Ziel der Arbeit ist es, die Arten der Freundschaft nach Aristoteles detailliert darzustellen, da sie als fachwissenschaftliche Grundlage für den Ethikunterricht dienen und diese anschließend in einen unterrichtlichen Kontext zu bringen, um zu prüfen, ob Aristoteles` Position als Unterrichtsinhalt in einen aktuellen Kontext gesetzt werden kann, um einen Lebensweltbezug für die Lernenden herzustellen. Hierfür werden die drei Arten der Freundschaft nach Aristoteles definiert, nachdem zuvor die fachwissenschaftlichen Gründe für die Behandlung von Freundschaft aufgegriffen werden. Es folgt eine kurze Einleitung zum Thema Freundschaft und soziale Medien, bevor mithilfe fachdidaktischer Forderungen und Positionen (Lebensweltbezug und Problemorientierung) geprüft wird, inwiefern sich die erläuterte fachwissenschaftliche Position in den unterrichtlichen Kontext umsetzen lässt. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fachwissenschaftliche Gründe für die Auseinandersetzung mit Freundschaft
3 Freundschaft nach Aristoteles
3.1 Das Liebenswerte und die Freundschaft zu leblosen Dingen
3.2 Zusammenfassung der bisherigen Aspekte zur Freundschaft
4 Die drei Arten der Freundschaft
4.1 Freundschaft aufgrund von Nutzen
4.2 Freundschaft aufgrund von Lust
4.3 Freundschaft aufgrund des Guten – die vollkommene Freundschaft
4.4 Die vollkommene Freundschaft als Verbindungsglied von Freundschaft und Tugend
5 Aristoteles` Freundschaftsbegriff und soziale Medien?
6. Fachdidaktische Forderungen
7. Lebensweltbezug und Problemorientierung
Fazit
Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert den Freundschaftsbegriff nach Aristoteles in der Nikomachischen Ethik, um dessen Aktualität und unterrichtliche Umsetzbarkeit in der Sekundarstufe I zu prüfen. Dabei wird untersucht, wie die drei aristotelischen Freundschaftsarten als fachwissenschaftliche Grundlage dienen können, um ethische Reflexionsprozesse bei Lernenden zu fördern.
- Systematische Darstellung der drei Arten der Freundschaft nach Aristoteles.
- Verbindung von antiker Philosophie mit modernen Phänomenen wie sozialen Medien.
- Didaktische Transformation aristotelischer Positionen für den Ethikunterricht.
- Implementierung von Lebensweltbezug und Problemorientierung in die Unterrichtsplanung.
- Analyse der Relevanz für den Lehrplan der gymnasialen Bildung (Jahrgangsstufe 6).
Auszug aus dem Buch
4.3 Freundschaft aufgrund des Guten – die vollkommene Freundschaft
Im Gegensatz zu den unbeständigen und akzidentellen sowie relationalen Eigenschaften der Freundschaft aus Nützlichkeit oder Lust glänzt die vollkommene Freundschaft durch Eigenschaften, die dem Geblieben an sich zugeschrieben werden können. Der Geliebte erfährt die Liebe nicht dadurch, dass der Liebende einen Vorteil daraus ziehen kann, sondern dass er vom Liebenden als gut und tugendhaft eingeschätzt wird, und genau in der Hinsicht wird ihm auch Gutes gewünscht. Außerdem schließt die Freundschaft zwischen Guten die Nützlichkeit und das Angenehme mit ein, denn diese werden vom Guten erstrebt, ohne sie jedoch zum Hauptgrund der Freundschaft zu machen (vgl. Wolf 2002, S.217). Daraus folgt, dass diese höchste Art der Freundschaft nur zwischen Menschen entstehen kann, die gut und tugendhaft sind, denn sie sind in der Lage, Gutes um des Freundes selbst willen zu wünschen. Freunde, welche dies erfüllen, seien nach Aristoteles die vollkommensten Freunde (2018, S.256). Diejenigen, die wegen ihrer Gutheit geliebt werden, sind außerdem nicht nur für den Liebenden gut, sondern an sich gut, unabhängig davon, dass der Liebende ihnen diese Eigenschaft zuschreibt. Dies bedeutet, dass die Gutheit auch beständig bleibt, wenn der Liebende beschließen würde, dem Geliebten diese Eigenschaft abzusprechen. Denn diese ist nicht durch den Liebenden zustande gekommen, wie die Eigenschaft der Nützlichkeit oder Befriedigung der Lust, sondern ist im Geliebten an sich vorhanden und besteht weiter. Ist eine vollkommende Freundschaft zwischen Guten vorhanden, ist auch kein Austausch einer der Freunde möglich oder notwendig, denn das Gute ist unabhängig von jeglichem Kontext und jegliche Veränderung des Liebenden und dessen Bedürfnissen hat keinen Einfluss auf den Geliebten und der Grund des Liebens bleibt unverändert weiterbestehen, anders als bei der zuvor erläuterten unvollkommenen Freundschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der aristotelischen Freundschaftsethik ein und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext schulischer Bildung.
2 Fachwissenschaftliche Gründe für die Auseinandersetzung mit Freundschaft: Dieses Kapitel begründet die ethische Notwendigkeit der Untersuchung von Freundschaft als Teil des „guten Lebens“ und als Tugend.
3 Freundschaft nach Aristoteles: Es wird die philosophische Basis gelegt, indem das Liebenswerte und die Abgrenzung zur Freundschaft mit leblosen Objekten erörtert werden.
4 Die drei Arten der Freundschaft: Das Kernkapitel differenziert zwischen Nutz-, Lust- und vollkommener Freundschaft und analysiert deren Stabilität sowie Bedingungen.
5 Aristoteles` Freundschaftsbegriff und soziale Medien?: Hier erfolgt der Transfer der antiken Theorie auf heutige digitale Freundschaftskonstrukte wie Instagram oder Dating-Apps.
6. Fachdidaktische Forderungen: Das Kapitel verknüpft die fachwissenschaftlichen Inhalte mit den Vorgaben des Lehrplans für die Sekundarstufe I.
7. Lebensweltbezug und Problemorientierung: Es wird diskutiert, wie durch didaktische Transformation ein Zugang für Schülerinnen und Schüler zu aristotelischen Texten geschaffen werden kann.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die aristotelische Ethik auch heute hohe Relevanz besitzt und durch problemorientierten Unterricht erfolgreich in den Schulalltag integriert werden kann.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Tugend, Wohlwollen, Lebensweltbezug, Ethikunterricht, Didaktische Transformation, Soziale Medien, Nutzfreundschaft, Lustfreundschaft, Vollkommene Freundschaft, Problemorientierung, Sekundarstufe I, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Freundschaftsbegriff nach Aristoteles in seinem Werk Nikomachische Ethik und analysiert dessen Potenzial für den Ethikunterricht in der Sekundarstufe I.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die aristotelische Tugendethik, die Differenzierung zwischen Nutz-, Lust- und vollkommener Freundschaft sowie die didaktische Vermittlung philosophischer Inhalte im Kontext einer digitalen Lebenswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die philosophischen Grundlagen der aristotelischen Freundschaftslehre detailliert darzulegen und zu prüfen, inwieweit diese in aktuelle unterrichtliche Kontexte für Jugendliche übersetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt eine fachwissenschaftliche Analyse der Primärquelle (Nikomachische Ethik) und verbindet diese mit fachdidaktischen Konzepten der Lebensweltorientierung und Problemorientierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Arten der Freundschaft definiert, kritisch auf aktuelle digitale Kommunikationsformen bezogen und schließlich in einen unterrichtsdidaktischen Rahmen eingeordnet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Vollkommene Freundschaft", "Akzidentelle Freundschaft", "Didaktische Transformation", "Lebensweltbezug" und "Eunoia" (Wohlwollen).
Inwieweit lässt sich Aristoteles auf soziale Medien anwenden?
Die Autorin zeigt auf, dass moderne Online-Freundschaften häufig "akzidenteller Natur" sind, da sie oft auf Nutzen oder Lust basieren und somit nicht die Kriterien der vollkommenen Freundschaft erfüllen.
Wie lässt sich Aristoteles Sechstklässlern vermitteln?
Durch die sogenannte didaktische Transformation und das Kaffeefiltermodell können Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Erfahrungen in den Unterricht einbringen, wodurch die antiken Texte als Antwort auf ihre eigene Lebenswelt erfahrbar werden.
- Arbeit zitieren
- Jana Held (Autor:in), 2019, Der Freundschaftsbegriff nach Aristoteles. Die drei Arten der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik, ihre Aktualität und die Umsetzbarkeit im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983932