Der Expertenmangel in der deutschen IT-Branche


Seminararbeit, 2000

11 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Problemdarstellung

3.Lösungsansätze

4.Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) leisten einen großen Beitrag zur Volkswirtschaft der Industrienationen. Bereits 1996 konnte die Informationswirtschaft in Deutschland einen Umsatz von mehr als 400 Milliarden DM erwirtschaften. (Siehe Abbildung 1)

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Abbildung 1 : Umsatz der Informationswirtschaft in Deutschland 1996 (BMBF, 1999)

Dies entspricht einem Anteil von ca. 14 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dafür wurden über 1,5 Millionen Erwerbstätige benötigt. (Siehe Abbildung 2)

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Abbildung 2: Beschäftigte der Informationswirtschaft in Deutschland 1995 (BMBF, 1997)

Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten von 35 Millionen in 1997, ist dies ein vergleichsweise geringer Anteil von gut vier Prozent. Durch die permanente Ausdehnung in neue Bereiche des täglichen Lebens ist ein Ende des Wachstums aber noch nicht abzusehen. (Siehe [4])

In immer weitere Geschäftsfelder findet eine Ausweitung der EDV statt. Auch im privaten Bereich wird die Durchdringung, beispielsweise im E-Commerce, zunehmen. (Siehe [5])

Beispielhaft ist in Abbildung 3 die Umsatzentwicklung im deutschen Multimediamarkt angeführt.

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Abbildung 3: Umsatzprognose für den deutschen Multimediamarkt (BMBF, 1999)

Der seit Jahren andauernde Boom der IuK resultierte in einem Arbeitskräftemangel nicht nur in den unmittelbar in dieser Branche tätigen, sondern in fast allen Unternehmen, die von der EDV- Unterstützung profitieren. (Siehe [6])

Das Wachstum der gesamten Computer-Branche ist dabei stark von der Verfügbarkeit fachlich hoch qualifizierter Mitarbeiter abhängig, die von Arbeitskräften aus angrenzenden Fachgebieten nur unzureichend ersetzt werden können. (Siehe [7])

Den erwarteten Bedarf der IT-Industrie im Vergleich mit anderen Sektoren gibt Abbildung 4 wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prozentualer Anteil der Sektoren an den Gesamtbeschäftigten (BMBF, 1999)

Der weiterhin erwartete starke Anstieg der beiden Sektoren Informationstechnik und Dienstleistungen ist daraus leicht ersichtlich.

2. Problemdarstellung

In der IT-Industrie ist ebenso wie in fast allen anderen Branchen die Time-to-Market der entscheidende Faktor für die Gewinnmaximierung. Die Verluste, die bei einem durch die verspätete Markteinführung verzögerten Break-Even entstehen, sind nicht mehr aufzuholen, da die kurzen Produktzyklen oftmals nur einige Monate Differenz zur Pay-off-Periode aufweisen. (Siehe Abbildung 5)

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Abbildung 5: Produktlebenszeit und Pay-Off-Periode 1994 (Fraunhofer IAO Stuttgart, 1994)

Stellt man die Entwicklungs- und Produktionskosten den Kosten durch die verzögerte Marktpräsenz gegenüber, lässt sich annehmen, dass selbst eine starke Erhöhung der Entwicklungsausgaben um nicht solchermaßen negative Auswirkungen hat, wie eine um wenige Monate verlängerte Time-to-Market.

Es gilt daher, den Ressourcenaufwand bei der Produktentwicklung zu erhöhen. Da dieser zu einem großen Teil von den beschäftigten Experten abhängt, ist es naheliegend, die Personalressourcen auszubauen.

Genau in diesem Punkt befindet sich aber aktuell die Schwierigkeit. Denn auf dem Arbeitsmarkt sind nicht genügend dieser hochqualifizierten Mitarbeiter verfügbar, um die herrschende große Nachfrage zu befriedigen. (Siehe [8])

Die Notwendigkeit, die entsprechenden Schlüsselpositionen schnellstmöglich zu besetzen, lässt sich in der Abbildung 6 erkennen.

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Abbildung 6: Wirkungskette Mikroelektronik in Deutschland 1996 (BMBF, 1999)

Hier sind die Auswirkungen der Produktsparte Mikroelektronik auf das Bruttoinlandsprodukt dargestellt. Die Lieferantenkette, vom Chiphersteller über Baugruppen- und Einzelgeräteproduzenten hin zum Hersteller eines Gesamtproduktes, bewirkt eine Umsatzweiterführung um den Faktor 300.

Der Nachholbedarf Deutschlands in der Informationstechnologie (IT) hat sich aber nicht erst vor kurzem entwickelt, sondern zeichnet sich schon seit vielen Jahren ab. Schon früh wurde vor einem Rückstand der deutschen IT-Industrie auf dem Weltmarkt gewarnt. (Siehe [9])

Verschiedentlich versuchten Fehleinschätzungen den weiter steigenden Bedarf in seinem Ausmaß abzuschwächen. (Siehe [10])

Die kürzlich gemeldeten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) lassen mich zunächst zu dem Schluss kommen, dass nicht alle Unternehmen im gewünschten Maße mit den Arbeitsämtern zusammenarbeiten. Nach Angaben der BA stehen nämlich den derzeit fast 32.000 Stellensuchenden EDV-Spezialisten weniger als halb so viele, bei der BA gemeldete, offene Stellen zur Verfügung. Weitere 37.000 Arbeitnehmer befinden sich in, von der BA im Jahr 1999 mit einer Milliarde Mark geförderten, IT-Fortbildungsmaßnahmen. Dieser Mangel an gemeldeten unbesetzten Stellen setzt sich bei den Ausbildungsplätzen in der IT-Branche gleichermaßen fort. (Siehe [11])

3. Lösungsansätze

Die große Anzahl fehlender IT-Arbeiter lässt sich zweifellos kurzfristig nicht aus dem eigenen Arbeitsmarkt rekrutieren. Genauso wenig lässt sich der akute Bedarf durch Umschulungen oder durch die regelmäßigen Hochschulabgänger decken. (Siehe [12])

Als Soforthilfe mit verzögerter Wirkung muss das Sonderprogramm zur Modernisierung des Informatik-Studiums bezeichnet werden. Mit den in Aussicht gestellten 100 Millionen Mark plant die Bundesregierung eine Umstrukturierung des Informatikstudiums an den Hochschulen einzuleiten. (Siehe [13])

Scheinbar kontraproduktiv steht dem die Ankündigung dreier Berliner Hochschulen, den Numerus Clausus für ihr Informatikangebot einzuführen gegenüber. (Siehe [14])

Dabei erhoffen sich alle von der umzusetzenden Modernisierung höhere Effizienz und Qualität, und nicht zuletzt auch eine erhöhte Attraktivität, der Ausbildung.

Die Modernisierung kann dabei in erster Linie durch wichtige Neuerungen in den Bereichen Multimedia, Wirtschaftsinitiativen und Globalisierung bewerkstelligt werden. (Siehe [15])

Mit der Greencard will die Bundesregierung dagegen dem einseitigen Arbeitsmarkt einen sofortigen Ausgleich verschaffen.

Die genauen Regeln für die Greencard lassen sich bei Arbeitsamt-Online nachlesen. (Siehe [16])

Geäußerte Befürchtungen, die hauptsächlichen Nutznießer der Greencard könnten die Unternehmen sein, weil sie dadurch an billige Arbeitskräfte gelangen, sind nicht von der Hand zu weisen. Auch eine Mindestlohnregelung trägt nicht zu einer Entschärfung des Problems bei, wie in Abschnitt 4 nachzulesen ist. (Siehe [17])

Weitere Kritik an der Handhabung der Greencard betrifft die Aufenthaltsregelung, die zu kurz gegriffen erscheint. (Siehe [18])

Bei der Debatte um die Greencard sind auch Fortschritte im Rahmen der Globalisierung zu erkennen. Hier eröffnen sich neue Wege, die Behinderung der Unternehmen und Mitarbeiter bei der Überwindung von Staatsgrenzen zu entschärfen. (Siehe [19])

Man darf auch nicht vergessen, dass eine geordnete Einwanderungspolitik über die Greencard hinaus, nicht nur einen direkten positiven Einfluss auf die Volkswirtschaft, sondern darüber hinaus auch auf unser Rentensystem hat, indem sie die gesetzliche Altersversorgung für einen längeren Zeitraum sicherstellt. (Siehe [20] und [21])

Mit Hilfe moderner Telekommunikation lassen sich große Entfernungen, z.B. auch über Staatsgrenzen hinweg, problemlos überbrücken. In diesem Zusammenhang hat sich in den USA das Modell des „virtuellen Inders“ seit Jahren bewährt. Während vor Ort ein Ansprechpartner des, beispielsweise indischen, Unternehmens verfügbar ist, wird die Programmierarbeit in dessen Heimatland, also in Indien, erledigt. Über gesicherte Datenwege lassen sich die entsprechenden Informationen weltweit sekundenschnell austauschen. (Siehe [22])

Unterstützung bekommt diese Form der Telearbeit durch Pilotprojekte zur globalen Informationsgesellschaft, die die Basis für neue Strukturen der Information und Kommunikation in Wirtschaft und Gesellschaft bilden sollen. (Siehe [23])

Den eigenen Nachwuchs können sich Firmen heranziehen, wenn sie selbst ausbilden. (Siehe [24])

Diese Art der Nachwuchsbeschaffung mit direktem Unternehmensbezug wurde aufgrund der hohen Kosten lange vernachlässigt. Dabei sind besonders die Vorteile hinsichtlich der Vorbereitung auf das spätere Einsatzgebiet unerreicht.

Ungewöhnliche Auswüchse der Personalnot wurden in Berlin gesichtet, wo eine Internet-Firma mit einer Plakataktion ("Sind Sie Inder?") auf sich aufmerksam machte, um ihren Programmiererstab aufzustocken. (Siehe [25])

4. Schlußbetrachtung

Um die bestehende Lücke an IT-Fachkräften kurzfristig zu schließen, sind ausländische Fachkräfte im Rahmen der Greencard mit Ergänzung durch Absolventen von Hochschulen und Umschulungen grundsätzlich geeignet. (Siehe [26])

Es ist aber offensichtlich, dass die Greencard nur ein erster wichtiger Schritt ist, dem viel weitreichendere Folgen müssen. Vor allem den Bedürfnissen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) muss die Politik dabei gerecht werden. Die Greencard geht hier durch die Festlegung des Mindestgehalts an den Anforderungen dieser Firmen vorbei. (Siehe [27])

Auch muss jede Firma sich einen geeigneten Mix aus den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter individuell zusammenstellen. Die Bedürfnisse und erst recht die zur Verfügung stehenden Mittel variieren sehr stark und sind hauptsächlich von der Art der Arbeit und der Unternehmensgröße abhängig.

Die inzwischen stark gestiegene Resonanz auf die Greencard-Regelung aus dem Ausland, lässt es darüber hinaus ratsam erscheinen, Nachfrage und Angebot der Arbeitsstellen zu koordinieren. (Siehe [28])

Unter http://195.185.214.164/gc hat das Arbeitsamt zu diesem Zweck eine Stellenbörse für IT- Fachkräfte eingerichtet.

Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass unter volkswirtschaftlichen Aspekten eine Hilfestellung für die deutsche Wirtschaft unmittelbar durch folgende parallel einzusetzende Maßnahmen geleistet werden kann: (Siehe [29])

- Bevorzugte Eingliederung hochqualifizierter ausländischer Bewerber im Rahmen der Greencard-Regelung.
- Outsourcing dafür geeigneter Aufgaben zu ausländischen Unternehmen mit Datenanbindung.
- Modernisierung des Informatik-Studiums in der Umsetzung des erwähnten Sonderprogramms.
- Verstärkte Eigeninitiative der Unternehmen bei der Ausbildung neuer Mitarbeiter.

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Titel
Der Expertenmangel in der deutschen IT-Branche
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V97882
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Expertenmangel, IT-Branche
Arbeit zitieren
Udo M. (Autor), 2000, Der Expertenmangel in der deutschen IT-Branche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97882

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