In der Arbeit werden Unternehmens- bzw. Firmenkredite untersucht. Nach Analyse aktueller Rahmenbedingungen soll dieses Vehikel hinsichtlich der rechtlichen Zulässigkeit, wirtschaftlichen Attraktivität und der potenziellen Erfolgsfaktoren bei der Vergabe durch Lebensversicherer untersucht werden. Auf Basis der Ergebnisse wird eine Beurteilung dieser Kapitalanlageform erfolgen.
Lebensversicherer werden derzeit mit Schlagzeilen wie „Die Lebensversicherer trudeln über dem Abgrund“ oder der „Crash der Lebensversicherer ist unausweichlich“ verbunden. Das Geschäftsmodell steht speziell aufgrund geringer Rentabilitätsaussichten in der Kritik, wobei gleichzeitig die private Altersvorsorge in Deutschland an Bedeutung gewinnt. Das gesetzliche, umlagefinanzierte Rentensystem wird durch den demographischen Wandel nachhaltig belastet.
Negative Überschüsse der deutschen Rentenversicherung sowie das aktuellen Zahler-Empfänger-Verhältnisses von 2:1 verdeutlichen dies. Für 2030 wird ein Rentenniveau von 43 % (derzeit: 51 %) im Verhältnis zum durchschnittlichen Entgelt prognostiziert. Daraus resultiert die Infragestellung der Erfüllbarkeit des Generationenvertrages sowie eine zunehmende Bedeutung privatrechtlicher Alternativen.
Lebensversicherer bieten Produkte zur privaten und betrieblichen Vorsorge an, welche der Alters- und Hinterbliebenenabsicherung dienen. Aufgrund politischer Einflussnahme (bspw. Riester-Reform) sowie u. a. hoher Garantiezinsen nahm der Bestand an privaten Rentenversicherungen zwischen 2000 und 2017 von 10,5 Mio. auf 43,64 Mio. zu. Jedoch belasten zunehmend Rahmenbedingungen wie Solvency II und die Niedrigzinsphase das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Die sinkende Attraktivität erschwert.
Neuabschlüsse und birgt die Gefahren von Vertragsstornierungen. Einer-seits sinkt die Bereitschaft der Deutschen zum Sparen, andererseits rücken Vorsorgealternativen wie Immobilien in den Vordergrund. Zur Steigerung der Attraktivität sollen neue Produktkonstruktionen sowie Kapitalanlagen in andere/ neue Assetklassen beitragen. Eine Anlagealternative stellen Unternehmens- bzw. Firmenkredite dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen zum Kapitalanlagemanagement eines Lebensversicherers
2.1 Definition, Merkmale und Funktionen einer Lebensversicherung
2.2 Rolle und Struktur des Kapitalanlagemanagements im Lebensversicherungsunternehmen
2.3 Einflussfaktoren auf das Kapitalanlagemanagement
2.3.1 Garantiezinsverpflichtungen aus dem Versicherungsbestand
2.3.2 Niedrigzinsphase
2.3.3 Solvency II
2.4 Aktuelle Kapitalanlagestruktur der Lebensversicherer
3 Unternehmenskredite als Anlagemöglichkeit
3.1 Unternehmenskredite – Definition, Abgrenzungen und Formen
3.2 Grundsätze der Kreditvergabe
3.3 Zulässigkeit von Lebensversicherern als Investoren
3.4 Marktbedingungen
3.4.1 Akteure im Markt für Unternehmenskredite und deren Umfeld
3.4.2 Ökonomische Verhältnisse im Markt für Unternehmenskredite
3.5 Analyse der Erfolgspotenziale von Unternehmenskrediten
3.5.1 Finanzielle Analyse von Unternehmenskrediten
3.5.2 Ökonomische Analyse von Versicherern als Investoren
3.6 Ansätze für den Markteintritt
3.6.1 Klassischer Versicherungsvertrieb
3.6.2 Kreditvergabe über digitale Kanäle
3.6.3 Kollaboration mit Banken
3.7 Kritische Würdigung
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung von Unternehmenskrediten als Kapitalanlage für deutsche Lebensversicherer vor dem Hintergrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds und der regulatorischen Anforderungen durch Solvency II, um die Rentabilität des Geschäftsmodells zu sichern.
- Analyse der Grundlagen des Kapitalanlagemanagements
- Bewertung von Unternehmenskrediten als Investitionsmöglichkeit
- Untersuchung der Marktbedingungen und Akteure im Kreditsegment
- Evaluation der Erfolgspotenziale und Eintrittsstrategien für Versicherer
Auszug aus dem Buch
3 Unternehmenskredite als Anlagemöglichkeit
Kredite werden an Unternehmen/ Selbstständige, private sowie öffentliche Haushalte vergeben. Unternehmens- bzw. Firmenkredite sollen im Folgenden den Schwerpunkt der Untersuchung bilden. Mit Blick auf die Passivseite der Bilanz finanzieren sich Unternehmen auf unterschiedliche Art und Weise. Eine Differenzierung kann dabei in Innen- und Außenfinanzierung (Mittelherkunft) sowie Eigen- und Fremdfinanzierung (Rechtsstellung) erfolgen. Abbildung 18 stellt in diesem Zusammenhang verschiedene Finanzierungsarten gegenüber. Bei Unternehmenskrediten handelt es sich um eine Außen- und Fremdfinanzierung, welche auch als Bankkredit bezeichnet wird. Definiert wird es als Schuldverhältnis, welches die Überlassung finanzieller Mittel von einem Kreditgeber (Gläubiger) an einen Kreditnehmer (Schuldner) für einen begrenzten Zeitraum mit fest vereinbarten, erfolgsunabhängigen Zins- und Tilgungsleistungen beinhaltet. Im Unterschied zum Eigenkapital übernimmt der Gläubiger keine Haftung für Geschäftsrisiken und profitiert von einer bevorzugten Befriedigung der Ansprüche im Insolvenzfall.
Firmenkredite können als handelbare oder nicht handelbare Finanzinstrumente auftreten. Handelbare Kredite sind verbriefte Forderungen wie Schuldverschreibungen/ Anleihen, welche an der Börse emittiert und gehandelt werden. Diese lassen sich in Inhaber- sowie Namensschuldverschreibungen differenzieren. Inhaberschuldverschreibungen verbriefen für den Inhaber ein Recht auf Zins- und Tilgungsleistungen. Bei der zweiten Form wird der Begünstigte namentlich innerhalb eines Registers erwähnt. Dies führt zu einer eingeschränkten Fungibilität, da der Schuldner dem Gläubigerwechsel zustimmen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am Geschäftsmodell der Lebensversicherer aufgrund geringer Rentabilität und stellt die Untersuchung von Unternehmenskrediten als mögliche Anlagealternative vor.
2 Grundlagen zum Kapitalanlagemanagement eines Lebensversicherers: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise und das Risikoprofil von Lebensversicherungen sowie die zentrale Rolle des Kapitalanlagemanagements, insbesondere unter Einfluss von Garantiezinsen, Niedrigzinsphase und Solvency II.
3 Unternehmenskredite als Anlagemöglichkeit: Das Hauptkapitel definiert Firmenkredite, analysiert die regulatorische Zulässigkeit für Versicherer sowie die Marktbedingungen, Erfolgspotenziale und möglichen Markteintrittsstrategien.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Chancen und Risiken der Investition in Unternehmenskredite zusammen und bewertet die Notwendigkeit dieser Anlagealternative zur Sicherung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Lebensversicherer, Kapitalanlage, Unternehmenskredite, Niedrigzinsphase, Solvency II, Rendite, Asset-Liability-Management, Firmenkundengeschäft, Risikomanagement, Bonitätsanalyse, Digitalisierung, Banken, Markteintritt, Diversifikation, Eigenkapitalunterlegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Unternehmenskredite eine attraktive und zulässige Kapitalanlage für deutsche Lebensversicherer darstellen, um in Zeiten von Niedrigzinsen und strenger Regulatorik weiterhin profitabel zu wirtschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das Kapitalanlagemanagement von Lebensversicherern, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Investitionen, die Analyse des Firmenkreditmarktes und die Bewertung von Strategien für den Markteintritt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob Unternehmenskredite als Vehikel zur Rentabilitätssteigerung unter Berücksichtigung rechtlicher Zulässigkeit, wirtschaftlicher Attraktivität und Risikofaktoren geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literatur- und Analysebasis, um aktuelle ökonomische Rahmendaten, regulatorische Anforderungen (Solvency II) und Marktdaten der Kreditbranche kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen des Kapitalanlagemanagements, der Definition und Zulässigkeit von Unternehmenskrediten, der Analyse von Marktbedingungen sowie den Erfolgspotenzialen und Markteintrittsoptionen für Versicherer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lebensversicherer, Unternehmenskredite, Solvency II, Niedrigzinsphase und Risikomanagement charakterisiert.
Warum sind Unternehmenskredite für Lebensversicherer besonders relevant?
Aufgrund ihres langfristigen Geschäftsmodells passen Unternehmenskredite gut zur Fristenstruktur von Versicherern und bieten oft höhere Renditen als klassische Staatsanleihen, was zur Deckung von Zinsverpflichtungen beitragen kann.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung beim Markteintritt?
Digitale Prozesse ermöglichen Effizienzgewinne in der Kreditbearbeitung, den Zugang zu Echtzeitdaten für eine bessere Bonitätsprüfung und bieten einen modernen Vertriebsweg, um Kostenvorteile gegenüber traditionellen Bankstrukturen zu erzielen.
Was sind die größten Risiken bei dieser Kapitalanlage?
Zu den Risiken zählen vor allem die Bonitätsrisiken der Kreditnehmer, das durch Solvency II bedingte Spreadrisiko, der Prinzipal-Agent-Konflikt sowie die begrenzte Fungibilität dieser unverbrieften Forderungen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Hummitzsch (Autor:in), 2019, Unternehmenskredite als Kapitalanlage deutscher Lebensversicherer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976972