Die Frage, mit der sich die aristotelische Ethik beschäftigt, ist die Frage nach der eudaimonia, sprich dem Glück im Sinne guten Lebens. Genauer wird diese Frage in den zwei Werken „Nikomachische Ethik“ und „Eudemische Ethik“ von Aristoteles genauer erläutert. Im folgenden Essay wird sich jedoch nur auf die Nikomachische Ethik, genauer Buch eins und zwei daraus, bezogen. Diese beschäftigen sich, wie schon aus dem Wort ableitbar, mit der Lehre von Sittlichkeit oder Tugend und der Definition des höchsten menschlichen Gutes. Durch Tugenden gelangt der Mensch zu seiner Bestimmung, seiner natürlichen Vollendung, und wird folglich daraus glücklich. Der Mensch strebt somit, wie alles Lebendige, nach dem Guten. Damit stellt die Glückseligkeit das höchste Gut und somit auch das Ziel all seiner Handlungen und des menschlichen Lebens dar. Voraussetzung dafür ist nach Aristoteles allerdings Tugendhaftigkeit, sowie ein Leben ohne „negative“ äußere Gegebenheiten wie Schicksalsschläge. Dies betrifft sowohl sich selbst als auch Freunde und Verwandte. Aber wie definieren sich die Glückseligkeit und die Tugenden als Voraussetzung für das menschliche Glück?
Diese Leitfrage werde ich im Folgenden in diesem Essay zu dem Thema „Tugend als Voraussetzung für menschliches Glück“ nachvollziehbar aufschlüsseln, erläutern und anschließend lösen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. Das höchste menschliche Gut: das Glück
1.1 Definition
1.2 Voraussetzungen für menschliches Glück
2. Die charakterliche Tugend
3.1 Die Gutheit des Denkens und des Charakters
3.2 Die Tugend als Mitte
3. Zusammenfassung: Tugend als Voraussetzung für menschliches Glück
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aristotelische Philosophie, insbesondere die Nikomachische Ethik, um zu ergründen, inwiefern Tugendhaftigkeit als grundlegende Voraussetzung für das menschliche Glück (Eudaimonia) zu betrachten ist.
- Definition des Glücks als höchstes menschliches Gut
- Die Rolle äußerer Güter und ihre Begrenzung
- Unterscheidung zwischen dianoethischer Tugend und Charaktertugend
- Die Lehre von der Mitte als Maßstab tugendhaften Handelns
- Bedeutung der Gewöhnung und Erziehung für die Tugendhaftigkeit
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Tugend als Mitte
Tugendhaftes Handeln kann als „mäßig“ oder „gerecht“ beschrieben werden, jedoch müssen jene Begriffe von Situation zu Situation unterschiedlich definiert und verallgemeinert werden. So beschreibt Aristoteles die Tugend als eine Art Mitte zwischen den Extremen Mangel und Übermaß (Aristoteles 2006, Nikomachische Ethik, S. 77, 1104a Z. 25-27). Um dies genauer zu erläutern, kann man auf das Beispiel der Tapferkeit zurückgreifen. Diese bildet die Mitte zwischen den beiden Extremen Feigheit (Mangel an Tapferkeit) und Übermut (Übermaß an Tapferkeit). Diese Findung der Mitte wird allerdings durch Lust und Unlust erschwert und kann erst durch einen langen Prozess der richtigen Konditionierung erleichtert werden. Wenn man somit zu viel Lust empfindet, wird man tapfer und damit übermütig, wenn man jedoch Unlust an der Tapferkeit empfindet, wird man schnell feige. Jener, der tapfer oder feige handelt, gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran und wird auch fortan so handeln. Denn auch auf diese Weise erreicht man seine persönlichen Ziele und Vorstellungen. Umso schwieriger wird es jedoch, überhaupt tapfer zu handeln. Damit kann man festhalten, dass es schwierig ist, diese Ungleichheit der Extreme in Waage zu halten und damit die Mitte der Tugenden zu finden.
Zudem muss in diesem Zusammenhang gesagt werden, dass jeder Mensch eine individuelle Wahrnehmung in Bezug auf die Mitte besitzt. So ist beispielsweise ein Extremsportler in den Augen eines „feigen“ Menschen lebensmutig, leichtsinnig und wenn nicht gar wahnsinnig. Aus Sicht des angeblich „tapferen“ Extremsportlers sind jene Menschen, die Angst und Furcht vor den Handlungen des Extremsportlers haben, wiederum feige und mutlos. An diesem Beispiel kann man festmachen, dass Untersuchungen der Tugenden abhängig von der Situation und den betroffenen Personen ist. Da es zusammenfassend keine reine Lösung dieser Problematik gibt, rät Aristoteles:
„Die mittlere Disposition [ist] überall lobenswert …, [allerdings müssen] wir aber manchmal in Richtung auf das Übermaß, manchmal in Richtung auf den Mangel abweichen… So nämlich werden wir am leichtesten das Mittlere und das gute Handeln treffen.“ (Aristoteles, S. 93, 1109b Z. 24-28)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein und verortet das Thema in Aristoteles' Nikomachischer Ethik.
1. Das höchste menschliche Gut: das Glück: Dieses Kapitel definiert das Glück als das oberste Ziel des menschlichen Strebens und erläutert dessen Autarkie.
1.1 Definition: Hier wird der Begriff des Glücks als „höchstes Gut“ gemäß aristotelischer Lesart präzisiert.
1.2 Voraussetzungen für menschliches Glück: Dieses Kapitel beleuchtet, welche Rolle äußere Güter und Schicksalsumstände für das Erreichen der Glückseligkeit spielen.
2. Die charakterliche Tugend: Die theoretische Einteilung in Tugenden des Denkens und des Charakters wird hier begründet.
3.1 Die Gutheit des Denkens und des Charakters: Hier wird die Entstehung von Tugenden durch Erfahrung bzw. Gewöhnung analysiert.
3.2 Die Tugend als Mitte: Dieses Kapitel erläutert die Lehre der „rechten Mitte“ anhand des Beispiels der Tapferkeit.
3. Zusammenfassung: Tugend als Voraussetzung für menschliches Glück: Abschließende Reflexion darüber, wie Tugend als Richtlinie für das heutige Handeln dienen kann.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Eudaimonia, Glück, Tugend, Charaktertugend, dianoethische Tugend, Mitte, Übermaß, Mangel, Gewöhnung, Handeln, Ethik, Lebensführung, höchste Gut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das aristotelische Konzept des menschlichen Glücks (Eudaimonia) und die zentrale Rolle, die Tugendhaftigkeit als notwendige Voraussetzung für ein gelingendes Leben spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition des höchsten Gutes, der Differenzierung von Tugenden und der Anwendung der Lehre der Mitte auf das menschliche Handeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Leitfrage ist, wie sich Glückseligkeit definiert und warum Tugendhaftigkeit als unverzichtbare Voraussetzung für menschliches Glück verstanden werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textkritischen Analyse und Interpretation ausgewählter Passagen der Nikomachischen Ethik (Buch eins und zwei) unter Einbeziehung philosophischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Tugenden, die Bedeutung der Gewöhnung sowie das Konzept der „rechten Mitte“ zur Vermeidung von Extremen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Glück, Tugend, Charakter, Mitte, Eudaimonia und praktisches Handeln maßgeblich charakterisiert.
Warum spielt die Gewöhnung für Aristoteles eine so große Rolle?
Laut Aristoteles werden Tugenden nicht angeboren, sondern durch stetiges Wiederholen und Einüben von Handlungen ausgebildet, wodurch der Charakter geformt wird.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Glück und äußeren Gütern?
Äußere Güter wie Reichtum oder Herkunft werden zwar als unterstützende Hilfsmittel anerkannt, sind aber dem tugendhaften Handeln als innere Voraussetzung untergeordnet.
Kann man laut Aristoteles trotz Schicksalsschlägen glücklich sein?
Ja, ein tugendhafter Mensch kann Unglück mit Stärke und Stolz ertragen, wobei das tugendhafte Leben selbst einen höheren Stellenwert behält als bloß äußere Gegebenheiten.
Inwiefern hat die Nikomachische Ethik heute noch Bedeutung?
Die Ethik dient auch für den modernen Menschen als moralischer Leitfaden, der Orientierung bei der Frage bietet, wie ein gelingendes, tugendhaftes Leben gestaltet werden kann.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Tugend als Voraussetzung für menschliches Glück. Nikomachische Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998021