Helmut Schmidt und die Neutronenwaffe


Seminararbeit, 2000
14 Seiten, Note: 1

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I. Einleitung

Der Gedanke an einen nuklearen Krieg ließ und läßt viele Menschen in der Bundesrepublik erschrecken. Deshalb war die sicherheitspolitische Diskussion über die Nachrüstung in der Regierungszeit von Helmut Schmidt wohl die schärfste nach der über die der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik unter Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahre 1955. Die deutsche Bevölkerung hatte Angst vor einem nuklearen Overkill. Friedensbewegungen gründeten sich und protestierten gegen den nuklearen Rüstungswettlauf der Supermächte und forderten eine Reduzierung dieser Waffen auf beiden Seiten.

Trotzdem drängte Helmut Schmidt auf scheinbar unverständlicher Weise im Nordatlantischen Bündnis (NATO) auf Nachrüstung, um sich der Bedrohung der sowjetischen militärischen Übermacht widersetzen zu können. Eine geeignete Waffe schien im die sogenannte Neutronenwaffe, auch “Enharenced Radiation Weapon” (ERW) ge- nannt. Für viele Menschen in Deutschland, die soeben den Erfolg der Entspannungspolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt und den erfolgreichen Abrüstungsverhandlungen SALT I - Verhandlungen im Jahre 1972 miterlebt hatten, war diese Forderung inakzeptabel und unverständlich. Zumal die Neutronenwaffe ein schier unvorstellba- re Perversion für die bedeutete, denn sie tötete zwar Menschen, ließ aber militärisches Material zum größten Teil unbeschädigt. So ist es bezeichnend, dass der Bundesgeschäftsführer der SPD Egon Bahr die Neutronenwaffe am 21. Juni 1977 in der Zeitung “Vorwärts” als “Perversion des Denkens” charakterisierte.1Der Artikel mit dem Titel “Ist die Menschheit dabei, verrückt zu werden” kann stellvertretend für die Ängste und Sorgen der Deut- schen angesehen werden, die sie mit der Aufrüstung der in Europa stationierten Waffen verbanden. Innerhalb der eigenen Partei und vor allem in der Öffentlichkeit geriet Schmidt den Druck, den amerikanischen Forderungen, die Neutronenwaffe zu stationieren, nicht nachzugeben. Doch der Bundeskanzler hielt an seiner Strategie der militärischen Parität fest und kämpfte sogar nach dem Scheitern der Neutronenwaffe weiter für die Nachrüstung. Deshalb setzte er sich auch für den NATO-Doppelbeschluss ein, der einerseits die Nachrüstung und Modernisie- rung der vorhandenen eurostrategischen Waffen und gleichzeitig Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion beinhaltete, ein.

Im Folgenden soll deshalb erstens erörtert werden, warum Helmut Schmidt trotz des innenpolitischen Wider- standes an der Forderung nach Nachrüstung und die Neutronenwaffe festhielt und zweitens welche Folgen die Entscheidung von US-Präsident Jimmy Carter die Waffe dann doch nicht zu bauen auf den NATO- Doppelbeschluss hatte.

Hierzu wird zunächst die politische Lage dargestellt werden, in der sich die Bundesrepublik zur Zeit der Diskussion befand. Um die Reaktion Schmidts besser verstehen zu können, be- darf es anschließend der Erklärung seiner politischen Einstellungen und Theorien. Vor allem die “Strategie des Gleichgewichts” von Schmidt, die er schon während seiner Zeit als Vertei- digungsminister unter Bundeskanzler Brandt erkennen ließ, wird im zweiten Teil näher be- leuchtet. Was die Neutronenbombe im Konkreten war, den Weg ihrer Entstehung und die Reaktion der Bundesregierung werden im dritten Abschnitt beschrieben. Der vierte und letzte Abschnitt der Hausarbeit wird die Konsequenzen der Entscheidung von Carter die Produktion der Neutronenbombe doch zu verschieben und die Gründe für den NATO-Doppelbeschluss aufzuzeigen.

Die vorhandene wissenschaftliche Literatur ermöglicht einen tiefen und sehr breit gefächerten Einblick in die Thematik. Besonders hervorzuheben ist “Sicherheit und Entspannung”2von Helga Haftendorn, aber auch “Deutschland Europa und Amerika”3von Wolfram F. Hanrie- der. Diese beiden Bücher, sowie von Karl Kaiser “Helmut Schmidt und Amerika”4, beschrei- ben anschaulich den Entscheidungsprozess, der mit der Neutronenwaffe und dem Doppelbe- schluss zusammenhing und erläutern so die eigentlichen politischen Hintergründe für Schmidts Handeln. Konkrete Fakten zu den einzelnen Beschlüssen und der Zusammenhang im Bezug der deutschen Politik vermittelt “Die SPD und der NATO-Doppelbeschluss”5von Anton Notz. Für die Darstellung von Schmidts “Strategie des Gleichgewichts” ist vor allem das gleichnamige Buch ausschlaggebend6, sowie die Rede vor dem “Institute for Strategic Studies” (IISS) in London von 1977.7

Durch die Komplexität des Themas können natürlich nicht alle Aspekte der Diskussion um die Neutronenwaffe und dem NATO-Doppelbeschluss erklärt werden. Vor allem die Sicht der Amerikaner wird nur kurz beleuchtet, die der Sowjetunion ganz fallen gelassen. Die Geschichte des Doppelbeschlusses wird nur sehr knapp ausfallen. Die letzt endliche Umsetzung unter Helmut Kohl wird nur am Rande erwähnt, wie auch die Diskussion um ihn. Die innenpolitischen Dimensionen und die Diskussionen innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sollen nur kurz erwähnt werden.

II. Hauptteil

1. Zur sicherheitspolitischen Lage

Als Helmut Schmidt 1974 zum Bundeskanzler gewählt wurde, verkündete er ganz im Sinne der abgelösten Re- gierung Brandts, “Kontinuität und Konzentration”.8Gleichzeitig mahnte er aber mehr auf Nüchternheit und Realität zu achten. Den mit Sorge betrachtete er, dass sich das Gleichgewicht der Mächte in Europa verschob: Während die USA ihr militärisches Potential in Europa verringerte, stieg das des Warschauer Paktes an. Schmidt befürchtete, dass die Sowjetunion die militärische Überlegenheit dazu nutzen könnte, den Westen politisch unter Druck zu setzten. So sah er sich zwei Grundproblemen ausgesetzt: zum einen der Bedrohung durch die Dislozie- rung sowjetischer SS-20 Raketen und die damit verbundene Verschiebung der Kräfteverhältnisse9(1.b) und zum anderen der Problematik, dass die ungefähre militärische Parität durch Abrüstungsverhandlungen fest geschrie- ben wurden, gleichzeitig aber Waffen, die Europa bedrohten, nicht in die Verhandlungen mit einbezogen wurden (1.b).

1.a. Entstehung des verschobenen Kräfteverhältnisses

Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre stationierten die USA nur provisorisch Mittelstreckenraketen in Großbritannien, Italien und in der Türkei, solange bis Interkontinentalraketen auch strategische Ziele in der Sowjetunion treffen konnten. Mitte der sechziger Jahre war dieses Ziel erreicht und die Vereinigten Staaten zogen ihre Raketen wieder ab. Auch die Sowjetunion rüstete auf, um mit dem Westen ein militärisches Gleich- gewicht zu erlangen. Allerdings zog sie, als die Parität erreicht war, ihre Waffen wie die Vereinigten Staaten nicht ab, sondern modernisierte sie und rüstete sogar weiter auf. Die SS-20-Raketen - mobil, mit drei Spreng- körpern bestückt und sehr treffsicher - ersetzten dabei die veralteten Modelle SS-4- und SS-5-Raketen. Mit einer Reichweite von 4600 bis 5000 Kilometern waren sie ein Synonym für die schwindende militärische Überlegen- heit der westlichen Allianz.10Außerdem sorgte sich Schmidt, dass wenn es zu einem tatsächlichen Einsatz von nuklearen Waffen käme, beide Teile Deutschlands zum Schlachtfeld des heißen Krieges geworden wären.

1.b. Abrüstungsverhandlungen

Schmidt begrüßte die Abrüstungsbestrebungen von US-Präsident Carter (1977 - 1980), der zu Beginn seiner Amtszeit sogar versuchte, alle noch offenstehenden Probleme zur Ratifizierung der “Strategic Arms Limitation Trade” (SALT) II -Verhandlungen zu lösen. Schmidt erkannte aber gleichzeitig die Schwierigkeiten, die mit den SALT II - Verhandlungen verbunden waren.11Denn das Verhältnis zwischen der Bundesregierung und der NATO, beziehungsweise zu den Vereinigten Staaten, war belastet. Der Grund lag darin, dass die Bundesrepublik befürchtete, die Vereinigten Staaten könnten sich von ihrer Bündnisrolle abkoppeln und nicht mehr ihre Vertei- digungspflicht im Falle eines militärischen Konfliktes mit der Sowjetunion erfüllen.12Der Inhalt von SALT-I aus dem Jahre 1972 - noch unter Präsident Richard Nixon ausgearbeitet - war für Schmidt eine Bestätigung, dass europäisches Interesse in den USA nicht genug berücksichtigte wurde.13Denn SALT-I bezog sich zwar auf stra- tegische Nuklear- und Trägerwaffen, doch die in Europa stationierten Waffensysteme “Forward Based Systems” (FBS) blieben ausgespart. Auch bei den Wiener Verhandlungen über die “Mutual Balance Force Reduction” (MBFR), also die Reduzierung der in Europa stationierten Truppen, schien europäisches Interesse bedeutungs- los.

Schmidt wollte diese Entwicklung nicht hinnehmen und forderte deshalb in seiner Rede vor dem IISS: “Wir verkennen nicht, dass sowohl den USA als auch der Sowjetunion zu gleichen Teilen daran gelegen sein muss, die gegenseitige strategische Bedrohung aufzuheben. Aber: Eine auf die Weltmächte USA und Sowjetunion begrenzte strategische Rüstungsbeschränkung muss das Sicherheitsbedürfnis der westeuropäischen Bündnispartner gegenüber der in Europa militärisch überlegenen Sowjetunion beeinträchtigen, wenn es nicht gelingt, die in Europa bestehenden Disparitäten parallel zu SALT-Verhandlungen abzubauen.”14

Der Bundeskanzler machte immer wieder deutlich, dass eine Nichtberücksichtigung der eurostrategischen Waffen inakzeptabel für Westeuropa sei und machte die sogenannte “Grauzone” aufmerksam.15Diese Grauzonenproblematik in die Verhandlungen einzubinden war das Ziel des Bundeskanzlers, damit die militärische Disparität zunächst anerkannt und daraufhin etwas dagegen sie unternommen wird. Um von der Sowjetunion Zugeständnisse in diesem Sinne zu erhalten, betrachtete Schmidt eine verstärkte Abschreckung und mit ihr die Stationierung der ER-Waffe als geeignetes Mittel. Doch warum empfand Schmidt die Entwicklung als so dramatisch? Zu beantworten ist dies durch seine Strategie des Gleichgewichts.

2. Schmidts politisches Denken

Schon als Verteidigungsminister unter Brandt und als SPD-Mitglied, das die Einstellung seiner Partei gegenüber der Bundeswehr entscheidend positiv beeinflusste, hatte Schmidt eine bestimmte Vorstellung des militärischen, wie auch ökonomischen, Gleichgewichts in Europa.16Geprägt wurden diese Einstellungen durch seine politischen Wurzeln. Sie liegen bei Marc Aurel, Immanuel Kant, Karl Popper, mit dem er persönlich bekannt war, und Max Weber. Er selbst bezeichnet sich als “Verantwortungsethiker”17im Sinne von Webers Klassifizierung.18Das bedeutet, dass Schmidt sein Handeln selbst als vernunftsorientiert betrachtet. Das könnte auch der Grund sein, warum er in der Literatur oft als Pragmatiker bezeichnet wird.

2.a. Schmidts Theorie des Gleichgewichts

Um Schmidts Ausführungen zum Gleichgewicht zu verstehen, ist es zunächst unerlässlich zu erläutern, wie er Gleichgewicht definiert. Dabei leitet er diese von der Entstehung des Gleichgewichtsdenkens ab. Denn dieser ist entstanden als die beiden Supermächte - USA und Sowjetunion - erkannten, dass durch nukleare Waffen der Gegner nichtnurkontrolliert werden konnte. Obwohl sie das Gleichgewicht zunächst nur im militärischen Sinne verfolgten, stellte sich durch diesen Zustand der gegenseitigen Bedrohung, eine wünschenswerte Stabilisierung der politischen Lage ein.19So entstand eine berechenbare Basis, um die jeweiligen politischen Ziele verfolgen zu können.

Allerdings benötigt, nach Meinung von Schmidt, die Strategie des Gleichgewichts ein weiterer wichtiger Aspekt: die Strategie der Abschreckung20. Sie soll “den Gegner durch Androhung hoher Kosten bei hohen Risiken von bestimmten Maßnahmen ab[zu]halten.”21Deshalb hebt Schmidt nochmals das Wesentliche der Abschreckung heraus: es liegt “… in der Nichtanwendung nuklearer Waffen durch eine wohlüberlegte Ausnützung der Tatsa- che, dass sie existieren.”22Allerdings könne diese Strategie der Abschreckung nur dann funktionieren, wenn auf keiner Seite Zweifel bestünden, dass die vorhandenen Waffen im Erstfall auch angewendet werden. Deshalb bedürfe es unbedingt der Glaubwürdigkeit, um das Gleichgewicht weiter aufrecht halten zu können.23

Wegen dieser Auffassungen entstand wohl auch Schmidts Theorie vom “Stand-“ und “Spielbein”.24Das erste meint, dass sich die deutsche Politik fest auf der militärischen Vereidigung der westlichen Allianz beruht - damit folgte er der traditionellen Westintegration, die schon unter Bundeskanzler Adenauer fest geschrieben wurde. Auf diesem Standbein ruhend, verschaffte sich Schmidt den nötigen Raum für Entspannung - seinem Spielbein. Diese Theorie, die auf dem Hamel-Bericht25beruht, schimmert immer wieder bei seinen Erklärungen zum Gleichgewicht der Mächte durch.

Außerdem erklärt Schmidt, dass die Strategie des Gleichgewichts dazu führe, den Status quo aufrecht zu halten und jeder, der den Status quo angreift, auch das Gleichgewicht stört. Und genau solch eine Störung befürchtete Schmidt durch die Dislozierung der sowjetischen SS-20 Raketen. Nachrüsten und gleichzeitig Abrüstungsver- handlungen - das war seiner Meinung nach die beste Möglichkeit, um den Status quo, also die Sicherheit für Europa und Deutschland, zu gewährleisten. In einer Rede auf dem Kant-Kongress der Friedrich-Ebert Stiftung verdeutlichte er deshalb: “Mehr Sicherheit liegt darin, das Gleichgewicht militärischer Kräfte auf dem Weg vertraglich vereinbarter Rüstungsbegrenzung zu stabilisieren.”26Nun stellt sich die Frage, wieso Schmidt die Neutronenwaffe als Instrument ansah, dass das Gleichgewicht in Europa wiederherstellen konnte.

3. Die Neutronenwaffe - Instrument der Abschreckung oder “Perversion des Denkens?”

Die Frage stellt sich, warum Bahr die Neutronenwaffe eigentlich als “Perversion des Denkens” charakterisierte, obwohl sie eigentlich als Mittel der Abschreckung und damit Sicherung Deutschlands dienen sollte. Die Antwort liegt in der Wirkungsweise der Waffe, die zu der Kategorie der Gefechtsfeld-Nuklearwaffe zählt und als Gefechtskopf für das Raketensystem “Lance” entwickelt werden sollte. Wie alle ihrer Art kann auch die Neutronenwaffe Menschen durch Strahlung, Druck und Hitze töten. Doch das war nicht der Grund, weshalb nicht nur Bahr diese Waffe verteufelte und ihn zu solchen Äußerungen veranlasste. Das Besondere dieser Waffe war, dass sie nicht alles in ihrem Wirkungskreis zerstören, sondern hauptsächlich Menschen töten sollte, wobei Panzer, Häuser, Infrastruktur oder militärische Ausrüstung erhalten blieben. Deshalb schrieb Bahr: “Der Fortschritt besteht darin, dass es leichter ist, die Leichen von Menschen zu beseitigen als die Trümmer von Städten und Fabriken … Im Ernstfall ist nicht der Mann, sondern die Maschine erhaltenswert.”27

3.a. Genaue Wirkungsweise der Neutronenwaffe

Der Effekt, dass die Neutronenwaffe also Lebewesen tötet, aber gleichzeitig Material nicht beschädigt, entsteht dadurch, dass es sich um eine Fusions-Waffe handelt.28Das bedeutet, dass unter hohem Druck und Temperatur Wasserstoff-Atome verschmelzen und das Element Helium entsteht. Durch diesen Prozess der Verschmelzung werden Neutronen- und Gammastrahlungen freigesetzt. So gibt die Neutronenwaffe zehn Mal mehr Kernstrahlung ab, weshalb die Waffe auch “Enharenced-Radiation” (vermehrte Strahlung) bezeichnet wird. Gleichzeitig soll die Detonation 50 Prozent weniger Hitzestrahlung freisetzten, als herkömmliche Nuklearwaffen. “Kleine Detonationswerte bedeuten, damit aber auch Verzicht auf eine möglichst große Zerstörung des militärischen Materials beim Gegner zugunsten drastisch reduzierter kollateraler Schäden außerhalb des militärischen Zielgebietes”29, das heißt, dass weniger unerwünschte Nebenschäden auftreten würden.

Die Neutronenwaffe sollte zudem als sogenannte “saubere Waffe” eine Weiterentwicklung zu den sogenannten “schmutzigen” darstellen, die das ganze Territorium langfristig durch ihre starke Strahlung verseuchen. Denn im Gegensatz zu diesen würde bei der Neutronenwaffe die tödliche und mindestens schwer gesundheitsschädigende Radioaktivität recht schnell wieder abklingen.30

3.b. Entstehung der Diskussion über die Stationierung der Neutronenwaffe

Dieser Vorteil muss auch die NATO dazu veranlasst haben, die Neutronenwaffen mit in die im Jahre 1972 ent- standenen Diskussionen und Pläne über die Modernisierung der in Europa stationierten Waffensysteme einzube- ziehen. Schon seit längerem beschäftigte sie sich damit, wie den verstärkten Rüstungsanstrengungen der Sowjet- union begegnet werden könnte.31Die Neutronenwaffe schien eine günstige Weiterentwicklung zu sein, so dass noch unter US-Präsidenten Gerald Ford Haushaltsmittel zur Entwicklung bewilligt wurden. Die konkrete Reali- sierung der Waffe sollte allerdings erst unter Carter stattfinden, der im Sommer 1977 den Kongress ersuchte, die Gelder für die Produktion der Neutronenwaffe zu bewilligen. Die ER-Waffe sollte anschließend mit in das Kon- zept der Abschreckung und der Strategie der “Flexible Response” (Flexible Erwiderung), die die Strategie der “Massiven Vergeltung” ablöste, der Allianz eingefügt werden. Die Entscheidung über die Produktion war jedoch nicht so kritisch wie die Entscheidung über die Stationierung der Waffe in Europa, da dazu die Erlaubnis der Bündnispartner nötig war. Der Präsident wollte von der Bundesregierung eine rege Unterstützung und vor allem die Zusage für die Stationierung auf deutschem Boden.32

3.c. Reaktion der Regierung Schmidt

Zum ersten Mal in der Geschichte der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschlands sollte eine Regierung mit über die Stationierung von Atomwaffen entscheiden.33Doch sie zögerte. Schließlich hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet zwar Atomwaffen in ihrem Land zu stationieren, selbst aber über keine zu verfügen. Das war nicht nur mit eine der Grundvoraus- setzungen bei der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und dem Eintritt in die NATO, sondern auch die Basis der amerikanisch-deutschen Sicherheitskooperation.34Deutschland verließ sich auf den Einsatz der amerikanischen Nuklearwaffen, falls es zu einem Konflikt mit dem Warschauer Pakt kommen sollte.

Die Bundesregierung erkannte jedoch gleichzeitig zwei wichtige Vorteile der Neutronenwaf- fe: Erstens könnte sie in Abrüstungsverhandlungen eingebunden und dazu führen, dass von Seiten der Sowjetunion zu Zugeständnissen gemacht werden würden. So spekulierte der Kanzler mit der Neutronenwaffe auf ein mögliches “Tauschobjekt”.35Er forderte deshalb in seiner Rede vor dem IISS: “Die Neutronenwaffe ist daraufhin zu prüfen, ob sie als zusätzli- ches Mittel der Abschreckungs-Strategie, als Mittel zur Verhinderung eines Krieges- für das Bündnis von Wert ist. Wir sollten uns aber nicht auf diese Prüfung beschränken, sondern auch untersuchen, welche Bedeutung und welches Gewicht dieser Waffe in unseren Bemühungen um Rüstungskontrolle zukommt.”36Mit ihr sollte ein “Hebel” gefunden werden, der den Rüs- tungswettlauf anhält und den Ländern Europas ohne nukleare Waffen einen mit strategischen Mittelstreckenraketen geführten Atomkrieg erspart.37

Zum Zweiten war die Neutronenwaffe für Schmidt ein ideales Instrument, um der Abschre- ckungs-Doktrin wieder Glaubwürdigkeit zu verleihen. Denn “erhöhte Abschreckung macht es aber letztlich unwahrscheinlicher, dass es überhaupt zu einem Konflikt kommt und das Bünd- nis und der amerikanische Präsident vor eine Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen gestellt werden”.38Diese beiden Gedanken vollzog er wieder ganz im Sinne seines Gleichgewichts-Denkens und gleichzeitig eine “Gratwanderung zwischen Entspannung und Verteidigung”, die er gehen wollte.39

Nachdem die Einzelheiten der ER-Waffe in Deutschland bekannt wurden, entstanden allerdings starke innenpoli- tische, sowie innerparteiliche Debatten.40Wie an den öffentlichen Äußerungen von Bahr ersichtlich ist, geriet der Bundeskanzler immer stärker unter den Druck der eigenen Partei.41Doch die Regierung äußerte sich nicht klar zum Thema ER-Waffe und Abschreckung und versuchte auch nicht der Öffentlichkeit die Notwendigkeit dieser Waffe zu erklären.42Kein Wunder also, dass sich die SPD-Basis gegen sie stellte. Ihre Argumentation umfaßte drei Aspekte: 1. Die Hemmungen zum Einsatz von nuklearen Waffen sinke durch die Verringerung der Kollateralschäden - ein nuklearer Krieg würde dadurch wahrscheinlicher; 2. Die Unmenschlichkeit der Waffe war für die SPD, die sich selbst als pazifistisch bezeichnete, unerträglich; 3. “Versuche zur Beseitigung regiona- ler Ungleichgewichte seinen überflüssig oder sogar schädlich” für die Entspannungspolitik.43Die Forderungen der Basis reichten bis hin zum Austritt aus der NATO im Falle einer Stationierung in der Bundesrepublik.44

Doch Schmidt setzte sich durch und hielt an seiner Theorie des Gleichgewichts fest, wodurch die Bundesregierung in den Zwiespalt zwischen Parteiwillen und US-Forderungen geriet. Zu einer endgültig Position konnte sie sich erst Anfang 1978 durchringen. So schrieb sie am 20. Januar 1978 im Bundessicherheitsrat fest.45

1. Die Bundesregierung wirkt als kernwaffenloser Staat nicht an der Entscheidung über die Produktion von Nuklearwaffen mit.
2. Nach einer möglichen Produktionsentscheidung der USA sollte die Neutronenwaffe in die Rüstungskontrollverhandlungen eingebracht werden.
3. Die Bundesregierung ist zur Lagerung der Neutronenwaffe bereit unter zwei Maßnahmen:
a. dass sie nicht allein auf deutschem Boden stationiert werden;
b. falls die westliche Seite binnen zwei Jahren nach der amerikanischen Produktions- entscheidung aufgrund von Rüstungskontrollergebnissen auf eine Stationierung nicht ganz verzichten kann.
4. Es muss unter allen Umständen der Eindruck vermieden werden, dass die Bundesrepublik den Zugriff zu Nuklearwaffen anstrebt.
5. Die Bundesrepublik darf nicht in eine Sonderrolle neben den Nuklearmächten USA, Frankreich und Großbritannien geraten. Außerdem muss das Verhältnis zur Sowjetunion und zu Osteuropa berücksichtigt werden.

Schon hierbei wird deutlich, dass sich die Bundesregierung in eine Rolle gedrängt fühlte. Be- sonders Punkt vier zeigt, dass sie die alleinige Gewalt und Entscheidung über nukleare Waf- fen den USA überlassen wollte. Allerdings zeigten diese Bedingungen ebenfalls, die den Be- dingungen des NATO-Doppelbeschlusses sehr ähneln, dass eine “Doppelentscheidung” ver- folgt wurde.46

Allerdings schlugen die Bemühungen der Bundesregierung fehl. Am 7. April 1978 entschied sich Carter gegen die Produktion der Neutronenwaffe. Diese Entscheidung war ein schwerer Schlag für den deutschen Bündnispartner. Die Presse sprach von einer “einsamen Entschei- dung” des Präsidenten, gegen den Ratschlag von Außenministers Cyrus Vance, Verteidi- gungsminister Brown und Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski. Auch sie hatten die Neut- ronenwaffe als Instrument in den Abrüstungsverhandlungen gesehen. Doch durch die Ent- scheidung glaubten sie nun, dass sich Washington “in eine verhandlungstaktische Ecke ma- növriert habe.”47Außerdem befürchteten sie einen Vertrauensverlust auf beiden Seiten des Atlantiks.48

4. Die Folgen der Entscheidung gegen die Neutronenwaffe

Die Entrüstung in der Regierung Schmidt nach Bekanntwerden von Carters Entscheidung war stark.49Über die Gründe des Präsidenten wurde in der Presse viel spekuliert. Zwei wurden allerdings oft hervorgehoben: Zum einen konnte Carter die Neutronenwaffe aus seinen moralischen Gründen nicht vertreten, da sie seinem Willen und Regierungskonzept nach Rüstungsverminderung wiedersprach.50Zum anderen seien ihm die Zusicherungen der Europäer zu schwach gewesen, zumal die britische Regierung geäußert habe, dass es ihr lieber sei, die Produktion der Neutronenwaffe zu verschieben.51

Nachdem Schock für Bonn flog Außenminister Genscher vergeblich nach Washington, um die Entscheidung des Präsidenten noch beeinflussen zu können. Er konnte jedoch nur ein Zu- geständnis an die Bundesrepublik erreichen: Carter äußerte nun öffentlich, dass der Ent- schluss zur Produktion bis auf weiteres verschoben, aber nicht endgültig abgelehnt sei. Zwar bekräftigte der Sprecher der Bundesregierung Klaus Bölling danach in einer Stellungnahme, “dass die Entscheidung über die Produktion einer nuklearen Waffe ist ausschließlich souverä- ne Entscheidung des betreffenden Nuklearwaffenstaates.”52Doch es war unverkennbar, dass sich die Partner nun misstrauten.53

4.a. Die Folgen der Entscheidung

Die Entscheidung gegen die Neutronenwaffe nennt Christian Hacke ein “Debakel”54, Helga Haftendorn ein “Fiasko”55. Der Grund dafür liegt darin, dass sich das deutsch-amerikanische Verhältnis extrem abkühlte und der erwartete Vertrauensverlust entstand.56“Schmidt fühlte sich persönlich im Stich gelassen.”57Zum einen fühlte Schmidt seine Befürchtungen abermals bestätigt, dass sich die Vereinigten Staaten nicht mehr an ihre Verteidigungs- und damit Bündnispflicht gebunden fühlten, während Deutschland selbst in Amerika als unzuverlässiger Partner in militärischen Fragen galt. Zudem zeigte die Diskussion um die Neutronenwaffe und ihr Ausgang gegenüber der Sowjetunion, dass das Transatlantische Bündnis geschwächt war, hatte Moskau mit dem Versuch einen Keil zwischen den Bündnispartner zu treiben, scheinbar Erfolg gehabt.58Die Neutronenwaffe wurde als “politischer Papiertiger” abgestem- pelt.59

Genau dies war gefährlich in einer Strategie der Abschreckung, welche die NATO bis dato verfolgt hatte. So schien es, als ob die Strategie Abschreckung endgültig ihre Glaubwürdigkeit verloren hatte. Dies alles verhinderte einen “vertrauensvollen Umgang zwischen Schmidt und Carter und ließen Kommunikationslücken entstehen.”60

Zwar wurde SALT-II 1979 ratifiziert, doch die Forderungen Westeuropas, die eurostrategi- schen Waffen mit einzubeziehen, blieben weiterhin unberücksichtigt. Stattdessen verfolgte die Sowjetunion weiter die Aufstellung der SS-20-Raketen und die Produktion der Backfire- Bomber, da diese Waffen in den SALT-Verträgen ja nicht mit einbezogen wurden. Die Span- nungen zwischen Washington und Bonn nahmen weiter zu. Westeuropa und vor allem die Bundesrepublik fühlte sich weiter bedrängt und fürchtete die Vergrößerung des sowjetischen Machteinflusses in Europa. Der Bundesregierung wurde abermals bewusst, in welcher gefähr- lichen geostrategischen Lage sie sich befand und drängte nun offensiver nach geeigneten Mit- teln, die in folgenden SALT-III-Verhandlungen eingesetzt werden könnten. Der Rückgriff auf die im Hamel-Bericht fest geschriebene Taktik schien dafür geeignet: Abrüstungsverhandlun- gen und gleichzeitig Modernisierung. Diese Politik versuchte die Bundesregierung durchzusetzen. Auch die Vereinigten Staaten lernten aus dem Ergebnis und wollten die europäischen Interessen in Zukunft weiter mit einbeziehen.

4.b. Der Wirkung auf den NATO-Doppelbeschluss

Als Konsequenz aus der Diskussion um die ER-Waffe sahen nun auch die Vereinigten Staa- ten ein, dass die Glaubwürdigkeit der Abschreckung gelitten hatte und wieder hergestellt werden musste.61Dazu berief die NATO im Oktober 1977 die “High Level Group” (HLG) ein, die sich mit der Bedeutung der Nuklearwaffen für die NATO-Strategie befassen sollte. Besonders die “Long Range Theater Nuclear Forces” (LRTNF) und Mittelstreckenraketen sollten bei einer neuen Strategie in Betracht gezogen werden, um die Grauzonen-Problematik zu entschärfen.

Auch die Verständigung der NATO-Partner sollte wieder in ruhige Gewässer fahren. Erste Annäherungen fanden auf dem Treffen Karibikinsel Guadeloupe statt, wo der französische Staatspräsident Giscard d´Estaing, der britische Premier James Callaghan, Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt zusammenfanden. Dort erhielt die Bundesrepublik zum ersten Rückendeckung durch Carter für Schmidts Strategie.62Im Sommer 1979 unterbreitete die HLG den NATO-Partnern dann einen entsprechenden Vorschlag: insgesamt 572 Nuklearrake- ten sollten in fünf europäischen Ländern stationiert werden - 108 Pershing II-Raketen und 96 Cruise missiles in der Bundesrepublik, 160 Cruise missiles in Großbritannien, 112 in Italien, jeweils 48 Marschflugkörper in Belgien und den Niederlanden.63Dabei ist festzustellen, dass die Bundesregierung bei den Verhandlungen über den Doppelbeschluss die ebenfalls schon bei der Neutronenwaffe vertretene Haltung durchsetzen konnte: 1. einstimmige Entscheidung der NATO über die Mittelstreckenrakete ohne Enthaltung; 2. die Bundesrepublik sollte nicht das einzige Stationierungsland sein; 3. Waffen, welche die Sowjetunion erreichen konnten, sollten ausschließlich unter amerikanischer Kontrolle stehen; 4. die USA sollten die politische Führung in allen atomaren Fragen übernehmen.64

Schmidt geriet anfangs noch nicht in das Kreuzfeuer seiner Partei, als er den NATO- Doppelbeschluss vorstellte, da diese sich nach dem Scheitern der Neutronenwaffe zunächst wieder mit der Problematik der Kernenergie befasste. Doch schon bald zeigte sich, dass auch beim Doppelbeschluss die gleichen Ängste und Widerstände aufkamen, wie bei der ER- Waffe. Schmidt konnte sich zunächst wieder durchsetzten, allerdings unter hohen politischen Kosten. Auf dem Parteitag in Berlin Anfang Dezember 1979 drohte er sogar mit Rücktritt falls die Partei sich gegen ihn stellen würde.65Letztendlich bleibt die Frage offen, ob er mit dieser Reaktion seinen Machtverlust, der das Ende seiner Amtszeit bedeutete, einläutete. Konkret umgesetzt wurde der NATO-Doppelbeschluss allerdings erst 1983, nachdem Abrüs- tungsverhandlungen in Genf 1981 gescheitert waren, Schmidt durch Helmut Kohl und Carter von Ronald Reagan abgelöst wurden. Die Diskussion über die Stationierung der Pershing II- Raketen beherrschte noch lange das politische und gesellschaftliche Klima. Aus ihr resultierte die größte Demonstration mit 300.000 Beteiligten, welche die Bundesrepublik jemals gesehen hatte. Allerdings scheint sich die Strategie von Schmidt bewährt zu haben: 1987 unterzeichne- ten die Supermächte den INF - Vertrag zur Vernichtung aller Mittelstreckenwaffen beider Seiten.

III. Schlussbetrachtung

Sein Glaube an die unausweichliche Notwendigkeit des Gleichgewichts in Europa und die dafür unabdingbare Gläubwürdigkeit der Abschreckung ließ Schmidt also an der Entscheidung für die Neutronenwaffe und später für den NATO-Doppelbeschluss, auch gegen seine eigenen Partei, festhalten. Wie bei vielen politischen Entscheidungen ließ sich nicht vorhersehen, welchen Einfluss die Neutronenwaffe auf die zukünftige Entwicklung der Beziehungen der beiden Blöcke und zwischen den Bündnispartner haben würde. Die Partner lernen jedoch auch etwas aus ihrem Verhalten. Denn auf beiden Seiten fand eine Sensibilisierung statt, die später zu dem Doppelbeschluss führen sollte, obwohl das mangelnde Vertrauen zwischen Bonn und Washington, wohl auch wegen persönlicher Animositäten, nicht behoben werden konnte.

Konkret hieß dies: Erstens erkannten die USA welches Sicherheitsbedürfnis die Bundesrepublik quälte und ver- suchten nach der Neutronenwaffe durch den Doppelbeschluss ihrem deutschen Partner ein adäquates Mittel zur Entlastung anzubieten. Die Aufmerksamkeit gegenüber den europäischen Forderungen wurde größer. Zum Zweiten fand auch innerhalb der Bundesrepublik eine Sensibilisierung statt. Die Regierung erkannte in welchem Maß sie Einflussmöglichkeiten auf den Entscheidungsprozess innerhalb der NATO hatte und formu- lierte daraus ihre Forderungen, die beim Doppelbeschluss zum Tragen kamen. Außerdem erkannte sie aber auch die Pflichten, die sie auf sich nehmen musste, um den Status quo und somit die Strategie der Abschreckung auf- recht halten zu können. Möglicherweise wurde erst durch das “Debakel” der Neutronenwaffe der Weg für einen erfolgreichen NATO-Doppelbeschluss geebnet, obwohl sicherlich noch viele weitere Faktoren ausschlaggeben- der und vielleicht einflussreicher waren.

Die Bedeutung des Beschlusse beurteilt Schmidt selbst, in dem er schreibt, dass er “nur wenige später zum alle- rersten wirklichen Abrüstungsvertrag zwischen Ost und West geführt und anschließend eine tiefgreifende Ent- spannung ausgelöst hat.”66Ob dieser Entspannungsprozess nicht schon eher durch die Einführung der Neutro- nenwaffe hätte stattfinden können, bleibt offen. Genauso wie viele weitere Fragen zu diesem Thema, wie bei- spielsweise an der Beurteilung der Position Schmidts innerhalb der eigenen Partei und seinen tatsächlichen Ein- fluss auf die NATO-Partner. Er hat durch sein Festhalten an seiner Strategie der glaubwürdigen Abschreckung möglicherweise seine Position als Bundeskanzler aufgegeben, da er für sie keinen Rückhalt mehr an der Basis fand.

Quellen und Literatur

(Zur besseren Übersichtlichkeit werden Interviews und Pressemitteilungen unter Quellen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel unter Literatur gefasst)

Quellen

- Bahr, Egon: Ist die Menschheit dabei, verrückt zu werden, in: Vorwärts vom 21. 07. 1977.
- Schmidt, Helmut: “Politische und wirtschaftliche Aspekte der westlichen Sicherheit”, in: Bulletin des Presse und Informationsamtes der Bundesregierung, Nr. 112, 1977.
- Schmidt, Helmut: Maximen Poltischen Handelns. Bemerkungen zu Moral, Pflicht und Verantwor- tung des Politikers. Rede des Bundeskanzlers auf dem Kant-Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung am 12. 03. 1981, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bd. 23, Bonn 1981
- Schmidt, Helmut: Menschen und Mächte, Berlin 1987
- Schmidt, Helmut: Strategie des Gleichgewichts, Stuttgart 1969
- Presseministerium der Verteidigung: Material für die Presse: die Neutronenwaffe. Fünf Fragen - Fünf Antworten, Nr. V/17 vom 14. Oktober 1977
- Kaiser, Karl in einem Interview des Deutschlandfunks vom 11. April 1978
- Regierungserklärung vom 17.05. 1974, in: Peter Corterier: Helmut Schmidt, Bundestagsreden und Zeitdokumente, Bonn 1975

Literatur

- Conrad, Bernt: Bundesregierung befürchtet Entfremdung zwischen Europäern und Amerikanern, in: Die Welt vom 10. April 1978
- Dokumente des Bonner Streits um die neue Waffe, in: Die Welt vom 13. April 1978.
- Erregung über Carters Entscheidung gegen die Neutronenwaffe, in: Frankfurter Allgemeine Zei- tung vom 7. April 1978
- Gillessen, Günter: Die Neutronenwaffe entwertet sowjetische Panzer-Armeen. Den Europäern soll das Abwehrmittel ausgeredet werden, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Februar 1978. § Hacke, Christian: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Weltmacht wider Willen?, Berlin 1997
- Haftendorn, Helga: Sicherheit und Entspannung. Zur Außenpolitik der Bundesrepublik Deutsch- land 1955 - 1982, Baden-Baden 2. überarbeitete Auflage1983
- Hanrieder, Wolfram: Deutschland, Europa, Amerika. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 - 1994, Paderborn 1995
- Joffe, Josef: Die Außenpolitik der Bunderepublik Deutschland im Zeitalter der Entspannung, in: Europa-Archiv, Nr. 23/179, S. 728.
- Kaiser, Karl: Helmut Schmidt und Amerika. Eine schwierige Partnerschaft, Bonn 1990
- Notz, Anton: Die SPD und der NATO-Doppelbeschluss. Abkehr von einer Sicherheitspolitik der Vernunft, Baden-Baden 1990
- Opel, Manfred: Zur Diskussion um die Neutronenwaffe, in: ApuZ, B8/78
- Palmer, Hartmut: Carters Entscheidung verärgert Bonn, in: Süddeutsche Zeitung vom 10. April 1978
- Schweden, Heinz: Von Bonn hat Carter offenbar mehr Entschlossenheit erhoff, in: Rheinische Post vom 6. April 1978.
- Weber, Max: Politik als Beruf; Stuttgart 1992
- Ruehl, Lothar: Das SALT II-Abkommen und die europäischen Interessen, in: Europa-Archiv, Nr. 15/1979.
- Lothar Ruehl: Die Nichtentscheidung über die “Neutronenwaffe”, in: Europa-Archiv, Nr. 5/179.
- Treverton, Gregory F.: Das SALT-II-Abkommen: Inhalt, Bedeutung und einige Probleme, in: Europa-Archiv, Nr. 15/1979.
- Die Stellungnahme Bonns, in: Frankfurter Rundschau vom 10. April 1978

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1Egon Bahr: Ist die Menschheit dabei, verrückt zu werden?, in: Vorwärts vom 21. 07. 1977.

2Helga Haftendorn: Sicherheit und Entspannung. Zur Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1955 - 1982, Baden-Baden 1983.

3Wolfram Hanrieder: Deutschland, Europa, Amerika. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 - 1994, Paderborn 2. überarbeitete Auflage 1995.

4Karl Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika. Eine schwierige Partnerschaft, Bonn 1990.

5Anton Notz: Die SPD und der NATO-Doppelbeschluss. Abkehr von einer Sicherheitspolitik der Vernunft, Baden-Baden 1990.

6Helmut Schmidt: Strategie des Gleichgewichts, Stuttgart 1969.

7 Helmut Schmidt: “Politische und wirtschaftliche Aspekte der westlichen Sicherheit”, in: Bulletin des Presse und Informationsamtes der Bundesregierung, Nr. 112, 1977.

8Regierungserklärung vom 17.05. 1974, in: Peter Corterier: Helmut Schmidt, Bundestagsreden und Zeitdokumente, Bonn 1975, S. 193 - 218.

9Helga Haftendorn: Sicherheit und Entspannung, a.a. O., S. 227 ff.

10Vgl. Anton Notz: Die SPD und der NATO-Doppelbeschluss, a.a.O., S. 287.

11Vgl. Lothar Ruehl: Das SALT II-Abkommen und die europäischen Interessen, in: Europa-Archiv, Nr. 15/1979, S. 461 - 482. Und Gregory F. Treverton: Das SALT-II-Abkommen: Inhalt, Bedeutung und einige Probleme, in: Europa-Archiv, Nr. 15/1979, S. 451 - 460.

12 Vgl. Haftendorn, a.a.O., S. 230

13Vgl. Wolfram Hanrieder, a.a.O., S. 89 - 91.

14Helmut Schmidt, Politische und wirtschaftliche Aspekte der westlichen Sicherheit, a.a.O.

15Vgl. Manfred Opel: Zur Diskussion um die Neutronenwaffe, in: ApuZ, B8/78, S. 7-8.

16Christian Ha>S. 229 ff.

17Helmut Schmidt: Menschen und Mächte, Berlin 1987, S. 10.

18 Vgl. Max Weber: Politik als Beruf; Stuttgart 1992, S. 63 ff. Alles ethisch orientierte Handeln ist, laut Weber, einer der beiden Kategorien, gesinnungsethisch oder verantwortungsethisch, zuzuordnen. Handeln ist gesinnungsethisch geprägt, wenn seine Konsequenzen einer höheren Macht oder dem Schicksal zugeschrieben werden. Gesinnungsethisch geprägtes Handeln ist nicht notwendigerweise verantwortungslos, denn jedes ethische Handeln beinhaltet die Verantwortung für die persönliche sittliche Lebensführung, für die persönliche Moral. Vom verantwortungsethischen Standpunkt aus trägt die handelnde Person die Verantwortung für mögliche Folgen ihres Handelns. Sofern sie voraussehbar waren, sind sie nicht auf andere abwälzbar.

19Vgl. Helmut Schmidt: Strategie des Gleichgewichts, a.a.O., S. 18.

20Die nukleare Abschreckungsstrategie entstand in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg durch den beginnenden Kalten Krieg mit der Sowjetunion. Die USA drohten durch ihre nukleare Übermacht mit der “Massiven Vergeltung” und versuchte so sich dem Vorteil der Sowjetunion durch konventionelle Waffen in Europa entgegenzusetzen. Ein weiterer Punkt war, durch die Abschreckung den Kalten Krieg nicht “heiß”, also zum Ausbruch, kommen zu lassen. Allerdings rüstete die Sowjetunion auch mit nuklearen Waffen auf, so dass eine PattSituation entstand. Weil jede der Supermächte nun durch nukleare Waffen erreichbar waren, waren sie praktisch nicht mehr gegeneinander einsetzbar. So begann die “Periode der Selbstabschreckung”, die besagte, dass durch diese Patt-Situation die Mächte nukleare Waffen nicht mehr einsetzen würden. Daraus ergab sich, dass die Strategie der “Massive Vergeltung” durch die der “Flexible Response” (Flexiblen Reaktion) ersetzt wurde. Sie beinhaltete vor allem die stärkere Berücksichtigung der konventionellen Waffen.

21Politik-Lexikon, Hrsg. von Everhard Holtmann, 2. überarbeitete Auflage, München, 1994, S. 4/5.

22Helmut Schmidt: Strategie des Gleichgewichts, a.a.O., S. 63/64.

23Helmut Schmidt: Strategie des Gleichgewichts, a.a.O., S. 64.

24Christian Ha>S. 229 ff.

25Der Hamel-Bericht aus dem Jahre 1967 setzte in Gewisserweise Leitsätze für die künftigen Aufgaben der Allianz und ist als Reaktion auf die Macht-Verschiebungen der beiden Blöcke zu sehen. Aus entstammt die Philosophie der zwei Pfeiler: Abschreckung und Verteidigung. Entspannung und militärische Sicherheit sollten sich nicht ausschließen können.

26Helmut Schmidt: Maximen Poltischen Handelns. Bemerkungen zu Moral, Pflicht und Verantwortung des Politikers. Rede des Bundeskanzlers auf dem Kant-Kongress der Friedrich-Ebert-Stiftung am 12. 03. 1981, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bd. 23, Bonn 1981, S. 54.

27Egon Bahr: Ist die Menschheit dabei, verrückt zu werden, a.a.O.

28Vgl. Presseministerium der Verteidigung: Material für die Presse: die Neutronenwaffe. Fünf Fragen - Fünf Antworten, Nr. V/17 vom 14. Oktober 1977.

29Ebd.

30Vgl. Manfred Opel: Zur Diskussion um die Neutronenwaffe, a.a.O., S. 3-6.

31 Helga Haftendorn: Sicherheit und Entspannung, a.a.O., S. 236.

32Vgl. Karl Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 97

33Vgl. Anton Notz, a.a.O., S. 22

34Wolfram F. Hanrieder: Deutschland, Europa, Amerika, a.a.O., S. 43.

35Bernt Conrad: Bundesregierung befürchtet Entfremdung zwischen Europäern und Amerikanern, in: Die Welt vom 10. April 1978.

36Helmut Schmidt: Politische und wirtschaftliche Aspekte der westlichen Sicherheit, a.a.O.

37 Anton Notz, a.a.O., S. 27.

38Vgl. Presseministerium der Verteidigung: Material für die Presse: die Neutronenwaffe. Fünf Fragen - Fünf Antworten, a.a.O.

39Josef Joffe: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland im Zeitalter der Entspannung, in: EuropaArchiv, Nr. 23/179, S. 728.

40Vgl. Dokumente des Bonner Streits um die neue Waffe, in: Die Welt vom 13. April 1978.

41Vgl. Notz: die SPD und der NATO-Doppelbeschluss. a.a.O., S. 19.

42Christian Ha>43Günter Gillessen: Die Neutronenwaffe entwertet sowjetische Panzer-Armeen. Den Europäern soll das Abwehrmittel ausgeredet werden, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Februar 1978.

44Vgl. Notz, a.a.O., S. 20.

45 Vgl. Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 101.

46Anton Notz, a.a.O., S. 23

47Erregung über Carters Entscheidung gegen die Neutronenwaffe, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. April 1978.

48Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 102.

49Hartmut Palmer: Carters Entscheidung verärgert Bonn, in: Süddeutsche Zeitung vom 10. April 1978.

50Karl Kaiser in einem Interview des Deutschlandfunks vom 11. April 1978.

51 Vgl. Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 100 - 105 und Heinz Schweden: Von Bonn hat Carter offenbar mehr Entschlossenheit erhoff, in: Rheinische Post vom 6. April 1978.

52Die Stellungnahme Bonns, in: Frankfurter Rundschau vom 10. April 1978.

53Vgl. Helmut Schmidt: Menschen und Mächte, Berlin 1987, S. 222 - 229.

54Chrisian Hacke, a.a.O., S. 232.

55Helga Haftendorn, a.a.O., S. 239.

56Vgl. Karl Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 106.

57Karl Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 107.

58Vgl. Karl Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 98.

59Lothar Ruehl: Die Nichtentscheidung über die “Neutronenwaffe”, in: Europa-Archiv, Nr. 5/179, S. 149.

60 Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 112.

61Vgl. Kaiser: Helmut Schmidt und Amerika, a.a.O., S. 130/131.

62Vgl. Anton Notz, a.a.O., S. 41.

63 Anton Notz, a.a.O., S. 46.

64Vgl. Anton Notz; a.a.O., S. 47.

65 Vgl. Anton Notz, a.a.O., S. 54 - 63.

66 Helmut Schmidt, Weggefährten, a.a.O., S. 232.

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Helmut Schmidt und die Neutronenwaffe
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V98579
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helmut, Schmidt, Neutronenwaffe
Arbeit zitieren
Katja Mitic (Autor), 2000, Helmut Schmidt und die Neutronenwaffe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98579

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