Die Darstellung und Sprache der Ausgrenzung "Muggelstämmiger" in der Harry-Potter Welt Band VII "Heiligtümer des Todes" im Vergleich zu den Mechanismen der NS-Zeit


Facharbeit (Schule), 2020

16 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Theoretischer Hauptteil
2.1 Begriffsdefinitionen der Harry-Potter Welt
2.2 Die Ausgrenzung „Muggelstämmiger“ in der Harry-Potter Welt
2.3 Aufzählung und Erläuterung der Anti-Juden Mechanismen während der NS-Zeit

3. Praktischer Hauptteil
3.1 Vergleich mit den Anti-Muggel Mechanismen
3.2 Analyse der antisemitischen Sprache
3.3 Vergleich mit der muggel-feindlichen Sprache

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis und Internetquellen

Vorwort

Mich fasziniert Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ schon seit geraumer Zeit, weshalb ich auch schon seit meiner Kindheit auf eine Einladung nach Hogwarts warte. Dies ist dadurch zu begründen, dass diese magische Welt so makellos und sorgenfrei auf mich wirkte. Dass diese Welt jedoch auch eine Kehrseite hat, habe ich erst später realisiert. Gemeine Bemerkungen über Muggel(-stämmige) habe ich als Kind auf eine gemeine Persönlichkeit zurückgeführt und bin nicht davon ausgegangen, dass die „Reinheit des Blutes“ dabei eine entscheidende Rolle spielt. Die Hochnäsigkeit und der übermäßige Stolz mancher Reinblutfamilien war mir ebenfalls ein Rätsel und die Angriffe von Voldemort und seinen Anhängern habe ich verharmlost, da das Gute immer gesiegt hatte und das Böse demnach ja gar nicht allzu mächtig sein konnte. Im Nachhinein bin ich jedoch recht froh über meine Naivität und Gutgläubigkeit als Kind, da ich ansonsten vermutlich abgeschreckt worden wäre und aus Angst vor Diskriminierung doch nicht nach Hogwarts wollen würde. Angefangen bei dunklen Magiern, die ein Kind auf dem Gewissen haben, bis hin zur Ausgrenzung muggelstämmiger Zauberer und Hexen aufgrund ihrer Abstammung. Auf Letzteres werde ich in dieser Facharbeit näher eingehen. Auch werde ich einen Bezug zur Realität herstellen, indem ich die inhaltlichen Parallelen zu einem realen historischen Ereignis der Menschheitsgeschichte aufzähle und erläutere. Dabei interessiert mich vor allem der Vergleich zwischen der Todesser-Ideologie und der NS-Ideologie. Auch die dabei verwendete herabwürdigende Sprache, die von beiden Seiten benutzt wurde und der inhaltliche Bezug zum dritten Reich sind unverkennbar und wurden absichtlich von der Autorin eingebaut. Joanne K. Rowling hatte dabei die Intention, Kindern von früh auf schon die Auswirkungen und Ernsthaftigkeit von Fremdenfeindlichkeit zu zeigen. Dieses fiktive literarische Werk appelliert an Toleranz und warnt davor, blind den Autoritäten und den Medien zu glauben. Auch wenn dies kein harmloses Thema ist, ist es dennoch allgegenwärtig, denn Ausgrenzung ist leider nichts Fiktives. Von 1933 bis 1945 gelang es Adolf Hitler und den Nationalsozialisten einen totalitären Staat in Deutschland aufzubauen. In diesem sorgten sie mit Parolen gegen Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Behinderte und weitere Randgruppen für deren Ausgrenzung und propagierten den deutschen Arier als Herrenrasse. Unter dem rechtsradikalen Nazi-Regime kam es zu einem der schlimmsten bekannten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem Holocaust, wobei ungefähr sechs Millionen Juden vergast wurden. Die Besessenheit von der Abstammung eines Individuums und der Wunsch eine Minderheit mit „unreinem“ Blut zu beseitigen kann also mit der radikalen Ideologie der Nazis verknüpft werden. Hinsichtlich der sprachlichen Entwürdigung der Juden wurde das biologistische Sprachmuster für die NS-Sprache immanent. Dazu zählen unter anderem auf Juden gemünzte Begriffe wie „Parasiten“, „Artfremde“, oder „Krebsgeschwüre.“

Begriffsdefinitionen der Harry-Potter Welt:

Als Muggelstämmige bezeichnet man Zauberer/Hexen, deren Eltern gewöhnliche Menschen ohne Zauberkräfte sind. Als Muggel werden in der magischen Welt die Menschen bezeichnet, die keine Zauberkräfte haben. Aus der Sicht vieler Zauberer und Hexen fehlt Muggeln ohne Magie jedoch etwas Entscheidendes, um mit praktischen Dingen des Lebens klarzukommen. Muggel sind außerdem der Grund dafür, wieso die Zauberwelt unter sich bleibt, denn es wird befürchtet, dass Muggel sonst dauernd magische Lösungen für ihre Probleme erwarten würden. Trotz der Beurteilung, Muggel sollten aus der magischen Welt herausgehalten werden, sind Partnerbeziehungen zwischen Muggeln und Zauberern/Hexen in der magischen Gesellschaft dennoch sehr verbreitet. Kinder aus solchen gemischten Ehen erben normalerweise die Zauberkräfte ihres magischen Elternteils, da sich diese dominant durchsetzen. Es kommt aber auch vor, dass Nachkommen aus rein magischen Familien keine magischen Fähigkeiten haben, welche man dann als „Squibs“ bezeichnet. Muggel-Zauberer-Familien sind dennoch relevant für den Fortbestand der Zauberergemeinschaft, denn es gibt so wenige Zaubererfamilien, dass sie sich nicht nur untereinander fortpflanzen könnten, da es ansonsten zu inzestbedingten Gendefekten kommen könnte. Dennoch werden gemischte Familien innerhalb der magischen Gesellschaft oft etwas misstrauisch betrachtet und von sogenannten „Reinbütern“ (sprich Zauberer/Hexen, die keine Muggel in ihrer Familie haben) aufgrund ihrer Muggelabstammung diskriminiert. Diese Reinblüter sind der Meinung, dass sie „von edler Abstammung“1 sind und demnach über den anderen stehen.

Die Ausgrenzung „Muggelstämmiger“ in der Harry-Potter Welt

Eine mehrseitige Broschüre mit dem Titel „SCHLAMMBLÜTER und die Gefahren, die sie für eine friedliche reinblütige Gesellschaft darstellen“ wird im britischen Zaubereiministerium in größerer Auflage hergestellt. Zwar ist auf der rosanen Titelseite kein Verfasser angegeben, aber der Stil der Aufmachung verrät, dass das Propagandawerk von Dolores Umbridge, der Vorsitzenden des britischen Zaubereiministeriums, erarbeitet wurde. 2 Sie wählte den Titel absichtlich rassistisch, verwendet das abwertende Wort „Schlammblut“3 und hat es in Großbuchstaben abdrucken lassen, während der Rest normal geschrieben wurde. Dadurch trennt sie nicht nur die beiden Gruppen optisch voneinander, sondern nutzt die Großbuchstaben um dem Leser das Gefühl zu geben, angeschrien zu werden. Dadurch wird der Leser aufmerksam und geht von einer Gefahr aus, während das Friedliche der Reinblüter beibehalten wird. Der verwendete Begriff Schlammblut ist dabei eine abschätzigende Beleidigung für jemanden, der aus einer Muggelfamilie stammt und vergleichbar mit Beleidigungen gegenüber ethnischen Gruppen und Minderheiten. Er wurde absichtlich herabwürdigend und beleidigend gewählt und wird von denen benutzt, die sich auf ihre reinblütige Zauberabstammung etwas einbilden. Dabei handelt es sich dann um offene und verabscheuungswürdige Diskriminierung. Das Muggelblut wird hier also mit Schlamm gleichgesetzt und besagt, dass es reines Blut „verunreinigt“ oder „verdreckt.“4 Die angebliche Bedrohung Reinblütiger durch Muggelstämmige versinnbildlicht das Bild unter dem Titel der Broschüre: Eine lächelnde rote Rose mit verängstigtem Gesichtsausdruck wird von einem finster aussehenden Unkraut erstickt. Die Rose wurde hierbei bewusst als Symbol für Schönheit, Unschuld und Anerkennung gewählt und soll für die reinblütige Gesellschaft stehen. Diese versuchen laut der Broschüre bloß ein friedliches Leben unter sich zu führen. Das dunkle Unkraut hingegen ist ein Symbol des Bösen und rückt Muggelstämmige in ein schlechtes Licht. Diese beinträchtigen die harmlosen Reinblüter in ihrer Lebensweise und verängstigen sie. Durch derartige Artikel entstehen Vorurteile und Gerüchte über bestimmte Randgruppen.

Nach diesen Angaben folgt ein Bild aus dem Internet zur Verdeutlichung:

[Die Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen von der Redaktion entfernt.]

Aufzählung und Erläuterung der Anti-Juden Mechanismen während der NS-Zeit

Die vorsätzliche und planmäßige Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten während des zweiten Weltkrieges ist an Unmenschlichkeit einzigartig in der Geschichte. Um den Einfluss der antisemitischen Sprache, und Mechanismen auf die Bevölkerung nachvollziehen zu können, sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Basis der Verfolgung und Vertreibung sich durch judenfeindliche Klischees aus biblischer Zeit sogar bis ins zwanzigste Jahrhundert überdauert haben. Angriffe auf die religiöse Identität und die körperliche Integrität wurden mit rassischen Eigenschaften, kulturellen Vorurteilen und gesellschaftlichen Bedrohungsszenarien legitimiert. Eines dieser Vorurteile ist dadurch zu begründen, dass Juden früher kein so genanntes „ehrliches“ Handwerk ausüben durften und sich demnach gezwungenermaßen zunehmend in Handel- und Geldgeschäften betätigten. Da die Kirche in diesem Bereich wiederum Christen verboten hatte, Geld gegen Zinsen zu verleihen, waren diese darauf angewiesen, sich zu verzinsendes Geld von Juden zu borgen. So befanden sich viele Juden nicht nur in der Rolle des missliebigen Konkurrenten der Kaufleute, sondern auch in der des Kreditgebers gegenüber Verschuldeten. Demnach war der Geldhandel „Segen und Fluch“ zugleich, da er einerseits eine Voraussetzung für deren Aufnahme, andererseits aber stets ein Grund für deren Gefährdung war. 5 Juden wurden aber auch noch des Christusmordes beschuldigt. 6 Die Propaganda mied hierbei jedoch allzu aggressive Ausfälle, weshalb sachliche Ausdrücke oft als Euphemismus dienten, um Mordpläne und grausame Taten zu verdecken und zu verharmlosen: z. B. „Endlösung der Judenfrage“ für die angestrebte Vernichtung der Juden. Demnach wurde die antijüdische Stimmungsmache unterschwellig vermittelt. Bis 1941 war das Ziel der Nazis jedoch nicht die Vernichtung, sondern die Vertreibung und Verdrängung der in Deutschland lebenden Juden. Auf der Grundlage der Behandlung als fremde Minderheit und als Feinde im Heimatland folgte die Beschlagnahme ihres Eigentums, welche dazu dienen sollte, die durch die Kriegsvorbereitungen strapazierten Staatskassen aufzubessern. Die „Nürnberger Gesetze“ vom September 1935 hatten die völlige Ausgrenzung der Juden aus der von den Nationalsozialisten propagierten „Volksgemeinschaft“ bewirkt. Diese Maßnahme wurde durch die Bezeichnung „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ verschleiert und hatte den Ausschluss von Juden aus der Beamtenschaft und die Aufhebung der Rechtsgleichheit zur Folge. 7

Vergleich mit den Anti-Muggel Mechanismen

Wie in den meisten Diktaturen gibt es auch bei den Todessern einen klaren Anführer, der alle Entscheidungen trifft und seine Schergen lenkt. Im zweiten Weltkrieg war es Adolf Hitler der die Nazis angeführt hat, bei der Schlacht von Hogwarts führte Voldemort die Todesser an. Dabei hatten beide in den ruhigen Phasen etliches „Personal“ für die groben Arbeiten und vor Kriegsende bzw. vor der großen Schlacht um Hogwarts begann die ungehemmte Mitgliederaufnahme. 8 Die Blutstatuseinteilung, juristiche Definition und die entsprechende Ausgrenzung von Muggel/Schlamm-/Halbblut bzw. Voll-/Halb-/Vierteljude ist ebenfalls in beiden Ereignissen zu finden. Als überlegene „Herrenrasse“ wiederum galten in der Harry Potter-Welt die Reinblüter, im dritten Reich die sogenannten „Arier“. Dabei gibt es keinerlei optische Merkmale für beide gejagten Randgruppen, weshalb theoretisch jeder dieser angehören könnte. Auch die Verfolgung aller, die das eigene Weltbild nicht teilen und sich gegen diese politische Linie stellen, werden (unabhängig von ihrem Blutstatus) ebenfalls verfolgt. Dies ist sowohl in den Harry Potter Geschichten, als auch im dritten Reich der Grund dafür gewesen, weshalb sich viele nicht getraut haben, sich gegen das Schreckensregime aufzulehnen und als stumme und betretene Zuschauer agierten. Es lässt sich demnach zusammenfassen, dass Furcht, Einschüchterung und Abgestumpftheit die Hauptgründe dafür sind, dass der Rassismus passiv geduldet wurde und sich zum allgegenwärtigen Rassismus verhalten wurde. Zugleich riefen diese gewaltsamen Aktionen das Risiko und die Angst ins Bewusstsein, dass bislang unbekannte jüdische Wurzeln zum Vordergrund kommen könnten. Somit war die Zugehörigkeit zur „arischen Rasse“ einerseits beruhigend, blieb andererseits jedoch fragil. Sowohl Hitler, als auch Voldemort wollten ein autoritäres und führerorientiertes System, das den Rückhalt der Bevölkerung genoss. Diese sollten ihre Liebe zum Führer zeigen und durch aktive Zusammenarbeit mit dem Regime ihre Vision von einer „reinrassigen“ Welt auf radikale Weise realisieren. Beide Gruppierungen halten sich für eine reinrassige Elite und verfolgen diese Ideologie sogar bis in den Tod. Beide verlangten die uneingeschränkte Verfügung über die Beherrschten und ihre völlige Unterwerfung unter ein von ihnen bestimmtes Ziel. Dieses bestand in einer Diktatur mit Reinblütern, weshalb sie anfingen Nicht-Reinblüter systematisch zu vernichten. Diese „minderwertigen“ Menschen sollen laut den Todessern unterdrückt oder gar vernichtet werden. Die Unterdrückung dieser „niederen Rasse“, vorrangig aller Muggelstämmigen, nimmt mit der Machtergreifung Voldemorts drastisch zu. Als Voldemort und seine Anhänger im August 1997 das Zaubereiministerium übernehmen, wird der rassistische Herrschaftsanspruch magischer Menschen über Muggel zur offiziellen Politik und somit das „Abschlachten von Muggeln unter dem neuen Regime allmählich zu einem „gehobeneren Freizeitsport.“9 Die diskriminierenden Anti-Muggel-Aktivitäten und der Rassenwahn gipfelten jedoch bereits in der Forderung einer extremistischen Hexe aus dem Hause Black, Muggel zur Jagd freizugeben. 10 Es werden Greifer dafür bezahlt, dass sie Muggelstämmige und Blutsverräter jagen und fangen. 11 Eine Registrierungskommission für Muggelstämmige 12 wird eingerichtet, bei der alle Magier, die verdächtigt werden, muggelstämmig zu sein, ihren „Blutstatus“ und somit die legitime Herkunft ihrer Zauberkräfte innerhalb einer Gerichtsverhandlung nachweisen müssen. Es wird außerdem behauptet, dass „sofern der sogenannte Muggelstämmige keine Zauberer als Vorfahren nachweisen kann, […] er seine magische Kraft daher aller Wahrscheinlichkeit nach durch Diebstahl oder mit Gewalt erlangt [hat].“13 Man erhält das Gefühl, dass es eine Straftat ist, muggelstämmig zu sein. Auch die Herkunft ihres Zauberstabes muss dabei erwähnt und bewiesen werden, denn es sei nur magischen Menschen gestattet, einen Zauberstab zu benutzen. 14 Alle, denen dies aberkannt wird, erhalten eine Haftstrafe oder erleiden Schlimmeres. Es wird sehr deutlich, dass ein Zauberer ohne Zauberstab einen großen Teil seiner Macht verliert und nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft existieren kann. Unter dem Motto „Magie ist Macht“15 wird diese Anti-Muggel-Politik durch eine propagandistische Hetzkampagne begleitet. Die Hexe Charity Burbage, die in Hogwarts das Fach Muggelkunde unterrichtete, wird beispielsweise entführt, gefoltert und schließlich getötet. 16 Einige Muggel tauchten unter, wurden andernfalls gejagt, diskriminiert und mussten um ihr Leben fürchten. Da stecken bereits viele Parallelen zu der Ideologie der Nazis, denn um keine Nachteile erleiden zu müssen, musste man eine arische Verwandtschaft mithilfe eines Stammbaums nachweisen können und somit beweisen, dass man über mehrere Generationen kein Judenblut hatte. Noch dazu hatten jüdische Bürger zur Zeit des Dritten Reiches das Wort „Jude“ fettgedruckt in ihrem Pass stehen. Ebenso wurden ab dem 1. September 1941 alle Juden im ganzen deutschen Reich dazu verpflichtet, auf der Straße einen Davidstern zu tragen, damit sie sich durch ihre Bekleidung zu erkennen gaben, die Allgemeinbevölkerung sie als Minderwertige identifizieren konnte und sie vom Rest der Bevölkerung isoliert wurden. 17 Neben den Parallelen zur Basis ihrer Schreckensherrschaft wird ebenfalls eine Erweiterung des Lebensraums angestrebt. Die Deutschen begannen unter Hitler den 2. Weltkrieg um ihr Machtgebiet zu erweitern. Auch außerhalb der Magiergesellschaft wird angedeutet, dass die Zauberer sich frei unter Muggeln bewegen wollen, nicht mehr sie fürchtend oder duldend, sondern sie beherrschend. 18 Die gleichgeschaltete Presse und die allgemeine Kontrolle der Medien sind ebenfalls in beiden Ereignissen zu finden. Parolen und Artikel der radikalsten nationalsozialistischen Tageszeitung resultieren aus dem Drang überzeugter Nationalsozialisten, ihre antisemitischen Überzeugungen vor aller Augen zu demonstrieren und sich gegen Zweifler durchzusetzen. Die Propaganda und die damit einhergehende Manipulation erfolgte also sowohl im dritten Reich, als auch in der Harry Potter Welt. Diese wurden als Instrument der persönlichen Selbstinszenierung genutzt. Die Kontrolle durch das Propagandaministerium nahm zu, da die Deutschen darin eine Chance zur umfassenden kulturellen Erneuerung sahen und sich so fühlten, als hätte die Politik des Dritten Reiches ihnen dazu verholfen, sich auf ihre völkischen Wurzeln und Werte zurückzubesinnen. Die Propagandaabteilung rückt gezielt „scharfe Rassenkontraste“ in den Vordergrund ihrer Aktionen und betont den vermeintlich schädlichen und zerstörerischen Einfluss der jüdischen Minderheit in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Charakteristisch war daher auch, auseinander liegende politische Gegner unter Stereotypen wie „dem Judentum“ zusammenzufassen und alle feindlichen Mächte unter dem Begriff des „Systems“ zu subsumieren. Auch die Ähnlichkeit des Titels der ersten und zweiten Schlacht zum Titel des ersten und zweiten Weltkrieges bzw. die Tatsache, dass zuvor bereits Krieg herrschte und dieser ein weiteres Mal ausbrach, ist auch noch zu erwähnen. Voldemort scheint auch angesichts seiner eigenen Kindheit im zweiten Weltkrieg eine Hitler-Metapher zu sein. Hitler stahl die Swastika, als uraltes Symbol, und nutzte es als Merkmal seiner rassistischen Ideologie. Auch Grindelwald, ein verstorbener schwarzmagischer Zauberer, förderte die Hetze gegen Muggel aktiv und ließ seine Anhänger das Zeichen der Heiligtümer des Todes tragen. Auch dass er einen deutschen Namen trägt, könnte eine Anspielung auf den in Deutschland stattgefundenen zweiten Weltkrieg sein Dieses stand ursprünglich für etwas anderes und wurde von ihm zweckentfremdet. 19 Die Angst den „verfluchten“ Namen Voldemorts auszusprechen, und ihn stattdessen mit Synonymen wie „Du-weißt-schon- wer“ zu umschreiben, spiegelt auch das gesellschaftliche Tabu, Hitlers Namen heutzutage zu erwähnen, wieder. 20 Der Diktator Adolf Hitler bestand jedoch auf die Ansprache „mein Führer“, während Voldemort von seinen Gefolgsleuten, den Todessern, respektvoll mit „Dunkler Lord“ oder schlicht mit „Herr“ angesprochen wird. 21 Den Namen „Lord Voldemort“ nutzte er, da sein eigentlicher Vorname Tom weitverbreitet unter Muggeln war und er sich von der unterlegenen Masse emporheben wollte. Die Todesser betreiben einen Personenkult um ihren „Führer“ und verharren im Untergrund bis er zurückkehrt. Auch vertraten Voldemort und Hitler nicht vollständig und bedingungslos ihre rassistische Ideologie. Hitler ließ Eduard Bloch, den jüdischen Arzt seiner Mutter, beispielsweise lange am Leben und hielt ihn im Geschäft. 22 Ähnlich verhält es sich mit Voldemort, der seine Überzeugungen ebenfalls nicht wirklich durchsetzt und zu seinen Gunsten auch eigentlich verhasste magische Wesen durchwinkt. Severus Snape scheint als Halbblut beispielsweise von Voldemort toleriert zu werden und gehört sogar zu seinen Todessern. Dennoch gehören Reinblüter seiner Meinung nach einer überlegenen Rasse an. Dies zeigt Voldemort unter anderem mit seiner Aussage, dass „jeder Tropfen magisches Blut, das vergossen wird, ein Verlust und eine Verschwendung [ist].“23 Diese Klassifizierung bewertet alle Muggelstämmigen demnach als minderwertig und erhebt reinblütige Zauberer über alle anderen Lebewesen. Wer reines Zaubererblut hat, sei somit von Natur aus überlegen. Rassistisch beurteilt dürfte es Squibs also gar nicht geben und so werden sie auch behandelt: sie werden von ihren Familien totgeschwiegen und tauchen ohne Beachtung ihrer anderen Merkmale unter. 24 Auch die Blutideologie der Nazis spricht Menschen weniger bis keinen Wert zu, sobald eine Verwässerung ihres Reinblutes eintritt, da sie davon ausgehen, dass jegliche rassische Vermischung die Gesellschaft bedroht. Dabei hält Voldemort eine Menschengruppe für besser und wertvoller als alle anderen, der er als Halbblut ironischerweise selbst nicht angehört. Hitler verfolgte das Menschenbild vom großen, blonden und blauäugigen Arier, dem er ebenfalls nicht entsprach. Hitlers Juden, waren Voldemorts Muggel. Dennoch sind die Parallelen von Hitler und Grindelwald eindeutiger, als die von Hitler und Voldemort. Letzterer hatte nämlich ausschließlich das Ziel, seinen eigenen Tod zu besiegen 25 und nutzte die Hetze gegen Muggel ausschließlich, um die Reinblüter als Anhänger zu gewinnen. Er schaffte ein gemeinsames Feindbild um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und nutzte dieses zum persönlichen Aufstieg. Während den Reinblütern somit eine gemeinsame Bedrohung vorgegaukelt wurde, hatten bloß Macht und Unsterblichkeit oberste Priorität für ihn. Grindelwald hingegen hat aktiv Muggel gejagt und vertrat diese Ideologie auch. Er ließ Skulpturen errichten, welche Hunderte von nackten Muggeln mit „ziemlich dummen Gesichtern“ zeigt, die die Last schön gekleideter Zauberer trugen. 26 Sinnbildlich stehen die Muggel demnach in der Hierarchie unter den Reinblütern und sind als minderwertig zu betrachten Der Slogan über Grindelwalds Gefängnis Nurmengard „Für das größere Wohl“27 diente als Rechtfertigung seiner Gräueltaten. Dabei erinnert nicht nur der Name Nurmengard an das deutsche Nürnberg und in diesem Zusammenhang an dessen Rolle während der NS-Herrschaft, 28 sondern auch die Inschrift lässt an die zynische Parole „Arbeit macht frei“ an den Toren nationalsozialistischer Konzentrationslager denken.

[...]


1 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.723

2 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.248

3 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.172

4 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.468

5 vgl. „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“, unter: https://www.baustein.dgb-bwt.de/C2/DieDeutschen.html

6 vgl. Menneken, Kirsten: „Jüdisches Leben in Westfalen“, 1998, S.32

7 vgl. Menneken, Kirsten: „Jüdisches Leben in Westfalen“, 1998, S.149

8 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.693

9 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.422

10 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.435

11 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.379

12 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.208

13 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.209

14 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.259

15 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.240

16 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.19

17 vgl. Herzig, Arno: „Jüdische Geschichte in Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart“, 2002. S.59

18 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.193

19 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.402

20 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.150

21 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.635

22 vgl. „Hitlers Edeljude“, unter: https://www.welt.de/welt_print/article2836349/Ich-werde-ewig-dankbar-sein.html

23 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.652

24 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.217

25 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.702

26 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.709

27 Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.241

28 vgl. Rowling, J. K.: „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, 2007, S.357

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung und Sprache der Ausgrenzung "Muggelstämmiger" in der Harry-Potter Welt Band VII "Heiligtümer des Todes" im Vergleich zu den Mechanismen der NS-Zeit
Note
1
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V989833
ISBN (eBook)
9783346352057
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Harry Potter, Muggel, Muggelstämmige, NS-Zeit, Darstellung und Sprache, Halbblüter, Reinblüter, Arier, Rassismus, Malfoy, Heiligtümer des Todes, Deathly hallows, Anti-Juden Mechanismen, Totalitären Staat, Hitler, Voldemort, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Muggel-feindlich
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Die Darstellung und Sprache der Ausgrenzung "Muggelstämmiger" in der Harry-Potter Welt Band VII "Heiligtümer des Todes" im Vergleich zu den Mechanismen der NS-Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989833

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