Kompetenzentwicklung der Patientenberatung und Patientenedukation innerhalb der dreijährigen NotfallsanitäterInnen-Ausbildung


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung: Patientenberatung / Patientenedukation
2.1 Patientenberatung / Beratung
2.2 Patientenedukation

3. Einsatzbeispiel mit geforderten Beratungskompetenzen

4. Inhaltliche Untersuchung der Notfallsanitäter/innen Ausbildung im Rahmen von Patientenberatung und Patientenedukation
4.1. Notfallsanitätergesetz
4.2. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung
4.3. Notfallsanitäter Curriculum

5. Zusammenfassung

6. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der täglichen Arbeit der Rettungsdienste wird das nichtärztliche Personal häufig mit notfallunspezifischen Situationen und Fragen sowie einer Non-Adhärenz seitens der Patienten/innen konfrontiert. Die Ergebnisse der Analyse des Leistungsniveaus im deutschen Rettungsdienst für die Jahre 2016 und 2017 zeigen eine Einsatzrate von rund 169 Einsätzen pro 1.000 Einwohner und Jahr in Deutschland. „52,5 % des Einsatzaufkommens wurden vom Leitstellenpersonal als Notfall eingestuft, 47,5 % entfallen auf die Kategorie Krankentransport“ (Schmiedel, 2019, S. 3f) und entsprechen notfallunspezifischen Einsätzen. Besonders im Rahmen der unspezifischen Einsatzsituationen sind die Anforderungen an die Notfallsanitäter/innen zunehmend eine edukative Beratung sowie die supportive Unterstützung der Patienten/innen und Mitwirkenden. Ein Beispiel der edukativen und supportiven Arbeit der Notfallsanitäter/innen sind Anleitungsgespräche, wie z.B. die korrekte Handhabung von Notfallrespiratoren oder die erneute Indikationsbeschreibung der persönlichen Notfallmedikamente. Auf Grund der durch die zuständigen Rettungsdienstleitstellen eingeschätzten Lagen, wird in über 47,5 % der Fälle nur ein Rettungstransportwagen (RTW) zu den betreffenden Notfallorten disponiert. Die Besetzung der RTW ist gemäß Rettungsdienstgesetz oder Landesrettungsdienstplanverordnung der einzelnen Länder geregelt und muss mit mindestens einem oder einer Notfallsanitäter/in besetzt werden (Landesrettungsdienstplanverordnung - LRDPV, 2019). Die Notfallsanitäter/innen müssen die anfallenden Beratungssituationen oftmals gänzlich ohne ärztliche Hilfe beherrschen und die richtigen Entscheidungen daraus ableiten. Dies ergibt die Analyse des Leistungsniveaus 2016/2017, in der drei Fünftel aller Notfalleinsätze ohne die Hinzunahme eines Notarztes durchgeführt wurden (Schmiedel, 2019, S. 3f). Ich möchte in dieser Arbeit auf die Inhalte sowie den Umfang der dreijährigen Notfallsanitäter/innen Ausbildung näher eingehen, um festzustellen wie intensiv auf die späteren Beratungssituationen vorbereitet wird. Im ersten Schritt erfolgt eine Erklärung der Begriffe Patientenberatung und Patientenedukation. Unter Punkt 3 wird anhand eines Einsatzbeispiels der Rettungswache Teltow aus dem Jahr 2016 den Lesern der Einstieg in das Thema erleichtert und die Notwendigkeit von Beratungskompetenzen verdeutlicht. Folgend werden unter Punkt 4 die Inhalte der Notfallsanitäter/innen Ausbildung auf die Vermittlung, Prüfung und Förderung von Patientenberatungs-, Patientenedukations- und Kommunikationsfertigkeiten untersucht. Um die Inhalte analysieren zu können, werden unter Punkt 5 das Notfallsanitätergesetz (NotSanG, 2013), die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (NotSan-APrV, 2013) sowie ein sich in Anwendung befindliches Curriculum (Ohder et al., 2018) als Untersuchungsgegenstände genutzt. Abschließend folgt eine kurze Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse sowie ein eigenes Fazit.

2. Begriffserklärung: Patientenberatung / Patientenedukation

Ein gemeinsamer Schwerpunkt der Patientenberatung und Patientenedukation ist die Verbesserung der Selbststeuerungsfähigkeiten, beide zählen zu den kommunikativen Interventionsstrategien und stehen sich konzeptionell sehr nah (BZgA, 2018, S. 729). Inhaltliche Schwerpunkte der Patientenedukation finden sich auch in der Notfallsanitäter/innen Ausbildung und sind unter den Begriffen Patienteninformation und Patientenberatung verortet (Ohder et al., 2018, S. 79-86). Des Weiteren sollen Patientenberatung und Patientenedukation die Patienten/innen dabei unterstützen, ein Leben mit Chronizität eigenverantwortlich zu meistern, was auch durch eine international zunehmende Evidenz aufgezeigt wird (BZgA, 2018, S. 729). Die Patientenedukation richtet den Fokus dabei nicht nur auf die Erkrankten sondern auch auf alle Mitwirkenden (Zegelin et al., 2018, S. 370f). Auch wenn sie nah beieinander liegen haben sie dennoch unterschiedliche Schwerpunkte. Im Folgenden 2.1 Patientenberatung und 2.2 Beratung werden diese Begriffe weitestgehend getrennt voneinander beschrieben.

2.1 Patientenberatung / Beratung

Eine Beratung soll helfen, eine Problemsituation einzuordnen, verständlich zu machen und unterstützt die Ratsuchenden dabei mit Deutungs- und Orientierungshilfen (BZgA, 2018, S. 729). Inhalte einer Beratung sind die Weitergabe von Informationen und aufklärendem Wissen sowie die Förderung der patienteneigenen Gesundheitskompetenz (Axel, 2016, S. 167; BZgA, 2018, S. 729). Als Kurzzeitinterventionen werden Beratungen meist mit Individuen oder Gruppen in Form einer Face-to-face-, telefonischen, schriftlichen, internetbasierten Kommunikation und weiteren durchgeführt (BZgA, 2018, S. 729). Die Ratsuchenden sollen unabhängig vom Kommunikationsmedium durch eine Beratung befähigt werden, eine Erkrankung in den Alltag zu integrieren, die eigene Gesundheit zu fördern und weitere Komplikationen zu verhindern oder zu bewältigen (Axel, 2016, S. 167f). Traditionell hat die Patientenberatung einen hohen Stellenwert im Gesundheitswesen und wendet sich mit einem breiten Aufgabenspektrum an unterschiedlichste Zielgruppen (Schaeffer & Schmidt-Kaehler, 2012, S. 11). Der rechtliche Auftrag einer unabhängigen Patientenberatung ist nach SGB V (für die Krankenversicherung), SGB IX (Rehhabilitation) und SGB XI (soziale Pflegeversicherung) geregelt ( BZgA, 2018, S. 729f). Eine Vielzahl weiterer Beratungssektoren hat die gesetzlichen Angebote in den letzten Jahren ergänzt und zeigt eine weiter zunehmende Institutionalisierung von Beratungssektoren an. Auf Grund der steigenden Angebote besteht allerdings die Gefahr einer Unübersichtlichkeit für die Patienten/innen (BZgA, 2018, S. 729f; Schaeffer & Schmidt-Kaehler, 2012, S. 11). Die Themenbereiche der institutionalisierten Beratungssektoren decken dabei medizinische, finanzielle und versicherungsrechtliche Hilfen ab, die den Ratsuchenden bei der Orientierung im Gesundheits- und Versorgungswesen helfen sollen (BZgA, 2018, S. 730; Schaeffer & Schmidt-Kaehler, 2012, S. 11). Zusammengefasst soll eine Beratung die Fähigkeiten der zu Beratenden fördern sowie in konfusen Problemsituationen mögliche Hilfen aufzeigen und kann nicht mit bloßer Informations- oder Wissensvermittlung übersetzt werden (BZgA, 2018, S. 730). Beratungskompetenzen in Bezug auf die Notfallsanitäter/innen Ausbildung sind u.a. in den Inhalten der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung verortet. Hier sollen die Fähigkeiten zur Durchführung einer Beratung von Hilfesuchenden oder Hilfebedürftigen sowie die Kommunikation und Interaktion mit Menschen jeden Alters abschließend überprüft werden (NotSan-APrV, 2013, S. §16, Abs. 2).

2.2 Patientenedukation

Zur Thematik der Edukation oder Patientenedukation liegt bereits ein breites Spektrum an Literatur vor, das die Aufgaben von Beratung und Edukation darstellt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fasst die Patientenberatung und Patientenedukation in dem vom 2018 herausgegebenen Glossar „Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention“ zusammen und beschreibt diese als einen Teil des Gesundheitswesens mit dem Schwerpunkt der Chronizität (BZgA, 2018, S. 730). Im deutschen Sprachgebrauch wird Patientenedukation auch als Patientenschulung, im Englischen eher als umfassende Bildung verstanden (BZgA, 2018, S. 730; Zegelin et al., 2018, S. 370). Vor dem Paradigmenwechsel war die Patientenedukation angehalten als Anleitungs- oder Unterweisungsprozess, eine Wissenserweiterung bei den Patienten/innen zu erzielen, um damit die Befolgung der Therapieschemata sowie der Krankheitseinsicht bzw. Compliance zu fördern (ebd, S. 730f). Auf Grund eines stellenweisen paternalistischen Verständnisses der Patientenrolle sollte Edukation mittels reiner Wissensvermittlung eine Verhaltensänderung bei den Betroffenen provozieren.

Die reine Wissensvermittlung wurde in den letzten Jahren um den Schwerpunkt der Kompetenzförderung erweitert und besitzt auch heute eine tragende Rolle in den Edukationsprogrammen (ebd, S. 730f). Im Mittelpunkt der Patientenedukation steht die Befähigung der Patienten/innen und Mitwirkenden, ein Leben mit Chronizität mittels aufklärendem Wissen und der Stärkung der persönlichen Problemlösekompetenz zu fördern (ebd, S730f). Dabei greifen die Konzepte der verschiedenen Edukationsprogramme auf eine Vielzahl von Herangehensweisen zurück. (ebd, S. 730f). Auf die strukturierten Schulungsprogramme, die Selbstmanagementunterstützung, die Health Literacy und das Coaching/Case Management, wird im nächsten Schritt kurz eingegangen. Innerhalb des Spektrums der strukturierten Schulungsprogramme liegen die Strategien auf der:

„» Vermittlung aufklärenden Wissens zur Förderung eines differenzierten Krankheitsund Therapieverständnisses, » Aufbau einer angemessenen Einstellung zur Krankheitsbewältigung sowie zur Übernahme von Eigenverantwortung, » Sensibilisierung der Körperwahrnehmung, um Warnsignale und sich anbahnende Krankheitskrisen erkennen zu können, » gezielte Vermittlung von Fähigkeiten zur Selbstbeobachtung und zur Selbststeuerung, » Befähigung zur Durchführung von Maßnahmen zur Vermeidung akuter Krankheitskrisen und Krankheitsfolgen sowie Stärkung sozialer Kompetenzen zur Ressourcenerschließung und zur Mobilisierung sozialer Unterstützung.“ (ebd, S. 731) Teile der strukturierten Schulungsprogramme finden sich auch im Kompetenzkatalog der Notfallsanitäter/innen Ausbildung, wie z.B. im Lernfeld 6 des Baden-Württemberg 2018 verfassten Curriculums wieder (Ohder et al., 2018, S. 78f). Selbstmanagementunterstützung als eine weitere wichtige Strategie der Patientenedukation ist mit dem Begriff der Selbstversorgungsunterstützung oder self care support verbunden und wird im Sprachgebrauch teilweise nicht differenziert (BZgA, 2018, S. 731f). Ziel der Selbstversorgungsunterstützung ist eine belehrungsfreie aber unterstützende Problemanalyse aus Sicht der Patienten/innen und Mitwirkenden. Hier sollen die von den Patienten/innen als Problem identifizierten Symptome, Situationen und Bereiche behandelt werden, indem die Problemlösekompetenzen gestärkt werden und ein Krankheitsverständnis angestoßen wird (ebd, S. 731f). Die vor allem in den USA angestammten Selbstversorgungsunterstützungskonzepte richten sich primär an Gruppen und sind als Langzeitintervention (ebd, S. 731f) für den kurzzeitigen Wirkungsgrad der Notfallsanitäter/innen wenig relevant. Die dritte von der WHO 1998 unter dem Begriff Health Literacy entwickelte Strategie beschäftigt sich mit der „Herausforderung im Umgang mit Informationen“ (BZgA, 2018, S. 732) und richtet sich ursprünglich an ärmere Länder, um die Entwicklung von Infrastruktur, Literalität und Hygienekompetenzen zu verbessern (Zegelin et al., 2018, S. 374). „Sind Individuen nicht in der Lage, Gesundheitsinformationen zu erschließen und zu verstehen, können sie auch keine tragfähigen Gesundheitsentscheidungen treffen, die eigene Gesundheitserhaltung nicht angemessen managen oder ihre Belange so im Gesundheitswesen kommunizieren, dass es bestmöglich genutzt werden kann.“ (BZgA, 2018, S. 732) Auch hier sind die wesentlichen Strategien die Unterstützung bzw. Befähigung der Individuen, sich im Informationsdschungel zu orientieren, die Qualität von Informationen zu bewerten, relevantes Wissen beurteilen zu können und die Informationskompetenz im gesamten zu verbessern (ebd, S 732f). Als eine weitere Langzeitintervention richtet sich das Konzept des Coachings oder Case Managements an Patienten/innen mit komplexen Krankheitssituationen und soll bei der eigenständigen Bewältigung unterstützen (ebd, S. 732f). Coaching oder Case Management zählen zu den anwaltschaftlichen Unterstützungen und besitzen in der deutschen Gesundheitsförderung eine geringe Signifikanz (ebd, S. 732ff). „Anwaltschaft meint das aktive Eintreten für Gesundheit im Sinne der Beeinflussung politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller, biologischer Faktoren sowie von Umwelt- und Verhaltensfaktoren.“ (ebd, S. 230) Das Konzept des Coachings oder Case Managements will durch Empowerment bei vulnerablen Patientengruppen mit Hilfe gezielter Edukation die Selbststeuerungsfähigkeiten reaktivieren und die Bewältigungskompetenzen erweitern (ebd, S. 732f). Die Konzepte der Selbstmanagementunterstützung sowie des Coachings oder Case Managements finden sich inhaltlich auch in der Notfallsanitäter/innen Ausbildung wieder. Im Lernfeld 10 des Baden-Württemberger Curriculums werden unter dem Punkt „Gesundheit bei sich und bei anderen fördern“ die Grundlagen zur Salutogenese, Partizipation und Empowerment vermittelt (Ohder et al., 2018, S. 109). Die Patientenedukation ist bereits in vielen Sektoren des Gesundheits- und Versorgungswesens verankert und nicht mehr wegzudenken. Dennoch sollte der Ausbau der Konzepte und die weitere Implementierung des Coachings oder Case Managements vorangetrieben werden. Die Inhalte der Patientenedukation decken schon heute ein breites Spektrum an Themenbereichen ab und verzeichnen weiteren Zuwachs (ebd, S. 732f). Durch die Vielfältigkeit der Themen- und Aufgabenbereiche der Patientenedukation sollte diese auch ein Bestandteil der Notfallsanitäter/innen Ausbildung sein. Unter dem Punkt 4 soll diese Frage mit Hilfe der gesetzlichen und curricularen Vorgaben näher untersucht werden.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kompetenzentwicklung der Patientenberatung und Patientenedukation innerhalb der dreijährigen NotfallsanitäterInnen-Ausbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V985569
ISBN (eBook)
9783346345875
ISBN (Buch)
9783346345882
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kompetenzentwicklung, patientenberatung, patientenedukation, notfallsanitäterinnen-ausbildung
Arbeit zitieren
Alexander Franke (Autor), 2020, Kompetenzentwicklung der Patientenberatung und Patientenedukation innerhalb der dreijährigen NotfallsanitäterInnen-Ausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985569

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