Einführung in die Philosophie


Skript, 2000

11 Seiten


Gratis online lesen

Einführung in die Philosophie

Die Einführung in die Philosophie ist ein Vorbegriff und sagt, worum es in der Philosophie eigentlich geht.

Es wird über das Sachgebiet gesprochen, nicht aber wird das Sachgebiet selbst besprochen. Es ist eine Betrachtung von außen.

Wir müssen eine Unterscheidung machen zwischen dem Reden über Wissenschaft und dem Vollziehen der Wissenschaft selbst. (Über die Medizin sprechen und therapieren, heilen!)

Die scheinbare Aufgabe dieser Einführung wäre ein Überblick über die Philosophie: Wer hat was gesagt? ABER: das ist eben nicht die Aufgabe der Einführung in die Philosophie!

Wissen über die Philosophie ist etwas total anderes als philosophisch wis- sen!

„Der Besitz von Kenntnissen ist die Hauptursache der Täuschung man sei zum Philosophen geworden!“ Ungeprüfte Voraussetzung ist die Täuschung - es gibt kein außerphilosophisches Fach, das in die Philosophie führt, es gibt keinen außerphilosophischen Bestandteil - es ist nämlich vielmehr so, daß wir als Menschen immer schon philosophiert haben, ob wir das wahr- haben wollen oder auch nicht. „Immer schon“ besagt „unausdrücklich“.

Erklärung: Die Unausdrücklichkeit, daß wir also nur auf unausdrückliche Weise tun, heißt, daß Einführung nötig ist. Einführung hat nicht die Aufgabe von außerphilosophische in innerphilosophische Bereiche zu führen. Die Einführung hat vielmehr die Aufgabe das philosophische Fragen, daß in jedem schlummert in Gang zu bringen!

Thema der Philosophie ist alles, was uns als Menschen irgendwie schon bekannt und vertraut ist und uns betrifft. Man will Denkanstöße und Hinweiße geben, aber keinen Überblick und keinen Unterschied über sinnvolle und sinnlose Fragen. Alle Fragen sind in der Philosophie erlaubt - es gibt keine sinnvollen und sinnlose Fragen. Philosophieren heißt argumentieren und sich selbst Rechenschaft geben.

Philosophie (griech.) hat 2 Wortbestandteile:

Sophia - Weisheit

Philia - lieben, gerne haben

Philosophie heißt also die Liebe zur Weisheit, Weisheitsliebe

Sophos heißt „der Weise“ → jemand, der sich in etwas auskennt, der etwas von Grund auf versteht.

Ursprünglich jede Art von Wissen, das „Sich verstehen auf etwas“.

Später Sophia - das praktische „Sich auskennen“ besonders im Bereich des Politischen.

Danach Sophia - das aus reifer Lebenserfahrung stammende Wissen, Lebenserfahrung, Lebensweisheit.

Schließlich Sophia - das theoretische Wissen, theoretisch heißt bei den Griechen: das Wissen, das um seiner selbst Willen gesucht wird; Wissen des wissens wegen und Erkenntnis um der Erkenntnis Willen.

Philosophie meint nicht nur eine bestimmte Art des Wissens, sondern auch eine bestimmte Lebensgrundhaltung!

Platon (5 Jh. v. Chr. - 4 Jh. v. Chr. in Athen)

Platonische Apologie (Verteidigungsrede des Sokrates, Sokrates kommt auf die Eigentümlichkeit des Philosophierens zur Sprache) Die Weisheit des Sokrates besteht darin, daß es ein Nichtwissen ist, daß um sich selbst weiß. Es ist ein wissendes Nichtwissen!

Platon, Symposium: Es gibt eine Form des Nichtwissens, die gar nicht zum Tragen kommt. Das bloße Nichtwissen recht nicht. Ich muß wissen, was ich nicht weiß!

„Es gibt Leute, die sind so blöd, daß sie nicht einmal wissen, wie blöd sie sind!“

Weisheit besteht in einem Wissen der besonderen Art: Wissendes Nicht- wissen

Erst mit dem wissenden Nichtwissen bricht die Möglichkeit eines Philosophierens auf. Bloßes Nichtwissen reicht nicht zum philosophieren aus, denn der weiß nicht, was er nicht weiß. Nur wer um sein Nichtwissen weiß, kann philosophieren.

Platon (Höhlengleichnis) versucht aus dem wissenden Nichtwissen heraus zu kommen, er schildert es als essenziell.

Die Meinungen über Philosophie (z.b. von großen Philosophen) sind keine Orientierung, weil wir nicht wissen, ob diese Meinungen richtig sind. Das Nachdenken über die Möglichkeit des Nachdenkens was Philosophie denn ist, ist selbst schon philosophisch. Philosophie kann nicht anders betrieben werden, als das sie in jedem von uns neu beginnt!

Was ist Philosophie weiter?

Augustinus „Was ist Zeit“ sagt: „Wenn mich niemand fragt, glaube ich zu wissen, was Zeit ist. Wenn mich jemand fragt, kann ich es aber nicht er- klären!“ Es ist uns vertraut - aber deshalb können wir trotzdem nicht sa- gen, was es ist.

Keine Fachwissenschaft ist ihr eigener Gegenstand. (Physik ist keine phy- sikalische Frage, die Anwort auf die Frage, was Mathematik ist, kann nicht in Formeln dargestellt werden!) Die einzige Ausnahme ist die Philosophie!

Die Frage „Was ist Philosophie?“ ist selbst schon eine philosophische Frage. Wer sich auf die Frage einläßt, philosophiert bereits!

Die Philosophie ist im Gegensatz zu alle n anderen Fachwissenschaften ihr eigener Gegenstand! Was es heißt zu philosophieren bestimmt die Philosophie also selbst!

Aufgabe der Einführung in die Philosophie:

1. Vorgehen bei der Einführung: Unterscheidung zwischen einem Reden über und einem Betreiben einer Wissenschaft (über Medizin reden ist etwas anderes als selbst zu heilen, behandeln)

2. bei der Philosophie: bei der Einführung in die Philosophie kommt es darauf an, die Fragen zu wecken, die in uns schlummern und uns als Menschen beschäftigen.

3. Das Wort Philosophie an sich: „Streben nach Weisheit“ - wissendes Nichtwissen

4. Was heißt philosophieren?

A) Die Frage nach er Fachwissenschaft ist keine fachwissenschaftliche Frage. Hinge- gen ist die Frage nach der Philosophie sehr wohl eine philosophische Frage!
B) Keine Fachwissenschaft ist ihr eigener Gegenstand. Die Philosophie ist die Ausnahme, sie ist ihr eigener Gegenstand.
C) Die Bestimmung dessen, was Fachwissenschaft ist, ist keine Frage der Fachwissenschaft selbst. Hingegen ist die Frage, was Philosophie ist, ihre eigene Frage.
D) Diese Eigentümlichkeit „Was ist Philosophie?“ ist der Philosophie eigen. Die Philosophie ist ihr eigener Gegenstand.

Unterschied von Fachwissenschaftlicher Frage und philosophischer Frage: (4 Kapitel)

1Kapitel: Allgemeine menschliche Erfahrung (Lebensweltliche Erfahrung) von Philosophie und Fachwissenschaft.

2 Kapitel: Eigentümlichkeit der fachwissenschaftlichen Frage

3 Kapitel: Eigentümlichkeit der philosophischen Frage

4 Kapitel: Folgerung

1 Kapitel:

Beide, Philosophie und Fachwissenschaft, haben die allgemein menschlichen Erfahrung als Basis. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie gefragt wird, in der Art der Fragestellung. Er liegt in der Fragehin- und absicht, wonach gefragt wird. Die Fach- wissenschaft nimmt die Sache anders in den Blick als es die Philoso- phie tut, die Fachwissenschaft interessiert etwas anderes als die Phi- losophie.

Charakteristika von allgemein menschlicher Erfahrung (= Lebensweltliche Erfahrung):

A) Vorgängigkeit der lebensweltlichen Erfahrung

Jeder Fachwissenschaft liegt eine Erfahrung voraus. Keine Fach- wissenschaft fängt mit sich selbst an. Noch bevor wir eine Fach- wissenschaft betreiben, bewegt er sich in einer allgemeinen menschlichen Erfahrung. Die lebensweltliche Erfahrung umfaßt den Alltag und die „hohen“ Erfahrungen (sinnerfüllt, leidene, ... Erfahrungen).

Dieses vorausliegende Wissen bildet die Welt der Kenntnisse (= das, was für uns etwas selbstverständliches und fragloses ist.). Die Frage in der Welt der Kenntnisse sind gekennzeichnet, indem sie nicht über diese Kenntnisse hinausführen. Die Frage beruht auf der Unkenntnis und soll darüber hinausführen. (wir sind in Unkenntnis wie spät es ist und deshalb fragen wir „Wie spät ist es?“, aber ich frage nicht „Was ist Zeit?“)

B) Wir sind uns aber die Dinge in der lebensweltlichen Erfah- rung gegeben?

Konkret ganzheitliche Gegebenheit

Wir bezeichnen die Dinge sofern die Dinge in einer konkret ganzheitlichen Erklärung als Sache selbst - das „Seiende“, ist die Bezeichnung für die konkret ganzheitliche Gegebenheit der Sage. (z.B. was hört man? - Jemanden reden, nie aber hört man Schallwellen; wir sehen nicht Lichtwellen, sondern Beleuchtungskörper; die Dinge erscheinen uns beglückend, langweilig, aber nicht sehen wir das Glück, Leid selbst.)

Wir haben es niemals mit isolierten Dingen zu tun, sie kommen immer in einem Geflecht von Dingen zu Tage. Der Bereich, der Umkreis des Dinges kommt immer mit den Dingen, die wir be- kommen. (beim spazieren kommen wir an einem verwilderten Garten vorbei. Damit der Garten „Verwildert“ wirkt, braucht es ein richtiges Umfeld. Hörsaal: der Hörsaal isst mitgegeben mit dem Bereich der Uni, jemand, der nichts mit „Uni“ anfangen kann, wird den Hörsaal nicht verstehen und nicht so wahrneh- men.)

In unserer Erfahrungswelt sind Dinge immer so, daß sie uns an- sprechen (positiv oder negativ). Für die Verhältnisbestimmung zwischen Fachwissenschaft und Philosophie ist es wichtig zu se- hen, daß uns in diesem Erfahrungswissen dasjenige, was uns als Menschen ausgeht und betrifft in der lebensweltlichen Erfahrung erschlossen ist und nur in ihr erschlossen ist. Nur so ist sie uns zugänglich. Was der Mensch als Mensch ist, daß kündigt sich in dieser fachwissenschaftlichen Forschung und Philosophie zugrun- de liegenden Erfahrung an und nur in ihr. Dieses Erfahrungswis- sen ist der Boden auf dem wir leben und sterben. (Bsp.: Was Freundschaft ist, das Phänomen der Dankbarkeit, was Trauer ist, all daß ist uns in der lebensweltlichen Erfahrung gegeben und nur in ihr.) Auf dem Weg eines fachwissenschaftlichen Tests fin- det man nicht heraus, was es heißt „Freund“ zu sein. Vielmehr ist dieses Verständnis für einen Test die Voraussetzung.

Jede Fachwissenschaft ist auf ein Vorverständnis ihres Gegenstandes angewiesen, daß ihr voraus geht , daß ihr als Vorlage zugrunde liegt. (Wenn ein Mediziner nicht wüßte was ein Mensch ist, würde er ja gar nicht wissen, daß es Medizin gibt.)

C) Grenzenlose Offenheit des Fragehorizonts

Vom Bereich aus in dem wir auf dieses oder jenes bezogen sind, ist uns nicht nur das Ding gegeben, sondern auch der Bereich wird mitgegeben. (Bsp.: Straßenbahnstation: dort sieht man das Schild, damit man eine Haltestelle erkennt, ist einem bereits das Wissen um ein öffentliches Verkehrsmittel mitgegeben. Wer nicht weiß, daß es Straßenbahnen gibt, wird dieses Schild nicht als solches erkennen.)

Man muß unterschieden zwischen den Dingen und den Berei- chen, in die sie gehören. Der Bereich ist selbst kein Ding, Dinge sind uns erschlossen, wenn uns der jeweilige Bereich erschlossen ist. Ding und Bereich sind untrennbar. Es gibt kein Ding ohne Be- reich und keinen Bereich ohne Ding. Beides ist zu unterscheiden, aber es ist untrennbar. Auf die Frage der Weite dieses Bereiches ist die Antwort, daß es ein begrenzter Bereich ist. Die Begren-

zung dieser Bereiche wissen wir in eigentümlicher Weise. Ir- gendwie ist uns die Begrenztheit der Bereiche miterschlossen.

Wieso geht das? Indem wir um eine Begrenzung als Begrenzung irgendwie wissend sind, sind wir irgendwie bereits über sie hin- aus. Wir können über die Begrenzung wissen, weil uns etwas Be- grenzungsloses mitgeliefert wird. (Bsp. Wir sind Wesen, die nach schlechthin allem fragen können. Unsere Fragen haben keine Begrenzung. Jeden Bereich an dessen Grenze wird stoßen, über- schreiten wir. Eine Begrenzung ist nur auf einer Kontrastfolie ü- ber der Unbegrenztheit sichtbar. - Ein Kurzsichtiger weiß um seine Kurzsichtigkeit und kann deshalb eine Brille tragen, bleibt aber trotzdem kurzsichtig.)

Nur an einem Horizont des Unendlichen stoßen wir auf die Endlichkeit. Sobald wir um die Begrenztheit wissen, wissen wir das Grenzenlose. In der Philosophie sind Menschen auf die Eigentümlichkeit gestoßen. Aristoteles: „Der Mensch ist gewissermaßen alles und das macht den Menschen aus.“ Dem Menschen ist im allbestehenden Bezug Erkenntlichkeit erschlossen.

Die grenzenlose Offenheit meint nicht ein unvorstellbar großes Umfeld, weil das heißt ja nur, daß die Grenzen nicht sehen, nicht erfassen kann, es meint auch nicht einen Bereich, an dessen Grenzen wir jetzt noch nicht stoßen können, sondern wir be- kommen es mit etwas zu tun, daß uns das Wissen der Begrenzt- heit möglich macht. „All“ meint nicht alles von solcher Art, daß macht das Problem aus.

In unserem alltäglichen Erfahrungswissen steckt ein „irgendwie verstehen“ drinnen. Wir unterscheiden zwischen dem und dem was nicht so ist. Sein und nicht sein. Irgendwie ist uns alles vertraut. Es gibt ein gewisses Seins-Verständnis, d.h. wir verstehen irgendwie, was es heißt „sein“.

In dem was wir Erfahrungswissen nennen steckt vielmehr drinnen als wir zuerst annehmen. Den Menschen ist die Dimension der Unendlichkeit erschlossen.

D) Unterschied von Bekanntem und Erkanntem

In unserer lebensweltlichen Erfahrung sind uns die Dinge in einer Fülle einer auch geschichtlichen Bedeutsamkeit erschlossen. Wie ist die Fülle der geschichtlichen Bedeutsamkeit erschlossen? Die Fülle entzieht sich uns. Weil das so ist, müssen und können wir fragen.

Deshalb stehen wir vor zwei Aufgaben:

1) Man kann nur in rechter Weise philosophieren, wenn man sich offenhält für grundsätzliche menschliche Fragen und Erwar- tungen und sich darauf auch einläßt.
2)Eine Erfahrung macht man nur dann, wenn man sie bedenkt, wenn man sich auf sie besinnt und darüber nachdenkt. Nur weil bekannt ist, ist es aber noch lange nicht erkannt. Die ge- kannte Fülle ist noch nicht erkannt. In der natürlichen Spra- che ist uns die Fülle der Dinge erschlossen. Unsere Sprache ist das Gedächtnis der Menschheitserfahrung. Die Sprache ist die Art und Weise, wie uns Erfahrungen gegeben sind. Die na- türliche Sprache ist nicht nur alltägliches Gerede. Sie umfaßt auch die dichterische, religiöse (...) Sprache und die abgrün- dige Klage. In de natürlichen Sprache verständigen wir uns. In dieser natürlichen Sprache kommt es zur Ausbildung künstlicher Sprache. Wir können die künstliche Sprache aber nur über die natürliche Sprache ausbilden und über die künst- liche können wir auch nur in der natürlichen Sprache reden. Die Auslegung der künstlichen Sprache können wir nur in der natürlichen.Das ist die Unhinderbarkeit der natürlichen Sprache und die Unumgehbarkeit unserer lebensweltli- chen Erfahrung. Unsere lebensweltlichen Erfahrungen kön- nen wir nicht NICHT machen.

Primär ist der Unterschied zwischen der Fachwissenschaft und der Philosophie in der Art und Weise wie gefragt wird. Frageinteresse und Frageabsicht sind anders.

Beide, Fachwissenschaft und Philosophie haben eine gemeinsame Basis - die lebensweltliche Erfahrung (= allgemein menschliche Erfahrung).

1) Lebensweltliche Erfahrung ist etwas vorwissenschaftliches
2) Dinge sind uns in der Weise der konkret ganzheitlichen Fragestel- lung bekannt
3) In der Lebensweltliche Erfahrung ist uns ein grenzenloser Fragehori- zont erschlossen - wir können nach allem fragen (die Begrenzheit ist uns erschlossen)
4) Wie ist diese konkret ganheitliche Begebenheit beschaffen? Dinge sind uns bekannt, vertraut, aber das heißt nicht, daß sie uns deshalb schon erkannt sind. Deshalb können wir fragen.

2. Kapitel Die fachwissenschaftliche Fragestellung

Charakterisierung der fachwissenschaftliche Fragestellung:

1) die Fragehinsicht der Fachwissenschaft ist eine abstrakt partielle
2) dieser abstrakt partielle Fragehinsicht entspricht ein thematisch re- duzierter Gegenstand (das Befragte ist ein thematisch reduzierter Gegenstand)
3) das, was Fachwissenschaften interessiert (das Gefragte) ist eine ge- genständliche Begründung des Gegnständlichen.
4) Die Fragehinsicht ist eine geschichtlich wandelbare, sie unterliegt einem geschichtlichen Wandel

Zu 1) die Frageabsicht bewegt sich in einer abstrakt part iellen Fragehin- sicht. Charakteristisch ist der methodischer Reduktionismus. (= keine der Fachwissenschaften hat es ausdrücklich mit der Gesamtwirklichkeit als solches zu tun, vielmahr beschränkt sich jede Fachwissenshcaft auf einen Teilbereich der Gesamtwirklichkeit. - Geschichte ist kein Gegenstand der Physik) Die Fachwissenschaften blenden im vorhinein eine Reihe von Be- stimmungen bewußt aus, blenden Dinge in unserer Lebensweltliche Erfah- rung aus, die Fachwissenschaft bewegt sich von allem Anfang an in einer bewußt eingeschränkten Fragehinsicht, aus der Lebensweltliche Erfahrung werden gewisse Dimensionen ausgeklammert, davon abstrahiere ich, abs- trakt partiell deshalb, weil keine Fachwissenschaft sich per Definition mit der Gesamtwissenschaft beschäfftigt. Bewußt wird eine Selbsteinschrän- kung auf sich genommen. Genau das ist mit der Formel methodischer Re- duktionismus gemeint. Die Ausblendung ist keineswegs nicht erzwungen. Durch die Ausblendung gewinnt die Fachwissenschaft überhaupt erst ihren Gegenstand. Der Gegenstand wird erst infolge der Ausblendung gewon- nen. Die aus der Lebensweltliche Erfahrung gewonnene Erkenntnis wird vergegenständlicht → es wird zum Gegenstand der Fachwissenschaft. Die Einschrängkung legt fest, was relevant ist. Methodischer Reduktionismus ist für die Fachwissenschaft konstruktiv, ohne methodischer Reduktionis- mus gibt es keine Fachwissenschaft. Diese Ausblendung macht die Fach- wissenschaft erst möglich. Reduktionismus ist etwas, daß am Anfang der gesamten Reihe von Fragen steht. Er liegt ihr zugrunde. Methodischer Re- duktionismus geht der Fachwissenschaft der Sache nach voraus, er liegt der Fachwissenschaft zugrunde. Methodischer Reduktionismus begründete die Fachwissenschaft indem er die Möglichkeit ihres Forschens eröffnet. Das erste heißt Prius (das frühere), das sachlich erste, von herkommend → abstrakt partiell ist a priori. Der A Priorische Gegnstandsentwurf legt die allgemeinen Bedingungen fest, unter denen etwas zum wissenschaftli- chen Gegenstand werden kann. Es wird die Gegenständlichkeit des Ge- genstandes. Der A Priorische Gegenstandsentwurf ist Teil der a priorischen Fragehinsicht. Der Fachwissenschaft geht gar nicht auf die Lebensweltliche Erfahrung ein, vielmehr fängt die Fachwissenschaft mit einer Reduzierung an. Sie klammert gewisse andere Fragestellungen aus. „Alles messen, was meßbar ist und alles meßbar machen, was noch nicht meßbar ist!“ (Gali- lei)

Wie geht die Fachwissenschaft - weil sie sich der methodischer Reduktio- nismus verschreibt? Hier wird nicht nach der Seinsweise gefragt, nur Inte- resse, wie etwas finktioniert, Fragehinsicht erbigt sich aus dem Ziel, die Fachwissenschaft verfolgt ein gewisses Ziel. Das Erkenntnisziel ist die Be- herrschung der Nautr - deshalb müssen gewisse Dimensionen aus ihr ausgeklammert werden. Die Fachwissenschaft verschreibt sich eines e- benso beschränkten Wissens - es beschränkt sich auf fachwissenschaftli- ches Wissen. Die Fachwissenschaft will etwas bestimmtes wissen und will es auf eine bestimmte Art wissen. Die Fragehinsicht bestimmt von vorn- herein, welche Wissensart die Legitimität der Fragestellung bekommt. Die eingeschränkte Fragehinsicht legt die Wissenschaftlichkeit der Frage fest, legt auch das Begründungsverfahren fest. Das war erstmals bei René Des- cart.

Zu 2) das Befragte ist ein thematisch reduzierter Gegenstand und für die Fachwissenschaft ist der Methodenvorrang charakteristisch.

Die eingeschränkte Fragehinsicht verdankt sich dem thematisch reduzier- ten Gegenstand. Die bewußte Bindung an die eingeschränkte Fragehin- sicht macht das Methodische aus (Selbstbindung an die Fragehinsicht). Die Fragehinsicht ist nicht schon deshalb methodisch weil sie gewissen Regeln der Prüfung befolgt, sondern weil sie von vornherein festhält, was ihr Gegenstand wird und was nicht. Die Wissenschaft gewinnt ihren Inhalt durch Ausblendung - was über bleibt ist ihr Gegenstand → anders formu- liert: Das Befragte der Fachwissenschaft ist nicht das in der lebensweltli- chen Erfahrung gegebene in seiner vollen Dimension, sondern sie befragt es in deren thematischer Reduktion. Das ist der Grund, das es ein Außer- halb einer Wissenschaft geben kann - Fachwissenschaft ist sich ihr Ge- genstand → Folge des Methodischen Reduktionismus. Methodenvorrang zeichnet die Fachwissenschaft aus. Methodische Wissenschaft oder Fach- wissenschaft liegt in der Selbstbindung in der Fragehinsicht. Bindung in eine eingeschränkte Fragestellung. Methodenvorrang ist der Vorrang der Methode vor den Erfahrungsinhalt → Satz enthält radikale Umkehr. Es heißt nicht das Seiende bestimmt die Art und Weise seines Wissens, son- dern ein Wissensbegriff legt fest, was seiend sein darf.

Der Methodenvorrang hat eine Konsequenz: das ist, warum die Lebensweltliche Erfahrung für die Wissenschaft keine Relevanz hat, die Relevanz hat es nur als methodisch herbei geführtes Experiment, Erfahrung ist nicht gleich Experiment. Ein Experiment ist methodisch herbei geführt, unter einschränkenden Bedingungen. Nietsche: „Nicht der Sieg der Wissenschaft ist das was unser 19. Jahrhundert ausmacht, sondern der Sieg der Wissenschaftlichen Methode über die Wissenschaft“

Mit dem methodischen Redukionismus wird das Gesamtphänomen, also wie uns die Dinge in der lebensweltlichen Erfahrung erscheinen, da wird das Gesamtphänomen zum verschwinden gebracht. Die Farbe als Farbe entschwindet in dem Augenblick in dem sie naturwissenschaftlich erklärt wird. In der Naturwissenschaft wird von Schwingungszahlen geredet aber nicht über Farben. „Die Farbe als Farbe ist paradoxerweise nur da wenn sie im naturwissenschaftlichen Bereich unerklärt ist.“

3) Reintegration

Das Gefragte sind die gegebenen Begründungen des Gegenständlichen. Das spezielle Interesse und die Fragehinsicht bringen es mit sich, daß die Fachwissenschaft mit Begründungen und Beschreibungen zu tun hat, und zwar auf der selben Ebene wie das zu begründende (eine empirische Wissenschaft macht über etwas empirisches empirische Aussagen. Physikalisches wird erklärt durch physikalisches).

4) Geschichtlicher Wandel der Geisteswissenschaft

Fragehinsicht ist etwas geschichtlich wandelbares. Die Fachwissenschaft ist eine Möglichkeit von vielen. Wie kommt es zu einem Wandel in der Ge- schichte?

Die Frage nach der Wissenschaft ist nicht die lineare Fortsetzung (Die mo- derne Naturwissenschaft ist nicht die lineare Fortsetzung der Antike ..). Was haben denn die Griechen unter Natur verstanden? Die haben ja ganz etwas anderes darunter verstanden, weil sie einen anderen Rahmen hat- ten ist die moderne Wissenschaft keine lineare Fortsetzung der Antike, die Grundeinstellung war anders. Natur zu beherrschen und zu berechnen ist etwas anderes als Natur in Dienst zu nehmen. Beherrschung erfordert Prognostizierbarkeit.

3. Kapitel Eigentümlichkeit des philosophischen Fragens

die philosophische Frage bewegt sich in einer konkret ganzheitlichen Fra- gestellung. Die Philosophie verschreibt sich nicht in dem methodischen Reduktonismus, sondern bewegt sich bewußt in einer universalen Frage- hinsicht. Universal wird sie genannt, weil es im Philosophischen zu zweier- lie geht: sowohl um das Gesamtphänomen als Gesamtphänomen (das Ganze einer Sache) als auch um das Ganze im Sinne des Allbezugs. So geht es in der Philosophie um das Ganze dessen was die Wirklichkeit des Menschen ausmacht. Der Versuch, das Insgesamte des Menschen zu er- kennen. Die Philosophie grenzt nicht aus. Alles soll in den Blick gebracht werden. Man möchte das sehen, was die Fachwissenschaft ausblendet. In diesem Sinne fragt man nach dem Ganzen. Die Philosophie möchte mög- lichst nichts auslassen und alles in den Blick bekommen. Whitehat: „Philo- sophisch Fragen heißt, die einfache Frage zu stellen, was es mit allem ei- gentlich auf sich hat. What is it all about?“ Philosophische Disziplinen (E- thik, Ontologie) sind nicht für sich isoliert, sondern unterschidliche Akzen- tierungen der einen philosophischen Frage.

Die fachwissenschaftlichen Fragen haben wir bereits besprochen.

Einfache Fragehinsicht:Philosophie ist die universelle Fragehinsciht, sie entspricht einer themaitsch unreduzierten Sache. Es handelt sich um die Fragehinsicht und deshalb liegt die thematisch unreduzierte Sache nicht einfach schon vor, sondern die thematisch unreduzierte Sache muß erst zum Vorliegen gebracht werden. Das Gesamtphänomen als solches ist ge- rade nicht schon was sich zunächst zeigt, sondern ist viel mehr das, was sich nicht zeigt, weil es sich verbirgt, deshalb ist es uns bloß bekannt. Das heißt mit der universellen Fragehinsicht ist die Möglichkeit eröffnet, daß die Sache in ihrer thematischen Weise zum Vorschein kommen kann.

Die Philosophie geht von der allgemein menschlichen Erfahrung aus, aber sie schildert sie nciht nochmal, sie ist nicht der Abklatsch, weil die Philo- sophie von der Erfahrung ausgeht, aber sie fängt damit an, daß sie Erfa- hung fragwürdig wird, daß die Erfahrung ihre Selbstverständlichkeit ver- lieht. (→ Augustinus, Zeitfrage = Formulierung der klassischen Ausgangs- situaiton)

Was uns bekannt ist ist uns irgendwie vertraut. Was uns irgendwie be- kannt ist, muß erst duch philosophisches Fragen aus seiner Vorborgenheit in seine Anwesenheit - Unverborgenehti hervorgebracht werden → Proßez der Philosophie. In diesem Prozeß der Hervorbringung müssen ja unsere Vormeinungen, Vorbegriffe, Vorurteile alles befragt werden → das ist mühsam. Die Vorbegriffe der Dinge stammen ja teilweise aus dem ge- schichtlichem. Das muß in Frage gestellt werdne. Die Vormeinungen müs- sen in Frage gestellt wereden. (Dekonstruktion = Abbauenm Zurückneh- men .. Heidecker). Es sit zu beachten:d ie Vorborgenehit ist nicht einfach abzustreifen, die Dinge geben immer mehr zu erkennen als wir sehen, die kritische Rückfrage kann zwar das Vorverständis korrigieren, aber nur durch ein neues Vorverständnis. Das Befrage liegt nicht vor, das Hervor- bringen ist das Geschäft der Philosophie, dabei kann die Verborgenehit nie restlos abgestreift werden.

Das Gefragte sind die Ermöglichungsgründe der thematisch unreduzierten Sache und damit der Grund des Ganzen schlechthin. Gefrat wird nicht nach den Bestimmungen (→ empirische Fachwissenschadft), sondern es wird nach den Ermöglichungsgründen der fraglich gewordenen lebenswel- tichen Erfahurng gefragt. In der Lebensweltichen Erfahurn gist immer ein allgemeiner Bezug, da also die lebensweltiche Erfahrung schon immer die- sen Allbezug impliziert geht es auch in der Philosophie um den Ermögli- chungsgrund der Erfahrung. Erfahrung heißt zweierlei: erfahrene, wahrge- nommene und Vollzug des Erfahrens. Diese Doppelbeduetung sit zu be- achten. Die Philosophie befindet sich in einer eigenartigen Situation.

10 von 11 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Philosophie
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V99772
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schöne Mitschrift für alle Philo"frischlinge" erleichtert das Mitschreiben wesentlich!
Schlagworte
Einführung, Philosophie
Arbeit zitieren
Maria Meier (Autor), 2000, Einführung in die Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/99772

Kommentare

  • Gast am 20.11.2001

    Wo ist das 4 Kapitel???.

    Es ist schön was du geschrieben hast aber mich würde deine schlussvolgerung sehr interessieren.Wenn du ein wenig kritik willst: Du wiederholst dich oft und am ende also ab Kapitel 3 hast du ziemlich viele rechtschreibfehler!!!!!!
    Ansonsten würde mich das 4 kapitel interessieren!!!!!

    Danke

  • Gast am 30.11.2001

    danke.

    also eins muss ich dir sagen, du hast dir arsch viel arbeit gemacht, das ins internet zu schreiben.aber, glückwunsch haste echt super hingekriegt. ich mein 12 jährige kinder kapieren eigentlich so was nicht, und da hilft mir deine philosophie einführung bestimmt! danke
    by eva

Im eBook lesen
Titel: Einführung in die Philosophie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden