Transformation und Integration, Perspektiven der EU-Erweiterung am Beispiel Polen


Ausarbeitung, 2000
15 Seiten

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Inhalt

1.Der Transformationsprozess in Polen
1.1. Vorgeschichte
1.2. Durchführung
1.3. Fazit

2. Die EU-Erweiterung
2.1. Perspektiven der EU-Erweiterung
2.2. Vorteile der EU-Erweiterung
2.3. Nachteile der EU-Erweiterung

3. Anlagen

4. Literaturangaben

1.Der Transformationsprozess in Polen

1.1. Ursachen

Durch die kommunistische Regierungsform kam es seit 1960 zu zunehmenden Wachstumsschwierigkeiten und Strukturproblemen in der polnischen Wirtschaft. Die Hauptprobleme stellten die erreichte Vollbeschäftigung und die völlig überalterten Produktionseinrichtungen dar.

Durch Demonstrationen kam es 1970 zum Sturz der Gomulka Regierung.

Das Modernisierungsprogramm Giereks (neuer Ministerpräsident) scheiterte ebenfalls durch die hohe Kreditaufnahme. Seine Wirtschaftspolitik verursachte steigende Inflationsraten (Abb. 1) und damit das weitere Ansteigen der polnischen Schuldenkrise, die 1980 ihren Höhepunkt erreichte.

Weitere Ursachen des zunehmenden Produktionsrückgangs waren der Zusammenbruch des RGW-Handels, die wirtschaftlichen Folgen der Einheit Deutschlands, der Niedergang der SU und die restriktive Handels- und Einkommenspolitik. Die mangelnde Versorgung der Bevölkerung führte 1980 zu sozialen Unruhen und zu einer ernsthaften Bedrohung des Machtmonopols der kommunistischen Regierung.

Die polnische Regierung entschloss sich mit den westlichen Gläubigern, die im Pariser bzw. Londoner Klub zusammengeschlossen waren, Umschuldverhandlungen aufzunehmen. Sie machten aber ihre Hilfen vom Beitritt Polens zum IWF abhängig. Aufnahme Polens in den IWF und in die Weltbank erfolgte 1986. Die Auflagen des IWF zur Überwindung der Schuldenkrise scheiterten meist am Reformwillen der kommunistischen Regierung. Das führte zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Polens, was 1989/90 zur Hyperinflation führte. Das alte politische, soziale und kulturelle System brach entgültig zusammen, denn mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Partei verlor die planwirtschaftliche Wirtschaftordnung ihr eigentliches Steuerungssystem. Polen unterzeichnete 1989 die vom IWF verlangte Absichtserklärung, bezüglich der Sanierung der Wirtschaft und Umstellung auf die marktwirtschaftliche Ordnung. Das stellte die Voraussetzung für den IWF-Beistandskredit dar. 1

1.2. Durchführung

In Polen wurde am 1.1.1990 die Schocktherapie2 eingeführt. Die Folgen waren eine restriktive Geldpolitik (Verringerung der Geldmenge), die Verhinderung übermäßiger Lohnsteigerungen, eine kräftige Abwertung des Zloty und schrittweiser Abbau aller bisheriger Subventionen. Diese Form der Umwandlung von Planwirtschaft in Marktwirtschaft lief nicht ohne wirtschaftliche Risiken ab. Es kam zu makroökonomischen Instabilitäten, wie zum Beispiel ein drastisches Absinken des BIP (Abb.4), ein drastisches Ansteigen der Inflationsrate (Abb. 1), Anstieg der Arbeitslosenquote (Abb. 3), welche die Erwartungen der Bevölkerung auf steigenden Wohlstand zunehmend enttäuschten. Das alte System war vollständig zusammengebrochen, doch das neue System war noch nicht funktionsfähig. Die Umschuldverhandlungen mit dem ,,Pariser Club" der öffentlichen Kreditgeber und dem ,,Londoner Club" der Geschäftsbanken wirkten sich positiv auf die Kreditwürdigkeit Polens aus und ermöglichten den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Unter der Leitung des polnische Finanzminister wurde 1989 ein umfangreiches Reformprogramm erarbeitete - das Balcerowitz-Programm.

Dieses Reformkonzept des Finanzministers Balcerowicz überzeugte den IWF und führte zu Bereitschaftskreditvereinbarungen, welche die Umsetzung des Balcerowicz-Programms ab 1990 unterstützen sollten. Dieses Programm wirkte zuerst stabilisierend auf die Wirtschaft Polens. Die Nachteile des Balcerowicz-Programm lagen darin, dass die restriktive Kreditpolitik und der Nachfragerückgang, die Anbieter (Unternehmen) nicht zu einem effizienteren Verhalten und zu Strukturanpassungen zwingen konnte.

Die gesamtwirtschaftliche Produktion ging, nach dem Einsetzten des Balcerowicz-Programms auf Schocktherapiebasis, von + 0,2 1989 auf -12,0 1990 in den negativen Bereich über.3 Der Mazowiecki-Regierung wurde vorgeworfen, durch die restriktive Geld- und Kreditpolitik die Rezession noch weiter voran getrieben zu haben.

Politische Instabilitäten und Vertrauensverluste in die Regierung führten immer wieder zu Neuwahlen und häufigen Regierungswechseln in den Folgejahren. (Abb. 2)

1990 wurde ein umfangreiches Privatisierungsprogramm vorgelegt. Das übergeordnete Privatisierungsziel lag in der Einführung und Wiederherstellung umfassender privatwirtschaftlicher Eigentumsstrukturen in der Wirtschaftsordnung. In Polen wurden die ,,kleine" und die ,,große" Privatisierung angewandt.

Im Rahmen der ,,kleinen" Privatisierung wurden durch Liquidierung4 vor allem im Einzelhandels- und Dienstleistungssektor kleinere staatliche Betriebe in Privatunternehmen umgewandelt. Es wurden 2250 Unternehmen bis Ende 1994 der Privatisierung unterzogen.

Davon sind 1226 Unternehmen in Konkurs gegangen, 743 Unternehmen an das Management oder die Belegschaft verpachtet worden und 281 Unternehmen in privaten Besitz übergegangen.5 Diese Art der Privatisierung ist durch die relativ hohe Zahl der privatisierten Unternehmen erfolgreich verlaufen und weitestgehend abgeschlossen. Bei der ,,großen" Privatisierung wurden die mittleren und großen Staatsbetriebe durch Kapitalprivatisierung in privates Vermögen umgewandelt oder in Aktiengesellschaften umgewandelt. Bei den Aktiengesellschaften sollten 20% der Belegschaft vorbehalten bleiben und 10% konnten Ausländer genehmigungsfrei erwerben.

Bis Ende 1994 wurden insgesamt 135 Unternehmen privatisiert. Die Privatisierung der mittleren und großen Staatsbetriebe ging nur schleppend voran, da die Massenprivatisierung nicht im Privatisierungsprogramm ausgeführt wurde. Außerdem stellte die fehlende Wettbewerbsfähigkeit die Privatisierung der großen staatlichen Unternehmen in Frage. Das polnische Privatisierungsministerium unterliegt außerdem direktem politischen Einfluss, da der Privatisierungsminister Mitglied der Regierung ist.

Auf Grund häufiger Regierungswechsel (Abb. 2) in den vergangenen Jahren, konnte sich bis 1997 keine klar definierte Privatisierungszielsetzung herausbilden, was zu einer Verlangsamung der Reform- und Privatisierungsprozesse. Keine Regierung hat explizit Privatisierungsziele neu definiert. Der IWF und die Weltbank übten Kritik an Ankündigungen und Veränderungen der Nachfolgeregierungen oder verweigerten weitere Hilfen, was zum erneutem Vertrauensverlust dieser Regierung und oftmals zu deren Sturz führte .6

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist bedingt durch die hohen Arbeitslosenzahlen nicht gut. Der sprunghafte Anstieg der Arbeitslosigkeit ist kein vorübergehendes Phänomen mehr. (Abb. 3) Erst ab 1994 zeichnet sich ein Trend zum allmählichen Ende des Beschäftigungsrückgangs und damit hin zu einer Abnahme der offenen Arbeitslosigkeit ein. In den letzten Jahren konnte vor allem ein Rückgang in der Arbeitslosigkeit, auf Grund von verstärkter Schwarzarbeit, vermehrten Frühpensionierungen und einer Gründerwelle der privaten Klein- und Mittelbetriebe erzielt werden. Durch die Expansion des Privatsektors ist dort die Beschäftigung ebenfalls angestiegen. Vor allem Jugendliche und Frauen sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Vor allem die durch Landwirtschaft geprägten Regionen sind mit hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Außerdem hatte die Schaffung von Sonderwirtschaftzonen 7 ebenfalls eine Reihe von neuen effizienteren Unternehmen hervorgebracht. In der Region wurde die Branchenvielfalt vergrößert.

Die Liberalisierung des Außenhandels wurde durch die Einführung der inneren Konvertibilität8 des Zloty, die Beseitigung des staatlichen Monopols im Außenhandel und der Reform im Zollwesen erreicht. Die Unternehmen bekamen die Möglichkeit an Transaktionen mit dem Ausland teilzunehmen, ohne eine Konzession dafür beantragen zu müssen. 1991 wurde ein, mit dem Standard der EG übereinstimmender, Zolltarif eingeführt. Der Zusammenbruch der SU und damit des RGW hatte große Auswirkungen auf den polnischen Außenhandel, weil fast die Hälfte der Exporte dahin flossen. Seit 1991 ist Deutschland der für Polen wichtigste Handelspartner, mit Export 31% und Importen aus Deutschland 27%.9 Deutschland spielt vor allem in den letzten Jahren den Motor für die zunehmende Integration Polens in die EU. In Polen hofft man auf so eine Wirtschaftsentwicklung wie man sie in Deutschland hat. Allerdings hat Deutschland durch die zunehmenden Wirtschaftsbeziehungen zu Polen mit zwei großen Problemen zu kämpfen 1) ist die Arbeitskraft in Relation zum Kapital in Deutschland zu teuer geworden, so dass die Unternehmer zunehmend ins Ausland ziehen und 2) das Problem im gesellschaftlichen Bereich: die Bürger sind noch nicht für die weitere Integration mit der EU bereit (es bestehen noch zu viele Ängste vor allem vor dem Unbekannten).10

Die Importe wurde durch die sinkenden Einfuhrzölle, die niedrigen Importsonderausgaben und die reale Aufwertung des Zloty auch 1996 weiter begünstigt. Die Exportschwäche Polens von 1995 hält auch weiter an, so dass sich das Handelsbilanzdefizit weiter vergrößert, dessen Abbau auch in Zukunft nicht in Sicht ist. (Abb. 5) Die weiter anhaltende Exportschwächung, durch die Schwächung der Konjunktur in den EU-Abnehmerländern und 1998/99 die Asienund Russlandkrise, stellt eine anhaltende Wachstumsbremse dar.

Polen hatte vor allem mit dem Handel von Gütern einfacher Technologie auf den Westmärkten Erfolg. Durch das geringe Arbeitskostenniveau war die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Marktsegment gesichert. Die wichtigsten Handelspartner für Polen sind Deutschland, Italien, Russland, Niederlande und Großbritannien.

In der Landwirtschaft wurden zwar in den vergangenen Jahren Verbesserungen in der Ausstattung der Agrarbetriebe und in der Infrastruktur erzielt. Doch bleibt die polnische Agrarwirtschaft mangelhaft. Die wichtigste Bewirtschaftungsform der ehemaligen Staatsgüter ist immer noch die Pacht, da bis 1996 erst 11% der 3,7 Mio. ha der Fläche der Staatsgüter verkauft wurden. Die Märkte in Polen für Agrarerzeugnisse und Produktionsmittel sind noch nicht ausreichend organisiert. Trotzdem zählte Polen 1996 zu den größten Produzenten und Exporteuren von Agrarerzeugnissen. Einer der Hauptabnehmer ist die EU.

In den Bereichen, wo Polen weitestgehend wettbewerbsfähig ist, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft, führt die EU Mengenbeschränkungen ein, für den Import bestimmter Erzeugnisse aus Polen.11

Die Umstrukturierung der Nahrungsmittelindustrie ist auch dringend erforderlich, dazu gehören die Modernisierung der Betriebsanlagen und die Erreichung von EU-Standards im Veterinär- und Pflanzenschutzbereich. Die meisten Verarbeitungsbetriebe für tierische Produkte erfüllen bislang ebenfalls noch nicht die gemeinschaftlichen Hygiene- und Gesundheitsanforderungen, wo weitere Umstrukturierungsbemühungen erforderlich wären. Die Krise im polnischen Agrarsektor wird immer weiter vorangetrieben, da hohe Überschüsse in landwirtschaftlichen Produkten und die Auswirkungen der Krise in Russland 1998 zu drastischen Rückgängen der Marktpreise und zu gestiegenen Preisen für landwirtschaftliche Betriebsmittel geführt haben Das Europa-Abkommen12 zwischen Polen und der Europäischen Gemeinschaft bildet den Rechtsrahmen für den Handel von Agrarerzeugnissen zwischen ihnen. Es zielt auf eine Zusammenarbeit bei der Modernisierung, Umstrukturierung und Privatisierung der polnischen Landwirtschaft ab.

Die Umstrukturierung der Landwirtschaft wird bis zum EU Beitritt noch viel Kraft kosten.

1.3. Fazit

Seit 1992 hat sich die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate laufend erhöht. Das BIP erhöht sich jährlich um mindestens 5%, das Tempo hat sogar in den letzten Jahren noch weiter zugenommen. (Abb.4) Wenn die Schattenwirtschaft nach und nach in den normalen Kreislauf mit eingebunden wird, dann lautet die Prognose für das Jahr 2000, dass 50 - 55% des EU- Durchschnitts erreicht werden (das wären ein 10prozentiges Wachstum gegenüber dem Vorjahr). Der Motor dieser Wirtschaftsentwicklung bleibt vor allem die Binnennachfrage und die Unternehmensinvestitionen.13

Damit hatte Polen als erster Reformstaat die Anpassungsrezession 1992 nicht nur überwunden, sondern ist das Land, in welchem der Aufschwung einer größeren Bevölkerungsmehrheit materiell deutlich wird.

Diese dynamische Entwicklung ist auf die gute Weiterentwicklung des Privatsektors zurückzuführen. 1995 erwirtschaftete er 55% der Bruttowertschöpfung, mehr als 60% aller Beschäftigten arbeiten dort.14

Der Investitionsbedarf wird in den kommenden Jahren noch außerordentlich hoch sein, da der Auf- und Ausbau moderner Produktionskapazitäten und die Modernisierung der Infrastruktur immer noch in der Anfangsphase stecken.

Das Außenhandelsdefizit konnte nach dem beschleunigten Wachstum des BIP nicht weiter eingedämmt werden. Die Exporte fielen 1999 um 2,9% und die Importe gingen um 2,4% zurück, damit betrug das Defizit $ 17,6 Mrd. (Abb.5)15

Ein weiterer Schwachpunkt ist die nur langsam zurückgehende Arbeitslosigkeit. (Abb. 3) Strukturelle Faktoren, wie die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit, die hohe Anzahl junger Arbeitsloser, die fehlende Mobilität der Arbeitssuchenden, die mangelnde oder nicht marktgerechte Ausbildung, erschweren den effektiven Abbau der Arbeitslosigkeit. Trotz der 1999 einsetzenden Konjunkturerholung des polnischen Arbeitsmarktes ist kein Absinken der Arbeitslosenquote in Sicht. Die Probleme hierfür liegen vor allem in den Strukturreformen im Bergbau und in der Landwirtschaft, sowie Rationalisierungen und Fusionen in der Privatwirtschaft. Für Ende 2000 wird mit einer Arbeitslosenquote von 14,5% gerechnet.16

Der Privatisierungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. 1996 waren erst 55% der staatlichen Unternehmen von 1990 privatisiert worden. Die polnische Regierung hat das Privatisierungsprogramm des Staatsvermögens bis 2011 verabschiedet, danach sollen allein bis Ende 2001 1000 Staatsbetriebe privatisiert werden, die Einnahmen betragen etwa 75,1 Mrd. Zloty.17 In den Bereichen, wie der Stahlindustrie und in der Energiewirtschaft steht die Privatisierung erst am Anfang. Die Privatisierung im Bankensystem konnte sich zwar weiter entwickeln, aber durch die laufend zunehmende Präsenz ausländischer Banken ist der staatliche Einfluss abnehmend und die Privatisierung weiter zurückgedrängt worden. Das bedeutet, dass das Bankensystem 1996 noch nicht an die Vorschriften der EU angepasst worden ist.

Die Schuldenlast hat sich gegenüber den Reformjahren deutlich verringert, 1993 war polnischen Verbindlichkeiten gegenüber In- und Ausländern noch 86% des BIP, 1996 nur noch 53% des BIP.18

Weitere drängende Strukturprobleme waren 1997 die Reform des Sozialversicherungssystems und die Umstrukturierung der Landwirtschaft. Das herrschende Defizit der Sozialfonds wurde bisher durch jährliche finanzielle Beisteuerungen aus dem Staatshaushalt ausgeglichen. Vor allem jedoch die Landwirtschaft entwickelt sich zum Streitpotential zwischen den EU- Staaten und Polen. Polen hat zwar auf die geplanten Zollerhöhungen für Agrarimporte erst mal verzichtet, doch es besteht weiterhin ein Streit um die Einfuhr von subventioniertem EU- Getreide.

Die Aufwertung des Wechselkurses konnte zwar erreicht werden. Doch durch den Außenhandel erhielt der Zloty eine stärkere Stabilität, doch bleibt abzuwarten, ob dieser Wechselkurs auch nach dem Beitritt zur EU stabil bleibt.

Die Bekämpfung der Inflation ist noch nicht als erreichtes Ziel anzusehen. Die Inflation ist zwar durch umfangreiche Preisliberalisierung gesunken, doch mit 19,9% 1996 noch weit vom EU-Durchschnitt (2.3%) entfernt.

Polen muss auf den Beitritt zur EU die wirtschaftliche Lage weiter stabilisieren, um nach dem Beitritt nicht wieder in eine Krise zu gelangen.

Die marktwirtschaftlichen Prinzipien dominieren in allen Bereichen der Wirtschaft und das Recht entspricht in immer größer werdenden Maße den Regelungen in der EU.

2. Die EU-Erweiterung

2.1.Perspektiven

Der angestrebte Beitrittstermin für Polen zur EU ist der 01.01.2003. Da Polen in einigen Problembereichen, z.B. im Energiesektor, auf Übergangsfristen verzichtet, bedeutet das, dass die Marktöffnung bis zum 01.01.2003 erfolgen musste. Das stellt Poen unter verstärktem Reformdruck. Wichtige Reformschritte sind vor allem die Schaffung einer leistungsfähigen Exportindustrie und die Liberalisierung des Außenhandels. Durch die schnelle EU- Erweiterung wird der Zugang zu attraktiven Märkten für Polen geöffnet. Beispiele: Konsumgüter, wie Nahrungsmittel, Möbel und Spielwaren. Polnische Unternehmen testen jetzt schon durch die Teilnahme an deutschen Ausstellungen Chancen ihrer Produkte auf dem deutschen Markt. Doch der Handel bleibt weiterhin skeptisch gegenüber polnischen Produkten.

Man sieht aber in einem Beitritt Polen die Vermittlerrolle zwischen dem Ostblock und dem restlichen Europa. ,,Polen, Frankreich und Deutschland könnten die wichtigsten Motoren für die Einigung Europas sein" (Chirac)19

Im weiteren werden auf die Vorteile bzw. die Nachteile die Polen aus dieser Mitgliedschaft haben wird, eingegangen.

2.2. Vorteile

Eine schnelle Mitgliedschaft zur EU wird als politischer und ökonomischer Anker für eine dauerhafte Westbindung angesehen. Die EU-Erweiterung stellt für beide Seiten eine Erweiterung des Binnenhandels dar und damit neue Chancen für Handel und Wohlstand. Der EU-Beitritt bringt ebenfalls eine Erhöhung des Lebensstandards mit sich, denn durch die Intensivierung der internationalen Arbeitsteilung wird eine effizientere Ressourcennutzung und eine Differenzierung des Angebots ermöglicht. Das beinhaltet eine Vergrößerung der Wohlfahrtsgewinne, die aber für die EU erheblich größer wären.

Die wichtigste Kapitalquelle werden Direktinvestitionen sein, wenn westliche Produzenten in Polen neue Fabriken kaufen oder bauen, entstehen zusätzlich Arbeitsplätze. Durch den EUBeitritt wird eine Förderung des technischen Fortschritts durch vermehrte ausländische Investitionen erwartet.

Polen besteht auf eine vollständige Einbeziehung seiner Landwirtschaft in das EU- Subventionssystem sofort nach dem Beitritt in die EU. Es ist allerdings noch unklar, wie und wann die Bewerberstaaten Zugang zu den direkten Beihilfen der Agrarpolitik kommen werden.20

2.3. Nachteile

Polen müsste erst schrittweise in den Binnenmarkt integriert werden.

Es gibt vor allem noch gewisse Liberalisierungsdefizite bzw. -rückschläge.

Polen zeigt noch deutliche Schwächen gegenüber dem EU-Binnenmarkt, die zu beseitigen wären, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Die im Jahr 1998 verbleibenden Rückstände Polens sind das unzureichende Wettbewerbsrecht, die geringe Produkthaftung und Produktsicherheit, die erhebliche Behinderung in der Niederlassungsfreiheit, der wenige Fortschritt in der gegenseitigen Anerkennung von Diplomen, die Liberalisierungsdefizite von Banken, Post, Schwerindustrie und Immobilienerwerb, die geringe Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes und der Rechtssprechung und die geringen Erfolge bei der Strukturanpassung und im Umweltschutz. Das polnische Ausbildungssystem müsste an die Forderungen des Arbeitsmarktes angepasst werden und dahingehend reformiert werden. Die Überbeschäftigung in der Landwirtschaft, der Mineralöl-, Energie-, Textil- und Stahlindustrie müsste abgebaut werden.

Das System entspricht noch lange nicht den EU Anforderungen. Der Reformbedarf sollte wachsen, sonst könnte es zu einer Verzögerung des Beitritts kommen. Es wäre von Vorteil, wenn jetzt schon ein effizientes Geld- und Kreditwesen, eine öffentliche Finanzordnung und ein leistungsfähiges Finanzverwaltungssystem aufgebaut wird, um den Wechselkurs auch nach dem Beitritt noch stabil zu halten. Durch den Beitritt zur EU wird Polen einem erhöhten Konkurrenzdruck ausgesetzt. Polen muss sich soweit den EU Richtlinien und deren Strukturvoraussetzungen anpassen, um diese Mitgliedschaft auch ohne große Probleme zu überstehen.

2.4. Fazit

Bei dieser EU-Erweiterung werden erstmals eine Gruppe von Ländern der EU beitreten, deren Wohlstandsniveau weit unter dem der EU-Durchschnitte liegt.

Die Arbeitsplätze, die in Polen von den westlichen Unternehmen geschaffen werden, gehen der deutschen oder westeuropäischen Wirtschaft verloren. Außerdem verschlechtern sich für die EU, mit ihrem hohen Lohnniveau, die Beschäftigungschancen für wenig qualifizierte Arbeiter und die Spezialisierungsmuster in den Unternehmen die Niedrigtechnologieprodukte herstellen.

Die Entwicklungen des BIP (Abb.4a; 4b) werden für den Beitritt Polens in die EU noch finanzielle Probleme für die EU bringen. Bei den gegenwärtigen geltenden EU-Regelungen hätte Polen einen Anspruch auf die Höchstförderung aus den EU-Strukturfonds bis ins nächste Jahrtausend.

Die Osterweiterung ist beschlossene Sache. Es herrschen jedoch unterschiedliche Vorstellungen vom zeitlichen Ablauf. Polens Anstrengungen zielen auf einen relativ raschen Beitritt zur EU ab, hingegen die Initiativen der Union auf ein schrittweises Heranführen an den europäischen Binnenmarkt. Große Hindernisse für eine schnelle Integration stellen die Finanzierung, der Reformbedarf Polens und die massive Arbeitskräfteimmigration dar. Die Handelsintensivierung wird sich für beide Seiten positiv auswirken, wobei Polen die größeren Vorteile haben wird.21

Es ist außerdem zu bedenken, dass jedes Jahr Verzögerung für Polen mit hohen gesamtwirtschaftlichen Verlusten verbunden ist, da bei einem Beitritt mit einen zusätzlichen Wirtschaftswachstum von einem Prozent gerechnet wird.22

Abb. 1

Inflationsraten in % (Änderungen gegenüber Vorjahr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bank Austria East-West. Report 2000.

Abb. 2

Ministerpräsidenten seit 1989

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen, S. 68.

Abb. 3

Entwicklung Arbeitslosenquote in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vecernik, Jiri & Wörgötter, Andreas (1999): Arbeitsmarktpolitik in Ost-Mitteleuropa, S.504

Abb. 4

Entwicklung der realen Wachstumsraten des BIP in Polen 1988-1993 (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Götz, Roland (1993): Produktion und Beschäftigung im Transformationsprozess Russlands vor dem Hintergrund der Entwicklung in Polen, S.165, (bis 1992).

Abb. 5

Exporte, Importe und Handelsbilanzsaldo in Mrd. US-Dollar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Osteuropa-Institut München (2000): Wirtschaftsentwicklung in ausgewählten mittelund osteuropäischen Ländern 1999/2000, S.85.

4. Literaturangaben

Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen, Landsberg am Lech: Aktuell.

Franzmeyer, Fritz: Wirtschaftliche Voraussetzungen, Perspektiven und Folgen einer Osterweiterung der Europäischen Union. In: Osteuropa-Wirtschaft, 44. Jg. (1999), Nr.2, S. 135-159.

Götz, Roland (1993): Produktion und Beschäftigung im Transformationsprozess Russlands vor dem Hintergrund der Entwicklung in Polen. In: Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (Hrsg.): Aufbruch im Osten Europas (165-175). München/ Wien: Carl Hanser.

Laier, Ralf: Privatisierung in der Transformationsstrategie: Lehren aus der Privatisierungspolitik in Polen und Ostdeutschland für andere Reformländer. In: OsteuropaWirtschaft, 41.Jg. (1996), Nr.2, S. 106-128.

Haarland, Hans Peter und Niessen, Hans-Joachim (1994): Der Systemtransformationsprozess in Polen, Bonn: Europa Union Verlag.

Osteuropa-Institut München (2000): Wirtschaftsentwicklung in ausgewählten mittel- und osteuropäischen Ländern 1999/2000, bei Bundesstelle für Außenhandelsinformation veröffentlicht, S.78-85.

Siebert, Horst (1996): Sozialpolitik im Transformationsprozess Mittel- und Osteuropas, Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck).

Tkaczynski, Jan Wiktor: Von der ,,polnischen Wirtschaft" zum ,,polnischen Tiger" Europas?. In: Osteuropa-Wirtschaft, 43.Jg. (1997), Nr3, S.275-300.

Vecernik, Jiri & Wörgötter, Andreas (1999): Arbeitsmarktpolitik in Ost-Mitteleuropa. In: Wirtschaft und Gesellschaft, 25.Jg., Heft 4, S.479-508.

Web-Adressen:

http://www.brh-gov-pl.or.at/ambasada/be2998.htm

http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

http://www.welt.de/daten/1998/02/23/0223au69628.htm

[...]


1 Tkacynski, Jan Wiktor (1997): Vor der ,,polnischen Wirtschaft" zum ,,polnischen Tiger" Europas?.

2 = Entmonopolisierung, Preisliberalisierung, Privatisierung Umstrukturierung der gesamten Wirtschaft entsteht offene AL, wachsen aber im Zuge des Strukturwandels neue Beschäftigungsmöglichkeiten

3 Götz, Roland (1993): Produktion und Beschäftigung im Transformationsprozess Russlands vor dem Hintergrund der Entwicklung in Polen, S. 165.

4 Auflösung durch Verkauf ganzer Unternehmen oder Unternehmensteile

5 Laier, Ralf (1996):Privatisierung der Transformationsstrategie: Lehren aus der Privatisierungspolitik in Polen und Ostdeutschland für andere Reformländer, S.115.

6 Laier, Ralf (1996):Privatisierung der Transformationsstrategie: Lehren aus der Privatisierungspolitik in Polen und Ostdeutschland für andere Reformländer.

7 hatten Steuererleichterungen im Austausch gegen die Schaffung neuer Projekte Schaffung von Arbeitsplätzen in einer bestimmten Region für einen festgelegten Zeitraum, gleiche Bedingungen für ausländische und inländische Unternehmen

8 Zloty ist freigegeben, nicht mehr an andere Währungen gebunden, Mark entscheidet über Zloty nicht mehr die Zentralbank

9 Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen, S.169.

10 Wachowska, Magda: Wirtschaft in Deutschland, in: http://www.brh-gov- pl.or.at/ambasada/be2998.htmhttp://www.brh-gov-pl.or.at/ambasada/be2998.htm vom 03.07.2000

11 Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen.

12 am 01.08.1996 in Kraft getreten

13 Presseinformation von der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen: Polens Wirtschaftsdaten 1999, in: http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

14 Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen, S.180.

15 Presseinformation von der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen: Polens Wirtschaftsdaten 1999, in: http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

16 Presseinformation von der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen: Polens Wirtschaftsdaten 1999, in: http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

17 Vgl. Information der Botschaft der Republik Polen: Wirtschaftsbulletin Nr. 29 (314), in: http://www.brh-gov-pl.or.at/ambasada/be2998.htm vom 03.07.2000

18 Bingen, Dieter (1998): Die Republik Polen, S.174.

19 Die Welt: Bonn und Paris helfen Polen, in: http://www.welt.de/daten/1998/02/23/0223au69628.htm vom 03.07.2000

20 Presseinformation von der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen: Polens Wirtschaftsdaten 1999, in: http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

21 Franzmeyer, Fritz (1999): Wirtschaftliche Voraussetzungen, Perspektiven und Folgen einer Osterweiterung der Europäischen Union.

22 Presseinformation von der Wirtschafts- und Handelsabteilung der Botschaft der Republik Polen: Polens Wirtschaftsdaten 1999, in: http://www.brh-koeln.com/stat/stat-1999.htm

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Details

Titel
Transformation und Integration, Perspektiven der EU-Erweiterung am Beispiel Polen
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V99462
Dateigröße
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Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transformation, Integration, Perspektiven, EU-Erweiterung, Beispiel, Polen
Arbeit zitieren
Nadine Pohlers (Autor), 2000, Transformation und Integration, Perspektiven der EU-Erweiterung am Beispiel Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99462

Kommentare

  • Gast am 17.3.2001

    Transformation und Perspektiven der EU-Erweiterung am Beispiel Polen / Nadine Pohlers.

    Danke!

    Endlich mal eine Hausarbeit auf deren Grundlage man anständig arbeiten kann !

    Aussenhandel, Bremen, SS1999

  • Gast am 29.5.2001

    Transformation und Perspektiven der EU-Erweiterung am Beispiel Polen.

    Kurz, knackig, viele Informationen, flüssig geschrieben. Prima!

  • Gast am 13.10.2008

    Schlecht.

    Also, wenn man sowas veröffentlicht, dann sollte man die Rechtschreibfehler vorher entfernen!!! Und außerdem: wo wird so eine Hausarbeit (mit mangelhaftem Fachwissen) noch anerkannt?
    Gruß

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