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Alkohol und Trunkenheit in mittelhochdeutschen Mären

Title: Alkohol und Trunkenheit in mittelhochdeutschen Mären

Bachelor Thesis , 2020 , 54 Pages , Grade: 6,0

Autor:in: Giulia Rossi (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit zum Alkohol und dem Motiv der Trunkenheit in der mittelhochdeutschen Märendichtung wird zunächst der Bildungshintergrund, der an der Entstehung und Niederschrift der Mären Mitwirkenden untersucht, um dabei Einblicke in die historisch-kulturelle Geschichte der Trunkenheit zu gewinnen. Dazu werden ausgewählte Schriften der antiken Philosophen und der Urtext des Christentums, die Bibel, herangezogen.

Nach Erläuterung der Bezüge dieser Schriften zur mittelalterlichen Gesellschaft und insbesondere zur Literatur folgt jeweils die Analyse der Bewertung des Alkoholgenusses und -missbrauchs. Im dritten Kapitel, welches sich der Trunkenheit in der lateinischen und mittelhochdeutschen Literatur des Mittelalters widmet, wird dieselbe Untersuchung an der mittelalterlich-kirchlichen Trunkenheitsliteratur durchgeführt, bevor dann die bis dahin gewonnen Erkenntnisse in den Kardinalpunkt der vorliegenden Arbeit, in die Märenanalyse, überführt, abgeglichen oder kontrastiert werden.

Der Korpus besteht aus sieben ausgewählten, Alkoholkonsum beinhaltenden Mären, welche nach der Hauptfunktion der Trunkenheit gegliedert werden. Durch diese Arbeitsweise soll die Bewertung und die Funktion des Trunkenheitsmotives in der mittelhochdeutschen Märenliteratur unter Miteinbezug des literarischen Hintergrundes aufgeschlüsselt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Trunkenheit und Gesellschaft im Mittelalter

2. Einblicke in eine historisch-kulturelle Geschichte der Trunkenheit

2.1. Philosophie der Antike

2.2. Christentum: die Bibel

2.3. Zwischenfazit

3. Trunkenheit in der lat., mhd. und fnhd. Literatur des Mittelalters

3.1. Trunkenheitsliteratur

3.2. Mittelhochdeutsche Mären

3.2.1. Merkmale der Märendichtung

3.2.2. Das Motiv der Trunkenheit/des Alkohols

3.2.2.1. Gesellschaft und Geselligkeit

3.2.2.2. Identität und Inversion

3.2.2.3. Fieser Winkelzug und fatale Wahrheit

3.2.2.4. Übel und Unmass

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht das Motiv der Trunkenheit und dessen spezifische Funktionen in der mittelhochdeutschen Märendichtung. Dabei wird analysiert, inwiefern der Alkoholkonsum in den untersuchten Texten als Katalysator für soziale Dynamiken, Identitätsverschiebungen und die Verletzung gesellschaftlicher sowie religiöser Ordnungsstrukturen dient.

  • Historisch-philosophische Einordnung der Trunkenheit (Antike und Bibel)
  • Analyse der Trunkenheitsliteratur als ermahnendes Narrativ
  • Untersuchung von Rollenbildern und ordo-Inversionen in Mären
  • Die Rolle des Alkohols bei List, Betrug und Wahrheitsoffenbarung
  • Moralische Bewertung und sündhafte Konnotationen im Mittelalter

Auszug aus dem Buch

3.2.2.1. Gesellschaft und Geselligkeit

Da eine Gesellschaft aus verschiedenen Personen besteht, stellt sich zu Beginn die Frage, welches Märenpersonal trinkt und welches nicht. Bemerkenswerterweise sind es in allen sieben Mären ausschliesslich Männer, deren Alkoholkonsum geschildert wird. Es finden sich keine Stellen, in denen explizit von trinkenden Frauen die Rede ist, auch wenn sie – wie die Frau im ,Zehnten von der Minne’ – in Kneipen sitzen und wahrscheinlich auch ein Bier zu sich nehmen. Die Thematik der trinkenden und somit gemeingefährlichen Frau scheint daher für die Märendichter nicht so von Belang gewesen zu sein wie für die Verfasser der kirchlichen Mahnschriften (3.1.).

Die Männer, von deren Trinken und Trunkenheit berichtet wird, lassen sich nicht lediglich einer Gesellschaftsschicht respektive einem Stand zuordnen: Ritter, Pfarrer, Bauer und Müller trinken gleichermassen und oft zusammen. In vielen Mären gehören Trinken und Geselligkeit somit zusammen, da Alkohol das Märenpersonal unterschiedlicher Stände verbindet, sei es Klerus oder gemeines Fussvolk. Schaut man den sozialen Rahmen, innerhalb dessen in den Mären getrunken wird, an, so ist dieser meist eine gesellige Runde: Der zu vertauschende Müller im gleichnamigen Märe trinkt sich in bester Gesellschaft unter den Wirtshaustisch, was dazu führt, dass sein Knecht ihn auf dem Heimweg verliert und ihn aus Versehen durch einen Pfarrer ersetzt, welcher der Müllersfrau eine unvergleichliche Liebesnacht beschert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Trunkenheit und Gesellschaft im Mittelalter: Dieses Kapitel führt in die historische Realität des Alkoholkonsums ein, zeigt dessen Verwurzelung im Alltag und beleuchtet die paradoxe Nähe zwischen ausgelassenem Feiern und religiösem Leben.

2. Einblicke in eine historisch-kulturelle Geschichte der Trunkenheit: Es wird der geistige Hintergrund durch die antike Philosophie und biblische Texte dargelegt, wobei ein besonderes Augenmerk auf dem Konzept der Mässigkeit liegt.

3. Trunkenheit in der lat., mhd. und fnhd. Literatur des Mittelalters: Hier erfolgt eine differenzierte Untersuchung, die zunächst allgemeine moralische Literatur beleuchtet und daraufhin in die spezifische Märenanalyse übergeht, um das Motiv der Trunkenheit in seinen verschiedenen Funktionen zu deuten.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Janusköpfigkeit des Alkohols zusammen, der einerseits als geselliges Bindemittel, andererseits als Auslöser für Sünden und Ordnungsbrüche fungiert und die Charaktere in den Mären polarisiert.

Schlüsselwörter

Märendichtung, Mittelalter, Alkohol, Trunkenheit, Mässigkeit, ordo, Inversion, Schwank, Gesellschaft, Moral, Sünde, Identitätsverlust, Liste, Exklusion, Literaturgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung und die literarische Funktion von Alkoholkonsum und Trunkenheit in ausgewählten mittelhochdeutschen Mären.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit behandelt die soziale Funktion des Trinkens, die Inversion gesellschaftlicher Stände, das Zusammenspiel von List und Lüge sowie die moralisch-theologische Bewertung des Alkohols.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Forschungslücke zur Rolle des Trunkenheitsmotivs in der Märendichtung zu schließen und aufzuzeigen, wie Alkohol als dramatisches Mittel zur Störung oder Wiederherstellung der göttlichen Ordnung (ordo) eingesetzt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den Märenstudien von Hanns Fischer basiert und diese mit historisch-kulturellen Kontexten aus der Antike und dem christlichen Mittelalter verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Trunkenheitsliteratur als ermahnendes Genre und die detaillierte Analyse der Mären, unterteilt in die Aspekte Gesellschaft, Identität, List und Übel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentral sind Begriffe wie Mären, Alkohol, ordo, Inversion, Mässigkeit, Schwank und moralische Sünde.

Wie unterscheidet sich die Darstellung in Mären von der kirchlichen Trunkenheitsliteratur?

Während die kirchliche Literatur Alkohol vorwiegend als sündhaftes Übel anprangert, nutzen Mären ihn als facettenreiches Instrument für Komik, soziale Inversion und List, ohne dabei immer den moralischen Zeigefinger zu heben.

Welche Rolle spielt die Inversion in den analysierten Mären?

Die Trunkenheit fungiert oft als Katalysator, um soziale Hierarchien – etwa das Verhältnis zwischen Bauer und Pfarrer – zu destabilisieren oder kurzzeitig umzukehren, was für die komische Wirkung des Schwanks zentral ist.

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Details

Title
Alkohol und Trunkenheit in mittelhochdeutschen Mären
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Grade
6,0
Author
Giulia Rossi (Author)
Publication Year
2020
Pages
54
Catalog Number
V976053
ISBN (eBook)
9783346325433
ISBN (Book)
9783346325440
Language
German
Tags
Mären Alkohol Mittelalter Philosophie Antike Christentum Bibel Gesellschaft Motiv Trunkenheit Identität Inversion Wahrheit Übel Unmass Sünde Platon Aristoteles Epikur Stoiker Wein Most Thomas von Aquin Martin Luther Johannes Calvin Trunkenheitsliteratur Sebastian Franck Johann von Schwarzenberg Hans Sachs Oswald von Wolkenstein Leonhard Schertlin Erasmus von Rotterdam Hermann Bote Till Eulenspiegel Georg Wickram Heinrich Kaufringer Hans Rosenplüt Der Stricker Hanns Fischer Sebastian Brant
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Quote paper
Giulia Rossi (Author), 2020, Alkohol und Trunkenheit in mittelhochdeutschen Mären, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976053
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