Sinn- Unsinn von Talkshow


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

5 Seiten


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Thema: Sinn und Unsinn von Talkshows

Arbeitslos, Urlaub oder Ferien, oder endlich Feierabend, kein Geld, kein Bock auf Hobbys oder andere Aktivitäten? Was bleibt? Der Fernseher. Was für den einen so leicht zu finden und für den anderen so schwer zu übersehen ist, sind die Talkshows. Fast jeder sieht sie, aber nicht jeder mag sie! Was liegt da näher, als uns einmal mit diesem Genre des Fernsehens zu beschäftigen und nach deren Sinn und Unsinn zu fragen.

Talkshow - Gesprächsschau, eine öffentliche Darbietung der Unterhaltungsindustrie. Was verbirgt sich dahinter? Ein Senderaum, ein Thema das möglichst die Volksseele anspricht, zwei Gesprächsparteien, für das Pro und Contra ein Moderator der als Freund, Richter und Ratgeber agiert, ein paar Kameras und ein Fernsehteam und natürlich der Zuschauer, der in der Show und vor allem der vor dem Fernseher, denn nur die Einschaltquoten zählen. Was geben uns nun diese Talkshows? Warum sind die Einschaltquoten so hoch? Ist es das Thema? Beschäftigen wir uns gern mit der schmutzigen Wäsche anderer Leute, oder mögen wir die Witze zum Beispiel eines Jörg Pilawa, ,,Ich freue mich, dass auch diese blonde Frau das verstanden hat." ( 13.01.99). Oder sind es die Moderatoren. Vielleicht eine Vera Int Veen die sich als Anwalt der Volksmeinung versteht oder die bunte Arabella Kiesbauer. Welchen Sinn oder Unsinn macht das Ganze?

Zum Thema die Talkshow ,,Fliege".

Sie wird von der ARD ausgestrahlt und spricht das ,,reifere" Publikum an.

Die weltliche Beichte hat seinen Sinn für den Gesprächspartner und den Zuschauer. Flieges Gesprächspartner offenbart seine Lebensgeschichte. Doch sie könnte auch dich oder mich betreffen.

Fliege stellt die Geschichte neben seinen Gast. Du kannst dich selbst leichter erkennen, in dein ,,ich" hören. Die Tabus werden gebrochen, den Dingen wird auf den Grund gegangen. Der Zuschauer hört nur zu und wer sich identifizieren kann, fühlt mit. Ist seelenverwandt mit dem Talkgast und setzt Erwartungen in Fliege und das Publikum. Niemand wird jetzt abschalten.

Der Applaus nach der Beichte bringt Erlösung, Anerkennung und lässt Vergebung spüren. Fliege hört zu und gibt Zuwendung. Mit seiner Talkshow liefert er über den Fernseher Vertrauen und Geborgenheit. Endlich kann man sieh trauen. Durch eine Identifizierung mit dem Gast hofft auch der Zuschauer auf eine positive Resonanz seiner Umwelt Fliege richtet nicht, er sagt dir, dass dein Leben viel kostbarer ist, als du es wahrhaben willst. Damit erfüllt er eine wichtige seelsorgische Funktion. Seine Sendung wird zu einer großen Selbsthilfegruppe. Das beweisen täglich 4 Mill. Zuschauer, eine Einschaltquote über 60% ( der angesprochenen Altersgruppe) und 300 Briefe pro Woche. In denen sich Menschen, die sich ein Stück Lebensweisheit und neuen Lebensmut aus seiner Talkshow mitnehmen konnten. Trost und neue Hoffnung gefunden haben, danken. In diesem Sinne und für den Sinn der Talkshows, seine Abschlussworte ,, Passen Sie gut auf sich auf!"

Talkshows sind Unsinn, sie sind inszeniert und dienen nur zur Befriedigung der Vergnügungs- und Unterhaltungssucht. Dabei geht der Blick für das Wesentliche verloren. Flieges Talkshow ist auf Affekt aus. Ganz bewusst wird eine ritualisierende Atmosphäre inszeniert. Blau-gelbe Wände, roter Schriftzug, blaues auf den Kopf gestelltes Dreieck. Luft - Feuer - Licht - Geist. Die Bühne erhoben in der Farbe der Buße - violett. Das ist nicht Magie der Kirche, das ist handfeste psychologische Beeinflussung. Fliege wiederholt Sätze in Ich - Form. Das ist Taktik, Verständnis zeigen und Sicherheit geben, denn um so umfassender das Geständnis, desto mehr Möglichkeiten hat der Zuschauer für die persönliche Identifikation. Das macht die Talkshow interessant und sorgt für hohe Einschaltquoten. Diese Pseudo - Nähe ist nichts weiter als Mittel zum Zweck und macht es dem Gast schwer sich zu wehren. Um die Inszenierung noch zu dramatisieren, wird als weiteres Druckmittel die Kammaraführung eingesetzt. Großaufnahmen werden angedroht und wahrgemacht. Spannend für den Zuschauer, Nötigung, ja seelische Vergewaltigung für den Gesprächspartner. Auch das Intimste wird verraten, die Gefühle hochgeputscht, ganz nach Publikumsgeschmack, um den Erlebnishunger der Zuschauer zu stillen. Aber das ist Unsinn, denn der Zuschauer, der aus der Sicherheit der Zuschauerposition Betroffenheit zeigt, vergisst bei seiner Identifikation mit der ihm dargebotenen Geschichte wie umwelt-, beziehungs- und situationsgebunden seine eigene Geschichte ist.

Beichte bis zum groben oder völligen Imageverlust ist keine geistig-seelische Befreiung, auch der therapeutische Effekt ist anzuzweifeln. Das beweist eine Studie vom Forum Kritischer Psychologie. 60 Talkshowopfer, die schutzlos der Strategie der Medien und des Moderators ausgeliefert waren, haben dort nun schon um Hilfe gebeten.

Beispiel: Eine Frau verriet ungewollt, dass ihr 15jähriger Sohn nicht von ihrem Ehemann, sondern von einem Schulfreund ist. Ehemann und Sohn saßen geschockt vor dem Fernseher. Folge: Scheidung!

Ein Rentner wurde als geiler alter Bock vorgeführt. Folge: Selbstmordversuch!

Bis zum Verbot dieser unsinnigen Tyrannei der Intimität: Passen Sie gut auf sich auf!

65 Talkshows und ähnliche Darbietungen gibt es mittlerweile. Auf Niveau und Moral wird dabei wenig geachtet. Die Gäste sollen kurios sein und möglichst aus Randgruppen stammen. Das Publikum soll unterhalten werden, dabei werden Themen aus dem täglichen Allerlei gegriffen. Es geht laut zu beleidigend, erniedrigend und man bedient sich der Fäkaliensprache. Sind sich die Veranstalter auch der Tragweite ihrer Sendungen bewusst? Besonders beim jüngeren Publikum läuft man noch Gefahr, dass sie das Gesehene nachmachen. Lust am Niedermachen des anderen bekommen, die Folge ist Mobbing. Dann gibt es Opfer und die Menschen vereinsamen immer mehr. Wir sollten und bewusst sein, dass diese Talkshows abgesprochen sind. Es gibt bereits Talkshowagenturen bei denen man sich bewerben kann. Die Suchen eine Geschichte aus und es wird auch eine Gage für den Auftritt bezahlt. So erscheint man mit verschiedenen Geschichten in verschiedenen Talkshows. Auch das Publikum wandert von Show zu Show.

Die Themen wiederholen sich ständig. Alles ist abgesprochen, nichts wird dem Zufall überlassen.

Weiter müssen wir uns doch fragen warum es so wenig Politik - Talk gibt.

Ist es denn wichtiger ob Katrin mit Frank fremdgeht oder ob die Mittel für Schulcomputer gestrichen werden.

Es ist tatsächlich nur alles eine Schau, sensationslüsterne Medienpolitik. Nächste Woche weiß keiner mehr davon. Aber das kein Geld für Schulcomputer da ist, ist real und wird nicht vergessen.

Was soll also dieser Unsinn?

Talkshowgliederung

Konfro - Talk

Vorzugsweise in High - Tech Studios werden Anhänger opponierender Seiten eingeladen und aufeinander losgelassen. Der Richter im Ring, welcher immer das normale, bodenständige Deutschland vertritt, bemüht sich dabei den Gegner, der immer feststeht, auf inquisitorische Weise zu läutern.

Affekt - Talk

Bei denen sich schon lange als Talkshows etablierten Plaudersendungen kann jeder seine Lebenslügen entsorgen, die ihn daheim oder in der Stammkneipe keiner mehr abnimmt. Rund um die Fernsehuhr lässt das Volk was raus, von elf Uhr morgens bis in die tiefe Nacht, Themen sind Evergreens des gewöhnlichen Seins, seit Jahrzehnten von Frauenblättern recycelt: Mein Mann trinkt, Pornos finde ich widerlich, du liebst dein Tier mehr als mich, Sexpartys machen mich an, ich liebe einen Mörder, dein Busen haut mich um.

Suchsendungen

Wenn die Mutter an ihren vermissten Sohn appelliert, er möge nach Hause zurückkommen, wird intimes veröffentlicht und jeder Zuschauer hat die Möglichkeit live am Schicksal des Akteurs teilzunehmen.

Trash - TV

In sogenannten ,,Überraschungsshows" wird weniger Bedeutung auf das Gespräch als auf einen möglichst spektakulären inszenierten Bloßstellungsfeldzug anlegt. Der Charme dieser Show entspricht dabei ungefähr dem eines Gladiatorenkampfes nur hier kann, darf und soll das Saalpublikum mit Schadenfreude, Hohn und Abscheu reagieren.

Reality - TV

Bei Reality - TV werden im Gegensatz zum Affektfernsehen reale Ereignisse nachgestellt oder von sogenannten Augenzeugen dokumentiert. Die Ereignisse zeigen im wesentlichen Personen, die entweder psychische und/oder physische Gewalt ausüben und/oder erleiden. Es geht zu einem ganz erheblichen Teil um Katastrophen, Unfälle und Verbrechen.

Beziehungs- Show

Durch die Schicksale und Geschichten, die vermittelt werden, sind emotionale Wirkung auf dem Zuschauer bewusst vom Macher intendiert, sei es durch die Spannung im Spiel, durch das Miteinander der Teilnehmer in Beziehungs- Shows, oder durch den tiefen Einblick in die Intimitäten eines Gastes.

Quellenangabe

Zuschauerservice SAT.1 PRO7

Internet:

Berliner Morgenpost Medien Observationen

TV + Medien (Berliner Morgenpost) Zombie - Zone

Flensburg online: Redaktion 100elf- Fernsehen (Talkshow) Diverse Pressemitteilungen

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Details

Titel
Sinn- Unsinn von Talkshow
Autor
Jahr
1999
Seiten
5
Katalognummer
V97650
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sinn-, Unsinn, Talkshow
Arbeit zitieren
Aileen Rosenthal (Autor), 1999, Sinn- Unsinn von Talkshow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97650

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