Implementierung digitaler Medien in den Unterricht. Digitalisierung als Herausforderung für Schule und Schüler


Bachelorarbeit, 2019

35 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Die Digitalisierung als Herausforderung für Schule und Schüler
2.1 Medienkompetenz entwickelt sich weiter
2.2 Aktueller Stand der Digitalisierung in den Schulen

3 Implementierung digitaler Medien in den Unterricht
3.1 Wirkungen digitaler Medien im Unterricht- Merkmale und Faktoren
3.2 Lernprogramme

4 Arbeiten mit digitalen Medien im sozialwissenschaftlichen Unterricht
4.1 Medienkompetenz in den Kernlehrplänen des Faches Sozialwissenschaften
4.2 Lernprogramme im Fach Sozialwissenschaften
4.3 Aufkommende Schwierigkeiten bei der Realisierung von Lernprogrammen

5.Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

SuS: Schülerinnen und Schüler

LuL: Lehrerinnen und Lehrer

MINT: Mathematik Informatik Naturwissenschaften Technik

1 Problemstellung

Das Zeitalter der Digitalisierung erreicht mit großen Schritten auch die Schule. Während in den meisten Unternehmen die fortschreitende Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle einnimmt, ist man im schulischen Alltag noch skeptisch, ob und wenn ja, wie digitale Medien im Unterricht einzusetzen sind (Hammermann & Stettes, 2016: 3). Dennoch fordern immer mehr Unternehmen, dass ein digitaler „Anpassungsbedarf in der schulischen und akademischen Bildung“ erfolgt, damit sich die SuS nach der Schule als Beschäftigte in der sich kontinuierlich verändernden Arbeitswelt besser zurechtfinden und eine gewisse Flexibilisierung entwickeln können. Im Zentrum der schulischen Verantwortung im Zeitalter der Digitalisierung steht damit ein guter Umgang mit modernen „Informations- und Kommunikationstechnologien (…) und dem Internet als berufliches Medium“ (Hammermann & Stettes, 2016: 3). Nicht nur Unternehmen fordern ein diesbezügliches Umdenken in der Schule, sondern auch immer mehr Politiker beschäftigen sich mit dieser Thematik und wollen, dass digitale Medien auch in der Schule fester Bestandteil des schulischen Alltags sind.

Wie die Tagesschau berichtet, soll der sogenannte Digitalpakt, der momentan die Nachrichten prägt wie kaum ein anderes Thema, so schnell wie möglich umgesetzt werden, denn mit diesem Pakt sind Milliarden Euro ins digitale Lernen an Schulen zu investieren. Ein entsprechendes Gesetz, um „unnötige Hürden bei der Modernisierung der Schulen“ zu Fall zu bringen, soll in Kürze durch die Große Koalition gemeinsam mit der FDP und den Grünen verabschiedet werden, sodass damit die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament für eine Änderung des Grundgesetztes gesichert wäre („Weg frei für den Digitalpakt Schule“ 2018).

In diesem Kontext werden auch immer wieder Fragen hinsichtlich der generellen Notwendigkeit dieses Paktes diskutiert. Viele Schulen sind so veraltet, dass zunächst eine generelle Modernisierung bzw. Sanierung erforderlich ist, um danach die digitalen Gerätschaften in die Schulen zu bringen. Das heißt, dass die Diskussion, ob das Geld speziell für die Digitalisierung oder allgemein in die Bildung investiert werden soll, dabei oftmals im Mittelpunkt steht. Neben der Diskussion der grundsätzlichen Fragen und Probleme der Digitalisierung in der Schule steht im Zentrum der vorliegenden Arbeit die Spezialisierung auf das Fach Sozialwissenschaften, sodass im Ergebnis dieser Bachelorarbeit die Frage beantwortet werden soll, ob digitale Medien im sozialwissenschaftlichen Unterricht nutzbringend sind oder ob darauf verzichtet werden sollte. Damit verbunden ist auch eine kritische Diskussion ausgewählter Lernsoftwares und das Verdeutlichen, inwieweit bestimmte Softwares dem Unterricht helfen, ob diese Softwares die SuS motivieren oder ob sie dadurch abgelenkt werden.

In diesem Zusammenhang ist vor allem die Beantwortung der Frage von Interesse, ob Digitalisierung großflächig in allen Fächern angeboten werden soll oder ob es sinnvoller ist, diese schwerpunktmäßig in ausgewählten Fächern anzubieten. Dabei steht dabei im Zentrum der vorliegenden Arbeit insbesondere die Frage, ob Sozialwissenschaften zu diesen ausgewählten Fächern gehört.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt:

Im ersten Teil der Arbeit wird die Problematik der Digitalisierung in der Schule grundsätzlich diskutiert, indem zunächst theoretisch erläutert wird, was unter dem Begriff Medienkompetenz zu verstehen ist und wie dieser Begriff in der wissenschaftlichen Fachliteratur überhaupt definiert wird. Zudem rückt in diesem Zusammenhang auch die Frage der Aktualität in den Vordergrund und wird damit konkret verdeutlicht, wie der gegenwärtige Stand der Digitalisierung in den Schulen zu bewerten ist und was verbessert werden muss, um den Digitalpakt umzusetzen. Damit geht es zugleich um die Frage, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind und ob es tatsächlich möglich ist, alle Konzepte wunschgemäß umzusetzen.

Im zweiten Teil der Arbeit wird erörtert, wie digitale Medien in den Unterricht zu implementieren sind, welche Fragen und Probleme mit dem Einsatz digitaler Medien verbunden sind und werden in diesem Zusammenhang vier verschiedene Arten von Lernsoftwares vorgestellt, die im weiteren Teil ausführlich diskutiert werden.

Im dritten Teil der Arbeit geht es um die spezifische Diskussion des Einsatzes digitaler Medien im Fach Sozialwissenschaften, indem im ersten Abschnitt zunächst aufgezeigt wird, wie die Medienkompetenz in den Kernlehrplänen des Faches Sozialwissenschaften direkt oder indirekt verankert ist.

Im zweiten Abschnitt werden spezielle Lernsoftwares vorgestellt, die sich zum einen auf die im zweiten Teil vorgestellten Lernsoftwares beziehen und zum anderen aber auf die verschiedenen, damit entwickelten Kompetenzen.

Im dritten Abschnitt werden die verschiedenen Lernprogramme kritisch diskutiert und relativiert, indem nicht nur die Stärken, sondern auch bestimmte Schwächen dieser Programme aufgezeigt werden.

Der letzte Teil der Arbeit ist das Fazit, indem im Ergebnis dieser Arbeit alle Erwartungen und Chancen, aber auch mögliche Gefahren und Risiken beim künftigen intensiven Einsatz digitaler Medien in der Schule aufgezeigt werden.

Die Berichterstattung über die Digitalisierung in den Schulen ist momentan so angeheizt wie nie zuvor. Zwar ist diese Thematik bereits weitgehend erforscht, aber nach wie vor wird uneingeschränkt über einen allgemeinen Ansatz diskutiert.

Die Fokussierung auf einzelne Fächer wie beispielsweise die Fokussierung auf das Fach Sozialwissenschaften ist hingegen bisher noch wenig erforscht. Deshalb soll diese Arbeit einen grundlegenden Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten, welche Anforderungen an die Digitalisierung in der Schule gestellt sind, wobei sich die diskutierten Probleme insbesondere auf das Fach Sozialwissenschaften beziehen.

2 Die Digitalisierung als Herausforderung für Schule und Schüler

2.1 Medienkompetenz entwickelt sich weiter

In der gegenwärtigen Mediengesellschaft werden die Menschen zwangsläufig und alltäglich mit digitalen Medien konfrontiert, deren Aneignung im privaten wie im beruflichen Umfeld eine entsprechende Medienkompetenz erfordert. Damit bilden die Kenntnis über digitale Medien und der sichere Umgang mit diesen in immer stärkerem Maße die sozio- und medienkulturelle Voraussetzung für gesellschaftliche Handlungsfähigkeit und Teilhabe, wobei im Mittelpunkt der digitalen Diskussion nicht allein der Umgang mit konkreten Formen digitaler Medien steht, sondern ebenso die Aneignung und Ausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein kompetentes Handeln mit digitalen Medien ermöglichen. Das ist ein hoher Anspruch an die digitale Bildung in den Schulen.

Auch wenn die Medienkompetenz bislang lediglich als ein Lernfeld betrachtet wurde, das additiv zu vorhandenen Kompetenzen zu vermitteln ist (Heinen & Kerres, 2017: 1)wird zunehmend klar, dass die „Digitalisierung unsere Kultur sehr viel grundlegender durchdringt und damit Schule in einem viel weiter reichenden Sinne herausfordert“ (Heinen & Kerres,2017: 2). Obwohl die Medienkompetenz auf der Kultusministerkonferenz noch nicht als Bildungsstandard in den Kernlehrplan verankert wurde, führt die Feststellung, dass die Anwendung von Medien in Schulen zum Teil noch ergebnislos und wenig tiefgreifend ist, auch in der Medienpädagogik immer deutlicher zu der Forderung, Bildungsstandards und Kompetenzen ebenfalls für den Medienbildungsbereich genau auszuformulieren (Wagner & Peschke, 2006: 7)Doch bevor die Bildungsstandards für den Medienbildungsbereich erläutert und diskutiert werden, geht es nachfolgend zunächst um die Definition des Begriffs der Medienkompetenz.

Während die Medienkompetenz früher ein Kriterium dafür war, ob jemand Softwareprogramme bedienen oder generell einen Computer benutzen kann, sind solche Fertigkeiten in der heutigen Zeit für Kinder und Jugendliche nahezu selbstverständlich, sodass daraus zu schlussfolgern ist, dass sich die Definition des Begriffs Medienkompetenz grundlegend gewandelt hat. Laut Döbeli (2016) geht es beim Begriff der Medienkompetenz insbesondere um die Befähigung, „ (…) a) digitale Technik zu verstehen, b) ihre Funktionen für den Zugang zu Wissen, die Entwicklung von Identität und Teilhabe an Gesellschaft zu kennen und nutzen zu können und c) ihre Implikationen zu reflektieren“ (Döbeli, zitiert nach Heinen & Kerres:2017: 4 ).

Basierend auf dieser Definition wäre die Ausformulierung der Bildungsstandards im Bereich Medien eine logische Konsequenz, da die digitalen Medien in unserem alltäglichen Leben so permanent auftreten, dass sich daraus schlichtweg die Frage ergibt, in welcher Form die Schule die Digitalisierung in den Unterricht integrieren und damit zugleich alternative Lehr- und Lernmethoden schaffen sollte (Heinen & Kerres,2017: 1f).

Indem die übertrieben dargestellten Hoffnungen und Besorgnisse über Digitalisierung zunehmend relativiert wurden, geht es in diesem Zusammenhang nicht mehr allein um die Frage, ob Digitalisierung in der Schule sinnvoll oder sinnlos ist, sondern vielmehr um die Beantwortung der Frage, wie man Digitalisierung in der Schule einbringen kann. Bekanntermaßen hat die Schule den Bildungsauftrag, die SuS zu selbstbestimmten, sachgerechten, aber auch kritischen und sozial verantwortlichen Umgang mit Informationstechnologien, anzuleiten. Während der Fokus dabei bislang auf die Medienkompetenz der SuS gelegt wurde, geht es nunmehr verstärkt darum, die Digitalisierung sowohl für alle Fächer als auch für alle Schulformen und -stufen und damit für den Unterricht tragbar zu machen (Kerres, 2017: 15f).Dabei stellt sich für Kerres (Kerres, 2003) in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob die SuS mit digitalen Medien einen positiveren Lernerfolg erleben als mit traditionellen Lehrmethoden, ob das Lehren und Lernen mit digitalen Medien zu einem eigenverantwortlichen und andauernderen Lernen führt, die er in folgender Fragestellung zusammenfasst: „Kann der Einsatz digitaler Technik tatsächlich ein anderes Lernen bewirken, so wie ein Medikament zum Gesundwerden beiträgt? Führt die digitale Technik also zu stärker motivierten Lernenden, zu besseren Lernleistungen und zu neuen Lehr-Lern-Arrangements? Verändert Technik unsere Schule?“ (Heinen & Kerres, 2017: 4)

2.2 Aktueller Stand der Digitalisierung in den Schulen

Wie bereits im vorherigen Abschnitt dargestellt, sind digitale Medien aus unserem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken und sowohl auf privater als auch auf beruflicher Ebene von zunehmender Bedeutung. Damit sind die Schulen verpflichtet, den Schülern die erforderlichen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

In der gesellschaftlichen Diskussion dazu konzentriert sich momentan vieles auf den Digitalpakt, der als ein großer Schritt zur Beschleunigung der Digitalisierung in den Schulen bewertet wird und in dem sich Bund und Länder dazu verpflichten, gemeinsam eine bessere Infrastruktur in Sachen Medien schaffen. Der Digitalpakt wird aus dem Digitalinfrastrukturfonds finanziert und soll in erster Linie dazu genutzt werden, an allen Schulen schnelles Internet mit den dazugehörigen Geräten wie z.B. interaktive Whiteboards zur Verfügung zu stellen. Laut Feststellung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde bereits am 29.11.2018 mit Zweidrittel-Mehrheit „eine Grundgesetzänderung zu mehreren Themenfeldern und zukünftigen Finanzhilfen des Bundes beschlossen“ („Wissenswertes zum Digitalpakt Schule“ 2019). Insgesamt steuert der Bund den rund 40.000 Schulen 5,5 Milliarden Euro bei, sodass jede Schule einen Betrag in Höhe von 137.000 Euro erhält, um den Digitalisierungsprozess anzutreiben. Verknüpfend damit sollen Lehrer-Aus- und Fortbildungen sowie die Entwicklung gemeinsamer Standards finanziert werden, wobei voraussetzt wird, dass sie dafür ein technisch-pädagogisches Konzept entwickelt; frei nach dem Motto „keine Ausstattung ohne Konzept“ („Wissenswertes zum Digitalpakt Schule“ 2019).

Ausgehend vom Digitalpakt erforscht „Schule digital- Der Länderindikator 2017“, inwieweit digitale Medien im Unterricht allgemeinbildender Schulen in der Sekundarstufe 1 bereits genutzt werden und setzt sich im Rahmen einer repräsentativen Umfrage mit fünf folgenden Themen auseinander:

„- IT-Ausstattung und Konzepte der Schule
- Nutzung digitaler Medien im Unterricht
- Förderung der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Schüler
- Kompetenzen der Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht
- Anwendung digitaler Medien mit besonderem Fokus auf MINT“ (Themenschwerpunkt 2017) (Bos et al, 2017: 6)“ (M= Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik

Wie Professor Dr. Wilfried Bos, der alle drei bisherigen Länderindikator-Studien leitete, im Ergebnis dieser Untersuchungen feststellt, ist in der Nutzung digitaler Medien insgesamt ein positiver Trend zu verzeichnen, indem immer mehr Lehrkräfte digitale Medien im Unterricht einsetzen, während der Anteil, die die digitalen Medien nie benutzen, hingegen tendenziell rückläufig ist, wenn auch nur gering. Dennoch verneint Professor Bos die im Absatz „Medienkompetenz entwickelt sich weiter“ der vorliegenden Arbeit getroffene Feststellung, dass jedes Kind bzw. jeder Jugendliche sicher im Umgang mit den digitalen Medien ist, sodass er es als richtig erachtet, dass immer mehr Lehrkräfte auf das Beibringen von grundlegenden computer- und informationsbezogenen Kompetenzen setzen und nicht dazu neigen, dieses Können den SuS bereits zuzuschreiben. Obwohl „der kritische und reflektierte Umgang mit digitalen Medien Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe in der Informationsgesellschaft ist“ (Bos et al, 2017: 9), rücken dennoch zu wenig Lehrkräfte die komplexen Kompetenzen in den Vordergrund. Auch Professor Bos sprach sich 2017 für den nunmehr beginnenden Digitalisierungspakt aus, sodass die Studie „Schule digital- Der Länderindikator“ 2021 erneut erfolgen sollte, um zu analysieren, wie die durch den Digitalisierungspakt eigesetzten Gelder bisher in den Schulen generiert wurden.

Im Folgenden werden, die in dieser Studie untersuchten fünf Themenbereiche zur Analyse der bisherigen Nutzung digitaler Medien im Unterricht allgemeinbildender Schulen in der Sekundarstufe 1 erläutert und diskutiert.

Der erste Bereich der Ausstattung und Konzepte bezieht sich auf die Feststellung, dass die dafür erforderlichen materiell-technischen Bedingungen weiter ausbaufähig sind, denn um den SuS die Medienkompetenzen besser beibringen zu können, ist an den Schulen als wichtigste erste Voraussetzung dafür eine ausreichende IT-Ausstattung erforderlich. Das bedingt nicht nur funktionierende Computer, sondern auch einen ausreichenden Internetzugang. Dabei bewerten nur 55,6 % der interviewten Lehrkräfte die IT-Ausstattung an ihrer Schule als ausreichend für die Förderung der computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Schüler. Auch 2016 waren es nur 54,2 %. Damit ergibt sich die Schlussfolgerung, dass diese Entwicklung stagniert. Als noch problematischer erweist sich die Bewertung des Internetzugangs, indem lediglich 40,5% der der interviewten Lehrkräfte den WLAN-Zugang in ihren Klassenräumen als angemessen bewerten (Bos et al, 2017: S.10ff).

Im Punkt „Lern-Management-System“ hingegen stieg die Zahl von 34,4% im Jahr 2016 auf 42,5 % im Jahr 2017, so dass immer mehr LuL mit den SuS auch außerhalb des Unterrichts auf verschiedenen Plattformen miteinander interagieren.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Digitalisierungsprozess im Vergleich von 2015 und 2016 bisher eher schleppend verlief und vor allem bei der IT-Ausstattung an Schulen noch erhebliche Mängel zu verzeichnen sind. Dennoch kann die Studie auch auf solche positiven Trends verweisen, dass in den Klassenräumen immer mehr WLAN verfügbar ist und dass immer mehr LuL auf Lern-Management-Systeme bauen. Mit dem kommenden Digitalpakt könnte sich durch die neu gewonnenen Gelder vor allem auch die Lage der IT-Ausstattung verbessern (Bos et al, 2017: 10ff).

Der zweite Punkt dieser Studie betrifft die Nutzung der digitalen Medien, wobei es in diesem Zusammenhang vor allem darum geht, entsprechende Medienkonzepte zu entwickeln und die Zusammenarbeit der LuL zu verstärken. Laut dieser Untersuchung benutzt die Hälfte aller befragten LuL die digitalen Medien mindestens einmal in der Woche, wobei sich diese Zahl im Vergleich zu den Jahren davor kaum geändert hat. Beim Faktor Medienkonzepte hingegen ist die Zahl von 50,9% auf 56,6% gestiegen, wobei die Zusammenarbeit mit anderen Lehrkräften mit nur 9,9% schwindend gering ist und sie bestenfalls einmal im Monat kooperativ eine Unterrichtseinheit entwickeln. Bei der Vorbereitungszeit entwickelt sich jedoch ein neuer positiver Trend. Während 2016 lediglich 37,5% der befragten Lehrkräfte bestätigen, dass an ihrer Schule Workshops zu computergestütztem Unterricht angeboten werden, waren es 2017 bereits 42,5% (Bos et al, 2017: 14ff).

Im dritten Teil der Studie geht es um die Analyse der Computerkenntnisse der SuS. Im Vordergrund steht in diesem Zusammenhang die Verantwortung der LuL, den SuS grundlegende computer- und informationsbezogene Kompetenzen beizubringen, so beispielsweise wie man Tabellen, Texte und Grafiken bearbeitet oder wie man sich im Internet richtig zurechtfindet. Wie die Studie ergab, liegt diese Zahl gegenwärtig bei annähernd 60%. Als negativ zu bewerten ist hingegen die Förderung von komplexen Kompetenzen, die von den 2015 konstatierten fast 80% auf nunmehr 70,1% im Jahr 2017 zurückging, obwohl diese Kompetenzen in der digitalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts in jeder Lebenslage erforderlich sind. Mit dem weiteren Voranschreiten der Digitalisierung ist insgesamt ein Umdenken bei den LuL erkennbar. Während 2015 noch 80% der befragten Lehrkräfte den SuS grundlegende computerbezogene Fähigkeiten zuschreiben, waren es hingegen 2017 nur noch 69,8 %, so dass die digitale Welt daher nicht als Indikator für einen sicheren Umgang mit Computern zu bewerten ist (Bos et al, 2017: 14ff).

Im nächsten Schritt der Studie geht es nicht mehr um die Computerkenntnisse der SuS, sondern um die erforderlichen Kompetenzen der Lehrkräfte, die für eine erfolgreiche Mediennutzung im Unterricht unverzichtbar sind. Laut dieser Studie sollten sie nicht nur über technisches Know-how verfügen, sondern basierend darauf auch wissen, wie mit digitalen Medien entsprechende Fachinhalte besser zu vermitteln sind. Dabei geht es in diesem Zusammenhang vor allem um die Selbsteinschätzung der LuL, wobei die 2017 erfolgte Studie im Vergleich zu 2016 hier kaum einen Unterschied erkennen lässt. So schätzen ca. 77% der befragten Lehrkräfte ihr Wissen und Können auch 2017 zumeist positiv ein und fühlen sich sicher, „fachliche Inhalte, pädagogische Lehrmethoden und digitale Medien gleichermaßen im Unterricht berücksichtigen und aufeinander abstimmen zu können“ (Bos et al, 2017: 23.) Im Gegensatz dazu ergab die Studie allerdings, dass die LuL die SuS in den Bereichen der computerbezogenen Kompetenzen wenig fördern. Somit stellt sich für Bos „… die Frage, wie die Lehrkräfte tatsächlich in die Lage versetzt und stärker dazu motiviert werden, die Fertigkeiten der Schüler im Umgang mit digitalen Medien gezielt zu verbessern, insbesondere vor dem Hintergrund der ausbaufähigen Förderung komplexer Schülerkompetenzen“ (Bos et al, 2017: 24).

Der letzte Forschungsbereich der 2017 erfolgten Studie betrifft die Nutzung digitaler Medien in den MINT-Fächern. Die Feststellung, dass hier ein gewisser Vorsprung gegenüber anderen Fächern vorliegt, ist zwar grundsätzlich nicht falsch und gerade in solchen Fächern wie Informatik ist es logisch, dass der Umgang mit digitalen Medien besser ausgebildet ist, aber laut dieser Studie ist ein solcher Vorsprung nur in einzelnen Bereichen wirklich nachweisbar. Die Nutzung in den MINT-Fächern ist im Vergleich zu anderen Fächern zwar minimal höher, aber große Differenzen sind dennoch nicht erkennbar. Die möglichen Potentiale werden kaum genutzt, obwohl in diesen Fächern viele Anwendungsmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht vorhanden sind.

„So lässt sich zusammenfassend sagen: Egal ob MINT- oder ein anderes Fach - der Länderindikator 2017 zeigt erneut, dass digitale Medien weiterhin auf insgesamt eher niedrigem Niveau im schulischen Kontakt verankert sind“ (Bos et al, 2017: 29). Dennoch lässt sich zusammenfassend bilanzieren, dass der Trend in den meisten untersuchten Themenbereichen zumindest etwas positiv ist und mit der Einführung des Digitalpakts ein deutlich positiverer Trend zu erwarten ist (Bos et al, 2017: 29).

3 Implementierung digitaler Medien in den Unterricht

3.1 Wirkungen digitaler Medien im Unterricht- Merkmale und Faktoren

Um die Wirkung von digitalen Medien im Unterricht zu untersuchen, ist es notwendig, Faktoren zu ermitteln, die auf solche Wirkungen möglichen Einfluss nehmen. Laut Tulodziecki (Tulodziecki, Herzig, Blömeke, 2009) ist Unterricht als ein Interaktionsgeschehen zwischen Lehrenden und Lernenden zu verstehen, in dem spezifische Lehr – und Lernaktivitäten angeregt werden. Digitale Medien können in diesem Zusammenhang auf didaktischer Ebene einerseits als Instrument und auf erzieherischer Ebene andererseits als Lerngegenstand eingesetzt werden. Es lassen sich also auf die Frage, welche Wirkung digitale Medien im Unterricht erzielen, vier Faktoren angeben. Die digitalen Medien selbst, die verschiedenen Unterrichtsprozesse, wo digitale Medien eingebunden werden und die beteiligten Akteure, d.h. LuL und SuS. (Herzig, 2014: 9)

Damit man erforschen kann, welchen genauen Einfluss die vier Faktoren haben, sind diese zunächst weiter zu differenzieren.

Digitale Medien selbst lassen sich durch bestimmte Merkmale spezifizieren. So sind digitale Medien beispielsweise durch interaktive Lernangebote, angesprochene Sinnesmodalitäten und verschiedene Darstellungsformen gekennzeichnet, die von Medium zu Medium unterschiedlich ausgeprägt sein können, gemessen daran, worauf der Fokus gelegt werden soll. Hat es möglicherweise einen Werkzeugcharakter oder ist es ein aktives Lernprogramm. Ebenso wie die digitalen Medien lässt sich auch der Unterrichtsprozess durch verschiedene Merkmale darstellen, so beispielsweise durch die Fragen, welche Unterrichtsziele angestrebt werden, welche Inhalte zu behandeln sind und in welcher Sozialform zu arbeiten ist. Obwohl die meisten LuL als Experten der Fachdidaktik und Bildungswissenschaften agieren und die dazu erforderlichen Eigenschaften für jede Lehrkraft klar erkennbar und verpflichtend sind, ist es bei der Medienkompetenz noch nicht so klar definiert. Während die einen über eine ausgeprägte Medienkompetenz verfügen und digitale Medien somit besser in den Unterrichtsalltag implementieren können, haben andere hingegen eine kaum ausgeprägte Medienkompetenz. Nicht zuletzt lassen sich auch die SuS hinsichtlich ihrer medialen Eigenschaften und Fähigkeiten charakterisieren, wobei bezogen auf die Medienkompetenz vor allem das überfachliche Vorwissen angesprochen ist. Zudem sind alle SuS unterschiedlich eingestellt und haben verschiedene soziokulturelle Hintergründe (Herzig, 2014: 10).

Allein die Ausdifferenzierung dieser vier Faktoren verdeutlicht, dass es bei der Frage, inwieweit digitale Medien Einfluss auf den Unterricht nehmen, nicht allein um diese Problematik geht, sondern ein aufschlussreiches Ergebnis auch die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren erfordert. Gemessen daran ist es ausgeschlossen zu sagen, dass digitale Medien im Unterricht diese oder jene Wirkung bei den SuS erzeugen. Schließlich sind Lehr- und Lernprozesse dynamische, hochkomplexe Prozesse, die sich nicht auf einfache Aussagen beziffern lassen (Herzig, 2014: 11).

Digitale Medien können zudem auf folgende drei unterschiedliche Wirkungsebenen untersucht werden: Zum einen auf die Ebene des Individuums, zum andern auf die Ebene des Unterrichtsprozesses und nicht zuletzt auf die Ebene der Schule als Institution. Bei der ersten Ebene ist „…ein höherer Lernerfolg - in Bezug auf Wissenserwerb, Problemlösefähigkeit bzw. Transferfähigkeit- (…) dann zu erwarten, wenn Informationen als Text und Bild präsentiert werden, (…) Illustrationen zu einem Text als kommentierte Illustration dargeboten werden“ (Herzig, 2014: 13). Viele explorative Studien verweisen zudem darauf, dass im Zusammenhang mit Laptop bzw. Notebook oder Tablet motivationale Effekte höher sind (Tschakert & Blömeke 2007, zitiert nach Herzig 2014: 13), stärkere Kooperationen zwischen den SuS und generell (Schaumburg & Issing 2002, zitiert nach Herzig 2014: 13), eine stärkere Selbststeuerung (Schulz-Zander, 2005, 264ff) möglich ist.

Bei der Veränderung des Unterrichtsprozesses durch digitale Medien geht es zumeist um die Veränderung „traditioneller“ didaktischer Gestaltungsformen. Wie konkret diese Veränderung im Unterrichtsprozess aussieht, erklären Blömeke, Müller und Eichler anhand von drei „Unterrichtsskripts“. Zum einen geht es um das traditionelle Skript, in dem die LuL den Unterricht stark selbst beeinflussen und digitale Medien nur die Funktion der Präsentation einnehmen. Anschließend wird das innovative Skript beschrieben, das eher schülerzentriert ausgerichtet ist und der Computer bei komplexen Aufgaben oftmals als Werkzeug zu eigenständigen Lösung eines Problems verwendet wird. Das modern-traditionelle Skript ist das dritte Skript, das eine Mischform zwischen traditioneller und innovativer Verwendung darstellt (Blömeke, Müller & Eichler, 2005, zitiert nach Herzig 2014: S.9).

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Implementierung digitaler Medien in den Unterricht. Digitalisierung als Herausforderung für Schule und Schüler
Hochschule
Universität Siegen
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
35
Katalognummer
V976499
ISBN (eBook)
9783346330802
Sprache
Deutsch
Schlagworte
implementierung, medien, unterricht, digitalisierung, herausforderung, schule, schüler
Arbeit zitieren
Tarik Meyer (Autor), 2019, Implementierung digitaler Medien in den Unterricht. Digitalisierung als Herausforderung für Schule und Schüler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976499

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