Gotthelf, Jeremias - Die Schwarze Spinne


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

5 Seiten, Note: 1


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Die Schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf

Autor**:

Jeremias Gotthelf wurde am 4. Oktober 1797 als Sohn eines Pfarrers, Spross einer Altberner Patrizierfamilie, in Murten (Kanton Freiburg) geboren und verbrachte seine Jugend in Utzendorf, wohin man seinen Vater amtsversetzt hatte. Auf dem großen Pfarrhof eignete er sich landwirtschaftliche Fertigkeiten an und erhielt umfassenden Einblick in das Bauernleben. Danach studierte Gotthelf Theologie an der Berner Akademie (bis 1820), 1821 dann für ein Jahr an der Universität Göttingen. Nach einer Reise durch Norddeutschland war er als Vikar in der Gemeinde seines Vaters in Utzensdorf tätig, wobei er sich pädagogisch und liberalpolitisch engagierte. 1824 ging Gotthelf als Vikar zur Kirche zum Heiligen Geist nach Bern; 1832 wurde er Pfarrer in Lützelflüh im Emmental. Während dieser Zeit bemühte er sich, orientiert am Wirken Johannes Heinrich Pestalozzis, um eine Etablierung der allgemeinen Volksschule und kämpfte für Maßnahmen gegen den Alkoholismus. 1833 heiratete Gotthelf Henriette Zehnder, mit der er drei Kinder hatte. Zwischen 1841 und 1844 war er Redakteur desNeuen Berner Kalenders,für den er auch Kalendergeschichten schrieb. Bald war er schriftstellerisch so erfolgreich, dass Julius Springer, seit 1845 Gotthelfs Verleger, sich rühmen konnte, ihm ,,die höchsten Honorare im gesamten Buchhandel der Zeit zu zahlen". Nachdem er sich kritisch gegen die pädagogischen Auffassungen des heimischen Erziehungsdepartements geäußert hatte, verlor Gotthelf 1845 seine Anstellung als Schulkommissär. Danach verbitterte er zusehends und trat der Schweiz immer konservativer gegenüber. Gotthelf starb am 22. Oktober 1854 in seiner Gemeinde Lützelflüh (Kanton Bern).

Seine Werke**:

Gotthelf begann erst als Vierzigjähriger mit dem Verfassen von Romanen und Erzählungen, die zumeist in der Berner Bauernwelt angesiedelt sind. Dann allerdings folgte eine ungeheuer fruchtbare literarische Produktion, wobei der Autor immer wieder Dialektelemente in die oftmals moralisch-belehrende Prosa einflocht, um deren Realismus und Volksnähe zu erhöhen. Grundlage, auch für die konservativ-sozialkritischen Töne von Gotthelfs Werk, war dabei ein religiös untermauertes Menschenbild, das das Personal bei aller psychologischen Differenzierung oftmals in Gut und Böse trennte. Hochsprache ist hier oftmals Bibelsprache.

Den Namen des Erzählers im DebütromanDer Bauern-Spiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf(1837) nutzte der Autor in der Folge als Pseudonym. In den dreißiger Jahren entstanden außerdem die PredigtDie Wassernoth im Emmental(1838), der RomanLeiden und Freuden eines Schulmeisters(1838/39) und die moralisierende ErzählungWie fünf Mädchen im Branntwein jämmerlich umkommen(1838), die die Gefahren des Alkoholismus beleuchtet. Gerade hier wird Gotthelfs Bemühen deutlich, die didaktische Absicht des Pfarrers auch im literarischen Bereich fortzuschreiben und die Leserschaft im rechten Leben zu unterweisen. Allerdings werden diese Vorgaben immer wieder zugunsten eines episch breiten und komplexen Erzählens aufgegeben - so etwa bei der Auftragsarbeit der Berner Sanitätskommission gegen Kurpfuscherei,Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Dokteren geht(2 Tle., 1843/44).

Zu den bekanntesten Werken Gotthelfs zählen der RomanWie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute(1841), der einen lasterhaften Untergebenen mit eindeutig lehrhaftem Impuls an die Adresse der Bauernschaft (,,Merke Dir das, lieber Leser!") zur Erkenntnis seiner wahren Bestimmung führt, sowie dessen FortsetzungUli der Pächter(1849), in der das ,,Kind des Augenblicks" zum ,,Sohn der Ewigkeit" transzendiert - beides gelungene Beispiele der Dorfgeschichte. Ähnlich wieDer Geldstag(1846), so illustriert auchUli der Pächtermit seiner vehementen Kapitalismus- bzw. Materialismuskritik den sozialpolitischen Antrieb des Gotthelf'schen Spätwerks: InGeld und Geist(1843/44) werden Habgier und echter Gottesglaube bereits im Titel antithetisch nebeneinander gestellt. Mit dem Moment des Phantastischen spielt die um Rahmen- und Binnenhandlung meisterhaft verzahnte - und etwa von Paul Heyse hoch geschätzte - NovelleDie schwarze Spinne(1842), die im ersten Teil der SammlungBilder und Sagen aus der Schweizerschien. Das Dingsymbol der Spinne wird hier zum vieldeutigen Mittelpunkt eines Teufelspakts, der zwei Generationen von Bauern ins Verderben stürzt, bevor Unglaube und Hochmut durch nachfolgende Geschlechter überwunden werden: ,,man fürchtete die Spinne nicht, denn man fürchtete Gott". Humoristisch hingegen sind die ErzählungenWie Joggeli eine Frau sucht(1841) undMichels Brautschau(1849). Weitere Werke des Autors sindElsi, die seltsame Magd(1843),Jakobs, des Handwersgesellen, Wanderungen durch die Schweiz (1846/47), Käthi, die Großmutter(1847),Das Erdbeeri Mareili(1850),Die Käserei in der Vehfreude(1850),Zeitgeist und Berner Geist(1851),Barthli der Korber(1852). Zu Gotthelfs erklärten Bewunderern gehörten und gehören u. a. Gottfried Keller, Walter Muschg, Franz Böni und Werner Günther.

Inhalt:

Das Werk besteht aus einer Rahmenhandlung (der Taufe) und der eigentlichen Erzählung. Durch die Aussage der Kernerzählung werden die beiden miteinander verbunden. Am Tage einer festlichen Kindstaufe begibt sich eine familiäre Gesellschaft, nach einem großen Mahle, in den Garten eines noblen Bauernhofes. Die Frage an den Großvater, weshalb in dem schönen Haus ein uralter, schwarzer Fensterpfosten stehengelassen worden sei, setzt die eigentliche Erzählung in Gang. Der Großvater greift Jahrhunderte zurück, in eine Vergangenheit, die in Gestalt des Pfostens bis in Gegenwart hineinragt.

Der Großvater beginnt eine spannende und mysteriöse Geschichte zu erzählen: Die leibeigenen Bauern vom Sumiswald beklagen sich über die unmenschliche harte Herrschaft des Ritters Hans von Stoffeln, der, nach einem aufwendigen Schloßbau. Seine Untertanen zwingt, innerhalb eines Monats einen Schattengang von hundert Buchen zum Schloß zu pflanzen. Da bietet der Teufel, in der Maske eines grünen Jägers, seine Hilfe an. Er verlangt jedoch als Preis die Seele eines ungetauften Kindes. Für die entsetzten Bauern schließt Christine, ein gottloses, wildes Weib, des Satanspakt, in der Hoffnung, den Teufel am ende doch noch überlisten zu können.

Der Teufel gibt Christine einen Kuß auf die Wange, welchen sie wie Feuer in ihren Knochen verspürte. Während die Arbeit am Schattengang in Windeseile vorangeht, schwindet das Grauen vor dem unheimlichen Helfer. Alsbald ein Kind geboren werden sollte, verfiel das Dorf in Panik. Schließlich kam man auf die Idee das Neugeborene Kind sofort nach der Geburt zu taufen. Der Einfall wurde in die tat umgesetzt und alles verlief ohne Zwischenfälle. Christine verspürt jedoch eine brennenden, stechenden Schmerz in ihrer rechten Gesichtshälfte. Das Mal auf Christines Wange, vom Kuß des Teufels, schwillt plötzlich zu einem einer Kreuzspinne ähnelnden Fleck an. Nach der Geburt des zweiten Kindes im Dorf, welches abermals getauft wird, platzt das scheußliche Mal und wirft unzählige kleine schwarzen Spinnen aus, die den Tod des Viehs und Verderben über das ganze Tal bringen.

Zum Zeitpunkt der nächsten, dritten, Geburt überredet Christine das Dorf, der Mutter das Neugeborene zu entreißen und es dem Teufel zu opfern. Sie raubt das Kind und bringt es zur Kirche, um es dem Teufel zu überreichen. Überraschend kam der Priester vorbei und bewirft das Kind mit Weihwasser, er trifft jedoch auch Christine, welche sich in eine schwarze Spinne verwandelt, die mordgierig Menschen anfällt. Der Pfarrer, das Kind, viele Bauern sowie Hans von Stoffeln sterben.

Die Hinterbliebene Mutter des toten Kindes opfert ihr Leben und sperrt die Spinne, mit einem Zapfen in ein Loch in einem Fensterpfosten ein. Sie muß ihr Leben lassen, doch die spinne ist gefangen.

Die Handlung retourniert kurzfristig wieder zur Tauffeier, schließlich fährt der Großvater aber fort.

Lange Zeit lebt das Dorf in Ehrfurcht vor Gott, andererseits haben sich zwei Jahrhunderte später Reichtum und Wohlstand im Tal ausgebreitet. Christen, ein Nachkomme jener opferbereiten Mutter, baut ein neues, prächtiges Haus. Das alte Haus mit dem Pfosten überläßt er den Knechten und Mägden, die an einem Weihnachtsabend, am Höhepunkt einer wilden Feier, die Spinne befreien. Im Dorf kursiert wieder die Nachricht, folglich macht sich schnell Angst breit. Die Spinne macht wieder ihren Todesstreifzug, bis Christen sein Leben opfert und die Spinne erneut in den Fensterpfosten einsperrt. Von nun an lebt das Dorf in Frömmigkeit und achtet die Gebote Gottes, denn solange man Gott achtet, kann einem das Böse nichts anhaben.

Personenscharakteristik:

Großvater:

Er ist ein Gottesfürchtiger Mensch und ist der Erzähler der Novelle.

Christine:

Sie ist eine eigensinnige, mutige und listige Frau. Sie scheut sich nicht, es mit dem Teufel aufzunehmen, mutiert jedoch zum Werkzeug des Teufels. Sie ist sehr selbstbewußt und mit einer starken Persönlichkeit versehen. Sie denkt den Teufel austricksen zu können, überschätzt sich aber.

Schwarze Spinne:

Sie ist die Folge des Schwurbruches mit dem Teufel. Sie verkörpert das böse, den Tod und Höllenqualen.

Priester:

Er ist stets mustergültig und kennt keine Furcht vor dem Bösen. Er vertraut auf Gott und gibt

sich keine Blöße, wie die Mutter des Kindes, den Märtyrertod und kann sich seiner Seele sicher sein.

Formales

Das Werk

Gehalt und Aussage

Jeremias Gotthelf will mit dem werk ,,Die schwarze Spinne" die Menschheit zu mehr Glauben an Gott und, im allgemeinen. Mehr Ehrfurch erziehen.

Er hat die

Intention zu vermitteln, daß, solange der Glaube an Gott besteht, kein wirkliches Unheil entstehen kann. Erst durch die Abkehr von Gott und die Zuwendung zu finsteren Mächten, in diesem Fall der Teufel, nimmt das Böse eine für uns Wahrnehmbatre Gestalt an: Die Spinne. Sie wird das ,,Dingsymbol" und repräsentiert den Teufelspakt, der zwei Generationen von Bauern ins verderben stürzt, bevor der Glaube an Gott endgültig zurückkehrt.

**aus Encarta, Langenscheidts, Bertelsmann Lexikothek

4 von 5 Seiten

Details

Titel
Gotthelf, Jeremias - Die Schwarze Spinne
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V99690
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gotthelf, Jeremias, Schwarze, Spinne, Thema Die schwarze Spinne
Arbeit zitieren
Martin Slama (Autor), 2001, Gotthelf, Jeremias - Die Schwarze Spinne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99690

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