Ethikunterricht und literarisches Textverstehen. Ein positiver Einfluss?


Ausarbeitung, 2018

6 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff der Empathie im Kontext literarischen Textverstehens

3 Zusammenfassung und Diskussion der empirischen Studie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sobald man sich im Bereich der Bildungswissenschaften bewegt, ist es wichtig sich vor Augen zu führen, worum es im Wesentlichen geht. Es geht um Bildung - darum, junge Menschen dazu zu befähigen autark und kompetent in unserer Gesellschaft zu existieren. Lehrende nehmen dabei eine immens wichtige Rolle im Leben dieser jungen Menschen ein, indem Sie versuchen genau diesen Auftrag auszuführen.

Die Konzepte der Bildung und des Lehrens, mit Anspruch diese stets zu revidieren, unterlaufen daher einem stetigen Wandel. Auch heutzutage, in einer sich stets politisch und gesellschaftlich transformierenden Zeit, setzt man sich mit der Effektivität des Bildungskonzeptes auseinander. In dieser Arbeit soll die Relevanz des Philosophie Unterrichts hinsichtlich der Entwicklung von Empathie verdeutlicht werden. Neben dem moralischen Aspekt soll allerdings Empathie als affektive Komponente verstanden werden, welche für das Verstehen literarischer Texte bedeutsam ist.

Zunächst soll in das Thema eingeführt werden, welches anschließend anhand einer empirischen Studie diskutiert wird. Der Zusammenhang zwischen Empathie und dem Textverständnis wird anhand anderer Studien erneut überprüft und auf seine Genauigkeit untersucht. Anhand der Ergebnisse soll ein Fazit bezüglich der Fragestellung dieser Arbeit erzielt werden.

2 Der Begriff der Empathie im Kontext literarischen Textverstehens

Die empirische Originalarbeit, welche für diese Arbeit herangezogen wurde, trägt den Titel: „Zusammenhang zwischen Empathie und dem Verstehen literarischer Texte" und wurde von Sofie Henschel und Thorsten Roick verfasst.

Die Untersuchungen basieren auf der Annahme, Empathie als „mehrdimensionales Konstrukt" (S. 104) zu verstehen, welches zunächst in kognitive und affektive Dimensionen zu unterteilen ist. Diese Dimensionen lassen sich wiederrum in verschiedene Kontexte und Situationen einbetten. Die Hauptfacetten der Empathie unterteilen sie vor allem in Betroffenheit und Fantasieempathie.

Außerdem wird anerkannt, dass multiple Merkmale Einfluss auf das Textverstehen von Schülerinnen und Schülern haben können. Hierzu gehören vor allem kognitionspsychologische Verarbeitungsprozesse aber auch das Vorwissen oder die Lesemotivation des Kindes. Des Weiteren stellen die Faktoren des familiären Hintergrundes und des Geschlechts bedeutsame Indikatoren für das Verständnis von literarischen Texten dar (vgl. S.105 f).

3 Zusammenfassung und Diskussion der empirischen Studie

Die empirische Studie soll anhand der Datenerhebung folgende Frage beantworten: Gibt es einen differenziellen Zusammenhang zwischen Facetten der Empathie und dem Verstehen literarischer Texte und Sachtexte unter Berücksichtigung motivationaler und soziodemografischer Merkmale?

Um die aufgestellten Hypothesen (vgl. S. 106) zu überprüfen wurden 1369 Jugendliche aus 57 Klassen der neunten Jahrgangsstufe getestet. Hiervon wurden 23 Klassen einer Hauptschule, 20 Klassen einer Realschule und 14 Klassen eines Gymnasiums herangezogen.

Alle Jugendlichen wurden drei Test unterzogen, wobei folgende Variablen berücksichtigt wurden: Das literarische Textverstehen, die Empathie, die Lesemotivation und der soziodemografische Hintergrund der Schülerinnen und Schüler.

Das literarische Textverstehen wurde anhand eines Booklets mit vier Aufgabeneinheiten mit inhaltsbezogenen und formbezogenen Charakteristika untersucht. Das Sachtextverstehen überprüfte man separat anhand vier weiterer Aufgaben.

Die Empathie erfasste man über das Modell der E-Skala (vgl. Leibetseder et al.), welche vier Antwortmöglichkeiten von „Trifft zu" bis "Trifft nicht zu" enthielt. Des Weiteren wurden die verschiedenen Modelle der Skala auf ihre Einsetzbarkeit überprüft, wobei das dreidimensionale Modell als Grundlage für alle weiteren Analysen genutzt wurde.

Die Schülerinnen und Schüler füllten außerdem eine vierstufige Skala über ihre Lesefreude und eine fünfstufige Skala über ihre Lesevielfalt aus, um die Lesemotivation zu ermitteln.

Die Soziodemografischen Daten wurden dem Highest International Socio-Economic Index of Occupational Status entnommen. Unter soziodemografische Strukturdaten zählen z.B. Familienstand, Haushaltsgröße, Status oder Alter.

Anschließend wurden statistische Analysen der erhaltenen Daten durchgeführt. Hierfür wurden anerkannte wissenschaftliche Methoden angewandt (vgl. S. 108-110).

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Empathie in realen Situationen und Empathie in fiktiven Situationen in keinem Zusammenhang mit literarischem Textverstehen stehen. Allerdings kann man emotionaler Fantasieempathie Einfluss auf das Verstehen literarische Texte zuweisen (10% Varianzanteil). Auch das Textverstehen von Sachtexten wird positiv beeinflusst, allerdings geringer (4% Varianzanteil).

Verglichen mit vergangenen Studien bezüglich des Zusammenhangs zwischen Empathie und Textverstehen gibt es Überschneidungen, aber auch Unterschiede. Die Annahme, dass generell Empathie positiven Einfluss auf Leseverstehen habe, ohne beide Aspekte genauer zu differenzieren (vgl. Bourg et al.,1993), konnte mit der empirischen Studie widerlegt werden. Die bereits geltende Annahme, dass Fantasieempathie stärkeren Bezug auf das Verstehen literarischer Texte als auf das Verstehen von Sachtexten habe (vgl. Mar et al., 2006), konnte verifiziert und ergänzt werden. Weitergehend wurde auch die Betroffenheit dahingehend charakterisiert, dass Sie bei fiktiven Szenarien nicht greifen könne, da kein realer Bezug hergestellt werden könne. Auch diese Ergebnisse sind deckungsgleich mit bisherigen Forschungen (vgl. Mar et al.,2006).

Was problemorientiert außerdem zu beleuchten wäre, ist zunächst die persönliche Situation der teilnehmenden Schüler und Schülerinnen, aber auch die Motivation an der Teilnahme der Test. So könnten Ergebnisse verfälscht werden, wenn Teilnehmer sich privat in einer emotional herausfordernden Situation befinden und sich nicht vollkommen auf die Tests konzentrieren könnten. Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass sofern die Teilnahme nicht freiwillig, sondern verpflichtend war, die SchülerInnenen keine hinreichende Motivation bezüglich der wahrheitsgemäßen oder ernsthaften Beantwortung vorwiesen.

4 Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass emotionaler Fantasieempathie unter Berücksichtigung motivationaler und soziodemografischer Merkmale als affektive Komponente positiver Einfluss auf literarisches Textverstehen nachgewiesen werden konnte. Wenn man davon ausgeht, dass Fantasieempathie Bestandteil des Ethik Unterrichts darstellt, es sich durchaus positiv auf das literarische Textverstehen der Schüler und Schülerinnen auswirken wird. Noch allgemeiner betrachtet könne man demnach die These begründen, dass das Unterrichtsfach Philosophie sich positiv auf die Leistungen in sämtlichen Fachbereichen, vor allem aber z.B. Deutsch auswirke. In den Fachanforderungen des Faches Philosophie steht geschrieben: „[Philosophie] Unterricht trägt dazu bei, Bereitschaft zur Empathie zu entwickeln, und fördert die Fähigkeit, die eigenen Überzeugungen und das eigene Weltbild in Frage zu stellen." (Fachanforderungen Philosophie, Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein, Kiel, August 2016).

Philosophie wird oft nur als schwerere Alternative oder Wahlfach verstanden und angeboten. Dennoch ist es wichtig zu beleuchten, dass die Unterrichtsinhalte nicht nur fördernd für die generelle Entwicklung der Schüler sind, indem sie dazu befähigt werden, die Welt und sich selbst genauer und kritischer zu beurteilen. Tiefergehende Aspekte wie die Bestärkung der Leistungen in anderen Fächern stellen aber durchaus auch Faktoren dar, das Fach Philosophie in seiner Wichtigkeit zu stärken.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Ethikunterricht und literarisches Textverstehen. Ein positiver Einfluss?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
bestanden
Autor
Jahr
2018
Seiten
6
Katalognummer
V991579
ISBN (eBook)
9783346361233
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethikunterricht, textverstehen, einfluss
Arbeit zitieren
Lara Witt (Autor), 2018, Ethikunterricht und literarisches Textverstehen. Ein positiver Einfluss?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991579

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