I
Next Generation Internet
Gliederungs übersicht
A Einführung
B Grundlagen
C Die Bedeutung neuer High-Speed-Netze für die effiziente
Nutzung von Unternehmensressourcen
D Zusammenfassung und Beurteilung
II
Next Generation Internet
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung 1
I. Das Medium Internet. 1
II. Historische Entwicklung und Aufbau des Internets. 2
III. Zielsetzung dieser Arbeit 5
B. Grundlagen. 6
I. Begriffsdefinition Next Generation Internet 6
II. Arten von Internetverbindungen. 6
a. Analogmodems 7
b. ISDN. 7
c. PowerLine 8
d. Kabelmodems 8
e. xDSL 9
1. ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) 10
2. HDSL (High Data Rate Digital Subscriber Line) 10
3. SDSL (Single Line Digital Subscriber Line) 10
4. VDSL (Very High Data Rate Digital Subscriber Line) 11
f. Funktechnologien. 11
1. Satellitentechnologie 11
2. UMTS. 12
3. Richtfunk 13
g. Multiplexing-Techniken 15
h. Glasfasernetze und B-ISDN. 16
III. Übersicht der Internetzugänge. 17
C. Die Bedeutung neuer High-Speed-Netze für die effiziente Nutzung von Unternehmensressourcen
19
I. Wirtschaftliche Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Hochgeschwindigkeitsnetze 19
a. Virtual Private Network. 19
b. Internet-Telefonie 21
c. Virtual Reality 23
d. Videoconferencing 25
e. Streaming / Real Media 27
f Application Service Providing 29
III
II. Auswirkungen auf Organisationsstrukturen. 31
a. Teleworking 31
b. Virtuelle Unternehmen. 34
III. Entwicklungstendenzen und Aussichten 38
D Zusammenfassung und Beurteilung 39
IV
Abbildungsverzeichnis :
Abb. 1: skyDSL in der Anwendung
Abb. 2: Richtfunk.
Abb. 3: Formen des Teleworking
Abb. 4: Virtuelle Unternehmungen.
Abb 5: Die virtuelle Fabrik
Tabellenverzeichnis:
Tab. 1: Entwicklung des Internet.................................................................................................... 4 Tab. 2: xDSL im Überblick............................................................................................................ 9 Tab. 3: Multiplexing-Dienste in der Übersicht................................................................................15 Tab. 4: Übersicht Internetzugänge .................................................................................................18 Tab. 5: Vor- und Nachteile von Teleworking .................................................................................33
Abkürzungsverzeichnis:
HTTP Hyper Text Transfer Protocol - Protokoll im World Wide Web, das die Übertragung von HTML-Seiten ermöglicht, aktuelle Version: 1.1
HTTPS Hyper Text Transfer Protocol over SSL, Methode um Daten über HTTP mit SSL verschlüsselt zu übertragen
Flatrate Pauschaltarif für die Internetnutzung, der entweder zeit- oder transfermengenbezogen sein kann, steht in der Regel für einen unlimitierten Zugang
FTP File Transfer Protocol, Protokoll im World Wide Web, das zum Übertragen von Daten
Gopher Gopher ist die Bezeichnung für einen speziellen Informationsdienst im Internet;
IRC Internet Relay Chat; der IRC ist ein Dienst im Internet, der auf speziellen IRC-Servern Konferenzen zwischen Internet-Teilnehmern mittels geeigneter Software ermöglicht.
ISP Internet Service Provider, Unternehmen, das Internetdienste und Internetzugänge zur Verfügung stellt
KBit/sec Kilobit pro Sekunde
MBit/sec Megabit pro Sekunde
PBit/sec Petabit pro Sekunde
SSL Secure Socket Layer, SSL, eine Entwicklung der Firma Netscape, Verschlüsselungs-
TBit/sec Terrabit pro Sekunde
Telnet Bezeichnung für einen Internet-Dienst, der es dem Benutzer erlaubt, sich auf einem Server einzuloggen und diesen über bestimmte Befehle fernzusteuern
Literaturverzeichnis:
Zeitschriften sind in vereinfachter Form zitiert worden nach dem Schema x(y)z. Dabei steht x für den Verlagsjahrgang - sofern dieser für die Zeitschrift geführt wird, y für das Erscheinungsjahr und z für die Heftnummer.
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Kommerzielle Nutzung des Internet; Unterstützung von Marketing, Produktion, Logistik und Querschnittsfunktionen durch Internet, Intranet und kommerzielle Online-Dienste; 2. Auflage Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg-New York, 1998
Bauer, Stephan: (Die Kraft des Samurai)
Die Kraft des Samurai, Artikel in „EURO am Sonntag“ vom 03.12.2000
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Download unter http://www.bma.de/download/broschueren/a199.pdf
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High-Speed Networking - Konzepte, Technologien, Standards Carl-Hanser-Verlag, München-Wien, 1998
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Download unter http://www.rrz.uni-hamburg.de/VU/systemvu.zip
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Telearbeit - Ein praktischer Wegweiser Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg, 1998
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Internetadressen werden nach dem verkürzten Schema URL x (y) zitiert. Dabei steht x für den Titel des Dokumentes und y für das Abrufdatum der URL.
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http://www.abac.com
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„Everything T1 - Free T1 Info“ (08.02.2001)
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„T1“ (08.02.2001)
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„The Year of VPN“ (13.02.2001)
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„Tom’s Hardware Guide: Business Report - PowerLine“ (07.02.2001) http://www.tomshardware.de/business/99q4/991227/index.html
„Vernetzung“ (06.02.2001)
http://www.lwi2.wiwi.uni-frankfurt.de/sfb403tpa3/vernetzung/vernetzung.htm
„Virtual Reality als Komponente multimedialer Informationssysteme“ (13.02.2001) http://www.fh-wuerzburg.de/fh/fb/bwl/Offiziel/BWT/pages/pp/1/zilker.htm
„Virtuelle Fabrik“ (20.02.2001)
http://www.virtuelle -fabrik.org
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http://www.rrz.uni-hamburg.de/VU/vu.htm
„Voice over IP“ (13.02.2001)
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„Voice over IP im Stadtarchiv Passau“ (13.02.2001)
http://www.kmz.de/voice-over-ip/presseerklaerung1.htm
„ZDNet News - Neue Site für T-DSL-Kunden auf der Warteliste“ (20.02.2001)
http://www.zdnet.de/news/artikel/2001/01/26011-wc.html
A. Einführung
I. Das Medium Internet
Das Internet - als sogenanntes „neues Medium“ - stellt in seiner heutigen Form ein globales Netzwerk dar, das aus vielen kleinen und kleinsten, in sich abgeschlossenen Subnetzwerken besteht und diese über gemeinsame Datentransferprotokolle koordiniert. Es besitzt keine zentrale Steuerungseinheit, sondern die einzelnen Datenpakete suchen sich selbsttätig den schnellstmöglichen Weg zum Ziel 1 . Alle Transaktionen im Netz laufen nach dem Client/Server-Prinzip ab, bei dem Clients den Informationsabruf tätigen und die Server Informationen und Dienste zur Verfügung stellen. Neben der gebräuchlichsten Form des Daten- und Wissenstransfers, dem HTTP-Dienst mit dem Basisprotokoll TCP/IP zur Übertragung von Internetseiten an den Browser des jeweiligen Nutzers, bietet das Internet eine Reihe von weiteren Zusatzdiensten wie FTP, Telnet, Gopher/Archie, News oder IRC (Erläuterung s. Abkürzungsverzeichnis), um hier nur einige beispielhaft zu nennen.
Der wohl meistgenutzte Dienst des Internet ist electronic mail (E-Mail), der das Empfangen und Versenden von Dokumenten im Internet ermöglicht. Allerdings hat sich das erwartete Einsparungspotenzial in den Unternehmen durch diesen Dienst bisher nicht als vollständig realisierbar erwiesen.
Insbesondere in den letzten Jahren hat dieses Medium einen besonders starken Bedeutungszuwachs erhalten und auch im Bereich der privaten Nutzung Einzug gehalten. Nicht zuletzt ist dies den - durch EU-Initiative - gesunkenen Telekommunikationskosten zu verdanken, die einen günstigen Zugang zum Internet ermöglichen. Dies stellt für Unternehmen ein großes Wachstumspotenzial dar, das bisher nur zum Teil und branchenspezifisch genutzt wird. Doch auch im Beschaffungsbereich und in der Kooperation und Interaktion von Unternehmen selbst bieten sich neue, bisher noch kaum realisierte Möglichkeiten für die Wirtschaft.
Mit der Verbreitung von Breitbandinternetzugängen werden sich, insbesondere für den Mittelstand, neue Möglichkeiten bieten eigene Stärken zu nutzen und neue Potenziale für das Wachstum des Unternehmens zu nutzen.
1 vgl. „Das Internet ABC“ (06.02.2001)
II. Historische Entwicklung und Aufbau des Internets
Im Folgenden soll die Entwicklung des Internet anhand einiger ausgewählter Stationen dargestellt werden. Dazu wird, in Anlehnung an P. Alpar, die Entwicklung des Internet in vier Phasen 2 unterteilt:
Experimentierphase:
Diese Phase umfasst den Zeitraum von 1969 bis 1983, beginnend mit der Inbetriebnahme des ARPANET 3 , das als Ausgangspunkt des Internet betrachtet werden kann. Das ARPANET begann als ein Netzwerk mit 4 Knotenrechnern 4 , die an den Universitäten in Utah, Santa Barbara (Kalifornien), Los Angeles und dem Stanford Research Institute standen. Ray Tomlinson führt mit seinem selbstentwickelten E-Mail-Programm das bekannte „@“-Zeichen ein, welches die Bedeutung „bei“ tragen soll, um die Benutzer eines Servers eindeutig zu adressieren 5 .
1973 zählt das ARPANET bereits 2000 Benutzer und ein Jahr später folgte die Entwicklung des TCP, der Basis der Standardprotokollfamilie TCP/IP, welches bis zum heutigen Tage Anwendung findet. Im März 1978 wird TCP zu TCP und IP gesplittet und daraus der angesprochene Standard entwickelt. Zu Beginn der 80er Jahre entstanden eine Reihe weiterer Netze, die durch die Einführung und vollständige Realisierung von TCP/IP, 1983 einen einheitlichen Kommunikationsstandard erreichten.
Skalierungsphase:
In dieser Phase wurde das Internet einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, was insbesondere durch die Integration von TCP/IP in das UNIX-Betriebssystem, das trotz gewisser Anpassungen auch heute noch weitverbreitet ist, begünstigt wurde. Mit der Auftrennung des ARPANET in das militärische MILNET und das öffentliche ARPANET und der Einführung eines Domain-Adressen-Systems 1986
2 vgl. Alpar (Kommerzielle Nutzung), S. 13-20
3 Advanced Research Projects Agency (ARPA) [später „Defense Advanced Research Projects Agency“
(DARPA)], Behörde in den USA zur Erforschung von zuverlässiger Datenübertragung, vgl. auch Alpar
(Kommerzielle Nutzung), S. 13 - 14; das ARPANET war das erste Netzwerk, das von der ARPA entwickelt
wurde
4 vgl. „Die Zeitgeschichte des Internet“ (06.02.2001)
5 vgl. „Die Zeitgeschichte des Internet“ (06.02.2001)
wurde die Grundlage für das starke quantitative Wachstum der Folgejahre gelegt. Am 15. März 1985 wird symbolic.com die erste registrierte Domain und legt somit den Grundstein für das heutige globale Domainregistrierungssystem.
Das NSFNET wird 1986 mit einer Backbone-Geschwindigkeit von 56 KBit/sec gegründet und stellt das erste „Hochgeschwindigkeits-Netzwerk“ dieser Zeit dar. Es wird allerdings bereits 1988 auf 1,544 MBit/sec ausgebaut. Im gleichen Jahr wird der Dienst IRC, der die Vorstufe der multimedialen Anwendungen darstellt, von Jarkko Oikarinen entwickelt. Bereits 1991 wird das NSFNET auf eine Bandbreite von 44,736 MBit/sec erweitert, was dem T3-Standard in den USA entspricht.
Universelle und globale Anwendung:
Mit der Entwicklung und Einführung des WWW-Dienstes 1992 und der Gründung der Internet Society (ISOC), die als koordinierende Stelle die weltweiten Netzwerken durch gemeinsame Standards zusammenführte, beginnt die Phase der Kommerzialisierung des Internets. Während die bisherige Entwicklung größtenteils in den USA ablief, so bilden sich in dieser Phase auch größere Netzwerkverbünde und Backbones in Europa (z.B. DFN, WIN). Nachdem der damals wichtigste Datenweg in den USA, der NSF-Backbone, privatisiert wurde, war es möglich auch kommerzielle Inhalte über dieses Netz zu verteilen. Auch in Deutschland gab es heftige Diskussionen um die Freigabe des Internets für andere Benutzer als Forschungseinric htungen.
1995 tritt die Firma SUN Microsystems mit der von ihr entwickelten Programmiersprache JAVA an die Öffentlichkeit. JAVA entwickelt sich im Laufe der Folgejahre zu einer der wichtigsten Sprachen im Bereich des World Wide Web. Mit der Gründung der Firma Netscape im gleichen Jahr entwickelt sich ein heftiger Wettbewerb mit Microsoft im Software- und insbesondere im Browser-Bereich. Dies führt zu schnellen Fortschritten in dieser Technologie und bewirkt eine größere Akzeptanz des Internet in der Öffentlichkeit. Auch werden in dieser Zeit die ersten Streaming-Verfahren entwickelt, die einen Echtzeit-Datentransfer und somit Multimedia -Anwendungen im großen Rahmen ermöglichen.
Allgegenwärtiges Internet:
Seit 1998, und hier im speziellen der Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte und der Verbreitung höherer Bandbreiten auf Seiten der Benutzer und auch im Bereich der Backbones, kann man das Internet als ubiquitäres Medium betrachten, das das Alltagsleben sowohl im Beruf als auch im Privatleben bestimmt. Die Absicherungsmöglichkeiten, durch sichere Übertragung mittels SSL-Verschlüsselung und neue Dienste wie die Internet-Telefonie, ermöglichen ein erweitertes und viel- fältiges Anwendungspotenzial des Internets.
1999 wird das Internet2 6 , mit einer Übertragungsrate von 2,4 GBit/sec (entspricht etwa der 39.000fachen ISDN-Bandbreite), an die europäischen Netze angebunden. Im gleichen Jahr wird das „SETI@Home“-Projekt gestartet, bei dem, über ein eigens entwickeltes Programm, die Rechnerauslastung bei der Analyse von gesammelten Daten auf viele Millionen Rechner im Internet verteilt werden soll.
Die rasante Entwicklung des Internet lässt sich sehr deutlich in der folgenden Statistik der registrierten Hosts 7 , Sites 8 und Domains erkennen und belegen.
Tab. 1: Entwicklung des Internet
*) Schätzwerte auf Basis von „dotcom.com: Facts and Stats: Quick Stats“ (06.02.2001), da genaue Daten nicht
verfügbar waren
**) Stand vom Juni 2000
Quelle: „Die Zeitgeschichte des Internet“ (06.02.2001), „Das Internet-ABC“ (06.02.2001),
eigene Zusammenstellung
6 vgl. „Internet2“ (06.02.2001), entspricht einem mikrokosmischen Spiegel der bestehenden Internetarchitektur,
zu Testzwecken eingerichtet um insbesondere drei Themen experimentell zu bearbeiten: Augmentation
(unterschiedliche Prioritäten bei der Übertragung von Audio und Video), Busy-Signals (Einwahlregelungen bei
Überlastung des Netzes) und Multicasting (Lösung von Routing-Problemen)
7 Computersysteme, die in permanenter fester Verbindung mit dem Internet stehen
8 Anzahl der Webserver, wobei ein Host mehrere Sites haben kann aufgrund von unterschiedlichen Domains
bzw. Portnummern
III. Zielsetzung dieser Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es die wirtschaftliche Bedeutung von Breitband-Internetzugängen zu erfassen und darzustellen welche Möglichkeiten sich in der Anwendung dieser Technologien bieten. Dabei sollen weniger Fragen der technischen Abwicklung dieser Möglichkeiten behandelt werden als vielmehr die grundlegenden Strukturen und Anwendungsformen. Für entsprechende technische Informationen wird, an den gegebenen Stellen, auf weiterführende Fachliteratur verwiesen.
B. Grundlagen
I. Begriffsdefinition Next Generation Internet
Da der Begriff „Next Generation Internet“ (NGI) bereits mehrfach belegt ist und unterschiedlich verwendet wird, soll hier nun eine Arbeitsdefinition entwickelt werden.
Zunächst wird der Begriff NGI in den USA als Bezeichnung für eine staatliche Initiative verwendet, die als Ziel hat neue, revolutionäre Netzwerktechnologien und Anwendungen zu entwickeln und zu erproben, die es ermöglichen in Zukunft in wesentlich größerer Geschwindigkeit im und mit dem Internet zu arbeiten 9 . Weiterhin wird der Begriff NGI von einem deutschen Internet Service Provider (ISP) verwendet, der unter diesem Kürzel bekannt ist und seine Dienstleistungen anbietet 10 . Beide Anwendungen sollen nicht als Basis herangezogen werden. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun folgende Definition als Grundlage dienen.
Unter NGI soll eine „zentrale, multifunktionale Informations- und Kommunikationsplattform“ 11 verstanden werden, die sich durch Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge und ein erweitertes Service-und Funktionalitätsangebot auszeichnet. Dies beinhaltet insbesondere alle multimedialen Anwendungsmöglichkeiten und Technologien, die sich erst durch Breitband-Internetzugänge sinnvoll ermöglichen lassen.
II. Arten von Internetverbindungen
Als Grundlage für die spätere Diskussion der Anwendungsmöglichkeiten und wirtschaftlichen Bedeutung werden nun die grundlegenden Arten von Internetzugängen jeweils kurz erläutert. Dabei dienen als Ausgangspunkte die Formen der Internetzugänge, die heute noch üblich sind, allerdings nicht direkt zu den Breitband-Internetzugängen gerechnet werden können, wie Analogmodems oder das schmalbandige ISDN mit 64 KBit/sec Bandbreite.
9 vgl. auch „Next Generation Initiative“ (http://www.ngi.gov, 07.02.2001)
10 vgl. auch „next generation internet“ (http://www.ngi.de, 07.02.2001)
11 vgl. Fink/Wilfert (Handbuch Telekommunikation und Wirtschaft), S. 471
a. Analogmodems
Analogmodems sind neben ISDN die weitverbreitetste Zugangsform im Bereich der privaten Benutzer. Bei der Klassifizierung der Analogmodems unterscheidet man v erschiedene Geschwindigkeits- und Leistungklassen 12 , wovon allerdings für den Zugang zum Internet nur Modems nach dem V.90-Standard 13 mit einer maximalen Übertragungsrate von 56 KBit/sec hier Betrachtung finden sollen. Diese Modems stellen eine direkte Konkurrenz zu der schmalbandigen ISDN-Technologie dar. Sie werden bisher, aufgrund der geringeren Anschaffungs- und Betriebskosten im Vergleich zur ISDN-Variante, bevorzugt. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass die maximale Bandbreite nur selten erreicht werden kann. Es sind daher nur stabile Verbindungen mit realen Bandbreiten von 40-48 KBit/sec üblich.
Primäre Aufgabe eines Modems ist es die digitalen Signale, die es vom Benutzerrechner erhält, in analoge Signale zu wandeln. Diese werden über die normale Telefonleitung verschickt und erhaltene Signale werden wieder zurück ins digitale Format gewandelt. Somit übernimmt das Modem die Funktion als „Datentelefon“.
b. ISDN
ISDN (Integrated Services Digital Network) - als digitales Gegenstück zum Analogmodem-Zugangstellt im Moment die weitverbreitetste Form, im Bereich der privaten Nutzung und in kleineren Unternehmen, dar. Man unterscheidet hier das schmalbandige N-ISDN 14 mit 64 KBit/sec max. Übertragungsrate und das breitbandige B-ISDN mit mehr als 150 MBit/sec, das im Gegensatz zur schmalbandigen Version über Glasfaserkabel und nicht über Kupferkabel geleitet wird. 15
Der übliche ISDN-Anschluß teilt sich in drei Leitungen, wovon zwei parallel verfügbar sind. Die Datenvermittlung geschieht über sog. B -Kanäle mit einer Bandbreite von 64 Kpbs, während Steuerungsdaten über den paketvermittelnden D-Kanal und einer Bandbreite von 16 Kpbs versandt werden. 16 Einige ISP bieten auch die Möglichkeit einer Leitungskopplung bei der Einwahl ins Internet, wobei beide verfügbaren B-Kanäle gebündelt werden und somit eine maximale Bandbreite von 128 KBit/sec ermöglichen. Die angegebenen Bandbreiten werden in der Praxis in aller Regel tatsächlich erreicht, im Gegensatz zu den Analog-Modemverbindungen. Grundsätzlich sind aber mit ISDN, wie auch mit analogen Modems, nur bedingt komplexe Multimedia -Anwendungen realisierbar.
12 vgl. Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 566-568
13 aktueller Standard ist V.92, der allerdings nur geringfügige Änderungen zum V.90-Standard darstellt und
bisher noch nicht endgültig in der Praxis realisiert ist
14 Narrowband Integrated Services Digital Network
15 vgl. Fink/Wilfert (Handbuch Telekommunikation und Wirtschaft), S. 469
16 vgl. Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 574
c. PowerLine
PowerLine ist eine Technik, die mittels eines zweiten, aufgeschalteten Signals die vorhandenen Stromleitungen zur Datenübertragung nutzt 17 . Dabei wird das Niederspannungsnetz zwischen Trafostation und dem jeweiligen Gebäude genutzt. Die Bandbreiten übersteigen die von ISDN um ein Vielfaches. Allerdings befindet sich diese Technik noch immer in der Entwicklung bis zur endgültigen Marktreife 18 . Bisherige Ergebnisse lassen aber vermuten, dass sich diese Technik, neben UMTS, DSL oder den Kabelmodems, als Standard im Bereich der Breitbandleitungen etablieren wird. Die aktuell erreichbaren Transferraten (ca. 1 - 1,5 MBit/sec 19 ) liegen allerdings noch deutlich unter den mit DSL erreichbaren Raten.
Ein Vorteil dieser Technik liegt in der flächendeckenden Verfügbarkeit von Stromnetzen, so dass der Netzausbau keine erheblichen Zusatzkosten verursachen wird. Weiterhin wird die Abrechnung der Kosten für den Zugang nic ht nach Zeit, wie bei den meisten Zugangsanbietern und -formen, berechnet, sondern man wird nur für die in Anspruch genommene Datentransfermenge zahlen müssen. Dies hat erhebliche Kostenvorteile, da effektiv nur 10-15% der Onlinezeit für den Datentransfer benötigt werden. In der restlichen Zeit werden vom Benutzer nur Informationen aufgenommen. 20 Mit der PowerLine-Technik werden komplexe multimediale Anwendungen problemlos durchführbar.
d. Kabelmodems
Kabelmodems nutzen das gleiche System, mit dem Kabelfernsehen in die Haushalte transferiert wird. Da die TV-Signale und die Internet-Daten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten über das Kabel geleitet werden, ist es auch problemlos möglich parallel im Internet zu sein und fernzusehen 21 . Dabei werden Übertragungsraten von bis zu 40 MBit/sec 22 (theoretisch erreichbarer Wert) erreicht. Diese Technik ist in Deutschland seit 1995 verfügbar und man erwartet bis zum Jahre 2005 weltweit etwa 20 Millionen Anschlüsse. Kabelmodems funktionieren teilweise wie Router 23 , sind aber zusätzlich mit Tuner, Netzwerkmanagement- und Diagnosesoftware ausgestattet. Dies ermöglicht es den Modems, in einem zugewiesenen Frequenzbereich den saubersten Kanal herauszufiltern und somit eine qualitativ bessere Datenübertragung zu gewährleisten. 24
17 vgl. „Tom’s Hardware Guide: Business Report - PowerLine: Internetzugang übers Stromnetz” (07.02.2001)
18 vgl. „PowerLine“ (I) (09.02.2001)
19 vgl. „Vernetzung“ (06.02.2001)
20 vgl. „Tom’s Hardware Guide: Business Report - PowerLine: Internetzugang übers Stromnetz” (07.02.2001)
21 vgl. „Cable Modem Frequently Asked Questions“ (08.01.2001)
22 in Abhängigkeit von der Entfernung zur Verteilerstelle, ähnlich wie bei xDSL-Techniken, vgl. „Tom’s
Hardware Guide: Business-Report - PowerLine: Internetzugang übers Stromnetz“ (07.02.2001)
23 ein spezieller Computer oder Programm, das im Rahmen des aktiven Routings die kürzeste, schnellste,
billigste oder nächstbeste Leitung aus der Routingtabelle ermittelt, die mit anderen Routern im Netz ständig
ausgetauscht und aktualisiert wird
24 vgl. „GLOSSAR.de“ (07.01.2001)
Die größte Verbreitung hat diese Technologie bisher in den USA, wo das Kabelnetz eine wesentlich stärkere Nutzung erfährt als hierzulande üblich. Ob und wann genau Kabelmodems auch in Deutschland für den Massenmarkt eingeführt werden ist bisher noch unsicher. Allerdings wäre diese Technik aufgrund der bundesweiten Flächendeckung und hohen Bandbreite hervorragend für komplexe multimediale Anwendungen geeignet.
e. xDSL
Der Bereich xDSL umfasst eine Anzahl von verschiedenen Subformen, wovon die wichtigsten in der nachfolgenden Abbildung schematisch gegenübergestellt werden. In Deutschland soll die xDSL-Technologie in den nächsten zwei Jahren bundesweit verfügbar sein und somit einen breitbandigen Zugang zum Internet ermöglichen.
Tab. 2: xDSL im Überblick
*) maximaler Datentransfer nur bis 0,3 km Entfernung vom Verteilerknoten möglich, noch offener Standard Quelle: „Vernetzung“ (07.02.2001)
xDSL gehört zur sich am schnellsten ausbreitenden Breitbandtechnologie, da sie nur geringen Installationsaufwand erfordert. Dabei werden bei der bisher häufigsten Form, dem ADSL, am Rechner des Benutzers zwischen dem NTBA 25 ein sog. Splitter 26 und ein xDSL-Modem eingefügt und im Rechenzentrum des ISP ein Zugangsport freigeschaltet. Primär werden ADSL- und SDSL-Anschlüsse in Deutschland verlegt, da diese bereits im Endkundengeschäft stark forciert werden und sich somit im Privatbereich etabliert haben. Die DSL-Technologie ist der Ausgangspunkt der xDSL-Technologien
25 Network Terminator Basic Access (Netzabschlussgerät, das kundenseitig installiert wird und den Anschluss
mehrerer Endgeräte ermöglicht)
26 teilt den Kupferdraht der Telefonleitung digital in drei Bereiche: zwei für den Datentransport und einen zum
Telefonieren, dadurch wird paralleles Telefonieren und Internetnutzung möglich, vgl. „GLOSSAR.de“
(07.02.2001) und Chimi (High-Speed Networking), S. 153
und ist eine symmetrische Technologie, die eine Transferrate von maximal 192 KBit/sec erreicht. In der Alltagssprache wird der Begriff DSL allerdings häufig für die xDSL Form ADSL verwendet.
ADSL ist ein modembasierender, asymmetrischer DSL-Zugang, d.h. die Geschwindigkeit des Hin(Upstream) und Rückkanals (Downstream) sind nicht gleich groß. Mit ADSL kann man etwa sechsmal schneller Daten erhalten als man verschicken kann. Im Bereich ADSL wird seitens der Deutschen Telekom AG bereits seit einiger Zeit das Produkt T -DSL angeboten, das eine Upstream-Geschwindigkeit von 128 KBit/sec und eine Downstream-Geschwindigkeit von 768 KBit/sec aufweist und somit etwa 12mal schneller ist als ein herkömmlicher ISDN-Anschluss. Für Ende des Jahres ist eine Erweiterung des Downstreams auf 1,5 MBit/sec geplant. Ein wichtiger Vorteil der ADSL-Technik ist, dass die Stromversorgung vom Netzbetreiber gestellt wird und ADSL dadurch auch bei Stromausfall weiterarbeiten kann. Bei herkömmlicher Technik - wie ISDN - muss diese Strom-versorgung vom Benutzers gestellt werden. Die maximal mögliche Bandbreite von 9 MBit/sec ist allerdings nur auf Entfernungen bis 2,7 km vom Verteilerknoten möglich 27 .
HDSL ist die älteste der xDSL-Technologien 28 . Sie schließt die Nutzung im Bereich der Telefonie aus und ist bereits an vielen Orten Realität. Der Einsatz von HDSL erfolgt schwerpunktmäßig bei Großunternehmen, Banken oder Versicherungen. Für den privaten Nutzer ist diese Technik allerdings wenig interessant, da hier kaum die Notwendigkeit einer hohen Upstream-Bandbreite besteht und HDSL mindestens zwei Kupferdoppeladern benötigt. Aus diesem Grund wird HDSL primär zur Kopplung von lokalen Netzwerken benutzt. Die Bandbreite beträgt in beiden Richtungen bis zu 2 MBit/sec und stellt somit eine symmetrische DSL-Variante dar. 29
SDSL ist ein symmetrischer DSL-Zugang, d.h. die Upstream- und Downstream-Geschwindigkeiten sind identisch und ermöglichen so eine schnellere Übertragung der Daten vom lokalen Client zum Server. Diese Technik ist die Nachfolgetechnik zu HDSL und ist auch im Privatbenutzer-Bereich üblich, da sie Telefonie -Dienste unterstützt. Der Unterschied zu HDSL ist, dass SDSL nur eine Kupferdoppelader benötigt, wohingegen HDSL zwei bzw. drei benötigt, in Abhängigkeit von
27 vgl. Chimi (High-Speed Networking), S. 152
28 vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 71
29 vgl. „GLOSSAR.de“ (07.02.2001)
derEntfernung zum Verteilerknoten. SDSL ist aufgrund der symmetrischen Übertragung hervorragend für Anwendungen wie Videoconferencing oder Collaborative Computing 30 geeignet.
VDSL ist eine Weiterentwicklung von ADSL 31 und ermöglicht Bandbreiten von bis zu 52 MBit/sec im Downstream, wobei diese maximale Transferrate nur auf einer sehr kurzen Verbindungsstrecke von bis zu 300 Metern zwischen Netzknoten und Endgerät erreicht werden kann 32 . Der Upstream ist aufgrund der asymmetrischen Technik auf maximal 2,3 MBit/sec limitiert. Diese Technik ist zwar auch als symmetrische Variante verfügbar, allerdings ist diese Form nicht sehr gebräuchlich. In diesem neuen Standard soll auch das Nebensprechverhalten 33 berücksichtigt werden. Doch der Standardisierungsprozess für diese xDSL-Variante ist noch nicht komplett abgeschlossen.
Aufgrund der relativ günstigen Zugangskosten und der hohen möglichen Datentransferrate ist xDSL die Technik, die sich in der nächsten Zeit als wichtigste Breitbandtechnologie in Deutschland durchsetzen wird. Für das Jahr 2002 geht man weltweit von 29 Millionen verkaufter xDSL-Chipsets aus 34 . Durch xDSL werden multimediale Anwendungen möglich, die vorher nicht oder nur in sehr beschränktem Maße möglich waren.
f. Funktechnologien
Im Bereich der Funktechnologien sollen hier nur drei ausgewählte Formen angesprochen werden, da viele der Standards noch in der Entwicklungsphase bzw. noch nicht massenmarktfähig sind. Im folgenden werden der Datentransfer via Satellit, via Richtfunk und im Bereich des mobilen Internetzugangs die UMTS-Technologie, betrachtet.
Bei dieser Technik werden über eine Satellitenschüssel und einen Satelliten im Downstream bis zu 8 MBit/sec erreicht. Leider muss der Upstream noch immer über eine gewöhnliche Telefonleitung abgewickelt werden, da dies via Satellit nicht möglich ist. Dies beschränkt den Upstream auf ein entsprechend niedriges Niveau, das von der gewählten Verbindung abhängt, in aller Regel eine ISDN-oder ähnliche Verbindung mit beschränkter Bandbreite. In Kombination mit einer SDSL-Leitung ist
30 vgl. Chimi (High-Speed Networking), S. 159, Collaborative Computing ist eine Form der computerunter-
stützten Zusammenarbeit im Rahmen von Projekten (auch: Computer Supported Cooperative Work)
31 vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 73
32 vgl. Chimi (High-Speed Networking), S. 158
33 Cross Talk, gegenseitige Störung von Übertragungssystemen im gleichen Kabel, d.h. es sollen Lösungen
gefunden werden, damit die vorliegenden xDSL-Varianten oder auch zwei VDSL-Systeme sich nicht nicht
gegenseitig beeinflussen bzw. behindern, vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 75
34 vgl. Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 113
dieses Verfahren allerdings für komplexe multimediale Anwendungen im Internet gut geeignet. Ein Vorteil ist die freie Skalierbarkeit des Downstreams, der beim Anbieter STRATO mit seinem Produkt skyDSL, bis zu 8 MBit/sec betragen kann.
Abb. 1: skyDSL in der Anwendung
Weiterhin bietet skyDSL eine Reihe von weiteren Zusatzdiensten, wie den E-Mail-Empfang oder das automatische Aktualisieren von Internetseiten, ohne dass der Benutzer dazu online sein muss, an. Da die entstehenden Kosten sich aus der übertragenen Datenmenge ermitteln, lässt sich eine gute Kostenkalkulation, auf Basis des durchschnittlichen monatlichen Transfervolumens, bilden. Allerdings besteht auch die Gefahr bei mangelnder Kontrolle, dass unerwartet hohe Kosten entstehen können.
Eine Reihe von weiteren Anbietern 35 bieten ähnliche Produkte an und haben sich in den letzten Jahren fest am Markt etabliert. Allerdings ist diese Form des Internetzugangs bei privaten Benutzern nur sehr selten anzutreffen.
UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) ist eine drahtlose, aber keineswegs nur für den mobilen Internetzugang ausgelegte, Verbindungstechnik. Sie ist auch im stationären Bereich problemlos anwendbar und erreicht auch nur hier die maximale Bandbreite von 2 MBit/sec. Allerdings wird UMTS, aufgrund seiner mobilen Fähigkeiten, in den nächsten Jahren eine tragende Rolle im Bereich der webbasierenden Anwendungen im Mobiltelefonbereich haben. UMTS wird die noch
35 weitere Anbieter der Satellitentechnik sind beispielsweise //rnk (http://www.rnk.de) und DirecPC
(http://www.direcpc.de)
aktuellen Übertragungsstandards wie HSCSD 36 (High Speed Circuit Switched Data) oder GPRS 37 (General Packet Radio Service) ablösen und völlig neue Möglichkeiten im Bereich der multimedialen Anwendungen eröffnen. Die flächendeckend erreichbare Transferrate wird bei 384 KBit/sec liegen, was ausreichend ist um multimediale Anwendungen in hoher Qualität zu ermöglichen.
Alle zukünftigen UMTS-Geräte werden auch die bisherigen Standards wie WAP 38 (Wireless Application Protocol), GPRS oder HSCSD unterstützen, da die UMTS-Abdeckung zunächst nur gezielt in den bevölkerungsdichten Gebieten vorhanden sein wird 39 . Während in Europa und Deutschland die Einführung von UMTS und eine akzeptable Flächendeckung noch einige Jahre dauern wird, ist man in Japan bereits soweit diese Technik Mitte 2001 einzuführen. Vorreiter ist hier NTT DoCoMo, die sich erst seit 1999, mit dem ersten weltweiten mobilen Internetdienst namens „imode“, auf diesem Markt betätigt. Trotzdem ist es gelungen in relativ kurzer Zeit eine große Kundenzahl zu gewinnen und das mobile Internet in Japan beliebt zu machen. Dies ist sicherlich auch der Abrechnung nach Datentransfermenge zu verdanken. Durch die Kooperation mit der amerikanischen AT&T Wireless hat sich NTT DoCoMo dem Weltmarkt geöffnet und bewirkt, dass die UMTS-Standards sowohl in Japan, USA als auch in Europa kompatibel sind. 40
Auch wenn, vor allem in Europa aufgrund der hohen Lizenzgebühren, die Einführung von UMTS ein gewisses Kostenrisiko für die Anbieter bedeutet, wird diese Technik letztlich doch den Markt für die mobile Internetnutzung revolutionieren und neue Wachstumschancen im Bereich des M-Commerce eröffnen. Voraussetzung dafür ist allerdings das vorher angesprochene, faire Abrechnungssystem nach übertragener Datenmenge und eine ausreichende bundesweite Flächendeckung.
Die Richtfunktechnologie entstand aus der Verbindungstechnik von Rundfunk- und Fernsehanstalten. Hier werden zwischen Bodenstationen, die direkten Sichtkontakt zueinander haben oder auch durch Reflexion an atmosphärischen Schichten, Punkt-zu-Punkt-Funkverbindungen aufgebaut und darüber Daten übertragen. Inzwischen werden aber auch verstärkt im City-Bereich sog. PMP 41 -Verbindungen
36 HSCSD erhöht über eine Softwarelösung die Bandbreite in einer Leitung von 9,6 KBit/sec auf 14.4 KBit/sec,
allerdings werden durch Leitungskopplung Bandbreiten von bis zu 57,6 KBit/sec erreicht, jedoch wird hier auf
Zeitbasis abgerechnet, was für den Benutzer unter Umständen sehr teuer werden kann
37 GPRS erreicht Bandbreiten von bis zu 171 KBit/sec und basiert ähnlich wie TCP/IP auf der Vermittlung
einzelner Datenpakete und nicht auf dem Versand eines kontinuierlichen Datenstroms, die Abrechnung erfolgt
nicht nach Zeit, sondern nach übertragener Datenmenge
38 WAP wird dazu benutzt um Internetinhalte auf einfachste Art und Weise als Textseiten auf ein Mobilfunkgerät
zu übertragen und darzustellen, die zugehörige Programmiersprache ist WML (Wireless Markup Language)
39 vgl. „DaFu - Datenfunk in Deutschland (UMTS)“ (07.02.2001)
40 vgl. Bauer (Die Kraft des Samurai), 03.12.2000
41 Point-to-Multipoint, Gegenstück zu Point-to-Point (PTP), welche allerdings mit bis zu 155 MBit/sec
wesentlich schnellere Verbindungen erlaubt als PMP
angeboten, die eine mehrfache Adressierung durch den Sender und die Anbindung von mehreren Endkunden ermöglichen. 42
Die maximal erreichbare Bandbreite solcher Verbindungen liegt bei 2 MBit/sec, wobei durch Kopplung mehrerer Systeme auch wesentlich höhere Bandbreiten möglich sind. Die maximale Entfernung zwischen den beiden Funkknoten beträgt 30 km, was diese Technik nur für Direktanbindungen im Stadtbereich geeignet erscheinen lässt. Der bisherige Ausbau dieser Technologie ist noch nicht flächendeckend und beschränkt sich auf wenige Anbieter und Großstädte. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Technik auch für den Privatkunden in eher ländlichen Bereichen durchsetzen kann.
Allerdings bieten sich solche Zugänge insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen an, da sie frei skalierbar und damit an die sich ändernden Bedürfnisse eines Unternehmens anpassbar sind. Die Abrechnung der entstehenden Kosten erfolgt regelmäßig über einen pauschalen monatlichen Grundpreis zzgl. Kosten für die übertragene Datenmenge.
Abb. 2: Richtfunk
Quelle: Star-21 (20.02.2001)
42 vgl. Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 37, 91 und 619
g. Multiplexing-Techniken
Als besondere Form der Internetverbindung sind die Multiplexing-Techniken 43 zu sehen, die Übertragungsraten über 1,5 MBit/sec ermöglichen. Zu unterscheiden sind in diesem Bereich die sog. T-und E-Services, wobei letztere die in Europa übliche Form und die T1- bis T4-Services die in den USA verwendeten Formen sind. Anhand des T1-Services soll die Funktionsweise erläutert werden. Für alle anderen Services gelten ähnliche Spezifikationen wie für T1 44 .
T1 ist eine Breitband-Netzwerktechnik, die 1957 von AT&T entwickelt und in den frühen 60er Jahren eingeführt wurde. Diese Technik wird üblicherweise dazu genutzt, um in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung (breitbandige Telekommunikations-Standleitung) Daten zwischen einem privaten Unternehmensnetzwerk zu einem Internet Service Provider (ISP) zu übertragen. Mit Hilfe der Multiplexing-Technik (vgl. Fußnote) werden hier Übertragungsraten von bis zu 1,5 MBit/sec in beiden Richtungen erreicht. Der Zugang auf Benutzerseite erfolgt über das CSU/DSU 45 , das als Leitungsterminierung fungiert und die Daten an die entsprechenden Router 46 im Netzwerk verteilt.
Die nachfolgende Übersicht stellt die erreichbaren maximalen Bandbreiten der einzelnen Dienste und die Anzahl der im Rahmen des Multiplexing genutzten logischen Verbindungen pro Kommunikationskanal dar.
Tab. 3: Multiplexing-Dienste in der Übersicht
43 Multiplextechniken belegen einen Kommunikationskanal mehrfach um so eine höhere Datentransferrate zu
ermöglichen, die Wirkung ist ähnlich der Leitungskopplung wie sie im ISDN-Bereich bekannt ist, Testversuche
für Bandbreiten von 40 GBit/sec werden bereits durchgeführt, vgl. „GLOSSAR.de“ (07.02.2001), „SONET/DSH
Background“ (08.02.2001) und Chimi (High Speed Networking), S. 52 ff.
44 In dieser Arbeit werden die Begriffe T1 bis T4 bzw. an späterer Stelle E1 und E3 verwendet, obwohl dies nicht
der technisch korrekte Begriff ist, da sich die Buchstaben T bzw. E auf den genutzten Carrier (=Ton- bzw.
Trägerfrequenz) beziehen und eigentlich die physische Datenschicht gemeint ist, die mit DS-0 bis DS-4
bezeichnet werden. Allerdings bietet sich aufgrund der einfacheren Einteilungsmöglichkeit die Verwendung der
Buchstaben T und E an.
45 Customer Switching Unit / Digital Switching Unit: Gerät, das die Datencodierung und -steuerung vom und
zum Router übernimmt, vgl. „Everything T1 - Free T1 Info“ (08.02.2001)
46 verbindet zwei räumlich getrennte Netzwerke über eine Telekommunikationsleitung
Die sehr hohen Übertragungsraten ermöglichen es mit den Multiplexing-Techniken problemlos sehr komplexe multimediale Anwendungen durchzuführen. Allerdings werden diese Leitungen in der Praxis eher für den Datentransfer als für Multimedia genutzt, nicht zuletzt aufgrund der sehr hohen Anschaffungs- und Betriebskosten.
h. Glasfasernetze und B-ISDN
Glasfasernetze
Als besondere Form der Multiplextechniken sind Glasfasernetze zu betrachten. Hier werden mittels der DWDM-Methode 47 Übertragungsraten von derzeit etwa 1 TBit/sec erreicht, was in etwa dem Volumen von 12 Millionen Telefongesprächen gleichzeitig entspricht. Für die Zukunft sind Glasfaserleitungen mit einer Kapazität von bis zu 25 TBit/sec geplant und technisch möglich. 48 Die Firma Interroute erreicht mittels DWDM-Systemen sogar eine theoretische Bandbreite von mehr als 1 PBit/sec.
Bei der Glasfasertechnik werden über Leucht- oder Laserdioden Lichtsignale über ein Glasfaserkabel ausgetauscht 49 und ermöglichen eine sehr hohe Übertragungsrate. Glasfaserkabel weisen nur eine geringe Störempfindlichkeit auf und sind für große Reichweiten geeignet. Die durchschnittliche Übertragungsrate liegt bei 140 MBit/sec 50 , die allerdings durch die Multiplexing-Technik auf erwähnte Übertragungsraten im TBit/sec erweitert werden kann.
Glasfasertechnik stellt somit den „state-of-the-art“ im Bereich der Übertragungstechniken dar. Sie wird allerdings schwerpunktmäßig im Bereich der Verbindungen zwischen Städten (Metropolian Area Network = MAN) oder großen Netzwerkverbünden verwendet und ist aufgrund der hohen Kosten im privaten und auch im Bereich der klein- und mittelständischen Unternehmen nicht realisierbar.
B-ISDN (Broadband Integrated Services Digital Network)
Anfang der 80er Jahre wurde die Realisierung eines hochleistungsfähigen und dienstintegrierenden Datentransfernetzes angeregt und 1987 auf Basis des ATM 51 das sog. B-ISDN entwickelt. Das Breitband-ISDN ist eine Weiterentwicklung des bereits vorhandenen, massenmarktfähigen N-ISDN (s.
47 Dense Wavelength Division Multiplexing
48 vgl. „Vernetzung“ (06.02.2001)
49 Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 618
50 vgl. „GLOSSAR.de“ (08.02.2001)
51 ATM ist eine asynchrone Übertragungstechnik, mit der Daten zum Transport in gleich große Pakete unterteilt
werden, welche im Gegensatz zum TCP/IP alle auf dem gleichen Weg zum Empfänger gelangen, wurde
ursprünglich als Basis des Breitband-ISDN entwickelt, um die Komplexität in den öffentlichen Sprach- und
Datennetzen zu reduzieren, vgl. „GLOSSAR.de“ (07.02.2001), „Consultants Info“ (08.02.2001) und Chimi
(High-Speed Networking), S. 194
Ausführungen zu ISDN). B-ISDN unterstützt alle Dienste des schmalbandigen ISDN und ermöglicht auf dieser Basis weitere zusätzliche Dienste 52 wie z.B. Abrufdienste (Video-on-demand, Fernunterricht) oder Kommunikationsdienste (Videoüberwachung, Video-Post). Mit dieser Technik sind Übertragungsraten von 155 MBit/sec, 622 MBit/sec oder auch 2,4 GBit/sec möglich. 53 Da B-ISDN auf Basis der ATM-Technik arbeitet, ist es möglich den Netzbenutzern Bandbreite je nach Bedarf zuzuweisen, was eine effizientere Netzauslastung bewirkt. 54
Breitband-ISDN-Zugänge werden bereits seit einiger Zeit in Deutschland angeboten. Die Deutsche Telekom AG beispielsweise vermarktet diese Zugänge unter der Produktgruppe „T-ATM“. Auch die entstehenden Kosten sind für mittelständische Unternehmen vertretbar. Es ist für den Privatbenutzer aufgrund des mangelnden Bedürfnisses an solch hoher Bandbreite aber kaum interessant. Durch diese Technik werden alle Formen der komplexen Multimedia -Anwendungen ermöglicht. Einziger Nachteil ist die noch mangelnde, flächendeckende Verfügbarkeit dieser Technik (z. Zt. in ca. 70 Städten realisiert). 55
III. Übersicht der Internetzugänge
Für die nachfolgenden Betrachtungen sollen als Grundlage insbesondere die DSL-Dienste im Festnetzbereich und UMTS im Mobilfunkbereich dienen, da sich diese Dienste mit der größten Wahrscheinlichkeit am Markt als massenmarktfähige Breitband-Internetzugänge etablieren werden. Weiterhin spielt der Kosten-Nutzen-Aspekt eine wichtige Rolle bei der Auswahl des geeigneten Zuganges zum Internet für das jeweilige Unternehmen. Aus diesem Grund sind Breitband-ISDN oder auch Zugänge über T1/E1 bzw. T3/E3 auch primär nur für Großunternehmen und für die gezielte Anbindung an bestehende Netzwerke in solchen Unternehmen von Interesse.
Die Techniken PowerLine und Satellit stellen zwar bis zu einem gewissen Grad eine Konkurrenz zu den genannten Techniken dar, allerdings befinden sich diese entweder noch in der Versuchs- und Entwicklungsphase oder haben zur Zeit noch technische Probleme, die eine effektive Anwendung sowohl im Privat- als auch im Unternehmensbereich ausschließen.
Die folgende Tabelle soll eine schematische Übersicht der einzelnen Zugangsmöglichkeiten mit den jeweils anfallenden Kosten bieten.
52 vgl. dazu auch Chimi (High-Speed Networking), S. 191 ff.
53 vgl. „B-ISDN - Das dienstintegrierende Netz der Zukunft“ (09.02.2001) und „Breitband-ISDN -Vorlesung
von Gunnar Osterode“ (09.02.2001)
54 vgl. Bergmann/Gerhardt (Handbuch der Telekommunikation), S. 309 ff.
55 vgl. „Deutsche Telekom AG“ (09.02.2001)
Tab. 4: Übersicht Internetzugänge
*) Preismodell der MVV Energie AG, Mannheim, PowerLine ist noch nicht marktreif und wird deshalb
noch nicht flächendeckend angeboten
**) werden nicht vertrieben, daher nur interne Betriebskosten und nicht ermittelbar bzw. verfügbar
***) in Abstimmung mit dem Anbieter Preisverhandlungen, keine genauen Daten verfügbar
Quelle: eigene Zusammenstellung und Recherche, Auskunft Dt. Telekom AG und „A+Net Internet Services“
(27.02.2001)
C. Die Bedeutung neuer High-Speed-Netze für
die effiziente Nutzung von
Unternehmensressourcen
Im folgenden Abschnitt sollen Anwendungsmöglichkeiten, die durch Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge ermöglicht werden, auf ihre wirtschaftliche Nutzbarkeit für Unternehmen untersucht werden. Dazu werden einzelne Anwendungsformen erläutert und jeweils für die Bereiche Unternehmen und Privatanwender genauer betrachtet. Im Anschluss an diese Ausführungen soll noch ein kurzer Überblick über möglichen Änderungsbedarf im Bereich der Organisationsstruktur von Unternehmen, bedingt durch die Anbindung an das Internet bzw. an Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge, gegeben werden.
I. Wirtschaftliche Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Hochgeschwindigkeitsnetze
Die folgenden Ausführungen stellen nur eine Auswahl der Nutzungsmöglichkeiten dar und sind in keinem Fall als abschließende Auflistung aller Möglichkeiten anzusehen.
a. Virtual Private Network
Mit Hilfe von sog. Virtual Private Networks (VPN) lassen sich Direktverbindungen zwischen verschiedenen Standorten simulieren. Dazu werden die Daten über ein öffentliches Netzwerk, hier insbesondere das Internet, verschickt und der Datentransfer mit Hilfe von Verschlüsselungstechniken gesichert. Diese Lösung ist in der Regel wesentlich kostengünstiger als direkte Standleitungen zwischen den beiden Punkten. Der Benutzer des Systems merkt keinen Unterschied an der Oberfläche, lediglich der Datentransfer verläuft über ein anderes Netz.
Der Kostenfaktor eines solchen Netzes setzt sich aus drei Elementen zusammen. Erstens die Anschaffung der benötigten Hardware und Software, diese Kosten sind, umgerechnet auf das gesamte System, als verhältnismäßig gering anzusehen, bedingt durch stetig sinkende Marktpreise und einem guten Preis/Leistungs-Verhältnis. Im nächsten Schritt sind die Kosten für die Implementierung des Netzes zu betrachten. Diese Kosten dürften den wohl größten Teil umfassen, da hierzu nicht nur die Installation des Systems, sondern auch andere Maßnahmen, wie die Schulung von Mitarbeitern, zu rechnen sind. Doch auch hier zeigt sich eine Entwicklung zu einem einheitlichen Softwarestandard, welcher größtenteils browserbasiert laufen wird. Zusätzlich sind noch die Kosten für die
Instandhaltung des Netzes zu berücksichtigen. Da sich diese Kosten aber im allgemeinen auf Softwareupdates und evtl. den Austausch von einzelner Hardware beschränken sind auch diese Kosten relativ gering und bleiben vertretbar. Es ist sogar die Entwicklung abzusehen, dass VPN teilweise sogar kostenfrei angeboten werden kann. 56
Auch lassen sich über VPN einheitliche Rufnummern für das Gesamtunternehmen vergeben, so dass sowohl für den internen Benutzer als auch für den externen Anrufer der Eindruck entsteht, dass alle Telefone miteinander vernetzt wären. Letztlich geschieht diese Vernetzung aber nicht über feste Telefonleitung, sondern indirekt über das Internet (vgl. hierzu auch den Abschnitt „Internet-Telefonie“). Dieses Prinzip ist schon seit einigen Jahren im Bereich der ISDN-Anlagen bekannt und wurde dort über eine spezielle Software und gewöhnliche ISDN-Anschlüsse realisiert. 57
VPN ermöglichen es dem Unternehmen auf unkomplizierte und sichere Weise ein weltweites Netz aufzubauen, in das man sich nach Authentifizierungsabfrage einloggen und im internen Netz arbeiten kann. In Verbindung mit Breitband-Internetzugängen bieten sich hier interessante Möglichkeiten im Bereich der Telearbeit und dem Export von arbeitsaufwändigen Tätigkeiten in billigere Länder (vgl. hierzu auch den Abschnitt „Teleworking“). Da hier besonders sensible und vertrauliche Informationen über das öffentliche Netz verschickt werden, ist eine sichere Verbindung zum Unternehmensnetz von allerhöchster Priorität. Dies kann ein VPN zu verhältnismäßig geringen Kosten bieten. 58 Die Anwendung von VPN kann auch im Rahmen einer Business-to-Business-Lösung geschehen, bei der man unternehmensübergreifend eine Vernetzung der Geschäfts- und Kooperationspartner 59 vornimmt bzw. ihnen den entsprechenden Zugriff auf das eigene Netz gewährt. In diesem Falle spricht man von einem sog. Extranet.
Für den Privatanwender sind VPN nicht relevant, da hier noch kein Bedarf für eine breitbandige und sichere Vernetzung von zwei Haushalten besteht. Jedoch ist die se Technik für den Unternehmensbereich als Basis für den Ausbau des internen Netzes für multimediale Anwendungen eine zu empfehlende Einrichtung. Nicht nur die potenziellen Kosteneinsparungen, sondern auch die sichere und einfache Anbindung von Telearbeitern oder auch von Zweigstellen sind Gründe hierfür. UMTS wird hier den Standard für die Anbindung von mobilen Endgeräten setzen, wohingegen ADSL-Techniken, im Bereich der Festnetzanbindung von Zweigstellen oder Zentrale, die zu wählende Zugangsform insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sein wird. Für größere Unternehmen empfiehlt sich eine Skalierung des ADSL-Zugangs auf mehrere MBit/sec vorzunehmen, um die Datenmenge in der Zentrale verarbeiten und steuern zu können.
56 vgl. “The Year of VPN” (13.02.2001)
57 vgl. De Vries (Business-Lösungen), S. 76-78
58 vgl. “The Year of VPN” (13.02.2001)
59 Kooperationspartner, strateg. Allianzen, Konsortien, Arbeitsgemeinschaften (horizontal), Zulieferer und
Firmenkunden(vertikal); vgl. Fink/Wilfert (Handbuch Telekommunikation und Wirtschaft), S. 473
b. Internet-Telefonie
Das Internet mit seiner globalen Ausbreitung liefert die passende Infrastruktur für eine Sprachübertragungs-Technik, die wesentlich kostengünstiger als reine Telefon-Wählverbindungen realisiert und mit stetig zunehmender Qualität Sprache übertragen kann. Dazu werden auf Basis des TCP/IP die akustischen Sprachsignale in digitale Signale gewandelt, in kleine Datenpakete verpackt und an die Empfänger-IP verschickt. Durch das TCP/IP ist es möglich die zerschnittenen Datenpakete wieder zu einem kompletten und korrekten Paket zu verknüpfen, in ein Audiosignal zu wandeln und so die Sprachausgabe beim Empfänger zu ermöglichen. Diese Technik nennt sich Internet-Telefonie und hat zwei wichtige Ausformungen:
Vorreiter dieser Technologie waren Großunternehmen, die mit Hilfe eines VPN ihre Geschäftsstellen miteinander verbunden haben und dadurch über das firmeneigene Datennetz alle Telefonate abwickeln konnten. Da das bestehende Telefonnetz immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen gerät, ist es in Zukunft nötig, dass man Sprache ebenso wie Daten in eine neue Netzstruktur einbindet und dadurch die Belastung des Telefonnetzes reduziert.
Hier entsteht vor allem im Unternehmensbereich ein sehr großes Potenzial für Kosteneinsparungen. Durch die Tatsache, das für mehrere parallele Verbindungen nur noch eine Leitung benötigt wird, und nicht wie bisher viele Telefonleitungen nötig sind, reduzieren sich die Kosten erheblich. 60 Weiterhin entstehen außer den Zugangskosten zum Internet bzw. den Betriebskosten des internen Netzes keine weiteren Kosten. Bisherige Probleme beim Übergang vom internen Firmennetz in fremde Netze sind zwischenzeitlich nahezu behoben, so dass man von einer kostengünstigen und qualitativ akzeptablen Lösung sprechen kann. Die Sprachqualität entspricht bei Nutzung einer ISDN-Verbindung in etwa der eines Mobiltelefons und wird sich in Zukunft sicherlich noch weiter dem Standard eines ISDN-Telefons annähern. Bei Nutzung von größeren Bandbreiten, die in firmeninternen Netzwerken in aller Regel bereits reserviert sind, lassen sich Sprachqualitäten erreichen, die dem Standard einer normalen Telefonanlage entsprechen. 61
Im Rahmen eines Pilotprojektes wurden 1999 im Stadtarchiv der Stadt Passau Daten- und Telefonnetz auf diese Weise zusammengeführt und somit die Basis für eine Integration multimedialer
60 vgl. „Voice over IP“ (13.02.2001)
61 vgl. „Internet Telefonie“ (I) und (II) (13.02.2001)
Kommunikationsdienste gelegt. Es sind innerhalb des eigenen Netzes, zukünftig mit höheren Bandbreiten, Dienste wie beispielsweise Breitband-Videoconferencing möglich. 62
Führender Anbieter dieser Internet-Telefonie -Technik ist Net2Phone 63 , einem Unternehmen, das von vielen der großen Unternehmen der IT-Branche, wie z.B. Microsoft, AOL oder auch AT&T unterstützt wird. Für private Nutzer besteht inzwischen auch die Möglichkeit ohne weitere Kosten außer den Internetzugangskosten weltweite Anrufe über das Internet zu tätigen. Ein Anbieter dieser Möglichkeit ist Rits Telecom 64 aus den Niederlanden.
Mit der flächendeckenden Einführung von Breitbandleitungen und dem Sinken der entsprechenden Kosten für diese Zugänge alleine wird sich diese Technik allerdings zumindest im Privatbereich nicht ohne weiteres durchsetzen können. Grund hierfür ist die recht umständliche Nutzung von PC und Mikrofon zum Telefonieren. Eine weitere Bedingung hierfür sind neue Endgeräte, die zwar für den Unternehmensbereich bereits als sog. VoIP-Telefone vorhanden sind, allerdings für den Privatbereich aber noch nicht rentabel sind. Die Entwicklung der Bluetooth-Technologie, die im Kurzstreckenbereich bis zu 10 Metern 65 eine kabellose Übertragungsbandbreite bis zu 721 KBit/sec ermöglicht, wird durch die neuen Endgeräte dazu beitragen, dass sich auch hier diese Technik durchsetzen wird.
Die ADSL-Technik wird voraussichtlich hierfür die Basis im Festnetzbereich werden und entsprechend gute Sprachqualität garantieren können. Inwieweit sich allerdings Internet-Telefonie und damit verbunden auch kostengünstige oder auch kostenlose Gespräche weltweit im mobilen UMTS-Bereich durchsetzen werden ist noch nicht absehbar. Da die großen Telekommunikationskonzerne ihre Ausgabe für die benötigten UMTS-Lizenzen erst wieder amortisieren müssen, bleibt fraglich, ob sich diese Technik kostenfrei am Markt durchsetzen kann.
62 vgl. „Voice over IP im Stadtarchiv Passau“ (13.02.2001)
63 vgl. auch Website dieses Anbieters unter http://www.net2phone.com/
64 vgl. auch Website dieses Anbeiters unter http://www.ritstele.com/
65 mittels eines Zusatzverstärkers sind auch Reichweiten bis zu 100 Metern möglich
c. Virtual Reality
Eindrucksvolle und plastische Präsentationen helfen dem Unternehmen seine Produktpalette dem Kunden gegenüber kompetent darzustellen und den Verkauf zu erleichtern. Mit Hilfe von Breit-bandzugängen wie ADSL oder UMTS stellen solche Präsentationen auch im Internet kein Problem mehr dar. 66 Virtual Reality (VR) ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der Produkte im Internet mit interaktiver Betrachtungs- und Testmöglichkeit. Auch wenn diese Technik bisher auf-grund des hohen Bandbreitenbedarfs 67 noch auf den wenigsten Internetseiten vertreten ist, wird sie mit flächendeckender Einführung von Breitbandleitungen an Bedeutung gewinnen.
Anwendungsbereiche von VR werden primär in der Entertainment-Industrie (Chats in virtuellen Räumen, Rundgang durch Museen oder Städte, interaktives Fernsehen) und im E-Commerce-Sektor (3D-Produktbetrachtungen, Immobilienbetrachtungen) genutzt werden. Bereits 1996 fand die Virtex96 als erste rein virtuelle Internet-Messe statt. Auf dieser Messe stellten sich eine Reihe von großen Herstellern wie beispielsweise IBM, Cisco oder Computer Associates dem virtuellen Publikum und demonstrierten damit eine mögliche Anwendungsform von VR. Vorteil für die Aussteller war die Tatsache, dass nötige Änderungen am virtuellen Ausstellungsstand ohne große Anreise von Mitarbeitern direkt möglich war. 68
Im Bereich der Tourismus-Branche sind virtuelle Prospekte vom jeweiligen Urlaubsort denkbar, d.h. der interessierte Nutzer kann entweder im Reisebüro oder auch direkt von zuhause aus den gewünschten Ort virtuell begehen und sich ein besseres Bild von der Umgebung machen als es durch einfache Fotos möglich ist. Bereits heute sind sog. Panorama-Ansichten realisiert, die einen sehr plastischen Eindruck vermitteln können. 69 In der Architekturbranche sind virtuelle Gebäudepläne möglich, man betrachtet nicht mehr nur den zweidimensionalen, gezeichneten Bauplan, sondern begeht das Gebäude direkt im virtuellen Raum und kann so Schwachstellen aufdecken und Änderungen sofort berücksichtigen. 70 Auch in der Medizin sind VR-Simulationen denkbar und auch üblich, um komplizierte chirurgische Eingriffe zu üben und so das Risiko einer Operation zu minimieren.
Im Unternehmensbereich sind verschiedene Anwendungsmöglichkeiten denkbar. So können VR-Modelle im Rahmen der Produktentwicklung, bei der Abstimmung von Arbeitsvorbereitung und F&E-
66 vgl.auch Berezak-Lazarus (ADSL), S. 182-184
67 VR stellt hohe Anforderungen an die Hardware und den Internetzugang, denn VR-Anwendungen sind per
Definition interaktive Anwendungen, die in Echtzeit ablaufen und auf die Aktionen des Benutzer reagieren
sollen und müssen, vgl. „Virtual Reality als Komponente multimedialer Informationssysteme“ (13.02.2001)
68 vgl. „Virtual Reality als Komponente multimedialer Informationssysteme“ (13.02.2001)
69 Panorama-Ansichten können beispielsweise auf folgenden Internetseiten gefunden und betrachtet werden:
http://www.swissotel.com/virtual-tour.html und http://www.zermatt.ch/panorama/
70 vgl. „Die Internetgesellschaft“ (13.02.2001)
Abteilung, wichtige Dienste leisten, indem Unklarheiten über das Produkt oder den Prototyp beseitigt werden. Es können bereits im virtuellen Raum Fehler bereinigt oder der P rototyp detailgenau analysiert werden, ohne dass man dazu einen physischen Prototyp vorliegen haben muss 71 . Die Kommunikation und umständliche Beschreibung via Telefon ist hierfür nur bedingt geeignet. Aber auch im Bereich des Management können solche Modelle als Basis für Entscheidungen oder als Diskussionsgrundlage dienen. Der Bereich Marketing kann durch frühzeitige Verfügbarkeit von Prototypmodellen die Absatzstrategie einfacher und effizienter planen und evtl. vorab Kunden und Händler über neue Produkte informieren. BMW, als führender Automobilhersteller, führt einen großen Teil der Crash-Tests bereits in der Prototypenphase virtuell am Rechner, ohne den Einsatz von aufwendigen Testverfahren mit Dummies, durch.
Im unternehmensexternen Bereich lassen sic h technische Probleme mit den Zulieferanten einfacher abstimmen, wenn man entsprechende VR-Modelle verwendet. Produkte können anhand eines VR-Modells schnell und problemlos an kundenspezifische Wünsche angepasst werden. Auch die Montage vor Ort kann durch entsprechend plastische Bauanleitungen vereinfacht werden. 72 Kombiniert man diese Anwendungsformen nun mit einem Breitband-Internetzugang, insbesondere für den Außendienst mit UMTS, so bieten sich neue Möglichkeiten komplexe Modelle in kurzer Zeit direkt an den gewünschten Ort zu bringen und dadurch erhebliche Vorteile im Service- und Kompetenzbereich zu erringen.
Für die Nutzung von VR im Internet als Medium zur Förderung des Umsatzes bestehen die bereits erwähnten Produktbetrachtungsmöglichkeiten, d.h. man kann im Konsumentenbereich beispielsweise das gewünschte Paar Sportschuhe bis ins kleinste Detail vergrößern, dieses in alle Richtungen drehen und betrachten. Allerdings benötigt man für eine qualitativ hochwertige Auflösung einen Breitband-Internetzugang, da hierfür relativ große Datenmengen übertragen werden müssen. Ein weiterer - nicht zu unterschätzender - Faktor ist der zusätzliche Imagegewinn und die Kompetenzsteigerung in den Augen des Konsumenten. Auch wenn der potenzielle Kunde nicht unbedingt vom VR-Angebot Gebrauch machen wird, so zeigt es trotzdem ein modernes, zukunftsgerichtetes Image des Unternehmen.
71 vgl. Reischl (Mobile Revolution), S. 85
72 vgl. „Anwendungen von Virtual Reality in einem Unternehmen“ (13.02.2001)
d. Videoconferencing
Im Rahmen eines Videokonferenzsystems werden über ein Netz Video- und Audiosignale synchron zwischen den angeschlossenen Teilnehmern getauscht. Dies ermöglicht eine Echtzeitkommunikation. Dazu werden bei einem großen Konferenzsystem eine Stativkamera und Mikrofon kombiniert mit einem Projektor oder Fernsehgerät genutzt und beispielsweise in einer Besprechungs- oder Diskussionsrunde eingebunden. Bei kleineren, arbeitsplatz- und PC-gebundenen Systemen werden Webcam, Mikrofon und Bildschirm entsprechend angewendet. Bei den arbeitsplatzgebundenen Systemen bietet sich die Möglichkeit gemeinsam und parallel an Dokumenten oder Projekten zu arbeiten (sog. Telecollaboration bzw. Application Sharing 73 ). Dazu kann ggf. eine zweite Dokumentenkamera 74 angeschlossen werden. Allerdings sind diese Systeme nicht mobil und eignen sich daher nur für die Anwendung durch eine Person.
Für die Übertragung der Daten werden verschiedene Kompressions- und Kodierungsstandards eingesetzt. Für bewegte Bilder ist das MPEG 75 -Format und für Standbilder die Übertragung im JPEG 76 -Format üblich. Für die Kodierung der Videosignale haben sich die Standards HDTV 77 und die Huffmann-Kodierung 78 durchgesetzt, welche auch bei der Faxübertragung Anwendung findet. Abhängig von der vorhandenen Bandbreite lassen sich qualitativ bessere Übertragungen herstellen. Mit ISDN sind zwar schon Konferenzen möglich, allerdings in sehr beschränkter Qualität. Anbieter von Standardsoftware für arbeitsplatzbezogene Konferenzsysteme sind beispielsweise Microsoft mit dem Programm Netmeeting oder auch CUseeMe Networks mit dem gleichnamigen Programm CUSeeMe 79 .
73 beim Application Sharing haben die Teilnehmer der Videokonferenz simultanen Zugriff auf eine Anwendung,
die auf einem der beteiligten Rechner läuft, vgl. Fink/Wilfert (Handbuch Telekommunikation und Wirtschaft), S.
354
74 dient zur visuellen Übertragung von Objekten, Dokumenten und Folien
75 Motion Pictures Expert Group, ISO-Standard für Bewegtbild- und Audiokompression, ermöglicht
verlustbehaftete wie auch verlustfreie Übertragung, vgl. auch http://www.mpeg.org
76 Joint Photographic Expert Group, ISO-Standard für die Kompression, Speicherung und Übertragung von
Standbildformaten, vgl. auch http://www.jpeg.org
77 High Definition Television, eine hochauflösende TV-Norm, die sich allerdings noch nicht vollends
durchsetzen konnte
78 verlustfreie Kodierungstechnik, die den Informationsgehalt eines Bildes statistisch ermittelt, d.h. durch
entsprechende Kodierung von häufiger und seltener vorkommenden Datengruppen wird der Bildinhalt
gespeichert, wird u.a. auch im JPEG-Format angewandt
79 vgl. auch die zugehörigen Internetseiten http://www.microsoft.com/windows/netmeeting/ und
http://www.cuseeme.com
Um mehrere Standorte und Teilnehmer in einer Videokonferenz zu koordinieren, werden sog. Brücken bzw. Multipoint Control Units (MCU) eingesetzt. Diese ermöglichen es über drei verschiedene Verfahren die Koordination einer solchen Konferenz durchzuführen 80 :
Durch die Anwendung von Videokonferenztechnik bieten sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten in den verschiedensten Bereichen. So sind im Bildungswesen bereits einige Hochschulen dazu übergegangen die angebotenen Fernstudiengänge um das Studium via Videokonferenz zu erweitern. Dabei können etwa Vorlesungen, Besprechungen und Hilfestellungen (Tutor-on-demand) oder auch Prüfungen über solche Systeme abgehalten werden. Voraussetzung hierfür sind beiderseitige breitbandige Zugänge, da ansonsten diese Technik an Effektivität verliert.
Allerdings bieten sich hier im Unternehmensbereich interessante Möglichkeiten der Schulung von Mitarbeitern, die weltweit tätig sind. Auf Basis einer regelmäßigen Sitzung können hier zentral Wissensinhalte weltweit vermittelt werden, ohne dass die betroffenen Mitarbeiter größere Reisekosten verursachen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zeitersparnis, die durch nicht nötige Reisen eingespart werden kann. Weiterhin ist es im Unternehmen möglich schnellere Problemlösungen zu finden, da Experten auch sehr kurzfristig in die Diskussion einbezogen werden können. Dies fördert in starkem Maße Effizienz und Produktivität im Gesamtunternehmen.
Im Bereich des Gesundheitswesens bieten sich neue Möglichkeiten der Telemedizin und Telediagnostik. Insbesondere beim zeitkritischen Transfer 81 von Diagnoseergebnissen bzw. -bildern werden bisher noch vor allem Botendienste eingesetzt, die trotzdem noch Laufzeiten von mehreren Stunden bis zu einem Tag haben können. Diese könnten zum einen durch breitbandige Internetzugänge direkt übertragen oder auch die jeweiligen Ärzte direkt im Rahmen einer Videokonferenz zugeschaltet werden 82 . Somit wäre ein Austausch von Diagnosemeinungen und Konsultationen im Falle einer schwierigen Operation problemlos zu realisieren. Ein solches Projekt
80 vgl. „KLCom - Videokonferenz MCU“ (15.02.2001)
81 vgl. Lehner/Dustdar (Telekooperation), S. 368-369
82 vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 192-193
hat die Firma PictureTel bereits 1998 in der Anwendung gezeigt, als man demonstrierte wie via Satellit eine Videokonferenz aus einem Passagierflugzeug mit der Universität Tübingen hergestellt wird und über Ferndiagnose und Operationsanweisungen eine Zwangsoperation durchgeführt werden kann. 83 Auch sind in Zukunft Teleoperationen denkbar, bei denen der Experte nicht direkt anwesend sein muss, sondern über Videokonferenz und einem Operationsroboter den Eingriff selbst vornimmt und nicht Kollegen dazu anweisen muss 84 .
e. Streaming / Real Media
Streaming-Technologien ermöglichen das Abspielen bzw. Verarbeiten von Daten, auch wenn diese noch nicht komplett auf den lokalen Rechner übertragen wurden. Dazu werden beispielsweise beim Videostreaming eine gewisse Datenmenge zwischengelagert (Buffering) und aus diesem Puffer bereits die Übertragung gestartet. Während die Aufzeichnung abläuft werden im Hintergrund weitere Daten auf den Rechner geladen, so dass, wenn die Bitrate des Mediums identisch oder kleiner ist als die Bandbreite des Zugangs, eine unterbrechungsfreie Übertragung möglich ist. So ist für eine Übertragung von Musikstücken in CD-naher Qualität mindestens ein Zugang mit einer Bandbreite von 128 KBit/sec nötig. 85 Der Begriff „Real Media“ wurde von Real Networks 86 geprägt, die in ihren Produkten auch die von Microsoft entwickelte Streaming-Technologie verwendet. Für breitbandige Anwendungen ist insbesondere der Bereich Videostreaming relevant und soll hier betrachtet werden, da dieser nur mit ausreichender Bandbreite entsprechende Qualität bieten kann und der Bereich sein wird, in dem sich zukünftige Entwicklung am stärksten fokussieren werden.
Anwendungsmöglichkeiten des Videostreaming bieten sich beispielsweise bei der Verbreitung von Kinotrailern, die im Consumer-Markt sehr beliebt sind und deshalb mit weiteren Marketingmaßnahmen gekoppelt werden können, um den Erfolg von Filmproduktionen zu steigern. Weiterhin lassen sich Fernsehproduktionen, deren Ausstrahlung bisher nur über Kabelnetz oder Satellitenempfang möglich waren, problemlos über das Internet vertreiben und den Zuschauern weltweit zur Verfügung stellen. Besonderes Interesse erfahren hier die Bereiche Reise-Infotainment, also die Urlaubsplanung anhand von Reisevideos, Sportberichterstattungen und die Live-Übertragung von Events wie Konzerten oder Parteitagen. 87 Bisherige Streamingübertragungen im Internet waren aufgrund der beschränkten Bandbreite nur bedingt geeignet um dem Benutzer ein zufriedenstellendes Bild zu liefern. Dies wird allerdings von den Zuschauern erwartet, die solche Formen der Ausstrahlung zunächst am TV-Standard messen.
83 vgl. „Satelliten-Videokonferenz“ (15.02.2001)
84 vgl. Reischl (Mobile Revolution), S. 161-163
85 vgl. „GLOSSAR.de“ (07.02.2001)
86 vgl. http://www.realnetworks.com, Unternehmen, das sich auf die Vermarktung und Entwicklung von
Streaming-Technologien spezialisiert hat und als Standard-Abspielprogramm den sog. „RealPlayer“ vertreibt
87 vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 182-183
Eine ähnliche Anwendung, allerdings keine Echtzeitübertragung, stellt „Video-on-demand“ (VoD) dar. Hier werden bereits fertige Videos und Filme oder gesendete Beiträge in einer Online-Datenbank zum Abruf zur Verfügung gestellt. Der Benutzer kann auswählen welchen Beitrag er wann sehen will. Dieser Bereich wird zukünftig, mit der flächendeckenden Einführung von Breitbandleitungen und der Verschmelzung von Fernsehgerät und Internet oder auch der Nutzung anderer Endgeräte wie Datenbrillen, ein neues Geschäftsfeld für die Medienunternehmen werden. So werden bereits erste Schritte im Rahmen des „Cinema-on-demand“-Projektes 88 unternommen und entsprechende Topologien und Datenbanken errichtet. Bei diesem Projekt wird der Endnutzer, ähnlich dem bisherigen Pay-per-view-Prinzip, nur für das zahlen, was er auch wirklich sehen will. Preismodelle liegen zwar noch nicht vor, aber die Kosten für einen Film werden je nach Typ bei bis zu ca. 5,- DM liegen. Je nach Bandbreite sind Filmqualitäten bis zum DVD-Bereich möglich und bieten somit eine erheblich höhere Qualität als bisherige VHS-Kassetten im Videoverleih.
Für den gewerblichen Bereich sind hier vor allem für Journalisten und Nachrichtenagenturen eine zentrale Film- und Bilddatenbank denkbar, auf der Beiträge und Bilder abgelegt und gegen Kostenerstattung heruntergeladen werden können. Bei Verwendung von digitalen Aufzeichnungsgeräten (Digitalkamera u.ä.) ist es nicht mehr nötig Hardcopies anzufertigen. Es ist eine direkte Einbindung in die Datenbank möglich. Mit Hilfe von digitalen Wasserzeichen kann die urheberrechtliche Kennzeichnung gewährleistet und ein Missbrauch von Daten ausgeschlossen werden. 89
88 vgl. http://www.cinema-on-demand.de
89 vgl. Berezak-Lazarus (ADSL), S. 194-195
f. Application Service Providing
Im Rahmen des Application Service Providing (ASP) werden von einem Dienstleistungsunternehmen Softwareprodukte zur Miete über das Internet angeboten. Dabei entrichtet der Benutzer entweder eine pauschale monatliche Vergütung oder zahlt Gebühren in Abhängigkeit von der Nutzungsdauer 90 . Prominenter Anbieter in Deutschland ist T-Online mit seinem Angebot ASPON 91 , das Office-Produkte in verschiedenen Zusammenstellungen und gegen eine geringe Gebühr den Anwendern zur Verfügung stellt. Komplette Betriebssysteme lassen sich beispielsweise bei WebOS 92 anmieten, einzige Voraussetzung ist ein internetfähiger PC als Zugang. Beim ASP bleiben alle Daten auf dem Rechner des Anbieters, so dass keine Installation auf dem lokalen Rechner des Benutzers notwendig ist. Benötigte Daten für das Arbeiten mit der angemieteten Software werden vom Benutzer auf einem sog. Webdrive 93 abgelegt und können von dort aus genutzt werden. Eine Einbindung in VPN-Strukturen ist möglich und wird von einigen Anbietern bereits realisiert.
Zwar lassen sich bereits mit einer ISDN-Kanalbündelung (128 KBit/sec) annehmbare Verarbeitungsgeschwindigkeiten erreichen, allerdings sind wegen der Bandbreite bisher nur wenig datenintensive Arbeiten möglich. Insbesondere für den Datentransfer zum Webdrive stellen die schmalbandigen Zugänge noch das Nadelöhr dar. Aufgrund des im Moment noch sehr geringen Angebots an ASP nutzen in Deutschland bisher nur etwa 5% der Unternehmen diese Möglichkeit. In den USA zum Vergleich wird dieses Modell bereits von 78% der Unternehmen genutzt. 94 Hier wird das sehr große Wachstumspotenzial dieser Anwendung deutlich. Weltweit gibt es zur Zeit nur etwa 200 ASP-Anbieter, diese Zahl wird in den nächsten Jahren allerdings sicherlich rapide ansteigen.
ASP bietet einige wichtige Vorteile, die sowohl für den privaten als auch für den gewerblichen Nutzer entscheidend sein können. So sind zunächst die Kosten für ASP verhältnismäßig gering, da die Nutzung mit der monatlichen Vergütung abgegolten ist und der Benutzer nicht verpflichtet ist das Produkt als solches zu kaufen. Weiterhin entfallen regelmäßige Kosten für Updates und Upgrades, da dies durch den Anbieter vorgenommen wird. Ebenso entfallen aufwendige und teilweise komplizierte Installationen vor Ort. Insbesondere für den Konsumenten entfallen die aufwendige Suche und die Beratungen in Fachgeschäften, da der ASP-Anbieter bereits passende Standardlösungen bereit hält. Der Entwicklungstrend in den Betriebssystemen, hier gerade beim weitverbreiteten System Windows
90 vgl. „Application Service Providers“ (16.02.2001)
91 http://www.aspon.de, auf der Website besteht auch die Möglichkeit über einen Testzugang ASP in der
Anwendung zu erfahren
92 http://www.webos.com, dieser Dienst befindet sich noch im Beta-Stadium, bietet allerdings bereits einen
Einblick in die Möglichkeiten des Anmietens von kompletten Betriebssystemen
93 Speicherplatz auf einem ans Internet angeschlossenen Server, wird in der Regel vom Anbieter mit zur
Verfügung gestellt (evtl. gegen Aufpreis)
94 vgl. „GLOSSAR.de“ (07.02.2001)
und dem Trend zu der von Microsoft entwickelten .NET-Technologie 95 wirkt unterstützend auf diese Entwicklung.
Für den Bereich ASP lassen sich generell sechs verschiedene Kategorien 96 erfassen:
Mit der Einführung von flächendeckenden Breitbandzugängen, auch im Mobilbereich mit UMTS und den entsprechenden Endgeräten, wird dieser Bereich sicherlich eine tragende Rolle spielen, nicht zuletzt aufgrund der geringen Kosten, die im Konsumentenbereich dem Unterhaltungssektor große Chancen beim Verkauf und Vertrieb solcher Leistungen eröffnet. Im gewerblichen Bereich bieten sich große Einsparungsmöglichkeiten bei der Anschaffung von lizenzierter Software. Dabei spielt die Betriebsgröße an sich keine tragende Rolle, vielmehr ist der Grad der Nutzung der anzuschaffenden Software entscheidend. Bei nur gelegentlicher bis seltener Nutzung oder im Bereich der Telearbeit bietet sich eine Lösung via ASP sicherlich an, bei intensiver Nutzung kann evtl. der Kauf der Software wieder Vorteile haben, da eine Netzwerklizenz günstiger sein kann als die für das Gesamtunternehmen zu zahlende monatliche Mietgebühr.
95 Die .Net-Technologie will Informationen jederzeit, an jedem Ort und auf jedem beliebigen Gerät verfügbar
machen über einheitliche Schnittstellen und permanente Netzanbindung (Vision der vollständigen globalen
Vernetzung)
96 vgl. „Subscribing to your software“ (16.02.2001)
II. Auswirkungen auf Organisationsstrukturen
Im folgenden sollen mögliche Auswirkungen auf die Organisationsstrukturen von Unternehmen intern und extern betrachtet werden. Da eine detaillierte Betrachtung aller Auswirkungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird hier nur auf jeweils eine Form der Wirkung für die unternehmensinterne und unternehmensexterne Organisation eingegangen.
a. Teleworking
Teleworking, oder auch Telearbeit, bezeichnet die wohnortnahe Arbeit unabhängig vom Firmenstandort an mindestens einem Arbeitstag pro Woche, wobei primär verschiedene Formen der Informationstechnologie zur Übertragung von Arbeitsergebnissen eingesetzt werden. 97 Man unterscheidet in der Literatur verschiedene Formen des Teleworking, die in der folgenden Abbildung schematisch dargestellt werden sollen.
Abb. 3: Formen des Teleworking
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Broschüre „Telearbeit“
Heimbasierte Telearbeit kann entweder isoliert, d.h. ausschließlich zuhause, erfolgen oder auch alternierend, also beispielsweise zwei Tage zuhause und drei Tage im Büro. Die isolierte Telearbeit hat allerdings als großen Nachteil die soziale Isolierung, da der direkte Kontakt zu Kollegen vor Ort fehlt. Die mobile Telearbeit bietet den größten Spielraum für autonome Arbeitsgestaltung, ermöglicht dem Arbeitgeber aber auch die ständige Erreichbarkeit des Mitarbeiters. On-Site-Telearbeit erfasst alle Tätigkeiten, die stationär und teilweise auch nur projektbezogen beim Kunden oder Lieferanten vor Ort erfolgen. Auch sind hier beispielsweise feste Einrichtungen möglich, die dem stärkeren Kundenkontakt dienen (Kompetenzzentrum vor Ort). Telezentren werden in der Nähe der Mitarbeiter errichtet und bieten die Möglichkeit des wohnortnahen Arbeitens, stellen allerdings keine direkte
97 vgl. Voß (Telearbeit), S. 27
Form der isolierten Telearbeit dar, sondern vielmehr eine Verschiebung des Arbeitsplatzes zum Mitarbeiter (Satellitenbüros). Weniger üblich sind sog. Nachbarschaftsbüros als Telezentren, da hier Mitarbeiter mehrerer Unternehmen am gleichen Ort arbeiten und aus diesem Grund stärkere Koordinationsprobleme auftreten können.
Bisher wird in Deutschland allerdings nur von den wenigsten Unternehmen Teleworking als Form der Dezentralisierung von Arbeit genutzt. So sind in Deutschland bislang nur etwa 2,2% aller Arbeitnehmer als Telearbeiter anzusehen. Im Vergleich dazu sind in Großbritannien bereits 7,0%, in Holland 9,1% und selbst EU-weit immerhin 3,1% der Beschäftigten im Bereich des Teleworking tätig 98 . Dies zeigt, dass insbesondere in Deutschland ein starker Aufholbedarf für diese Form der dezentralisierten Arbeit möglich und nötig ist. Besonders deutlich wird dieser Aufholbedarf, wenn man sich die Situation in den USA betrachtet, wo nahezu 80% der Unternehmen die eine oder andere Form von Telearbeit nutzen. 99
Zwar bieten sich nicht alle Tätigkeiten zur Dezentralisierung über Telearbeit an, aber in einigen wichtigen Bereichen kann die Entwicklung zu flächendeckender Verfügbarkeit von Breitbandleitungen dazu beitragen, dass sich diese Arbeitsform verstärkt auch in Deutschland durchsetzen kann. Experten halten eine Produktivitätssteigerung von bis zu 11%, durch flexiblere Arbeitszeiteinteilung und gesteigerte Motivation der Mitarbeiter, für realistisch 100 . Neben den bisher üblichen Anwendungen von Teleworking im Bereich der standardisierten Bürotätigkeiten bietet sich zukünftig eine Anwendung beispielsweise im Bereich der Konstruktion und Produktentwicklung an 101 . Unter Einbezug der bereits erwähnten Techniken Videoconferencing, ASP und VR lassen sich F&E-Tätigkeiten in Teamarbeit auch problemlos von einem Heimarbeitsplatz aus durchführen. Technische Informationen und Zeichnungen, die bisher aufgrund von mangelnder Bandbreite und ungenügender Leistung von Home-PCs Probleme verursacht hätten, können nun problemlos übertragen und zuhause bearbeitet werden. Mit der Einführung von UMTS stellt eine Bearbeitung solcher Zeichnungen im Bereich der mobilen Telearbeit kein unüberwindbares Problem mehr dar.
Für den Bereich des Vertriebs, insbesondere im verkaufsfördernden Außendienst, bieten sich neue Möglichkeiten der Produktpräsentation vor Ort. So können aufwändige Präsentationen, die bisher auf CD-ROMs mitgeführt werden mussten, direkt und aktuell vom jeweiligen Firmenserver auf ein mobiles Gerät übertragen und angezeigt werden. Auch denkbar wäre die Aufwertung eines Call-Centers zu einem „Call’n’See-Center“ 102 , bei dem die Mitarbeiter entweder in einem Telezentrum oder auch zuhause, im Rahmen eines Heimarbeitsplatzes per Videokonferenz mit dem Anrufer verbunden
98 vgl. Reischl (Mobile Revolution), S. 190-195
99 vgl. Voß (Telearbeit), S. 47
100 vgl. de Vries (Business-Lösungen), S. 34
101 vgl. Rensmann/Gröpler (Telearbeit), S. 45
102 eigener Neologismus, da noch keine standardisierte Begriffsdefinition vorhanden
werden. Es besteht dann die Möglichkeit zu einem persönlicheren Kontakt als dies über eine herkömmliche reine Sprachverbindung am Telefon möglich ist. UMTS stellt hier die Grundlage für zukünftige Anwendungen im Mobilbereich dar.
Weiterhin können sich Möglichkeiten im Bereich Maschinenbau und Architektur eröffnen, da hier mit relativ großen Dateien, bedingt durch CAD-Anwendungen, g earbeitet werden muss. Zeitkritische Übertragungen vom Heimarbeitsplatz eines Architekten ins Büro oder direkt zum Kunden werden durch Breitbandzugänge problemlos möglich. Auch vorstellbar ist das automatische Updaten eines großen Hauptprojektes, das durch einzelne Mitarbeiter von zuhause aus in Teilprojekten bearbeitet wird. Dabei werden die aktuellen Daten des Teilprojektes regelmäßig zum Firmenrechner übertragen, der das Projekt dann jeweils aktuell im Entwicklungsfortschritt präsentieren kann. Besonders wichtig kann dies bei Produktentwicklungen sein, die durch global verstreute Teams entwickelt werden, aber zentral vermarktet und beurteilt werden sollen.
Telearbeit bietet eine Reihe von Vor- aber auch Nachteilen sowohl für den Telearbeiter, den Arbeitgeber und auch die Gesellschaft, die in der folgenden Tabelle aufgeführt werden sollen.
Tab. 5: Vor- und Nachteile von Teleworking
Quellen: „HTOB 97: Thesenpapier zur Telearbeit“ (17.02.2001); Rensman/Gröpler (Telearbeit), S.28-32
b. Virtuelle Unternehmen
Als eine besondere Form von Telekooperation bzw. Telearbeit sind die virtuellen Unternehmen anzusehen. Die klassische Telearbeit stellt den Ausgangspunkt für die Entwicklung solcher Unternehmensstrukturen dar. Unter einem virtuellen Unternehmen soll hier ein loser, aber dennoch dynamischer Zusammenschluss von mehreren rechtlich oder organisatorisch unabhängigen Unternehmen oder Organisationseinheiten verstanden werden. Ziel ist es, die Kernkompetenzen der jeweiligen Partner in einem „gemeinsamen Wertschöpfungsprozess unter Nutzung informationstechnischen Vernetzung synergetisch und komplementär zu nutzen“ 103 .
Die folgende Abbildung soll einen schematischen Überblick über den vereinfachten Aufbau eines virtuellen Unternehmens bieten. Dabei stellt sich für den Kunden das eigentliche, initiierende Unternehmen nicht offensichtlich als ein Netzwerk aus Teams und Projektgruppen dar, sondern als eine Unternehmenseinheit. Die Verflechtungen sind nur von interner und in der Regel projektbezogener, also temporärer Natur, allerdings ist die Zusammenarbeit generell eher langfristig angelegt. Virtuelle Unternehmen stellen eine Kombination von Kernkompetenzen dar und werden durch Zusammenschluss von entsprechenden Partnern aus dem Netzwerk-Pool der Projektgruppen gebildet. Nach Abschluss der Leistungserstellung und Finanztransaktionen lösen sich virtuelle Unternehmen in der Regel wieder auf. 104
Abb. 4: Virtuelle Unternehmen
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Krystek/Redel/Reppegather (Virtuelle Organisationen), S. 408
103 rein betriebswirtschaftlich eingeschränkte Sichtweise, der Begriff umfasst weitere Dimensionen,
beispielsweise aus der Systemtheorie und Psychologie, vgl. dazu Krystek/Redel/Repegather (Virtuelle
Organisationen), S. 4 ff.
104 vgl. „Virtuelle Unternehmen“ (19.02.2001)
Diese Form der ad-hoc Organisation und Bündelung von Kernkompetenzen zur Erfüllung von spezifischen Kundenbedürfnissen ermöglicht es dem Management sich wesentlich besser und stärker als bisher auf die immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen und neuen Technologien einzustellen und darauf zu reagieren. 105
Allerdings stellen virtuelle Unternehmen auch besondere Anforderungen sowohl an Mitarbeiter als auch an die Führungskräfte. So bedeuten virtuelle Unternehmensstrukturen für das Management eine höhere Führungskomplexität aufgrund des Koordinationsbedarfs der Projektgruppen. Auch das Wissen um Teammanagement ist von grundlegender Bedeutung, um Gruppenmotivation zu schaffen und um auf Vertrauensbasis Konfliktbewältigung zu erreichen. Die Arbeitskontrolle sollte hier im Rahmen eines partizipativen „management by objectives“ 106 geschehen. Vom Management wird eine starke Technologieorientierung und Flexibilität im Rahmen von Job-Rotation erwartet.
Für den einzelnen Mitarbeiter im Projektteam bedeuten virtuelle Unternehmen die Anforderung einer ausgebildeten Fähigkeit zur Teamarbeit und Konfliktbewältigung. Trotzdem müssen Projektbeiträge selbständig im Rahmen der Vorgaben in der Form eines „Unternehmers-im-Unternehmen“ abgewickelt werden. Voraussetzungen hierfür sind sowohl die tiefgehende Fachkenntnis, die Kernkompetenz also, eine ebenso starke Technologieorientierung als auch die Fähigkeit zum Selbstmarketing, der Darstellung der Projektergebnisse und der eigenen Person, beispielsweise im Rahmen von stark genutzten Videokonferenzsystemen. 107
Der Einfluss der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) auf die Bildung von virtuellen Unternehmen ist nicht zu unterschätzen. Erst durch entsprechende Kommunikationsmöglichkeiten werden virtuelle Unternehmen möglich. Somit ist die IuK Wegbereiter für diese neue Form der Organisation. Dies gilt vor allem für global agierende virtuelle Unternehmen. 108 Gerade die stetig sinkenden Kosten für Breitbandleitungen und die angemessenen Möglichkeiten der Sicherung des Datentransfer über das Internet 109 werden zukünftig für eine stärkere Anwendung solcher Bündelung von Kernkompetenzen, über die Unternehmensgrenzen hinweg, sorgen.
Jedoch ist die IuK nicht der einzige Einflussfaktor auf die Bildung von virtuellen Unternehmen. Zu berücksichtigen sind auch sowohl Entwicklungen im Bereich Bildungswesen, Fördermaßnahmen
105 vgl. „Statement zum Panel Virtuelle Unternehmen“ (19.02.2001)
106 Vorgesetzter und Mitarbeiter vereinbaren eine zu erfüllende Zielvorgabe, die in gegenseitiger Abstimmung
als Kompromisslösung von beiden akzeptiert wird
107 vgl. Krystek/Redel/Repegather (Virtuelle Organisationen), S. 167-179
108 vgl. Wolter/Wolff/Freund (Virtuelle Unternehmen), S. 26-29 und Krystek/Redel/Repegather (Virtuelle
Organisationen), S. 364-365
109 angesprochen sind hier Sicherungsmaßnahmen wie Virenscanner, Firewall oder auch Kryptotechniken, die
dazu dienen sollen den Datentransfer gegenüber Hackerangriffen zu schützen, vgl. auch Wolter/Wolff/Freund
(Virtuelle Unternehmen), S. 50-52
seitens des Staates, rechtliche Faktoren als auch Standardisierungsfragen. So ist es noch nicht selbstverständlich, dass insbesondere in mittelständischen Unternehmen ausreichend qualifiziertes Personal vorhanden ist, um alle Möglichkeiten der IuK zu nutzen. Doch gerade für mittelständischen Unternehmen bieten sich virtuelle Unternehmensorganisationen an. Durch diese Möglichkeit dadurch große Projekte realisieren zu können, die unter anderen Bedingungen wegen mangelnder Kompetenz oder Ressourcen nicht durchführbar wären. Neben den staatlichen Förderungen stellt sich die Frage des Koordinations- und Regelungsbedarfs einer solchen Organisation. Fragestellungen wie Dauer des virtuellen Unternehmens, Zuordnung von Ressourcen oder auch Weisungs- und Koordinationsrechte müssen hier festgelegt werden. Im Rahmen von Standardisierungsfragen ist zu klären, welcher Standard beispielsweise für die Übermittlung von Daten gelten soll, wobei hier gilt, dass Standards relativ weit gefasst sein sollten, um eine „Insellösung“ zu vermeiden. 110
Für die Entscheidung zur Bildung eines virtuellen Unternehmens sprechen eine Reihe von verschiedenen Gründen, von denen hier einige exemplarisch genannt sein sollen: 111
Für die spezifische Anwendung von Breitbandtechniken bieten sich ähnliche Formen, wie bereits im Rahmen des Abschnittes Teleworking besprochen, an. Da es sich bei vielen Projekten im F&E-Bereich um zeitkritische und kostenintensive Anwendungen handelt, bietet sich die Lösung im Gesamtunternehmensbereich mittels eines virtuellen Unternehmens an, um Kosten zu reduzieren und die Kernkompetenz anderer einzubinden. Nur so lassen sich mit einem beschränkten Budget auch innerhalb kürzester Zeit Erfolge vorweisen.
Ein Beispiel aus der Unternehmenspraxis, welches das hier geschilderte Konzept verdeutlicht, ist die „Virtuelle Fabrik“ 112 . Bei dieser virtuellen Fabrik handelt es sich um ein stabiles Netzwerk von ausgewählten Partnerunternehmen, die ihre Kernkompetenzen je nach Bedarf kombinieren, um das bestmögliche Resultat für den Kunden zu ermöglichen. Die virtuelle Fabrik besteht aus eine Reihe von weiteren Subnetzen für die Bereiche Bodensee, Rhein-Ruhr, Baden-Württemberg und
110 vgl. Wolter/Wolff/Freund (Virtuelle Unternehmen), S. 63-81
111 vgl. Goldman/Nagel/Preiss/Warnecke (Wettbewerb), S. 176-184 für ausführliche Erläuterungen zu diesem
Thema
112 vgl. http://www.virtuelle-fabrik.org
Nordwestschweiz-Mittelland. In diesen jeweiligen Netzen sind eine Vielzahl von Partnerunternehmen vertreten, darunter auch renommierte Großunternehmen wie beispielsweise die Siemens AG.
Abb. 5: Die virtuelle Fabrik
Quelle: Virtuelle Fabrik - Euregio Bodensee (20.02.2001)
Für den Kunden zeigt sich hier eindeutig der Vorteil agiler Unternehmen, die sich ad-hoc zu einem Verbund zusammenschließen, um das gewünschte Produkt herstellen zu können. Im Gegensatz zu den bisherigen Kooperationsformen, wie strategische Allianzen oder Joint Ventures, die in der Regel lange Vorbereitungszeiten und eine teilweise mehrjährige Aufbauphase durchlaufen müssen, kann eine virtuelle Fabrik innerhalb kürzester Zeit flexibel auf die Kundenwünsche reagieren und den Herstellungsprozess aufnehmen.
Zwar sind bis jetzt virtuelle Unternehmen in der Praxis eher die Ausnahme, aber aus einer empirischen Untersuchung, die von Oktober 1999 bis April 2000 am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Hamburg 113 durchgeführt wurde, geht hervor, dass immerhin 56% der befragten Unternehmen ihren Wirkungskreis auch ins globale virtuelle Unternehmen ausweiten wollen. Somit wird in absehbarer Zukunft eine verstärkte Nutzung von virtuellen Unternehmen, auch im internationalen Bereich, sicherlich zu beobachten sein. Der Beitrag der IuK, insbesondere der Breitband-Internetzugänge, ergibt sich aus der Basis von virtuellen Unternehmen, der Telekooperation bzw. Telearbeit. Hier werden gerade die sehr datenintensiven Anwendungen im Produktentwicklungsbereich (CAD bzw. CAE-Anwendungen 114 ) zum Tragen kommen.
113 Menke/Libowski (Virtuelle Unternehmen), S. 13
114 CAD = Computer Aided Design, CAE = Computer Aided Engineering
III. Entwicklungstendenzen und Aussichten
Die stete Entwicklung im Bereich der Informationstechnologie und der Breitband-Internetzugänge bewirkt auch eine zukünftige Änderung von Unternehmensorganisationen und der Arbeitswelt im Allgemeinen. So werden in Zukunft Unternehmen wesentlich weniger Führungsebenen aufweisen als heute. Die herkömmlichen Hierarchiestrukturen werden weniger Bedeutung erfahren und der Fokus wird sich auf die Vernetzung von Organisationen und vor allem von Wissen richten. Arbeitsabläufe werden weniger sequentiell als vielmehr synchron abgewickelt werden und somit eine erhebliche Produktivitätssteigerung bewirken. Charles M. Savage spricht von einem „Fifth Generation Management“ 115 , das die Aufgabe trägt, die Verwendung von Informationstechnologie so zu koordinieren, dass auch bei sich ständig verändernden Konstellationen von Arbeitsteams ein ständiger Kontakt bestehen bleibt und die Organisation der Vernetzung nicht letztlich im Chaos endet. Dies stellt eine hochkomplexe Aufgabe für das Management der kommenden Jahre dar. 116
Aber auch für die Mitarbeiter am unteren Ende, der bisher stark vertretenen hierarchischen Organisationen, bedeutet ein solcher Wandel große Umstellungen und neue Herausforderungen. So werden zukünftig Mitarbeiter wesentlich stärker ihre Teamfähigkeiten mit einbringen müssen, um im Rahmen eines Projektes gemeinsam mit anderen Arbeitsgruppen Ergebnisse zu erzielen. Auch wird sich das Bild vom Angestellten zum „Unternehmer-im-Unternehmen“ wandeln, Mitarbeiter werden mit der Eigenschaft eines Freelancers 117 beurteilt werden, auch mit allen sozialrechtlichen Konsequenzen, die dies bedingt.
Gerade für den Mittelstand bieten sich hier enorme Chancen und Möglichkeiten das bestehende Geschäft auszuweiten und neue, bisher von den Ressourcen eingeschränkte, Projekte anzugehen. Dies bedeutet eine enorme Wettbewerbsstärkung, da der Mittelstand hier in direkter Konkurrenz zu den traditionellen Großunternehmen stehen kann. Auch wenn derzeit Kooperationsformen wie virtuelle Unternehmen noch eher die Ausnahme sind, so zeigen doch Beispiele aus der Praxis, dass sich eine solche Form der Kooperation und Organisation bewähren kann und bewähren wird. Die Entwicklung und Bereitstellung von flächendeckenden Breitband-Internetzugängen kann hier die Basis und der Wegbereiter für eine weitere Entwicklung in diese Richtung sein. Allerdings müssen auch hier noch weitere Rahmenbedingungen erfüllt werden. Staatliche Stellen sind gefordert mit entsprechenden Fördermaßnahmen und dem Setzen von Schwerpunkten im Bereich der Bildung dieser Entwicklung Vorschub zu leisten.
115 vgl. Savage (Management), S. 123 : 1. Generation = Unternehmer ist ebenfalls Eigentümer , 2. Generation =
bürokratische Unternehmensorganisation, steile Hierarchien, 3. Generation = Matrixorganisation, 4. Generation
= vernetzte Hierarchien, 5. Generation = vernetzte Organisationen
116 vgl. Savage (Management), S. 120-123
117 engl. Bezeichnung für eine freiberuflich tätige Person
D. Zusammenfassung und Beurteilung
Die Entwicklung und flächendeckende Verfügbarkeit von Breitband-Internetzugängen in Deutschland befindet sich noch am Anfang. So haben einige der genannten Breitband-Techniken noch erhebliche technische Probleme und es stellt sich letztlich die Frage, ob sie auch wirklich jemals in den Massenmarkt eingeführt werden können. Insbesondere die PowerLine-Technik kämpft noch mit erheblichen Problemen, die es nicht ermöglichen diese Technik bereits einzuführen 118 .
Der Ausbau von DSL für den Massenmarkt vollzieht sich nur schleppend, was man der aktuellen Tagespresse regelmäßig entnehmen kann. Die Deutsche Telekom AG hat mit dem Ansturm von nahezu einer halben Million Kunden, die innerhalb von kürzester Zeit auf einen DSL-Anschluss wechseln wollten, stark zu kämpfen und verzögert damit die flächendeckende Verfügbarkeit dieser Technik. Hinzu kommen noch technische Probleme, die durch die Hardware (Splitter, ADSL-Modem) bedingt sind. So häufen sich in letzter Zeit auch Beschwerden von Benutzern über Leitungsunterbrechungen und Komplettausfälle. Ob eine flächendeckende Verfügbarkeit von DSL möglich ist und vor allem wann lässt sich momentan noch nicht abschätzen 119 .
Andere Techniken wie Richtfunk oder Kabelmodems werden zwar stetig ausgebaut, sind aber ebenfalls noch weit von einer wirklich flächendeckenden Verfügbarkeit entfernt. Bei letzterer Technik stellt sich auch das Problem, dass viele der verlegten Kabel nicht rückkanalfähig sind und demzufolge nicht unbedingt für den Ausbau geeignet scheinen. Allerdings kann man hier durchaus auch in naher Zukunft eine ausreichende Flächendeckung erwarten. UMTS wird zukünftig, sobald die Netze und Endgeräte zur Verfügung stehen, sicherlich eine bedeutende Rolle für den Multimediabereich spielen. Jedoch sind hier noch keine Preisstrukturen verfügbar und es bleibt abzuwarten, ob sich diese Technik für den Endverbraucher rechnet.
Für die Unternehmen generell und im speziellen für den Mittelstand bieten sich aber interessante neue Möglichkeiten um bestehende Kernkompetenzen wirkungsvoller zu vermarkten und auszubauen. Hierbei können die angesprochenen Breitband-Zugänge einen wichtigen Beitrag leisten. Voraussetzung ist und bleibt aber die Wandlungsbereitschaft und Innovationsfreude der einzelnen Unternehmen und ihrer Führung und Mitarbeiter.
118 vgl. „PowerLine“ (II) (09.02.2001)
119 vgl. „ZDNet News - Neue Site für T-DSL Kunden auf der Warteliste“ (20.02.2001)
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Andreas Emmert, 2001, Next Generation Internet - Darstellung, Entwicklungstendenzen, wirtschaftliche Bedeutung, Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag GmbH
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