihm in dieser Szene einerseits als mögliche Informationsquelle andererseits nimmt er ihm die ersten Illusionen. Erste Vermutungen steigen in ihm auf. Die Landschaft um ihn herum erscheint ihm gefährlich. Er hat kein Vertrauen mehr in die Generäle und ist sich sicher, dass sie alle geopfert werden und die Generäle ihr eigenes Regiment sterben sehen wollen. Die Begegnung mit der Leiche weist Henry eindringlich auf die Gegenwart des Todes hin. Das Schicksal des unbekannten Soldaten ist ihm Zeichen und Warnung zugleich. Die unbestimmten Angstgefühle konkretisieren sich mehr und mehr zur Todesangst. Von nun an fasst er die Möglichkeit des eigenen Todes ins Auge: ,,He glared about him, expecting to see the stealthy approach of his death (Crane, S.19). Der Tod wird schon sehr bald real vor ihm stehen.

Die Hassgefühle gegen den Feind, seine patriotische Begeisterung und die psychische Belastung während des Kampfes bewirken, dass Henry sich in den Kapiteln vier, fünf und sechs, in denen es zum ersten Gefecht mit dem Feind kommt, in einen als ,,battle sleep" umschriebenen tranceartigen Zustand hineinsteigert. Seine Angst weicht dem Verlangen nach Anerkennung und Selbstbestätigung. Er will nicht als Feigling gelten.

In diesen Kapiteln beschreibt Crane die Empfindungen, die Henry dabei hat, sehr deutlich. Die unterschiedlichsten Geräusche und Farben überfallen Henry geradezu. Artelleriegeschosse fliegen ,,schreiend" über ihre Köpfe hinweg und explodieren ,,rötlich" in der ,,braunen" Erde. Kugeln ,,pfeifen" durch die Bäume und Äste, Blätter und Zweige fallen auf die Soldaten nieder. ,,It was as if a thousand axes, wee and invisible, were being wielded"

(22). Der Lieutenant der Kompanie wird die Hand durchschossen und unter lautem Fluchen versucht er, seine Uniform nicht mit Blut zu beschmutzen. Dabei diskutiert er mit einem Offizier, wie die Hand am besten verbunden werden sollte. Das Schlachtfeld präsentiert sich als ein einziges Durcheinander. ,,The billowing smoke was filled with horizontal flashes...Wild yells came from behind the walls of smoke. A sketch in gray and red dissolved into a moblike body of men who galloped like wild horses" (22). In mitten dieses Tumultes feuert Henry wahlos in die Richtung des Feindes. Er ist zu einem Teil des Regiments geworden, mit ihm verschmolzen zu einem Ganzen.

Henry sieht die Soldaten "dropped here and there like bundles" (26). Ein Captain liegt erschossen auf dem Boden ,,in the position of a tired man resting, but upon his face there was an astonished and sorrowful look, as if he thought some friend had done him an ill turn" (26). Cranes Beschreibungen wirken wie Momentaufnahmen von Bildern, wie sie Brady und Gardner während des Krieges immer wieder machten. Seine bildliche Darstellung ist getränkt von Blut, grotesken Schreien und verschluckten Geräuschen tödlich getroffener Soldaten. Nachdem der Feind aufgehalten wurde, eröffnet sich Henry ein Bild des Grauens:

´Under foot there were a few forms motionless. They lay twisted in fantastic contortions. Arms were bent and heads were turned in incredible ways. It seemed that the dead men must have fallen from some great height to get into such positions. They looked to be dumped out upon the ground from the sky´ (27).

Mit dem sich lichtenden Rauch der Gewehre, kommt auch Henry wieder zu klaren Gedanken. Die Geschehnisse um ihn herum sinken langsam in sein Bewusstsein, und mit dem bevorstehenden zweiten Angriff des Feindes gewinnt die Angst vor dem Tode nun endgültig die Oberhand über die Furcht, sein Gesicht zu verlieren. Henry flieht und erlebt die grauenvollsten Augenblicke seines Lebens, als er den Tod im Rücken weiss:

´Death about to thrust him between the shoulder-blades was far more dreadful than death about to smite him between the eyes. When he thought of it later, he conceived the impression that it is better to view the appaling than to be merely within hearing. The noises of the battle were like stones; he believed himself liable to be crushed...´ (30).

In Cranes Beschreibung von Henrys Flucht ist auch die Vorstellung eines Wettlaufs mit dem Tod angedeutet, wobei er die Hoffnung hegt, dieses Wettrennen zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Auch nach den dramatischen Ereignissen des ertsen Kampfes hält Henry an dieser Hoffnung fest. Zwar weiss er jetzt um die Realität des Todes, glaubt aber noch, sich seinem Zugriff entziehen zu können. Diese Illusion wird ihm im Kapitel VII bei der Begegnung mit dem toten Soldaten in der Waldkapelle genommen. Zuvor aber muss Henry sein inneres Gleichgewicht wiederherstellen und die unehrenhafte Flucht als einen wohlüberlegten Schritt verkaufen:

´He had fled...because annihilation approached. He had done a good part in saving himself, who was a little piece of the army. (...) If none of the little pieces were wise enough to save themselves from the flurry of death in such a time, why, then, where would be the army´ (33).

Diese Rechtfertigungsversuche täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass Henry keinen Anteil an dem Ruhm seiner Kameraden haben wird, da er nicht an ihrem Erfolg beteiligt war. Aus Selbstmitleid flieht er in den Wald, welcher ihm die Natur vermittelt, die für Henry ,,a woman with a deep aversion to tragedy" (34) verkörpert. Die Natur wird Zufluchtsstätte vor der Wirklichkeit, vor der Verantwortung und vor allem vor dem Tode. Henry hofft, der Vernichtung zu entgehen, indem er den ,,rumble of death" (34), das Wüten des Todes auf dem Schlachtfeld hinter sich lässt.

In der darauffolgenden Eichhörnchenszene fühlt sich Henry noch im Einklang mit der Natur. Die Flucht des Tieres rechtfertigt in seinen Augen seine eigene Flucht. Mit dem Eintritt in die Waldkapelle ändert sich dies schlagartig. Er gelangt zu der schmerzlichen Einsicht, dass eine ,,religion of peace" (34), welche die Natur bei seinem Eindringen in den Wald zu verheissen schien, in einer Welt unmöglich ist, die unter das Gesetz vom Überleben des Stärkeren gestellt ist. Der Schock sitz um so tiefer, da Henry sich in einem Heiligtum vermutet, indem er sich sicher fühlt. Das er dabei dem Tod gegenüber steht und ihn hier trifft, wo er ihn am wenigsten vermutet verstärkt die Wirkung auf Henry. Das der Tote Henry den Weg versperrt deutet umso mehr darauf hin, dass Henry nicht länger vor der Realität davonlaufen kann. Der Tote starrt ihn mit dem Rücken an einem Baum liegend an. Seine blaue Uniform ist zu einem traurigen grün verblichen. Seine Augen haben einen farblosen Schimmer, wie bei toten Fischen. Sein Mund steht offen und seine vormals roten Lippen haben sich zu einem entsetzlichen gelb verändert. Henry und der Tote tauschen beide Blicke aus. Über das graue Gesicht des Toten krabbeln Ameisen. Henry muss die unerbittliche Härte der Naturgesetzte, denen auch er sich zu beugen hat, anerkennen. Alles im Leben steht im Zeichen des Kampfes und des Todes. Die Flucht vor dem Kampf und dem Tod in die Natur, die ihm als ,,a fair field holding life" (34) erschienen war, offenbart ihm die Allgegenwart des Todes. Das Leben, die Möglichkeit, seine Existenz zu beweisen und zu behaupten, liegt ausserhalb der Waldkapelle auf dem Schlachtfeld. Zwar droht auch dort ein plötzliches und grausames Ende, doch bietet der Kampf die Chance, sich im Leben zu bewähren. Dieser Bewährung strebt Henry zu, als er der Versuchung widersteht, sich von den Zweigen zu der Leiche hindrängen zu lassen, und er mit Beharrlichkeit den Schlingpflanzen und Dornen aus dem Wege geht, die ihn im Totenreich des Waldes zurückhalten wollen. Zwischen den Fronten beginnt er nun eine Wanderung durch die Landschaft, die mit Leichen übersät ist. Er empfindet nun Ehrfurcht vor den Toten, die sich dem Kampf gestellt haben und in ihm unterlegen sind, die aber ein ,,red badge of courage" als Zeichen ihrer Bewährung tragen. Um welchen Preis sich der Mensch eine ,,rote Tapferkeitsmedaille" erwirbt, lehrt ihn Jim Conklins Sterbeszene.

Die Szene kennzeichnet den Höhepunkt in Cranes Darstellung des Todes. Bisher hatte Henry der Tod nur als ein abstraktes Phänomen geschreckt, als eine grausige Idee, die unterschiedlich Gestalt annahm, oder aber als eine geheimnisvolle Macht, von deren Existenz die Leichen Zeugnis ablegten, auf die er gestossen war. Die Begegnung mit dem ersten Toten liess ihn die Bedrohung seines Lebens erkennen, die Leiche in der Waldkapelle brachte ihm die Erkenntnis von der Allgegenwart des Todes. Erst jetzt, als Augenzeuge eines Todeskampfes, erlebt er, mit welcher brutalen Grausamkeit der Tod ein Leben zum Verlöschen bringt.

Die letzte Bewährung, der sich ein Mensch zu stellen hat, ist das Ringen mit dem Tode, ein Kampf, der unweigerlich mit seiner Niederlage endet. Jim Conkli, der seinen Begleitern andeutet, sie sollten zurückbleiben, geht seinem Ende gefasst entgegen. Seine Bewegungen verraten ,,a mysterious purpose" (40), seine Blicke richten sich ,,on the mystic place of his intentions" (41). Schliesslich hat er sein Ziel erreicht:

´At last, they saw him Stopp and stand motionless. (...) his face wore an expression telling that he had at last found the place for which he had struggled. His spare figure was errect; his bloody hands were quietly at his side. He was waiting with patience for something that he had come to meet. He was at the rendezvous´ (42).

Die feierliche Würde, mit der Jim die letzten Schritte seines Lebens allein zurücklegt, sein regungsloses Verharren und geduldiges Warten auf sein Ende rufen Gedanken an eine rituelle Handlung wach. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die Hinweise, er habe eine ,,Verabredung" mit dem Tode und bereite sich auf ein ,,Zusammentreffen" an einem bestimmten Ort vor. Sobald er dann die vorbestimmte Stelle erreicht hat, scheint der Tod den weiteren Ablauf der Zeremonie zu bestimmen. In völliger Stille, Schritt für Schritt, ergreift er vom Leben Besitz. Den Augenzeugen bietet sich ein ,,spectacle of gradual strangulation" (43) von brutaler Wildheit dar, welches in einem Todestanz einem schaurigen Höhepunkt zueeilt und abrupt endet. Der ,,tall soldier" fällt unter dem mächtigen Schlag des Todes:

´He was invaded by a creeping strangeness that slowly enveloped him. For a moment the tremor of his legs caused him to dance a sort of hideous hornpipe. His arms beat wildly about his head in expression of imp-like enthusiasm. His tall figure stretched itself to its full height. There was a slight rending sound. Then it began to swing forward, slow and straight, in the manner of a falling tree. A swift muscular contortion made the left shoulder strike the ground first´ (43).

Jim stellt sich dem Tod heldenhaft und mit Würde- "there was a curious and profound dignity in the firm lines of his awful face" (43)- sein Tod ist aber kein "Heldentod". Kein Pathos, keine Sentimentalität, keine Glorifizierung täuscht über die Tatsache seines grauenvollen Todes hinweg. Sein Tod soll Henry dazu bewegen, von seinen Vorstellungen und Idealen abstand zu nehmen, und ihm die Erkenntnis bringen, dass sein Freund das Opfer gerade jenes ,,throat-grappling instinct" geworden ist, an dessen Existenz er nicht mehr glauben wollte. Jims Seite, die von Wölfen zerfleischt scheint, ist ein Zeugnis für die Brutalität des Lebenskampfes.

Für Henry stellt der Tod letztendlich eine Aufgabe dar, an der er im Verlauf des Romans wachsen kann und sich über sich selbst im klaren werden kann. Ob aus einem anfänglichen Jungen gegen Ende des Romans ein Mann wird, der dem Tod ins Auge geblickt hat, darüber sind sich selbst die Kritiker uneins. Fest steht, dass der Tod eine Zentrale Rolle in The Red Badge of Courage übernimmt.

VI. Zusammenfassung der Ergebnisse

Wie sich nun gezeigt hat, nimmt der Tod in der Fotografie und der Literatur eine besondere Stellung ein. Die Darstellung des Todes weist jedoch in der Fotografie eine andere Funktion auf als in der Literatur. Innerhalb der Fotografie ist nochmals eine Unterscheidung möglich. Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert und ihrer raschen Entwicklung hin zu einem Massenmedium enstanden neue Möglichkeiten der Darstellung und alte Konventionen wurden teilweise übernommen oder neu erfunden. Vor der Fotografie gab es nur die Malerei, welche nur bis zu einem gewissen Grad die Wirklichkeit darstellen konnte und ein Bild somit immer nur aus der Phantasie des Malers entstehen konnte. Die Darstellung desTod übernahm in dieser Zeit meist eine verherrlichende Funktion. Der Tod, und im Krieg der Heldentod im speziellen, galt als erstrebenswert und erfüllend um seinem Vaterland den Sieg zu schenken. Meist wurde eine Szene dargestellt, in der ein berühmter General sein Leben gab für sein Vaterland und im damit in dr entscheidenden Schlacht zum Sieg über den Feind verhalf.

Die Fotografie übernahm die Verherrlichung des Todes als ein erstrebenswertes Ziel, wenn dadurch dem eigenen Vaterland geholfen wurde. Was nicht übernommen werden konnte war die Gesamtaussage eines Bildes. Auf grund der Technik konnten keine Bilder gemacht werden, wie sie ein Maler in seinen Gemälden verewigte. Das Foto eines Toten wirkte immer wie aus dem Gesamtzusammenhang gerissen, da es ein Abbild der realen Welt darstellte und nicht der Phantasie entsprang.

Für Mathew Brady stellte die Fotografie eine Werkzeug dar, die ihm die Möglichkeit gab sich auszudrücken. Er betrachtete seine Bilder als Kunst. Sein spezielles Anliegen lag im Verewigen der Geschichte auf Fotopapier. Dies beinhaltete vor allem die Menschen, welche zur amerikanischen Geschichte beitrugen. Die Bilder der Toten und ihre Darstellung erfüllten für Brady den Zweck, ihn und seine Galerien in der amerikanischen Gesellschaft bekannter zu machen. Der Reiz des Neuen und des Unbekannten hatte eine grosse Anziehungskraft auf die Gesellschaft.

Fotos, bei denen Brady selbst hinter der Kamera stand, zeigten allerdings meist Szenen, die als historisch wertvoller als die Bilder der Leichen angesehen werden konnten. Bilder von Generälen, Landschaftsaufnahmen von wichtigen Schlachtfeldern, sowie Szenen aus dem Lagerleben bestimmten Bradys Sammlung.

Die Darstellung des Todes hat demgegenüber bei Alexander Gardner einen weitaus grösseren Stellenwert. Zum einen waren die Bilder etwas noch nie Dagewesenes. Das Interesse war ausserordentlich gross. Gardner wusste ebenso um finanziellen Möglichkeiten, die diese Art von Bildern darstellten. Es gab eine grosse Nachfrage in den Tageszeitungen, und auch Gardner nutzte die Bilder um sich damit einen Ruf zu verschaffen, der sich im Verkauf von andersartigen Fotos zu Geld machen liess.

VII. Literaturverzeichnis

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Wölk, Gerhard, Das Phänomen des Todes im Werk von Stephen Crane, Inaugural Dissertation,

Marburg/Lahn, 1971

58 von 58 Seiten

Details

Titel
Der Amerikanische Bürgerkrieg - Ein Vergleich der fotografischen und literarischen Darstellung des Todes
Hochschule
Technische Universität München
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
58
Katalognummer
V97426
Dateigröße
1114 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanische, Bürgerkrieg, Vergleich, Darstellung, Todes
Arbeit zitieren
Ralf Roth (Autor), 2000, Der Amerikanische Bürgerkrieg - Ein Vergleich der fotografischen und literarischen Darstellung des Todes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97426

Kommentare

  • Gast am 9.1.2002

    Der Amerikanische Bürgerkrieg.

    Durch Zufall bin auf diese Arbeit gestoßen und fand sie sehr beeindruckend. Ich habe viel daraus gelernt.

    Eine Frage hätte ich an den Autor:

    Ich bin auf der Suche nach einem Autor, der ein Werk über den amerikanischen Bürgerkrieg verfasst hat. Ich weiß leider nur, dass er Franzose kanadischer Herkunft war und 1900 in Paris geboren wurde. Können Sie mir helfen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Bertold Flierl

  • Gast am 29.11.2002

    differenz der fotografien nonrecognabel.

    ich habe beim fehlersuchen der bilder versagt.der grashalm ist abgeknickt!mail back herzlichst vröni

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Titel: Der Amerikanische Bürgerkrieg - Ein Vergleich der fotografischen und literarischen Darstellung des Todes


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