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Die Bedeutung und möglichen Konsequenzen von Empowerment am Beispiel von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen

Title: Die Bedeutung und möglichen Konsequenzen von Empowerment am Beispiel von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen

Seminar Paper , 1999 , 25 Pages

Autor:in: Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Author)

Social Work
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Für Menschen in psychiatrischen Einrichtungen wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder neue Möglichkeiten für die „Behandlung“ gefordert (Psychiatrieenquénte, Expertenkommission,...). Nichtsdestotrotz hat sich seit dem keine zufriedenstellende Situation für die Betroffenen eingestellt. Viele Konzepte sind ihrem Wesen nach sehr einseitig. Sie beschrän-ken sich auf bestimmte Problemgruppen oder Sichtweisen. Das Empowermentkonzept will offen sein für verschiedenste Entwicklungen. Empowerment ist kein ganz neuer Ansatz. Aber es ist ein Ansatz der weder nur bei den Rechten, noch nur bei den Bedürftigkeiten der Menschen stehen bleiben will, weder für „wohlwollende Vernachlässigung“, noch für „Überbehütung“ steht. Es möchte ein Konzept sein, das das „wie“ beschreibt, in dem sich soziale Entwicklungen vollziehen. Das „was“ also der in-haltliche Aspekt, mit dem es gefüllt wird, bleibt offen, und kann nur von den „Betroffenen“ selbst entschieden und umgesetzt werden. Wer in den Betroffenen nur inkompetente, hilflose und pflegebedürftige Menschen sieht, verfängt sich in einem defizitorientierten Blickwinkel. Empowerment fordert, den Menschen als vollwertig wahrzunehmen, egal in welch marginaler Position. Es ist ein Ansatz der weg geht von einer Defizitorientierung, die den beeinträchtigten Menschen nur als Bündel seiner Probleme wahrnimmt, die er selbst zu verantworten hat. Er geht aus von den Stärken und Ressourcen, die ein jeder Mensch hat, egal in welcher Lage er Sicht befindet. Empowerment – ein Ansatz, der persönliche, auf den Lebenskontext bezogene und damit logischerweise divergente Lösungsstrategien bevorzugt. Ein Ansatz der dies nicht favorisiert, kann auch der Divergenz der Frage nach der „Verrücktheit“ nicht gerecht werden. Mich interessieren in dieser Arbeit aber vor allem auch die Konsequenzen, die dieser Ansatz für Menschen in psychiatrischen Einrichtungen hervorbringen kann. Dem Empowermentge-danken der Divergenz folgend, werde ich dabei auf sehr verschiedene Möglichkeiten eingehen. Zuerst möchte ich die Umsetzung von Empowerment aus Sicht der Selbsthilfe schildern. Ein wichtiger Punkt wird hierbei auch die Umsetzung aus antipsychiatrischer Sicht sein.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Geschichtliche Entwicklung der Situation von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen

3. Empowerment

3.1 Empowermentphilosophie

3.2 Divergente Lösungen durch Empowerment

4. Möglichkeiten der Umsetzung von Empowerment

4.1 Selbsthilfe

4.1.1 Selbsthilfe und Empowerment

4.1.2 Selbsthilfe als „Institution“

4.1.3 Antipsychiatrie als Form der Selbsthilfe

4.1.4 Die Grenzen von Selbsthilfe

4.2 „Professionelle Hilfe“

4.2.1 „Erlernte Hilflosigkeit“

4.2.2 Deinstitutionalisierung

4.2.3 Recht auf medikamentenfreies Leben

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die Konsequenzen des Empowerment-Konzepts für Menschen in psychiatrischen Einrichtungen, mit dem Ziel, Alternativen zum vorherrschenden medizinisch-defizitorientierten Hilfssystem aufzuzeigen und die Selbstbestimmung der Betroffenen in den Mittelpunkt zu rücken.

  • Kritische Analyse des medizinischen Krankheitsbildes in der Psychiatrie.
  • Einführung und theoretische Fundierung des Empowerment-Ansatzes.
  • Untersuchung der Selbsthilfe als Empowerment-Strategie.
  • Diskussion über Deinstitutionalisierung und professionelle Hilfsangebote.
  • Forderung nach einem Recht auf ein medikamentenfreies Leben.

Auszug aus dem Buch

3.1 Empowermentphilosophie

Was ist die Intension von Empowerment? Empowerment ist nicht als eine neue Methoden mit konkreten Handlungsansätzen zu sehen. Es ist vielmehr eine Haltung oder Ansicht, daß Menschen, die in der sozialen Arbeit häufig zuerst von der Seite ihrer Mängel und Defizite her gesehen werden, trotzdem über Kompetenzen und Ressourcen verfügen, ihr Leben in Selbstregie zu führen. Ausgangspunkt ist hierbei, daß die „Defizite“ nicht wie vorher beschrieben, als körperliche Erkrankungen angesehen werden, sondern als Resultat der Behinderung durch soziale Umstände, in denen sich vorhandene Fähigkeiten nicht entwickeln konnten. Empowerment hat nun als Ziel, Bedingungen zu schaffen, in denen ein selbstbestimmtes Leben möglich werden kann. Also Bedingungen zu schaffen, unter denen es Menschen möglich ist, ihre Fähigkeiten und Ressourcen zu erkennen und zu nutzen. Das bedeutet den Abschied von expertendefinierten Lösungsstrategien.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Grundproblematik ein und stellt das Empowerment-Konzept als einen Ansatz vor, der Divergenz und dialektische Lösungen anstelle von einseitigen, defizitorientierten Ansätzen fördert.

2. Geschichtliche Entwicklung der Situation von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen: Dieses Kapitel beschreibt die historische Dominanz der Medizin und die Entwicklung von „Irrenanstalten“, die auf Zucht, Ordnung und einem medizinisch-defizitären Menschenbild basieren.

3. Empowerment: Hier wird Empowerment als eine Haltung definiert, die Kompetenzen und Ressourcen von Menschen in den Vordergrund stellt und den Abschied von expertendefinierten Lösungsstrategien fordert.

4. Möglichkeiten der Umsetzung von Empowerment: Das Kapitel analysiert verschiedene praktische Ansätze von Empowerment, unterteilt in die Formen der Selbsthilfe sowie notwendige Veränderungen innerhalb professioneller Hilfesysteme.

5. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Empowerment einen Abschied von einseitigen, institutionellen Versorgungswegen erfordert und eine Demokratisierung der Hilfesysteme sowie eine stärkere Flexibilität und Akzeptanz gegenüber individuellen Lebenswegen notwendig macht.

Schlüsselwörter

Empowerment, Psychiatrie, Selbsthilfe, Deinstitutionalisierung, Antipsychiatrie, Selbstbestimmung, Sozialpsychiatrie, Defizitorientierung, Ressourcen, Lebenssouveränität, Expertenherrschaft, Rehabilitation, Beziehungsgefüge, Divergenz, Medikamentenfreiheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Empowerment-Konzepts im Kontext psychiatrischer Einrichtungen und kritisiert das vorherrschende medizinische Verständnis von psychischen Erkrankungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Psychiatrie, die Philosophie des Empowerment, die Bedeutung von Selbsthilfe und die notwendige Reform professioneller sozialpsychiatrischer Hilfsangebote.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, den Empowerment-Gedanken als handlungsleitenden Ansatz darzustellen, der den Betroffenen mehr Kontrolle über ihr eigenes Leben ermöglicht und von defizitorientierten, institutionellen Vorgaben wegführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Empowerment-Konzepten, einer Analyse der psychiatriegeschichtlichen Situation sowie der kritischen Reflexion bestehender (sozial-)psychiatrischer Versorgungsmodelle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Situation in psychiatrischen Einrichtungen, definiert die Empowerment-Philosophie, untersucht Selbsthilfe (einschließlich der Antipsychiatriebewegung) und diskutiert professionelle Hilfe unter dem Aspekt der Deinstitutionalisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Empowerment, Selbstbestimmung, Deinstitutionalisierung, Psychiatriekritik, Ressourcenaktivierung und sozialpsychiatrische Reform.

Warum ist das Rosenhan-Experiment im Text erwähnt?

Das Experiment wird angeführt, um die Relativität und Vagheit psychiatrischer Diagnostik sowie die stigmatisierende Wirkung der medizinischen Sichtweise auf Betroffene zu verdeutlichen.

Was versteht der Autor unter „Deinstitutionalisierung“?

Der Autor orientiert sich an Dörners Verständnis, wonach es nicht um die bloße Umsiedlung in Heime (Enthospitalisierung) geht, sondern um eine tiefgreifende Öffnung und Flexibilisierung der Institutionen, damit diese den individuellen Lebensbedarf der Betroffenen stützen können.

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Details

Title
Die Bedeutung und möglichen Konsequenzen von Empowerment am Beispiel von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen
Author
Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Author)
Publication Year
1999
Pages
25
Catalog Number
V98604
ISBN (eBook)
9783638970556
ISBN (Book)
9783640856725
Language
German
Tags
Bedeutung Konsequenzen Empowerment Beispiel Menschen Einrichtungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Author), 1999, Die Bedeutung und möglichen Konsequenzen von Empowerment am Beispiel von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98604
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