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Die Leere der Sprache. Die Sprachkrise bei Hofmannsthal und Nietzsche

"Der Brief des Lord Chandos" von Hugo von Hofmannsthal und "Ueber Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne" von Friedrich Nietzsche

Title: Die Leere der Sprache. Die Sprachkrise bei Hofmannsthal und Nietzsche

Seminar Paper , 2019 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Unter den zahlreichen Texten, die sich mit der Sprachkrise beschäftigen, wird in dieser Proseminararbeit ein besonderes Hauptaugenmerk auf die Texte “Der Brief des Lord Chandos” von Hugo von Hofmannsthal und “Ueber Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” von Friedrich Nietzsche gelegt. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, welche Hinweise sich auf die damals herrschende Sprachkrise in den beiden oben genannten Texten finden lassen, und wie diese Texte anhand ihres Inhalts miteinander verbunden werden könnten.

Die Arbeit gliedert sich in vier Teile, wobei im ersten Teil der Begriff der Sprachkrise in Bezug auf ihr Auftreten und ihre Auswirkungen in der Literatur und die Hintergründe zu deren Entstehung beschrieben wird. Anschließend werden bei den beiden oben genannten Texten mithilfe von Sekundärliteratur mehrere Zugänge erschlossen, mit deren Hilfe man die Schriftstücke auf diverse Kriterien, die auf eine Sprachkrise hinweisen könnten, untersucht und analysiert. Der Text “Der Brief des Lord Chandos” enthält eine wichtige Schlüsselszene, deren Analyse einen kurzen Überblick über die Rolle der Tiere in Hofmannsthals Literatur um 1900 geben soll. Am Ende der Arbeit werden die beiden Texte in eine Beziehung zueinander gebracht und die Zusammenhänge abschließend in argumentierender Form und mithilfe von ausgewählten Textstellen erläutert.

Auch wenn man bei dem Begriff “Medium” nicht unbedingt als Erstes an die Sprache an sich denkt, so ist sie doch das mit Abstand am häufigsten verwendete Medium. Die menschliche Sprache ist ein Phänomen, das als wichtigstes Kommunikationsmittel der Spezies nicht mehr wegzudenken ist und dessen immerwährende Omnipräsenz mit einer Selbstverständlichkeit hingenommen wird, wie bei keinem anderen existenten Medium.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts trat erstmals ein Wandel in Bezug auf die bisherige Unantastbarkeit der Sprache als unfehlbares Kommunikationsmittel auf. Dieser wirkte bis in das 20. Jahrhundert hinein und wurde von mehreren Schriftstellern in ihren Werken thematisiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Sprachkrise um 1900

2.1. Hintergründe

2.2. Der Wandel der Sprachauffassung

3 Sprachkrise in “Ein Brief”?

3.1. Hinweise auf eine Sprachkrise bei Hofmannsthal

3.2. Zwei Arten der Poetik bei Hofmannsthal

3.2.1. Laktopoetik

3.2.2. Sakrifizielle Poetik

3.3. Die Ratten-Szene

3. 3.1. Wechsel der Poetiken

3.3.2. Das Tierbild der Ratten bei Hofmannsthal

4 Die Sprachkrise bei Friedrich Nietzsche

4.1. Anthropozentrismus der Sprache

4.2. Die Sprache als Metapher

4.3. Das Vergessen des Vergessens

5 Sprachkrise - Hofmannsthal vs. Nietzsche

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die um 1900 aufkommende Sprachkrise anhand von Hugo von Hofmannsthals „Der Brief des Lord Chandos“ und Friedrich Nietzsches „Ueber Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“, um Gemeinsamkeiten in der Reflexion über die Unzulänglichkeit der Sprache aufzuzeigen.

  • Historische Hintergründe und Wandel der Sprachauffassung um 1900
  • Analyse der Sprachskepsis bei Hofmannsthal unter Berücksichtigung von Laktopoetik und sakrifizieller Poetik
  • Untersuchung der Metaphorizität und des Anthropozentrismus bei Nietzsche
  • Die Rolle von Tierbildern als Schlüsselmoment der Sprachkrise
  • Komparative Gegenüberstellung der Sprachkritik beider Autoren

Auszug aus dem Buch

3.3. Die Ratten-Szene

Alles war in mir: die mit dem süßlich scharfen Geruch des Giftes angefüllte kühldumpfe Kellerluft und das Gellen der Todesschreie, die sich an den modrigen Mauern brachen; diese ineinander geknäulten Krämpfe der Ohnmacht, durcheinander hinjagenden Verzweiflungen; das wahnwitzige Suchen der Ausgänge; der kalte Blick der Wut, wenn zwei einander an der verstopften Ritze begegnen. (Hofmannsthal 2015, S. 40)

Kaum eine Szene sticht derart aus Hofmannsthals Text heraus, wie diese. Lord Chandos gibt in Auftrag, “den Ratten in den Milchkellern eines meiner Meierhöfe ausgiebig Gift zu streuen.” Die oben beschriebene Szene, die den “Todeskampf dieses Volkes von Ratten” beschreibt, offenbart sich dem Lord Chandos während eines abendlichen Ausritts, sie tut sich in seinem “Inneren” auf . (Hofmannsthal 2015, S. 39 f.) Er scheitert an dem Versuch, mithilfe eines literarischen Vergleichs, wobei er hier einerseits auf die Zerstörung von Karthago, andererseits auf die von Alba Longa Bezug nimmt, zu beschreiben, was er “in sich trug”. Er beschreibt dies mit den Worten “es war mehr, es war göttlicher, tierischer”. Genau diese Szene, indem erstmals die Sprache von etwas Transzendalem ist, dient als Schlüsselstelle, in der die Laktopoetik der sakrifiziellen Poetik weicht. (Vgl. Wellbery 2006, S. 212 f.)

Da war eine Mutter, die ihre sterbenden Jungen um sich zucken hatte und nicht auf die Verendenden, nicht auf die unerbittlichen steinernen Mauern, sondern in die leere Luft, oder durch die Luft ins Unendliche hin Blicke schickte und diese Blicke mit einem Knirschen begleitet! -Wenn ein dienender Sklave voll ohnmächtigen Schauders in der Nähe der erstarrenden Niobe stand, der muss das durchgemacht haben, was ich durchmachte, als in mir die Seele des Tieres gegen das ungeheure Verhängnis die Zähne bleckte. (Hofmannsthal 2015, S. 40)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Sprachkrise um 1900 und Vorstellung der gewählten Primärtexte von Hofmannsthal und Nietzsche.

2 Die Sprachkrise um 1900: Erläuterung der historischen Umbrüche und des Wandels in der Sprachauffassung, der die Identität von Sprache und Wirklichkeit infrage stellte.

3 Sprachkrise in “Ein Brief”?: Analyse von Hofmannsthals „Ein Brief“ sowie dessen poetologischer Ansätze und der symbolischen Bedeutung der Ratten-Szene.

4 Die Sprachkrise bei Friedrich Nietzsche: Untersuchung von Nietzsches Kritik am anthropozentrischen Charakter der Sprache sowie deren substanzloser Natur als bloßes Metapherngeflecht.

5 Sprachkrise - Hofmannsthal vs. Nietzsche: Komparative Analyse, die die Gemeinsamkeiten in der Metaphorizität der Sprache und der persönlichen Krise des Subjekts herausarbeitet.

6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf weiterführende Fragestellungen zum Thema.

Schlüsselwörter

Sprachkrise, Sprachskepsis, Hofmannsthal, Nietzsche, Der Brief des Lord Chandos, Ueber Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, Laktopoetik, sakrifizielle Poetik, Metapher, Anthropozentrismus, Jahrhundertwende, Sprachphilosophie, Tierbild, Literaturwissenschaft, Realitätsverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und theoretischen Reflexion über die Krise der Sprache, die um die Jahrhundertwende 1900 auftrat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Sprachskepsis, das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit sowie die Kritik am anthropozentrischen Weltbild.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, in Hofmannsthals „Ein Brief“ und Nietzsches „Ueber Wahrheit und Lüge“ Hinweise auf die Sprachkrise zu finden und inhaltliche Verbindungen zwischen den Autoren aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur, um die Texte auf sprachkritische Kriterien hin zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Hintergründe der Sprachkrise, die poetologischen Konzepte bei Hofmannsthal sowie Nietzsches dekonstruktive Sprachkritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Sprachkrise, Metaphorizität, Sprachskepsis, Anthropozentrismus, Hofmannsthal und Nietzsche.

Warum spielt die „Ratten-Szene“ bei Hofmannsthal eine zentrale Rolle?

Sie dient als Schlüsselstelle, an der die „Laktopoetik“ in die „sakrifizielle Poetik“ übergeht und die Grenze zwischen Subjekt und Objekt verschwimmt.

Wie unterscheidet Nietzsche den „intuitiven“ vom „vernünftigen“ Menschen?

Der intuitive Mensch zeichnet sich durch Hohn über die Abstraktion aus, während der vernünftige Mensch durch eine Angst vor der Intuition und den Fokus auf Schemata geprägt ist.

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Details

Title
Die Leere der Sprache. Die Sprachkrise bei Hofmannsthal und Nietzsche
Subtitle
"Der Brief des Lord Chandos" von Hugo von Hofmannsthal und "Ueber Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne" von Friedrich Nietzsche
College
University of Vienna
Grade
2,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2019
Pages
14
Catalog Number
V983747
ISBN (eBook)
9783346340245
ISBN (Book)
9783346340252
Language
German
Tags
Sprachkrise Hofmannsthal Nietzsche
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2019, Die Leere der Sprache. Die Sprachkrise bei Hofmannsthal und Nietzsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983747
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