Der Weimarer Hof und das Leben in Weimar - Goethe zwischen Beruf und Berufung


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
5 Seiten

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Der Weimarer Hof und das Leben in Weimar

- Goethe zwischen Beruf und Berufung -

Das erste Weimarer Jahrzehnt

Weimar zählt heute noch, obwohl es nicht besonders groß ist, zu den bekanntesten Städten Deutschlands. Tausende Touristen, Kunstfreunde und nicht zuletzt auch Deutsche, die sich an ihrer Vergangenheit erfreuen, pilgern jährlich nach Sachsen, um seine bekannten Bauwerke, Museen und Denkmäler zu begutachten.

Zu dieser Popularität haben die Geschichte der Weimarer Republik, aber auch Künstler wie Schiller, Liszt und natürlich auch Goethe bedeutend beigetragen.

Dabei kam letzterer eher durch einen Zufall dorthin.

Als der achtzehnjährige Herzog Carl August bei der Reise zu seiner Vermählung mit Herzogin Luise in Darmstadt durch Frankfurt reiste, lud er den sechsundzwanzigjährigen Goethe bereits zum zweiten mal ein, nach Weimar zu kommen. Goethe nahm die Einladung an, doch die vom Herzog bestellte Kutsche traf nicht rechtzeitig in Frankfurt ein und Goethe begab sich, auf Drängen seines Vaters, auf eine Reise nach Italien. Doch auf dem Weg dorthin holt ihn die königliche Stafette noch in Heidelberg ein und Goethe kommt mit nach Weimar, wo er am 7. November 1775 eintrifft.

Weimar war zu dieser Zeit, mit 6100 Einwohnern, eher ein großes Dorf als eine Stadt und als sehr gemütlich konnte man es auch nicht bezeichnen. Es stank nach Unrat, die Straßen waren sehr eng, die Häuser klein und ärmlich und das Schloss, das insgesamt fast ein Drittel der Stadt einnahm, war 2 Jahre zuvor abgebrannt.

Ein damals bekannter Reiseschriftsteller schrieb 1828:

,, Wenn irgendeine Stadt der Imagination einen Streich spielt, so ist es Weimar. Sein Ruf geht her wie vor großen Männern, und man findet ein kleines, totes, schlecht gebautes, recht widriges Städtchen, das Schloß ausgenommen, fast gar nichts ausgezeichnetes."

Man sieht, Weimars guter Ruf eilte ihm voraus und er war geistlichen Sinne, was seine kulturellen Aspekte betrifft, auch sicherlich gerechtfertigt.

Zu diesem Ruf und vor allem, was die spätere positive Entwicklung der Stadt betrifft hat Goethe entscheidend beigetragen.

Das liegt sicherlich vor allem an der Vielfalt seiner Tätigkeitsbereiche, die er vor allem in dem ersten Weimarer Jahrzehnt, von 1775 - 1786 wahrnahm.

So war er vor allem in der ersten Zeit ein enger Freund und Berater des jungen Herzogs. Christoph Martin Wieland, Erzieher des Herzogs und ein guter Freund Goethes beschreibt diese Situation so :

,,Goethe kommt nicht wieder von hier los. Karl August kann nicht mehr ohne ihn schwimmen noch warten. S'ist aber noch nichts Entschiedenes...

Der Hof oder vielmehr seine liaison mit dem Herzog verderbt ihm viel Zeit, um die es herzlich schad' ist. Und doch: Bei diesem herrlichen Gottesmenschen geht nichts verloren."

Goethe bekommt von dem Herzog das Gartenhaus am Stern geschenkt und nach einem halben Jahr wird er schon gleich in Staatsgeschäfte verwickelt. Er wird Geheimer Legationsrat und mit dieser einflussreichen Position erfüllte seine ` Berufung' nach Weimar gleich ihren Zweck. Im Jahre 1779 wurde er auch noch Leiter der Weimarer Kriegskommission und 1782 übernahm er die Leitung der obersten Finanzbehörde.

Goethe konnte so bei Hofe ein und aus gehen und wurde gut bezahlt, allerdings hatte er nun so viel Arbeit, dass er nicht mehr schreiben konnte. Elf Jahre lang veröffentlichte der Dichterfürst nichts mehr.

Seine Freundschaft mit dem Herzog hatte noch weitere negative Seiten. In Gesellschaft des jungen Herzogs ließ er sich zu Handlungen verleiten, die bei der gehobenen Gesellschaft nur Empörung hervorrufen konnten. Besonders auf ihren Reisen, trieben die beiden es sehr wild. So verwüsteten sie in Stürzerbach die Einrichtung ihres Gastwirtes Glaser und Goethe zog sogar dessen Katze durch ein Butterfass.

Unter der höfischen Gesellschaft befand sich eine Frau, die diese Geschehnisse noch

kritischer beachtete, als die anderen. Es war Charlotte von Stein, die er am 6. Dezember 1775 erstmals kennenlernte.

Sie ist die Frau des herzoglichen Oberstallmeisters und außerdem eine sehr enge Vertraute und Freundin Goethes. Sie sieht die Situation dieses ,, Genietreibens" wie folgt: ( in einem Brief vom 06.03.1776 )

,,Ich wünschte selbst, er möchte etwas von seinem wilden Wesen , darum ihn die Leute hier so schief beurteilen, ablegen, das im Grunde zwar nichts ist, als das er jagt, scharf reit't, mit der großen Peitsche klatscht, alles in Gesellschaft des Herzogs. Gewiss sind dies seine Neigungen nicht; aber eine Weile muss er's so treiben, um den Herzog zu gewinnen und dann Gutes zu stiften..."

Sie schätzt die Lage hier sehr richtig ein, obwohl Goethe das ihr gegenüber nicht richtig zugegeben hat. Er besann sich später aber auch wieder und stürzte sich mehr in die Arbeit, was sicherlich auch an Charlottes guten Einfluss lag.

Diese wurde ihm schließlich eine ,, liebe Seelenführerin" der er über 1700 Briefe schrieb. Die Neugier führte die beiden zusammen. Sie, die reife Frau, und er, der junge, dynamische Sturm und Dränger. Charlotte machte aus ihm, der vorher noch ein jugendlicher Rebell war, einen reifen Mann, gab ihm Ruhe, erzog und formte ihn.

Goethe beschrieb ihre Zweisamkeit in einem Brief an seinen Freund Wieland so:

,,Ich kann mir die Bedeutsamkeit, die Macht, die diese Frau über mich hat nicht anders erklären als durch die Seelenwanderung."

Frau von Stein war damals einer der Hauptgründe, der ihn in Weimar hielt.

Außer zu ihr, dem Herzogenpaar und Wieland pflegte Goethe auch noch gute Beziehungen zu der Herzogin Mutter Anna Amalia.

Diese gründete den Musenhof, an den sie berühmte Künstler, wie zum Beispiel auch Wieland oder Herder rief , ohne dabei auf deren sozialen Stand zu achten.

Der Glanz dieser Berühmtheiten überstrahlte Weimars ärmliche Verhältnisse und trug so bedeutend zu seinem guten Ruf bei.

Auch wenn Goethe zu den Dichtern dieses Musenhofes gehörte, trug dies nicht zu seinem künstlerischen Schaffen in den ersten zehn Weimarer Jahren bei. Wie gesagt, er schrieb in dieser Zeit kaum etwas, stürzte sich mehr und mehr nur in die politische Arbeit. Er entwarf zwar einige Dramen, konnte aber keines beenden.

Etwas Poetisches kam außer zwei kleinen Gedichten nicht zu Stande. In diesen kommt aber sehr stark die Sehnsucht nach Italien hervor.

Auch auf politischen Wege kam er nicht richtig weiter. Er klagte immer mehr über seine Ohnmacht, etwas zu verändern. Goethe engagierte sich aufopferungsvoll für die Belange der Bauern und will das Land nach bürgerlichen Maßstäben reformieren.

Aber die wichtigen grundlegenden Veränderungen werden aus irgendwelchen Gründen immer wieder blockiert oder verschoben.

Im April 1780 schrieb er in sein Tagebuch:

,,Doch ist mirs wie dem Vogel der sich im Zwirn verwickelt hat: daß ich Flügel habe und sie sind nicht zu brauchen."

Auf Grund dieser Ohnmacht, besann Goethe sich aber wieder häufiger auf sich selbst und schrieb auch wieder etwas mehr.

Am dritten September brach Goethe urplötzlich dann nach Italien auf. Das Hofleben behagte ihm immer weniger und hinzu kamen noch Spannungen mit Charlotte. Er schrieb ein Urlaubsgesuch und brach nachts um drei Uhr auf, ohne irgendjemandem etwas davon gesagt zu haben. Vor allem Frau von Stein fühlte sich durch seine plötzlich Abreise gekränkt.

Die Reise wirkte auf Goethe allerdings Wunder. Er malt sehr viel und schreibt auch eine Vielzahl an Gedichten und Stücken. Zum Beispiel ` Iphigenie auf Tauris'. Am 17. März 1788 schrieb er in Rom :

,, Ich darf wohl sagen, ich habe mich in dieser anderthalbjährigen Einsamkeit selbst wiedergefunden; aber als was? - Als Künstler! Was ich sonst noch bin werden Sie beurteilen und nutzen..."

In dieser Zeit sammelte Goethe neue Kräfte und kommt völlig erholt und von dem klassischen Stil beeinflusst 1788 zurück.

Die Zeit nach der Italienreise ( ein Überblick )

Noch in Italien regelte Goethe seine Stellung in Weimar und war nun, als er zurück kam von allen amtlichen Pflichten entbunden. Er behielt lediglich sein Gehalt und seinen Platz im Rat. In einem Park lernt er dann schnell die Manufakturarbeiterin Christiane Vulpius kennen und lieben.

In Weimar spricht sich dies blitzartig herum und für seine Beziehung zu Charlotte von Stein bedeutet diese Verbindung das Ende. Mit ihr rüstet sich die gesamte Weimarer Gesellschaft gegen Goethe.

Vor allem in der Zeit vor der Ehe, die erst 1806 beschlossen wurde, wurde Goethe sehr viel Missachtung entgegen gebracht. Die Liebe zu Christiane stellt Goethe in dem Gedichtzyklus ` Römische Elegien ' dar.

1789 gebar Christiane Goethes ersten und einzigen Sohn August, der 1830 in Rom starb. Goethe fand, neben der Liebe zu Christiane viele neue Tätigkeitsbereiche in Weimar nach seiner Italienreise.

So leitete er von 1791 bis1817 das Weimarer Hoftheater. Zusammen mit Friedrich Schiller, der ihm seit 1794 ein guter Freund geworden war, schrieben und inszenierten sie viele Stücke, in denen Goethe auch selbst mitwirkte.

Außerdem übernahm er mit großer Freude die Leitung und Verwaltung der Bibliothek. Goethe widmete sich in dieser Zeit, wahrscheinlich vor allem durch die Freundschaft zu Schiller, wieder sehr seinen literarischen Werken. Mit Friedrich zusammen entstehen zum Beispiel die `Xenien'. Schiller siedelte auch bald nach Weimar um, um intensiver mit Goethe zusammen zuarbeiten. Der Umzug gab Goethe noch mehr Kraft, seine Memoiren und Gedichte fortzusetzen und zu erweitern.

Als Schiller 1805 starb, verlor die Stadt Weimar einen ihrer berühmtesten Dichter und Goethe einen guten und treuen Freund. Goethe beendete gerade sein Lebenswerk ` Faust I `, an dem er seit 1773 arbeitete, als er 1806 Christiane heiratete Insgesamt widmete er diesem Werk sechzig Jahre seines Lebens am 21. Juli 1831 trägt Goethe in sein Tagebuch ein, das Werk sei fertig. Faust I und II und seine ` geniehaft' vielen anderen Werke haben Johann Wolfgang von Goethe heute wohl zu dem bekanntesten Dichter Weimars und vor allem auch Deutschlands gemacht.

Die Stadt und alle Menschen, die ihn mit geprägt haben können sehr stolz auf ihr Werk sein, denn Weimar hat sehr viel von Goethes über 50 jährigen Lebens dort profitiert. Sie war damals schon die ` geistige Hauptstadt Deutschlands ', ist es, und wird es auch immer bleiben. Aber es hat nicht nur Weimar von Goethe, nein, auch er hat von Weimar profitiert. Er selbst sagte in einem Gespräch mit Eckermann, den er auf Empfehlung nach Weimar gerufen hat:

,,Wo finden sie auf einem Fleck noch so viel Gutes ?"

Die kleine Stadt in Sachsen gab ihm Selbstständigkeit in allen Bereichen, viele neue Erfahrungen und zeigte ihm die gesellschaftliche Wirklichkeit.

Zwischen seinen vielen Reisen, die er stets zu seiner Ablenkung machte, kam er immer wieder gerne nach Weimar zurück und starb dort auch im März 1832.

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Details

Titel
Der Weimarer Hof und das Leben in Weimar - Goethe zwischen Beruf und Berufung
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V98048
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Referat sind noch ein paar Tempora Fehler, die ich nicht korrigiert habe. Bitte schickt mir ein Feedback, falls es euch gefallen und genutzt hat. Danke
Schlagworte
Goethe, Weimar, Charlotte von Stein, Hof
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Michelle Glatte (Autor), 2000, Der Weimarer Hof und das Leben in Weimar - Goethe zwischen Beruf und Berufung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98048

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